Ausgabe 
6.6.1911 Erstes Blatt
 
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Lttstschiffahrt.

Ter Sachfenflng.

Chemnitz, 3. Juni. Die Preisrichter für Ben Sachsen­flug haben in einer ijciitc nachmittag ab gehaltenen Sitzung die Preise für den Sachsenrundflug wie folgt verteilt: 1. Preis: Lai t sch: 30 000 Mk., außer dem Preis des preußischen Kriegsministeriums, bestehend aus 5000 Mk. und Auftragserteilung eines Flugzeuges nach dem System des vom Sieger benutzten (Albatroß-Toppeldecker) in einer Höhe von 28000 Mk. 2. Preis: B üchner, 15 000 Mk., 3. Preis: Lindpaintner, 10000 Mk. Diesem wurden außerdem 11500 Mk. Teilstreckenpreise Anerkannt.

Der erste Kongreß für Luftschiffahrt.

Paris, 2. Juni. Der erste Kongreß für Luftschiff­fahrtsrecht hat seine Arbeiten beendet und 17 Artikel an­genommen, die einen Versuch zu einem neuen Gesetz über den Luftverkehr darstellen.

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Johannisthal b. Berlin, 5. Juni. Gestern begann bei herrlichem Wetter in Gegenwart eines zahlreichen Publikums die nationale Flugwoche. Ohne Passagier flogen Eyring 1 Stunde 17 Minuten, Steinbeck 1 Stunde 6 Minuten und Vollmöller 38 Minuten: mit einem Passagier Schendel 1 Stunde 16 Minuten, König 21 Minuten.

Hamburg, 4. Juni. Das Luftschiff P. L. 6, das in der vergangenen Nacht in Bitterfeld unter Führung des Ober­leutnants Stelling um 12 Uhr 40 Minuten zur Fahrt nach Hamburg aufgestiegen war, ist nach schwieriger Fahrt hier kurz nach 8 Uhr eingetrofsen und glatt gelandet. Fast bei der ganzen Fahrt war böenartiger Ostwind zu überwinden.

Ans Stadt und Land.

Gießen, 6. Juni 1911.

LU. Von der Landes-Universität. Der Senat der Freien Stadt Lübeck hat am 13. Mai verfügt, daß die erste juristische Prüfung auch vor der Prüfungs­kommission bei der Landesuniversität in Gießen abgelegt werden kann. Für die Art der Vornahme der Prüfung vor dieser Kommission, sowie für die Entscheidung über ihr Be­stehen sind die Vorschriften der hessischen Prüfungsordnung vom 31. Januar 1907 maßgebend. Das hessische Partikular­recht ist als Prüfungsgegenstand für Lübeckische Rechts- kandidateu ausgeschlossen. Das Gesuch um Zulassung zur Prüfung ist an den Lübeckschen Senat zu richten.

** Ordens- undTitelverleihungen. Der Groß­herzog hat dem Oberlehrer an der Viktoriaschule und dem Lehrerinnenseminar zu Darmstadt, Professor Dr. Julius Röll aus Anlaß seiner Versetzung in den Ruhestand die Krone zum Ritterkreuz 1. Klasse des Verdienstordens Philipps des Großmütigen und dem Ministerialsekretär Herm. Pfeiffe r den Charakter als Regierungsrat verliehen.

** Sie Pfingsttage sind bei der im allgemeinen in unserer Gegend herrschenden guten Witterung nur von Schotten und Umgebung wird ein heftiges Unwetter mit wolkenbruchartigem Regen am Nachmittag des 1. Feiertages gemeldet, das in der Gemarkung großen Schaden verursacht hat sehr schön verlaufen und gaben den Erholungs­bedürftigen reichliche Gelegenheit zu genußreichen Ausflügen. Die näheren und ferneren Ausflugsorte waren sehr gut be­sucht und die Straßenbahn wie auch die Eisenbahnen hatten alle H^ände voll zu tun, um den Verkehr zu bewältigen. Auch verschiedene in der Umgegend stattfindende Feste trugen ihr Teil zur Belebung des Pfingstverkehrs bei.

