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5.4.1911 Zweites Blatt
 
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Zweiter Blatt

Nr. 81

161. Jahrgang

Erschein! tllgllch mit Ausnahme des Sonntags.

TieGlehtner ^amlUenblStter" werden dem ,91n,\ciflere viermal wöchentlich beig-legt, daS Hrcisblatl für Öen Kreis Gießen" zweimal wöchentlich. TieLandwirtschaftlichen Seit- fragen" erscheinen monatlich zweimal.

Gießener Anzeiger

General-Anzeiger für Gberheffen

Mittwoch, 5. April st»

Rotationsdruck und Verlag der Vrühl'fchen UnwersuätS Blich- und Steindruckerei.

9L Lange, Dießen.

Redaktion, Expedition und Truckerei: Schul- straße 7. Eroedinon und Verlag: 61.

Redaktion:112. Lell-ADc^AnzelgerGießen.

Tr. Osann ist erfreut darüber, daß die diesmaligen

schössen int Art. 67 bittet Redner zu streichen: seit bald 90

Jahren habe diese Bestimmung genügt, und es wäre

. C3 Aba. ..

bedenÜich, f Verhandlungen in einem ruhigeren Tone geführt worden find ms en. Weiter früher. Er erinnere sich, daß bei der früheren Beratung Worte

eine unbeschränkte Zahl von Besprechungen zu genehmigen. Weiter erklärte sich der Redner auch gegen jede Abänderung des Art. 75

wie Volksverräter, Verkümmerung der Volksrechte usw. gebraucht ivurdcn und da sei es erwünscht, daß sich eine Aenderung hinsichtlich der ganzen Wahlrechtsvorlage sowohl bei Abg. Tr. Julda, wie Abg. Reh vollzogen habe. Seit bald 20 Jahren werde um die Erreichung des direkten Wahlrechts gekämpft. Es könne aber nur erreicht werden nach der Verfanung mit Zustimmung der

: Deutsche in den Nacken. So lange man drin ist, sieht man den Wald vor lauter Bäumen nicht/' So schreibt er in

Hessische Zweite Kammer.

R. B. Darmstadt, 4. April.

Am Negierungstische: Staatsminister Ewald, Ministerialrat Lorbacher.

Vizepräsident Dr. S ch m i t t eröffnet die Sitzung- um IO1/* Uhr. Das Haus tritt sosort in die Tagesordnung ein: Beratung der Rückäußerung der 1. Kammer über

d e Wahlrechtkvorlage.

Aus Antrag des Abg. Brauer wird zunächst über den dritten der drei' Gesetzentwürfe, die W a h l k r ei s e i n t e i l u n g , beraten, die Generaldebatte jedoch auf alle drei Vorlagen aus­gedehnt.

Staatsminisler Eivald führt aus, er habe schon gelegentlich der Beratung in der Ersten Kammer mit Genugtuung Die Bal­lung derselben bei der neuen ^Beratung über Die Wahlrechts­vorlage begrüßt, weil sie voraussichtlich geeignet sein werde, eine Verfiändigung darüber in die Wege zu leiten. Bei obiektiver Beurteilung werde niemand entgangen sein, daß sich die Erste Kammer gegenüber ihren früher geltend gemachten Forderungen eine große Zurückhaltung auserlegt hat. Es sei belannt, welch weitgehende Forderungen bei den früheren Beratungen von ihr erhoben wurden, besonders in dem Initiativantrag der 21 Mit­glieder der Grswn Kammer, der Bullige Gleichstellung hinsicht­lich des Budgeirechts usw. verlangte. Bei den Verhandlungen im Jahre 1UU8 wurde dann die Abänderung des Art. 67 der Verfassung hinsichtlich der Vorschrijten über die Durchstimmung verhandelt, die der Minister im Einzelnen näher anführt. Da­gegen möge das Baus beachten, was die Erste Kammer jetzt noch bei der Einführung des direkten Wahlrechts verlange. Es Jei von ihr nichts weiter aufrecht erhalten geblieben, als die Be­stimmung, das; größere Anforderungen, die mehr als 200 000 Mk. erfordern und aus Anleihemtltttn gedeckt werden, nicht mehr mit Dem Budget verlnüpft, sondern als besondere Vorlagen eingebracht werden sollen. Eine derartige Reduzierung der Anspruck)e der Ersten Kammer sei um so chvher anzuschlagen, als die G.ässiug- schen Vorschläge, über die zwischen den Ausschüssen beider Kam­mern eine Verständigung erzielt wurde, durch die späteren Be­schlüsse Der Ztvciten Kammer ganz wesentlich altericrt worden feien. Die Erste Kammer habe also das ehrliche Benrebcn ge­zeigt, Die Wahtrechlsvorlage zustanDe zu bringen unD er bitte, dies bei Der jetzigen Beratung beherzigen und Die Vorschläge an­nehmen zu wollen.

