Ausgabe 
7.3.1911 Zweites Blatt
 
Einzelbild herunterladen

58,

^»uspjel

U)t$ir

eig;

wen

YMZtl

tiinbe', ädten &uropai it lang.

-Drama.

It eil?

gelöscht

»rettet

01791

bt.

t in Giessen.

nn

Ul«

Jshöhe slag'^J Ml!

-a «ka. $

;jeecteliir<r

IM

, s.

'W

tung.

hätten rc. gut c Zertrema em i S>.S dW

l'tatiou reuls».R-L

11 LÄiT ielmttr.49.

n Mittwoch

'M wi*!*

w

bnhoiktr^ 5t

iHteinb«, «»IE,.« Hrf« »SW «b*«' S-L M stek.

Göns sehr .über mangelhafte Straßendeckung klagt, uni) wünscht, daß man statt des Basaltkleinschlags die Straßen mit Kalksteinmaterial befestigen solle, das billiger zu haben sei als Basalt. Kommerzienrat Emmelius und Bau­unternehmer 2Sinn sprechen gegen die Verwendung hon Halksteinmaterial, da« sich für Äraßcndeckung nicht bewährt habe. Auch .Baurat Diehm spricht sich gegen Kalkstein­material aus, selbst wenn es billig zu haben ist. Basalt- kleinschlag mag bei der Anlage teuerer sein, in der Dauer und Unterhaltung aber ist es doch dem Kalkstein vorzu­ziehen. Bürgermeister Dörmcr-Lich fragt an, wie es

Bei der Stichwahl zwischen den beiden Höchstbestimmten erhielt Rentner Wasserschlcben 12 und Professor Dr^ 2entert 9 Stimmen, ein Zettel war ungiltig. Die neuq Regelung der Revisionsgebühren für die Baukontrollc fand die Zustimmung des Kreistages, der darauf geschlossen wurde.

Dienstag, 7. März M

mtetwwBbrwf uni Verlag bet Vrühl'schm Uet»er<itäl5 - Buch- und ©tembrurfecei.

R. Lange, Ließen.

Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul- ftraße 7. Expedition und Verlag: «-Sv bl.

Redaktion:«^ lir. 2eL-9lbu ?ln geiget® icfccn.

»wechsel zwischen der Brchsh (Sotten Growmg Aisociation imd den beteiligten britischen Regierungsstellen. Auch die englische, ber StaatslTilsc für privatwirtschaftlichk Produktion sonst nicht ,ebr geneigte Regierung hat eing eschen, daß in diesem Falle besondere Bcrhälmisic vorliegen. . ..

Ent Vergleich der von England, Deutschland und r^rantreiM für das Baümwollversuchswesen in Afrika bis Ende 1909 aufgebrachten Mittel mit dem bisherigen Ergebnis der Kulturversuche, also der tatsächlichen Bamnivollproduktion, ergibt folgende ' Mittel sind für Baumwollkulturversuche in Afrika bis einsch'.ießlich des Jahres 1909 aufgebracht worden von England 9 1 Millionen Mark, von Deutschland 1,7 Millionen Mark, von Frankreich 0,9 Millionen Mark. Als Folg- der Kultur­versuche ist bis einschließlich deS Jahres 1909 die nachltebmde Baumwollproduktion erzielt worden: in englischen Kolonien ut Afrika 20,1 Millionen Mark, in deutschen Kolonien in Afrika 4,3 Millionen Mark, in französischen Kolonien tn Afrika 0,9 Millionen Mark, hieraus ergibt sich, daß die gemachten Auf- Wendungen bei Deutschland in einem ganz gümtigen Verhältnisse zu dem Produktionsergebnisse stehen. Wir können also die Hoff­nung hegen, daß nrir bei einer weiteren Bekämpiung der Baum­wollnot durch Produktion auf unserckn kolonialen Boden in größerem Maßstabe und mit größeren Aufwänden auf dem rich tigen Wege sind. Das Programm, das die Kolonialoerwaltung hierbei verfolgen will, ist bei der Darstellung der deutschen Kolonien als ProdultionSgebiet in der Denkschrift mitgeteili.

