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9.1.1911 Erstes Blatt
 
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Metz ernannt, Generalleutnant v. Dietlein, Komman­deur der 19. Division, früher Kommandeur der 50. Jnf.- Brigade, wurde zur Disposition gestellt. Dem Wochen­blatt zufolge wurde der General der Infanterie von Heseler, Chef des Jngenieur-Pionierkorps, unter Be­lassung ä la suite des Gardepionierbataillons zur Disposi­tion gestellt. Der Generalleutnant und Gouverneur von Metz, Mudra, wurde zum Nachfolger ernannt.

und die eingeborene Bevöllerung vegrunren ven König auf das Lebhasteste. Der König vollzog die feierliche Einweihung des Denkmals für die Gefallenen im Riffeldzug. Später empfing der König den General Toutäe und bat ihn, der französischen Regierung die herzlichsten Grüße zu übcr-

drid, 7. Jan. Aus Malaga wird amtlich gemeldet: .Als der König das Palais des Gouverneurs betreten wollte, siel der Revolver einer Zivilperson mit lautem Knall zur E r d e u n d entlud si chm i t lautem Knall. Unter den umstehenden Personen ist eine Panik ausgebrochen, wobei zwei Personen leicht verletzt wurden.

Tie auswärts verbreiteten Gerüchte, der Ersen bahn- ,3 u ö , mit dem auf der Reise nach Melilla befindlichen Gefolge des Königs sei entgleist, ist falsch.

Aus Tanger wird gemeldet, es habe Befremden erregt, daß Muley H a f i d es unterlassen habe, den König von Spanien anläßlich dessen Reise nach Melilla durch weine be­sondere Mission zu begrüßen. Die Unterlassung dieser Höf­lichkeit sei um so bedauerlicher, als der Sultan durch die Ent­sendung einer besonderen Botschaft seine Souveränität in den Äugen der Riffleute nur bekräftigt hätte.

Tanger, 7. Jckn. Die Zusatzbestimmung zum spanisch­marokkanischen Abkommen sieht den Rückkauf des Telephondienstes von Tanger durch den Wachsen vor. Der Dienst wurde bisher von einer spanischen Gesellschaft betrieben. Der gegenwärtige Direktor wird der technische Leiter dieser neuen Verwaltung, Die dem öffentlichen Arbeitsamte angegliedert wird.

2htd Hessen.

Dem Besichtigungsausflug des Finanz- Aus­schuss es der Zweiten Kammer am'verflossenen Freitag nach Mainz hatten sich Geheimrat Becker sowie Oberbaurat Klingelhöfer angeschlossen. Bei Besichtigung des neuen Justiz- yebüudes begrüßte Landgerichtspräsident Hangen die Gäste, Bauinspektor Beck gab die technischen Erläuterungen. Ober­staatsanwalt Dr. Schwarz nahm an den Besichtigungen ebenfalls teil. Es folgte dann ein Besuch des neuen Provinzialarresthauses. Nach gemeinsamer Tafel imRestaurant zum Kurfürsten" fand ein Besuch der neuen Kellereien der Weinbau- domänen-Verwaltung mit einer Kostprobestatt. Die Zeit war inzwischen soweit vorgeschritten, daß der beabsich­tigte Besuch des Kurfürstlichen Schlosses mit einer Besichtigung der Alzeyer Irrenanstalt verbunden werden soll. *

DenHches lKeicb.

DieNorddeutsche Allgemeine Zeitung" meldet: Am 9. Jan. feiert das Fürstenpaar von Bülow das Fest der silber- ;nen Hochzeit. Von weiten Kreisen der europäischen Gesell­schaft, voran denen der deutschen Reichshauptstadt, wird der Fami­lienfeier aufrichtiger und warmer Anteil entgegengebracht. Wir wünschen dem fürstlichen Paare, das den Tag in dec Villa Malta zu Rom begeht. Glück und reichen Segen.

Der Stadtverordnetenversammlung in Berlin ist der Kauf- Itiertrag über den Erwerb der Wuhlheide zugegangen. Danach erwirbt Berlin für lOr/z Millionen 2108 Morgen zwischen Rummelsburg und Köpenick. Hiervon sind 500 Morgen für einen Volkspark vorgesehen.