** Aus Anlaß des Verkaufstages der Groß­herzogin am Dienstag, 13. ds., ist ein Sonderzug von Gießen nach Büdingen nach folgendenr Fahrplan eingelegt worden: Gießen ab 1130 abends, Schiffenberg ab 1144 abends, Garbenteich ab 1150 abends, Lich ab 1201 nachts, Langsdorf ab 1208 nachts, Hungen ab 1215 nachts, TraiS-Horloff ab 1222 nachts, Oberwiddersheim ab 1229 nachts, Borsdorf ab 1237 nachts, Nidda ab 1247 nachts, Ramstadt ab 1256 nachts, Stockheim ab 104 nachts, Bleichen­bach ab 111 nachts, Büches-Düdelsheim ab 116 nachts, Büdingen an 121 nachts.

** Die Prüfung für die mittleren Stellen im Finanz fach (Finanzexamen erster Kategorie) hat Ende Mai und Anfang Juni in Darmstadt stattgefunden und ist in den letzten Tagen vor dem Feste zum Abschluß gekommen. Von den 11 Prüflingen wurden 9 zur mündlichen Prüfung zugelaffen; von'diesen haben nur 6 die Prüfung bestanden und zwar sämtlich nut der Notegenügend".

Landkreis Gieszen.

x Harbach, 5. Juni. Eine alle schöne Pfing st- sitte hat sich bis aus den heutigen Tag hier erhalten. In der Nacht zum ersten Pfingsttag eilen die Burschen in den Wald und holen die Aeste von Laubbäumen. Dann gehen sie im Dors umher und stecken die Aeste an die Haustüren und Fenster der Einwohner. Am 2. Pfingsttag fommen sie dann und holen von den also Geehrten als Gegengeschenk je 24 Eier, die dann als Eier­bier oder Pfannkuchen verzehrt werden. Die Leute, die im Dorfe wenig Ansehen haben, werdennix esttmiert", ihnen wird nicht der >,Mai gesteckt", d. h. es werden keine grünen Aeste an ihren! Haustüren und Fenster angebracht.

> Münster b. Lich, 5. Juni. Unser Ort gehört zu den wenigen Gemeinden in Hessen, in denen die Konfirmation noch an Pfingsten vorgenommen wird. Auch in dem zur hiesigen Pfarrei gehörigen Ober-Bessingen will man sich nicht dazu entschließen, die Konfirmation amweißen" Sonntag vor­zunehmen. Die Bevölkerung hängt noch fest an dem schönen, alten Brauch. Bei uns wurden die Konfirmanden gestern, in Ober-Bessingen heute eingesegnet, in den pfingstlich geschmückten Kirchen.

> Lich, 5. Juni. Aus der Zeit, wo die Konfirmation noch an Pfingsten erfolgte, hat sich die schöne Sitte erhalten, das Fest mit Maien zu schmücken". Auch heuer gaben zehn stattliche Maienstämme, die an den Säulen und Emporen standen, unserer Maricnstiftskirche einen würdigen Pfingstschmuck, der die zahlreichen Besucher der Gottesdienste erfreute. Am ersten Feier­tage wurde der Frühgottesdienst durch einen Gesangsvortrag des gemischten Chors unter Leitung von Lehrer Zimmer verschönt.

Kreis Büdingen.

