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7.1.1911 Erstes Blatt
 
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Die heutige Nummer umfafjt 14 Seiten.

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auf slugted;- Materie, die hinter seinem mir den Gc- dicsem neuen

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daß Sie lediglich das tun, was ich Ihnen sage."

Nachdem ich dieses Versprechen bedingungslos gegeben hatte, erfolgte eine Woche hindurch theoretischer Unterricht mit an diesen anschließenden praktischen Exerzitien an dem stehenden Flugappa­rat zur Erlernung der Landgriffe, mit dem Erfolg, daß meine Nachtruhe allmählich anfing, erheblich dadurch gestört zu wer­den, daß ich im Geiste ansing, zufliegen d. h das im theo- retischcn Unterricht Erlernte fortwährend zu überdenken.

Mein Lel/rer äußerte sich über diese Erscheinung redtf be­friedigt, denn er an ernte, erfahrungsgemäß Härten seine bisherigen SdMer ähnliche Anzeichen von Dllagen und Passion gezeigt, es

pditifcbe wochenscixin.

Gießen, 7. Jan.

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Tie bemerkenswerten Fortschritte Frankreichs nischem Gebiet, ein lebhaftes Interesse für diese Emp Ladung schließlich, daß Deutschland nicht langer westlichen Nachbarn zurüaitehen dürfte, ließen in danken reifen, mich durch persönliche Erfahrmrgen Gebiete menschlicher Erfindung zu nähern

So kam es, daß ich eines schönen Tages im November 1910, nachdem ich Eulers Flügen und Gleitlandungen mit ebensoviel Bewunderung als Andacht zugesehen, auch seine Apparate im Detail besichtigt Halle, an diesen, etwas schüchtern zwar, die Frage richtete, ob er mir wohl das Fliegen beibringen wollte?

Euler sah mir eine' kurze Zeit gerade in die Augen, erklärte dann kurz und bündig:Ja! Aber nur unter der Bedingung,

Damit war für heute die Besprechung mit der Regierung erledigt. Der Ausschuß nahm dann eine Abstimmung über Die bereits vorberatenen Kapitel vor und genehmigte ein­stimmig die Kapitel 1, 3, 5, 6 (Domänen des Großh Hauses) weiter Kapitel 7 a, 8, 9 (Braun kohle n-BergwerkGute Hoss- irung", Bad-Nauheim usw. und Samenttanganstalt Ham­melsbach), Kap. 11 (Lotterie), Kap. 13 (Landstände, wofür im ganzen 132 658 Mark gegen 142438 Mark im Vorjahr angefordert werden, wobei aber bemerkt werden muß, daß 14 000 Mark infolge der von der preußisch-hessischen Eisen- bahngemeinscl)aft bewilligten Freifahrlarten der Abgeord­neten in Wegfall gekommen sind, so daß nicht, wie jungst in mehreren B Litern behauptet wurde, eine Er p rn s son- öern eine Mehrausgabe von 4000 Mark für die Zweite Kammer zu verzeichnen ist), ferner die Kapitel des Staats- Ministeriums 1422 mit Ausnahme des Kap. 17 über die Ober-Rechnungskammer an.

zu hören dann ein

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Zwischen Himmel und Lrde.

Dieser Artikel erscheint heute in derAllgemeinen Automobil- Zeitung". Tort ift er mit P. H. gezeichnet. Hinter dieser Ehlssre verbirgt sich, wie sich dem Kundigen aus dem Inhalt des Auf- satzes ergibt, Prinz Heinrich von Preußen.

August laß das Fliegen sein",Lerne fliegen ohne zu flogen ' und ähnliche Redensarten waren in einem im südlichen Deutschland viel verbreiteten Blatt zur Zeit der3la" im Jahre 1909 zu lesen.

Man ärgerte sich und schien es Herrn August Guter nicht verzeihen zu fönnen, daß er als einziger, damals in Frankfurt am Main erschienener, deutscher Flieger weniger leistete als seine ausländischen Kollegen.

Tas Bedauern über Eulers geringe Erfolge haben damals Wohl viele geteilt, nur verstand sich fast niemand dazu, diesem ^einzigen" deutschen Flieger, außer herben Kritiken, auch mit Aal und Tat zur Selle zu stehen.

Dem ungeachtet gelang es diesem zielbewußten Manne, in stiller Zurückgezogenheit auf demGriesheimer" bei Darmstadt, vhne Reklame, aber moralisch in dankenswertester Weise vom kommandierenden General, Exzellenz v. Eichhorn, unterftüßt, seinen demVoisintyp" verwandten Flugapparat stetig zu ent­wickeln.

