Gedenket der hungernden Vögel!
Aus Stadt und Land.
Kleyen, lu. ^anuar 1911.
Tageskalender für Dienstag, 10. Jan. Stadt- lheater: „Das Leutuautsmünbel". Aiuang 8 Uhr.
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** Die Einwohnerzahl des Kreises "Gießen wird im heutigen Amtsblatt amtlich mstgeteilt. Sie beträgt 93933 gegen 88476 vor fünf Jahren. Die Zunahme beträgt 6,17 Proz. und übertrifft die prozentuale Zunahme im Lande um etwa einen halben Prozent.
** Für die Sitzung der Stadtverordneten- Versammlung am Donnerstag, 12. Januar, nachmittags 5 Uhr, ist, soweit die Sitzung öffentlich ist, nur bie Einführung und V ervflich tung der neu bezw. wiedergewählten Mitglieder der Stadtverordneten-Ver- sammlung vorgesehen. In der sich anschließenden nichtöffentlichen Sitzung erfolgt die Einteilung der Deputationen und Ausschüsse.
** Trauerfeier für Geheim erat v. Gagern. Aus Berlin, 9. Jan., wird uit§ Hemeldet: Für den verstorbenen hessischen Gesandten Frerherrn v. Gagern sand vormittags in der Hedwigslirche Trauerfeier statt, der als Vertreter des Kaisers der Generaladjutant General der Kavallerie v. Scholl, als Vertreter der Kaiserin der Kabinettschef Kammerherr v .Behr-Pinnow, der Reichskanzler, ferner der wirkliche Geheime L-egatipnsrat Zimmermann in Vertretung des abwesenden Staatssekretärs des Auswärtigen Amtes, zahlreiche Mitglieder, des diplomatischen Korps, des Bundesrats und der Staatsbehörden beiwohnten.
** Erledigte Oberlehrerstelle. Eme Oberlehrerstelle an dem Neuen Gymnasium zu Darmstadt. Bewerber, die die Lehrbefähigung in der Religion für alle Klassen und im Hebräischen besitzen müssen, wollen sich am 22. Januar 1911 melden.
** Lehrerpersonalien. Der Großherzog hat den Lehrer an der Volksschule zu Worms Julius Arras zum Zeichenlehrer an der Oberrealschule zu Worms ernannt Bestätigt wurden der von dem Fürsten zu Solms-Braun- fels auf die Lehrerstelle an der Gemeinoeschule zu R ö t h g e s präsentierte Schulamtsaspirant Albert Gon der aus Nieoer-Breidenbach; der von dem Fürsten zu Solms-Braun- sels auf die Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Non- nenroth präsentierte Schulamtsaspirant Jak. Welter aus Ober-Eschbach. Erledigt ist eine mit einem evang. Lehrer zu besetzende Stelle an der Gemeindeschule zu Arheilgen.
• • Steueramtsperson ali en. Der Großherzog hat den Hauplsteueramtsassislenten bei bem Hauptsleuercmn Mainz Franz Neumann an baS Hauplsteueramt Larm- ftabt versetzt.
* Erledigt ist die Stelle bes ForstwartL ber Forst- wartei Nubingshain.
* • In den Ruhestand versetzt wurde der Schaffner Aug. Bender in Hungen.
** Eine Sitzung des Provinzialausschusses smdet am Samstag, 14. Januar, vorm. 9 Uhr, mit folgender L.agesordnung statt: 1. Klage bes Ortsarmenverbandes Arieb- berg gegen den Ortvarmenverband Jlbenpadt wegen Unterstützung des Wilh. Lucas. 2. Beschwerde der Firma Bänninger, G. m. b. H. in Gießen, gegen die Heranziehung zu den Kanalgebühren. 3. Aufbrrngung der Kosten des GetänoeecwerbS für die Nebenbahn Grebenham—Gedern; hier Urteitöverkündigung. 4. Antrag auf Entziehung der Befugnis zum Anleiten von Lehrlingen gegen Schloß errneister Otto Ebersohn von Hungen. 5. Enteignung in Gemarkung Ober-Gleen für die Wasserleitung Kirtorf; hier Aus- fpruch der Enteignung. 6. Rekurs gegen einen Polizeibefehl des KrnsamtS Gießen bezüglich des Ho,guts Utphe.
