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14/10/1911 Erstes Blatt
 
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161. Jahrgang

Die heutige Nummer umfahr 20 Seiten.

leider

Erstes Blatt

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Kr. 242

Ter Siebener Anzeiger erscheint täglich, außer Sonntags. - Beilagen: viermal wöchentlich

digung aus Mangel an tatkräftigen und verständigen Vormündern doch ihren Zweck verfehle. Dieser Skepsis ist cntgegenzntreten und danach zu streben, in Vormündern vielleicht durch Berufs- Vormundschaft, den aus der Strafanstalt Entlassenen einen Rückhalt zu geben. Tie während des Strafvollzugs an ihnen ge­machten Beobachtungen wären mit gutachtlicher Aeußerung des Gcfängnisarztes der Staatsanwaltschaft zu übermitteln. Diese hätte dann das weitere zu veranlassen. Wird dieses Verfahren auch nicht in allen Fällen den Rückfall verhüten, so kann es doch, zweckmäßig ausgestaltet, in vielen die soziale Hygiene fördern. Zum miiwesten vermehrt die Garairtien für die Beaufsichtigung chronisch Krimineller uns ist im Vergleich zu den gegeiuvärtigen Verhältnissen ein Fortschritt.

Nachdem Prioatdozem Tr. Hübner (Bonn), Professor Ferri (Rom) und Stabsarzt Tr. Funaioli (Ancona) ge­sprochen hallen, wurde eine Entschließung gefaßt, in der ein gut entwickelter Unterricht in der Kriminalpsychologie gefordert wird.

Ten Schluß der Tagung bildeten die Vorträge des Land- gcrichtspräsidenlen Tr. T. O. Engel en (Zutphen i. Holland) und des Geheimen Justizrats Profen'or Tr. Kahl (Berlin) über verminderte Zurechnungsfähigkeit.

Mitteln. Er war in den Märztagen nach Berlin geeilt und hatte sich in die Schloßwachen einreihen lassen. Ter Gemahlin des Prinzen pon Preußen reichte er eine Denkschrift über den hi,torrschen Berus Preußens und die iwtwendigen Reformen ein, den Verfech­tern anarchistischer Ideen rief er zu:Ein Hundsfott, der die Krone in diesem Kampf verläßt." In der Paulskirche unb in Erfurt wirkte er im oreußischen Sinne, mußte aber weichen. Ganz der historischen Forschung hingegeben, schuf er sein Haupt­werk, dieGeschichte des Altertums". Nach kurzer Lehrtätigkeit in Tübingen wurde er nach Berlin berufen, wo er nebenbei die Leitung der amtlichen Presse übernahm und die Regierungsmaß­nahmen der neuen Richtung vertrat. Ihm wurde vom König das verantwortungsreiche Amt vertraut, den Kronprinzen in die Gesetzgebung und Verwaltung einzuführen und ^ihn über den allgemeinen Gang der Politik zu unterweisen. Tas war eine schwierige Stellung, in der er sich aber bewährte. Er nahm daber entschieden Partei für die Bismarcksche Politik, der der Thronerbe widerstrebte: und als Kronprinz und König in offenen Kon­flikt gerieten, warnte er dringend und nicht vergeblich jenen, often an Die Spitze der Opposition zu treten. 1864 begleitete er den Kronprinzen ins Feld, dann nahm er seine Entlanuug, so daß er ihm 1866 nicht mehr zur Seite stand.. Dafür wurde thm die Zivilverwaltung des eroberten Kur helfen anvertraut. Bald darauf wurde er Direktor der Preußischen L>taatsarchive, die er neugestaltete und der Forschung zugänglich machte. Er entfaltete nun eine reiche wissenschaftliche Tätigkeit, lehrte , auch an der Kriegsakademie und war einige Zeit parlamentarisch tätig. Als brandenburgischer Hofhistoriograph beschloß er am 21. Juli 1886 sein Leben. *

Kurze Nachrichten aus Kunst und Wissen­schaft. Ter Geheime Medizinalrat Tr. med. Carl Hasse, ord. Professor und Tirektor des anatomischen Jnstftuts an der Universität Breslau, feiert am 17. Oktober seinen 70. Ge­burtstag. Ter klassische Philologe Geh. Rat Professor Tr. phck. Alfred Schöne in Kiel vollendet am 16. d. M. das 75. Lebensjahr. Ostern 1902 wurde Schöne von seinen ,amt­lichen Verpflichtungen entbunden. In Stuttgart ist der Privatdozent für Hygiene an der dortigen Technischen Hochschule, Landtagsabgeordneler Tr. med. Ludwig Bauer im Alter von 48 Jahren gestorben.

