Ausgabe 
8.6.1911 Zweites Blatt
 
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TieGießener Familienblätter" werden dem .Anzeige».' 6,crma( wöchentlich beigekegt, da- Kreisblatt für den Kreis Gießen" zweimal wöchentlich. DieLandwirtschaftlichen Seit- fragen" erscheinen monatlich zweimal.

Nr. 152 Zweites Blatt W. Jahrgang

--------Gießener Anzeiger

Eeneral-Mzejger für Gberhefjen

Donnerstag, 8. Juni (911

Rotationsdruck und Lerkag der vrühl'schen Unioerfität« - Buch- und Cleindruckeret.

R. Lange, Gießen.

Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul­straße 7. Expeditton und Verlag: e=£ö5L Redaktion: e-^112. TeE-AdraAnzeigerDießen.

3um Streit über die Wirkungen der neuen Tabaksteuer, y -tus den Kreisen der Tabatinbuftric erhalten wir folgende Zuschrift:

Eine kürzlich veröffentlichte Zusammenstellung der Einnahmen des Reiches aus den neuen Steuern und Zöllen im Jahre 1910, die zweifellos amtlicher Herkunft war, hat der iabal|tcuer*rcunb lidjcti 'Breite erneuten Anlaß zu der angeblichzahlenmäßig ci niesenen" Behauptung gegeben, daß cs dem Tabalgewerbe wieder ganz gut gehe. Tenn die Hereinnahme van labil aus den zoll und steuerfreien Niederlagen in den freien Verkehr zum Zwette der .Herstellung von Tabakwaren habe wieder die regelmäßige Höbe erreicht und für Rohtabal würden noch nie dagewescne Pr i>e bezahlt.

Die internationale Uonserenz der post- und Tclegraphenbeamlen,

die am Dienstag in P aris ihre Tagung eröffnete, sollte itach einem im" Vorjahre gefaßten Beschlüsse und einer Rundfrage an die nationalen Verbünde die Vertreter von trenn Staaten vereinigen. Ta aber die deutsche 9t c - gierung ihren Angestellten die Beteiligung Lntersagre, und die österreichische ein gleiches Verfahren einschlug, sind nur außer Franlreich, England, Holland, Schweiz, Luxemburg, Italien und Bulgarien in Haris vertreten. ' Indessen wohnt für Teutschland ocr Tirci l er des Verbandsorgans der Postbeamten der Konferenz b»:i. Den Vorsitz führte bei der ersten Sitzung der Schweizer Noch. Den Hauptpunkt der Beratung bildete der Antrag der Luxemburger, der durch fotzende Stelle charat- l-erijiert wird:

Tas lliugt für den, der nichts von der Sache versteht, ilbct »eugcnd, die Beweisführung ist aber nicht sticyhallig. Tie hohen :Kcl)taL-nfprei)e werden nicht bezahlt, weil es dem Tabakgcwcib qm, sondern weil es ihm schlecht gehr. Eine Abwälzung ocr Mehrbelastung von 1909 auf die Verbraucher ist bis ;ctz! nicvt gelungen. Tie Jiqarrenfabrilaiuen stecken, nod immer in den Versuchen, die Kundschaft durch neue, den Verhältnissen angepaßt. Vorteil wieder aut die .Höhe des früheren Verbrauches zu bringen. Ties ist nur durch Verlauf guter Ware möglich, es mpß also der durch den gesteigerten Wellverbrauch bei Heinen Ernten ver­letzten Jahrs, bedingten Aufwärtsbeweguug der Preise für Jicb labaf auf dem Weltmärkte gefolgt werden. Also weil es dem Tabcikgcwcrbc unter der Wirkung des neuen Tabakstruergesches schlecht geht, muß es höhere Preise für den Rohtabal anlegen. Eine Verzollung des Rohtabais nach dem Hanbclswcrle ist," wie die Regierung in ihrer Vorlage von 190; > jagte,in ihrer Wirkung aut die am Tabak beteiligten Streife des Handels und der Zndustric unberechenbar." Sehr richtig!

