Ausgabe 
6.11.1911 Zweites Blatt
 
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Nr. 261 Zweiter Blatt

161. Jahrgang

trfdjetnt Holl» Ausnahme de» Sonntag».

Tteeufcentt Samllienblärter* werden dem .Anzeiger" viermal wöchentlich beigelegl. da- ..ttretidlan flr bei Kreis »letzen" zweimal wöchenllich. Tiecandwlrtschastttchen Seit- fragen" erscheinen monatlich zweimal.

Eichener Anzeiger

General-Anzeiger für Oberhesjen

Montag, November 6.19U

RotanonLdruck und Verlag der Brühlfchen Unwersitäl» Buch» und 6teinbru(fertL R. Lange, Sieben.

Sebaflion, Expedition und Druckerei: Schul» ftrofee 7. Ervedttion und Verlag: 5L

Redaktion: 112. Tel.-Adru AnzeigerGietzen»

des

)

vertagt.

Darauf trai eine Skrtagung ein.

männische Mittelstand dürfe seine Buchiorberungen unter feinen Umständen diskontieren, zumal die Diskontierung auch gegen das Prinzip der Barzahlung verstoße. Außerdem würde die Diskontierung der Buchforderungen für den Handwerker Kosten in der Höhe von 7 bis 9 Prozent mit sich bringen.

Au die Ausführungen des Redners schloß sich eine lebhafte Aussprache, die im großen ganzen Uebereinstimmung mit den

junghberaki Partei ag.

~ Karlsruhe, 5. Nov.

Mittelstandsiongreh 6es hansabunbes.

Berlin, 5. Nov.

Darlegungen ergab. .

Tr. Köthner ^Berlin) besprach sodann eingehend ver­schiedene Fragen des Detailhandels, wie den unlauteren Wettbewerb, das Londerrabattwefen, die Wanderlager und die Bekampinng des Kreditbetrugs. Er erklärte es für dringend notwendig, daß die Tetailliften sich etwas mehr um bic Verhält­nisse und die cimchlägigen ürebitbcitimmungen kümmern. Tie Wanderlager hätten deute feine Berechtigung mehr. Tte Londer- rabaue mußten abgeschaf:t werden, aui nn.chc Weise sei gleichgültig.

In der Aussprache verlangte König (Muhlhau.en L Th., die Angliederung von TetaiUinentammern an bie Handelskammern sonne den Zwang der Ucberwachung des Ausoerfansswesens.

Tte wetteren Berhandlungen wurden hierauf auf morgen

vermag der Zeuge nicht zu jagen, er glaubt aber, daß Schmitt über eine solche Summe selbnnndig verfügen tonnte. Benner

Der Zusammenbruch der Niederdeutschen Bant vor Gericht.

4- Dortmund, 4. Nov. 1911.

Ter Andrang zu der heutigen Verhandlung Ivar ganz außer* gewöhnlich. Ter neuerdings oorgerufene Zeuge Isidor Alexan­der (Breslau- wird darüber befragt, ob ein am Sonnabend abend in Breslau aufgegebener Briet am Sonntag früh in Tort- mund sein könne, worauf R.-A. Frank erklärt, daß das nach Angabe der Dberpoftbirettion unmöglich sei. Ter Syndikus der Berliner Handelskammer Tr. Sinterns besprach bic Art der Verbindung seiner Bank mit der Niederdeutschen Bank und er- klärte, die Bewegungsfreiheit der Bank sei von der ursprünglich vorgeschriebenen Höhe von 4OU 000 Mark auf 150 000 Mark herabgesetzt worden und ging bann des näheren auf bic Frage ein, ob auch Skuxe beheben werden konnten, bie nicht aut den Namen der Bank lauteten. Ter Zeuge hat an bie Nicberdeutsche Bank geschrieben, sie möchte von den Inhabern der Kuxe eine Bertugungsberechtigung zu erlangen suchen. Tie Bank habe darauf erklärt, sie bcsttzc das Verfügungsrecht bereits durch eine Blanco- zession. 2er Zeuge tarn zu der Ansicht, daß nach dem all­gemeinen Bankgebrauch durch bic Ausfüllung der Blancozession das Eigentumsrecht von dem bisherigen Eigentümer auf den überging, an den bie Kuxe zediert wurden. Tie erste Spannung zwischen der Niederdeutschen Bank und der Berliner Handels- gcicUid)aft sei ausgetreten insolge der eigenartigen Geschäfte des bekannten Thyssen jun. vom Jahre 1910.