* * O b e v y e s s i f ch e r G e s a; i ch t s v e r e i n. Die auf Donnerstag, 12. Januar, angekündigte V er ein s s itz un a kann in dieser Woche nicht statt find en.
* * Heinrich-Knote-Abend. Man schreibt uns: Der Monat Januar wird für Gießen ein musrtalisches Er
rate Gefängnis erhalten habe. Der Angeklagte Bruhn a
Der Maschinist P f r tz n e r ist abends V-8 Uhr verhaftet war. den, alS er sich am dem Nachhausewege befand. Es wird ihm gerufen zu haben: „Haut sie!" und wird deshalb als Radelstührer betrachtet. Er hat vor seiner Der- nehmung vor der Polizei auch zugegeben, diesen AuSruf getan »u haben, behauptet aber nunmehr, er sei von dem vernehmenden Beamten dazu gezwunaen worden, da ihm dieser erklärt habe wenn er nicht einyeitändc müßte.er noch auf der Wache bleiben' Aus der Wache sei er mit Fußtritten traktiert und ein Arm sei
Der Angeklagte Janke gibt an, seit Juli 1910 bei der Firma Kupfer & Co. gearbeitet und 4,30 Mk. täglich verdient zu haben. Mit diesem Verdienst sei er schlecht ausgekommen, und deshalb habe er ffch beim AuSbruch des Streiks an diesem beteiligt. In einer Straße -r welche, kann er nicht sagen — habe er einen Kohlenwagen gesehen, der von Schutzleuten begleitet wurde und von einer großen Menschenmenge umgeben war. Er geriet dabei in die Menschenmenge hinein und hat gesehen, daß Steine herumgeslogen sind. Um sich zu schützen, habe er die Hände hochgehalten und sei in diesem Moment verhaftet worden. Er bestreitet entschieden, daß er in der Hand einen Stein gehalten Hüfte und sich auch sonst irgendwie an den Ausschreitungen beteiligt habe.
Der Angeklagte B o r o w i a k hat ebenfalls Bei Kupfer & Co. gearbeitet und 4,30 Mk. täglich Lohn erhalten. Er ist mit dem Verdienst zwar ausgekommen, aber sehr knapp, da seine Frau nicht rnttarbeiten konnte. Er hat auch Angst gehabt, allein weiter zu arbeiten, da er dann vielleicht von seinen Kollegen bedroht worden wäre. Er bestreitet entschieden, daß er sich an dem Werfen beteiligt habe.
Staatsanwalt Porzelt hält dem Angeklagten darauf vor, daß er bei einem früheren Streik bei Kupfer & Co. einen Arbeitswilligen mit einem Stock geschlagen habe und hierfür zwei Monate Gefängnis erhalten habe. — Der Angeklagte gibt dies zu.
Der Angeklagte Bruhn arbeitete seit April 1910 bei der ebenfalls gegen einen Tagesverdienst von 4.30 Mk. .An dem betrcfienben Montag ist er in den allgemeinen Streik eingetreten und hat mehrfach Streikposten gestanden. Am Freitag, 23. September, versah er diesen Dienst zwischen 12 und 2 Uhr vor der Löweschen Fabrik. Von dort bemerkte er einen Kupier,chen Kohlenwagen, der von Schutzleuten eskortiert wurde. Um den Kohlenwagen hatte sich eine große Menschenmenge, etwa 1000 Perionen, angesammelt. Aus der Menge wurden mehrfach Steine und Kohlenitücke gegen den Wagen geschleudert. Er stand aus ,einem Posten und hatte bie Hände hinten aus den Rücken gelegt. Bei dieser Gelegenheit sei ihm ein Stein in die Hand gelegt worden, von wem, weiß er nicht. Er hat den Stein sofort fortgeworfen, damit aber niemand getroffen, trotzdem wurde er sofort verhaftet.
