Ausgabe 
9.9.1911 Erstes Blatt
 
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Die Zchiffskanonen Englands, Frankreichs und Deutschlands.

Die Deutsche Volkswirtsch. Kvrresp. schreibt:

Bei den heutigen politischen Verhältnissen konnte ei nicht ausbleibcn, daß die Presse fast der ganzen Wel Vergleiche zwischen der englischen, französischen und deut schen .Kriegsflotte anstellte. Die Vergleiche basierten teil-, auf der Anzahl der Schiffe, teils auf deren Tonnengehalt Die Bestückung der Kriegsschiffe mit den verschiede neu G e s ch ü tz kl a ss en wurde meistens bei den Ver gleichen nur subsidiär herangezogen. Wir finden die Ge schütze, die entscheidende Waffe in der Seeschlacht, alt tertium comparationis für so lehrreich, zweckmäßig unt die Situation so trefflich beleuchtend, daß wir sie hier einmal ganz allein in den Vordergrund schieben bezw. allein vergleichen möchten.

Wenn wir die Geschütze aller fertigen Linienschiffe, Küstenpanzer, Panzerkreuzer sowie geschützten Kreuzer (über 2000 To.), die 1892 und später vom Stapel gelaufen sind, zum Vergleich heranziehen, so erhalten wir folgende- Bild:

Stückzahl der Schiffsgeschütze in em-Kaliber England Frankreich Deutschland 30,5 284 74 0

28 bezw. 27,4 0 12 102

25,4 bezw. 15 1251 418 601

13,8 bezw. 7,5 1624 389 946

Daß England Mer zweihundertvierundachtzig Geschützt von 30,5 Zentimeter verfügt, zeigt seine ungeheure lieber legenheit nicht nur uns, sondern auch Frankreich gegen Mer. Immerhin würden unsere 102 Kanonen von 28 Zenti meter Kaliber den Engländern, die von dieser Kaliberaröß keine besitzen, recht zu schaffen machen. Frankreich ha 74 Geschütze von 30,5 Zentimeter Rohrdurchmesser, to i . keine. Diese zunächst etwas peinlich berührende Fest stellung wird dadurch gemildert, daß erstens die offiziell allerdings noch nicht eingereihten, aber doch fix und fertis und kampfbereit auf dem Wasser schwimmenden drei Linien schiffe,Thüringen",Ostfriesland" undHelgoland", zu sammen auch 36 dieser 30,5 Zentimeter-Geschütze aufweisen und daß zweitens Frankreich unseren bereits genannter 102 Schiffskanonen von 28 Zentimeter nur 12 von 27, Zentimeter Kaliber cntgegenzustellen hat.

Was die Schiffskanonen von 25,4 bis 15 Zentimeter Kaliber anbetrifft, so haben wir den 1251 englischen 601 also fast die Hälfte, entgegenzustellen, während Frankreick davon nur 418 aufzuweisen hat.

Gegenüber den 1624 englischen Schiffskänonen vor 13,8 bis 7,5 Zentimeter können wir sogar mit 946 gleich artigen Geschützen aufwarten. Frankreich begnügt sic! hierbei sogar mit 369.

Das will also heißen, daß uns England inbezug aus die ganz schweren Geschütze (30,5 bis 27,4 Zentimeter) gan außerordentlich überlegen ist, aber doch nicht so, daß, nich. auch unsere schwersten Schiffskanonen den englischen schoi recht sehr zu schaffen machen würden. Den englischen mitt leren Geschützen (25,4 bis 15 Zentimeter) vermögen wi. fast die Hälfte, den englischen leichteren Schiffsgeschützen (13,8 bis 7,5 Zentimeter) weit über die Hälfte entgegen^ zustellen. Frankreich sind wir in bezug auf alle drei Größen der Schiffskanonen recht beträchtlich Merlegen.