-l- Büdingen, 3. Juni. Gemeinderats­sitzung. In der Auslegung der Kanalgebühren- Ordnung sind Zweifel darüber entstanden, ob für einen Dachstock, der beispielsweise von einem Gesellen oder Dienst­boten als Schlafraum benutzt wird, die volle Gebühr von 5 Mk. erhoben werden soll. Ter Gemeinderat erklärt sich mit dem Vorschläge der Kommission, wonach für jeden bewohnten Raum 3 Mk. zu erheben sind, einverstanden. Eine Rechnung über Medikamente, die an minderbemittelte, bezw. zahlungsunfähige Einwohner geliefert wurden, wird nur bezüglich derjenigen Posten anerkannt, zu deren Zah­lung die Gemeinde verpflichtet ist. lieber die Heranziehung .von einig es. Anliegern per Bahnhofstraße zu den Kosten

der Kanalisation in der neueren Ausführung ist Einspruch erhoben worden. Es wird nach eingehender Debatte, in der darauf hingewiesen wurde, daß die Anlieger seither Kanalgebühren nicht bezahlt haben, mit der Neuanlagc auch erhebliche bessere Zustände geschaffen wurden, beschlossen, den Bürgermeister zu ermächtigen, mit den Einspruch­erhebern zwecks gütlicher Vereinbarung zu verhandeln. Der Gemeinderat beschließt ferner, die Anlieger, deren Grundstücke außergewöhnliche Anschlüsse an den Hauptkanal haben (es stehen jedem Anlieger mir zwei Anschlüsse zu), zu den Kosten heranzuziehen. Mehrere Gesuche um Er­mäßigung der Kanalkostcn für unbebaute Grundstücke, an der Straße liegende Gärten usw. werden abgelehnt. In dem zwischen der Stadt und den Steinbruchbesitzern Gebr. Göckel schwebenden Prozeß über die Eigentumsansprüche an den Steinbrüchen im Büdinger Markwald hat eine Ver­gleichsverhandlung zwischen den Steinbruchbesitzern .und einer von der Stadt berufenen Kommission stattgefunden. Die Kommission hat die Forderung der Stadt dahin fest­gelegt, daß die Steinbrüche 1936 in daS unbeschränkte Eigen­tum der Stadt übergehen; über die Ausbeute sollen be­sondere Vereinbarungen getroffen werden; für Benutzung der Stcinbrüche zahlen die Besitzer eine jährliche Pacht von 300 Mk., die Pacht für die Benutzung des Erlenkippels bleibt wie bisher. Der Gemeinderat "erklärte sich mit dem Kom­missionsbeschluß einverstanden. Der Gemeinderat be­schließt die Anstellung eines Schweinehirten, um die 71 Einwohner nachgesucht haben. Für die Erteilung des Handarbeitsunterrichts an der Gemeindeschule waren 15 Stunden wöchentlich vorgesehen, wogegen nur 13 gehalten werden können. Der Gemeinderat beschließt, der Handarbeitslehrerin die bisherige Vergütung für fünf­zehn Wochenstunden auch für die Folge zu bewilligen. Der Voranschlag des Gaswerks für 1911, der sich mit 26 300 Mk. ausgleicht, wird genehmigt. An Einnahmen für Gas sind vorgesehen 21600 Mk., für Koks 3600, für Teer 385, Gasmefsermiete 905.80, Amoniakwasser 50, Lei­tungsherstellungen 220, Graphit 50, Sonstiges 30 Mk., an Ausgaben: für Kohlen 5890 Mk., Reinigungsmasse 10, Fuhr- löhne 418, Gehalte und Löhne einschließlich Nebenbezügen, Wohnungsentschädigung und Gebühren des Rechners 3820, Brandversicherung 130, Beiträge zur Beamtenfürsorgekasse, Alters- und Invalidenversicherung, Unfallversicherung usw. 396, Inserate, Porto und Fernsprechgebühren, Formulare usw. 365, Erhaltung der Gebäude 90, Erhaltung und Er­gänzung der Apparate und Werkzeuge, Anschaffungen usw. 650, Kosten der Rohrleitung, Gasmesser usw. 300, Ver­zinsung und Tilgung 10100, Abschreibungen 236 Mk. Das Gesuch des Will). Heppner um Erlaubnis zur Errich­tung eines Neubaues anstelle seines baufälligen Hauses in der Kellergasse wird befürwortet und beschlossen, um Ab­änderung der Baufluchtlinie an bezeichneter Stelle nachzu­suchen. Für die Neuanlage zweier Luftschächte und den Ausbau zweier vorhandener Luftschächte im Rathause wird der benötigte Kredit bewilligt. Auf Antrag aus der Mitte des Gemeinderats wird beschlossen, für die durch die Ueberschwemmung in Mittelgründau geschädigten Ein­wohner 200 Mk. zur sofortigen Ablieferung aus der Ge- meindekasfe anzuweisen.

