sogenannten Blockstationen aus in Betrieb gesetzt. Wenn nun Die Apparate in Ordnung sind und auch richtig bedient werden, so Tann es immer noch vorkommen, daß der Lokomotivführer das Haltesignal übersieht. Es wurde wiederholt empfohlen, in diesem Falle durch einen an den Gleisen befestigten Mechanismus den Zug selbsttätig zum Halten zu bringen oder durch laute Zeichen (Klingeln, Pfeifen) den Führer aufmerksam zu machen. Die preußische Eisenbahnverwaltung hat diese Verfahren abgelehnt, erstens weil diese Apparate noch nicht genügend erprobt seien und wen sie befürchtete, daß dadurch das Verantwortlichkeitsgefühl des Fahr- Personals herabgemindert lvürde.
Auch viele Laien haben versucht, Verbesserungen zu er) innen. So wurde dem Schriftsteller Kurt Geucke ein Patent erteilt, das bezweckt, die bei Entgleisungen, Zusammenstößen, Achsen- und Radreifenbrüchen usw. eintretenden Verluste an Menschenleben und ine .bedeutenden Materialschäden zu verhindern. Der Erfinder macht die lebendige Kraft des Zuges unter gleichzeitiger Vernichtung derselben zu einer Schutz- und Bremswirkung dienltbar. ■£je schärfer der Stoß, desto kräftiger das Bremsen. Tas wirb aus folgende Art erreicht. An jeder Stirnseite des Wagens befinden sich anstelle der Puffer 2 oder 3 Zylinder, die mit gepreßter Luft gefüllt sind. In jedem Zylinder befindet sich ein dicht- schließender Kolben mit einer Stange, die nach außen führt. Durch Zusammenschieben der Wagen werden die gegenüberliegenden Stangen durch eine einfache Vorrichtung selbsttätig miteinander verbunden. Sellt sich nun der Lokomotive ein unvorhergesehenes Hindernis entgegen, oder ist der Führer aus irgend einem anderen Grunde gezwungen, scharf zu bremsen, so drängen sich die Wagen auf Grund ihrer lebendigen Kraft l Beharrungsvermögen) aufeinander. Dadurch werden die Stangen mit Kolben in die Zylinder getrieben, pressen dort die Lust noch weiter zusammen und aus der anderen Seite hinaus. Hier wirkt sie bann durch Uebertragung auf die Bremsklötze. Das gefürchtete Ineinander- und lieber» einander schieben der Wagen wird hierdurch vermieden.
Trotz des lebhaften Interesses der Fachkreise und günstiger Beurteilung (unterblieb der hohen Kosten wegen (etwa 120 Millionen für die deutschen Bahnen) die Einführung.
Arr» Stafct ttnO CanO»
Gießen, 8. August 191L ~
** Der Koh len verbrauch der preußisch- Ihi.es fisch en St a ats b ah n en. Auf den Strecken der preußisch-hessischen Eisenbahngemeinschaft wurden im Rechnungsjahr 1909/10 insgesamt 9.24 Millionen Tonnen Kohlen verbraucht. Der Gesamtwert des Hcizungsmate- rials beziffert sich auf 114.73 Millionen Mark. Den verhältnismäßig größten Verbrauch hatten die Güterzüge auf» zuweisen, an zweiter Stelle kommen die Schnell- und Durchgangszüge und an dritter die Personenzüge. Die Gesamtleistung dieser Kohlenmasse betrug 2580 Millionen Pferdestärken. Davon entfallen allein auf die Güterzüge drei Fünftel, nämlich 1500 Millionen Pferdestärken. _ Im Schnellzugdienst wurden insgesamt 980 Millionen Pferdestärken und im Personenzugdienst 500 Millionen Pferdestärken geleistet. Tie Leistung im Güterzugdienst war also beträchtlich höher als die Leistung im Schnellzug- und Per- sonenzugdienst zusammengenommen. Der Kohlenverbrauch mar bei der Größe der Gesamtleistung verhältnismäßig gering, da die auf der preußisch-hessischen Staatsbahn verwendeten Lokomotiven und Maschinen sehr wirtschaftlich arbeiten. In Tätigkeit waren 8900 Lokomotiven, von denen 2500 Großdampflokomotiven sind.
"Der Großherzog hat den Architekten Edmund Georg Körner aus Essen a. d. Ruhr in die Darmstädter Künstlerkolonie berufen.