Alles in allem genommen gewinnt unsere Diiegs- flotte beim Vergleich der Schiffskanonen gegenüber einem Vergleich nach dem Tonnengehalt. Da aber der eherne Mund der Kanonen zumeist die Entscheidung in der See­schlacht bringt, haben wir auch gar keinen Grund gegen­über den französischen Fanfaronaoen kleinmütig zu werden.

gerichtet, um den Gegner zu täuschen. Etwa 1 Klm. hinter der Artillerie lagen die Haubitzen der Brandenburger, fast unsichtbar verschanzt. Die ganze Ausstellungslinie war zwei Kilometer lang .mb erstreckte sich von Endlichhofen bis, gegen Oelsberg und Rup­pertshofen. Der Gegner hatte in Hahnstätten, Berg hausen, Katzen- pllenbogen und Umgebung im Quartier gelegen und ruckte von Holzhausen gegen Miehlen und Nastätten, um sich im Mühlbachtal ;um Angriff zu entfalten. In losen Schützenlinien kam er von Den Höhen herunter. Vom Mühltal aus suchte er lange ver zeblich mit den roten Vorstellungen Fühlung zu bekommen, .bann »lieb alles ruhig bis zur einbrechenden Dunkelheit. Da wurde das Schlachtfeld lebendig. Tie Scheinwerfer der 116er traten in Tätigkeit und suchten das Gelände ab. Es erfolgte ein heftiges Gefecht. Der erste Sturmangriff wurde abgeschlagen, und der Feind verschanzte sich nun selber. Der nächste Morgen zeigte ein leeres Feld. Beide Gegner verstärkten ihre Stellung. Kaum ein Soldat war zu sehen. Bei Einbruch der Dunkelheit ginge* wieder los, diesmal noch heftiger. Nachts um 12 Uhr hatte der Angreifer alle Hindernisse beseitigt, das Feld ist frei. Bei Tagesgrauen steigerte sich die Heftigkeit des Gefechtes. Ununter­brochen arbeiten Geschütze und Maschinengewehre. Um V2D Uhr rhebt sich der Gegner zum Sturm, mit Hurra stürmt er bic Höhe, bringt in die Schützengräben der 116er und durchbricht seine Stellung. Da ertönt das SignalDas ganze Halt!" Dann erfolgt der Offiziersruf zur Kritik. Die Soldaten rücken ab zum Lincbnen der Schützengräben und zum Beseitigen der Verhaue Nach Mündiger Arbeit ist um 9 Uhr alles wieder verebnet. Dann wurde in die Quartiere abgerückt.

** Die Herb st Übungen der Großherzoglich Hessischen (2 5.) D i v i f i 0 n. Nachdem am 8 September mit den Kämpfen um die befestigte Feldstellung bei Miehlen »tc Brigade-Manöver der 49. Infanterie Br g de (1. Großh. Hessische) ihr Ende erreicht hatten, trat die Br gäbe und die ihr zugeteilte Kavallerie, Artillerie und Pioniere am ). September ihren Marsch ost- und südostwärts nach dem Tal der Aar an, um am 11. September den von Wiesbaden jer nach der Linie Bleidenstadt-Breithardt vorrückenden Gegner, die 50. Infanterie-Brigade (2. Großh. Hessische) lnd die ihr zugeteilten anderen Waffen zu erwarten. Die -0. Infanterie-Brigade hatte ihre Brigademanöver vom i. bis 9. September Mgehalten. Sie begannen bei Darm- tadt, zogen sich über Groß-Gerau nach dem Main hin und mb et en auf dem rechten Mainufer auf dem Plateau bei Nordenstadt. Am 11. September nun beginnen unter Lei- ung des Generalleutnants und Divisionskommandeurs von fZluskow die Divisionsmanöver bei Langenschwalbach, Die Division manövriert in zwei Parteien gegeneinander. Mit dem Wachsen der Größe der Verbände vermehren sich euch die Anstrengungen der Truppen. Die Truppen der 19. und 50. Jnfanteriebrigade, sowie die der Division an- ;ehörenden Kavallerie- und Artillerie-Regimenter und ihr ^geteilten Pioniere, deren Gesundheitszustand ausgezeichnet ist, haben seither in den Kreisen Limburg, Unterlahn, Wies- baden-Staot, Wiesbaden-Land und Groß-Gerau gute Quar- iere bezogen. Entbehrungen bei den Hebungen der letzten Wochen sind an die Truppen demnach nicht herangetreten, aber erhebliche Anstrengungen. Die Verpflegung der Trup­pen wird jetzt bei Beginn der Divisionsmanöver nicht mehr Durch die Quartiergebcin sondern durch die Militärverwal- ung erfolgen und sind zu diesem Behufe große Proviant- Manöver-Aemter bei Miehlen, Zollhaus, Holzhausen und Michelbach errichtet worden, sowie eine Feldbäckerei bei Miehlen.