Hande überfiel ein Gehöft am Fuße des Olymps, ermordete den EiLentümer und schlachtete dreißig Stuck Vieh
Bulgarische Grenzsoldaten besckossen em an der Linie Djumaibaka gelegenes türkisches Wach, haus Sie töteten zwei und verwundeten einen turn schen Grenzsoldaten. Die Türken erwiderten das Feuer, fünf bulgarische Soldaten sollen getötet bezw. verwundet jein._______
Der Musgang öes moabiter Prozesses.
4 Berlin, 9. Jan.
Sm großen Schwurgerichtssaale des alten Kriminalgerichts' lüebäudes in Moabit begann heute die Verhandlung gegen drc achtzehn Teilnehmer an den Moabiter Straßenkrawallen, deren Vergehen von ber Staatsanwaltschaft als Ausruhr und Lanb- sriedensbruch betrachtet wird, und deren Straftaten daher von der gegenwärtig noch schwebenden Strafkammerverhandlung übgetrennt und vor das Schwurgericht verwiesen wurden.
Den Vorsitz im Gerichtshöfe führt Landgerichtsdirektoi Unger: die Staatsanwaltschaft wird vertreten durch Oberstaats anwalt Preust, Staatsanwalt P orzelt und Staatsanwaltschaftsrat Dr. Stelzner. Verteidigt werden bie Angeklagten durch bie Rechtsanwälte Wolfgang Heine, Dr. Kurt Rosenfeld, Liebknecht, Herz, Heinemann, J.-R. Dr. Leonhard Friedmann und zwei Ofsizialverteibiger.
Der Vorsitzende stellt zunächst, die Anwesenheit ber achtzehn Angeklagten und ber Verteidiger fest. Die Angeklagten machen den typischen Eindruck von besclMigungslosen Arbeitern. Su erscheinen überwiegend ohne Kragen, zwei ober drei von ihnen sind aber mit schäbiger Eleganz gekleidet. Nach Bildung bei Geschworenenbank, wobei vier Ersatzgeschworcne ausgelcht,werden, werden bie Personalien ber Angeklagten festgestellt. Es sind bies: 1. der 30 Jahre alte Arbeiter Max Janke, 2. der 41jährige Arbeiter Jakob T ra u, ein österreichischer Staatsangehöriger, 3. der 26 Jahre alte Arbeiter vranz Zofka, 4. ber 23jährige Maschinist Georg Pfitzner, 5. ber 42jaörigi Arbeiter Ignatz Orlowski, 6. ber 28jährige Stanislaus Bo ° rowiak, 7. der 18jährige Arbeiter Michael Luk sch, 8. der 21 Jahre alte Arbeiter Karl Bruhn, 9. ber 20jährige Arbeiter Hans Robe, 10. der 20jährige Arbeiter Rick-ard Albrecht, 11. ber 18jährige Arbeiter Otto Marauardt, 12. ber 29sähr. Arbeiter Richard Minor, 13. der 22 Jahre alte Anstterckstr Alfred Scharfenberg, 14. der 26jährige Arbeiter Kasimir Adamski, 15. dessen Bruder, ber 22 Jahre alte Jakob Abamski, 16. der 40jährige Arbeiter Friedrich Bonnet, 17. der 57jährige Arbeiter Johann Schadowski und. 18. ber 19 Jahre alte Arbeiter Nepomuk Z i e § l i k.
Ungefähr die Hälfte aller Angeklagten ist wegen kleiner Eigen- tumsvergehen, Bettelns, Vagabondage und Körperverletzung vorbestraft. . .
