W- Jahrgang
Erstes Blatt
General-Anzeiger für Vberyessen
Nr. 81 Erstes Blatt W. Jahrgang Mittwoch, 5. April 1911
W Gießener Anzeiger
ää General-Anzeiger für Gberyessen L-B«
Annahme" -an unjcigen Hotüflonsbrud und Verlag der Brichl'schen Unio.-Bud). und LteindruSerel R. Lange. Redallion, Lrpedition und Bruderei: SKuIstratze 7. "«'< dm
!>"l -Ei°.ag-"s"u'!," Büdingen: Zernlprecher Nr. 50 S-schäsirstell- Bahnhafftrahe <6a. S. Beek.
Die heutige Nummer umfaßt 14 Seiten.
Der Ausstand in Marokko.
Schon seit einigen Tagen weiß man, daß sich im südlichen Marokko, in der Umgebung von Fez eine Anzahl Stämme, wie die Beni M-tir, die Scherarda, die Semmurs usw. gegen die Herrschaft Muley Hafids erhoben haben, weil sic ihm zum Vorwurf machen, daß er ihnen ungerechte Steuern auferlege und sich, ebenso wie sein Vorgänger Abdul Azis, Frankreich völlig in die Arme geworfen habe. Doch haben diese Nachrichten in der Presse bisher wenig Beachtung gefunden, teils weil man weiß, daß die Macht des Sultans bei den Stämmen des Südens immer nur auf dem Papier stand, teils weil bisher mit Ausnahme der Aufhebung einiger im Solde europäischer Staaten stehender Kuriere von einer Schädigung der Euro- väer nicht die Nede war, und sich der ganze Krieg, den Muley Hafid gegen die Rebellen bisher mit abwechselndem Erfolge führte, auf das übliche, wenig gefährliche Flinten- schicßen, das Ausrauben und Ausbrenncn elender Dörfer und das Wegtreiben von Hammelherden zu beschränken schien.
Wurden bisher alle Meldungen, die von Niederlagen Muley Hafids zu berichten wußten, bestritten, so steht es jetzt zweifellos fest, daß die Sultanstruppen tatsächlich von den Aufständischen in einer Reihe von Gefechten geschlagen worden sind. Denn sonst wäre es unmöglich, daß die unter dem Kommando des französischen Cberftlcutnaiit Mangin stehende Truppe von der augenblicklichen Residenz des Sultans, von Fez, abgeschnitten ist, daß die Rebellen durch den Zuzug werterer Stämme verstärkt, in acht Haufen dicht vor den Mauern von Fez lagern, und daß sie sich erdreisten konnten, Muley Ismail, einen Ab- konunen des Sultans Muley Suleiman, zum Sultan auszurufen, also Muley Hasid abzusetzen. Sb es sich bestätigt, daß dieser in seinem Palaste bereits ein Gefangener der Rebellen ist, dessen Ermordung jeden Augenblick zu befürchten wäre, darüber werden erst die nächsten Tage sichere Auskunft geben können. Die Vorausfettung dafür wäre, daß die Aufständischen sich schon des Suttanpalajtes selbst, der allerdings an der Peripherie von Fez liegt, bemächtigt haben müßten, was aber wenig wahrscheinlich ijt, da eine gleichzeitige Kabelmeldung ans Tanger davon spricht, daß man in Fez erst einen Angriff der Rebellen erwarte.
Jedenfalls ist die Lage des Sultaps Muley Hafid außerordentlich ernst. Er muß, falls es nicht Oberstleutnant Mangin gelingt, zum Entsatz yerbeizucilen, tapiiiuiere», da es ihm an Truppen, Geld und Nahrungsmitteln fehlt. Eine Kapitulation bedeutet aber für ihn den Verzicht auf den Thron, wenn nicht den Verlust seines Lebens, und für die in Fez wohnenden Europäer, die schon jetzt bei dem Schcrif, dessen Behausung als unverletzlich gilt, Zuflucht gesucht haben, wahrscheinlrch auch den Tod, da die Rebellen sich schwerlich an das Asylrecht kehren werden, wenn sie die Rechnung mit dem europäerfreundlichen Muley Hafid begleichen. Wir sind in Maroiio also glücklich wieder soweit, wie im Januar 1908, wo Muley Hafid in Fez zum Gegensultan cuusgerufen wurde; nur hat sich die Lage jetzt insofern verfchrechtert, als Frankreich und Spanien inzwischen eine Reihe von Verträgen mit Muley Hafid abgeschlossen haben, auf deren Erfüllung sie bei jebent seiner Nachfolger bestehen müßten. Erklärt sich dieser wieder dazu bereit, so dürste er bei dem Fremdenhaß der Marokkaner nur zu bald das gleiche Schicksal erleiden, wie Abdul Azis und Muley Hafid; verweigert er sie, so werdet: Frankreich und Spanien schon aus Gründen der nationalen Ehre gezwungen sein, gegen die dann einmütig zusammcnstehendcn marokkanischen Stämme einen blutigen und schwierigen, aber keinerlei Gewinn versprechenden Feldzug zu eröffnen. Tenn wenn sie sich für ihre Opfer an Gut und Blut in Marokko schadlos halten wollen, drohen ihnen Händel mit anderen europäischen Mächten, es wäre eine neue Marcuwkonserenz notwendig, und ob es da zu einer Einigung kommt, ist, wenn für Marokko lveiter der Grundsatz der offenen Tür- gelten soll, mehr als zweifelhaft.