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Weiter wurden genehmigt die Kapitel 38 (Gymnasien, Ober-Realschulen usw ), Kap. 39 (Höhere Bürgerschulen) und die Kapitel über Oesfcnlliche Gesuirdd« . ' närtoefen (53LO), sowie die Kapitel Jnva.idenoersorgung 29 150 Mk., Armenpsloge 102 663 Mk., StaatsunterstützungS- wsse 37 650 Mk., Bankbesoldungsfonds 5000 Mk., Organe ,ür Unfall- und Invalid.nver.icherung 71 8 Mk, Arb.rter- i'olonie und Arbeitsnachweis 9000 Mk., Landeskreditkasse

Lehrer doch gleich knattert der Motor von neuem los, und nach einigen weiteren Sprüngen von 100 Meter hat diese Lehr- ahrt ihr Ende erreicht. Ihr schließen sich dann noch lehrreiche! Ermahnungen sowie Erklärungen seitens des Lehrers an, der den Wunsch seinem Sckchler nabe legt, dieser möge dock; in Zu­kunft das Erlernte besser beherzigen und nicht im entscheidendes Augenblick alle guten Lehren durcheinanderwerfen.

Es folgte nun noch eine foldjc Fahrt, aber mit besserem!' Resultat, und dannadieu Lehrer, adieu Erde!"

C([ler hat mir später erklärt, er begleite seine Schuler grund­sätzlich nicht auf diesen Erstlingsfahrten, da sie des Gesahrmornentes Mr Schüler wie Lehrer nicht entbehrten. Ich konnte ihm hierin nur recht geben und bin ihm dementspreck-end dankbar, daß eck bei mit eine Ausnahme machte.

Zu den dann folgenden Flügen wurde lediglich die einsitzige Lehrmaschine beirutzt, auf der ich anfangs noch einige beklem­mende Augenblicke erleben sollte.

Es ist ein eigen Ding, von jeder menschlichen Hilfe losgelöst, gestützt auf lediglich theoretisch Erlerntes, ohne praktische Er­fahrung, sich einem Apparate anzuvertrauen, der dazu dient, den Menschen von der ihm vertrauten Erde in den Weltenraum zu führen mll dem Bewußtsein, daß Fehler ober Vergeßlich­keiten zu Kalastrophen führen können, und ich gestehe ganz offen, daß, trotz allem Widerstreben, die vielen Unglücksfälle der letzten Zeit immer wieder vor mein geistiges Auge traten und ich daher meiner ganzen Willenskraft bedurfte, um die Anfangsstadien des Lernens zu überwinden.

Noch schlimmer aber sind sicherlich die Gedanken gewesen, welche sich mein gewissenhafter Lehrer madyte, und mögen Lehier- stolz und Verantwortungsgefühl oft zueinander in Widerspruch gestanden haben.

Doch zurück zur Lehrbahn! Tie Lehrmaschine stand ordnungs­mäßig, in allen Tellen revidiert, in Position, der Motor lief, das ZeichenLos!" wurde gegeben, und rollend, springend, ja sliegend bewege ich mich mit ihr die Lehrstrecke hinunter da plötzlich gelungen keine Berührung mit der Erde mehr im Gegenteil, der Apparat bewegt sich mit erstaunlicher Ge­schwindigkeit von der Erde fort; eingedenk der Ermahnung, nach dem Verlassen der Erde diese sofort wieder zu suchen, steuere ich nach unten das Ende der Lehrstrecke, wo schulmäßig ge­landet werden muß, ist nicht mehr fern, der Apparat steuert zwar nach unten, macht aber zugleich Bewegungen, die ich mir nicht erflären kann, die mich beunruhigen ich habe die Emp­findung, daß die Zugmaschine mit mir durchgeht, ein Busch taucht in mir gefährlich erscheinender Nähe aut Wie hoch ich bin, weiß ich nicht die Angaben der Augenzeugen schwankeir zwischen 7 und 12 Metern, einerlei die Vorwärtsbewegung muß gehemmt werden. Ein Ruck am Äurzschlußhebel der Motor

