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6.11.1911 Erstes Blatt
 
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12 Stichwahlen aitszutrageu. An drei davon (Darm­stadt, Gießen und Wöllstein) ist die Fortschrittliche Volks­partei selbst' beteiligt; sie kommen also für den Beschluß des Landesausschusses nicht in Betracht. Der Beschluß unter a) gilt für die Wahlen in Nierstein und in Reichelsheim i. O., wo Nationalliberale gegen Bündler bczw. Antisemiten stehen. Namentlich wird die Volkspartei entschieden für den Kandi­daten Schätzel in Nierstein gegen den bisherigen Abgeord­neten Wolf eintreten. Unter b) fallen die Kandidaturen in Pfungstadt, Höchst t. Odenw., Rodheim, Bedingen und Vilbel, während für die beiden übrzgen Sitze in Beerfelden und in Bensheim die lokalen Organisationen darüber zu entscheiden haben, ob hier Kandidaturen vorliegen, für die sich Stimmenfreiaabe empfiehlt.

Es wird sich nun fragen, ob die Sozialdemokraten mit diesem Beschluß der Fortschrittspartei es sich genügen lassen werden. In Gießen haben übrigens, was wir un­seren Ausführungen vom Samstag noch hinzufügen wollen, die rechtsstehenden Parteien für den nationalliberalen Kan­didaten gestimmt. Es mag sich bei der Lcmdtagswahl um 300 Stimmen gehandelt haben.

Der italienisch-türkische Krieg.

Die Italiener haben jetzt ganz offiziell Tripolis ein­verleibt! Und zwar durch ein königlich es Dekret, das von Herrn Giolitti mit einer aufklärenden Instruktion an die italienischen Vertreter im Auslande begleitet wird. Die Tonart, in der diese italienische Kundgebung gehalten ist, die Anmaßung, mit der von den Mächten ein Ein­schreiten zugunsten Italiens verlangt und erwartet wird, werden den ungünstigen Eindruck, der über die italienischen Grausamkeiten in der ganzen Welt erweckt worden ist, nur verstärken. Einstweilen sind die Italiener in Tripolis selbst ja noch nicht so weit, daß sie tatsächlich die Herren sind, so glänzende amtliche Berichte sie auch neuerdings wieder herausgeben. Wenn die Türken mit ihren An­griffen auf die Stadt Tripolis wirklich mit der Zeit er­lahmen sollten ein Vormarsch der Italiener ins Innere wird jedenfalls noch lange Zeit auf die aller­größten Schwierigkeiten stoßen.

Tas Eillverlelbungs-Dekret.

Rom, 5. Nov. (Agencia Stesani.) Der König unter­zeichnete heute früh nachstehende Verfügung:

Auf Vorschlag des Ministerpräsidenten und des Ministers des Aeußern nach Anhörung des Ministerratö verfügen wir: Tripolis und Cyrenaika werden voll und ganz unter die Oberheit des Königreichs Jt alten gestellt. Die endgültigen Bestimmungen für die Verwaltung der genannten Gebiete werden durch Gesetz festgelegt. Bis zur Verabschiedung dieses Gesetzes wird durch königliche Erlasse regiert werden. Vor­stehende Verfügung wird dem Parlament unterbreitet werden, um Gesetz zu werden.