Abg. Tr. Gläsfing erläutert als früherer Ausschußreferent eingehend die Damaligen Wahlrechtsverhanoiungen zwismen Den Auschpchen beider Kammern und weist darauf Inu, baß in Baden der Demokratische Führer Dr. Heimburger selber bei Beratung Der Frage Der Einführung des Duetten Wahlrechts wesentlich weit er geh ende Konzessionen an Die .Erste Kammer besürwortet habe. Tas Verlangen, Anforderungen von mehr als 200 OvO Mk. in befvnderen Gesetzentwürfen zu behandeln, sei durchaus be­rechtigt. .

'.'ibn. Dr. FulDa hält die Abändernägsbeichlüsse der Ersten Kammer für einen Rückschritt, Den seine Partei auf keinen Fall

Im Anblick der P e t c r s f i r ck e, Dieden meisten jetzigen Fremden zu mißfallen sch-eint," gedenkt er Schillers und wünscht ihm diesen ungeheuren Anblick. Jedoch inuß er dem Freunde leider beistimmen, Daß für ihn eine solche Reise mehr Störung als Gewinn bringen würde.Daß Ihnen Sinn und Interesse sür bildende Kunst fehlen würden, glaube ich zwar gar nicht. Viel­mehr würde ich fürchten, doß es.Sie ans einmal so mächtig ergriffe, daß Sie Dadurch eine Zeitlang für alles andere untljätig würden." Dagegen hält er für Goethe eine neue Romrcise für höchst heilsam und notwendig. Schiller hat ihm geschrieben. Daß Goethe wie ein Mönch lebe und sich von allem zurückziehe. Sehr ein­sichtig beurteilt Humboldt ans seiner tiefen Kenntnis Der Goethe- schen Wesensart heraus diese Stockung in seiner Entwicklung und in seinem Schaffen.Es ist eine Verstimmung, aus Der sein Wesen, das schlechterdings mehr durch Die Natur, als Den Vorsatz bestimmt wird, nur zufällig durch äußere Umstände, oder irgend eine innere in ihm aussteigende Geistes Thätigkeit gerettet werden kann. Wenn Sie sehen, daß er wieder so einsiedlerisch wird, als Sie es mir schreiben, und daß Ihr Zusammenseyn doch verloren ist, so thun Sie alles, um ihn zu einer Reise, seh es hieher oder nach Paris, zu bestimmen. . . Es giebt in Weimar Lolalurnsländc, die Ihnen einsallen, ohne daß ich sie nenne, die übel auf ihn einwirken. Ich rechne hier am meisten auf Entfernung von Diesen und Die Einsam- teit ; viel auf Das Land, die noch übrigen Kunftroerfe, nnD das günstige Vorurtheil, das er einmal für Rom bat; endlich auf uns. . . Ich habe bemerkt, daß nichts ihn so verstimmt, als wenn er glaubt, Daß man Anspruch auf ihn macht, und Das ist doch, wenigstens feiner Meynuug nach, in Weimar immer Der Fall."