Aus Diez wird uns geschrieben: Heute nachmittag fand hier die Wahlkreis-Konferenzder Fortschrittlichen Volkspartei des 4. nassauischen Reichstagswahlkreises statt, die sehr gut besucht war. Die Berichte über die einzelnen Orts­gruppen sprachen faj| durchweg von stetiger Entwicklung. Als Reichstagskandidat wurde nach längerer Aussprache Rechtsanwalt Güth-Wiesbaden mit Stimmenmehrheit aufgestellt. Sollte je­doch für Nassau eine Einigung zwischen der Fortschrittlichen Volks- Partei und den Nationalliberalen zustande kommen, so würde sevtl. Herr Guth zugunsten einer nationalliberalen Kandidatur zurücktreten. Eine öffentliche Versammlung mußte wegen Er­krankung des Redners, Dr. Goldschmidt-Frankfurt, ausjallen.

2liislaitö.

Aus Wien wird berichtet: Am Samstag abend fanden sich tbie Vorstandsmitglieder des Deutsch-Nationalen Verbandes Dr. Freiherr von Chiari, Dr. Groß, Dr. Sylvester Wolf wieder zu einer längeren Besprechung bei dem Ministerpräsidenten von Bienerth zusammen, wobei Wolf die Bedenken, die in der Partei gegen die geplante Zusammensetzung des Kabinetts be­stehen, vorbrachte und die Erklärung abgab, daß es ihm unmöglich sei, für die Deutsch-nationale Partei hinsichtlich ihrer Hal­tung gegenüber der künftigen Regierung eine bindende Zusiche­rung zu geben.

Der neuernannte österreichisch - ungarische .Botschafter in Paris, Graf E e c z e n, iit am Sonntag dort zu kurzem Aufenthalt eingetroffen, welchen er zur Vorbereitung seiner Installierung im Botschafterpalais benützen will.

: In Lissabon waren am Sonntag die Geschäftsräume dreier monarchistischer Zeitungen gewaltätigen Angriffen aus­gesetzt, bei denen Betriebsmaterial zerstört wurde. Die Gcschästs- räume sind deshalb unter den Schutz des republikanischen Mili­tärs gestellt worden.

Aus Petersburg wird gemeldet: Gegenüber den ungün­stigen Meldungen auswärtiger Blätter über den Gesundheits­zustand der Kaiserin teilt die Petersburger Telcgraphen- agcntur mit, daß in dem Befinden der Kaiserin keinerlei Verschlimmerung eingetreten sei.

ImMatin" wird behauptet, der Rücktritt des päpst­lichen Nuntius Belmonte sei weit bedeutsamer als man ursprünglich angenommen habe, denn er ent­spreche einem gro^angelegtenPlanedesPapstes, der die diplomatischen Vertretungen des Vati­kans überhaupt u b s ch a f f e n und die Kirche zu ihrem ursprünglichen Zustande zurückführen wollte, wo der Papst keinerlei. diplomatische Vertretungen mit den weltlichen Mächten notwendig hatte.

DerKöln. Ztg." wird aus Konstantinopelunterm 6. d. Mts. gemeldet: Einem Gerücht in unterrichteten Kreisen zufolge soll der Großwesier Hakki Pascha 'bald zurücktreten.

Sie rumänische Regierung hat der Firma Sie­mens & Halske die Ausführung des neuen Telephon­amtes in Bukarest für 14000 Teilnehmer (erster Ausbau 6000 Teilnehmer) nach scharfer Konkurrenz gegen europäische und amerikanische Firmen übertragen. Das alte, zu ersetzenoe Amt war ameritanstchen Systems.

Ein Morgenblatt meldet aus Teheran: Tie schwe­bende Schuld der persischen Negierung bei der russischen Bank von 1200 000 Pfund Sterling soll in e.ne siebenprozentige Anleihe konsolidiert werden, mit Amorri- fationssonds zur Rückzahlung der Anleihe in fünfzehn Jahren; da die gezahlten Zinsen zwölf Prozent und zeit­weise mehr betrugen, wurden bedeutende Erfpar.ti.se er­reicht.

Um den amerikanischen Schiffsverkehr gegen ein ausländisches Monopol zu schützen, brachte das Mit­glied des Repräsentantenhauses in Washington, Hum­phrey, im Repräsentantenhaus einen Gesetzentwurf ein, nach welchem Schiffe, die den Linien irgendeiner ausländischen Schisf- fahrtsvereinigung angehören, dura) Geldstrafen von den ameri­kanischen Hä,en ausgeschlosien werden sollen!