Nachdem der Vorsitzende die Hoffnung ausgesprochen hat, die Verhandlungen etwa in 3Wochen zu Ende zu führen, werden die verschiedenen Eröffnungsbeschlüsse verlesen, die sämtlich auf Aufruhr und Landfriedensbruch lauten. Sodann wird zur Vernehmung der Angeklagten geschritten. Ms erster wird der Arbeiter Jakob Trau vernommen, der sich schuldig bekennt. Ueber seinen Lebensgang Befragt, erklärt er, daß er aus der Provinz Posen stamme und nie die Schule Besucht habe, daher auch nicht lesen und schreiben könne. Seit seinem 19. Lebensjahre ist er in Berlin und hat zuletzt bei ber Firma Kupfer u. Co. gearbeitet. Er lebt seit 5 Jahren mit seiner Brant zusammen und hat zwei Kinder, für die er sorgt. Er wollte im Oktober heiraten, gerade als er verhaftet wurde. Weil bei Kupfer u. Co. die anderen Arbeiter aufgehört haben, habe er die Arbeit niedergelegt und zwar, um ebenfalls die Lohnerhöhung von 2 Pfennig pro Stunde zu bekommen. Während der Angeklagte oernommen wird, dreht er sich öfters um zu einem anderenAngeklagten, der ihm Zeichen macht. Der Vorsitzende rügt dies mit scharfen Worten. Wenn es noch einmal vorkommen sollte, werde er mit allen Mitteln dagegen einschreiten.
Nach dem AuSbruch des Streiks ist ber Angeklagte zum Streikpostenstehenkommanbiert worben unb zwar vom Vertrauensmann. Er sollte aufpassen, ob Streikbrecher die Wagen führten.
Vors.: Was sollten Sie mit ihnen machen?
Angeklagter: (in seinem polnischen Dialekt): Garnix, Herr Staatsanwalt, bloft aufpassen.
Vors.: Sie haben aber etwas gemacht?
- . Angekl.: O bitt schön, Herr Staatsanwalt, man sich bloß bei mir zwei Steine gesunden, weiter nix.
Ter Angeklagte erzählt dann immer wieder unter ber Anrede „bitt schön, verr Staatsanwalt", daß er lediglich aufpassen sollte. Er hat von seinem Standpunkt aus auch nicht gesehen, daß etwa aus der Menge Steine geworfen wurden. Vors.: Nun ist aber auf dem Revier bei Ihnen in der Tasche etwas gefunden worden?
A n g e k l.: Ich bin angetrunken gewesen und in großer Angst, Herr Staatsanwalt. In meuter Dummheit wollte ich mit einem Stein den Vorstecker' losschlagen, damit der Wagen nicht weiter fahren konnte. Der Vorsitzende hält dem Angeklagten vor, daß (Bei ihm noch ein zweiter Stein vorgefunden wurde.
' Der Angeklagte meint hierzu, daß der zweite wahrscheinlich Don einem ihm feindlich gesinnten Mitarbeiter in die Tasche gesteckt worden sei.
ihm ausgerenkt worden. Deshalb habe er das Geständnis ab- gelegt Tatsächlich sei er auch daraus entlaßen worden und später wieder verhaftet worden. Er habe aber weder einen Schutzmann mit Steinen geworfen noch geschimpft Auf Befragen des Verteidigers gibt der Angeklagte an, er hatte unbedingt eure Schutz- mannskette passieren müßen, um nach Haust zu gelangen.
Der Angeklagte Zofka gibt zu, mit Steinen nach Schu^ leisten geworfen zu haben und zwar, tote er behauptet, aus ^DnArbeiter O r l o w s k i ist bei der Firma Löwe in Stellung gewesen und hat mit dem Streik in keinerlei Verbindung ge- fanden. In einem Restaurant sah er vom Fenster aus beim Skatspielen, daß sich mehrere hundert Menschen auf der Straße anfammclten und Schutzleute mit blanken Sabeln auf sie ernhieben. Darüber war er sehr empört, trat auf die Straße und hob einen Stein auf, geworfen habe er jedoch nicht. Der Stein nttbm nacfjbei genommen worden. Der Angeklagte hat weder gesehen, daß du- Mengc auf die Schutzleute mit Steinen geworfen habe, noch gehört, daß „Bluthunde" gerufen worden sei. . .