würde. Vielleicht wird die staatliche Umwälzung nun rascher ins Rollen kommen. Wenn die Truppen fortfahren, ins Lager der Umstürzler überzugchen, so wird, wenn der November wiederkeßrt, die Regierung der Mandschu vielleicht schon gestürzt sein. Au einer einheitlichen Füh­rung der gewaltsamen Maßregeln scheint cs den Jung­chinesen nicht zu fehlen, wenn ihre politischen Ziele viel­leicht auch noch verworren und unbestimmt sind.

Max vuncker.

Ter ausgezeichnete Geschichtsprofessor und einsichtsvolle Po­litiker, der Freund und Berater des nachmaligen Kaisers Friedrich in ernster Zeit, Max Tuncker, wurde vor hundert Jahren, am 15. Oktober 1811, geboren. Im Hause seines Paters, des be­kannten Verlegers von Böckh, Hegel und Ranke, genoß er eine treffliche Erziehung. An der Universität studierte er Literatur, Geschichte und Philosophie, diente bei den 7. Ulanen sein Jahr ab und promovierte 1833. Er widmete sich nur als wissenschaftlicher Beirat dem väterlichen Verlage und bearbeitete selbständig einen Teil der dort erscheinenden Beckerschen Weltgeschichte.

Auch dieser ernste junge Gelehrte entging denTemagogen- verfolgungen" nicht, er wurde verhaftet und nach langer Unter­suchung, die dem Fünftmdzwanzlgiährigen graues Haar brachte, zu sechs Jahren Festung verurteilt. Ter König begnadigte ihn zu sechs Monaten, die er in Köpenick verbüßte, wo er sehr milde behandelt wurde. Bald nach bestandener 5träfe habilitierte er sich in Halle, wo er auch heiratete. Er wandle sich auch der Politik zu. In den bewegten Jahren 1848/49 suchte er zu per-

Samstag, U. Oktober 1911

Vezn gSPreiS: monatlich75Pß, viertel­jährlich Mk. 2.20; durch Abhole- iu Zweigstellen monatlich 6o Pf.; durch die Post Mk.2.vienel- jährl. auSschl. Bestella. Zeilenpreis: lokal 1b Pf^ auswärts 20 Pfennig. Chefredakteur: A Goetz. Verantwortlich für den politischen Teil: August Goetz; für .Feuille­ton', .Vermischtes' und .Gerichtssaal": R. Neu-

Giehener Professoren über Kriminal-Psychologie.

'4 ftÖlrt; 13. Okt.

Ter 7. Internationale Kongreß für Kriminal-Anthropologie nahm im weiteren Verlauf seiner Verhandlungen einen sehr interessanten Vortrag über

