Ausgabe 
9.8.1911 Erstes Blatt
 
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MM ich tonn der Reichskanzler gegenwärtig keinerlei Bürgschaften für den Verlauf der diplomatischen Verhandlungen übernehmen intb erst recht darf er sich nicht anss^Vrophezeihen verlegen. Wohl aber hätte es der Regierung vur Stärkung ihrer Stellung gegenüber dem Ausland erwünscht sein müssen, sich auf die Zustimmung der verfassungsmäßig berufenen Vertretung des deutschen Volkes stützen Ku können bei der Durchsetzung ihrer Forderungen zur ehrenvollem Beilegung des Marokkohandels. Desl-alb hätte sie sollte man meinen selber das Bedürfnis fühlen müssen, in großen Zügen die Richtlinien für ihr Vorgehen nicht allein in offiziösen Aus- lassutlgen, sondern offiziell vor dem Reichstag iMrfruIegen.

Man kann diesen Gedanken nur zustimmen. Auch die >,Rationalliberale Korrespondenz" beschäftigt sich heute wieder mit dem Thema und schreibt:

Wenn es möglich war, daß das englische Parlament den englischen Staatsmännern in der gleichen Marokkoangelegen­heit einen Resonanzboden darbot, von dem aus die verantwort­lichen Leiter der englischen auswärtigen Politik michdrücklich gegen uns zu operieren vermochten, so ist nicht einzusehen, warum der D-eutsche Reichstag, nach verttaulicher Informierung der poli­tischen Parteiführer durch den formt Reichskanzler, der aus- tDortigen deutschen Polittk und ihrer Weiterführung nicht den­selben festen und sicheren Resonanzboden hätte dar- bieten sollen. Dazu nxrr allerdings und ist auch heute noch die Bovaussetzmrg, daß bei den verantwortlichen Stellen in der Be­handlung der Marokkofrage dieienigc Energie entwickelt und rück­sichtslos festgehalten wird, welche den Lebensinteressen und den in die Wagschal« zu werfenden Machtfaktoren des Deutschen Reiches entspricht. Wir sind btihcr nach wie vor der Meinung, daß die Berufung des Reichstages notroenbig und für die Fortführung wnsever Polittk aus Gründen, die nicht näher erörtert zu werden brauchen, unerläßlich erscheint.

Uebrioens fordert auch derVorwärts" die Ein­berufung des Reichstags und verweist auf den anfangs Juli in sozialdemokratischen Versammlungen erhobenen Ein­spruch gegen die Marokkopolitik.

Ein Sieg des früheren Schahs von Persien.

Aster«bad, 8. Aua. Rach hartem Kampfe er­st ü r m t e in vergangener Nacht eine turkmenische Abteilung unter Führung Serdarar-Schahs den sechs Tagemärsche von Teheran entfernten Ort D a m g a n, der von den Regierungstrnppen unter dem Befehl Masud ul Mulka besetzt war. Angesichts der gleichen Kräfte beider Gegner und dem Uebergewicht der Regierungstruppen hinsichtlich der Bewaffnung bedeutet der Sieg einen großen Erfolg der Truvpen des früheren Schahs Mohammed Ali, onrch den die Stimmung der Anhänger sehr gehoben ist.

Rußland meldet bereits Ansprüche an Persien an. Wie die Petersburger Telegraphenagentur erfährt, hat die russische Regierung der persischen erklärt, die Jntriguen des früheren Schahs zu bekämpfen, wäre vor allen Dingen die Pflicht der persischen Regierung gewesen. Seit dem Herbst des Vorjahres habe sich der ehemalige Schah größten­teils im 'Auslände aufgehalten, wo die russische Regierung weder die Pflicht noch die Möglichkeit gehabt habe, ihn zu beobachten. Rußland habe der ehemalige Schah unerwartet inkognito durchreist. Angesichts der angeführten Erwägun­gen halte die russische Regierung nach wie vor die persische Regierung fürjedenVerlust, welcher der russischen Regierung oder Privatinteressenten durch die inneren Mißstände zugefügt werden, verant­wortlich.

Ausland.