-l- Büdingen, 3. Juni. Die Pacht des fürstlichen GutesHof Thiergarten" bei Büdingen geht im Laufe des Juni an Herrn Neuhardt aus Mainz über. Bis­heriger Pächter war Herr Oberamtmann Hahn, der sich ins Privatleben zurückzieht.

-l- Aus dem Kreise Büdingen, 3. Juni. In 'Mittelgründau, dem du^chdas Unwetter vom Montag am meisten heimgesuchten Orte des Kreises, hat am Don­nerstag eine Gemeinderatssitzung unter Vorsitz des Kreisrats Boeckmann und in Anwesenheit des Provin­zialdirektors Dr. Usinger stattgesunden. Die vorgeschlagenen Maßnahmen zur Linderung der Not wurden gut geheißen. ES handelt sich zunächst um die Beschaffung von Futtermitteln und Streu und Nahrungsmit­tel, in erster Linie Kartoffeln, denn die Bestände der Fluren an Kornfrucht, Kartoffeln, Gras, sowie der Gemüse­gärten sind derartig geschädigt worden, daß an eine Ernte nicht zu denken ist, ebensowenig an eine Neubestellung der Getreidefelder. Es muß abgcwartet werden, was aus den Halmfrüchten, die wegen des weit fortgeschrittenen Wachs­tums zu Fütterungszwecken nicht mehr geeignet sind, an Stroh und Körnern, die für die Mehlgewiunung nicht in Betracht kommen können, herauszuholen ist. Man wird versuchen, einzelne Teile der Kartoffeläcker durch Nach­pflanzen rasch wachsender Sorten noch zu bestellen, da aber, wo die Kartosselpflanzen durch Schlammassen erdrückt wurden, Dickwurz zu setzen. Hierfür sollen etwa 500 000 Pflanzen beschafft werden. Vom landwirtschaftlichen Be- ^irksverein Büdingen, der mit allen ihm zu Gebote stehen­den Mitteln die Not zu lindern sucht, ist Oekonomierat An- drae-Büdingen mit Beschaffung des Fehlenden betraut wor­den. Für die durch den Vermst ihres Viehes betroffenen minder bemittelten Einwohner, Taglöhner usw. sind bereits eine Anzahl Ziegen angekauft worden. Das zur Bespannung und für die Milchbeschaffung nicht in Betracht kommende Rindvieh wird auf den Viehweiden in WcrningS und Thier­garten bei Hungen untergebracht, wenn dessen Ueberführung tierärztliche Bedenken nicht entgegenstehen. Die Landwirt­schaftskammer hat diese Weiden unentgeltlich zur Verfügung gestellt. Eine weitere wichtige Arbeit, die sofort in Angriff genommen werden soll, ist die Trockenlegung der Keller, die fußhoch mit Wasser und Schlamm gefüllt sind und deren Inhalt an Lebensmitteln vollständig vernichtet ist. Die nach Mittelgründau beorderte Abteilung des Eisenbahnregi- ments ist heute nachmittag wieder abgerückt. Ihre Auf­gabe beftani) in der Bergung der fortgefchwemmten Gerate und Beseitigung von abgeschwemmten und noch stehenden Trümmern. Für die Bewohner bleibt noch viel zu tun, bi§ der Ort wieder in einigermaßen befriedigenden Zustand gesetzt ist. Die kaum beendigten Arbeiten der Feldbereiui- guug sind zum größten Teile zerstört, hier werden Staat, Provinz, Kreis und Gemeinde eingreifeu müssen, wenn bis zur nächsten Feldbestellung die Folgen des Unwetters ge­lindert werden sollen. Von den betroffenen Landwirten ist nur ein geringer Teil gegen Hagelschlag versichert. In einigen Gemeinden hat die Privathilfe bereits eingesetzt; es ist zu hoffen, daß diesem Beispiel noch viele andere Gemeinden folgen, denn die Not ist groß. Es gibt Fa­milien, die entweder ihren gesamten Hausrat verloren haben, oder denen dieser gänzlich verdorben wurde. Der Gemeinderat in Büdingen bewilligte gestern 200 Mk. und aus dem fürstlichen Schloßgute gingen mehrere Wagen mit Heu nach Mittelgründau.