Dross. all der Herrlichkeiten, in Denen Humboldt in Rom schweigt, bricht Doch sein Deutschtum, sein Heimweh, in rüh­render Wei.c immer wieder durch.Je mehr ich mich von Deutsch-

Wunsch gewesen, daß in die Erste Kammer ein Arbeitervcrtreter berufen werde; die Frage sei aber von keiner prinzipiellen Be- deutung. Im Ausschuss feien alle Mitglieder,,einschließlich des Dr. Fulda, der Meinung gewesen, daß roiüjtigc Forderungen von mehr als 200000 Mark nicht mit dein Budget verquickt werden. Jrn übrigen müsse er doch darauf Hinweisen, daß nicht

der Verfassung und bedauert weiter, Daß sich Die Erste Kammer nicht entschließen konnte, sechs Vertreter aus Den Berufsständen auszunehmen. Sie habe Deren nur 3 zugelassen und namentlich den Arbeitervertreter gestrichen. Er, Redner, sehe ja ein, daß ein solcher nicht in das ganze Milieu der Ersten Kammer hincin- passe, aber das Prinzip der Gleichberechtigung verlange einen solchen. Man brauche ja keinen Sozialdemokraten zu wählen, es könne ja ein ganz lammfrommer Mann sein. (Abg. Ulrich rüst: Ein Heylscher Arbeiter.) Die jetzige Wahlrechtsvorlage bezwecke nur ein Zurückdrängen D-w Sozialdemolralie, das werde sich na mentlich bei der Beratung der Wahlireiseinteilung zeigen.

Staatsminister Ewald erklärt Dem Abg. Ulrich gegen über, der behauptet batte, daß sich der Minister zwischen der Be­gründung der Vorlage und der jüngst geäußerten Anschauung über die Berechtigung der Rekommunikationen in Widerspruch gesetzt habe, dies sei durckjaus nicht der, Fall. Er habe lediglich bei der jüngsten Debatte bestritten, daß Die Beratung über die Rekommunitationen verfassungswidrig sei.

Abg. Wo is-S^aveuen neue hu;, oaß Die Erste Kammer Diesmal Der Wahlreastsvorlage so wenig Hindernisse in Den Weg gelegt habe. Man müsse Doch immer beoenken, Daß zum Znstande- t'ommen Des Gesetzes Drei Fattoren mitzuwirlen haben nnD Daß auch in Der Ersten Kammer Männer sitzen, Die- des Volkes Wohl in die erste Reihe steilen und nach ihrer Ueberzeugung handeln.' Der Reduer erklärt, daß er fick: bezüglich des Verlangens des anderen Hauses, Forderungen von mehr als -00 000 Mark als besondere Gesetzesvorlagen ei.izubringen, ganz der Anschanung desAnSschusses anschließe. Die Notwendigkeit und das Drängen des Kainmer- präsidenien, das BilDget sck;nell fertig zu steilen, sei stets ein Schade für die gründliche Erwägung wichtiger Bestimmungen. Wer letzt der Wahlrechtsvorlage nicht zustimme, müsse ein ver- lappter Gegner des direkten Wahlrechts ieai. Die Bestimmung hinsichtlich Der 2/3 Mehrheit bei Durchstimmungen habe eine weiter- gehenDe Bedeutung uitD könne z. B. bei Der Frage über Die Ge- meüiDeumiagenrciDim als ein Glück betrackstet werben.

Abg. Reh legt Verwahrung Dagegen ein, Daß irgend ein Mitglico Dieses Hauses gegen die Vonage stimmen werde, um seine Schimpiberechügung 1,1er im Hause zu behalten. Der Redner wendet sich Dann gegen die Ausführungen des Abg. Wolf. Er gebe zu, daß Die Anregung, wich.ige 11110 lostipielige Maßnahmen nicht mit Dem Budget zu uerquicicn, von der Zweiten Kammer aus­gegangen sei: den bctreifeiiDen Znsatz Der unten Kammer halte er aber für überflüssig. In betreu 1x3 Artikel 75 sei der Antrag Wolf annehmbar. Der vermitteln wolle. Der Beschluß der Ersten Kammer gehe aber weiter und da er Gegner jeder Erweiterung dec Rechte dieser Kammer sei, so lehne er iyn ab. Tas absolute Budgetablehnungsrecht sei nichts neues und Die Nachteile des Artikel 67 seien )o sa werwiegend, daß er auch hier ablehnen müsse. Die Wahlkreisciilteilung sei gemacht worden, damit der Freisinn nicht in Den Himmel wachse, wo bleibe Da die Gerechtigkeit'?