Die Entmündigung chronischer Krimineller als Mittel der sozialen Hygiene

von Professor Tr. Dann em an n (Gießen) entgegen. Der Vortragende führte aus: Ter § 65 des Vorentwurfs eines Deutschen Reichsstrafgesetzbuches wird, wenn er zur Annahme ge- lanaen sollte, zweifellos eine wertvolle Handhabe zur erfolg­reichen Eindämmung der Kriminalität psychopalisch oder neu­rotisch veranlagter oder an der Grenz? der Imbezillität stehender Minderwerttger abgeben. Doch darf nicht unterlassen werden, da wir unmöglich alle psychisch Defekten nach Konflikten mit dem Strafgesetz in Anstalten unterbringen können, auch auf andere Vorbeugungsmaßregeln zurückzugreifen. Es empfiehlt sich ins­besondere, solchen Menschen, wenn nicht zwingende Gründe für eine Anstaltsaufsicht vorliegen, durch Vormundschaft eine soziale Stütze zu schasten, wenigstens solange ein besonderes Sicberungs- versahren noch nicht besteht. Llußer den durch eine halb krank­hafte Veranlagung offensichtlich zur chronischen Kriminalität mt- genden Minderwertigen gibt es eine beträchtliche Anzahl Recht- brechender, die infolge eines aus allgemeiner Urteilsschwäche zu erklärenden Mangels an sozialem Pflichtgefühl und infolge völliger Unfähigkeit, aus erlittenen Strafen die s)7utzanwendung zu ziehen, beständig der Rechtspflege Schwierigkeiten bereiten. In ihrem Verhalten kommt ein Grad von geistiger Schwäche zum Aus­druck, der zur Enttnündigung wohl berechtigt, obwohl kein Grund vorliegt, ihre straftechtliche Verantwortlichkeit zu verneinen. Eine von mir angestellte Umfrage bei zahlreichen Ge­fängnisärzten ergab, daß die große Mehrzahl geneigt ist, tu der Tlteorie die Zweckmäßigkeit der Entmündigung dieier Min­derwertigen anzuertennen, da sie als Mittel zur Verhütung oder doch zur Einschränkung ihrer kriminellen Betätigung nach der Entlassung aus den Strafanstalten stieße. Man bat sich bisher Ober gescheut, diese Auffassung in die Praxis umzusetzen, ciiimal nie manche Staarsanwaltichasten, von denen doch allein die Jni- - -alive in dieser Sacke ergriffen werden tönnie, solche Versuche cabgelehnt wurden, sodann weil man befürchtet, daß die Entmün-

lvegt hat, ist in den Verhandlungen sehr weit entblößt ivorden. Unsere Gesetzgebung hat auch aus diesem Fall tDieber Lehren zu ziehen und zu erwägen, ob es angeht, private Angelegenheiten ohne Not so brutal ans Tageslicht zu zerren. Die Boudoir-Szenen der Frau Wolfs-Wertheim und ihrer Tochter standen nur in losem Zusammenhang mit den Vergehungen des Angeklagten, der, ob er Ehekandidat der Dolly gewesen war oder nicht, gerichtet werden mußte. Aber alle die Vorgänge, die da enthüllt wurden, von den

ästen des Hauses Wertheim bis zu der seltsamen Existenz des Ordensvermittlers und sogenanntenGeneralmajors" Pauli, sind unangenehmer, widerwärtiger Natur. Geld spielt die Hauptrolle; alles andere ist Nebensache. Man darf diese Dinge nach keiner Richtung hin verallgemeinern, aber sie sprechen Bände. Es wird beklagt, daß Offiziere im Hause Wertheim überhaupt verkehrten, wo nur krasser Lebensgenuß an der Tagesordnung gewesen sei; daß einer der Herren sogar regelmäßige Geldgeschenke angenommen habe. Hier müssen kräftige Maßregeln einsetzen, und unsere Offizierkorps können es sich überlegen, ob dem Mammon ein so besonderes Ansehen in der Welt einzuräumen sei, daß darüber afie ernsten und sittlichen Erwägungen zu schänden werden. Dieselbe Frage berührt das g^nze Volk. Ekel ist das Hauptgefühl, das dieser Prozeß aufgewühlt hat. Ueberall wurde ein niedriges Niveau der Lebens­auffassung aufgedeckt. Ein Verteidiger durfte voll Emphase ausrusen, ob denn der Ordensschacher so etwas Schlechtes wäre! Es gibt Handlungen, die, obgleich sie vor Gericht nicht als strafbar erscheinen, schlimmer beurteilt werden müssen als mancher Fall, auf den das Sttafrecht anzu- wenden ist. Der Graf Wolff-Metternich sollte seine Gefäng- uismuße dazu benutzen, darüber nachzudenken. Dann wird

politische Wochenschau.

Gienen, 14. Okt.

Ter Prozeß gegen den Grafen Wolf-Metternich, der leider 8 Tage lang dauerte, war der öffentlichen Aufmerk­samkeit wert. Tie Moral der Geschichte beschäftigt heute die gesamte Presse. Wenn einer der Verteidiger des Grasen gemeldet hatte, die Oeffentlichkeit würde int Falle einer Verurteilung einen ungeheuerlichen Rechtsbruch feststellen, so irrte er. Der Verurteilte genießt keinerlei Sympathie, und um formale juristische Erwägungen kann es sich bei Der Beurteilung des Falles nicht mehr handeln. Der ange­klagte Graf ist eher besser als schlechter denn ein gewöhn­licher Sterblicher behandelt worden. Er hat zwei tüchtige und hartnäckig sich bemühende Verteidiger gehabt, die es verstanden, den Gerichtshof 8 Tage lang mit ihrem Fall zu beschäftigen. Da erscheinen die dreisten Ausfälle des Verurteilten gegen diepreußische Gerechtigkeit" wirklich in einem sehr eigentümlichen Lichte.