meister Kreiling- Heuchelheim wünscht thisfunft über den angeregten Neubau der StraßeHeuchelycmi-Allcndorf a. b\ Lahn. Bürgermeister Benner Treis a. d. L. regt an, die Verbindung zwischen Treis und dem Bahnhof durch eine Straße zu verbessern. Stadtv. Sinn weist darauf hin, daß bei der Eiscnbahnübcrfiihrung die Straße bei Klein-Linden das ganze Jahr wegen der Msse nicht gut äh passieren ist. An dieser Stelle fei nur gründlicher Wandel durch Kleinpflaster zu schaffen. Baurat Diehm bemerkt, daß der Kreis an iLtraßenneubauten in den nächsten vier Jahren nicht denken kann, da vor dieser Zeit der Staat wohl kaum Zuschüsse zu Dtraßenbauten leisten werde. Der Kreis hat zurzeit vom Staat noch 20000 Mk für ^traßen^ Neubauten zu erhalten, die in Beträgen von 5000 Nk. jähr> sich gezahlt werden. Baumeister n ö 11 emerkt, daß die Straße LichRonnenroth 48000 Mk. kosten würde Bürger­meister D ärmer Lich erklärt, daß man unter diesen Um. ständen noch mit der Straße warten könne, dagegen fei der liebergang über die Wetter im Zuge der Straße nach dem Bahnhof Lich unbedingt zu verbessern. Geh. Justizrat Hirschhorn stellt den Antrag, der Kreisausfchuß solle die Sache prüfen und erforderlichenfalls die Mittel in den nächsten Voranschlag einstellen. Baurat Diehm teilt mit, daß die Straße HeuchelheimMendorf nicht hochwasser- frei angelegt 42 000 Mark, hochwasserfrei bergestelll 64 000 Mk. 'kosten würde, hierzu kommen noch die Orts­durchfahrten mit 18 000 Mk. Selbstverständlich^ müßte die vorhandene Brücke benutzt werden. Die Straße von Treis zum Bahnhof würde 20000 Mk. erfordern, weil eine Brücke über die Lumda gebaut werden muß, er wolle an­erkennen, daß die Straße nötig sei. Der ProvinMldirektor hielt es für ungesund, die Staatszuschüsfe durch Anlchen zu decken. Man könne bei der Finanzlage des ntaatcÄ nicht voraussehen, wann und ob man später auf diese Zuschüsse rechnen könne. Geh. Justizrat Hirschhorn: sprach wegen der mangelnden Mittel gegen jeden Straßen- Neubau, während Iustizrat Grünewald die Straße Heuchelheim-Allendorf empfahl. Die Straße müsse auch hochwasserfrei angelegt werden. Durch eine solche Straße werde der Weg zwischen den beiden Orten, der heute auf gebahnter Straße 11 Kilometer betrage, auf 4,3 Kilometer gekürzt. Hierauf wird der Voranschlag angenommen. - -- Hierauf übernimmt Regierungsrat Welcker den Vorsitz. Es folgen Wahlen. Gewählt werden: Die Mitglieder der

1 Kreiskörkommissron auf 3 Jahre, die Mitglieder der Flui> schadenobschätzungskommission auf 3 Jahre, die Mitglieder der Pferdeaushebungskommission auf 6 Jahre und Sachverq ständige für die im Kriegsfälle vorzunehmenden Abschätzung gen auf 6 Jahre. Geh. Justizrat Dr. Schaefer hatte fein Amt als Mitglied des Kreisausschusses niedergelegt. Justiz- rat Grünewald führte aus, daß Dr. Schaefer gesundheit^

' lich wieder so gekräftigt sei, daß er im Falle seiner Wieder- : wähl das Amt wieder annehmen würde. Geh. Justizrat i Hirschhorn empfahl ebenfalls die Wiederwahl Dr.

Schaefers. Er erhielt von 21 abgegebenen Stimmen 16, ; 5 Stimmen fielen aus Bürgermeister Dörmer-Lich. Der

Kreis Gießen, der nach der Volkszählung 1905 88 476 Ein­wohner zahlte, nach der letzten aber auf 93 939 Seelen, angewachsen ist, hat das Recht, für je 10 000 Einwohner mit einem Abgeordneten im Provinzialtag vertreten zu sein. Es sollte daher ein weiterer Vertreter bestimmt tocr« den. In Vorschlag wurden gebracht Professor Dr. Leu, tert, Rentier Erich Wasserschieben und Geh. Kommerzienrat Gail. Die Wahl ergab für Leutert 6, für Wasserscks- leben 10 und für Gail 4 Stimmen und zwei weiße Zettel.