Die Carnegie-Kon seren zinBern nahm am Montag Sen Bericht des brüten Ausschusses entgegen, der die ökonomischen Beziehungen der Völker untercinonbrr zu prüfen hat, die eine Itweressengemeinschast Hervorrufen. Tie Prüfung erstreckt sich namentlich auf die natürlichen Ursachen einer alle Völker der Erde nrnfooirnenben Weltwirtschaft, das Wachstum der Völker und ihrer Bedürfnisse imb die dadurch bedingte und vermehrte Notwendigkeit, Waren aus dem Auslande zu beziehen. Die Untersuchung erstreckt sich auch auf die einigenden Wirtungen, welche der internationale Handel, der Ausbau der Verkehrswege, die Entwicklung der Schiff­fahrt, die Verbesserung der Verkehrsmittel iuti> die Fortschritte in den Erfindungen aus das Leben der Völker ausüben.

Wie die türkischen Blätter melden, beschloß der Ministerrat, die den Malissoren gewährte Herabsetzung der H a m m e l st e u e r auf ganz Albanien auszudehnen. Infolge der Regelung der Malissorensrage werden die Truppensendungen nach Albanien vorläufig eingestellt.

Präsident Taft ernannte L e i s h m a n zum Botschafter von Deutschland. Im Anschluß an die Meldung von der bevorstehenden Ernennung haben wir die Personalien des neuen Botschafters schon wiedergegeben.

Art» StaOt unö Land.

Gießen, 9. August 1911.

Das Großherzogspaar begab sich gestern vor­mittag 6 Uhr 45 Min. mit Gefolge im Auto nach Lich. Auf der Rückreise besuchte e8 abends das 28. Bundesfest des Deutschen RadfahrcrbundeS in Frankfurt a. M. und kehrte hierauf wieder nach Wolfsgarten zurück.

Aus dem Ministerium. Der bisher beurlaubt gewesene Minister des Innern, v. Hombergk, wird heute zurückkehren und in den nächsten Tagen die Dienstgeschäfte wieder übernehmen. Auch der Staats- und Justlzminister Ewald wird in aller Kürze wieder auS seinem Urlaub zurückkehren.

" Entlassen wurde aus dem Staatsdienst der Rechner am LandeSzuchthauS Marienfchloß August Leichner mit Wirkung vom 1. September 1911 an.

** Eine kleine Ausstellung hübscher Bil­der atts Hessen war in den letzten Wochen in der Universität §u sehen. Sie war das recht erfreuliche Er­gebnis eines Preisausschreibens, das der akademische Aus­schuß für Leibesübungen veranstaltet hatte. Diesen hat der Rektor vor einem Jahr Unter den Dozenten der Ludo- vieicma gegründet, damit alle Arten von Leibesübungen bei unserer studierenden Jugend gefördert mürben. Natürlich gehören dazu Wanderungen in unserer herrlichen Gegend. Bon dem Gedanken ausgehend, daß die Wanderlust durch schöne Bilder aus der Gegend angeregt werden möchte, hatte man den Wettbewerb ausgeschrieben. Acht Bewerber hatten Oel- und Bleistiftskizzen und Photographien ein» gereicht, und alle haben Lobenswertes, zum Teil sogar künstlerisch Gutes geleistet. Statt der üblichen flachen Bilder, die möglichst viel darstellen wollen, aber ästhetisch oft möglichst Unbefriedigt lassen, sah man da vortrefflich akufgefaßte Blicke, zum sLeil auch in der Farbe und Schattie­rung wohlgelungene Kunstwerke. DLan konnte sehen, was der Photograph durch die Wahl des Papiers, durch Ab- fchwächen und Verstärken und andere Hilfen leisten kann. Es wäre eine Freude, solche Bilder ober auch bic Skizzen «nes gutbegabten jungen Künstlers auf Ansichtskarten wiederzufinden. Vortreffliche Sack>en vom Gleiberg, Kloster Arnsburg, aus Wetzlar, Alsfeld, vom Lahntal, selbst aus uni'ereit Steinbrüchen und Bergwerken zeigten, was alles der KmtMeu-nd finden wie sehr unser Land es wert

ist, weiter bekannt zu werden. Sie spornten auch zur Nacheiferung an: hoffentlich können hrir übers Jahr wieder von neuem ein so hübsches Stück Hessenkunst sehen!

