Aus Stadt und Land.
(s*) i e f; e n, 14. Oktober 1911.
Erntedankfest.
Das Erntedankfest, das die Christenheit in den Tagen feiert, da die ersten Blätter gelb und rot zur Erde fallen, da im milden Schein der Oktobersonne und in der reinen Atmosphäre des Frühherbstes eine entzückende Fernsicht sich vor dem Auge auftut, ist älter als das Christentum selber. Die Völker des Orients haben es schon vor Jahrtausenden gefeiert als ein Natur- und Landbaufest und haben dabei der Gottheit für den Erntesegen gedankt und geopfert. Die Grundstimmung, die bei diesem Feste vorwaltet, ist heute noch die: An Gottes Segen ist alles gelegen, und alle gute Gabe und alle vollkommene Gabe kommt von oben herab, von dem Vater des Lichtes. Erntedankfest ist ein Freudenfest; die Blumen- und Aehrensträuße die man auf den Altar stellt, die FeDfrüchte, die man zu seinen Stufen niederlegt, geben diesertr Feste in unseren Kirchen ein feierliches Gepräge.
Aber viele in unseren Tagen haben den Eindruck, als ob sie dieses Fest nicht mehr mitfeiern könnten; denn sie sind aus dem Zusammenhang mit der Natur herausgeraten und haben mit dem Feldbau nichts zu tun. 'Unsere Mrchen- agenden erwecken gleichfalls oft den Eindruck, daß das Erntefest nur ein Fest des Landmanns sei; denn die Gebete, die sie enthalten, reden nur vom Segen der Felder und Weinberge oder von Hagelschlag und Mißernte. Das ist jedoch ein Irrtum. Das Erntedankfest gilt jeder ehrlichen, tüchtigen Arbeit, gleichviel, ob sie auf dem Gerstenacker und der Wiese oder im Kontor des Kaufmanns oder im Arbeitszimmer des Gelehrten geschieht. Hat doch der religiös gesinnte Mensch stets die Empfindung, daß alles Gedeihen seiner Arbeit von Gott abhängt. Gott gibt zur Arbeit die Kraft des Leibes und der Seele, Gott hat die Kräfte und Hilfsmittel geschaffen, die die Erde in sich birgt: die Elektrizität, das Radium, die Wasserkraft, den Wind, der die Mühle treibt, die Steinkohle uitb den Porphvrstein. Daß die deutsche Industrie Waren Herstellen und verkaufen Tarrn« daß der Staat durch die Ausführung großer Bauten
Arrs Hessen.
Zur Landtagswahl in Gießen.
Dom 1. Vorsitzenden des nationalliberalen Vereins Gießen erhalten wir folgende Zuschrift zur Veröffentlichung:
Um eine Z ei t u n g s f e hde zu vermeiden hatte ick, trotz des einseitigen Artikels über die Generalversammlung, der Fortschr. Volksp. vom 26. September, in der Herr Prof., Urstadl als Kandidat ausgestellt wurde, meinen Bericht über unsere Generalversammlung vom 5. Oktober, in der wir Herrn Fabrikant Klingspo r sunt Kandidaten proklamierten, ni ckt in die Presse gegeben. Tie in der gestrigen Nummer veröffentlichte Erklärung der hiesigen Fortschrittlichen Volkspartei zwingt mich durch ihre einseitige, das Publikum irreführende Fassung, .sofort zu erwidern, um einer Legendenbildung entgegenzutreten.. Tie Erklärung ist an sich schon eine tendenziöse Darstellung des von ihr behandelten Sachverhaltes. Jl>r schlimmster Fehler ist aber das, was sie nicht sagt. , . .
1. Sie verschweigt, daß die Fortschrittspartei ünser Ausgleichsangebot: Unterstützung bei den uächstenReichstagswahlen, schroff abgele Hut ha t.