" Liebig-Museum. Dem Liebig-Museum ging dieser Tage ein ebenso schönes wie interessantes Geschenk zu. Der derzeitige Leiter der Apotheke zu Heppenheim a. d. Bergstraße, Apotheker CustodiS, schenkte ein wertvolles (von Fuchs in Darmstadt ausgesührteS) Aquarell-Gemälde, das die historisch berühmte Heppenheimer Apotheke in vorzüglicher Weise wieder- gibt. In den Jahren 1818—19 kam Liebig nach seinen erfolglosen Gpmnasial-Studien zu dem damaligen Apotheker Pirsch nach Heppenheim in die Lehre. Diese Stellung Liebigs endete jedoch bereits noch 10 Monaten. Liebig setzte nämlich seine experimentellen Chemie-Studien, die sich hauptsächlich auf das explosive Knallsilber bezogen, heimlich fort, und so kam es, daß eines Tages bei ähnlichen Versuchen auf der Dachkammer ein Stück des Daches der Apotheke in die Luft flog, worauf Liebig, wie er später selbst humoristischer Weise bemerkte, „die Platt putzte", und nach Darmstadt zu seinen Eltern zurückkehrte. Immerhin ist die zehnmonatliche Tätigkeit Liebigs in der Apotheke von großer Bedeutung. Hier war ihm Gelegenheit gegeben, den Betrieb dieser so wichtigen Einrichtung kennen zu lernen; hier stellte er im. Laboratorium der Apotheke manches interessante Präparat her. In der Apotheke empfing er viele Anregung für seinen späteren Beruf als Professor der Chemie, insbesondere als Lehrer junger Pharmazeuten.
" Das Kaiser-Wilhelm-Regiment fährt am 11. Aug. um 308 im Sonderzug zur Kaiserparade nach Mainz, von wo es abends um 1039 zurückkehrt.
**, Der Verein ehemaliger 116er feierte, wie wie wir gestern schon kurz berichtet haben, am vergangenen Sonntag auf der Liebigshöhe jtin erstes Sommer fest, das von den Mitgliedern so stark besucht war, daß die Räumlichkeiten die Menge der Erschienenen kaum fassen konnten. Von dem Offizierkorps touren der Oberst v. Trotta mit einer größeren Anzahl von Offizieren erschienen, auch alle eingeladenen Militär- und Turnvereine hätten Abordnungen entsandt. Nachdem der Bezirkstag zu Ende war, kanten auch noch einige Kameraden von auswärts, darunter per Bezirksvorsteher, Lehrer Daab von Lollar. So kam allseits zum Ausdruck, daß die Kameraden der älteren Vereine dem jung -aufstrebenden neuen Verein echte Kameradschaft entgegenbringen. Zahlreich war das Heer der Kinder, die zum Andenken alle ein Fähnchen bekamen. Im endlos langen Zuge zogen sie stolz über den Festplatz. Dann erwarben sich im Spiel die Mädchen ein Anrecht auf eine Bretzel und die Knaben auf Wurst und Forstmeister. So kam die Jugend zu ihrem Recht, während sich die älteren eifrig am Preisschießen beteiligten. In einer kurzen Ansprache begrüßte der erste Vorsitzende, Rechtsanwalt Kaufmann, die Gäste und Mitglieder, wies kurz auf die Bedeutung des 6. August in der vaterländischen Geschichte hin und brachte ein begeistert aufgenonmtenes Hurra auf den hohen Chef des Regiments und den Landesfürsten aus. Ungeheuren Jubel erweckte seine Mitteilung, daß der Verein nach 80tägigem Bestehen auf 305 Mitglieder angewachsen iist- Die gegen 81/2 Uhr vorgenommene Verteilung der wertvollen Preise hatte folgendes Ergebnis: I. Ehrenscheibe: 1. Frch Nennstiel, 2. Herzberger, 3. E. Ldg. Sack, 1. Aug -Gabrtel. II. Damenstand: 1. Frl. Käthe Rau 31 Ringe,
Fran E. Kaufmann 25, 3. Frl. Frieda Rau 25. III. Herrenstand: 1. Fritz Nennstiel 34 Ringe, 2. Sergeant Rühl 33, 3. Rechtsanwalt Kaufmann 32, 3. Oberlehrer .Eidebenz aus Riga 32, 4. Peter 32, 5. Ehr. Weeg 31 Ringe .Eine durch den Garten geführte Lampionpolonaise machte
den Anfang, eine auf dem Tennisplatz mit Lampions getanzte Franeaifc den Schluß des flotten Danzes. Dann zog man mit der Musik an der Spitze nach der Stadt, alle ui fröhlichster -Stimmung und im Bewußtsein, daß das erste Sommerfest der ehemaligen 116er schön verlausen war.