Sitzung öes Kreistages öes Kreises Gießen.

th. Gießen, 6. März.

Am Samstag vormittag tagte unter dem Vorsih des Provinzialdirektors Dr. ,11 fing er die ordentliche Sitzung des Kreistages. Nach Vornahme der Wahl von Mitgliedern und (Srfahmännem her Einschätzungskommission rür die erste Abteilung der Einkommensteuer in den Bezirken Gießen, Grünberg, Hungen Md Butzbach, wurde der Verwal­tung s b e r i ch t d e s K r e i s au s s ch u s s e s für das Rech­nungsjahr 1909, der in Einnahme mit 705 972 Mk. und in Ausgabe mit 701 770 Mk. abschließt, vorgelegt und ge­nehmigt. Die Sei träge der Gemeinden betrugen 304 000 Mk. und die .Beisteuer des Kreises zu den Lasten der Provinz 132582 Mk., gegen 125000 Mk. die im Voranschlag vor­gesehen waren

Darauf wurde in die Beratung des Voranschlags für 1911 eingetreten. Der Voranschlag zeigt eine Einnahme und Ausgabe von 608960 Mk. (gegen 641 584 Mk. im Vorjahr). Zu den Bedürfnissen des Kreises haben sämt­liche Gemeinden beantragen 302000 Mk. (gegen 274 000 Mark im Vorjahr). Ferner sind aufzubringen für Gehalte an die Techniker (unter Abzug von 5500 Mjk.) 31 200 Mk. und für fonfrige Aufwendungen 7310 Mk. Es sind also im ganzen zu den .Kreislasten aufzubringen 340510 Mk. In Ausgabe stehen Beittag für die Provinz 136 000 Mk. (gegen 130000 Mk. im Vorjahr)

Peider Beratung.wies Kommerzienrat Emmelius be­sonders die Vertreter vom Lande auf die Bekämpfung der Schnakenplage hin. Für den Vogelschutz müsse mehr durch Anlegung von Hecken an Rainen und auf Oedland geschehen. Geh. Justizrat .Schaefer wies darauf hin, daß die An­pflanzung von Bäumen und Hecken an den Straßen zu empfehlen sei. Auf diesem Gehiet könne durch die Kreis- verwaltung mehr geschehen als bisher, wenn auch schon vieles besser geworben sei. Bürgermeister Leun-Großen- Linden bemerkt bei der Position Straßenbau, daß Lang-

(Eine deutsche Denkschrift über die Baumroofifrage.

Ginc neue Denkschrift des ReichskolonialamtsDic Baum- todnirage, Denkschrift über Produktion und Verbrauch von Baum­wolle, sowie Maßnahmen gegen die Baumwollnvt" wird in den nächsten lagen erscheinen Tie Denkschrift behandelt in erschöpfen­der Weise das Probien« der Versorgung unserer Baumwoll- Industrie mit Rohstoff, eine Frage, die man als eine der wich- rigficn und brennendsten unserer nationalen Volkswirt schart be­zeichnen ntuB und die bekanntlich auf kolonialem Boden ihre Lösung finden soll. Es werden schon jetzt amtliche Auszüge LuS der Denkschrift verbreitet:

In der Einleitung wird bemerkt, daß die Baumwolle als KleibuugSroh stoss heute nickt mehr entbehrt werden kann. Die Bewertuim des Rohmaverials der Baumwollindustrie mit 4 Milliarden Mark entspricht einer Welternte von 17 Millionen Ballen Baumwolle mit Einschluß der Nebenprodukte Man hat nach dem englischen AusdruckCotton famino" bei uns das Wort B a u m wo l l n o t" geprägt. Wenn diese Notlage der Kleider­versorgung noch nickt allgemein bemerkt wird, wie etwa eint NahrungSinittelnot, so liegt dies daran, daß eine solche doch nock unmittelbarer von dem einzelnen empfunden würde und durch Einschränkung weniger zurückgedränat werden könnte.

Es sind zwei Hauptgrundlagcn der Baumwollnot ausein- anderznhalten: 1. daß M ißverhältnis von Ro hmate- rialproduktion und Verbrauchsentwicklung unter gleichzeitiger übertriebener Entwicklung der industriellen Ein­richtungen für die Verbrauchsversorgung, sowie unter der immer scharfer werdenden Einwirkung des monopolistischen Eharatters der nordomerikanischen Produktion: 2. die besondere Ge­fährdung der euroväischen Baumivollindustrie durch die Entwicklung der Rohbaumwolle verarbeitenden In­dustrie in den Produktionsgebieten ber Rohbaumirwlle selbst.