Frankreich und Spanien befinden sich also angesichts der ernsten Vorgänge in Marokko in einer recht üblen Lage. Die Schuld daran trifft hauptsächlich Frankreich, das sich für seine marokkanische Anleihe den größten Teil der Staatseinnahmen des scherifischen Reiches verpfänden ließ, so daß dem Sultan keine Mittel zu Gebote srairden, eine ausreichende Truppenmacht zu besolden. 'Wenn Muley Hasid der Schützling Frankreichs war, mußte man ihm in seinen Geldnöten früher beistehen, als es geschah, und nicht die zweite marokkanische Anleihe so lange hinzögern, bis Muley Hafid um Thron und Leven zittern mußte. Wird man jetzt noch daran festhalten können, daß die französifche Truppenmacht in Casablanca die Grenze der Schaujaebene nicht zu überschreiten hat? Wird mau nicht genötigt sein, dein Schützling Frankreichs, wenn er noch am Leven i|t, Hilfe zu bringen, schon um in Marokko weitere Verwickelungen zu verhüten? Mit der französischen Polizeikruppe, die ja aus Tanger zum Erstaunen des diplomatischen Korps abmarschiert sein soll, dürfte man, selbst wenn sie Fez erreicht, nicht viel ausrichten. Man nimmt dadurch nur Tanger jeden zuverlässigen Schutt und dürfte sich dayer, luenu der Aufstand auch den Norden ergreift, nur zu bald genötigt sehen, ein Expeditionskorps in Tanger landen zu lassen.
Ob der uomarfd) der Polizeitruppe nach Fez schon eine Durchbrechung der Akte von Algeciras bedeutet, bleibe baljingeftcut. Jedenfalls aber 1uuf3.cn Franko,en und Spanier, wenn sie ihren Vormarsch von Casablanca und Melitta nach Fez nicht durch den notwendig gewordenen
Schutz ihrer Staatsangehörigen völkerrechtlich begründen önnen, bei den übrigen Mgecirasmächten um ein Mandat dafür nachsuchen. Man wird es ihnen, wie die Verhältnisse einmal liegen, schwerlich verweigern, nur wird man sich von ihnen die Garantie dafür geben lassen müssen, >aß sie sich auch weiterhin an die Beschlüsse von Algeciras gebunden erachten, also die Integrität Marokkos nicht ver- etten und die offene Tür allen Mächten weiter gewähr- ersten. Hier aber erhebt das marokkanische Problem sein Haupt und läßt internationale Schwierigkeiten voraussehen, >ie heute auch nicht einmal angederrtet werden können.
Tanger, 4. April. Meldungen aus Fez vom 29. März besagen, daß seit dem Tage vorher kein neues wichtiges Ereignis zu verzeichnen war. Regen machte militärische Operationen unmöglich. Die Beni Mter suchen andere Stämme aus ihre Seile zu ziehen. Es wird eine Zusammenkunst der Stämme östlich von Fez bei Hayana stattsinden. Tie Umzingelung von Fez wird von den Beschlüssen abhängen, die daselbst gefaßt werden. Tie Stadt ist ruhig.