Aber auch die behauptete Zunahme der gesteigerten Ver- lreudung von stiohtabal in der Fabrikation und die unerwartet hohen Ertragnisse der neuen Tabalsteuer schwinden bei X'id)t: beiehen dahin wie Butter an der Sonne Tie Eingangs erwähnte Ziiiammenstclluug ging davon aus, daß im Jahre 1908 für dos Reick 91,1 Millionen, im Jahre 1910 aber 141,9 Millionen fcWavf aus Tabak aüfgekommen seien, fielt also eine Mehreinuahme Ldh «0,2 Millionen Mark ergeben habe, loährcnd man für die Zeit nach Ueberwinduug der Schnierigteiteu des UedergangeS nur am 13 Millionen Mark mehr gerechnet und für 1910 sogar nur 35 Millionen in den Voranschlag eingestellt habe. In der rat sind aber 19()x im ganzen 102,1 Millionen nnd 1910 int ganzen 142,8 Millionen Marl ein gegangen, der Mihrertrag betrugt iciiad) nur 40,1 '.'.'Millionen Marl, es sind aiio nur ö,4 Millionen Mart über den Voranschlag hinaus emgegangen und das Mehl ertragnis ist hinter dem für den Bcharrungszustand errechneten Orträgnis um .3 Millionen Mark zurückgeblieben, And) die 5,4 Millionen mehr über den Voranschlag verwandeln jidi in iadi- i .-ritänbiger Bclcucktimb stir,die tabaksteuerfreuudliche Beweis- i.thrung in nichts, da ne in der Hanpoachc auf die Zigaretten teuer entfallen. Tiefe bat im Jahre 1908 im ganzen 15,3 Millionen, int Jahre 1910 aber 24,3 Millionen, also 8,7 Mil lwncn Marl mehr erbracht, wahrend sie an,Mehrbelastung durch das Steuergesetz von 1909 nur 4,6 Millionen Marl mehr er­bringen sollte. Ter Heine Rest des Mehvcrtragnisics über den Voranschlag von !13 Million Mark findet seine Erklärung in der bereits erwähnten großen Steigerung der Rohtabalpreiie, die selbstverständlich auch in dem Ergebnis des Wertzollzuschlages ihren Ausdruck findet: beim aus rund 600000 Tovvcl.cnliier ucrizollzuschlagsp'lichtigen Rohtabal machen nur 2 Big. Preis fleigerung für 1 Pfund bei dem Wertzoll von 40 Prozent nahezu eine Million Mark Mehrzoll aus.