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«und ein Tänzchen zu machen. Das nannte man originelles" Erlebnis. Ein Brockenaufstieg nach einem politischen Fernblick wäre vielleicht zweckmäßiger. Tic innerpvliiischen Brockengespenster haben zwar noch dasselbe höhnende Aussehen wie vor einem Jahre, aber am Horizont der Auswärtsgesckichle zeigt sich ein anderes Bild Me schwer ist es doch, die verivorrenen Fäden der gegenwärtigen Staatengeschichte so zu verfolgen, daß ein ganz klares Bild von Bestimmungen und Tendenzen der Völker vor uns ersteht. Was vor einem und zwei Jahren die Sorgen bei auswärtigen Stornier ausmachle, ist heute wie Nebel zer­ronnen Vor zwei Jahren verlas der Kaiser beim Neu- .jahrsempsang der kommandierenden Generale den Aufs tz des jetzigen Generalseidmarschalls Grafen Sck)liefsen, d r in derDeutschen Revue" jenes düstere Weltbi.d gemalt hatte, aus dem Deutschland und Oesterreich rings von F.in- den umgeben erschienen.Rußland wird ebenso durch die ererbte Antipathie des Slawen gegen den Germanen, tm überlieferte «Shmpathie mit den Romanen wie durch sein Anleihebedürfnis an dem alten Verbündeten festgehaitei und wirst sich iekt auch noch der Macht in d e Arme, die ihm am meisten schaden kann". Das war die Meinung in den deutschem regierenden Kreisen, und in der Presse schloß mai sich dieser Auffassung im allgemeinen an. Hat seit 1903 bi Kunst der Staatsmänner eine völ.ige Umwälzung verwirk licht, oder war der Satz von derererbten Antipathie dec Slawen gegen den Germanen", die von Bismarck ^jedenfall. nicht so ängstlich in seine politische Rechnung gestellt wor den ist, ein Irrtum? Wir sind heute den Bismarckschei. Richtlinien wieder näher gekommen, weil die Kräfte ge wechselt haben. Nickt als ob man von genialen Tater. Per Staatskunst sprechen könnte: der Meister, der noch 190 die Fäden spann, König Eduard, fehlt, und die Wege sin. nicht mehr künstlich gesperrt, die diplomatischen Siege könnei heule leichter errungen werden. Fürst Bülow und Jswolsk haben den Schauplatz verfassen. Wenn der französische Mi­nister Pichou im Sommer 1903 über die damalige Be

gegnung des deutschen mit dem russischen Sei,"er imj,.Tcmps noch ^erklären lassen konnte, ,pie Beziehungen der Mächte feien durch dauernde Faktoren geregelt, der Zweibund uni die englische Freundschaft seien für Rußland unentbehr liche Vorbedingung seiner guten Beziehungen zum Drei bund", so muß er sich heute aus Petersburg anders be lehren lassen. Rußland scheint die Londoner Poli.iker mit ihren eignen dringlichen Angelegenheiten allein lassen z wollen, und Herr Sasonow schlägt in die deutsche Bruder Hand ein.

Jetzt kann Herr v. Kiderlen-Wächter, dem man Bismarck- sche Traditionen zuschreibt, zeigen, was er kann. Ein An­fang ist gemacht. Deutschland und Rußland verpflichte) sich, keiner Verbindung beizutreten, die gegen eines de beiden Länder einen Vorstoß unternehmen würde. Her v. Bethmann-Hollweg darf diese Abmachung als einen Er folg buchen. Die ewige Berufung auf Italiens Bundestrem mar nicht mehr glaubwürdig und auch nicht zugkräftig in deutschen Volke. Aber man ist noch nicht am Ende. I,

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2lu$ dem hessischen Finanzausschuß.

Darmstadt, 6. Jan. Die heutige gemeinsame Be ahm3 des Finanzausschusses der Zw Leu Kammer ult der Regierung, für welche die Herren Minister v. Ho m - iergk und die Geheimerüte Dr. Becker und Süffert, owie Oberschulrat Block zugegen waren, dauerte nur etwa nderthalb Stunden. Es wurde zunächst über die Schul apitel des Staatsvoranschlcgs verhandelt. Kap. 38, Gym- tasien, Realgymnasien, Oberreal- und R e al- chulen, sowie pädagogische Seminarien, weist eine Ein lahme von 2 055 420 Mark und eine Ausgabe von 3 0 !5 330 Wart aus, erfordert mithin einen Staatszuschuß von 979 90. JZarE. Vom Ausschüsse wurden die Vertreter an das im origen Jahre an die Regierung gerichtete Ersud^n erinnert, em Landtag demnächst einen Gesetzentwurf vorzulegen, der jie Beitragspflicht der Gemeinden zu den Kosten der höheren sei dies eben eine unvermeidliche Vorbedingung zum Erlernen der Fliegerkunst.