Der Minister des Aeußern richtete folgende Depesche an die italienischen Botschafter im Auslande: Die Besitz­nahme der wichtigsten Städte von Tripolis und C y r e - naika, und die andauernden Erfolge unserer Waffen und die überwältigenden Streitkräfte, die wir dort ver­sammelt haben und die anderen, die wir uns noch anschicken hinzusenden, machen jeden weiteren Widerstand der Türkei unwirksam. Um andererseits dem un­nützen Blutvergießen ein Ende zu machen, ist es dringend notwendig, jede gefährliche Unsicherheit in der Stimmung der dortigen Bevölkerung zu zerstreuen. Daher ist durch königliches Dekret Tripolis und Cyrenaika endgültig und unwiderruflich unter die volle und ganze Oberhoheit des Königreichs Ita­lien gestellt. Jeoe andere weniger radikale Lösung, die dem Sultan auch nur den Schatten einer nominellen Oberhoheit über die genannten Provinzen gelassen, hätte eine dauernde Ursache für künftige Zusammenstöße zwischen Italien und der Türkei gebildet, welche später in ver­hängnisvoller Weise selbst gegen den Willen der Regieren­den in einem für den europäischen Frieden noch gefähr­licheren Augenblick hätte ausbrechen können. Die von uns gewählte Lösung ist die einzige, welche endgültig die Interessen Italiens und Europas, selbst der Türkei, schützt. Der auf dieser Grundlage unterzeichnete Frieden wird jede tiefe Ursache einer Meinungsverschiedenheit zwischen Italien und der Türkei beseitigen. Wir werden leichter in der Lage sein, unsere ganze Politik von dem großen Interesse geleitet sein zu lassen, das wir an der Aufrechterhal­tung des territorialen Statusquo auf der Balkanhalbinsel haben, für deren Konsolidierung das ottomanische Reich die wesentliche Bedingung ist. Wir wünschen daher leb­haft, wofern das Verhalten der Türkei uns dies nicht un­möglich macht, daß die Friedensbedingungen soweit als möglich mit ihren legitimen Interessen und ihrem Prestige in Einklang stehen. Tripolis und Cyrenaika haben auf­gehört, einen Teil des ott omanisch en Reiches zu bilden, aber wir sind heute geneigt, mit weitherziger Versöhnlichkeit hie Mittel zu prüfen, um aus eine für die Türkei zweckmäßigste und ehrenvollste Weise die Folgen von den unwiderruflich vollzogenen Tatsachen zu regeln. Sicherlich würde es uns nicht möglich sein, diese versöhnlichen Absichten aufrecht zu erhalten, wenn die Türkei hartnäckig den Krieg unnützerweise in die Länge ziehen würde. Wir haben jedoch das Vertrauen, daß die einträchtliche Arbeit der Großmächte die Türkei dazu führen wird, ohne Verzug jene vernünf­tigen und entscheidenden Beschlüsse zu fassen, welche ihren wahren Interessen und denen der ganzen zivilisierten Welt entsprechen. Auf jeden Fall wird Italien an diesen Ergebnissen mitarbeiten: Italien, das ebenso geneigt ist zu billigen Friedensbedingungen als entschlossen zu den wirksamsten Mitteln, um diesen Frieden so bald als möglich aufzunötigen!

Ein türkischer Angriff.

Tripolis, 5. Nov. (Agencia Stesani.) Gestern er­folgte ein kleiner Angriff auf die östliche italienische Front im Abschnitt zwischen Scharaschat itrtb dem kleinen Fort Mesri. An diesem Angriff, dem einige Kanonenschüsse vorausgegangen waren, nahmen ungefähr zweihundert Araber und zum ersten Mal in Kaki- Uniformen gut sichtbar einige Abteilungen tür­kischer regulärer Truppen teil. Der Angriff, der sich gegen eine Stellung der Bersagliere und Grenadiere richtete, wurde nicht mit Nachdruck durchgeführt, und von

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zwei Kompagnien des 63. Infanterie-Regiments zurück- gewiesen. Der Feind hatte schwere V e r l u st e, das 63. Infanterie-Regiment einen Toten.

Die Annahme scheint berechtigt, daß die in den letzten Tagen mit Artillerie und mit kleinen Gruppen Bewaffneter unternom­menen Kundgebungen den Zweck hatten, die Auslösung dec arabisch­türkischen Streitkräfte zu verhindern, die in der Umgegend von Tripolis zusammengezogen wurden. Diese Aufiöiung iit zurück­zuführen auf die wiederholten Mißerfolge, vor den italienischen Verschanzungen ebenso wie auf die Cholera-Epidemie, die unter den schlecht genährten und gegen die Ausbreitung der Krankheit ungeschützten L u'en wütet. Diese Ursachen verhindern, daß andere Arabische Strcitkräfte aus dem Innern herbeikommen, um diejenigen zu ersetzen, die die Reihen der Türken verstärkt hatten und die jetzt fehlen. Nach sicheren Nachrichten von der egyptischen Grenze sind die Hilfskräfte zu gering, die diese Grenze überschritten haben, um die Bildung von Streit­kräften, die nach den angeblichen türkischen Plänen sich um To­bruk, Derna und Ben Ghasi zusammenzi.chen sollten, zu unter­stützen. Das Komitee soll auch nicht die Mittel haben, um für die gewünschten Lebensmittel zu sorgen. Dieser Zustand an der egyptischen Grenze wird bestätigt durch die Lage bei Tobruk, Derna und Ben Ghasi, welche von den Italienern stark besetzt sind. Dort bemerkt man keine Gruppen algerischer oder türkischer Streitkräfte. Auch die Haltung der Senussi tit be­merkenswert. Sie bewahren eine abwartende, Haltung, die,, wenn sie auch nicht offen wohlwollend ist, doch jedenfalls auch nicht feindlich ist. Auch von der türkischen Grenze liegen Nachrichten vor, über die, wie behauptet wurde, Waffen und Vorräte für den Feind gehen. Vorgestern und gestern bombardierte dieL i g u r i a" S u a r a und zerstörte vollständig die Befestigungen, ohne auf Widerstand zu stoßen. Außerdem überwachte dieLiguria" in den letzten Tagen sorg- fältig die Küste bis zur Grenze, konnte aber auf der sehr gut sichtbaren Karawanenstraße nichts von Bedeutung wahrnehmen. Direkt aus Tunis stammende Meldungen versichern, daß die französischen Bchörden die Grenze sorgsam überwachen. Uebri- gens sind die Schwierigkeiten einer wirksamen Verpflegung der arabisck)-türkischen Truppen auf diesem Wege last unüberwindlich. Aus allen diesen Gründen herrscht der Eindruck vor, daß ein neuer Angriff auf Tripolis kaum die Heftigkeit desjenigen er­reichen dürfte, der am 26. Oktober mit so großem Erfolge von den übrigens damals noch verhältnismäßig nicht sehr starken Streitkräften zurückgewiesen wurde. Die italienischen Truppen in der Umgegend vvn Tripolis sind jetzt so stark an Zahl, sie haben sich seit dem 2 6. Oktober fast verdoppelt, und sind jetzt so gut verschanzt, daß die Okkupation jetzt unbedingt gesichert erscheint. Diesem Eindruck können sich selbst die Eingeborenen nicht entziehen, wie mau aus der Aenderung ihrer Haltung den Italienern gegenüber ersieht. Die moralische Haltung der Truppen ist ausgezeichnet, umsomehr, als ein Angriff wenig wahrscheinlich ist. Man erwartet bereits den Vormarsch gegen den Feind, der so geschwächt ist, daß flian kaum einen wirksamen Widerstand zu befürchten hat.