** Der Zusammenbru ch der Hassiawerke. Unser Berichterstatter erklärt auf die gestern von uns veröffenttichte Zuschrift des Konkursverwalters: Ich habe mich bei Niederickrrift des Artikels nicht von persönlichen (Stimmungen leiten lassen. Wenn ich es unterlassen habe, die Erklärung des Mitgründers der Hassiawerke, Jakob Stein, die dieser dem Konkursverwalter wegen seiner Unterschrift unter dem Gründungsprospekt gegeben hat, anzuführen, so geschah dies, weil diese Erklärung den Tatsachen gegenüber keine Bedeutung hat. Welche Ausstellungen weiter an meinem Berichte zu machen sind, werden die gerichtlichen Verhandlungen ergeben. Im übrigen ist noch nachzutragen, daß das Auttnnobil nicht 18 000, sondern nur 11500 Mark ge­kostet hat.

* Die Kinderklinik in Gießen, deren Erbauung vom Patronat für Mutterschutz betrieben wird, geht ihrer Verwirklichung entgegen. Als Bauplatz hat der Staat das Gelände zwischen dem Anwesen des Drogisten Seibel und der Augenklinik zur Verfügung gestellt. Die Stadt Gießen hat sich bereit erklärt, zu den Kosten des Baues Mk. 15 000 herzugeben. Gleichzeitig soll mit der Klinik eine Schwestern­schule errichtet werden.

** Das Ende der Freifischerei in der Lahn. Von altersher war es jedermann gestattet, in der Lahn von der Mündung der Wieseck bis au die preußische Grenze mit der einfachen Handangel zu fischen. Man hat in den letzten Jahren wiederholte Versuche gemacht, diesen wilden Anglern das Handwerk zu legen, aber immer vergeblich. Nun hat aber, wie schon mitgeteilt, eine Verfügung des Ministerium das alte Recht der Freifischerei in den schiff­baren Flüssen Rhein, Main Und Lahn, soweit diese hessisches Gebiet berühren, vom 1. August an aufgehoben. In Zu­kunft ist das Fischen mit der einfachen Hand angel in den schiffbaren Gewässern den Personen gestattet, die eine Angel­karte lösen. Die Karte wird vom Kreisamt verausgabt und gilt nur auf die Dauer eines Jahres. Der Preis ist für in Hessen wohnende Personen auf 3 Mk., für nicht in Hessen wohnende Deutsche auf 8 Mk. und für Ausländer auf 15 Mk. festgesetzt. Mit dieser Verfügung ist der Rest einer Freiheit auch in Hessen dahin, die tn Preußen schon längst nicht mehr bestand.

"'Wegen der Rieder-Mörlener Bluttat ist nunmehr die Anklage gegen die Täter erhoben, die auf Raub­mord und Beihilfe zu dem Verbrechen lautet. Die Ver­handlung wird in der kommenden Schwurgerichtstagung er­folgen und da die Sache verhältnismäßig einfach liegt, nur einen Tag in Anspruch nehmen.

** Die Trockenperiode dauert unverändert cm, wenn auch die Hitze während der letzten Tage etwas schwächer geworden war. Seit dem 5. August sind die höchsten nach­mittägigen Schattentemperaturen unter 30° C geblieben. Sie hielten sich meist zwischen 26° und 28° in den. Ebenen, 21° bis 23° auf den Höhen der Mittelgebirge. Niederschläge fielen im allgemeinen nicht, doch erhielten einzelne Orte stärkere Gewitterregen (Kassel). Ein naher Witterungs­umschlag schien bereits Ausgang voriger Woche bevor­zustehen. Ueber dem Ozean erschienen in rascher Folge mehrere Zyklonen, zogen aber nordostwärts ab, so daß nur ihre fstandwirbel Deutschland berührten und die oben erwähnten Strichgewitter verursachten. Nach Auslösung der Tiefdruckgebiete hat sich von dem großen subtropischen Hochdruckgebiet bei den Azoren wieder ein Ausläufer ab­getrennt und ist um 8. 'August ostwärts über Deutschland gewandert. Das hatte eine abermalige Verstärkung der Hitze und Trockenheit im Gefolge. Bei östlichem Winde, der bis in großen Höhen weht, herrscht außerordentliche Trockenheit. Es ist nicht anzunehmen, daß jetzt ein r a s ch e r Witterungswechsel stattfindet. Vielmehr ist zunächst mit einem weiteren Anstieg der Tageswärme zu rechnen, dem dann allerdings ein allmählicher Uebergang zu kühlerer Witterung mit Regen folgen dürfte. Die meteorologi chen Bedingungen sprechen für einen nicht sehr fernen Witte­rungsumschlag.

