Ausgabe 
7.8.1911 Erstes Blatt
 
Einzelbild herunterladen

Deutscher ltatholikentag.

~ Mainz, 6. Aüg.

Sher begannen am heutigen Sonntag die Verhandlungen der 58. .Hauptversammlung der Katholiken Deutsch­lands. Johnen in den deutschen, hessischen, päpstlichen und den ©tabtfarben, wehen auf den Häusern und Flaggenmasten ziehen sich die Straßen entlang. Guirlanden schmücken die Häuser imb Blumen, Teppiche und Pslanzendekorationen vertE ständig en den Schnruct der Stadt, in die unmütelbar nach Beendigung der HauPtversannnlung am Freitag srüh der Kaiser zur Abnahme der Parade auf dem Großen Sande einziehen wird. Die Feststadt, Und selbst das sestgewohntc Mainz bat einen derartigen Menschen­andrang noch nicht erlebt. Von bekamrteren Persönlichkeiten sind zur Teilnahme am Katholikentag eingetroffen: die Landgräfin QL nm a von Hessen mit ^Gefolge, die Fürstinnen Metternich und Löwenstein, Herzog von Arenberg, die Mastin Quaüt, Löwen­stein, Salm-Salm, Prinz Friedrich zu Solms-Braunfels, Fürst von der Leyen, die Grafen (Halen, Stollverg-Stollberg, Oppers­dorf, Droste-Pischering, PrasclMa, Schönburg-Glauchau, Arco- Zinneberg, Ballestrem, Bodmann, Clatton d'Haussonpille, Rech- berg-Rotenlöwen, Helmstadt, Henckel von Donnersmarck, Wald­bing-Zeil, Landsberg-Sleinsurt, Preysing, Strachwitz, Plettem- berg; die Freiherrn Frankenstein, Gagern, von Ketteler, von Horn­stein, von Hertling, von Loe, von Schorlemer, ferner die Abge­ordneten Trimboi-n, Marx, von Savigny, Erzberger, Schädler, Müller-Fulda, Pichler, von Orterer, Dr. Porsch, Freiherr von Pfet­ten, von Thünefeld, von Hertling, Gisberts, Spahn, Eahensly, Fehrenbach, Rüreu, Heim, Jmbusch, Fritzen usw.

Die geschäftlichen Verhandlungen nahmen heute vormittag **mif einer

nichtöffentlichen Hauptversammlung des Augustiner Vereins

zur Pflege der katholischen Presse ihren Anfang. Diesmal waren es vor allem die Reichstagswahlen, die Differenzen zwischen der Berliner und Kölner Richtung und die Stellung des Zentrums zur Marokko-Politik der Reichsregierung, die zu eingehenden Ber- handluugeu Anlaß gaben.

Im Holländischen Hof fand zu gleicher Zeit eine nichtöffentliche Versammlung des

geschäftssührenden Ausschusses für die deutschen Katholikentage unter Vorsitz des ständigen Kom­missars für die deutschen Katholikentage Grafen Droste zu Vischering statt. In der Versammlung wurde unter allge­meinem Beifall der Reichstagsabgeordnete Graf Galen zum Präsidenten des Katholikentages, der hessische Land­tagsabgeordnete von Brentano (Offenbach) und der .Mün­chener Rechtsrat Dr. Stumpf zu Vizepräsideitten gewählt.