Die italienischen Schiffe in den türkischen Gewässern.

Berlin, 6. Nov. DerLokalanzeiger" meldet aus Saloniki: Das fortgesetzte Erscheinen italienischer Kriegsschiffe während der Nachtzeit im Hafen von Saloniki erregt hier Befremden. Alle Vorbereitungen für einen eventuellen Angriff sind getroffen worden. Gestern Nacht liefen vieritalienischeKriegsschiffe in den Hafen von Valona ein und blieben dort zwei Stun­den. Aus Beirut wird gemeldet: Gerüchten zufolge soll die Ankunft der Italiener vor Beirut un­mittelbar bevorstehen. Der Bevölkerung hat sich große Unruhe bemächtigt.

Ein Gefecht bei Homs.

Konstantinopel, 4. Nov. Das KriegsMiniste­rium veröffentlicht folgende Depesche des Komman­danten von Dripoliswom 31. Oktober: Eine türkische Wteiluna Freiwilliger machte in der Nacht vom 28. zum 29. Oktober einen Angriff auf die Italiener in Homs. Die Italiener hatten 105 Tote, die Türken 7Tote und etwa 40 Verwundete. Tie Freiwilligen konnten ihren Angriff wegen des Feuers der italienischen Kriegsschiffe aus die Küste nicht sortsetzen.

Aus Konstantinopel.

Konstantinopel, 5. Nov. Es heißt, der Minister­rat beschloß für den Fall, daß die Feilid selig keiten auf den Archipel ausgedehnt werden würden, sämtlicheJta- liener aus der Türkeiauszuweisen. Infolge des Versuches des Kriegsgerichtes, den Deputierten Lust wegen seiner oppositionellen und publizistischen Tätigkeit ver­haften zu lassen, kam es in der Kammer zu einer leb­haften Jnterpellationsdebatte. Der Kriegsminister wurde ausgefordert, sofort vor der Kammer zu erscheinen, unt Aufklärung zu geben. Da der Minister bis 1/37 abends nicht erschien, vertagte sich die inzwischen beschluß­unfähig gewordene Kammer mit der von der Opposition durchgesetzten Erklärung, die Kammer werde keines Depu­tierten Verhaftung zulassen. Wählend der Kammersitzung beriet der Ministerrat über die Angelegenheit. Es ver­lautet, die Stellung des Kriegsministers sei erschüttert.

Schwere englische Anklagen.