&er Angeklagte Lutsch gibt zu, nut einem Stein nach den Schutzleuten geworfen zu Haden, da er sich darüber geärgert habe, bafi von den Schutzleuten ein alter Mann geschlagen worden sei Ob er mit seinem Steinwurf jemanden getroffen habe, könne er ni$Wer9 Arbeiter Zieslik hat zuletzt in der Eisengießerei von Jachmann als Gießereiarbeiter gearbeitet. Am 19. September tarn er zufällig auf dem Wege nach dem Bahnhof Beußclstraße in die Menschenmenge. Dort soll er mit einem faustgroßen Stein nach den Schutzleuten geworfen haben und dann bei feiner Festnahme sich auf das heftigste widersetzt haben. Der Angeklagte bestreitet dies jedoch. Er sei vielmehr von mehreren Schutzleuten und einem Mann in Zivil festgehalten worden und hat dann einen Stich mit einem Schubmannssäbel erhalten) daraus sei er zu Boden gefallen. An der Verwundung hat er bis zum 17 November im Krankenhause Moabit und in der Charstü gelegen. Die Wunde fei noch nicht ganz geheilt, sondern em estriges Ge- ichwür geworden, an dem er noch jetzt im Untersuchungsgefängnis behandelt wird. ,. , , . ,. ,
Der Arbeiter Kasimir Adamski hat zuletzt tn einer Maschinenfabrik am Wedding gearbeitet, seine Wohuuna befand sich aber in der Waldstraße in Moabit. Dart habe am 27. September eine große Menschenansammlung stattgefunden; er selb,, habe aber nicht mit Steinen geworfen, er habe nicht einmal einen Stein in der Hand gehabt.
Der Vorsitzende hält dem Angeklagten vor, daß diesmal nicht Schutzleute, sondern unbeteiligte Privatpersonen diese Aussagen gemacht hätten. . , ,
Der Angeklagte bleibt aber dabei, daß er nicht geworfen habe.
Dem nächsten Angeklagten, dem Bruder des Vorangeklagten, Jakob Adamski, wird dasselbe zur Last gelegt. Doch bestreitet er ebenfalls, auch nur einen Stein in der Hand gehabt zu haben.
Darauf wurde die Westerverhandlung auf morgen vormittag vertagt. *
Die Plädoyers im Strafkammerprozeß wurden auch am Montag noch nicht beendet. Dienstag wird damit fortgefahren.
etqrits ersten Ranges «ringen. Kammersänger Heinrich Knote der weltberühmte Münchener Tenor, i|t von der hiesigen Ortsgruppe des Alldeutschen Verbandes cinqelaben worden, einen Abend zu geben, und wird der Aufforderung Folge leisten. Der Reinertrag des Abends wird den Zwecken des Alldeutschen Verbandes zuaute kom> men. Die Veranstaltung findet Montag, 30. Jckkuar, int Stadttheater statt.
** Hessische Landesgruppe des Vereins abstinenter Pfarrer. Der Verein abstinenter Pfarrer ist in Hessen in stetem Wachstum begriffen und zählt geaen- wärtia' 30 Mitglieder, obwohl er noch nicht sämtliche abstinenten Pfarrer Hessens zu Mitgliedern hat. Neuerdings sucht dieser Verein in den Gemeinden durch Vorträge mit Lichtbildern gegen den Attoholmistbrauch aufzutre<en. Zugleich nimmt er dabei auch die Interessen der Zentrale für Säuglings- und Mutterfürsorge mit -wahr.