Die Redner für die vier öffentlichen Versammlungen wurden wie folgt bestimmt: Freiherr von Hertling, der die Ketteler- Gedächtnisrede halten wird, Bischof Dr. Faulhaber (Speyer), über .Klerus und Volk", Iustizrat Dr. Trimbvrn (Köln) überSozial polittt", Dr. Schunttmann (Düsseldorf) überEharttas", Ge­neralsekretär Donders (Münster) überBonisaciusvereine", Ober landesgerichtsvat Marx (Düsseldorf) überSchulfragen", Prälat Dr. Giflcr (Chur. i. d. Schw.) überKirchlichkeit und Wissen­schaft", Provinzialpater Kässipe Schönwald) überHeidenmis­sion", Wt Albanus Achachloitner (Emmaus bei Prag) über Christliche Kunst" und Fürst Alois zu Löwenstein überDie Papstsvage". Neben den .Hauptversammlungen werden, wie immer, eine Reihe >von Nebenversammluugen veranstaltet werden, in denen ebenfalls interessante Themata erörtert werden sollen. Für den Kommers der nicht sarbentragenden Verbindungen bat der Ab­geordnete Spahn (Straßbürg) die Prinzipienrede, der Abgeorv- nete Dr. Pfeiffer die Rede auf die Autoritäten übernommen.

Inzwischen waren aus der näheren und weiteren Umgebung, (ans Frankfurt, Wiesbaden, Mannheim, Worms, Limburg, Würz­burg usw. die Tausende und Abertausende Mitglicocr der ka­tholischen Arbeiter-, Handwerker-, Gesellen-, Männer-, Jünglings-, Volks- und kaufmännischen Vereine mit Fahnen- und Musik- tapellen hier eingetroffen. Es liefen insgesamt 222 Extrazüge ein, die ca. 900 Vereine mit etwa 50 000 Mitglickicrn brachten, film 2 Uhr nachmittags durchzog der

F e st z u g im glühender Sonnenhitze die Sttaßen der Stadt. Ganz be­sonders zahlreich waren die badischen, preußische, württembergi- schen und hessischen Vereine vertteten. Am Stadttheater war für die Mitglieder des Episkopats eine Tribüne errichtet, an welcher die Teilnehmer in mehrstündigem Zuge vorbeimarschierten, unter Hochrufen auf den Episkopat. Auf der Tribüne hatten der Bischof Dr. Kirstein von Manrz, der Bischof von Limburg, der Bischof von Speyer, der Bischof von Würzburg, der Bischof von Luxemburg und der dänische Bischof von Euch Platz ge­nommen. Im Anschluß an den Festzug wurden die Arbeiters und Gesellenvereine in die Festhalle, die Stadthalle am Rhein, dirigiert, wo bcr badische (tzroßw ein Händler Kommerzienrat M o l - than und Reichstagsabgeordneter Nebel Ansprachen hielten. Die Versammlung in der Festhalte

(eröffnete Kommerzienrat Mol 1 ha n mit dem katholischen Gruße 'Gelobt sei Jesus Christus". Er führte bann aus, daß nicht rarr der katholisckte Bevölkerungsteil die katholischen Arbeiter tu Mainz willkommen heiße, sondern auch die Evangelischen und die Juden hätten miteinander gewetteifert, die Gäste des Katho- liketttageS herzlich zu empfangen. Er schloß mit den Worten: Möge der Geist eines der größten Bischöfe, die je auf dem Mainzer Bischofsstuhl saßen, dem Mainzer Katholikentag Inhalt und Ge­präge geben. (Lebhafter Beifall.)

Reichstags- und Landtagsabgeordneter Uebel (Iburg) bei- breitete sich über die Sozialpolitik de s Zentrums, die stets im Geiste Kettelers behieb en worden fei. Der große Bisckwf habe zuerst in Deutschland den sozialen Geist geweckt. Durch feine Arbeit seien die deutschen katholischen Arbeiter vor gefähr­lichen Irrwegen bewahrt worden. Die Zentrumsabgeordneten, besonders die Arbeiterabgeordneten, hätten stets in Kettelers Sinne Und Geist gearbeitet und verdienten daher auch für die Zukunft Vas Vertrauen und die Unterstützung der christlichen Arbeitei- schäft. (Beifall.) Nur im christlichen Geiste werde die soziale Frage ihre Lösung finden: ohne Christentum keine gute Sozialpolitik. Auch in Deutschland bestrebe man sich jetzt, die völlige Emanzi- patton des Staates von allen christlichen Grundgedanken durch­zusetzen. Und gerade gegen die katholische Kirche, als das Haupt­bollwerk, sei dieser Kamps gerichttl In der Erfüllung der christ­lichen und nationalen Pftichten dürfe sich kein kattwlischer Ar­beiter von anderen Ständen übet treffen lassen. Wetter befür­wortet der Referent die Uuterstittzung der Jugendpflege, Bekämp­fung der schlechten Lektüre imb Unterstützung derguten Presse" (Sebbafter Beifall.)