-l- B l e i ch e n b a ch, 3. Juni. .Am 18: Juni, nach­mittags 221 Uhr, findet hier ein Kreisfeuerwehrtag statt. Auf der Tagesordnung steht: Bericht über den Stand des Feuerlöschwesens im Mreife, das Verfahren bei Brand­hilfe, Anfragen und eingegangene Anträge. Den Verhand­lungen geht eine .Hebung der .Bleichenbacher Feuerwehr voraus. . - --------- x '

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Kreis Friedberg.

-m. Aus der Wett er au, 6. Juni. Die sehr günstig ver­laufene O b st b a u m b l ü t c hatte einen reichen F r ü ch t e a n s a tz im Gefolge. Dies gilt von fast allen Obstsorten. Besonders die Kirsckchäume sind ausnahmsweise schwer behangen. Die Öbst- schädlinge treten in diesem Jahr auch nicht so stark aus, was wohl auf die feucht-kühle Witterung nach der Blütezeit .w.rml- zuführen ist, wodurch die Puppen intb Larven des Apfelspinners usw. teilweise vernichtet wurden. Wenn keine unvorhergesehenen Zwffchenfälle eintreten, ist somit ein reiches Obstjahr zu erwarten. Auch in den Gärten zeigen sich vielversprechende Aussichten, denn die Stachel- und Johannisbeersträucher haben überaus reichen Behang, ebenso die Annonas. Die Walderdbeere beginnt eben­falls zu reifen und die köstliche Frucht ist in Menge vorhanden. Auch die Himbeersträucher zeigen einen üppigen Früchteansatz, so daß die geringere Bevölkerung mit dem Einsammeln rutb Ver­kauf dieser Früchte wieder auf einen guten Verdienst hoffen kann.

Starkenburg und Rhein Hessen.

M. Offenbach, 6. Juni. Der 48 Jähre alte Stein­schleifer Hch. Krügel stürzte gestern abend 11 Uhr aus seiner im dritten Stock in der Kaiferstraße gelegenen Woh­nung und war sofort tot.

Mainz, 5. Juni. Am Samstag ist Justizrat Ferd. Börkel hier gestorben. Er stand int 53. Lebensjahr und gehörte lange Zeit unserer Stadtverordnetenversammlung an, in der er, vermöge seiner hohen Fähigkeiten und seiner bedeutenden Kenntnisse auf allen Gebieten der Kommunal­politik, stets eine hervorragende Stellung eiunahm. Börkel war seit langen Jahren der Führer der hiesigen freisinnigen Partei, die ihm sehr viel zu verdanken hat. Mit Eifer und Begeisterung wirkte er n. d. Darmst. Ztg. für eine Einigung des Gesamtliberalismus.

Hessen-Nassau.