Nein, an den Taten dieses Trägers eines erlauchten Namens gibt es nichts zu beschönigen und zu entschul­digen. Er ist weder geistig minderwertig, noch ist er durch anderer Menschen Schuld auf die schiefe Ebene gelangt. Seine Verteidigungsreden verrieten einen Menschen von Selbstverantwortlichkeit. Er gibt das, was er verübt hat, als einwandfrei, höchstens ein bißchen leichtfertig, aus. Nicht das leiseste Gefühl der Scham sprach aus ihm, als er seine fragwürdigen Glücksritter-Abenteuer breit treten ließ; it sand es ganz in der Ordnung, die Dolly Pinkus, nach deren Geld er gestrebt hatte, der Verachtung preiszugeben, und seine Anmaßung und Unbescheidenheit vor den Ge­richtsschranken kannten keine Grenzen. 9 Monate Gefängnis find eine fast zu leichte Strafe für diesen armseligen und gemütsrohen Menschen.

Das Milieu, in dem der Angeklagte in Berlin sich be­

er vielleicht nicht allein seine bisherige Lebensführungals Kavalier", sondern auch die Unflätigkeiten seinen Richtern und dem Staatsanwalt aegcnüber bereuen lernen. Irgend eine schlichte, ehrliche Arbeit schändet auch einen Grafen nicht.

Tas deutsche auswärtige Amt hat in der abgelaufenen Woche wieder einen neuen Markstein gesetzt. Marokko gehört fortan den Franzosen. Ter Streit darüber, ob wir etwas vom französischen Kongo erhalten und ob es ein paar Quadratmeter mehr oder weniger sein werden, nimmt seinen Fortgang und soll als ziveiter Teil des Abkommens späterparagraphiert" werden. Tas Interesse des dcut- chen Volles an Marokko erlahmt allmählich, trotzdem das deutsche amtliche Wolsfsche Bureau sich bemüht, jeden Tag neue französische Pressestimmen uns vorzusetzen. Ob es ein Gefühl des Stolzes ist, mit dem man dartun zu können glaubt, daß die Franzosen allmählich siel) mit dem Ge­danken vertraut machen, den Deutschen tatsächlich ein Trink­geld zu gewähren? Tann aber hat man vergessen, hinzu­zufügen, daß bekannte Pariser Blätter selbst schmunzelnd voneinigen Sümpfen des Kongo" gesprochen haben. Der Bundesratsausschuß für auswärtige Angelegenheiten hat in Berlin getagt und, wie es in der amtlichen Notiz hieß, Mitteilungen des Reichskanzlers" entgegengenommen. Es heißt neuerdings, die deutsche Regierung sei bereit, als Gegenleistung den Franzosen auch ein Stück deutschen Ge­bietes, vielleicht den sogenanntenEntenschnabel" im Nor­den Kameruns, abzutreten. Das Gerücht wird heute nicht mehr dementiert. Man kann sich also auf alles gefaßt machen. Ferner ist in der Presse Die Meinung ausgesprochen worden, Herr v. Bethmann-Hollweg werde bei einer dem- nächstigen Anfrage im Reichstag nur eine kurze Erklärung abgeben und sich weigern, schon jetzt auf die Marokkofrage näher einzugehcn. Der Berichterstatter fügte grollend hinzu, die betreffenden Abgeordneten würden eS trotzdem sich nicht nehmen lassen, eine ausführliche Besprechung zu veran­lassen. Was soll man aber mit einem schweigenden Reichs­kanzler anfangen? Spott und Hohn häufen sich ja heute schon genug auf sein armes Haupt. Der Reichstag wird sich vermutlich in Ruhe fassen, geduldig warten, bis Herr von Bcthmann seine Zeit für gekommen erachtet. .... Schwachheit, dein Name ist heute nicht mehrWeib"!