Als letzter Redner sprach Pfarrer Dr. Sieben (Deidesheim), lindem er ausführte: Nicht zum Kamps gegen die von uns ge­trennten christlichen Mttbrüder, sind wir zufaurmengekominen. Das genenf tätige Begeifern und Verunglimpfen ubertaffen wir anderen Wir sttecken unseren protestautifcheu Mitbnüdem gern die Hände öttgegen zum gemeinsamen Wohlergehen deS ganzen deutschen Volkes. Wir können die Kluft nicht ausfüllen, die uns trennt ober prüfend Brücken hinüberschlagen, damit gegenfettige Duldung', gegen, eiliges Verstehen und gegenseitige Erkenntnis Platz greife Wir .Katholiken müssen überall in Fabrik, Bureau und Kontor die besten und lebensfrohesten Arbeiter sein. Wir wollen nicht alles dem lieben Gott und dem königlichen Bezirksamtmann über lassen, sondern auch in wirtschaftlichen Dingen voran schreiten Mag dann das Vaterland rufen zum Kampf gegen den äußeren Feind, oder die Strebe zur Verteidigung ihrer höckfften Lebens- choale, wir wcrdmzur Stelle sein. (Lebhafte Beifall.) Und Wenn die Sastachwrometc dröhnt, wird tausendfach der Ihn erschallen. Mit Gott für .König, Kirche und Vaterland (L Hafter Beifall.)

Darauf schloß .Konunerzicnrat Molthau die Versammlung toit entern Hoch auf den Pabst. Am späten Albend sand in der Feststalle die Begrüßungsfeier statt, die musikalische Darbietung tut, Reden des Oberbürgermeisters, des Vorsitzmben des O rts.ru s- fchllsses und auSwarttger Gaste brachte.

Kar lsrnhc, 6. Aug. Als sich heute morgen gegen 5 Uhr fcte Teilnehmer aus Karlsruhe und Umgegend MB Änuer

Katholikentag emschiffen wollten und sich auf dein <-clnu ver­sammelten, brach eine Anzahl der Fahrgäste durchras Deck des Dampfers durch und stürzte in das Innere des Schiffes. Sie wurden zum Teil recht erheblich verletzt. Acht Perionen, pic Arm- und Beinbrüche erlitten, hatten, wurden in Automobilen ins Krankenhaus geschafft: außerdem erlitt eine größere Anzahl leichtere Verletzungen, konnte jedoch die Rheinfahrt mttmackum.

Bund für Reform der Religionsunterrichts.

~ Jena, 6. Aug.

Zu einer bedeutsamen Kmidgebung auf religions-erziebe- rischem Gebiete sind hier eine große Reihe von .führenden Perfön- lichkeiten des öffentlichen Lebens Deutschlands zusammengetreten, irm aus dem Hader und Streit der Parteien heraus die Frage einer Reform des Religionsunterrichts zu erörtern. (Sütberufen wurde die erste Versammlung, die im Volkshause stattsand und überaus zahlreich besucht war, von einem Komitee, dem u. a. Professor Baumgarten (Kiel), Lehrer Bey hl (Würzburg), Professor Peters (Düsseldorf), Professor Rein (Jena), Ober­lehrer Spanuth (Hameln), Pfarrer Lic. Traub (Dortmund) und Professor Weincl (Jena) angehören. Nach einer Be­grüßungsansprache des provisorischen Vorsitzenden Oberlehrers Spanuth (Hameln) hielt Professor Weinel (J<nia- ben ersten Vorttag über das ThemaDer Religionsunterricht in seinem Verhältnis zu Kultur, Wissenschaft und Religion". Der Redner bezeichnete es als Ansicht weiter Kreise, daß zwischen Religions­unterricht und Wissenschaft heute cüt unüberbrückbarer krasser Gegensatz bestehe. In der Tat sei eine Spannung vorhanden, die ihren Grund vor allem darin habe, daß das Christentttm auf Grund der Bibel mit einem antiken Weltenbttde zusammen lebe.