** Marcell Salzer, der hier stets zahlreiche und dankbare Zuhörer findet, war diesmal von der Direktion des Stadttbeaters zu einem seiner bekannten lustigen Abende gewonnen worden. Daß die Direktion damit den richtigen Griff getan hatte, bewies der gute Besuch und der außerordentliche Beisall, den Salzers scharf zuge.pff'te, rein auf die Wirkung berechnete Vortragsart sand. Mit seiner lebhaften, nervös beweglicl)cn Mimik versteht es Salzer, seine Zuhörer nach Belieben zu leiten, und ebenso willig lauscht man seinen ernsten Darbietungen wie seinen lustigen S.ück- sein, die er adig und neckig zu. erzählen weiß. Besonders starken Beifall erzielte er mit „Kabale und Liebe" in der Kleinstadt, von Thoma, Beim Zahnarzt von Rideamus, Jndiskrettonen aus einer jungen Ehe, die sich höchst vergnüglich mit einem neuen Kleid beschäftigen, und verschie- denen kleineren Stücken von Rosegger, Liliencron u. a., die alle so lebhaften Beifall fanden, daß sich Salzer zu einer Zugabe verstehen mußte.
**VondenWandernden. Im Dezember logierten in der Herberge zur Heimat 624 Gäste gegen Arbeitsleistung unb 817 Selbstzayler, im ganzen 1441 Wanderer ('Dezember 1909: 1035 gegen Arbeit, 880 Selbstzahler, zusammen 1915 Gäste). Im letzten Vierteljahr stellte sich der Besuch auf 1803 Gäste gegen Arbeitsleistung und 2184 Selbstzahler, zusammen 3987 Wanderer (1909: 2488 gegen Arbeitsleistung und 2280 Selbstzahler, zusammen 4768 Wanderer). Ter Besuch der Herberge war 1910: 16 785 Personen (1909: 18 203). — Der Arbeitsnachweis der Herberge besetzte von 49 angemeldeten offenen Stellen 38 und zwar 22 mit Handwerkern (gesucht 28) und 16 mit Arbeitern (gesucht 21). Von den nickt besetzten Stellen erledigten sich 7 durch Zurückziehung uno 4 durch Fristaülauf.
• * 9)!a ul- und Klauenseuche. Neue Ausbrüche der Seuche sind gemeldet aus Niederwöllstadt bei Friedberg, bei Quarcustänevich eines Händlers; Stadtbezirk Detmold, Fürstentum Lippe; Asendorf, 9regierungsbezirk Hannover. — Der Negierungspräsident zu Coblenz hat mit Verfügung vom 31. Dezember v. I. wegen der Gefahr der Einschleppung der 9Raul- und Klauenseuchr auS dem verseuchten bayrischen NegierungSdezirt Pfalz die Abhaltung oon9tindvieh- und Sch weine Märkten in Simmern, Kastellaun, Gemünden, Kreuznach, Sobern- beim, Kirn und Me isen heim bis auf weiteres untersagt
Kreis Büdingen.
-1- Büdingen, 9. Jan. Die Witterung ist seit heute früh um geschlagen. Gestern konnte dem Schlstt- schuh- und Rodelsport noch kräftig gehuldigt werden, was auch von Alt und Jung geschah. Die Vogelsberger Höhen- (Kibler zogen, soweit sie nicht hier irgend einem Sport oblagen, in Gesellschaft der Klubbrüder aus der Umgegend nach dem Hoherodskopf, teils ausgerüstet mit Schneeschuhen und Schlitten, teils nur mit Wanderstab und Rucksack. Die Partie lohnte, und wer zu sehen, zu wandern ober zu rodeln und zii .schilaufen" beabsichtigte, kain auf seine 9iechnung, selbst- oerständlich auch der Kliibwirt auf dem Hoherodskopf unb die Unterstand bietenden Wirtschaften in Schotten, Hartmannshain und nicht zuletzt die Eisenbahn, die am Abend die Wanderer wieder nach Hause führen mußte. Heute ist Regen emgetreten, die nächste Wirkung war Glatteis, das zahlreiche „Falle", darunter einige schwere, Ann- und Beinbrüche und Verstauchungen verursachte. Die rote Fahne auf der Eisbahn, die die Eröffnung der Bahn ankündigt, mußte wieder emgezogen werden.