Genau so wie mit dem angeblichen Mehrcrtrag verhält es sich mit der behaupteten Zunahme der Versteuerung und Ver­zollung von Rohtabal. Im Turchschnstt der Jahre 19041907, von welchein bei der Errragsberechnung der Wertzollsteuervorlage nusgegaugen worden ist, wurden 718 000 Doppelzentner verzollt und 259 000 Toppelzentner versteuert, zusammen also 977 000 Toppelzentner Rohtabal zur Fabrikation in den freien Verkehr genommen: im Jahre 1910 dagegen nur 712 000 Toppelzentner verzollt und 216 000 Doppelzentner versteuert, zusammen alio '.28 000 Toppelzeniner zur Fabrikation verwendet: mithin weniger en ausländischem Material 6000 Toppelzentner und an iiilän lisch.in Tabak 13 000 Toppelzentner, zusammen alio 49 000 Topretzcnincr weniger. Tazn kommt noch, daß sich untcrbeiien bic Bevöllertmg 41m mehrere Millionen vermehrt ha:, so daß «er Minderverbrauck' noch stärker wird, wenn man dies berück steinigt. Jrn Türchschnitt der Jahre 1904 07 wurden aus den ->:opf der Bevölkerung 1,57 Kilogramm Rohtabal Dcutene 1: und verzollt, und 1910 hätten nm Grund bicier Ziffern 1021000 Doppelzentner versteuert und verzollt werden müssen: es sind also 93 000 Toppelzentner weniger verbraucht worden. Einen weiteren durchschlagenden Gegenbeweis gegen die tabaifleuerfreunb luten Beschönigungsversuche erbringen die von Richard Ealwer iu seinenwirtschaftlichen Wochenberichten" mitgeteilten Zahlen über die Gestaltung des ArbeitS'.narltcs für Tabakbearbeiiuug, welche eine erschreckende Zunahme der Arbeitslosen in den letzten Monaten ergaben. Selbst das Reichsarbeitsblatt schreibt unter dem 29. Mai 1911 wörtlich:Tie Zigarrenfabrikatiou war int cbgelausenett Monat etwas besser beschäfligt, was darauf zuruck- rusühren ist, daß während der Ostcrrcicrto.ge ein lebhafterer Absatz ftattranb. Trotzdem blieben die Verhältnisse, wie aus Sachsen berichtet wird, durch das große Angebot von Waren zu herab- gesetzten Preisen nach wie vor schwierig. Ein Werk aus Rord Deutid-lcntb weist darauf vin, daß die Rachfragc nach billigen und billigsten Sorten, die nach der Tabaksteuer zum Teil mu Verlust, Juni Teil mit nur ganz ungenügendem Verdienste bergenllt wer den iönnen, sehr stark genmchsen ist."

Mit dem von gewisser Seite so georieieiten Wohlergehen des deutschen Tabakgewerbes ist es alsoEisig": aber das wird gewisse Leute nicht abhalten, die Wahrheit alsvoltsverhetz.mde Angaben" ihrer politischen Gegner auszugeben. Wahrlich das Tabakgewerbe wurde 1909 von der Reichsgeietzgebung mir G..'ln geschlagen, um bann noch obendrein fortgesetzt v?n oi'iziöser und tabaksteuerfreundlicher Seite mit Skorpionen gepeitscht zu werden:

In fast altci: Lindern b.stehr n POstverhältuis iwisck .l den Rechten der Beamten und den Pflichten. Tie andauernde Entwicklung der öffentlichen Betriebe lac ihnen '.ist täglich neue Verpflichtungen aufgezwungen, während die sehr kurze und sehr summarische Aufzälstnng ihrer Rechte noch heute dieselbe Form bat, nie vor einem halben Jahrhundert, wenn nickt gar die Per valtimg durch eine engherzigere und entstelltere Auslegung ihnen neue Fesseln anlegte. Tic internationale Föderation muß daher rastlos auf die Besserung der sozialen Lage der Kameraden aller Länder hinarbciten."

Ein holländischer 2elegierter wies aber Darauf hin, daß^)ie Postbeamten, um ein Minimum von Rechten ober ein Statut z.i erhalten, je nach ben Üänbarn verschieden wirken muffen. Tic internationale Föderation könne also dabei nur einen moralischen Beistand leisten und die Be wegung durch 03elb unterstützen Ter Luxemburger Vor­schlag wurde nach eiugehcndcr Erörterung säst einstimmig gebilligt.

Tie Monieren^ (am ?,nr Beschlußfassung über bic Sta­tuten einer internationalen Vereinigung. In diesen wird als Zweck Der Vereinigung die Förderung der Studien aller Fachfiagen, die Besserung der materiellen und moralischen Lage der Anhänger und die Organisierung der intcjmaiio* nalen 2olibaiirai unter Post und Telegraphen Beamten angegeben. Tic übrigen Verfügungen entsprechen denen für die bereits bestehenden internationalen Föderationen. Hervorgehoben zu luc^bcu verdient, daß die englischen Tclegiirtcit bei dem erwähnten Programmpunkte Der inlcr nationalen Solidarität unter Post und Telegraphen Beam ten ausdrücklich und bestimmt erklärten, ihre Mn mein bat verständen Darunter nicht, daß sie sich zu einem Aus­stande bestimmen lassen würden, wenn man von ihnen einen solchen Ausblick ihrer Solidaritütsgefühle verlangte.