Ter zweite Redner Professor Tr. Rein (Jena) besprach die Forderung der Pädagogik und Psychologie an den Religionsunter­richt. Er hält Bestrebungen, welche aus Umgestaltting dieses Un­terrichts hinzielen, für die wichttgste Reformarbeit im Interesse der Jugend und des ganzen Volkes. Tor heutige, Religions­unterricht sei geradezu erfolglos. Der Redner kam schließlich zu folgenden Forderungen:

1. Ter Lehrer darf unter keinem dogmatischen Zwang stehen. 2. Tie Schule muß vom Katechismus-Unterricht be­freit werden. 3. Der Religionsunterricht soll historisch ge­halten werden, also ein biblischer Und tir cheugeschichtlicher sein, mit religionsgeschichtlicheu Ausblicken auf ben höheren Stufen. 4. Der Religionsunterricht soll enge Fühlung mit der Kunst einhalten, sowohl mit der religiösen Poesie, wie mit ben Werken bet darstellenden Kunst und der Musik. 5. Der Religionsunter­richt schließe sich eng an die natürliche Entwickelung der Kinder­seele an, sei also psychologisch orientiert, wie die anderen. Unter­richtsfächer auch und mache ernst damit.

Ter Vorsitzende erklärte hieraus, die Vorträge seien eigentlich als Stimmungsvorträge gedacht, er wolle aber das Wort erteilen, falls eine Besprechung gewünscht merbe. Es meldete sich Professor Dr. Knopf (Jena), der sich in leidenschaft­lichen Ausfällen gegen den heutigen Religionsuatterricht er­ging und ihn eine Schande für unsere Zeit nannte. Er loanbtc sich überhaupt gegen die Beibehaltung des Religionsunterrichts und ersuchte um Auskunft, wie der Bund sich die zukünftige Stellung der Dissidenten denke. Oberlehrer Spanuth (Hameln) erklärte, daß der Bund wohl staatlichen, allgemeinen Religions­unterricht wünsche, aber den Tissidenteu völlige Freiheit lassen wolle. Eine zweite Versammlung folgt.

Deutsches 8eid>.

Der Kaiser ist am Sonntag um 9 Uhr vormittags in Wilhelm shöhe eingetroffen.

Tie Eintragungen in das R e i ch s s ch u l db u ch ver­mehrten sich im Juli i;m 12,5 Millionen Mark und be­tragen jetzt insgesamt 1092 Millionen.

DerReichsanzeiger" enthält eine Bekanntmachung bett, das Verfahren bei der Anstellung, Kündigung und Ent­lassung von Angestellten und Beamten der Krankenkassen sowie bei Streitigkeiten auS deren Dienst­verhältnissen: ferner Bestimmungen für die von den inländischen Kreditbanken zu veröfseutlichenden Bilanzübersichten.

Auf Veranlassung der Staatsanwaltschaft von Meißen wurde in Nürnberg ein Postfekretär unter dem Verdachte verhaftet, sich des V c r r a te s m i l it«ä r i s ch er G e h e i m - nissc schuldig gemacht zu haben.

Ausland.

Die portugiesische Nationalversammlung be­schloß, daß die Abgeordneten und Senatoren in direkter Wahl gewählt werden sollen.