Ter Prokurist der Berliner Hanbelsgefellschaft Schübbe- k o p f erklärt, der Verkehr mit ber, Bank habe sich in durchaus angenehmen Formen vollzogen. Schwierigkeiten seien niemals vorgekommen. Der Zeuge gibt auf Befragen an, er habe nicht ...ah oie Bank nid t fallen lassen werde; er habe vielleicht allgemein gesagt, die Hanbcls- geierlschait wurde einen treuen Munbcn unteritu&en. Tic^ticder- dcutschc Bank habe einen sehr großen Kredit gehabt. Direktor Arendt habe der Niederdeutschen Bank alles mögliche Entgegen­kommen zu teil werv.'n Iahen. Im Januar 1910 fei der Nieder­deutschen Bank aiP beten bringende Bitten noch ein weiterer Kredit von einer Mihion euigeraumt worden. Ter Zeuge Tr. Sintenis erklärte, daß am 3. Juli 1909 bie Marge 91000 Mark, am 10. Juli Dagegen 540 OuU Mark betragen habe. Ter _ .: enhchieden, bie mit ber Handele

gesellichast vereinbarten Maßnahmen selbst angCoronet zu haben Tie Buchhalterin Waldeck sagt aus, sie habe bic Korre­spondenz meist nach Konzepten geführt; Berater herbe ihr nie solche diktiert. Ter Bankbeamte Sieber erklärt, wenn es sich um die Versendung von Tepots handelte, habe er bie Weisungen zumeist von Schmitt erhalten. Lhm habe mit ihm auch über die Versendung Oer Tepots gesprochen und ihn wiederholt au'- geBrdert, genau nachzusehen, da er sonst ins Zuchthaus oder ins Ge.angntä kommen könne £b Ohm von der Versendung der hundert Grubenkuxe der Firm. Alexander Kenntnis gehabt habe.

Line Abwehr-Erklärung 6er Siebener tjanöelslammcr.

Die Großh Handelskammer Gießen sendet uns folgend.' Erklärung zur Abwehr der Angriffe gegen den Zwis chen handel:

Tte Vielsachen und scharfen Angriffe, welche aus Anlaß der Teuerung in der Presse und selbft von hervorragender Stclleirn Reichstag gegen den Handelsstand im allgemeinen und den Kleinhandel der Lebcnsrnittelbranche im besonderen gerichtet worden sind, haben in den hiervon betroffenen Kreisen eine große Erregung beroorgerufen. Im Imeresse des Zwischenhandels ihres Pezirles hat sich daher die Handelskammer veranlaßt gesehen, die erhobene Besdntlbigung, daß dieser haupi fäd iid) an den jetzigen hohen Preisen der wichtigsten und not­wendigsten Lebensmittel die Schuld trage und einen ungebührlich hohen Nutzen aus der gegenwänigen Lage der Berhältiiissc ziehe, auf ihre Berechtigung hin zu prüfen. Tie deshalb von ihr a n - gestellten Untersuchungen haben nun zu deut Ergeb- n i s geführt, daß jene Behauptung nicht b e n Tatsachen entspricht unb baßer nicht scharf genug znrückge- wiesen werden kann. An der Hand zissernmäßiger Unter­lagen hat die Handelskammer sich davon überzeugen können, daß Großhandel wie Kleinhandel sich gerade in dieser Zeit der Teuerung mit einem außergewöhnlich beschei­denen Nutzen begnügen müssen; bei einigen Artikeln konnte sogar scstgesteltt werden, daß diese seitens des Großhandels wie des Kleinhandels ohne jeden Gewinn mtd zum Teil selbst mit Verlust abgesetzt werden So find z. B. bei Kasfcc zurzeit Einkaufs- und Verkaufspreis saft gleich; bei Zucker stellt sich ter Einkaufspreis häufig höher als der Verkausspreis, uiw bei Artikeln wie Reis, Linsen, Bohnen, Erbsen, Salz und bcrgleidxn ist bic Spannung zwischen Ein- unb Verkausspreis zum Teil sehr gering, zum Teil bewegt sic sich in durchaus an­gemessenen Grenzen