Aus Urmia wird gemeldet: Wie aus Choi gemeldet wird, b e s ch o s s e n die Didais aus dem Hinterhalt ben ü o r ü ber­iet t e n b e n türkischen Konsul. Tie Schuldigen wurden auf Ersuchen des Konsuls verhallet. In der Bevölkerung, die «sich über die Verhaltungen erregt, macht sich gegen die Türken eine Agitationsbewegung bemerkbar.

Hccr mit jtötte.

Berlin, 7. Jan. Generatteuenaur v Oven, Kom­mandeur der 7. Division, wurde zum Gouverneurvon

Deutsche Kolonien.

Der Kolonial st aatssekretür beabsichtigt laut Deutscher Tageszeitung" im Frühjahr die Kolonie Süd-West- Afrika zu bereisen.

21 ns StaOt unO Land.

Gießen, 9. Januar 1911.

Die Bevölkerung Hessens.

zählt nach einer vorläufigen Zusammenstellung der Zentral­stelle für die Landesstalii'uk, die im Darmstädter Regierungs­organ veröffentlicht wird, nach der letzten Volkszählung 1282 109 Personen gegen 1 209 175 im Dezember 1905. Die Zunahme beträgt also nur 72 934 oder 5,7 Prozent gegen 90196 oder 8,1 Prozent im vorhergehenden Jahrfünft und 80 870 oder 7,8 Prozent von 1895 auf 1900. Am stärksten sind die beiden industriellen Kreise Offenbach und Groß-Gerau gewachsen, nämlich um 12,7 und 10,9 Prozent, doch hat auch die Bevölkerungsvermehrung im Kreis Offenbach gegenüber den beiden vorhergehenden Jahrfünften erheblich nachgelassen. Im Kreis Groß-Gerau hat sie sich auf der Höhe gehalten. Am geringsten war die Zunahme in Nhein­hessen, besonders in den Kreisen Oppenheim (hier sogar eine Abnahme von 8 Personen), Alzey und Bingen (je 0,9 Pro­zent), was wohl auf die schlechten Weinjahre zurückznsühren ist. Eine sehr geringe Ziinahme (0,6 Prozent hat auch Bü­dingen aufzmveisen.

Tageskalender für Montag, 9. Januar: Stadt­theater: Lustiger Abend von Marcel Salzer. Anfang ö Uhr.

* Ordensverleihung. Der Groß Herzog hat das Nitterkreilz 2. Klaffe des Verdienstordens Philipps des Groß- mutigen dem Hauptmann a. T. Schmidt, seither Ober­leutnant im 5. Großh. Hess. Infanterie-Regiment Nr. 168. und dem Oberleutnant von Lichtenberg im Infanterie- Regiment von Manslein (Schleswigsches) 9lr. 84, seither im Jnfanterie-Leibregiment Großherzogin (3. Großh. Hess.) 91 r. 117 verliehen.

"Ordensangelegenheit. Der Groß Herzog hat dem Oberpostschaffner Kaspar Spam er in Schotten die Er­laubnis zur Annahme und zum Tragen des ihm von dem König von Preußen verliehenen Allgemeinen Ehrenzeichens erteilt.

** In'stizpcrsonalien. Der Großherzog hat den Landgerichlsrat bei dem Laiidgericht der Provinz Starkenburg Max Schilling-TrygophoriiS zum Oberlandesgerichtsrat bei dem Oberlandesgericht, den Amtsrichter bei dem Amts­gericht Darmstadt I Amtsgerichtsrat Adolf Müller zum Landgerlchtsrat bei dem Landgericht der Provinz Starkenburg und den Staatsamvalt am Landgericht der Provinz Starken­burg Fritz HooS zum Amtsrichter bei dem Amtsgericht Darmstadt I ernannt. Der nunmehr zum Amtsrichter er­nannte bisherige Staatsamvalt Hoos wird in die Tätigkeit am Amtsgericht Darmstadt I gar nicht eintreten, sondern als­bald bis auf weiteres als 9vid)ter am Landgericht Darmstadt Aushilfe leisten, wie dies auch bei dem seitherigen Amts­richter, kürzlich zum Landgerichtsrat ernannten Dr. Wolff hier (früher Amtsrichter in Butzbach) der Fall war. Gewöhn­lich ziehen es unsere Staatsanwälte vor, nicht dauernd in diesem Berufszweig zn bleiben, sondern diese nervenaufreibende Tätigkeit nach gewisser Zeit mit dem unabhängigen Richter- amt zu vertauschen. Es pflegt alsdann zuerst ihre Bermung in die Stelle eines AintSrichterS (also in die gleiche Rang­stufe) und bald darauf die Ernennung ins Landgericht zu er­folgen. Herr HooS begann seine Laufbahn als RechlSanwalt (mit Rechtsanwalt Reatz associert) in Gießen, wurde dann Staatsamvalt dort und hierauf in Darmstadt. Er stammt aus Lauterbach und gilt für einen ebenso begabten wie kenntnisreichen, praktischen und tatkräftigen Juristen. Dian sieht ihn ungern aus der Staatsanwaltschaft scheiden.