Deutsches Reich.

Der Prinzregent von Bayern hat das aus Gesundheits­rücksichten eingereichte Rücktrittsgesuch des Er st en Präsiden- tenderKammerderReichsräte,FürstenzuLöwen- ftein-Wertheim-Freudenberg unter Verleihung seines Reliefbildes in Bronze genehmigt und zum Ersten Präsidenten der Kammer der Reichsräte den Grafen Fugger von Klött er na nn t.

Anstelle des verstorbenen Mitgliedes des wirtschaftlichen Ausschusses, Herrn Reinhart-Worms, wurde Herr LouisFeistmann, in Firma L. Feistmann und Söhne, Leder­fabrik in Offenbach a. M., zum Mitglied des wirtschaftlichen Ausschusses ernannt.

Ter deutsche Botschafter übermittelte dem ameri­kanischen Schatzamt Uhren und Geldgeschenke für die Mannschaften ber Rettungsstation Grebehill, welche die Besatzung eines Dampfers der Hamburg-Amerikcv-Linie gerettet hatten.

Ausland.

Bohemia" zufolge ist der böhmische Landtag auf den 20. September eiuberusen worden.

Nach dem in der r u s s i s ch e n D u m a eingebrachten Reichs- kredithaushalt wird bic Staatsschuld am 1. Januar 1912, um 71 Millionen Rubel reduziert, 8942 Millionen Rubel betragen. Für das Jahr 1912 sind in diesem Haushalt die Gesamtausgaben auf 504 Millionen veranschlagt, davon 375i/2 Million Zinszahlungen unb 27V« Million zur Tilgung der Staats­schuld. Anleihen sind nicht vorgesehen, im Gegenteil sind 100 Mil­lionen zur Tilgung von Reichsschatzscheinen in Aussicht ge­nommen. Die Einnahmen an inbirekten Steuern unb Wem- monopol werben auf 106112 Millionen veranschlagt, bas sind 15y2 Millionen mehr gegenüber bem Vorjahr. Davon entfallen i743 Millionen auf das Weinmonopol.

Wie die Petersburger Delegrapben-Agentur meldet, wurde die Schlacht, in der die persischen Re g i er u n g s t r uv- pen am 6. September Sardar Arsckard schlugen, durch die Tätigkeit der unter Leitung des deutschen Instruk­teurs Haase stehenden Maschinengewehre entschieden.

Reuter meldet aus Sck>anghai: Die Unruhen in Tschang- zeh auf Korea infolge der Hungersnot dehnen sich immer weiter aus. Eine amerikanische Baptistenkapelle aus Kwisan wurde von einer Bande von Plünderern zerstört. Das Volk ist ver­zweifelt, da es den Hungertod vor Augen sieht. Die Lage des Landes ist trostlos, der größte Teil steht unter Wasser.

Heev und Flotte.

Wilhelmshaven, 8. Sept. Der österreichische Marinekommandant Montecuceoli ist heute abend hier eingetroffen.

herbftübungen.

** Unsere 116er im lustigen Kampfe. Heiße Tage liegen hinter den Truppen der 49. Brigade, die bei Miehlen übt. Rot bildeten die 116er, zwei Kompagnien Pioniere, die Maschinengewehrkompagnie 118, eine Abteilung der 61er Ar­tillerie, die Leibschwadron der 23er Dragoner, ein Scheinwerfer- zug und zwei Batterien der Fußartillerie Nr. 3. Den Oberbefehl führte Oberst v. Trotha. Blau bestand aus 115er, 168er, 2. Ab­teilung 61er Artillerie, einer Schwadron Dragoner unb aus Pio­nieren. Am Montag mittag 12 Uhr begann der Schanzenbau unb endete Dienstag abenb. Vor den Stellungen befanben sich Drahtverhaue, Minen und Astverhaue. Die Geschütze waren tief eingegraben. Auf einer seitlichen Anhöhe hatten die Kanoniere Schemgefchütze aus Holz mit Masken von Scherenfernrohren her­

Aus Stafct und Land.