Hat schon der Kleinhanbelsstanb bei einem normalen Gange der Tinge unb Verhältnisse einen schworen Kampf um feine Existenz zu fuhren denn bic übermächtige Konkurrenz ui diesem Stande felbit sorgt schon dafür, daß die Spannung zwisckien Emkauss- unb Venausspreis nicht allzugroß ist so ist es hoppelt scklimm um ten Klemhanbel in den Zeiten ber Teuerung, wie ber jetzigen, bestellt. Tenn in soldjen Zeiten ist es dies hat bie Erfahrung gelehrt eine ganz natürliche Erscheinung, daß der Verbrauch nnd) Möglichkeit eingeschränkt wirb unb damit der Umsatz des Handels sich c erringen; die letzte Folge hiervon ist, daß der Konkurrenzkamps alhcitig um so schärfer entbrennt und Groß­handel wie Kleinhanbcl ihre Waren zu Preisen abgeben müssen, welche mir einen bescheidenen, ihren Unkosten burdjaus nicht ent- sprechenben Gewinn abwersen.

Wenn also zurzeit tie Preise einzelner Lebensmittel infolge außcrgenwhnlid-.r Verhältnisse, insbesonbere natürlicher Er­eignisse (Tiirrc, Miß ernte usw ), eine Höhe erreicht haben, unter ii'clcher zwoisettos tnc VUlgcmcuibcü leidet, so hat unter dieser Erscheinung nicht minder der Haiwclsstand unb na mc Ml ich der Kleinhandel, zu leiden. Es ist deshalb ungerecht und verwerflich zugleich, wenn behauptet wird, daß der Zwifdjenhandel aus der Not Der Zeit auf Kosten der Allgemeinheit unangemcf jenen Vorteil ziehe.

Im Saale derBier Jahreszeiten" hier trat unter fehr zahlreicher Beteiligung von Delegierten aus allen Teilen des Reiches der Rcichsverband ber Vereine ber naiionallwcrakn Zugoiid zu feiner iJ. oroenttichen Vcrtreterverfammlung su^ lammen. Ter bbcnLidiai Versammlung g.ng eine nichiiiicntliche Vertreterversammlung voraus, in welcher der Reicyslagsabgeoro- ncte Basfermann bas Wort nahm und unter dem Icbyaften....... --.......

Beifall ber Versammlung ausmhrto, daß Jung- und äliiuerilc 5er enoung der Kuxe nichts "zu tun gehabt, sich eins führten uns zu'ammcnyie.ten. Ba 'ermann gab bann T ar auf trat eine Vertagung ein.

ein Mahnrus aus dem Vogelsberg.

Bon sehr geschaßter Seite erhallen wir folgende Zu­schrift:

Ihrem Artikel über die immer mehr zunehmende Aus- rottuua unserer Bogel muß rückhaltlos beigestimmt wer­den. Als Ursachen tommen hauptsächlich zwei Tatsachen in Betracht, nämlich das U e b e r h a n d n e h m en der Katzen und Verschwinden der Hecken und Sträu­cher auf dem Feld.

Infolge der Mäuseplage des letzten Herbstes wurden notgedrungen zahlreiche Katzen angeschafft. Teren Zahl ist infolge ihrer starken Vermehrung übermäßig gewachsen, unb die Folge ist, daß fast in allen Orten Katzen masfen- baft vorhanden sind. Viele derselben jagen den ganzen Sommer über in Feld und Wald und kehren erst mit Ein­tritt der kalten Jahreszeit ins Haus zurück. Ungeheurer Schaden muß durch diese raubgierigen, halbvcrwilderten Tiere angerichtet worden sein, ganz abgesehen davon, daß auch schon in dem gewöhnlichen Bereich, den die Haus­katze abzustreifen pflegt, kein Heck- unb kein Singvogel ihrer Raubgier entgeht. Vor allen Tingen wäre eine 23er- minderung der überflüssigen Haustatzen, und eine Ver­tilgung der im freien Felde umherstreifenden Katzen her­beizuführen. Es ist auch ein Mißstand, daß in den meisten Fällen neugeborene Katzen nicht getötet werden, sondern ohne Zweck groß gezogen werden, den Hof dann verlassen und damit die Zahl der schädlichen und unnötigen Tiere vermehren denn der Nutzen dieser Tiere steht in keinem Verhältnis zu dem Schaden, den sie unter den jagdbaren Tieren und unseren Ängoögeln anrichten, abgc.chen da­von, daß eine Katze, die getvohnt ist, draußen herumzu- sireifcn, für den Mäusefang gar nicht mehr in Betracht kommt. 4bur nebenbei sei bemerkt, daß die Katze zweifel­los bei Verbreitung der Maul- und Klauenseuche mehr mitwirkl, als man für gewöhnlich annimmt.