'"Eine ehrenvolle Berufung, Professor Dr. Kraft von hier ist zum Direktor der städtischen höheren "Mädchenschule zu Quedlinburg gewählt worden. Der Ver- ivaltungSrat der höheren Mädchenschule und der Magistrat haben einstimmig beschlossen, die Stadtverordnetenversamm­lung zu ersuchen, dem Geivählten den Etat für Vollanstalten (Gymnasien usw.) zu bewilligen.

** Eine ehrenvolle Wahl. In Petersburg wurde gestern der erste Kongreß für experimentale Pädagogik eröffnet. Unter den Teilnehmern befindet sich auch der Vizepräsident des deulschen Vereins für experimentale Pädagogik Dr. Robert Soininer-Gießen, der zum Ehren» präsidenien der Sitzung gewählt wurde.

** O b e r h e s i i s ch e r O b st b a u v e r e in. Am Samstag weilte Tr. Hans H of fm a n n, Lehrer für Obstbau und Natur- wiiseuschaflen an der Großh. Obstbau- und landwirtschaftlichen Winterschule in Friedberg, hier, um den Gießenern Mitgliedern des Oberyessischen Lbsibauoereins praktisct-e Winke auf verschiedenen Gebieten des Obst- und Gartenbaues zu erteilen. Man besichllgte am Nachmittag den unter Leitung des Lehrers Leib stehenden Schulgarten der S t a d t k n a b e n s ch u l e, der sich am Ge­bäude der Aticeschule befindet. Tr. Hofmann sprach sich dabei sehr anerkennend über die Form des Spalierobstes aus. Auch die im Schulgarten heraugezogenen Walogchinze gaben Tr. Hoff­mann Gelegenheit, berehrelwe Ausführungen über Zucht u. Behand­lung zu machen. Man besichtigte dann den Garten des Vereinsmil- glieoes Weiuoindermeister Schäfer in der Bleichstraße, der wegen oer zweckmäßigen Behandlung der Obstbäume allgemeine An- ertennung fand. Am Ä.bend iprach Tr. Vo.fmanu im Easö Ebel vor zahlreicher Versammlung, die Dom Ehrenvorsitzenden des Vereins, Freiherrn von Röder zu Diersburg -Gieße» geleitet wurde, über die Bedeutung der Wurzel für den Obstbau und die dadurch bedingten Bodenkulturarbeiten, wobei er besondere Bedeutung auf die praktische Seite der Sache legte. Es folgte darauf eine sehr rege Aussprache, wobei aucy andere Gebie.e oes Obstbaues berührt wurden. Auf eine Anfrage äußerte «ich der Vortragende auch über Einrichtung und Beocucuug von Schrebergärten in den Städten. Er meinte, gerade in Gießen würoe oie städtische Verwaltung eine dankenswerte uiü> lojia.e Ausgabe erjunen, wenn |ie diese Art (Märien einrichten uno der Bevölkerung verpachten würde. Tie Stadt würde nicht nur ihr Gelände sehr gut verwerten, sondern auch sich den Dank der Bürger verdienen, die gern in sri.cher Lust sich bewegen und betätigen möchten. Der Redner erklärt sich gern bereit, den Mit­gliedern der ^ckidtischen Verivallmrg über die,e Gärten, ihre An­

lage, ihren sozialen Nutzen, einen Vortrag zu halten. Es wurden' dann noch Tüngerfragen in Bezug auf Gartengemüsebau erörtert