Hungersnot in Lkjina.

In den chinesisch-'n Pr.ui.: m Miaugsu und Anhwci ivütct feit dem rergangenen .s?crb;- . mc surckstbarc Hungersnot. Von der unmittelbar bevorstehenden Ernte erhoni man eine lirlciai terung der Lage, aber allem Anschein nach wirb Die Abhilfe nur eilte ganz geringe fein. Jin vergangen en Herbst haben die aus den Bergen lommenfin u 11 g e r. c u 1 c n IIsttenbie gesamte E r n i c 0 e r n i ch t e 1. Fluten haben auch iu i c b c r vor eini­gen Wochen gereutci, 10 daß das Erlrägnis der/Ernten ein io bescheibencs sein wir?-, baß bic Not nur vorübergehend ver­ringert werben wird. Wenn man, so teilen englischc Blätter mit, von Shanghai aus sich ins Innere des Landes begibt, so sieht man allerorten gutes rrudstbarcs Land und ein ruhiges und zu friedcnes Boll, .lueedings v.t nirgends Reichtum bemerkbar.

Wenn man aber über Naniing hinaus gelangt, ungefähr in eine Entfernung von 100 englischen Meilen, so ist man geradezu verblüfft von dem Anblia, der sich einem nun barbictci. Tas Volt, das in der oben erwähnten <9 egenb reinlich, wenn auch nicht nnpig genährt aus sah, bietet hier einen Anblick des Entsetzens bar. Bis aus bic M n0 chen a b g cin a g e r t c, hohl ii 11 g i g c unb tödlich bleiche Gesichter begegnen einem auf Schritt uno Tritt. Man ist ins Land d cHungers gelangt. Aber diese Menschen haben es verlernt zu ilagcn. Mit einer unsäglich müden Rcsiguailon, die ans Herz greift, fügen sic sich in ein Schick'al, eas ihnen ein Leben aitfcrlcgt, eas nicht nur men scheu unwürdig, sondern voll do.", totalen ick. Man traut es dielen Lenteu nicht zu, nur noch eine weitere Woa c leben zu können, so tödlich erschöpft tehen sic alle aus, und dock bis zur nächsten Rcispcrteilung dauert cs noch volle 10 Tage! In jebem Torf lauert der Tod auf feine Ovfer.

Tie Hungersnot erstreckt sich auf ein Gebiet, das 200 M eilen lang und 100 M eilen breit ist und unter der Geißel des Hungers seufzen nahezu 3 Millionen Menschen. Uub an all diesem Elend sind mir bic U eb cr s ch w c inm n n g c n Schuld, bic immer wieder das Land verheere!'.. Seit Jahrhunderlcn treten die reißenden Ströme tiefer Provinzen über die Ufer und vernichten bic Ernten. Tie Gebirge, aus welchen sic kommen, sind nämlich schon in grauen Zeiten ihres gesamten Bauinsdmmdcs beraubt worden, so daß die Schnecmassen, bic sich auf ihnen ansammeln, tic uncridwüilidieit Reservoirs der reißenden Ge birgsströme bilden, die als Erntcvernichter eine iurditbare Geißel des Landes bilden. Tievatriard)alische Regierung Chinas" wird iid) nur langsam ihrer Pslidstcn betvußt. Bor allem sind cs Anslänber, ^Missionare und sonstige Multnrpionierc, bic nunmehr daran gehen, die zerstörenden Flußläufe zu regulieren.