Die Denkschrift kommt zu folgendem Schlüßen gebnis: Es ergibt sick, daß eine ausreichende Versorgung der deutzäxni Baum- wollindnstrie mit billigem ober preiswertem Jiohstoft von den derzeitigen Produktiv nsacbieten der Baumwolle nicht zu er­warten ist. Die asiatischen Produktionsgebiete werden ihre Roh­baumwolle für den eigenen Markt benötigen. Mit der Maß­gabe, daß cs sich nicht um einen asiatischen, sondern um einen euroväischen Markt handelt, gilt dies auch für die russische Pro­duktion tn Mittelasien. Gleiches läßt sich Voraussagen für Süd­amerika Dasselbe gilt für Australien, sofern sich dort Boden und Klima für ausgedehnteren Baumwollbau eignen sollten. Es verbleibt also nur der afrikanische Erdteil, in welchem bis sttzt nur Aegvpten eine nennenswerte Produktion für die Drr- (orgung des Weltmarktes aufweist. Diese ist aber aut ein sehr beschränktes, meist künstlich zu bewässerndes Gebiet angewiesen, dessen Bodenpreise immer höher werden. Das übrige Afrika ist fast durchweg kolonialer Boden.

Je mehr in Nordamerikr diese Zuversicht auf dic Er­haltung des Produltionsmonapols und auf die Erreichung der Vorherrschaft in der Baumwollindustrie sick befestigt, um so mehr muß sich bei uns der energische Wille durchsetzen, das Rohmaterial für unsere Baumwollindustrie mehrundmehr aufcigcnemkolonialcmBodcn selb st zuerzeuge u. Sonst wird also dic deutsche Textilindustrie in steigendem Maße auf die Versorgung .ins dem nordamerikanischen Produk tion-5gebietc angewiesen sein. Die Abhängigkeit von Nord­amerika kann aber dadurch nock bedrohlicher werden, daß dieses Land dazn übergeht, uns allmählich überhaupt keine Rohbaum wolle mehr zu liefern, sondern nur noch Fabrikate, die es auS [einem eigenen Rohmaterial hergestellt hat. Dies würde den Ruin einer unserer größten Industrien, sowie eine außerordent- üche Verschlechterung unserer Handelsbilanz und unserer ganzen weltwirtschaftlichen Stellung bedeuten. Im verflossenen Jahre 1910 har die Preistreiberei auf dem Baumwollmarktc der deutschen Baumwollindustrie bei einem Bezüge von Rohmaterial im Werte von zirka 12 Milliarde Mark eine Mehrbelastung von etwa 150 Millionen Mark gdrcadjt. Es ergibt sich dies daraus, da der Verbraum sich auf etwa 350 000 000 Kilogramm belief, der Durchschnittspreis der letzten zehn Jahre sich auf nur 104 Psg. vro Kilogramm belief. Alle jene Lohn- kürzungen und BetriÄSeinfchränkiingcn, die im verflossenen Jahre dr der Bamnwottindnstrie notwendig wurden, sind in letzter Linie aus diese Verteuerung des Rohmaterials zurück.zuführcn.

Es sind also außerordentlich große und vielseitige witt- üfjaftlnfje und soziale Interessen Deutschlands, die bei der Baum- roollfrage m Betracht kommen. Daß in einer Frage von so weit­tragendem öffentlichen Interessen auch der Staat nicht un­tätig bleiben kann, dürfte nicht zu bestreiten sein. Interessant

Nr. 56 Zweiter Blatt 161. Jahrgang

KZMner AlMMk

.Anzeiger' wtermal wöchentlich beigelegt, Ml f B W B VH

HKrel$bIatl flr btn Kreis Sietzen" zweimal

fragen" erschemen monatlich zweimal. General-Anzeiger für Gberhessen

Hoffmanns Erzählungen.

(Les contes dHoffmann.)

Von Jacques Offenbach.