Ferner ist die Beseitigung der Hecken ein Haupt­grund der Abnahme unserer Vögel. Baum- und strauch­los ziehen sich jetzt wette Flächen dahin, Hecken, Raine, Gebüsch usw. sind verschwunden und damit bie Nisigclegen- heit für viele Vögel, aber auch ber £rt, der ihnen sonst Schutz vor den Feinden und vor Umvener gab Schutz­los ist er jetzt dem Raubvogel preisgegeben und es ist natürlich, baß solche Gemarkungen, in denen die wich­tigsten Lebensbedrngungen fehlen, fetzt gemieden werden und vogelleer sind. Insbeiondere ist dies bei den seld- bereinigten Flächen der Fall und so groß auch der 'Jhigcn der Felddereuiigung auf anderem Gebiet ist, so sehr ist ihr schädlicher Einfluß aus unsere Singvögelvermiiiderung zu beklagen. Zweifelsohne muß sich bieie nicht zu bestreuende Tatsache rächen, und es wird nicht allzu lange dauern und gerade der Landwirt wird am meisten den durch Die Aus­rottung der Singvögel entstehenden Schaden zu beklagen haben. Ebenso wie in weinbautreibenden Gegenden, wo jeber Fleck ausgenutzt wird und infolgedessen auch jede Hecke, jede Sternhalde weichen mußte, über Die Zunahme der schäDlichen Insekten geklagt wirD, so wird es auch bei uns kommen. Dorr ist man schon soweit, Daß man wie­der Hecken, Schutzgehölze usw. aus staatlichen Mitteln an­legt und erst kürzlich har eine Regierungskommission Rhein­hessen^ bereift, um festzustellen. Daß Den überhanDne^men- den Schäden, unter Denen Der £bst- und Weinbau leioet, abzuhelfen fei Durch WieDerbesiedelung ber ülegenD mu

Unter außerorbentlich zahlreicher Beteiligung aus allen Teilen ... Reiches trat heute tm Lehrer Bereinshausc ber Mittclftanbs- kongreß bcs Hansabunbes für Gewerbe, Hanbel^unb Jn- buftric zu seinen Beratungen zusammen, nachdem am Sonnabend im RestaurantHeidelberger" ein Begrüßungsabend vorangegan gen war, bei welchem Oberbürgermeister a. T. Knobloch die erschienenen Vertreter willkommen hieß. Tic heutige erste Sitzung würbe mit einer Begrüßungsansprache bes Ehrenobermeisters Richt (Berlin) unb einer längeren Aussprache des Geheimrats R i e s s e r crönnct, welch letzterer bie Ziele unb Zwecke, sowie bie bisherige Arbeit bes Hansabunbes im Interesse bes Mittel- stanbes cingchenb barlegte. Er betonte, baß ber Hansabunb selbst wünsche, baß er zu existieren aufhören möge, bas werbe aber erst bann ber Fall sein, wenn seine Absichten unb Pläne in Fleisch unb Blut der maßgebenden Kreise übergegangen sind.

lieberHebung des fleingerocrblidjen Kredits" (Bargunwesen, Einziehungsämter unb Förberung ber Krcbitg enosscn,chasten) sprach Oberbürgermeister a. D. Knobloch, ber bie Wichtigkeit ber Krebitbeschassung für Hanbel unb Inbustric betonte unb bar aus hinwies, baß für manche Klcinaewerbetrcibcnbe eine georbnetc Krcbitbeschafsung sehr schwierig fei, weil sich diese nur in sehr ungenügenbem Niaße an den Krcbitgenossenfchastcn beteiligen. Tic Grünbe hierfür seien bas Borgunwesen, ber Mangel einer georb- neten Buchführung, bic mangelnde Krebitbeschassung im engeren Sinne unb bas ungenügenbe Verständnis für bas Genossenschafts­wesen unb seine Bebeutung. bezüglich bes Aorgunwesens müsse gleich wie für bic Warenhmiser auch für bie itleingcrocrbctrciben» ben Barzahlung, ferner Solidarität der Hanbwerkcrkreisc unb zum minbeften kurzfristige Zahlungen geforbert werben Tas Einzichungsverfahren sei teuer unb fein Allheilmittel gegen bas Borgunwesen. Tie fällige Förberung oom britten Monat ab zinspflichtig zu machen, sei ebenfalls em zweischneibiges Schwert, wie bie Herabscbung ber Verjährungsfrist. Tie Hauptfachc fei, weite Streife von ber Bedeutung und dem Segen ber Genossen­schaften zu überzeugen. Tic Kernfrage bleibe immer bie Er­haltung bes Mittelstanbes aus eigener Kraft.