Tie annciiidjc Rcgicrimg Hal bisher Pest unb Hungersnot als durchaus nonvenbige Maßnahmen bei Mutter Natur an­gesehen, um bic UebcrDölfcrung einzuschränken. Aber unanshalt ,am vollzieht sich bas Eindringen abcnbländisdic'.- Mnltur und Ideen duck in das ungeheure Gebiet des himmlischen Reiches.

Kongreö der evangelischen Arbeitervereine Deutschlands.

^-Leipzig, 7. Juni.

Unter zahlreicher Beteiligung begann gestern nachmittag im Saale des Zoologische^ Gar:.,i^ mit einer Sitzung des Gesamt lands. Nadi den üblichen Begrußungsanivrachen erstattete Prof. Tr. v. W enckstein einen Vortrag über bas Thema:Arbeiter beroegung und Sozialdemolraiie". Tr luhrte 1: a. aus, der Idealismus in der eesialbemolratie habe sich erhcbny verflüchtigt und macke einem harten stlaf'citegoismus und Materialismus Platz. Ein Sieg der Sozialdemolraiie fei undenkbar, weil Staat unb Gesellschaft stark, jung unb entnickeiungsfähig feien. Beim Siege von Siaat unb Gesellschaft in den nächsten ^ayrzchnicn fei bie Gefahr na.;egerüit, daß die Arbeiterklasse in einen schlechteren Rechtszustanb zurückgcbrüac wird. Eine -arbfiicrcniiüidclungv feindliche RiÄumg bringe von allen Seiten an die für Verwal­tung, Justizdienst uire. bestimmte deutsche Jugend heran, imo die nächsten Jahre würden möglid;errociic eine Den Wünschen für bie orniiDialung der Arbesteruane dura ras ungünstige Konstellation bringen. Tcs! alb stj Derelcieii an alle nicht fozialdcmotraufchen Arbeiter und Arbeiterorganisationen gerechifertigt, md?t untätig zuzuichcn, n ie bic Oucllcn für das Äacrsrum von Leistungsfähig- tcii und Arbeitertrast in Der Ärbeiterktasse durch die kommende Entwicklung verschüttet werden. Tic Aroeiier müßten aus dem Banne der Sozialdemokratie iurüdgciDonnen werden. Ter Mensch sei nick, nur etlancngencnc, er fei in erster Linie Person für sich. Ilm nur zu einem y.iaifenmitgiieb fiemveln, bedcute .ine Tcgra- batimi und im Falle der Sozialdemokraiie eine Aussd)alNi>lg an Der Mitarbeit an allem reinlichen Fortschritt.

Ter Vorsitzende, Pastor 1?. Weber- M.-Gladbach, bat die Versammlung, an S:cllc einer Entschließung zu erklären, daß sic auf dem Boden des Bortragenoen üeyc. Tie Vcriammlung erklär, sich unter leöhasteir Brtoo-Rufen oi.nc Ausioeache bamu einverstanden.

hessischer Lehrertag.