"Der Verein ehemaliger Jäger und Schützen hielt sein Preisschießen auf dem Stande bei ForsthauS Haina ab, wobei die zehn ersten Preise erhielten: Förster Metzler-Hof-Haina den 1. mit 57 Ringen, 2. Förster Möhringer- Haina 56 R., 3. Förster Miehe-Frankenbach 55 R., 4. I. 23oo§- Gladenbach 54 R., 5. Th. Nauheimer-Gießen 52 R., 6. S. Nußbaum-Gießen 49 R., 7. E. Ziehm-Gießen 48 R., 8. I. Kahn-Gießen 46 R., 9. E. Höhn-Rodheim 45 R., 10. E. Marquardt-Gießen 43 Ringe. 1. Ehrenscheibe und Ehrenpreis W. Wienhold-Gießen, 2, Ehrenscheibe I. Kahn-Gießen. Mit einem Tänzchen in Bieber fand das schön verlaufene Fest seinen Abschluß.
** 55. Allgemeine Versa mmlungder Deutschen Geologischen Gesellschaft. Die Versammlung der Deutschen Geologischen Gesellschaft zu Darmstao t wurde am 5. August, 6 Uhr abends, eingeleitet durch einen Vortrag von Professor Klemm über die geologischen Verhältnisse des Ldenwaldes. Vorher begrüßte der Ge- schäftssührer der Versammlung, Herr Geh. Oberbergrat Pro- sessor Dr. Lepsins, die Teilnehmer, denen je ein Exemplar der neu herausgegebenen geologischen Ucbersichtskarte des Odenwaldcs, sowie ein geologischer Führer für die Exkursionen überreicht wurde. Ain 6. August fuhren die Teilnehmer an der Versammlung früh 7 Uhr mit einem Sonderwagen der elektrischen Bahn nach dem Böllensalltor und besuchten von dort aus zunächst die Aufschlüsse im Diabas und Hornfels am Goetheselsen, dann die Ausschlüsse am unteren Lindenbergweg. Von hier ging es nach dem Prinzenberg und über den Steigertsberg nach Eberstadt, wo eine einstündige Frühstückspause stattfand. Ter Nachmittag brachte die Besichtigung zahlreicher Ausschlüsse am Frankenstein im Gabbro, Odinit usw., zuletzt im Korundfels bei Seeheim. Bon dort wurde mit dem fahrplanmäßigen Zuge 6.45 Uhr die Rückfahrt nach Darmstadt angetreten.
** Zum Zus amm enb ruch der Hassia werke in Gießen erhalten wir von dem Konkursverwalter folgende Zuschrift: Der Artikel Ihres geschätzten Blattes Nr. 183 vom 7. August, überschrieben: „Der Zusammenbruch der Hassia-Werke", verlangt eine fteilte Berichtigung in einigen Punkten, die offenbar zurückzuführen sind auf persönliche Stimmungen, die den Herrn Verfasser bei der Abfassung des genannten Artikels geleitet zu haben scheinen. Ich habe nicht gesagt und kaim nicht behaupten, daß die sogenannten Gründer erklärt hätten, sie müßten 27 000 Mk. unter allen Umständen an der Gründung verdienen. Es kann dies insbesondere nicht behauptet werden von dem Architekten Stein, der, als er merkte, daß das Werk nicht den gewünschten Gang zeigte, die für ihn als Gründerlohn überlassenen Anteilscheine der Gesellschaftskasse sofort zur Verfügung stellte. Der Berichterstatter unterläßt ferner au bemerken, daß ich ausdrücklich hervorgehoben habe, daß der Name des Architekten Stein unter den Prospekt , der zur Gründung der Gesellschaft einlud, ohne Steins Wissen und Willen darunter gekommen ist, wie auch andere Prospekte in der gleichen Angelegenheit in die Wett gingen, welche Namen von Herren trugen, die mit nichts weniger zu tun hatten, als mit jenem totgeborenen Kinde „Hassia". Der Verfasser des Artikels glaubt endlich meinem Vortrag entnehmen zu können, daß ich dem Aufsichtsrat Lässigkeit zuni Vorwurf machen könnte. Auch das ist nicht richtig. Abgesehen davon, daß der Aufsichtsrat einer G. m. b. H. außer wenn es schief geht, eine große Verantwortung auf sich zu nehmen und sonst nicht viel zu tun hat, wird sonst meist nicht viel nach ihm gefragt. 