G legen, 9. September 1911.

Tageskalender. Kinematograph: Täglich Vor­stellung.

Biograph: Täglich Vorstellung.

*

* Ordensverleihungen. Anläßlich des UebertrittS in den Ruhestand wurde verliehen das Kreuz des Preußischen Allgemeinen Ehrenzeichens: den Lokomotivführern Sch mehl in Gießen und Inger in Limburg a. d. L.; das Preuß. Allgemeine Ehrenzeichen dem Bahnarbeiter Schneider, gen. Stehl, in Allendorf a. d. L., dein Bahnwärter Günther in Dutenhofen, dem Bahnarbeiter Dre dert in Elm, dem Eisen- bahn-Lademeisler Schwartze in Gelnhausen, dem Magazin- Aufseher Ludwig in Limburg und dem Werkführer Strempel in Bockenheim bei Frankfurt.

** Ordensangelegencheit. Der Großherzo§ hat nachstehenden Personen die Erlaubnis zur Annahme und zum Tragen der ihnen von dem König von Preußen ver­liehenen Ordensauszeichnungen erteilt: dem Hofmarschall Freiherrn v. Ungern-Sternberg des Roten Adler- Ordens 2. Klasse, dem diensttuenden Kammerherrn Freiherrn v. Leonhardi des Kronen-Ordens 2. Klasse, dem Ober- garteninspektor Dittmann des Kronen Ordens 4. Klasse, bem Hofkoch Pieper der Roten Adler-Ntodaille.

** Pfarrpersonalien. Der Großherzog hat dem Pfarrer Ludw. Hein zu Dreieichenhäin die evang. Pfarr- ftelle zu Reinheim überrtagen.

** Landtagswahl. Der heutigen Stadtauflage des Gieß. Anz." ist die Liste der in der Stadt Gießen wohnen­den Wahlberechtigten für die diesjährige Landtagswahl bei­gelegt.

Eine Sitzung des Provinzial-AuSschusseS findet Samstag, den 16. September, vormittags 8/49 Uhr, mit folgender Tagesordnung statt: 1. Klage des Ortsarmen, verbandes Weilburg gegen den Ortsarmenoerband Butzbach wegen Unterstützung des Karl Wambold. 2. Gesuch des Karl Reichmann von Ober-Ofleiden um Erlaubnis zum Betriebe einer Gastwirtschaft in Rieder-Ofleiden. 3. Klage des Ortsarmenvecbandes Gießen gegen den Ortsarmenverband Frischb orn wegen Ersatz von Pflegekosten für Marie Dechert. 4. Klage des Ortsarmenverbandes Hanau gegen die Orts- krankenkasse Assen heim und Unigegend wegen Ersatz von Pflegekosten für W. Nabeneck. 5. Faselhaltung in der Ge­meinde Ulfa.

Marokkovortrag. Der Kaufmännische und der Ortsgewerbeverein haben in den letzten Tagen ihr BortragSprogramm für den kommenden Wmter festgeüellt. Die Vortragsreihe wird in den ersten Tagen detz Oktober eingeleitet durch einen Lichtbildervortrag be§ Dr. jur. et phil. Hugo Grothe-Leipzig über .Marokko und seine Be- deutung für nn9fl.

**Der allg. deutscheAutomvbilklub Gießen hält heute abenb eine öffentliche Versammlung im Hotel Schütz ab, womit Besprechung über ben bei Marburg statt- gefunbenen Automobilunfall verbunden sein soll.

Kreis Alsfeld.

Alsfeld, 7. Sept. Gellern nachmittag gegen 6 Uhr brach in den hinteren Räumen des Gasthauses .Zur scharfen Ecke" an zwei Stellen zu gleicher Zeit Feuer aus. Es brannte in einem Holzstall und in einer unmittel, bar daran grenzenden Schreinerwerkstätte. Glücklicherweise wurde das Feuer rechtzeitig von Nachbarn bemerkt und ge-

löscht. Tie Eigenartigkeit des Vorfalles läßt von sich reben, die Ursache ist bis jetzt noch nicht bekannt.

Kreis Lauterbach.