In der englischen Presse werden furchtbare Anklagen gegen die italienische Armee in Tripolis von einem briti­schen Offizier des 5. Msilier-Regiments namens Herbert G. Montagne erhoben, der sich im türkischen Lager vor Tripolis befindet. Die Verantwortung dafür muß natürlich der Presse, die den Anklagen Raum gibt, und dem englischen Offizier, der sie erhebt, überlassen bleiben. Das von dem Leutnant Montagne am 2. November in Souk-el-Yomah ausgegebene Telegramm ist über Dchibat an der tunesischen Grenze nach England gelangt. Es lautet:

Ich Halle es für meine Pflicht, Ihnen nachfolgendes Tele­gramm zu senden, und bitte Sie im Namen der Christenheit, es in ganz England bekannt zu machen. Ich bin ein englischer Offizier und diene als Freiwilltüer im türkischen Heere. Ich kann nur meine Bewunderung über die Tapferkeit der Türken und Araber aussprechen, die das Herz jedes wahren Soldaten hochschlagen läßt. Stellen Sie sich meine Gefühle vor, als wir einige arabische Häuser von den Italienern geräumt hatten und dann in diesen Häusern die Leichen von 120 Frauen und Kindern fanden. Man hatte den armen Opfern Hände und Füße gebunden, sie alsdann verstümmelt, zumeil aufgespießt und ihre Glieder auseinandergerissen. Später landen wir eine Moschee ganz angefüllt mit den Leichen von Frauen und Kindern, die ebenso schreck­lich verstümmelt waren. Ich konnte sie nicht zählen, glaube aber, daß es 300 bis 400 waren. Ist das europäische Krieg­führung? Sind solche Verbrechen erlaubt? Kann England nichts tun, um diesen Scheußlichkeiten ein Ende zu machen? Und in

Stettin in den Justizdienst. 1889 ging er zur Mlgemeinen Staats­verwaltung über und wurde Regierungsrejereudar in Trier. Im ftuni 1892 zum Regierungsassessor befördert, trat er in dar Dienst des Auswärtigen Amts, arbeitete zunächst in der Kolonial- vbteilung und ging im Februar 1894 als rechtskundiger Hilfs- Arbeit er nach Windhuk, wo er 1895 zum Stellvertreter des Landeshauptmanns ernannt wurde. Er nahm am Feldzuge gegen die Herero aktiven Anteil und zog auch gegen die Khaues-Hottentotten zu Felde. In seiner Zivilstellung blieb er, seit Anfang des Jahres 1897 als Regierungsrat, bis er im Juni 1900 mit der Verwaltung des deutschen Generalkon­sulats in Kapstadt beauftragt wurde. Seine endgültige Ernennung zum Generalkonsul erfolgte im Jahre 1902. Im November 1904 wurde gemeldet, daß v. Lindequist nach Unter» werfung des Aufstandes Gouverneur von Südwestafrika werden solle; im Mai 1905 übernahm er diesen Posten und blieb auf ihm, his er im Mai 1907 Unterstaatssekretär wurde.

Dr. phil. Frhr. Alexander v. Donckelmann

gehört dem Reichskolonialamt nur als Hilfsarbeiter an, wie _fer schon vor der Errichtung dieses Rcichsamts längere Jahre Hilfs­arbeiter in der Kolonialabteilung des Auswärtigen Amts geweien war. Dr. Frhr. v. Danckelmann, der auch den Professoren itel hat, ist ein bekannter Geograph und Meteorologe; er ist im Aus­wärtigen Amt vornehmlich mit den geographischen Fragen auf dem Gebiete unserer Kolonien beschäftigt. Am 24. Nov. 1863 geboren, nahm er nach Vollendung seiner naturwissenschaftlichen Studien an der Expedition zur Aufsuchung derSega" teil, wurde 1878 Vorstand des meteorologischen Instituts in Leipzig, bereiste von 1882 bis 1883 den unteren Kongo, dann Angola und Mossamedas. Von 1886 bis 1890 war er General­sekretär der Gesellschaft für Erdkunde in Berlin, dann wurde er unter Ernennung zum Geheimen Regierungsrat in das Aus­wärtige Amt berufen. Er hat mehrere Schriften über seine Reisen und über meteorologische Fragen veröffentlicht, war auch Redakteur derMitteilungen aus den deutschen Schutzgebieten".

Dr. phil. Wilhelm Solf,

der interimistische Leiter des Reichskolonialamts, wurde am 5. Ok­tober 1862 zu Berlin als Sohn des verstorbenen Stadtverord­neten Rentiers Solf geboren. Er widmete sich in Berlin und Kiel dem Studium der Sprachwissenschaften, besonders auf dem orientalischen Seminar dem Sanskrit. Seine indischen Sprach­studien führten ihn nach Kalkutta, wo er zwei Jahre im deutschen Konsulat arbeitete. In die Heimat zurückgekehrt, studierte, er in Jena die Rechte. Dann trat er als Assessor in die Kolonial­abteilung des Auswärtigen Amtes und wurde 1898 kaiserlicher Richter in Daressalam in Ostafrika. Während der Wirren von Samoa im Jahre 1899 war er Präsident des Munizipalrates in Apia. Als dann Deutschland am 1. März 1900 auf Grund des deutsch-englisch-amerikanischen Abkommens von der Insel Besitz ergriff, wurde Solf.Gouverneur von Samoa. Diesen Posten hat er auch noch gegenwärtig inne. ,

Solf soll übrigens nur Platzhalter für den zukünftigen Staats­sekretär sein, als welcher Frhr. v. Rechsnberg in Aussicht genommen sein soll.