** Wegen des konfessionellen Friedhofs, den die Israelitische Religions-Gesellschaft in der Nahe des Fried­hofs am Nodberg anlegen will, verhandelte am Samstag Vormittag der Kreisausschuß. Der Vorstand der Gesellschaft hatte bei der städtischen Verwaltung beantragt, die Stadt Gießen solle durch eine Verbindungsbrücke das für den Sonder- ftiebbof bestimmte Grundstück mit deut Kommunalfriedhof in der Weise verbinden, daß die Religions-Gesellschaft für die Bestattung ihrer Toten die von der Stadt erbaute israelitische Leichenhalle benutzen kann. Die Stadtverordneten-Versamm- lung hat einstimmig die Anlage eines konfessionellen Fried­hofs, für den sie ein Bedürfnis nicht anerkannte, zu hindern, die Erbamtng der Ucberbrückung abgelehnt. Vor dem Kreis- Ansschiiß beantragte Rechtsanwalt Kaufntann als Vertreter Der Israelitischen Religions-Gesellschaft, die Anlage des Fried- Hoss 31t genehmigen und den ergangenen Stadtverordneten- Beschlnß atifznheben. Oberbügermeister 2)1 e c u m beantragte Namens der Stadt, der Kreisausschnß wolle sich für unzu­ständig in der Sache erklären. Er in seiner Eigenschaft als Bürgermeister habe die Anlage eines konfessionellen Friedhofs nicht genehmigt. Er fei nach der Slädteordming die hier allein zuständige Stelle. Gegen diesen Entscheid stehe dem Vorstand der Religionsgesellschaft das Beschwerde­recht an den Kreisrat und an das Ministerium zu. Was Den Antrag betreffe, den Beschluß der Stadtverordneten auf­zuheben, so fehle der Klägerin jede Aktivlegitimation. Das zur Bestellung von Toten in Aussicht genommene Gelände liege nicht einmal am Wege, der zu über­brücken beantragt sei, sondern sei von ihm durch ein der Stadt gehörendes Grundstück getrennt. Man könne der Stadt nicht zumuten, daß sie die verlangte Verbindung herstelle, damit die Klägerin für ihre Bestellungen die für die Israeliten auf dem Kommunalfriedhof erbaute Kapelle mitbenutzen kann. Wolle man dein nachgeben, so müsse man von der Ueber- brüefung auS eine Erdanschüttung Herstellen, die die Fried­hofsanlage am Nodberg verschandeln würde. Ter Kreisaus­schuß setzte die Verhandlung in der Sache auf unbestimmte Zeit aus.

**P ost sch eckv er kehr. Im Reichspostgebiet ist die Zahl der Kontoinhaber im Postscheckverkehr Ende Dezember 1910 cmf 49 850 gestiegen (Zugang im Monat Dezember allein über 1550). Aus diesen Postscheckkonten wurden im Tezember gebucht 967 Mil.ionen Mark Gutschri,ten und 964 Millionen Mark Lastschri.ten. Das Gesamtguthaben der Kontoinhaber betrug Ende Dezember 94 Millionen Mark, ihr durchschniltnches Gesamtgurha.ben während des- elben Monats 103 Millionen Mark. Im Verkehr oer Reichs- lostscheckämter mit dem Postsparkassenamt in Wien, der Postsparkasse in Budapest, den schweizerischen Poslscheck- oureaus und der seit 1. November an diesem Verehr mit teilnehmenden belgischen Postverwaltung wurden fast füuf Millionen Mark umgesetzt und zwar auf 2230 Uebertra- gungen in der Richtung nach und auf 8090 Übertragungen in der Richtung aus dem Auslande.

Stadttheater. 9tochmalS sei auf den heutigen Marcell Salzer-Abend hingewiesen, der allen Freunden gesunden Humors einige genußreiche Stunden verbürgt.

Gelände!. Die Lelche des Vtannes, der am 5. I. Vits, den Tod in der Lahn suchte, wurde am Sonntag gelandet.

* Maul- und Klauenseuche. Neue Ausbrüche der Seuche sind gemeldet and Lastrup (Großherzogtum Oldenburg).

Landkreis Gieren.

A Sa äsen, 8. Jan. Ein Holzhauer verunglückte im Wald bei Winnerod. Benn Umwerfen der Bälune fiel em Ast herunter und traf den Arbeiter Erb aus Bollnbach auf den Kopf und ms Wiige. Dieses wurde so schiver ver­letzt, daß der Mann m die Gießener Augenklinik gebracht iverden Niußte.