2. Sie verschweigt, daß unsere Darmstadter Freunde sich schon im Juli zu einem Austausch der Mandate Darmstadt 3 gegen Gießen 2 „gen et g t erklärt hatten, obwohl die Freisinnigen bei der letzten Landtag^watu mir 900 Stimmen erzielten gegen rund 3000 für die national- liberalen Wahlmänner und 1800 Stiminen d r Sozialdemokraten.
3. Sie verschweigt, daß der hiesige Verein der fortschr. Volkspartei durch Mehrheitsbeschlüsse im V o r st a n d und in der Generalversammlung sick stets gegen uns und für ein selbständiges Vorgehen ausgesprochen, also dte am 22. Juni mit von ihren eigenen M i t gliedern geschaffene Verhandlungsbasis zerstört hat.
4. Sie verschweigt, daß die F o r t s ck r i t t l t che V o l k Partei in Darmstadt länger als drei Monate bmbim > gar nicht mit unseren Darmstädter Freunden zu sammengeheu, sondern das Mandat allein erobern wollte. ,
5. Sie verschweigt, daß gerade der Darmstadtei fortschrittliche Kandidat, Herr Henrich, seine hie sigen Freunde aufgefordert hat, auf den Ausgleich Gießen Tarmstadt mit uns nicht einzugehen, sondern hier w t e t n Darmstadt selbständig vorzu gehen.
6. Sie verschweigt, daß hier und tn Dar m st a d t die Fortschr. Volkspartei ihre Kandidaten zuerst aufgestellt hat und daß man uns die Aufstellung des Herrn H e n r t ch in Darmstadt gar nicht mitgeteilt hat.
7. Sie verschweigt, daß wir, aüknüpsend an eine A n regung in einem offiziellen Briete des hiesigen Fortschrittlichen Vereins („irgend ein anderes städtisches Mandat als Ausgleichs Mainz 3 als Ausgleich gegen Gießen 2 vorschlugen und zwar wiederholt, dieser Vorschlag aber wieder holt, am 12. Oktober sogar als Verhandlungsbasis, abgelehnl wurde, obwohl die Freis. Partei in Mainz schwächer ist als die nationalliberale.
8. Sie verschweigt, daß der Darmstädter Nationalliberale Verein vor etwa 10 Tagen einstimmig beschlossen hatte, das Darmstädter Mandat einen rechtsfreisinnigen Kandt baten zu überlassen gegen Abtretung des 2. Mandates hier an uns. wozu zu benterten ist, daß man bei der ersten Verhandlung von un< einen links nationalliberalen Kandidaten als Grundbedingung verlangte.
9. Sie verschweigt, daß die Darmstädter Freist n n i g e n die Annahme des auf der äußersten Linken stehen den für unsere Freunde dort in Rücksicht auf ihre int Geschäfts leben stehenden Anhänger unannehmbaren Herrn Hen - richfordern.
10. Sie verschweigt, daß man uns über die Verhand lungsform 3 Monate in der Irre herum geführt und so die Zeit Dergeubet hat.
11. Sie verschweigt daß hiesige Mitglieder der Fortschrittlichen Volkspartei ihren Freund en draußen schon im Aug u st in itgeteilthaben,ausdenVer Handlungen zwischen Gießen und Darmstadt werde es nichts, da ihre Freunde hier und in Darmstadt nicht wollten.
12. Sie verschweigt, daß Herr Prof. Urstadt, den Kandidaten der Fortschrittlichen Volkspartei schon vor jetzt 6 Wochen, also mitten in den Unterhandlungen und 5 Wochen vor her Proklamierung des nationalliberalen Kandidaten in Gießett Und fast 6 Wochen vor der gerügten Ernennung des national- liberalen Kandidaten in Darmstadt schon den großen Saal in Steins Garten für den Abend des 2. November bestellt hat. Das dürfte die Lust zur „Einigung" genügend charakterisieren.
Für heute genug mit dieser Auslese, die ich aus meinen Akten *utb durch Zeugen beweisen kann.
Gießen, 14. Oktober 1911.
Professor Lulsh,
1. Vorsitzender des Nationalliberalen Vereins.
Tttrche und Schule.