Abg. v. Brentano stellt fest, daß der gejanuc Finanzaus­schuß s. Z. an die Regierung das Ersuchen richten ließ, größere Vorlagen nickst mit Dem Budget zu verquicken, weil man ver- anlassen wollte zu verhindern, daß wichtige Vorlagen beider Etats- beratnug mit durchgepeitscht lücrocn, was sicher nicht im Interesse des Landes liege. Irr gebe ja zu, daß die Vorlage nicht nach jeder­manns Geschmack sei, aber man hätte auch auf Der linken Seite des Hauses ebenso etwas nachgeben sollen, wie auf Der anDcren Seite. Der Redner stellt fest, daß er in seinem Ausschugbericht stets objektiv geblieben sei und verwahrt sm> Dagegen, Daß er ein Loblied aus Die Erste Kammer gesungen habe. Es sei auch sein

Z u Der feierlichen Hebersührung Der Leiche Martin Greifs zum Bahnhof K ufstein, von wo sie nach Ampfing gebracht wurde, hauen sich aus München zahlreiche Freunde des verstorbenen Dichters eingefunden. Ter Beerdigung in Balmberg bei Ampfing wohnte als Vertteter Des Prinz regenten Luitpold Baron Mais von Malseneck bei. Ter Dramaturg der Münchener Hofbühne, Dr. Kilian, sprach über den Dichter und Menschen Greif, namens derMünck-ener Jugend" trug Konrad ein tiefempfundenes Gedicht vor.

Tas Museum Der Stadt London. Aus London wird berichtet: Ter läng ft gehegte Plan, in London nach Dem VorbilD Des Pariser Earnevalet-Museurns ein Museum zu er­richten, Das die Eiilwicktnngsgeschichte der Stadt London von ihren ersten Anfängen bis zur Gegenwart veranschaulicht, ist nun gc sichert. Ter König hat bereits einen Rat ernannt, der die Ver rcaltung Dieses neu zu schassenden Museums übernimmt; zu gleicher Zeit find eine Anzahl von Sälen unD Gemächern im Kensington-Schlosse eingeräumt worDen, um Die Samm lungen auszunehmen. Tie Einrichtung unD Erweiterung Des Museums fällt Dem Kolonialsekretär Harcourt, Dem Bauten minister Earl Beauchamp unD Dem Viscount Esher 511. Schon int November hat ein KimfrireunD, Der seinen Namen nicht genannt sehen will. Dem Kolonialminister eine sehr bebeuknbe Summe zur Verfügung gestellt, um Anschaffungen sür das künf­tige Mufenm Der StaDt LonDon zu machen. Tann tauchte Der Plan auf, Das Museum zu einer Art Denkmal für König Eduard auszugestalten, aber diese Absicht, Die von Viscount Echer ans- ging, wurDe ivieDer fallen gelassen. Jedenfalls hat Der 'JJiu|cum> rat in aller Stille bereits die prächtige AltertümerAmmlung von Hilton-Price erworben, die neben außerordenttich interessantn Bronze- unD S t e i 11 g e r ä t c n aus Dec römiichen Zew am. eine große Zahl kostbarer altenglischer Keramiken und Töpfer arbeiten umfaßt. Ter König uno die Königin haben sich bereit erklärt, aus ihrem Privatbecktz alle für Die Geschichte Londons

schwermütiger Sehnsucht nach den metaphysischen Schwärmereien Der nordischen Philosophen, besonders nach Schelling. Und im letzten Der hier veröffentlichten Briefe steht am Schluß Das schöne Wort:Tar Der Mensch Doch immer so je st an Dem Boden lieben muß. Denn eigentlich ist der Unterschied zwischen einem Baum und einem Menschen nur der, daß der Mensch s e 1 n e W u r z e l n mit fick', schleppen kann. Mit tiefen unD schweren Wurzeln hängt Doch auch Der freieste und unabhängigste immer au Dem Boden, auf dem er einmal steht."