— Schöffengericht Büdingen. Das Schöffengericht verhandelte heute in fünf Fällen gegen orts- und landfremde Handwerksburschen wegen Bettelns. Die Angeklagten erhielten Haftftrafen von einem Tag bis zu einer Woche. Bei einem wurde auf Ueberweisung an die Landespolizeibehörde erkannt. — Die K. O. Ehefrau aus Hüttengefäß erhielt wegen Forst- dicbstahls eine Geldstrafe von 2 Mark, die im Üneinbringlichkeits- falle mit einem Tag Haft zu verbüßen ist, auch wurde sie mit den Kosten des Verfahrens belastet. — Der Korbmacher W. K. von Gelnhaar ist wegen Bettelns angeklagt. Der in der Sitzung vom 12. Dezember 1910 wegen unentschuldigten Ausbleibens er- loffene Haftbefehl gegen den Angeklagten konnte bis zetzt wegen derzeitigen unbekannten Aufenthalts nicht vollstreckt werden. Auf Antrag der Staatsanwaltschaft wurde ein neuer Termin auf den 23. Januar bestimmt. — Der Dienstknecht A. T. aus Mittel- grünbau nahm vor Beginn der Hauptverhandlung feinen gegen einen amtsrichterlichen Strafbefehl eingelegten Einspruch zurück und wurde mit ben weiter entftanbenen Kosten des Verfahrens belastet. — Der Dienstknecht H. Ä. von Glauberg hatte gegen einen amtsrichterlichen Strafbefehl wegen Uebertretung der Gesinde-Ordnung Berufung eingelegt. Vor Beginn der Hauptverhanbtung nahm er feinen Einspruch zurück und wurde mit den Kosten des Verfahrens belastet. — Der Taglöhner H. W. von Vonhaufen ist wegen Beleidigung angenagt. Nach erfolgter Beweisaufnahme erklärte sich der Angeklagte zur Zahlung einer Buße von 20 9)lart an das hiesige Mathildenhospital bereit und nahm bie Beleibigung mit Bedauern zurück. Der beleidigte Bürgermeister Melior von Von« Hausen erklärte sich Bereit, nach erfolgter Zahlung der Buße den Strafantrag zurückzunehmen. — Der Schäfer H. R. von Neckarburken hatte gegen einen amtsrichterlichen Strafbefehl wegen Uebertretung ber §§ 2, 5 der Polizei-Verordnung vom 9. September 1903 Einspruch eingelegt. Nach erfolgter Beweisaufnahme Verhandlung auögesetzt und neuer Termin auf den 23 Januar bestimmt. — Die Privatklage deS Masters W. B. von Büdingen gegen H. R. in Frankfurt a. M. wegen Belei- digung wurde durch Vergleich erledigt. — Weiter fand noch eine Verhandlung gegen einen Jugendlichen wegen Diebstahls statt, bei dem die Strafe des gerichtlichen Verweises erkannt wurde.
+ $übingen,9. Jan. Am Sonntag abend ereignete sich auf unserer Rodelbahn ein Unglücks fall. Als am Abend ein junger Mensch mit seinem Schlitten die Bahn verlas,en wollte, tarn er so unglücklich zu Fall, daß er einen Beinbruch davontrug. — Durch das plötzliche Ein- treten des Glatteises kamen einige Personen zu Fast. Als am Montag morgen ein Herr seine Wohnung verlassen hatte und kaum einige Schritte gegangen war, g.itt