Tic eigentlich.' Äauptvci samm lang de La n d cc- lchrer verein- sand heute statt. Obmann H u i s Tarmstaot bcrcilhommncte ganz besonders kn Vertreter der fuatlichen nnd ßädiifchcn Behörden, .st reis rat Eckstein, Bürg, rmcister Wcigsld, Sckulrai Bauder, unb bcn Vertreter des Tcutschen Lehrervereius. Rektor Prezel Berlin. Husf betonte, de» LandeSlehrerocrein ist in seinen Grundsätzen wahrhaft religiös, irc.t monarchisch unb eckt national und vroteitien gegen andere falsche Unterst stlungen und Angrisfc. Namens der Belwrdc sprack' .strcisr.it Eckstein, namens der Gevieinde Auerback' Bürgermeister Weigold, im Auftrag de Scknl und Orlsaus'ci mics Pfarrer Eßl in g er, der am Zusammengehen von Mild*: und Sckmlc ui den großen Menichheite ui.d Erzichnngssragen hinwies. Rektor Prezel Berlin iprad) über die Tniwickcluna des Deulfcken Lehrervereinö imb besten 40 lährigc Geschichte Heute sind alle Bnnbcssl.iat.'N im Tculsck cu Lehrervercin vertreten, bi r dir Mehrzahl der beut- id'cn Lehrer umfaß!. Lehrer Siiin crnntcic dann eilten Bcrick)t über:W elckc '?l n i 0 r b c r u n g c n iinb an ein 5 c 11 g e m ä ß e v V 0 Iksseinl g_c s e tz zu stellen?" Tic Trage ist bereits in einem Ausschuß vorbereitet unb in her Fachpreu. be lstinbctt worden. Ter Redner fordert, baß eine Minne nicht mehr als 50 Schüler haben bürte, anstatt bisher 80 imb mehr. Tic Häufung des Unterricksts auf bcn Vormil tag ist venvcrflid; Tie Simullaufchule ist dringend ;:i fordern, die .stonsessionsschulc zu beseitigen. Tic allgemeine VoNsscliul' für die ersten vier Sr-ml jabre muß alle .stInder des beutiein-n Volles umfaven. Schulg io crhebnng ist zu verbieten Tie Lehrerbildung ist io zu regeln, baß Die künftigen Lehrer eine höheie Lehranstalt absolvieren unb dann ein zwei 1.ihriges Seminar besuch n Tic seitherige ein (eilige Maftenbilbung muß sallen Tie Pi i'ciuattoncti iinb zu beseitigen, der Organistcndicyst ist vi in Schnlatttt zu trennen, der Schuliorsiand soll entweder ganz sallen, oder der Lehrer ck bcn Vorsitz führen, bic Lehrer n ähleu ein Mitglied in bic M.. 1 " schulkommissiou. Lehrer H. 5 di m 1 b t Gießdn hielt einen Vor trag überWelche Forberungen stellen bic Fortschritte 111 In bustric unb Gewerbe an die Fortbildungsschule" Er wies auf Den gewaltigen Aufschwung von G.iverbe und Industrie 1, in Tiefer Entwickelung - müsse der Fortbilbungssdntlunlettidn Rechnung tragen In den Stadien iJtuic Verussunicrrick. em geführt werden, die Lehrer abci müssen auf ben Seminaren für bic verschiedenen Unterridtsgegcitstättd mein als bisher vor­bereitet werden. Lehrer G r ü n Hlieislirchcti iprad) überTic F 0 r t b i l d n n g s s chü l c a 11 f d e m Land c". Er fordert lieber - nähme der Lasten der Fortbildnngs>d)iilc auf den Staat und bessere Bezahlung für den Lehrer Ter Unt.rrid : tnliifc spätestens 7 Uhr abends beendet sein, vielkidt schon bis> Uhr. Ter Stoff ist aus dein praktifckcn Leben zu entnehmen, Unterrichtsfächer sind Lcscn und Aufsah, Rechten unb Geometrie, Versichentngsgesetze: je nad) dem Beruf der Schüler ist Lanbwirtschast oder Gewerbe zu bevorzugen. Zeichnen und Turnen gehören nicht in die frort- bilbungsichule Tje streiShaushaltungsid ttlcn find möglid'it 511 Mädd.niortbildungsichulcn anszngestilteit.

2lus ituö Land.

Gießen, 8. Juni 1911.

Lchonnitg der schenkenden Mutter Natur!