Die deutschen Studenten sind am Samstag abend in Neapel eingetroffen. Sie wurden auf dem Bahnhof vom Rektor der Universität, den Professoren, Studenten, sowie Ver­tretern der Stadtverwaltung empfangen.

Heer und Flotte.

Kiel, 5. Aug. Das auf den Howaldswerken in Kiel er­baute LinienschiffHelgoland" erledigte die Uebernahme- Probefahrt mtt sehr gutem Erfolg.

Aus Stadt und Land.

Gießen, 7. August 1911.

Das Wetter im August.

Um eine Wetterprognose im landläufigen Sinne für einen ganzen Monat aufzustellen, reichen die meteorologi­schen Erkenntnisse noch lange nicht lffn. Doch ist es mög­lich, aus langjälfrigen Mittelberechnungen, wie sie bereits von zahlreichen Orten vorliegen, den mittleren Ver­lauf der Wettererscheinungen eines Monats festzulegen. Dabei soll hier von Frankfurt a. M. ausgegangen werden, das im tMttelpunkt Hessens liegend in großen Zügen die in unseren Ebenen herrschenden Wetterverhältnisse wieder spiegelt. Auf die Gebirge (Vogelsberg und Odenwald) können die mitgeteilten Zahlen naturgemäß keine Anwen­dung finden. Doch wird mau keinen atlzugroßen Fehler begehen, wenn man für je 100 m Aufstieg etwa 0.5° Tempe­ratur abnahme rechnet. Die mittlere Tageswärme, die am 1. August 18.8° beträgt, verändert sich bis zum 15. ganz unerheblich und schwankt zwischen 18.5° und 19.2° hin und her. Erst am 31. Aug. werden 17.0° erreicht. Die mittlere Wärme deS ganzen Monats beträgt 18.3° (Weilburg 16.7°). Die mittlere Nachmittagswärme berechnet sich zu 23.8° (Weil­burg 21.8°), sie finkt von 24.4° am 1. Aug. bis 24.4° am 31. Aug. Der absolut wärmste 9Lachmittag von 18571907 war in Frankfurt, wie überhaupt in Mitteldeutschland, der 18. Aug. 1892 mit 36.8°: die kühlste Nacht mit 5.0° am 28. Aug. 1864. Frostnächte kommen noch nicht vor, doch kann bereits in frühen Morgenstunden in höheren Lagen Reifbildung beobachtet lverden. Im Mittet des ganzen Monats haben die Nächte eine Temperatur von 13.7° (14.1° am 1. Aug, 12.6° am 31. des Monats). Von großer gesund heitlicher Bedeutung sind die Schwankungen, denen die Tem peratur im Verlause des Tages unterliegt. Bei gleichen Mitteltemperaturen kann an einen Ort die Morgentempe­ratur viel tiefer liegen als am andern, wenn die Nach- mtttagswärme entsprechend anfteigt. Sehr große Dages- schwankungen bedingen ein Erkältungsklima, sehr geringe Schwankungen bei hoher Wärme wirken erschlaffend. In unserer Gegend hat der August eine mittlere Schwankung von 10°, die vom hygienischen Standpunkt als normal be­zeichnet werden kann. Doch kam 1859 eine Schwankung von 20.1° vor, iüäl)renb 1907 dem eine außergewöhnlich Seine Schwankung von O.o° entgegenstand wie im tropischen Klima.

Was die Sommertage anlangt (Tagesmaxtmnm noi-r 25°), so können durchschnittlich int August 11.3 Tage er­wartet werden. 1857 unb 1859 fanden sich aber 26 Sommer­tage, während 1896 kein einziger Tag über 25° Wärme beobachtet wurde.