3?o kommt es, daß auch wohl im Falle Hassia der Aufsichtsrat und insbesondere sein Mitglied Dr. V. nicht allzuviel Schweiß vergossen haben dürften bei ihrer Tätigkeit als Aufsichtsrat. Ich habe deshalb in der Gläubigeroersammlung auch nur zweier Aufsichtsratsmitglieder als löblicher Ausnahme Erwähnung getan, nämlich der Herren Otto Schaaf und Architekt Stein, von denen ich hervorgehoben, daß Sie wiederholt vom Motive der Sparsamkeit bewegt, tu Die kaufmännischen und baulichen Einrichtungen der Hassia Werke mahnend hinei^- qesprochen hätten, freilich nur mit dem Erfolg, daß der Geschäftsführer das Gegenteil tat, und daß andere Herren ihnen den Vorwurf der Kleinlichkeit und Spießbürgerlichkeit machten. Hornberger, Rechtsanwalt.
**DerStadtverordneteDr. Ebel schreibt uns: In Nr. 182 1. Blatt bemerken Sie im Anschluß an das Schreiben des Herrn Stadtverordneten GrünewaÜ», meine in der Stadtverordnetensitzung vom 3. d. M. abgegebene Erklärung habe Amte Richtigstellung der von Ihnen aus meiner Siebe vom 27. Juli d. I. veröffentlichten Sätze enthalten.
Ich muß hierzu folgendes feststellen: . Weim ich den vvn Ihrem Berichterstatter berichteten und von mir beanstandeten Satz wirklich gesprochen habe, woran ich mich durchaus nicht erinnere, so kann dies mir in einer ganz nebensächlichen Bemerkung, vielleicht als Erwiderung auf einen der zahlreichen Zwischenrufe geschehen fein, denn in dem schriftlichen Entwurf der Hauptpunkte meiner Ausführungen findet sich der strittige Satz rächt, kann auch kaum in dem ganzen Gedankengang unter- gebradjt werden. Jedenfalls aber i|t er von mir nicht in unmittelbarem Zuscunmenlxing mit der Skizze .des Hochbauamts gebracht worden, kann also auch nicht die kränkende Wirkung gehabt haben, die er nach Ihrem Bericht tatsächlich hatte. Insofern ist dieser Bericht nicht genau.
Ties hatte ich in meiner Erklärung festgestellt, nicht etwa, wie man aus Ihrer Bemerkung schließen könnte, um Entschuldigung gebeten, wozu für mich absolut keine Veranlassung vorlag.
Wir können nur wiederum darauf Hinweisen, daß unser Bericht auch in diesem in Frage steheitden Punkt von mehreren Herren, die der Sitzung beigewohnt haben, als richtig anerkannt wurde. Wenn Dr. Ebel nur die Möglichkeit zugibt, daß der betr. Satz in dem angeführten Wortlaut von ihm gesprochen worden sei, so wird er sich gewiß auch nicht mehr ganz genau der Umstände erinnern können, bei denen dies geschah. Daß er keine Kränkung beabsichtigt hatte, glauben wir 'ihm aufs Wort. Der Dank des Herrn Oberbürgermeisters auf die öffentliche Klarstellung des Herrn Dr. Ebel bestätigt es, daß es nicht ohne weiteres der Berichterstattung zugeschoben werden darf, wenn ein Mißverständnis entstauden war. In welchem Sinne und mit welcher Absicht eine in öffentlicher Sitzung hittgeworfene Bemerkung aufgefaßt werden kann, das ju entscheiden, darf nicht Sache oes Berichterstatters sein.