[1 Marburg, 3. Juni. Von den 9 Jahre alten Zwil­lingsrindern des Wärters Kühn in Kappel, die vorgestern bei der Explosion eines Puppen-Spiritus-Kochapparates in Brand ge­rieten, ist heute das Mädchen in der hiesigen chirurgischen Klinik seinen Verletzungen erlegen. Seinen Bruder hofft man am Leben zu erhalten.

0 Drei Haus en, 5. Juni. Unter zahlreicher Beteiligung von Kriegervereinen aus den Kreisen Marburg, Kirchhain und den angrenzenden darmstädtischen Gebietsteilen wurde heute hier das V e r b a n d s f e st des Kreis-Kriegerverbandes Marburg und zugleich das Fahnenweihfest des Kriegervereins Dreihausen-Roß­berg abgehalten. In der Vertreter-Versammlung wurde nach längerer Aussprache beschlossen, den Marburger Magistrat dafür zu interessieren, daß im nächsten Jahre das in Marburg zu er­richtende Kreis-Kriegerdenkmal eingeweiht werden kann. Es soll dann damit das Verbmtdsfest verbunden werden.

©efangsroeitftreite in Oberhessen.

Leihgestern, 5. Juni.

Der heutige G e sa n g s w e t t st r e i t, den der Gesangverein Eintracht" anläßlich seiner 5 0jährigen Jubelfeier ab­hielt verlief sehr schön. Das Dorf prangte in schönstem Fest- schmuck, und stattliche Ehrenpforten winkten den Festgästen ein Willkommen zu. Besonders schön nahm sich der Festplatz auf dem saftigen Wiesengrund an der Lückenbach aus. Auch die Fest- Halle und die Sängertribüne waren schön ausgeschmückt. Zu dem Ausbau der Tribüne hatte Obersteiger Seipp die Pläne entworfen. Lehrer Buß hatte em Festbuch entworfen, das neben der Orts­chronik auch die Geschichte des Jubelvereins enthielt. Das Pro­tektorat über das Fest hatte der Präsident des Mitteldeutschen. Sängerbundes, Provinzialdirektor Dr. Usinger, übernommen, der bereits vormittags zum Wettsingen hier weilte. Er äußerte wiederholt seine.Anerkennung und Befriedigung über die Anlage und Anordnung des Festes, den Schmuck des Dorfes und die guten gesanglichen Leistungen der Vereine. Das Fest wurde am 1. Pfing,labend durch einen Kommers eingeleitet. Festvrüsideut Schäfer feierte die Gründer des Vereins und überreichte ihnen Gedenkblätter, nämlich den Herren Joh.Jung IX., Gg. Schmidt III., Wilh. Laux I. Obersteiger Seipp brachte ein Hoch auf das deutsche Lied und das Vaterland aus. Die GesangvereineEin­tracht" undLiederkranz" trugen schöne Chöre vor. Heute früh um 7 Uhr begann das Abholen der wettstreitenden Vereine, und um 9 Uhr begann das Wettsingen in der Festhalle seinen Anfang, es dauerte einschließlich des Ehrenpreissingens bis 2 Uhr. 20 Ver- eme mit etwa 700 Sängern nahmen daran teil. Um 3 Uhr wurde der Festzug aufgestellt. Aus dem Festplatz trug der Ge- sangveretnEintracht" das BegrüßungsliedSangesbrüder, aus Nord und Süd, seid gegrüßt" vor. Festyräsident Schäfer hielt die Begrüßungsansprache und begrüßte besonders Provinzialdirektor Dr. Usinger. Bürgermeister Heß hieß die Gäste namens der Gemeinde willkommen. Provinzialdirektor Dr. Usinger hielt die Festrede und sprach dem Jubelverein seine Glückwünsche aus. Das Protektorat habe er als Vorsitzender des Mitteldeutschen Sängerbundes gerne übernommen. Das deutsche Lied soll das erste tn den Vereinen sein. Was der Deutsche erlitten und erlebt, erhofft und ersehnt, das drückt er von jeher im Liede aus. Am Liederschatz des deutschen Volkes haben die größten Männer mttgewirkt. Zu den Meistern des Wortes gesellten sich die be- deutendlten Manner der Tonkunst. Wir müssen das deutsche Lied als treues Erbe weiter pflegen und allezeit gute Deutsche bleiben. Die mit großem Beifall aufgenommene Rede klang in ein Hoäv aus das deutsckw Vaterland aus. Das LiedDeutschland, Deutsch­land über alles" schloß sich an. Lehrer Buß sprach noch namens des Ehrenausschusses von dem sangesfrohen Leihgestern, dessen Bewohner auch fernerhin das deutsche Lied pflegen würden. Ein Vertreter des GesangvereinsLiederkranz"-Vilbel brachte der Gemeinde und dem Jubelverein aus Dankbar­keit sur die gute .Aufnahme ein Hoch aus. Danach fangen mehrere Gastvererne, und nun entwickelte sich lebhaftes Treiben bet Konzert und Tanz auf dem Festplatz unb in den geräumigen Wirtschaftshatten. Für Vergnügungen jeder Arb war bestens Sorge getragen. Ein drohendes Gewitter zog gnädig vorüber, nur abends kani ein leichter, kurzer Regen, der aber das Fest nicht mehr beeinträchtigte. Um 6 Uhr nahm Festpräsident Schäfer die Ver­teilung der Preise und Ehrenpreise vor. Zahlreiche Geldpreise und herrliche Kunstgegeitstände gelangten an die preisgekrönten Vereine zur Ausgabe.