** Die diesjährige Honigernte ist gmu vor­züglich, so daß die Züchter für die vorhergehenden honig- armen -Jahre entschädigt werden dürften. Man hat Bei­spiele, wo ein einziges Volk 40 bis 50 Pfund Honig lieferte. Den meisten Honrg liefert zurzeit der zweite deutsche Klee, und zwar ist die große Trockenheit der Honiggewinnung durch die Bienen recht günstig. In weniger trockenen Jahren werden nämlich die Röhrchen der Blumenkerne fo sang, daß die Menen nicht an den Nektar gelangen können, infolge der Trockenheit sind aber diese Röhrchen so kurz geblieben, daß die Immen mit ihren Rüsseln den Blüten- honig auffäugen können.

** Der Gießener Radfahrer-Verein 1885 beteiligte sich mit gutem Erfolg an den vom Deutschen Radfahrer-Bund anläßlich des 28. Bundestages in Frank­furt a. M. abgehaltenen interessanten sportlichen Wett­bewerben. Im Preiskorso, Abteilung für Vereine bis zu 35 Bundesmitglieder und 125 .Kilometer Entfernung er­hielten die 85er den 2. Preis. Im Mannschaftsfahren über 100 Kilometer, eine der wichtigsten Konkurrenzen des Bundestages, errang der Verein eine Bundesplakette. Die Fahrt ging über Mörfelden, Darmstadt, Auerbach, Bensheim und zurück. Die gefahrenen Zeiten wurden stark beein­trächtigt durch die schlechte Beschaffenheit der Straße zwi­schen Bickenbach und Zwingenberg, sowie durch das Straßen­pflaster in Darmstadt. Am Start erschienen 32 Mann­schaften aus allen Teilen Deutschlands mit etwa 300 Fah­rern. Die Mannschaft der 85er (6 Fahrer und 3 Ersatz­leute) durchfuhr dte Strecke in der guten Zeit von 3 Stun­den 421/s Minuten. Eine weitere Auszeichnung erhält der G.R. V. 1885 sowie das Mitglied Bäckermeister Fr. Schrei­ner für 25jährige Zugehörigkeit zum D.R. B.

** Der Rad-ClubGermania" Gießen beteiligte >nb auck> bei dem £}. Bundesfest des Deutschen Radfahrer-Bundes zu Frankfurt a. M. an den einzelnen Wettbewerben. Bei bi Danerslihi^ über 100 Kilometer am Freitag, den 4. d. M. durch­fuhr der Klub mit 11 Mitgliedern die Strecke und erfüllte XH'üinguiigcn m glänsenacc Weue Für diese Leistung wurdi den Herren Linker, Hartmann, Reich, Muhl, Sehrt, Weinrich Reibelmg, Ester, Schmidt, Köb und Maurer bic jilberne Bundes Medaille zuerkamck. Ebenfalls errang der Klub beim Korso- fahren m Gruppe A, in der 15 fremde Vereine konkurrierten unb wnnt den schärfsten Wettbewerb aufzuweisen hatte, den 2. Preis Im Manuscva 1 tssahreii über 100 Kilometer am Montag, den 7. d. M. konnte der Klub infolge zahlreicher Schlauchdefekte smvie Felgenbruchs fernen Platz belegen und war hierdurch leider qe- zwungen, das Rennen aufzugeben.

Eigentümer gesucht. Bei einem jungen Mann wurden hier zwei gestohlene Fahrräder beschlagnahmt Während der Eigentümer des einen RadeS bekannt ist, ist der eines Werl-Rades mit Fabrik-Rr. 42 416 noch festzustellen Sa5 Rad ist nicht als vermißt angezeigt. Der Eigentümer kann sich auf der Hriminalabteilung de§ Großh. Polizeiamtes melden.