Die Landlagrwahlen in Hesse,!.

Nach vorläufiger Zusammenstellung sind ttei den Dauptwahlen für die einzelnen Parteien folgende Stim­men gezählt worden: Sozialdemokraten 54 300, Fortschritt­liche Volkspartei 30 700, Nationalliberalen 28 400, Zentrum |24 200 und Bauernbund 23 900. Dabei ist natürlich zu berücksichtigen, daß die Parteien nicht überall Kandidaten 'aufgestellt hatten; namentlich die Nationalliberalen, das 'Zentrum und der Bauernbund hatten vielfach auf Kandi­daten von vornherein verzichtet.

Die sozialdemokratische Stichwahlparole.

m. O f f e n b a ch a. M, 6. Nov. Der Landesvorstand der sozialdemokratischen Partei des Großherzogtums Hessen hielt gestern im Saalbau eine Gesamtsitzung ab, zu der Vertreter aus allen Teilen des Landes erschienen waren. Es handelte sich um die Beschlußfassung über die Stellung­nahme der sozialdemokratischen Partei zu den Landtags­stichwahlen, die am 17. ds. M. stattfinden. Der ein­stimmige Beschluß des Landesvorstandes ging dahin, den Freisinnigen dur chMtteilung bekannt zu geben, daß die Sozialdemokraten bereit sind, die freisin­nigen Stichwahlkandidaten zu unterstützen, falls die freisinnige Partei sich zur G eg en Unterstütz­ung bereit erklärt. Falls die Freisinnigen 'sich hierzu nicht bereit erklären wollen, soll die Parteiparole der Sozialdemokraten Stimmenthaltung lauten.

Die Sozialdemokraten sind nur in zwei Bezirken in der Lage, der fortschrittlichen Volkspartei Stichwahlhilse zu leisten, nämlich in Gießen-StadtWies eck und in Wöll­stein. In Wöllstein erlangte der sozialdemokratische Kan­didat ganze 49 Stimmen, so daß die sozialdemokratische Entscheidung für den Ausfall der Stichwahl keine Bedeu­tung hat. Dagegen verfügt die fortschrittliche Volkspartei in fünf von den acht Bezirken, in denen Sozialdemokraten zur Stichwahl stehen, über größere Wählerziffern (Gerns­heim-Pfungstadt 986, Beerfelden-sWimpfen 737, Bensheim- Zwingenberg 986, Vilbel 501 und Büoingen 685), die in fast allen Bezirken für den Ausfall der Stichwahl enb- scheidend sind. Es wäre sonach kein schlechtes Geschäft, das die Sozialdemokratie machen würde, wenn ihr An­gebot von der fortschrittlichen Volkspartei, einzig und allein mit Rücksicht auf die Entscheidung in Gießen, angenommen würde.

Die fortschrittliche Stichwahlparole.

Der Landesausschuß der Fortschrittlichen Volkspartei für das Großherzogtum Hessen hielt nach derFranks. Ztg." am Sonntag in Frankfurt gleichfalls eine Sitzung ab, in der für die Stichwahlen zum Landtag folgend er Beschluß einstimmig gefaßt wurde:

,Der Landesausschuß empfiehlt den in Bettacht kom­menden Wahlkreisorganisationen für bie Stichwahlen nach folgenden Grundsätzen zu verfahren:

1. Es sind zu unterstützen:

a) der nationalliberale Kandidat in der Stich­wahl gegen Antisemiten und Bauernbündler,

b) der sozialdemokratische Kandidat in der Stich­wahl gegen Kandidaten der Antisemiten und des Bauern­bundes bezw. des Bundes der Landwirte oder andere, dem Bund der Landwirte angehörende Kandidaten.

2. Bei einer Stichwahl zwischen Nationallibe­ralen und einem Sozialdemokraten wird Stim­me n fr ei gäbe empfohlen."

Hiernach ist den lokalen Organisationen die Entscheidung darüber in die Hand gegeben, wie bie einzelnen Kandidaten nach diesen Grundsätzen zu bewerten sind. Jnsgesaint sind

ist nur echt in Originalpackung . um \ iischi ur .Degea'