Das Preisergebnis war folgendes: Abteilung A. Klasse 1.: 1. Preis Harntonie-Großenlinden mit 243 Punkten, 2. Germama-Lollar 237 P., 3. Jugendfreund-Steinberg 235 P. K l a s se 2.: 1. Männer-Quartett-Neu-Jsenburg 248 P., 2. Lieder- kranz-Bonames 233 P., 3. Liederkranz-Vilbel 231 P., 4 Viktoria- Garbenteich 228 P., 5. Sängerlust-Griesheim a. M. 227 P, 6. Ein- tracht-Wolsskehlen 222 P., 7. Eintracht-Fauerbach 218 P., 8. Har- monie-Falkensteini. T. Klasse 3.: 1. Frohsinn-Dauern heim 213 P., 2. Liederblüte-Garbenteich 211 P., 3. Liederkranz-Burg- solms 208 P., 4. Eintracht-Steinberg 192 P. Abteilung ö. Klasse 1.: 1. Eintracht-Klein-Linden 224 P., 2. Männerchor- Niederweisel 209 P. Klasse 2. 1. Germama-Nodheimv. d. H. 207 P., 2. Liederkranz-Zellhausen 203 P., 3. Konkordia-Hoch­weisel 193 P.

Im Ehrenpreissingen erhielten Preise: 1. Harmonie- Großen-Linden lund Viktoria-Garbenteich mit je 114 P., 2.. M.änner- Quartett-Neu-Jsenburg und Sängerlust-Griesheim mit je 113 P 3. Frohsinn-Dornheim, 4. Eintracht-Klein-Linden, 5. Liederkranz- Zellhausen.

Allmählich fluteten nun die Menschenmassen auseinander. Am Bahnhof Großen-Linden herrschte großes Gedränge. Am Dieiistag ist eine 9cktchfeier auf dem Festplatz.

r. Londorf, 5. Juni. Anläßlich der 50fährigen Jubelfeier des Gesangvereins Frohsinn prangt unser Ort im Festgewand. Vtit einet Kommers in der Festhalle am gestrigen Abend wurde die Feier king.leitet., Unter Lecknug seines Dirigenten, Musiklehrer Gasten aus Gießen, fang der Verein: Das ist der Tag des Herrn, wonach nautens des BereurS das Vorstandsmit­glied W i..ner dxe geil neunter in .heMjchtzt W.ortQt hegrüstte^

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