Tas Kais.'r Wilhelm-Regiment fährt mcht, wie ursprünglich festgesetzt, um 308 nachts zur Truppenschau nach Mainz, sondern wegen der früheren Ankunft deS Kaisers schon um 210. Die Rückkehr erfolgt abends um 1040.

Landkreis Gießen.

# Heuchelheim, 7. Aug. In unserer Gemeinde wurde bisher von einem Unternehmer mit einer Lokomobile für einzelne Bevorzugte elektrisches Licht und Kraft erzeugt. Mit der Zeit wuchs der Bedarf an Elektrizität, doch konnte der Unternehmer mit seinem Betrieb dem nicht Nach­kommen. Unser Gemeinderat verhandelte mit der Stadt Gießen wegen Lieferung von Strom für den kommenden Winter. Inzwischen aber ist dem Unternehmer die weitere Herstellung von Elektrizität mit seiner unzulänglichen Ein­richtung unmöglich gemacht. Wie wir nun erfahren, liegt eS an unserem Gemeinberat, wenn die Verhandlungen mit der Stadt Gießen inS Stocken geraten sind. Man hat an zu­ständiger Stelle in Gießen erklärt, daß, wenn jetzt wirklich noch ein Vettrag zwischen unserer Gemeinde und der Stadt Gießen zustande kommt, eS unmöglich sei, die Anschlüsse dis 1. Oktober d. Is. herzustellen. Diese Aussicht ist natürlich keineswegs erfreulich, aber eS steht zu hoffen, daß unser Ge- memderat die Angelegenheit nunmehr eifrig betreiben wird.

Kreis Büdingen.

R'idda, 7. Aug. Dem Helden von Chambord, Hauptmann Kattrein, ist von der Vertretung und dem Kriegerverein jetzt eine Gedenktafel gewidmet worden, die am 20. August enthüllt werden soll. DaS Geburtshaus deS Hauptmanns Kattrein befindet sich im Besitz deS H. Katz.

Kreis Friedberg.

x Bad-Nattheim, 8. Aug. Der gestern gemeldete Raubanfall auf eine Dame trug sich wicht in Friedberg, sondern hier in der Nähe der katholischen Kirche bei den Gradierwerken zu. Vom Täter ist noch nichts bekannt.

F.C. Vilbel, 8. Aug. Bei den Ergänzungswählen zum hiesigen Gemeinderat siegten die drei Kandidaten der bürgerlichen Parteien (Heinrich Waltz (475 Stimmen), Wil­helm Pb. Klö ß (475 Stimmen), Philipp Ehr. Ferd. Heß (473 Stimmen). Die Gegner, die Kandidaten der Sozial­demokraten, brachten es mir auf 425 bezw. 417 Stimmen. Der Gemeinderat zählt von jetzt ab sieben bürgerliche und acht sozialdemokratische Mitglieder.

Kreis Wetzlar.

Lau nsbach, 9. Aug. Gestern abend um ^6 Uhr brach in dem Hause des Metzgermeisters Gustav Greil ich Feuer aus. Beim Auslassen von Schmalz fing das siedende Fett Feuer, wodurch eine heftige Explosion entstand, die in kurzer Zeit das ganze Anwesen mit allem Mobiliar ver­nichtete. Glücklicherweise konnte daS vier Wochen alte Kind gerettet werden. Die Feuerwehren von LaunSbach, Wißmar und Krofdorf mußten sehr angestrengt arbeiten, um das Feuer auf seinen Herd zu beschränken. Um s/48 Uhr brach daS Gebäude in sich zusammen.

Hessen-Nassau.