** Uebersceische Briese. Nach den Wahrneh- inungen der Grenz-'AuSgangs-Postanstalten rechnet das Publikum bei der Auflieferung von Briefsendungen nach überseeischen Orten fast nur mit den letzten Versendungsgelegenheiten, die auf Grund des Beiheftes zum Amtsblatte des Reichs-Postamts durch die Zeitungen bekanittgegebcn werden, während stber das Bestehen von Vorversanden kaum
etwas bekannt ijt. Da die letzten Beförderungsgelegen- heiteu infolge von Störungen int Gange der Eisenbahn- züge nicht selten in den Hafenorten den Anschluß an bic abgehenden Dampfer verfehlen, empfiehlt es sich dringend, die Briefsendungen möglichst zeitig irufzultesern, damit Jic mit den Vorversanden -Beförderung erhalten, die auch bei Verspätungen der Eisenbahnzüge die Schiffe in den Ab gangshäfen rechtzeitig und sicher erreichen.
** Schweinemastanstalten tn Städten. In der Gießener Stadtverordnetenversammlung ist mehrfach an geregt worden, durch Ortssatzung etn gewerbsmäßiges Mästen von Schweinen zu verbieten, weil dadurch die Nach barn der Mästereien belästigt würden. Bet der Erorterurig der Angelegenheit war man der Ansicht, daß die Gewerbe ordnung keine Handhabe biete, dagegen einzuschreiten. Wie die Deutsche Juristenzeitung mitteilt, hat das Kammer gericht in Berlin die Rechtsgültigkeit einer Polizerverord nunq, die das Halten von Schweinen innerhalb einer Stadt beschränkt, a 11 er kann t. Diese Beschränkung war in einer Ortssatzung für Plön drlassen und bestimmt, daß innerhalb des Polizeibezirks dieses Orts von ein und derselben Haushaltung gleichzeitig nicht mehr als zwei Schweine gehalten und gemästet werden dürfen, mit Ausnahme rn landwirtschaftlichen Betrieben, die außerhalb de- geschlosseneii Straßennetzes belegen sein müssen. Ein Bewohner der ^>tadt, der 20 Schweine gehalten hat, war vom Landgericht freigesprochen, weil die Polizeiverordnung ungültig sei. Das Kammergericht aber kam zu einer Verurteilung mit folgender Begründung: Tie Polizeiverordnung will verhindern, daß die Luft der Stadt Plön innerhalb des geschlossenen Straßennetzes verpestet wird, was durch eine größere -Schweinehaltung unzweifelhaft geschieht. Sie ist also zum Schutze der Gesundheit der Bewohner der Stadt erlassen. Sie verliert ihre Rechtsgültigkeit nicht, weil sie das Halten von höchstens zwei Schweinen gestattet. Der Umfang der polizeilichen Beschränkung ist eine Frage der Zweckmäßigkeit und daher der richterlichen Prüfung entzogen. Aus der Zulassung einer geringen Anzahl Schweine läßt sich nicht schließen, daß die Polizeiverord- nung andere als sanitäre Zwecke verfolgt. Das gleiche gilt von der Ausnahme landwirtschaftlicher Betriebe. Auch ein Widerspruch mit § 1 der Gewerbeordnung liegt jnidyt vor. Die Polizeiverordnung bezieht sich nicht auf die Zu lassung zum Gewerbebetrieb, ordnet vielmehr mir eine Beschränkung in der Ausübung des Gewerbes der Schweinemast an und dürfen derartige Anordnungen im polizeilichen Interesse erlassen werden.
Landkreis Gießen.
A Klein-Lin den, 6. Aug. Unser Kriegerverein begann gestern ein Scheibenschießen, das nächsten Sonntag seinen Abschluß findet. Es sollen etwa 15 Preise zur Ber- teilung gelangen.
— Watzenborn, 7. Aug. Der Zweigverein Gießen der Gustav-Adolf-Stiftung hielt sein Fest in Watzenbvrn ab. Die Festpredigt hielt Pfarrassistent Schor le mer von Gießen und zeichnete in packenden Strichen die Notwendigkeit, die Schwierigkeit und den Segen der G.-A-- Arbeit. Ihr schloß sich der Jahresbericht an. In der Nach Versammlung sprach Pfarrer Kühler aus Steinbach über die Geschichte des religiösen Lebens der Umgegend und Psarrassistent Strack aus Gustavsburg bei Mainz über das Entstehen der dortigen evangelischen Gemeinde. Dekan Strack aus Leihgestern hielt die Schlußansprache. Die Kollekte ergab 110 Mk., hiervon wurden überwiesen: a) der evang. Gemeinde zu Gu sta v s b u r g b. Mainz 80Mk., b) der evangelischen Gemeinde zu Rockenberg 30 Mk. Außerdem wurden zum Besten des G.-A.-Vereins fiir 20Mk. Predigten (200 ä 10 Pfg.) von W. Vogel verkauft, und für Gustavsburg für zirka 10 Mk. Postkarten, so daß auch her hier erzielte Erfolg unserer schönen Festfeier ein recht günstiger war.