Der Theaterverein bittet uns um Ausnahme der fol­genden Zeilen:

Im Jahre 1886 schrieb ein bedeutender musikalischer Historiker: Offenbach Jacgues, der einst gefeierte, heutefa st vergesse ne Haupwertreter ber Karikatur-Operette, geb. am 21. Juni zu Köln, gest. am 4. Oktober 1880 zu Paris usw." Aber heute, 1911, ein Menschenalter weiter, wissen wir alle, also auch der Historiker, daß irren menschlich und geraoe das Gegenteil Tat­fache ist. Offenbach war ein Kind seiner Zeit, hat für biejc gelebt, aber seine Zeitgenossen nicht allein, sondern auch den größten Teil der noch lebenben Operettenkomponisten überflügelt. Nicht alle feine 102 Bühnenwerke sind Offenbarungen geworben, ober eine ganze Anzahl hat er hei fernem leiblichen Tode nicht mit in den Sarg genommen unb von biefen zeigt eine Aus­wahl auf so etwas wie Unsterblichkeit hin.Orpheus in der Unterwelt, Die schöne Helena, Blaubart, Pariser Leben, Madame Favorit, Großherzogin von Gerolstein", sind überhaupt niemals vom Sviclvlan ber Bühnen verschwunden gewesen imb werden, wenn Offenbachs Werke erst die letzten Fesseln der Schutzfrist abgestreift haben, einen neuen Siegcszug antreten. Hoffmanns Erzählungen darf man nun so eigentlich nicht mit seinen Operetten in emem Atem erwähnen, wohl tritt auch in dieser Oper derselbe Esprit .zu Tage, aber sie überragt jene, zumal in musikalischer Beziehung, in gewaltigem Maße. Nicht, daß er schöne Mttodien verschmäht hätte, im Gegenteil, eine Fülle schönster Walzer und Arien [mb darin enthalten. Das hockst originelle Textbuch Barbier, die Handlung, die drmnatisckc Effekte in sich birgt, hatte Offenbach im höchsten Grade begeistert, so daß er ein musikalisches Meisterwerk schuf, an dem man den alten Osten- bad) nur noch an den nie versiegenden Quellen Melodie, Grazie und Esprit erkennen kann. Offenbach hat sein letztes Werk nicht ganz bühnenreif Inntedaffen, ein kleiner Teil der Jnstrumcn- tierung rührt von anderer Hand her. Erst ein Jahr nach oem Tode (1881) fand bic erste Aufführung in Paris statt, deren Er- 'olg,durchaus kein übermäßig großer war, dann folgte Wien in demselben Jahre nach. Hier trat aber ein grausiges Vorkommnis werteren Fortsetzungen entgegen: am 8. Dezember, während ber tfotiten Aufführung, erfolgte die fürchterliche Katastrophe des Ringrbeater-Brandes, der Hunderte von Menschenleben vernietete. Der «siegeszug bet Oper ging erst zirka 20 Jahre später von Berlin aus, dort unter Gregors Leitung in berKomischen

Over" fand bic Wiedergeburt statt. Heute haben an derselben I Stelle schon mehr als 500 Aufführungen ftattgejuitben und ictzt ist diese Over längst das Gemeingut aller Opernbühnen geworben. | Am Freitag wirb bic Darmstäbter Hofoper auf unserer Bühne bieses Meisterwerk mit ihrem gesamten Ensemble (Solisten, Chor und Orchester) zu Gehör oringar. C-s.