Ersten Kammer und mit Zustimmung einer 2/s Mehrheit der Zweiten Kammer. Tie Nalionalliberalcn träten für Einführung Desselben ein, obwohl es nicht zu ihrem Vorteil sein werde. Denn die Folge werde eine weitere Radikalisierung und das Aus scheiden der besten Krätte aus dem Volke sein. Er stimme ab.r trotz Dem dafür, uni dem Volke das direkte Wahlrecht zu geben. Es sei als süddeutscher Bundesstaat unsere Pflicht, wie in den Nack: barstaalen Das Direkte Wahlreckst einzusühren. Ties fei aber nicht ohne Konzessionen an Die Erste Kammer zu erreichen. Der Redner erklärt, daß er gegen Den abgeäuoerten Artikel 6/ erlseb- liche Bedenken habe, aber das direkte Wahlrecht sei au di eines Lpscrs wert. Ter Redner wendet sich bann gegen verschieben? Aeußerungen des Abg. Fulda und erklärt, daß seine Partei daS Verdienst beanspruchen könne, die Schöpfer des direkten Wahl rechts zu sein und sie fürchte nicht, bau man sie dafür als Reak­tionäre und Wahlrechtsräuber verschreien werde, sie rodle allein das Beste des Volkes und werde trotz erheblicher Bedenken für Die Annahme der Vorlage eintreten. Er.hosse, daß die Bevöllernng dies anedemicii unD später einmal sagen werde: Ihr habt uns das direkte Wahlrecht gegeben. Euer soll auch Der Lohn sein! (Lebhafter Beifall.)

Abg. Back) präzisiert seine ablehnende Haltung gegen Die Vorlage, bezüglich bereu er mit der nationalen Partei nicht über­einstimme. Er hätte bereits bei seiner Partei die Erklärung ab­gegeben, daß er dieser Vorlage, wie sie in Der Zweiten Kammer gestaltet worden sei, namentltd) wegen der Bestimmung über Das Pluralwahlrecht unD wegen der Wahlkreiseinteilung nicht zu stimmen könne. Auch die Abänderungsbeschllisse Der Ersten Kammer müßten ihn in seiner Haltung bestärken.

Abg. Tr. FulDa roenDet sich gegen Die Abg. Wolf und v. Brentano und erläutert dem letzteren gegenüber, weshalb er ein Gegner dcs Pluralwahlrechts fei. Auch die Ausführungen des Abg. Tr. Cfann sucht Der Redner zu widerlegen, wobei er betont, daß Die nationalliuerale Partei bei Den früheren Wahl- rechtsdebatien eine andere Haltung eingenommen habe als letzt. Tas Volk feiuie die Gründe, welche die Sozialdemokraten zur Ab­lehnung der Vorlage bestimmten und werde sie anch zu würdigen wissen.

Abg. Ulrich: Wenn Abg. Tr. Osann in alle Welt hinaus posaunen will, daß seine Frennbe es gewesen sind, die das dirette Wahlrecht gebracht haben, so soll er dabei nicht vergessen. Daß sie es aud) gewesen ihtb, bte Den 50jährigen eine Toppetstimme oersckasst haben, and) nicht vergessen, Daß itad) Dem neuen Gesetz Derjenige, ber wählen will. Drei Jahre im LanDe wohnen unD Drei Jahre flaatsangeljörig sein muß. (Ruse: Nein, nur ein Jahr!) Durch diese Besttmuiungen wird eine unglaubliche Verschlechterung ber Vorlage herbeigeführt. Ein Derartig verschlechtertes Wahl­recht sei fast fo viel wert, wie überhanpt teilt Wahlrecht, unD man habe Danach kein Redit, von einer liberalen Wahlrechtsvorlage zu lötedjen. In Mainz hätten sich Die schwarzen und die blauen 1 örmlid;) einander ctnsgesrefsen iinD bewiesen. Daß sie politisd)e Jammerknaben sind. Ob die Verbrüderung aber nochmals ge­lingen werde, wolle er abwarten. Herr Bach werde sicher von beit Schwarzen aufgesrefsen werben. Er sei eilt weißer Rabe in seiner Partei. (Heiterkeit.) Größere Herzensschmerzen als Herr v. Brentano habe auch Herr Tr, Osann nicht gehabt. Tas ganze Gesetz sei mir ein Wedßelbalg, den man nidjt leben lassen sollte. Werbe bas Gesetz bennod) angenommen, so werde seine Partei erst recht den Kampf beginnen, besonders gegen Die Beschränkung Des Wahlrechts unD gegen die Kanteten zu Ungunften Der Arbeiter.