Köln, 14. Ott. Am nächsten Montag wird das Ver - fahrengegendenPfarrerTraub seinen Anfang nehmen. Traub ist auf diesen Tag zur Vernehmung nach Münster geladen. Laut Antwort des O b e r k i r ch e n r a t s an Jathvs Verteidiger, Baumgarten und Pfarrer Traub, wird Pfarrer Jatho der Pfarrer-Titel aberkannt.
Tausenden Brot schafft, ist so gut Gottes.Werk, wie daß der Apfelbaum Frucht trägt und der Winzer in diesem ^ctyre ür manches Notjahr entschädigt wird. . uf. .
Das moderne Wirtschaftsleben ist em sehr kompliziertes Gebilde. Früher wurde auf einem Bauernhöfe nahezu alles erzeugt, was seine Bewohner brauchten, nicht nur da,, was zum Essen und Trinken gehörte, sondern auch Kleider und Gerätschaften. Das hat längst aufgehört. Selten noch wird auf den Dörfern Flachs gepflanzt, und das Spinnrad chnurrt nicht mehr zur Winterszeit. Was Jmmermann in seiner reizenden Dorfgeschichte „Der Oberhofs von dem westfälischen Bauer erzählt, der seinen Wagen selbst ausbessert, gehört der Vergangenheit an. Daß diese Bewegungen des wirtschaftlichen Lebens jedoch dazu beitragen sollten, den Glauben an einen persönlichen, allwaltenden Gott in den Hintergrund treten zu lassen, ist Nicht einzu- sehen. Sahen die Alten Gottes Allmacht auf ihrem Acker- ilur zur Erntezeit, so überkommt uns moderne Menschen eilte Ahnung von seiner Größe, wenn wir die riesigen Markthallen zu Paris am Boulevard de Sebastopol durchwandern und ungeheuere Vorräte hier angehauft sehen. Eine Rundfahrt durch den Hamburger .Hafen gibt uns em nndrucksvolles Bild von der Größe des Handels und des Verkehrs der Welt, die wir uns ohne einen persönlichen Urheber nicht denken können. Auf dem Fischmarkte zu Brüssel werden wir an den Psalm erinnert, der Gottes Werke preist und dabei auch sagt: Das Meer, das so groß und weit ist, da wimmelt es ohne Zahl, beides, große und kleine Tiere. Und gerade eine Zeit der Teuerung wie die gegenwärtiae, da alle menschliche Macht und aller menschlicher Scharfsinn gegen den herrschenden Notstand nichts auszurichten vermögen, zeigt uns, daß das ganze Dasein in Natur- und Menschenleben von einer höheren Macht abhängig ist. H. B.
" Tageskalender. Stadttheater: Sonntag nachmittag 37, Uhr: „Glaube und Heimat"; abends 77, Uhr: „Polnische Wirtsehas t".
Kolosseum: Täglich Vorstellung.
K i n e m a t o g r a p h: Täglich Vorstellung.
Biograph: Täglich Vorstellung.
A u l a g e in u s i k am Sonmag, 15. CEt., vormittagS^l'/s Uhr in ber Süd-Anlage. Spielplan: 1. Hochzeitsinarsch a. b. „Sommer- nachtslraum", von Mendelssohn-Bartholdy. 2. Ouvertüre zur Oper „Mignon", von A. Thomas. 3. Fantasie a. d. Oper „Preciosa", von C. M. v. Weber. 4. Kaisergarbe-Marfch, von O. Wiese.
*
L. U. Prof. Dr. Strack hat den an ihn ergangenen 9x11 f an die Universität Kiel angenommen.
** Anschlüsse a n die U eberlandzentrale Gießen. Nachdem die Provinz Oberhessen und die Stadt Gießen die beiderseitigen Interessengebiete, die sie mit elektrischer Energie versorgen wollen, festgelegt haben, haben bereits 11 Orte ihren Anschluß an die Zentrale Gießen beim Kreisamt angemeldet, das für die Stadt Gießen die Verträge mit den Gemeinden abschließt. Es sind dies die Gemeinden Wieseck, Heuchelheim, Großen-Buseck, Mten- Buseck, Beuern, Klein-Linden, Allendorf a. d. Lahn, Allen dorf a. d. Lumda, Weitershain, Saasen und Mainzlar. Die Orte, die sich bis 1. November zur Abnahme von elektrischer Energie melden, erhalten die Beleuchtung usw. bestimmt bis zum Herbst 1912. Alle Orte, die sich erst später zum Anschluß melden, müssen sich wahrscheinlich bis Herbst 1913 gedulden.