Stadttheater: Kabale und Liebe. Die gestrige Aufführung von Schillers Kabale und Liebe, deren Leitung Shirt Gühnc mit regem Eifer unb glücklichem Gelingen erlebigt hatte, h-interließ einen starken unb nachhaltigen Eindruck, dem auch die äußere Anerkeirnung nicht fehlte. Das verhältnismäßig gut besuchte HauS zeigte sich sehr beifallsfreudig und rief die Dar­steller immer wieder an die Rampe, zugleich ein Beweis, baß auck alte Stücke, wenn sie nur bichterisch wertvoll sind, hier in Gießen dankbare Zuhörer finden. Ten stärksten Erfolg hatte Gertrud B a u m c i st e r-Feksegg, die mit ber großzügigen, wuch­tigen Gestaltungskraft ein vollendetes Dilb ber ßabt) Milford gestaltete und dem Stlle Schillers fast restlos gerecht wurde. Klar im Umriß unb logisch getreu war Kurt Gühne als Wurm. Frei von der übllchen Utixrtreibung blieb fei Spiel einfach unb natürlich, das Bild eines Menschen, nicht das des ab­gefeimten Theaterschurken, und was das Wort unausgesprochen ließ, das wurde durch ein lebhaftes, kluges Mienenspiel groß­artig ergänzt. Schlicht unb rührend war Franzi Koch als Luise, voll erschütternder Inbrunst und Hingebung. Als Fer­dinand spielte Max Vogel vom Stadttheater in Metz auf An­stellung. Matt, fast befangen, im Anfang hob sich seine Dar­stellung im Lause des Abends bedeutend, um allerdings gegen den Schluß hin trneber altzufallen. Klug im Spiel, von den stets überbafteten Abgängen zu schweigen, hatte er einen starken Erfolg, der aber über eine mangelhafte Sprechkunst unb eine gewisse Steifheit nicht Hinwegtäuschen barf. In einer schönen Goetbemaske spielte xxrmann Bakof den Präsidenten; echt unb lebendig, mit fein abgetönter, wirkungsvoller Geste. Ein prächtiges Bild vertrottelter Einfalt bot Friedrich Timian als Hoftnarschall. Hermann Norden ließ als Miller die nnid>tige Größe dieses einfachen, aber kerzengraden Ehrenmannes allzusehr vermissen, wenn er auch nicht der Wärme entbehrte. Nicht ohne Ucbertreibung, aber köstlich in ihrer Wirkung war Lore Scholz als Millcrüi, auch in ihren sein beobachteten Posen. Der

I Theaterzettel irrte sick um fast dreiviertel Stunden.b.

Der Streit 11 m das Welttelejaraphen- den km al. AuS Bern wird gemeldet: Im Namen des

Deutschen .Künstlerbundes hat soeben dessen Präsident, ßjtaf p. Kalckreuth, einen Protest an die schweizerische Eidaenossen- schaft wegen des Wettbewerbes um das Berner Welttele-, graphendenkmal gerichtet. Unter den Künstlern, dic bei der Einreichung von Entwürfen durch dic sehr einschränkenden Bestimmungen oes Wettbewerbs auf einen ästhetisch ungangbaren Weg gewiesen waren, hat es lebhaften Widerspruch erregt, daß das Preisgericht vonl jeder Prämiierung absah. Die allgemeine Kunstgenossen- schast hat deshalb Protest gegen dieses Verfahren erhoben^ und der Deutsche- Künstlerbund schließt sich nunmehr dem Protest der Schweizer Künstler an, indem er es für moralisch unmöglich erklärt, die vorhandenen Preise den beteiligten Künstlern vorzuenthalten. Das Vorgehen der Künstler hat bereits den Erfolg gehabt, daß in dem erneut ausgeschrie^ denen Wettbewerb alle jene einschränkenden Bestimmnnacn fallen gelassen wurden, die eine bestimmte Darstellung des Begrifses der Weltlelegraphenunion forderten und zur massenhaften Verwendung von Globen, Tele-, graphenstangen, Drähten und dergleichen Motiven geführt hatten. Auch die Preise sind gegenüber dem ersten Wettbewerb bedeutend erhöht worden; der erste beträgt nunmehr 8000 Mark. Außerdem stehen noch toeitere 12000 Mark für Preisverteilung zur Verfügung. Für die Ausführung sind 150000 Mark bestimmt. An dem bisher vorgeschkagenen Platz, dem Hcloetiaplatz, an dem die Union bei ihrer ersten Zusammenkunft tagte, wurde festgehalten. Die Anlieferung der Entwürfe soll bis zum 15. August erfolgen. Ter internationalen Jury gehören unter dem Vorsitz des Architekten Eugen Jost in Lausanne von deut­schen Künstlern nur Professor Peter Senner aus Berkin-, von Franzosen Auauste Rodin, von russischen Wnstlern de Benvis, von Holländern Professor Euypers an

Kurze Nachrichten ausKu»st u. Wissenschaft. Das 50jährigc Dozentenjublläurn begeht mn 8. d. M. der Aelteste der Universität Königsberg i Pr. und ihr Vertreter im Herrenhause, Straf- und Prozcßrecktslebrer Geh. Justizrot Pro- Dr. jur. Karl Güter bock. Der Gelehrte steht im 81. Lebens > jähre. In Göttingen ist am 4. b. M. brr a. 0. Professor an der dortigen Universität, Geh. Medizinalrat Dr. mcb. Gatt Ferümaud Lohrneyer im 85. Lebensjahre gestorben.