~ Lauterbach, 8. Sept. Tas ben Freiherren Riedesel gehörende bckannü GasthausSaalbau zum Johannesberg' hier, dessen Pächter Konrad Schlvarz nach 28jährigcr Pachizeii den Vertrag wegen zu hoher Miete gekündigt batte, wurde br dem heutigen Verpachtungstermin dem seitherigen Pachten Schwarz zu dem alten Pachtpreise von 2100 Mark miede 1 überlassen. Es hatten sich 5 2 Bewerber gemeldet.

i. Lanzen Hain, 8. Sept. Einen interessanten Altertums, iurtb machte ein hiesiger Landwirt auf einer amEttersberg gelegenen Wiese. Schon längst war ihm ein eigentümlich gc formtet, aus der Erde herausragender Sandstein ausgefallen Zur Befriedigung seiner Neugier grub er ihn ganz heraus, könnt- aber aus seinem sichelförmigen, innen flach,und glatt geschliffener Aussehen nicht klug werden. Ter Ortsgeistliche, dem der Manr von seinem Funde erzählte, ließ sich den Stein zeigen und er kannte darin einen der bekannten ältesten Mahlsteine, mi? sie bis in die Urzeit menschlicher Kultur hinaufreichen. Leider hatten rohe Hände fcn achtlos auf dem Felde liegen gelassenen stein inzwischen zertrümmert. Zum Glück aber fanden sich noch alle Trümmerstücke vor, so daß man die ursprüngliche x 'estalt wieder leickst rekonstruieren konnte. Die Handmühle befand sich in der Gegend, wo nach archivalischen Nachforschungen des Orts­geistlichen früher ein Torf, Ellrichs genannt, gelegen hat. Auch Grabhügel sollen in der Nähe sein. Jedenfalls dürfte eine weitere Nachforschung an diesem Orte.von geschichtlichem Jmer- esse sein.

Kreis Schotten.

st. Schotten, 8. Sept. Die Stadtverwaltung hat die infolge des Ausfalles des Prämierungsmarktes ver­schobene Verlosung von Vieh und Vanbtoirtfebaf tlidun Gebrauchsgegenständen bis jetzt noch nicht abgehalten. Sie wird mit dem am 18. Oktober stattfindenben Herbst­markt verbunden. Ob statt der lebenden Gewinne Geld­preise verlost werben, kann jetzt noch nicht gesagt werden, da noch keine Entscheidung darüber getroffen ist, ob der Viehmarkt gehalten werden kann ober nicht.

Kreis Friedberg.

L. Bad-Rau heim, 7. Sept. Das am Montag abend im hiesigen Konzerttzause abgehaltene Konzert zum Beilen der W 0 h l f a h r t s a n st a l t e n für die Musiker Deutschlands erfreute sich auch eines schönen klingenden Erfolges. Der Ertrag des Konzertes waren 3 6 6 2 M k. An Unkosten gingen ab 1262 Rtk., so daß ein Reinertrag von 2400 Mk. blieb. Der deutsche Orchesterbund erhielt 2000 Mk. und die Unter, slützungskasse des Wmtecstein-Orchestets 400 Mk.

= Bad-Rauheim, 8. Sept. BiS zum 7. September sind 3 2 056 Kurgäste angekommen, wovon an genanntem Tage noch 5038 anwesend waren. Bäder wurden bis zum 7. September 415005 abgegeben.

-m. Groß-Karben, 8. Sept. Gestern nachmittag gegen V34 Uhr ereignete sich in dem Hanse des Drogen- und Spezereihändlers Taschner hier, der eben mit dem Umzug von Bergen hierher beschäftigt war, eine heftige Explosion. Herr Taschner hatte ein etwa 3 Zentner schweres eisernes Petroleumfaß erhalten, bas er in den Hof bringen ließ. Als sich später herausstellte, baß bas Faß. undicht war, beauftragte er einen Klempner, es zu löten. Kaum hatte dieser die Lötlampe angesetzt, so erfolgte schon mit bonnerähnlichem Knall bie Explosion. Der Inhalt hatte sich entzündet und ben Mann, sowie alle Türen und Hvlz- bekleibung in Brand gesetzt. Der Unglückliche sprang brennenden Kleibern vom Hof auf die Straße, wo ihm Hilfe zuteil wurde. Dr. Walbek legte bem Verunglückten Notverbände an unb sorgte für seine Verbringung nach bem städtischen Krankenhaus Frankfurt. Weiter verbrannten 70 Hühner, bie in ber Nähe eingesperrt waren. Der M- terialschaben beträgt einige, hunbert Mark. Der Verun­glückte ist Vater von fünf Kindern. Man nimmt an, baß Taschner bas Faß erst leer pumpen wollte, während bec Klempner in bem Glauben, baß es leer sei, die Reparatur begann. Trotz der schweren Brandwunden hoffen bie Aerzte ihn am Leben zu erhalten.