Stabtrat Jung (Neisse) sprach überDiskontier ung Don Buchsorderunge n". Er betonte, daß bie Pumvwirt- schasl unb Der Mangel an Betriebsmitteln bie ganze Mittelstanbs- eriftenj verlümmern unb seine Leistungssähigkeil untergraben. Tic Diskontierung von Buchsorberungcn fei nicht zu empfehlen, benn sie verstoße gegen bie guten Sitten und gegen Treu unb Glauben. Ihr größter Nachieil bestehe aber barm, baß ber be- trejienbe Geschäftsmann unrettbar verloren ist, wenn nur ein kleiner Tcü seiner Schulbner mit ben Zahlungen im Rückstanb bleibt. Ter bem Geld- unb Wechselocrtehr angeschwssene kaus-

Maisen, Finken usw. Unb auch bei uns wird c-5, wenn cs so fort geht, soweit kommen, daß mu großen Unkosten wieder Schutzgehölze angelegt unb Nistkästen aufgehängt werden müssen, um den Vögeln wieder Lcbensbedingungen zu schaffen, nachdem die von der Natur geschaffenen -weck- loS und unnütz beseitigt worden sind. Tenn die Beseitigung der Hecken schreitet tmm aber auch im Frühjahr kann man allerorten die Feuer leuchten sehen, bic bic Hecken vernichten und oftmals ivi-.i zur Urbarmachung weniger Fuß breiten Landes eine Masse Arbeit verwandt, die in gar keinem Verhältnis steht zu dem Nutzen, den der Landmann davon hat, die ihm viel­mehr Schaden bringen muß, weil den nützlichen Tieren der Unterschlupf entzogen wird und inSbefondere die Voael- ausrotlung dadurch gestärkt wird. Denn die Vogel fumen fast alle ihre Nahrung in ziemlicher Nähe von ihrem Nist­platz, und welche llnjummen von Würmern, Engerlingen und sonstiaen schädlichen Insekten ein Maisenpaar mit feinen Jungen oder eine Amsel aus nimmt, ist ja schon oftmals beobachtet und auch berechnet worden.

Es ist deshalb hohe Zeit, wenn nicht tmberechenbarer Schaden entstehen soll, daß seitens der Schulen, Fort­bildungsschulen, landwirtschaftlichen Vereine usw. mehr wie seither für Vogelschutz geschieht. Seitens der land- wirlschastlichen Behörden müßte für Aufklärung und Be­lehrung durch Vorträge gesorgt werden, damit den nütz­lichsten Gehilfen des Bauern die LebenSbcdingungen er* leichtert statt erschwert iverden, es müßte planmäßig vor­gegangen werden mit Äinterfütterung, Abschaffung der überflüssigen Stützen, Verminderung des Raubzeugs (Elstern usw.), Erhaltung der Hecken, Gebüsche und Sträucher an den Bachrändern, auf Dem Feld und den Wiesen.

Nur auf diese Art kann der Abwanderung und Ver­minderung der nützlichen Vögel, und Der Zunahme des Ungeziefers entgegengewirkt fverden. Gin baldiges Ein­greifen aller beteilig.en Stände und Behörden ist not- lüenDig, ehe es zu spät wird, und nur Dann ist zu hoffen, Daß fich Fluren unD Felder wieder beleben nicht allein zur Freude des Naturfreundes, sondern vor allen Dingen tm Interesse des Blühens unserer Landwirtschaft.