Der Unterricht umfaßte, außer der Aufzählung aller vor- komNienden sonne möglichen Gefahren, auch einige Rundgange unr denGriesheimer" zum Erlernen derPlatzkunde", wobei aller Hindernisse, wie Düsck)e, Bäume, Deobachtungsstände, Stangen usw. mit ihren ortsüblichen Namen bezeickmet wurden, unter denen der am Anfang, zur Linken der Lehrstrecke, gelegene sogen. Stabsoffizier-Kirchhof" einen besonders ermutigenden Eindrucks auf den gelehrigen, aber )d)üdUentcn Schüler machte.

Nach Verlauf einer Woche des tbeoretifdyen Unterrichts folgte ein mündlich-theoretisches t'ctoie praktisches Examen an demkalten" dipparat, mit dem Endresultat, daß mein gestrenger Lehrer meine Kenntnisse alsgenügend" und mich für reif bezeichnete, das Erlernte in die Tat umzusetzen.

Zuvor erfolgte dann noch ein Passagierflug unter Eulers Leitung zur Vervollständigung der Platzkundevon oben" und zur Beobachtung der beim Fliegen erforderlichen Handgriffe.

Nach Erledigung dieses Fluges stellte mein Lehrer an mich die Frage, ob ich gut ausgepaßt, alle seine Bewegungen beobachtet e-.nd dementspreck)end zu mir das Zutrauen batte, die ersten selbständigen Versuche mit der Lehrmaschine *u machen. Alle diese Fragen beantwortete ich mit einem lauten und vernehmlichen,TZa".

Hatte ich damals geahnt, welck-e inneren Konslikte ich noch zu überstehen haben würde (ick) bin 48 Jahre alt), habe Frau und Kinder! Ties zur Kenntnis und milden Beurteilung von feiten jener, denen die Kunst des Fliegeirs in Fleisch und Blut übergegangen ist) ich glaube, ick) wäre meinem Vorsatz, das Fliegen zu erlernen, in der elften Stunde doch noch untreu ge­worben.

Jedoch die Würfel waren gefallen nun hieß es los. Tieielbe doppelsitzige Maschine, mit der wir unseren Passiagier- ftug beendet hatten, wurde in Position gebracht, und ich erklomm mit einigem Herzklopfen den Apparat, nachdem ich zuvor meinen Lehrer beschworen hatte, mich auf diesem meinem ersten Gange zu begleiten, wozu dieser sich nach einigem Zögern weshalb, ludiroe mir später klar liebenswürdigerweise bereit erklärte.

Id) ergreife die Steuerhebel der Motor wird mit vielem Glucksen" angedreht, er rast und knattert ich erhebe die linke Hand zum Zeichen des Loslassens für die Haltemannschaften der Apparat setzt sich sofort in Bewegung kaum weiß ich noch, ob die linke Hand das Seitensteuer, die rechte das Hohensteuer bebt ent oder umgekehrt, der Apparat neigt sich unheimltch schnell mit seinem Kopfende dem Erdboden zu, als wolle er sich in die Erbe einbohren, zwei kräftige Fäuste, nicht die meinigen, ergreifen blitzschnell den Hohen steuer- und Kurzschlußbebel, der Motor stoppt die Flugmaschine hebt ihren Kops und ge­horcht momentan, ein gepigiged Werkzcug, ihrem Meister, meinem

Schulen einer Neuregelung unterzieht. Geheim erat Süf­fert beantwortete dte Anfrage dahin, daß fjf?rt nach Ein­gang des Beschlusses beider Kammern die Regierung die erforderlichen Vorarbeiten in die Wege geleitet fpbe Eine abschließende ge etz.iche Regelung dieser Materie h^be aber viele schmierige Fragen zu erledigen, so vor allem die Art der Beitragspslicht der Gemeinden, die bei der großen Ver­schiedenartigkeit ihres ganzen Fiuanzgebahrens doch nicht auf einer einheitlichen, schematischen Grundlage zu den Kosten der höheren Schulen herange^ogen werden könnten, weil dadurch verschiedenen Gemetnden unerschwingliche Lasteir auserlegt werden würden. Die Vorarbeiten würden 1 immerhin noch eine gewisse Zeit in Anspruch nehmen, und es werde daher voraussrchtlich erst im nächsten Landtag der Regierung möglich werden, eine diesbezügliche Vor­lage einzubringen. Das Kap. 39, Höhere Bürger­schulen, erfordert eine Ausgabe von 140 146 Mark gegen 142 336 Mark im Vorjahre Hier hat die Regierung, tuie im vorigen Jahr, so auch im neuen Haushalt den Staats­zuschuß für mehrere Gemeinden in Fortfall gebracht, und für Beerfelden i O., Reichelsheim i. O., Rimbach, Hungen (Oberhcssen) und Wöllstein ,Rheinhessen). Für d e Gemein­den Groß-Umstadt, Rüsselsheim und Sprendlingen i|t der Staatszuschub schon vom 1 April 1910 ab mit Genehm gung der Landstände gestrichen worden; für die Gemeiiide Butz­bach ist ein solcher nicht mehr nötig, da die dortige Schule am 1. April d. I. einneht. Wie der Staatsvoranschlng fest­stellt, werden die Gehälter der höheren Bürgerschulen für oier Lehrer an der Anstalt zu Dieburg, für je zwei Lehrer der Anstalten zu Groß-Gerau, Langen, Neu-Isenburg und Bad- Nauheim und für je einen Lehrer an den Anstalten in Friedberg, Lauterbach, Sck)otten und Ober-Ingelheim, sowie für eine Lehrerin in Alsfeld von den Anstalts- oder ^emeindekassen allein aufgebracht. Der Regierungsver- tretcr legte in der Ausschußsitzung eingehend die Gründe für die Streichung des Staatezus.husses dar, bemerlte aber ausdrücklich, daß mit dessen Entziehung natürlich nicht ein Eingehen dllser Anstalten herb.igeführt werden solle.