** Der Prüfung für Finanzamtsgehilfen, die in der Zeit vom 4. bis 6. September und 7. Oktober abgehalten wurde, unterzogen sich insgesamt 15 Kandidaten, von denen neun die Prüfung bestanden, darunter vom Finanzamt Gießen die Gehilfen Schäfer und Röder.
** Stadttheater. Die Vaudeville-Posie „Polnische Wirtschaft", die am Sonntag abend zum ersten Male gegeben wird, enthält eine Reihe von Schlagern, die bereits populär geworden sind. ES sei hingewiefen auf „Komm, mein Schatz, in den Lunapark" (Frl. Jüngling, Frl. Scholz, die Herren Norden, Großer und Goll), auf „Die Dors- mufif" (Frl. Jüngling, Herr Norden), auf das Terzetts „Du hast ja keine Ahnung, wie schön du bist, Berlin" (Fräulein Jüngling mit den Herren Norden und Großer) u. a. m. Im ersten Akt werden außerdem Frl. Jüngling und Herr Norden ein großes parodistisches Duett singen.
** Religionswissenschaftliche Vorträge. Wie aus dem Anzeigeteil des Blattes zu ersehen ist, beabsichtigen die Mitglieder der theologischen Fakultät an der Landesuniversität fünf Vorträge zu halten, deren Ertrag wohltätigen Zwecken zugute kommen soll. Sie wiederholen öamil ein Unternehmen, das im vorigen Winter in Darmstadt bei regstem Besuch allgemeinen Beifall fand. In der Tat dürfen diese Vorträge in einer Zeit, da so viel von Religion und Theologie die Rede ist, des Interesses weiter Kreise sicher sein. Die Themata sind so gewählt, daß die Arbeit am Alten und am Neuen Testament, an der Kirchen- und Dogmengeschichte, an der Dogmatik und an der Verwertung der Ergebnisse der Wissenschaft für das kirchliche Leben fortlaufend an hervorragenden Beispielen Erläuterung findet. Doch bildet jeder Vortrag für sich ein Ganzes. Wir machen ausdrücklich daraus aufmerksam, daß die Borträge allgemeinverständlich, also nicht nur für eine akademisch gebildete Zuhörerschaft bestimmt sind.
* * Ihr lOOjähriges Geschäftsjubiläum begeht morgen die Firma Jvh. Balth. Noll hier. Die Firma befaßte sich anfangs mit dem Kolonialwarenhandel und der Likörfabrikation und' ging in den 1860er Jahr Hi. zur Zigarenfabrikatiou über, die sie heute in 9 Fabriken betreibt. Wir werden auf das Jubelfest der angesehenen Firma, das zugleich ein Ehrentag für die Gießener Industrie ist, noch näher zurückkommen.
• • Herr Rechtsanwalt Dr. jur. C. Spohr bittet uns um Veröffentlichung folgender Notiz, „da man es nicht verstehen würde, wenn er den Vorwurf der Tiradenmacherei ohne Zurückweisung hinnehmen würde":
Ich versage mir ein näheres Eingehen auf die Zuschrift des Herrn Juslizrat W. Grünewald in Ihrer Nr. 241. D i e Tonart ist bekannt und Ihre Leser wissen Weiß von Schwarz ganz gut zu unterscheiden. Was man nicht widerlegen kann, das schwärzt man als Tiraden an.