Der Nebel nimmt jetzt bereits langsam zu und mahnt an den kommenden Herbst. Der nebelärmste Monat ist der Juli mit 0.4 Nebeltagen im Mttel, während der August bereits auf 0.9 Nebeltage steigt; 1875 wurden sogar 6 Tage mit Nebel beobachtet. Für die Gegend um Gteßeu muß mit einer merklich größeren Anzahlvon Nebel­tagen gerechnet werden. Trotz dieser metst am Morgen vorkommenden Nebel kann der August als der heiterste Monat im Jahr angesprocheu werden, der 6.8 heitere Tage im Durchschnitt äufweist (Dezember nur 2.5).

Um die gegenwärtige Trockenheit in ihrer ganzen Aus­dehnung abzuschätzen, genügt der Hinweis, daß im Mittel der Jahre 18571907 der Juli die größte Regenmenge von allen Monaten im Jahr mit 73.0 mm ausweist. Im August wird es nach den Mittelberechnungen irodener als im Juli (aber hoffentlich nicht in diesem außergewöhnlichen Sommer) und es werden nur noch 59.2 mm Regen beobachtet.

Auch die Gewitter nehmen jetzt allmählich ab. Von 18571907 wurden insgesamt 238 Gewittertage im Juli, 192 im August beobachtet. Damit verringert sich auch die Hagelgefahr, die am stärksten im April (62 .Hageltage) vorhanden ist. Im August kamen insgesamt nur noch 15 Hageltage vor. Diese Erscheinung hängt mit der allmäh­lichen Erwarmung der höheren Luftschichten zusammen, wäh- rend die Temperatur am Boden schon wieder im Sinken be­griffen ist. Tie gleichmäßige Durchwärmung der Luft- schichten Ibis in große Höhen ist der Entstehung von Gewittern und Hagel nicht günstig.

* Die elektrische Straßenbeleuchtung wird in folgenden Straßen noch vor Anfang deS Winters fertiggestellt werden: Bahnhofstraße: West-Anlage, zwischen SelterSweg und Unterführung bei GeilfuS; Liebigstraße, zwischen Frank­furter Straße und Bahnhofstraße: Frankfurter Straße, zwischen Liebigstraße und Selterstor; SelterSweg; Neuenweg; Neuen Bäue; Ludwigsplatz; Am Brand; Neustadt; Sonnenstraße; Walltorstraße, von ?lstecweg bis Nord-Anlage.

* * Vom gemeinnützigen Bauverein in Gieß en wird uns geschrieben:

Wie aus der Presse ersichtlich, ist es in der letzteir Stadt­oerordnetensitzung zu einer lebhaften Erörterlmg zwischen Herrn Oberbürgermeister Mecum und Herrn Stadtverordneten Justizrat Grünewald wegen der Geländebeschassung des gemeinnützigen Bauvereins gekommen, die, wie nach der Erklärung des Herrn Grünewald vermutet werden darf, nur durch mißverständliche Auffassung hervorgerufen werden konnte.

Als Vorsitzender des Allfsichtsrates der gen^einnützigen Bau­genossenschaft, c. G. m. b. H., Gießen habe ich dazu Folgendes zu erklären:

Herr Justizrat Grünewald, auf dessen Mitwirkung bei dieser so eminent sozialen Frage man nicht verzichten zu sollen glaubte, war ebenso wie mehrere andere Stadtverordnete durch einmütigen Beschluß von Aussichtsrat und Vorstand unserer Baugenossenschast gebeten worden, sich unseres mit Herrn Oberbürgermeister Mecum vereinbarten Projektes anzunehmen und ihm über in irgend einer Instanz vorhandene oder entstehende Schwierigkeiten energisch hinwegzuhelfen. Herr Justizrat Grünewald war also ermächtigt im Interesse des Fortganges unserer Sache, alle ihm geeignet erscheinenden Schritte zu tun. Dies um so mehr, als bte letzte Sitzung vor den Stadtvcrordnetenferien bevorstand und uns bei einer Vertagung bis znm Herbst nochmals kostbare Wochen ver loten gegangen wären, wie es bereits bei einem ersten Projekt, das an Einsprüchen scheiterte, geschehen war. Unter allen Um- ständen mußte das jetzt vermieden werden.