A Be11enhausen, 6. Aug Die Maul- und Klauenseuche tritt so heftig auf wie in Holzheim. Es sind jetzt 30 Gehöfte verseucht und zahlreiche Tiere verendet.
Kreis Büdingen.
Büdingen, 7. Aug. (Schöffengericht.) Wegen Uebertretung des § 361,5 StGB, wurde der H. H. III. ton Aulendiebach zu einer Geldstrafe von 10 Mark oder 4 Tagen Haft verurteilt. Wegen Bettelns wird der Taglöhner I. G. aus Posen zu einer Haftstrafe von 1 Woche und in die Kosten hts Verfahrens verurteilt. Die erkannte Strafe wird durch die erlitt ene Untersuchungshaft für verbüßt erklärt. Die Ehefrau des Taglöhners Gg. H. R. von Rommelhausen wird wegen Forst« entwendung im wiederholten Rückfall zu einer Geldsttafe ton 3 Mark ober 2 Tagen Haft verurteilt. In der Privatklage dkS Gutspächters Ch. B. von Hof-Rinderbügen, gegen den G. B. in Neuhof bei Dettelbach wegen Beleidigung wurde der Termin auf unbestimmte Zeit ausgesetzt, da Vergleichsverhandlungen zwilchen ben_ Parteien schweben.
O. Hirzenhain, 7. Ang. Heute vormittag entgleiste die Maschine eines Güterzuges infolge Bruches einer Weiche. Verletzt wurde niemand.
A Hirzenhain, 6. Aug. Das Hüt teufest intferer Hüttenarbeiter nahm auch dieses Jahr einen schönen "Verlauf. Samstag abend fand ein Fackelzug statt. Sonntag war Scheibenschießen, dabei kamen 100 Preise zur Ber- terlung. Den ersten Preis, den Major Schörke gestiftet hatte, erhielt Joh. Sto ffers-Gelnhaar. Ein Theater- jtück, Gesang, Spiele und Tanz sorgten für die Unterhaltung.
Kreis Alsfeld.
A Dannenrod, 6, Aug. Unsere Wasserleitung hat infolge der Trockenheit versagt. Gegenwärtig tov.t berm Dors geschürft, um eine weitere Quelle dem Hoö- behälter zuzuführen.
Kreis Lauterbach.
tr. Lauterbach, 7. Aug. Das von dem Turnveren seit Jahren veranstaltete sogenannte „Hainigfest" wurte gestern bet schönem Wetter abgehalten. Um 21/, Ust marschierte der Festzug nach dem etwa s/4 Stunden entfernten Festplatz im „Hainig". Unter den alten Eichen ent« luicfette sich ein fröhliches Treiben. Den Hauptgegenstanl> bildete das von dem Turnverein veranstaltete Preis turne« und die daran anschließenden Freiübungen. Rach Be- eudigung der turnerischen Vorführungen folgte ein allgemeiner Tanz auf dem grünen Rasen, der sich bis nach 10 Uhr aus- dehnte, worauf gemeinsamer Abmarsch nach Lauterbach erfolgte, wo noch ein kleines Nachfest stattfand.
Kreis Schotten.
. § H e r ch e 'nhain, 7. Aug. Gestern fand hier
^ahresfest der Gustav-Adolf-Stiftung für das De faiiat Schotten statt Um 2 Uhr begann der Festgottcs- dieust in dein Pfarrer Koller- Kelsterbach, der langjöh rige Geistliche unserer Gemeinde, predigte. Gegen 4 Ulst bewegte sich ein stattlicher Festzug nach dem „Ernstbergc", ?l£. Nachfeier stattfand. Ansprachen hielten Psarrrr Uhl- Nieder-Saulheim und Schulz- Eschenrod. Der Glcrp bevger Posuuuw^tu: Lpaij »ix Feier üciji&ö.neii.