Paris, 4. April. Mehrfach wird behauptet, daß die vom Minister C r u p i über die Lage in Marokko mitgeteilten Nachrichten sehr e r n st lauteten. „Liberte" will wissen, daß die Regierung glaube, gestützt auf die Ansichten des Gesandten R e g - na ult, daß die aufständische Bewegung gegenwärtig nicht gegen die Fremden, sondern gegen gewisse Kaids und deren Vorgehen gerichtet sei. Falls es dem Sultan gelinge, die Verhandlungen mit den aufrührerischen Stämmen zu einem guten Ende zu ühren, würden die Vertreter Frankreichs sich bemühen, die Aktionsmittel des Sultans zu reorganisieren und namentlich die ihm laut dem französisch-marokkanischen Abkommen vorbehaltene Umgestaltung der Streitkräfte vorzunehmen. Im Falle eines Erfolges des Ausstandes würden alle Maßnahmen zum Schutze der Fremden getroffen. Er st wenn Fez und die übrigen Städte des Innern von den Europäern geräumt wären, würde man ohne Furcht vor fremden - feindlichen Bewegungen eventuell ein direktes Einschreiten unternehmen können. Jedenfalls würde die französische Regierung mit allen ihr zur Veriügung stehenden Mitteln die Autorität Muley Hafids unterstützen und ihm die erforderlichen G e l d v o r s ch ü s s e gewähren. Das Besatzungstorps des Schaujagebietes würde in seinem Wirkungskreis darüber wachen, daß die Stämme treu bleiben. Nötigenfalls würden auch fronzäin'che Schiffe in den atlantischen Häsen Marottas die Autorität Muley Hafids aufrecht erhalten. Tie Truppen deS Obersten Mangin hätten gegenwärtig die Aufgabe, die Ver- bindling zwischen Fez und Tanger zu sichern.
Das Mrtfte Wahlrecht in hesjen.
Aus Darmstadt wird uns zu den gi„regelt Kammer- Verhandlungen geschrieben:
Nach jahrelangen Kämpfen haben gestern die Verhandlungen der Zweiten Kammer über die Wahlrechtsvorlage ihr Ende erreicht und zwar ein glückliches Ende: das direkte Wahlrecht ist gesichert. Der Kampf hat allerdings manches Opfer gekostet, und auch die nationalliberale Partei hatte Bedenken nach den verschiedensten Richtungen, ob die ihr von den anderen Parteien des Landtags und der Ersten Kammer angesonnenen Konzessionen nicht zu große seien, um gegen sie das direkte Wahlrecht cinzutau>cben. Schließlich hat sie sich aber bereit gefunden, auch Nachgaben zu machen, um dem Lande das direkte Wahlrecht zu erkämpfen. Nach Artikel 67 der Verfassung kann ein Gesetz nur zustande kommen, wenn beide Karninern ihm zustimmen: lehnt auch nur eine Kammer eine Gesetzesvorlage ab, so bleibt die Vorlage ausgesetzt. Hiermit ist der Weg einer jeden Gesetzesvorlage vorgezeichnet; sie wird ein Objekt der Verhandlungen der beiden Kammern, und sie endgültig zu verabschieden setzt Einigung der gesetzgebenden Faktoren auf Grund von Verhandlungen voraus. Tie Einigung ist die Unterlage aller gesetzgeberischen Tätigkeit und nur auf dem Wege der Einigung ist zu einem Endziele zu gelangen. So ist denn auch die Wahlrechtsvorlage Gegenstand langjähriger Verhandlungen der beiden hier gleichberechtigten Kammern gewesen: die Meinungen wurden au^getaufdit, schriftlich niedergelegt und in den Ausschüssen verhandelt. Und jetzt ist es zur Entscheidung gekommen. Wer konstitutionell denkt, kann sich nicht auf den Standpunkt versteifen, daß er von der Ersten Kammer das direkte Wahlrecht erhalten werde, ohne daß diese Bedingungen stelle. Es mußte nur erreicht werden, daß diese Bedingungen annehmbare und unvermeidliche waren. Es ist nicht in Abrede zu stellen, daß das Pturauvahlrecht und die Aenderungen der Versassung, wie sie von den Gesetz- gebungSausschüssen der beiden Kammern schließlich sormu- liert wurden, wahrlich nicht unbedenklich erschienen. Hat auch das Pluralwahlrecht bereits eine statte in Sach,en gefunden, und wird auch in Elfaß-Lothringen zur Einführung gelangen, so widerstrebt ihm entfchieoen der liberale Gedanke der Persönlichkeit und Gleichheit eines jeden Staatsbürgers. Auch die budgetrechtlichen Bestimmungen riefen mit Recht gewichtige Bedenken hervor; nicht so sehr der jetzt gesetzlich fixierte Gebrauch, Rückäußerungen der Ersten Kammer zum Voranschlag in der Zweiten Kammer anzunehmen, als das Verlangen der Ersten Kammer, bei Anleihen über 200000 Mark (aber auch nur bei Anleihen- ein volles Mitbestimmungsrecht zu haben. Die Bedenken in dieser Richtung tonnten damit beschwichtigt, aber nicht behoben werden, daß man die Wahlrechtskämpfe in den anderen siiddeutschen Staaten, in Württemberg, Bayern und Baden ins Auge faßte; dort sind weit größere Konzessionen an die Erste Kammer gerade bezüglich des Budgettechts gemacht worden, als in Hessen. Aber es spitzt sich die Entscheidung schließlich dahin zu, ob man dem direkten Wahlrecht Eingang verschaffen wolle trott der Kon- zefsionen, und hier hak oic Ueberzeugung, daß endlich diesem Wahlrecht Raum gegeben werden müsse, den Ausschlag gegeben.