unserem auswärtigen Amte scheint man mit Geschick fcic Stärke des Bündnisses mit Oesterreich ausgespielt zu haben; letzt heißt es, die Kette zu schließen und Pe.ersburg mit Wien zu versöhnen Wiederum tauchte in der Presse das Gerücht vom Rücktritt des Grasen Aehrenthal auf, das jüngst von unserem Mitarbeiter erwähnt und von uns b zweifelt wor­den war. Wir glauben aud) heute noch nicht daran. Daß russische Wünsche auf den Sturz des bewährten österr'ichi schen Staatsmannes gerichtet sein mögen, ist ja begreiflich Aber die geschickte sachliche Führung der neuen Ziele wird die Klippen wohl aus dem Wege räumen können.

Die gestrige amtliche Erklärung in der ^Norddeutschen Allgemeinen Zeitung" über di.' Ostmarkenpolitik der preußi schen Regierung hat nod) keine vol.ige Klarheit geschaffen Die Staatsre. ierung Li ft keine allgemeine En schoidung durch welche ein von ihr selbst herbeigeführtes Gesetz annul­liert wird. Beschlüsse über spezielle Fälle, in denen die Anwendung des Enteignungsrechts in F age Lmmt, steh n nod) aus". Man kann aus diesem Wortlaut vielleicht an­nehmen, daß Herr v. Bethmann-Hollweg auch heute nod) die Schaffung des Enteignungsgesetzes, bei der er selbst mitgewirtt hat, für gerechtfertigt Ijält. Warum aber eine so unbestimmte Auskunft, nachdem in der Presse feit langer Zeit von einem Verzicht aus die Anwendung des Ge etzes gesprochen worden war?Beschlüsse über spezielle Fülle stehen nod) aus." Wenn der Ansiedlungsausschuß inen bestimmten Antrag gestellt hat, so ist das Hangen tnd Bangen in schwebender Pein dock; gar nicht zu ver­gehen. Warum füllt ein Beschluß dann so sck>wer? W.r önnen vorläufig nicht daran glauben, daß die Regierung ms Rücksicht auf das Zentrum von einer folgerichtigen Haltung in der Polenfrage Abstand nehmen will. ,Der Kanzler hat doch sonst Charakter und Willen g?z:igt, wenn man von Schwanläingen in der Behandlung Elsa)z-Loth- ingens absieht. Aus purer Inkonsequenz verleugnet er feine früheren Bestrebungen gewiß nicht. Sol te man wirk- ich in einer schwachen Stunde Oesterreich gegenüber Zu ,'icherungen gegeben haben, die jetzt der Regierung die Hand f'er ib-em m men Lande fesseln? Svürt man gegenwärtig ein starkes Mißbehagen über diesen dunklen Punkt, so wird .mit ei.i a. ft., ie^eimes Ur.ti. iLer den anscheinend wieder beginnenden Zick-Zack-Kurs in der Pc,lenfrage erst füllen önnen, wenn man die amtlichen Gründe kennt. Tie Re> ,ierung sollte dafür sorgen, daß man bald etwas darüber wfährt. Es sind schon vielfad) ernste Zweifel an ihrer Autorität und Festigkeit geäußert worden.

Kr. 6 Erster Blatt 161. Jahrgang Samstag, 7. Januar M

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