Marburg, 8. Aug. Das historische Spielwerk an der wieder hergestellten Rathausuhr ist nun wieder in Betrieb gesetzt worden. Der neue Hahn hebt bei jedem Glockenschlag seine Flügel, leider hat er daS Krähen trotz aller Bemühungen nur wenig oder gar nicht gelernt. Um so kräftiger tutet der Wächter in fein Horn, während der Tod nur jedesmal von Stunde zu Stunde seine Sandbüchse dreht und die Weltkugel alle 12 Stunden ihre Umdrehung macht. Für die Instandsetzung hatten die städtischen Körperschaften 1500 Mk. bewilligt. Der Männer-Gesangverein ,ßie ber- kranz" errang bei dem GesangS-Wettstreit in Dillenburg den 1. Ehren- und Kaiserpreis, sowie außerdem in der 1. Stadtklassc den 4. Preis.

Airche ttttö Schule.

Harnacks Antwort an Jatho. DieChrisü. Welt" veröffentlicht die Antwort Harnacks auf den offenen Brief Jathos. Darin wird u. a. erklärt:

Sic behaupten, daß ich Ihre Chriftusauff assüng niefc nur im wesentlichen teile, sondern auch als akademischer Lehrer und theologischer Forscher vertrete. Nichts kann unrich­tiger sein. Sie schreiben:Seit Christus fein übernatürliches Wissen mehr hat, kann er uns auch nichts Adaßgebendes mehr über Gott sagen. Er ist ja selbst ein Gottsucher geworden wir wir, wenn auch einer der erfolgreichsten." Niemals habe ich so gelehrt, und jeder, der meine Bücher gelesen ober mich als Dozent gehött hat, muß das wissen.

, ©ottepegriff ich habe mich in der Bvrleftms

gehütet. Sie als Monisten oder als Phanteisten zu bezeichnen^ ich habe, mich überhaupt jeder Bezeichnung enthalten, da ich ganz außer Stand bin, Jliren Befemitnissen über Gott einen einheitlichen Sinn abzugewinnen Wohl aber hatte ich die Pflicht, auf Grund einer Reibe Ihrer Aussagen den christlichen Gott» begrifi dagegen m Schlitz zu nehmen, daß er nicht mit dem Nattrrge)etz identifiziert werde; denn diese Behauptung ftifet alles mn, was der Christ in seinem Gottesglauben, wie ihn Jesus zur Erkenntnis gebracht hat, besitzt.

vermischter.

.. * 3 ® ef ittben desüberfaliLuen GeldVrie^ ° $ c r Zacher rn Straßburg ist eine Verschlimmerung nicht env M^sen ^ll er eine Summe von Ä..ors^o000 Mark bei sich gehabt haben, die bei einem iDf glücklichen Ausgang des Uebersalls dem Täter in die Hände gefallen SSS X t' mtc Nachforschungen der Kriminal-

Polizei ergeben hab^i, em Student namens H ermann ßnt 4- Juli und zwar als von Charlotten- bürg kommeiid, hier angemefoet gewesen ist. Die Leiche ist m der Anatomie beihmmt als die des Hossmann anerkanM worden.

.fiI . 1 '\eAn b ? e v U 11 regelmäu »gkelt ist der fron-

wüsche UnlerriUttSmimUer. Vom 1. Oktober d. I. ab sollen näm- .'eu*c Anordnung in de»l Schulen Lehrbücher emgelühtt mC-r h6;»' m bcnlen..^c Behandlung der Grammatik sehr vereinfacht r tz. die unregelmäßigen Zeitwörter, überhaupt alle Unregelmäßig­keiten, Und aus dem Lehrplan gestrichen. Unregelmäßigkeüen surd in Zrankrelch dann bem höheren Unterricht Vorbehalten, außerdem aber den fremden erlaubt, die Französisch lernen wollen.

Kleine Lagerchronik.

Berliner Blätter melden: In bem Befinden veS c<&CTr-1 er verletzten Schutzmanns ..agcr ist eine Besserung cingetretcn.

Der v k^ug Paris Köln Berlin fuhr am Tiens- to.9 . 11 5 Minuten bei Frellstedt in eine

S1 Gttis beschchttgte Kolonne Arbeiter. Wie dieBraunschw.

,7ai$r-" metben, wurden z wer Arbeiter getötet. ~rr Zug erlitt eine Verspätung von einer halben Stunde. x\n et in b u r g wurden wegen Veruntrenuuz bei der Dortigen Rerchsbankhauptstelle im Betrage von 250 00C- Mark die Beamten Wegener unp Hamann vsrhaltetz