Tie Zeit her Ausflüge unb Spaziergänge ist wieder gekommen nnd lockt Eltern nitb Minber ins liebe, sommer­liche Grün hinaus, und cs ist schön, daß diese Lockung so lebhaft cmvfunbcn wird. Wenn dock) aber auch alle be­denken wollten, baß es ein Unrecht ist, bett anmutigsten Zauber ber Natur zn zerstören, indem sie Blumen 1111b junge Zweige avrcißen, um sic achtlos wcgzuwerfen Gewiß ist der fclbftgepfluckte Blumenstrauß daheim eine liebe Er­innerung an den schönen Sonntagsspazicrgang, aber müssen am Feiertagabcnd alle Wege, die zur Stadt führen, mit welken Blumen bestreut seist? Und klagt nickt abends aus mancher idyllischen Bank ein welker, vergessener Bluinc^ strauß die achtlose Sammlerin des Blumenmordes an? Ist es nötig, um eines einzigen Erikazwoigleins willen einen ganzen Busch zu entwurzeln?

Wern die Schönheit unserer heimischen Fluren am 5:erzen liegt, der trachte nicht nur selbst daruack, sic zu schonen, sondern belämpfc mit Nachdruck das zwecklose Aus- raufen unserer herzliebenwilden" Blitmen: er wird darin eine größere Kulturarbeit leisten als er denkt.

Aehnlich wie den Blumen geht s ben Tieren. Müssen alle Raupen gesammelt ober vernichtet werden? Tie Rau­pen unserer ichönsten Schmetterlinge ernähren sick von Unkraulpslanzen: 10 lebt oas rounbcrlicbc Pfauenauge, das feine fammeten Flügel fo gern auf den durchwärmten Sand unseres Weges dicht vor unseren Füßen vertrauens-' selig ausbreitet auf Brennestein, der geheimnisvoll lchöne Trauermantel auf jettblättriger Weide, der leuch­tende Admiral auf struppigem Brombeergeranl und Neffcln. Ter Vorwurf der Schädlickkcit ist also eine bitter ungerechte Anklage, und der gaukelnde Schmetterling verkörp.rt ein solches Stück Sommcrglüce unb Sommerschönheit über der lonnentrunlDnen Landschaft, daß jeder gute Mensch seine Wiege und HinDcrftubc schützen sollte.

Auch die flinken, bunten Eidechschcu unb Die dicken. Fröschlein machen sie draußen, wo sic daheim sind, nicht riet mehr Freude, als in der öden Glasbüchsc oder Zigarren­kiste, in der sie ein jammervolles Dasein führen, dis ihr Heftern.eifter einsieht, daß alle gutgemeinten Bemühungen sie am Leben zu erhalten, fruchtlos itnb? Sie habens nicht verdien^ baß es ihnen in Menschenhänden so traurig geht!

Was alle diese lieben Gescyöpfc uns m der Landschaft bedeuten, erkennen wir er ft daran, wie sehr sie uns fehlen, fobald unser Fuß italienischen Boden berritt. Ta grüßt uns kein Vogelgefang; Flinte und Schlingen haben unsere gefieberten Lieblinge hingemordet: Die Fröfchleiu finben wir gespießt und gebraten auf dem Tisch ivieoer, die Blumen gehen wagenweste in die Parsümcriefabriken. Zwar ist dort die 'Jiarur unerschöpflich reich, wir aber unter dem deutschen.Himmel muffen haushalten lernen. Und uns ist auch nicht alles ein Zeitvertreib oder Geschäft, was ireuchr und fleugt. Wir hängen mit dem Herzen Daran. Ta rum Schutz! Schutz! allen Den liebenswerten Hindern unserer heimatlichen Fluren!

** Postpersonal-Nachrichten Versetzt: Post- sckrelar Roth von Linbenscls nad) Griesheim, Post Verwalter tedei von Wcsthoicn nach Linocn'els, £bcr=Tclegravh:n- Astistent H r Ö cf von Tuisbnrg nach Mainz unb Postassiil.-nt T 1 r t) von Worms nad) Essen. E t a t s m ä ß i g a n g u c 111 Die Telegraphcngeljurinnen Heil in Lab-'.'cauheirn, 3 üj c c d in > Mainz, Stet ter in Gießen, Strauch in Tarmstao: und