• • Der Kriegerverein feierte gelegentlich feiner letzten Monatsversammlung in seinem festlich geschmückten Vereins- okal den Abschied des Kameraden Bommersheim, der nach seiner Versetzung in den Ruhestand nunmehr Wohnsitz in Homburg v. d. H. nimmt. Der 1. Vorsitzende des Vereins, Hauptmann d. L. Gabriel, feierte ihn in einer längeren Ansprache als langjähriges treues Vereins- und Vorstandsmitglied und überreichte ihm in dankbarer Anerkennung das Diplom als Ehrenmitglied. Hierauf widmeten ine Ehrenmitglieder MöbuS und Wiener dem Scheidenden
noch herzliche Abschtedswocte. Herr Bommersyelm oanrit mit bewegten Worten für die ihm erwiesene Ehre, und ver- prach, mich für die Folge dem Verein ein gutes Andenken zu beiöabren.
•• Rekrutenbeförderungen. Am 12. und 13. Okt. wurden die neu eingestellten Rekruten zum Teil mit gewöhnlichen Personenzügen, zum Teil mit Sonderzügen in ihre Garnisonen befördert. Innerhalb deS EisendahndirektionS- bezirks Frankfurt waren infolgedessen vorgestern annähernd 1500 und gestern an die 4100 Rekruten zu befördern. Hiervon entfallen auf die Strecken Gießen—Gelnhausen am 12. Oktober 40 Mann und am 13. Oktober 60 Mann, Gießen-Köln 160 bezw. 540 Mann. Gießen—Frankfurt 300 bezw. 650 Mann. Die von Koblenz nach Berlin zum GardekorpS eingezogenen Rekruten machten gestern abend von 10—11 Uhr hier Rast und erhielten warmes Abendessen, daS auf dem Bahnsteig vom Bahnhofswirt an besonderen Tischen verabfolgt wurde. Es war eine Massenbeköstigung von 500 Mann, die ebenso wie in den Vorjahren tadellos verlaufen ist.
Landkreis Gießen.
— Grüningen, 13. Okt. Der frühere hiesige Beigeordnete Christian Heller feiert am Samstag, 14. Oktober, einen 8 0. Geburtstag in voller geistiger und körperlicher Frische.
Kreis Friedberg.
L. Bad-NaNheim, 13. Okt. In der Zenderstraße, in ber Nähe des Zenderinstituts, soll ein neueS Badehaus errichtet werden. In ihm sollen dann alle Dadeformationen ber Nauheimer Quellen verabfolgt werben., — Das Stadthaus ist jetzt gründlich hergestellt Im Erdgeschoß befindet sich der geräumige Sitzungssaal der Stadtverordnetenversammlung.. Weiter befinben sich von heute an bie Geschäftsräume des städtischen Hoch- und Tiefbanamtes und des Wasserwerks, in dem Hause. In bas seitherige Rathaus wird wahrscheinlich bie Gewerbeschule und bas städtische Museum kommen.
Hessen-Nassau.
to. Hanau, 13. Okt. Heute mittag ist hier das mit einem Kostenaufwand von über eine Million Mark neuerbaute Justizgebäude, das das Landgericht unÜ das Amtsgericht aufnimmt, einge weiht worden
fc. Weilburg, 13. Okt. In Odersberg versuchte der 27 Jahre alte Heinrich Fuhrländer feinen 17jährigen Bruder die Kehle zu durchschneiden, michdem er ihn zuvor mißhandelt hatte. Ortseinwohner kamen auf das Hilferufen des Mißhandelten herbei, wodurch die Tat verhindert wurde. Ter Rowdy entfloh. Man konnte ihn bis jetzt nicht verhaften.
[] Marburg, 13. Okt. Die in Aussicht genommene Fahrt des Luftschiffes „Schwaben" mußte diesmal wahrscheinlich unterbleiben, weil sich nicht genügend Fahrtteilnehmer von Frankfurt hierher und zurück gemeldet hatten.
Eingesandt.
(Für Form und Inhalt aller inner öiejer Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung.)