einen Rückblick auf die Reick,Stagsvcrbanblungen unb nncS die Sammlung-Parole des Reick,skanzlers als eine Verschiebung der i^isächlichen Vcrbälinisse zurück. In ber Rebe des Reichskanzlers ei. mi? ber Äbg Fuhrmann in feiner Entgegnung richtig ausfübrte, bic Wärme deS Tons vermißt worben Tic Teuerung, bic nicht zu leugnen sei, habe eine durchaus ungenügenbe Beachnuig in ber Bclbmannschen Rebe gefunben. Bei ber Anfrage bezüglich ber Handhabung des VereinSgesvtze- fei festzustellen gewesen, daß bic Regierung nicht genügend Wert aus die Hanbdabuiig des VereinSgesetzeS, das liberalen Charakter trage, lege. Ter Redner ährte weilcr aus, baß der Liberalismus einem sehr schweren Wadlkainvf enlgegengebe Ter Kampf richte sich gegen die Reakiion unb gegen bic Sozialbemokratie. Recht erfreulich fei eS, daß icpt bem Zentrum bic heuchlerische Maske herunter gerissen sei, wie bic Vorgänge im Tom zu Speyer unb noch eine Reihe anberer gezeigt hätten. Tie heutige Zeil sei bem Liberalis­mus günstig, baS ivurden auch bic kommenben Rcickistagswahlen zeigen Tte nalionalliberale Iugenb aber habe ihre Aufgabe noch nicht erfüllt, fic müsse daher wie bisher im Verein mit der nationalllberalcn Parier iveiler arbeiten, um dem Liberalismus im deutschen Vaterlande bic polilische Machtstellung zu erringen, auf bic er im Fntcreffc der Gesarntwohlfahrt Anspruch habe. .Lebhafter Beifall.) . .

Tic öffenllichen Verbanblungen würben mit einer Reihe von Begrüßungsansprachen eröffnet, worauf Rechtsanwalt K a uf f mann (Stuttgart) überJungliberale Bewegung unb polilifche Lage" sprach. Ter fRebnet ging bavou aus, baß bie Eutschcibung in ber Reichsfinanzresorm die Konservativen unlöslich mit bem Zentrum im schwarz-blauen Block verbunben habe unb Tritiiicrte iobann scharf bas Verhalten beS Zentrums sowie ber Sozialbemo kralen. Tas Leben ber Nation pulsiere allein im beulschen Reichstage, unb ba hanbele es sich lebiglich barum, wie sich die Sozialdemokraten zu den LcbcnSsragen der Nation stellen. Ter Liberalismus müsse vor den Hauplwahlen entschieden gcacn die Sozialdemokratie kämpsen, ebenso gegen die Reaktion unb bürie sich auf Suchwahlcn erst fcftlcgcn, wenn ber Ausfall der Haut'i wählen zu überleben fei. Ter Rebner streifte bann bic aus­wärtige Politik unb speziell die Marokkofrage und bcumic lueiter, Bcthmann-Hollwcg habe in ber Notftanbsvcrhanblung für bas Volk jebes Entgegenkommen runbroeg abgclehnt. Tas bcutfdic Volk müsse bahiii streben, ein aufrechtes, alle Teile des Volkes gleichmäßig berücksichtigendes Regiment, Frieden und Arbeit für jeben, Licht unb Luft nach innen unb außen unb Macht unb Frei­heit für baS beutidje Volk zu erlangen.

Nach einer längeren Aussprache würbe eine Entschließung im Sinne bes Rcbners angenommen, ebenso ein Antrag betrefieub Bobcnpolitik unb Beschäftigung mit Fragen ber stolonialpolüit.

In ber zweiten unb letzten Hauptversammlung sprach Beruss gcnoiscnschaftsgeschästssührcr Schwa nck (Köln) über:Tic Pripatangestellteii unb ihre Forderungen an die Gesetzgebung . Ter Redner faßte seine Ausführungen dahin zusammen, baß bte Vielheit ber Gesetze unb bic Verschiebend, it bcs ^Rechtes, die un­billige Vertragsfreiheit beseitigt werben müssen. Für ben G.'hali-.' Zahlungstermin, die Fortzahlung dcS Gehalts bei militärischen Hebungen, für bie Stünbigungsbebingungen, bic Zeugniserteilung unb bic Konkurrenzklausel müssen emheitliche Bestimmungen ge- troff en werden.____________________________________________________

Die privatbeamttnversicherung im Aurschuh.

Berlin, 4. Nov. Ter Neichstagsausschuß für die Privatbeamtenversicherung beschloß, bie HZersicherten int höheren Maße als dies Der Entwurf Vorsicht, an der Ver­waltung Dei Küssen zu beteiligen. Schließlich wurde be­schlossen, daß eine freiwillige Versicherung auch den Personen erlaubt ist, wenn sie bis zu lOOOOMark Einkommen haben und sofern ihre Versicherung im ersten Jahre des Bersicherungsgesetzes ausgenommen tuirb. Ter Rest Des Gesetzes würbe im wesentlichen unverändert angenommen. Tie zweite Lesung im Ausschuß beginnt am 9. November.