Abg. ö i b ajri> wendet sich kurz gegen einige Bemerkungen Des Abg. Tr. Osann unD erläutert seine ablehnenDe Stellung gegen Die Vorlage.

Damit fa.iicHt Die Debatte. Bei Der nun folgenden Ab­stimmung wird ,,uitäd)ft über Die Wahlkreise! nteilung

2lus neuen römische» briesen Wilhelm DonQiimbo^ts.

Tie großen Jubiiäautsfcieilicyieiten unsusst.Hungen, Die 310 m gegenwärtig in den '.uiittelpuult der Sehnsud't so vieler stellen, erinnern uns Teuticrc auch daran, ivas unsere Kultnr Dem Einfluß der ewigen SiaDi verdautt. Seit Winckelmann und Goethe verehrend und baiucr)üllt unter den Zeugen dieser nugeheuren Vergangenheit wauorlien, bi? Stätic, Da Das erste Evangelium grioa,i;ü;er Kmiüi^ciiljcit unD Die Röntischen Elegien entstauben, ein bebeutfames Element unierer geiiiigen Entwicklung geworben. .

Unter Denen, Die nach Goethe Die höchsten Eindrücke und die größte Forderung in 3iom gesunden haben, steht Wilhelm von Humboldt voran. Sein herrlicher Hymnus aus Rom ist der stärkste Ausdruck jener Begeisterung, die der Klassizismus Der Königin unter Den Städten eiugege.i brockte. Neue Briefe Hiim- boldts aus 9loin Dürfen gerade jetzt auf bejonderes Interesse red'Hcn; sie werden uns dargeboten m dem Schlußabschnitt Der großaitigen Verössentliryung neuer Humbolch-Briese an Schiller, Die Friedlich Elemens Ebrard in der Tentschen Ziundschan gibt. Am 11. Mai 1802 teilt Humboldt dem Freunde mit, daß seine Sacr.e entschieden sei nnd daß er im Herbst nach Italien gche. Er hält diese stieise für die Ansbildung seines Geistes für not- rocubig, Da er aber bie großen Kosten für ein solches Umherziehen mit seiner Familie nicht: ganz allein tragen kann, so hat er sich nach Unterslützung umgesehen unD vorn preußischen König eine Stelle als Resident in Rom erhalten. Am 10. Tczcmber schreibt er zum ersten Male aus Der ewigen Stadt. In Der Viila Malta, in Der heute Fürst Bulow wohn:, hat er sich eingerichtet.Tie Lage konnte nicht schöner seyn; von einer ojenen Terrasse neben meiner Stube übersehe ich gauz Rout, und ein kleiner Garten Dabei ist bequem für Die KinDer." In Den Siiiinen, Die stets Dm Blick auf große Vergangenheiten lenken, unternimmt er einsame Spazier­gänge.Ich sage einsame, Denn Das habe ich bisl-er charakterisiifch, unD auf mich von wohltätiger Wirkung gefunDen, daß man unter großen Momenten einsam umljerroam. eit, daß mau sich ebenso seinen Gebauten, seinen Empii:idnngen überläßt, als wäre man in der freien Natur. Tie tiefen Gefühle der Seele zu wecken, nnd von allem übrigen abzuziehen, iit allen grossen Gelehrten eigen: in Nom bewirken es Die ungeheuren Monumente ber neueren, Die rührenden ber alten Zeit, tu Paris, erinnere ich mich noch sehr gut, that selbst das Gewühl, das wie das Bild Einer bewegten Wett bie Einbudungskratt ergriff, dasselbe."