Wieseck, 14. Okt. Zur Milchfrage in Wieseck. Von gewisser Seite wird versucht, die Forderung der Landwirte als eine unberechtigte hinzustellen. Dabei wird aber auf die eigentliche Sachlage nicht eingegangen. Sie ist folgendermaßen: Vor einigen Monaten, als bie Futternot sich so recht bemerkbar machte, erhöhten bie Milchhänbler ben Preis ber Milch ohne auch nur bic Landwirte zu befragen, um 2 Pfg. für bas Liter wegen des Futtermangels, wie sie ben Konsumenten sagten. Diese Erhöhung des Milchpreises wegen des Futtermangels wäre ganz berechtigt gewesen, wenn sie ben Laubwirten zugekommen wäre. Aber mitnichten. Die Milchhänbler gaben ben Landwirten nur 1 Pfg., den anderen Pfennig steckten sie selbst ein und zwar dafür, baß weder ber Weg nach Gießen weiter noch bie Msatzmöglichkeit chwieriger geworden war. Die Landwirte verlangen nun diesen Teil ber Erhöhung, ber von den Milchhändlern für Futtermittel-' teuerung in Anspruch genommen worden ist, was doch ganz ungerechtfertigt erscheint. Der Grund ber Futtermittelteueriina be- teht boch hier in bieser Frage nur für die Landwirte. Die Landwirte verlangen von den Konsumenten keinerleiEr- Höhung des Milchpreises, sondern nur von den Milchhändlern den von diesen unberechtigter Weise eingenommenen Pfennig für Futtermittelteuerung, den die Konsumenten fckon seither bezahlt haben. .Dieses ist bie wahre Sachlage bes Milchstteits in Wieseck unb jeder unbefangene Vorurteilslose muß die Forderung der Landwirte alswerechtigt anerkennen. ld.
Spielplan des Gießener Ztadttheaters.
Direktion: Hermann Steingoetter.
Dienstag, den 17. Oktober, abends 8 Uhr (3. £ ien§tag§-ybonne- ment-Vorstellung): Zum letzten Male: „Ter Meister von Palmyra." Ende gegen 117« Uhr. Mittwoch, den 18. Oktober, abends 7 Uhr (3. Mittwochs-Abonnement-Vorstellung): »Die Kinder der Exzellenz." Ende gegen 97« Uhr. Freitag, den 20. Oktober, abends 8 Uhr (3. Freitags-Abonnement-Vorstellung): „Die Geschwister." Hieraus: „Die Neuvermählten." Ende 10% Uhr. Sonntag, den 22. Oktober, nachmittags 3% Uhr, bei kleinen Preisen: „Ein toller Einiall." Abends 7% Uhr, bei kleinen Preisen: „Die Haubenlerche." Ende 102 Uhr.
Amtlicher Wetterbericht.
Wetteraussichten in Hessen am Sonntag, den 15. Oktober 1911: Meist heiter und trocken, mild, südwestliche Winde, strichweise Morgennebel, später Trübung.
Letzte Nachrichten.
bs. Darmstadt, 14. Okt. In Mainz wurde von der Fortschrittlichen Volkspartei der Stadtv. Herdt als Landtagskandidat aufgestellt.
M a n n h e i rn , 14. Ott. Kommerzienrat Vögele überwies aus Anlaß des 75jährigen Bestehens seiner Firma den Beamten und Arbeitern größere Geldgeschenke. Ferner errichtete er eine Stiftung, nach der den über 10 Jahren bei ihm beschäftigten Arbeitern acht Tage und den über 25 Jahre beschäftigten 14 Tage Ferien _ gewährt, toäljrenb welcher Zeit ihnen das U/s fache ihres durchschnittlichen Arbeitsverdienstes gewährt wird. Die Stiftung kommt einem Drittel der bei der Firma beschäftigten Leute zugute.
Pirmasens, 14. Ott. Gestern stürzte hier ein Teil eines Fabrikneubaues ein. Drei Arbeiter wurden dabei verletzt.
14- Ott. Die italienische Regierung schrieb Kohlenlieferungen für die italienische Marine für die Zeit von November bis Mai aus.
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