Starkenburg und Nheinhessen.

d. Mainz, 8. Sept. Im Auftrage der sozialdemo­kratischen Fraktion brachte Sladtv. B. Adelung bei be: Bürgermeisterei folgende Anfrage ein: Ist Großh. Bürger- meifterei bereit, das Vorgehen der Städteverwaltungen jt unterstützen, die im Hinblick auf bie enorme Lebens- mittelteuerung von den Regierungen geeignete Hilfs« Maßnahmen verlangen, wie Oeffnung der Grenzen für Vieh- und Fleischeinfuhr und Beseitigung oder Ermäßigun; der Zölle auf Lebens- und Futtermittel? Ist Größt. Bürgermeisterei ferner bereit, geeignete Vorkehrungen inner­halb des Bereiches der städtischen Verwaltung zu treffen, de geeignet sind, die durch die Teuerung entstandene Not z« lindern?

Hessen-Nassau.

fc. Frankfurt a. M., 8. Sept. Der Fuhrmann Gelegenheitsarbeiter Peter Maul, 40 Jahre alt, ans Lauterbach gebürtig, der auf bem Schönhof in Böcker- I heim beschäftigt gewesen ist, wurde aus einer Bank in ba Zeppelin-Allee mit einem Schuß in der linken Schläfe tot 8 aufgefunben. Die Waffe, ein kleinkalibriger Revolver, log Z neben bem Toten. Die Ermittelungen lassen es zwei el- haft erscheinen, baß Selbstmord vorliegt. Maul, bti ein fleißiger Arbeiter war, hatte im Mai 300 Mk. geertt; und bei 'ber Sparkasse angelegt. Seit bem 3. September stellenlos, hob er am 4. September von ber Sparkasse 100 Mk. ab. Maul lebte in ben Tagen bis zu feinem Tod« flott. Unter der Bank, auf ber bie Leiche gefunben wurde, lag ein Frauenhaarkamm. Die Behörde steht auf bem Stan^ punkt, daß fein Grund dafür spräche, daß Maul Selbstmold begangen. j

wandern und Reisen, väder und Sommtririjchei

cf. V. H. - C. Am Sonntag feierte unser .heimischer Gebirg^ 8 verein, der Vogelsberger Höben-Club unb mit ihm der älteitt W Zweigverein Schotten, das Fest des 30jährigen Bestehens. Um nun rechtzeitig in der Feststadt ein^utreffen, hatte der hiesige Zweigverein in seiner letzten Monatsversammlung beschlossen, feuv planmäßige Wanderung, die dem schönen Niddertal auswärts fuhr» sollte, zu kürzen und so wandetten die 40 Teilnehmer von Ntd-a über Michelnau unb den Breitenstein durch prächtige Waldunga in etwa 2'/rstündigem Marsche zu kurzer Rast nach dem, hcck gelegenen Hofgut Zwiefalten, einem ehemaligen landgräfl. Ja§> schloß. Der Aufstieg hierher wurde durch die prächtige Dussihl auf den hohen Vogelsberg, die leider Heuer durch einen dichte» Dunstschleier sehr beschränkt war, reichlich entschädigt. Der roeittrt Weg, bei dem die Wanderer durch die schier ttopische Hitze sehr - leiden hatten, führte auf der Staatsstraße, von der man wiederum hübsche Blicke auf traute Bekannte, wie Bilstein, Hoherod^opi Gackerstein geiwß, über Eschenrod, einem lieblich im wnt ge­legenen Dörfchen, über den Alteburgskopf nach Schotten, fteuMichen, heute mit Fahnen, Guirlanberr unb sshrenpsorr»