Die elsässische versassungrsrage im £anöesausjd)u6 zu Straßburg.
Straßburg, 4. April. Bei der dritten Lesung des Haus Halts wurde auch die V e r s a s s u n g s f r a g e angeschnitten. Abg. Georg Wolf erklärte: Wenn anitclle des brauchbaren Regie rungsentwurses die vom Zentrum geforderte WahlkreiScinteilung bereinigt werde, würden die Liberalen alles aufbieten, die Reform zu Fall zu bringen.
Abg. Ricklin erklärte im Namen des Zentrums, wenn bas Land die volle Autonomie nicht erhielte, so liege daS daran, daß seine demokratischen Freunde eine republikanische Staatsverfasiimg gefordert hatten. Er erkläre aber, daß die Mehrheit der Bevülke rung nicht für eine Republik zu haben sei. Man könne es der Bevölkerung gegenüber nicht verantworten, die Verfassung ganz abzulehnen. Sie bedeute einen großen Schritt vorwärts, namen: (id) hinsichtlich der drei BundeSratsstimmen. Er halte für seine Person auch die Erste Kammer für notwendig, freilich müsse die Zahl der vom Kaiser zu ernennenden Mitglieder beschrankt werden. Ebenso könne man sich einverstanden erklären mit dem Wahlrewt zur Zweiten Kammer, wenn ihr das Budgetrecht bewilligt werde. Dagegen lehne er die von der Regierung vorgelegte Wahlkreis- . einteilung ab, da diese das Zentrum in die Minderheit bringe und den Sozialdemokraten und Liberalen die Mehrheit gesickert werden solle. Man könne keiner Partei Selbstmord zumuten.
Staatssekretär F r h r. Zorn v. Bulach erwiderte, es sei bet Regierung gar nicht eingefallen, die Wahlkreiseinteilung einer Partei zuliebe zu gehalten. Die Wahlkreiseinteilung sei vertraulich dem Ausschuß mitgeteilt worden und es sei nicht an "tänbig gewesen, biese zu veröffentlichen. Unrichtig sei cö, daß die Regierung sich bemüht habe, einen Sozialdemokraten in den Bezirkstag und Landesausschuß zu bringen. Er selbst nehme teinen Anstoß daran zu erklären, daß allen Parteien, auch den Sozialdeinokraten, eine Vertretung int Landesausjchuß gebühre. Wenn der Abg. Ricklin auf seine Aufforderung, mit Beweisen zu kommen, reo die Regierung sich bemüht habe, einen Svzial- bemotraten in den Bezirkstag oder in den Landesausschuß zu bringen, antworte, das könne er nicht, der verstorbene Staatsrat Gunzert hätte es aber getonnt, so antworte er, der Staatssekretär, man möge ihn nicht zwingen, sich zu äußern, da fonlt bas Ansehen bes verstorbenen Dr. Gunzert sehr herabgesetzt wurde.
Uitterstaatssekretär Mandel: Er habe auf der Trambahn den Sozialbemotraten Peirotes gefragt, was er von der Verfassung halte, und dieser habe erklärt, das PluralwMrecht würde seiner Partei sehr schaden. Die Wahlkreiseinteilung scheine ihm jedoch gerecht zu sein. Darauf scheine die Mitteilung der „Obereßaififchen Landeszeituug" zu beruhen, daß er eingehende Konferenzen mit Parteien gepflogen habe.
Naebne Sinnig morgen vormittag.
Aus Hefjen.