Kreis Büdingen.

l Büdingen, 7. Jan. Der Anregung der Großh. Zentrale für Mutter- und Säuglingssursorge in Hessen und einer Einladung des Kreisrats des Kreises Büdingen folgend, versammel­ten sich heute vormittag IOV2 Uhr im Hotel Stern in Büdingen eine größere Anzahl Damen und Herren aus allen Kreisen der Stadt, sowie sonstige Interessenten, Bürgermeister, Pfarrer usw. aus den Landorten des Kreises. Kreisrat Boeckmann be­grüßte zunächst die Versammelten und teilte mit, daß nicht alle Ein- geladcnen hatten erscheinen können, darunter die Fürstinnen zu Büdingen und Birstein. Sodann verwies der Redner aus die Erfolge der Tätigkeit auf sozialem Gebiete, besonders^ aus die vor vier Jahren durch deü Großherzog und die Großherzogin ins Leben gerusene Zentrale sür M u t t e r - u n d S ä u g l i n g s - für sorge. In seinemMutter- und Säuglingssürsorge im allgemeinen" behandelnden Vortrag wies Prof. K 0 e p p e zunächst aui die hohe Sterblichkeit der Säuglinge in Deutschland hin, das leider sehr ungünstig dastehe, denn es werde nur von Ruß­land und Oesterreich übertrof.en. Ein Fünftel der Neugeborenen sterbe im 1. Lebensjahr. Die Schätzen der Säuglingssterblichkeit darlcgend, betonte der Redner, daß dies nicht zu sein brauchte, denn in anderen Ländern sei es auch nicht. Die Bekämpfung der hohen Säuglingssterblichkeit sei notwendig aus ethischen, natio­nal-ökonomischen und nationalen Gründen. Ein kulturell hoch ent­wickeltes Land wie das Deutsche Reich dürfe nicht jährlich 200 000 Kinder sterben lassen, ohne daß etwas gegen die hohe Sterblich­keit getan werde. Die Erhaltung eines gesunden Arbeiterstandes, der die alljährlich sich zeigende Einwanderung sremder Arbeiter entbehrlich mache, und ebenso die Erhaltung eines wehrfähigen Volkes seien Aufgaben, die mit der Fürsorge für die Kinder im ersten Lebensjahre zu lösen seien. Der Verlust jedes einzelnen Menschen bedeute einen leicht in Kapital umzusetzenöen Verlust am nationalen Vermögen. Die den Säuglingen drohende Infektion, besonders die Tuberkulose, Rhachitis und in deren Folgeerschei­nung die Verkrüppelung der Kinder zwinge uns, die Säuglings­sterblichkeit zu bekämpfen. Zunächst sei es notwendig, die Ur­sachen der Säuglingsiterblia;^eit zu erforschen, und da ergebe sich als Haupturi ach e unrichtige Ernährung und Mangel an der natürlichsten Nahrung: der Mutterbrust; die Gründe der vor­zeitigen Entwöhnung liegen zum Teil in unseren sozialen Ver- bältuissen. Unter den Mitteln zur Abhilfe steht obenan die Be­lehrung, die zweckdienliche Propaganda für das Stillen. Zu den weiteren Mitteln, den Zielen der Säuglingssürsorge nahe zu kommen, gehört die Heranbildung von Haushaltungslehrerinncn und Belehrung der Haushaltungsschülerinnen, Mitarbeit der Aerzte und Hebammen, um die Kenntnis richtiger Kinderpflege in weite Streife zu bringen, die Einrichtung von Beratungsstellen, die Unter­suchung der Kinder durch den Arzt bei leichter Erkrankung. Ter Redner legte im weiteren den günstigen Einfluß der Beratung^ stellen dar und bezeichnete namentlich die Meinung, daß sich diese nur sür Großstädte eigne, als irrig, er erhofft auch im Streife Büdingen, der in bezug auf Säuglingssterblichkeit ebenfalls nicht günstig stehe, rege Arbeit, so daß auch hier die Kindersterblichkeit vermindert wird und die das erste Jahr Ueberlebenden gesund und kräftig in die nächsten Lebensjahre gehen zur Hebung uni) Erhaltung unserer Arbeits- unb Wehrkraft, Reg.-Rat Pi stox-