~ Weshalb gerade Herr Oberbürgermeister Mecum und Herr Stadtv. Justizrat Grünewald, die wir beide in diesem Falle Hand in Hand gehen zu sehen hofften, in erregte Erörterungen geraten mußten, ist uns als Nichtteilnehnier an der betreffenden Sitzung unbekannt.

Jedenfalls sind wir den Herren des StadtverordtletenkollegimnS die sich für unsere Sache interessiert, herzlich dankbar, insbesondere aber auch Herrn Oberbürgermeister Mecum für die außergewöhnlich wirksame Förderung, die er unserem nun ja auch genehmigten Projekt hat zit teil locrben lassen und für das warme Interesse, das er unseren Absichten jederzeit entgegengebracht hat.

Gießeit, ben 7. August 1911.

Der Vorsitzende des Anssichtsrates der gemeinnützigen Baugenossen­schaft e. G. m. b. H., Gießen, Adolf Klingspor.

* * Ueber den Sommer des Jahres 1719 be­richtet eine alte Aufzeichnung aus dem Vogelsberg:Weil in diesem Sommer eine so große Dürre in ganz Europa eingefallen, daß bom Mai, Juni, Juli, August bis 13. Sept, es an vielen Orten gar nicht geregnet, so sind viele Birnnnen und Bäche vertrocknet, daß viele Mühlen nicht mahlen konnten und an vielen Orten ein großer Jammer gewesen ist. Nicht viel Heu und Grummet hat es gegeben. Die Mesen und Gärten waren dermaßen ausgebrannt, daß so große Msse darinnen waren, daß man Hände und Füße konnte hineinstecken."

* * Der Verein ehemaliger 116er hielt ein Familienfest auf der Liebigshöhe ab, z-u dem auch zahl- retche Offiziere, Unteroffiziere und Mannschaften des Kaiser- Wil Hclni-Negiments erschienen waren. Bei Konzert, Preis- schießen, Kinderspielen und Tanz verlies die Feier seht schön.

* * Die B c w ohne r der Neustadt veranstalteten aus Freude über das Verschwinden derKracheburq" ein Kirmesfest.

3m städtischen Freibad an der Lahn rettete der Geschäftsdiener Arthur Pitz in Gießen am SamStag vor­mittag den 10jährigen Karl Wagner dahier mit eigener Lebens­gefahr vom Tode deS Ertrinkens.

" Der Rückgang deS Pilzreichtums in zahl­reichen Forsten hat zu der Maßnahme geführt, daß die Forst- bearnten angewiesen sind, strengstens darauf zu achten, daß die Pilzsucher die Schwämme nicht mit den Wurzeln heraus- ziehen und damit den 9!achwtlchs schwer beeinträchtigen. Die Pilze suchenden Personen sollen angehalten werden, sich bei ihrer Arbeit emeS Messers zu bedienen.

Maul- und Klauenseuche. Erloschen ist die Seuche im Schlachtviehhofe zu Magdeburg am 1. Aug. d. I.

Ter Ausbruch der Seuche ist gemeldet aus Dtagde- bürg (Schlachtviehhof) am 3. August d. I.

+* Ein Eselprozeß. Ein hiesiger Eselbesitzer ver­handelte eures der Grautiere für 200 Mk. an einen Gasb- wirt. Der Esel wurde auch geliefert, aber der Schmied, der das Trer für den Gastwirt beschlagen sollte, machte diesem den Handel leid, in dem er den Wert Hes Esels niedriger au setzte. Er sei auch mit allem Möglichen behaftet. Der Gastwrrt hatte inzwischen das Eselchen einem Kollegen für einige Tage zum Fahren überlassen und als es dieser zairuck- brachte, erhielt er die Weisung, es dem Verkäufer nur zilrück zu bringen, da der .Handel rückgängig gemacht sei- Dvs Grautier wurde also wieder bei feinem alten &erru iA