Tas Rom, DaS sich ihm vor mehr als Hunter Jahren Darbot, zwang freilich, fick) in historische Phantasien zu flüchten. Denn überall bot sich Elend im Volt und k'rbärmlmjteit in den Ver- fjältnineii Dar.Ueberhaupt hätte man Unrecht, Rom eine schöne Stabt zu nennen, sie hat kaum einzelne schöne Theile, nur schöne unD große Stücke. Tic Straßen sinD meist eng, es sieht fast überall schniitzig aus, unD Die große Vottsleece wirb Dem Fremoen selbst in Den am meisten begangenen Straßen fühlbar. Ohne ioiidct- lichen prophetischen Geist lässi sich in Der Tyat sagen. Daß tüpm

sich feinem politischen Untergänge nahl. . . Soviel Die Regierung 1 lanD entferne, Das weiß ich nun einmal schon. Desto mehr schlagt erpressen und zu,ammenscharren kann, thnt sie es, wohin sic es I mir ber *w Sam k*;»

rcieber wenbct, ist zweiielhafter, roeiiigjtcns genießt Das Laiib '**"** unD Das Volt schwerlich Diese Summen, bie es mit beii größten Aufopjerungen erschwingt. Seit einigen Jaljreil sinb nun un­glücklich Grnten Dazugewmmen, 1111D so ist jetzt Thrurung uilD EienD anss höchste gestiegen. Es kommt wirklich einer Hungersuoth äußerst nah, mib man fürchtet sogar, Daß die etelliafien Nahrungs­mittel, zu Denen die ärmste Bolksklasse ihre Zuflucht zu nehmen genötljigt ist, im Frühjahr und Sommer eine Epidemie hervor- bringen können." Erlösung von alt Diesen widrigen Eindrücken bietet ihm Roms großartige Landschaft.Weick-e himmlische Natur, rocldyc milde und stille Große, welcher anfpruchlose Reiz! Weiiii Sie eins der alten Gemählde aus den früheren Schulen sehen, voll Einfachheit und Große und fo wie mit nichts gemacht, so gleicht Das immer diesen Gegenden Nirgends ein aufjallcnbcr Gegenstand, nichts, ivas einem Kontrast ähnlich sieht, alles Har­monie und Verschmelzung und Das Ganze entzückenD. Es geht einem hier aber anch wirklich sonDcrbar. Man wirD so von Der Natur, Dem Lande, der Kunst, den Erinnerungen angezogen, daß man total darüber Die Menschen vergißt."

interessanten Gegenstände leihweise dem ')jtufeuni zn überlassen, und auc lönigiii v.icpiiDr.1 hat eine Reihe Reliquien von Der Königin Vittoria nnd von König .. . / j-ung gestellt

mirmachen wer De. Wenn Die Sozialdemotratie nicht gegen Den bisherigen ttjns Der yiekominunitationen ans Der Ersten Kammer ausirat, so habe Das üichts Damit zu tun, Das> man Diese Rekorn- munitaliüiien nicht gesetzttck) fcitlcgen wolle. Weiter meint 9tebncr, Die Ausfiihrungeu Des Staatsmininers über Die Rekommunikatlonen ständen in BdDersvruch zu der srühre.n Begründung der Vorlage. Ter von dec Erjicn Kammer dem Absatz 6 des Art. 67 hinzn- gesügte Satz:Wird das rechnerlsche Ergebnis ans einem von den Ständen noch nicht genehmigten Gcfeße in den Hauptvorau schlag eingestellt, so sck;?iden, sosern das Gesetz nicht angenommen wird, bie hiersür eingesetzten Beträge ans dein Hauptvoransckjiag aus" bedeute eine Verschlechterung der Petition der Zweiten Kammer, die sich damit über die Vormundschaft der Ersten Kammer stellen würde. Der Redner polemisiert dann gegen die jüngiicn Aussdjutzbeschlüsse und die Haltung Des Berichterstatters, Abg. v. Brentano, Dem ja Die Erste Kammer geradezu als ein Ideal --------- .v.- -----... - - ... _ .

erscheine Er erinnere dagegen an die früheren Aussührnngen, iiuc -Loziatbemokraien Arbeiter leien, joudern Dass auch een bnrgec- dcs Zeiümmsabg. Wasservurg. Tic beantragte Stre.chung des licken Parteien zahllose Arbeiter angeboren, Die das gleich? Recht Wörtchenseine vertrauliche Besprechung" zwischeu beioen Aus-1 härten.