Aus Offenbach retro uns geiajneuen: Wie wir aus sicherer Quelle erfahren, hat der Vorstand der ch r i st l i ch - u n d d e u t sch- sozialen Partei beschlossen, bei der nächsten Reichstagswahl int Reichstagswahllreise Darmstadt-Großgerau feinen eigenen Kan öibaten aufzustellcn, sondern für den nationalliberalen Kandidaten emzutreten. Bei der Erwägung dieses Beschlusses ist man von dem Standpuntt ausgegangen, daß es ratsamer ericfcine, für den Nationalliberalen zu stimmen, als später bei einer etwaigen Stichwahl zwischen den Kandidaten der Fortschrittlichen Volks- partci oder den Sozialbemotraten für den einen oder anderen. Kandidaten sich' entscheiden zu müssen, da man befürchtet, daß Tr. Ofann im ersten Wahlgang unterliegen könnte.
Deutsches Reich.
Ans Korfu in. uuni.u.r xic tnaiier jad)t „Hohen votier n" mit dem tt r o » P r in z e n p aa r ist am Dienstag morgen nach Brindisi in See gegangen.
Auf die vom Magistrat und den Stadtverordneten zu Frankfurt a. M. an den Reichskanzler gerichtete Eingabe bezügl. der W e r t z u w a chs ste u e r erwiderte dieser telegraphisch: Ter Antrag auf Belassung der bisherigen Zureachssteuerordnuitg wird bis 31. März 1012 unter Vorbehalt der Entscheidung für die Tauer der darauf folgenden Jahre genehmigt.
Aus München wird berichtet: Prinz Arthur von Großbritannien überreichte am Tienstag nachmittag dem P r i n z r e g e n t e n den Hosenbandorden und ein Handschreiben des Königs von England, indem dieser seine Glückwünsche zu des Prinzrcgenten 90. Geburtstag wiederholt. Hieran schloß sich eine Galatafel zu 4ö Gedecken, bei der der Prinzregent die Insignien des Ordens trug.
Bei der Abstimmung über die Entschließungen bett. U.nt c r |1 Übung der beschäftigungslos gewordenen Tabakarbeiter stimmte, wie wir zu unterem Reichstagsbericht in Nr. 79 er günzend bemerken wollen, die Wirtschaftliche Vereinigung für die Entschließung der Sozialdemokraten, und nach deren Ablehnung jur bu der 'Aattonatt>bmett. u.
Ausland.
Aus Paris wird gemeldet: Ein unter dem Vorsitz des Präsidenten F a 11 i 6 r e s abgehaltener M i n i ft e r r a t setzte die Abreise des Präsidenten nach Tunis auf den 10. April fest. Tie italienische Regierung ließ die französifche wissen, daß sie zur Begrüßung Falliäres Kriegsschiffe nach ^unis entsenden werde: die italienische Regierung sei der Ansicht, daß dieser Höflichkeitsakt die Bande, welche die Franzosen und Italiener in Tunis verbänden, nur noch enger knüpfen könne.
Ter englisch-japanische Handelsvertrag reuroe am Tienstag unterzeichnet und wird am Mittwoch veröffentlicht.
In der spanischen Kammer besprach der M inifter- Präsident die letzte M i n i st e r k r i s e und führte aus: Ter Kriegsminister hätte den bestimmten Wunsch ausgesprochen, daß die Erörterung über Die ^erreran gelegen beit mögliche kurz gehalten werden sollte, er, der Ministerpräsident, war dem- gegenüber der Ansicht, daß die Kammer über die Ausführlichkeit der Ausfvrache entscheiden mü|)e. Ta eine Einigung nicht erreichbar gewesen sei, so habe er den Abschied des Kabinetts überreicht. Der König habe ihm erneut sein Vertrauen ausgesprochen und er habe daraufhin das neue Kabinett gebildet, in weiches der Kriegs Minister aus den gegebenen Gründen und anbere Minister aus Gesundheitsrücksichten nicht hätten wiedereintreten können. Tas Programm der neuen Regierung sei dasselbe, welches in der Thronrede bargelegt wurde. Tie Ferreraugelegeul-ett jolle m voller Ausführlichkeit gemäß der Geschäftsordnung, aber ohne Miß brauch, erörtert rverden. Er, der SNinisterpräfident, sei überzeugt, daß man die Armee nicht zum Gegenftand von Angrifsen marnen werde. — Der Abgeordnete Asearate lRcpublilaner) wünschte über die Ministertrise eine Anfrage einzubringen, lieber Die An- 1 frage wird weiter verhandelt werden.