Während der italienisch-türkische, Krieg in dieser Woche keine Ueberraschungen gebracht hat und das türkische Parla­ment heute seine Sitzungen eröffnet, um der Lage die ent­scheidende Wendung zu geben, ist in China eine ernste Revo­lution ausgebrochen. Vielleicht kann man fortan auch von einem Komitee der Jungchinesen sprechen. Wie die Türken ihren Abdul Hamid absetzten und eine neue Aera herbei-- führten, so ist Jungchina anscheinend mit der Mandschu- Dynastie unzufrieden. Uebereinstimmende Berichte aus Ehina lauten dahin, daß die Revolutionäre überall siegreich vorgedrungen seien und daß sie am mittleren und oberen Jangtse sogar schon eine eigene republikanische Regierung eingesetzt hätten. Die Bewegung hat drei Provinzen des himmlischen Reiches erfaßt. Wie einst in der Türkei, hat diese chinesische Agitation ihre Hauptanhänger im Heere gefunden. Die Führer rechneii darauf, daß das Ausland ihre Absichten unterstützen werde, und sie verkünden, daß sie Leben und Eigentum der Fremden nicht antasten wollten. Solche Versprechungen sind innerhalb einer unberechen­baren Bevölkerung, die zudem wieder unter lieber- schwemmungen zu leiden hatte, nicht allzu hoch zu bewerten. Glücklicherweise werden Kriegsschiffe, auch unsere deutschen Kanonenboote, mitzusprechen haben. Im letzten November war ein kaiserlich chinesisches Edikt herausgekommen, nach dem China in zwei Jahren ein Parlament mit einem verantwortlichen Ministerium besitzen

Gitfjentr$amUlcnblätkr; zweimal wöcheml.Meir- dlatt für den Ureis Sichen (Dienstag und Freitag); zweimal monntl. Land­wirtschaftliche Zeitfragen Ferniprech. Anschlüsse:

General-Anzeiger für Gberhessen

Annahme^ von Anzeigen Kofofionsbrud und Verlag ber Vrühl'schen Umv.-Vuch- unb Steinbruderei R. Lange. Redaktion, Expedition und Druckerei: Schulstrahe 7. Land-:^E.Heb;^sür den (S MrnuuaSnTun^ Büdingen: Fernsprecher Nr. 269 Geschäftsstelle Bahnhofstraße 16 3. Anzeigenteil: H. Beck.

Die Revolution in 5üd-Lhina.

£b die Erhebung in Wutschang mit Der Bewegung in Szetschwan irgendwie in Verbindung steht, scheint zur Stunde noch untlar. Sehr beunruhigend für die Pekinger Regierung ist das außerordentlich rasche Umsichgreifen des Ausstandes gleich in seinem ersten Stadium. Reicht minder beunruhigend klingt es, daß ein großer Teil der im Auf- standsgebiete stehenden europäisch gedrillten und organi­sierten Truppen zu den Aufständischen übergegangen sein soll.

London, 13. Okt. Wie das Reuterbureau aus H a u- kau meldet, treffen dort Steilungen von Regierungs­truppen ein, denen die Aufständischen entaegengehen und zum Anschluß an die Meuterer zu verlocken suchen. In der vergangenen Nacht kam es zu einem Massakreunter den Mandschufamilien. Die Gefängnisse wur­den geöffnet, die Sträflinge enttarnen. Wut­schang und Hanyang sind stark befestigt und mit Geschützen armiert worden. Im Arsenal ist reichlich 9)tunition vor­handen. Tie Revolutionäre sind der Ansicht, daß sie im­stande sind, die Gegner niederzuzwingen. Die Brand­stiftungen werden fortgesetzt. Die Verbrecher werden, wenn sie gefaßt werden, streng bestraft.

Die weitere Ausbreitung der revolutionären Bewegung.

Aus Han kau wird ferner gemeldet: Bisher treu­geblieb ene Schiffe fangen an, zu den Revolutio­nären, die in Wutschang und Hankau strenge Ordnung halten, überzugehen. Marodeure und Brandstifter wer­den streng bestraft. Gestern nacht wurden fünf htngerichtet. Tie Revolutionäre st eckten die Verwaltungs­gebäude und die Häuser der Mandarinen an. Tas Bombardement auf Wutschang wurde fettens der treu- gebliebencn Schiffe, die längs den Siedlungen Hegern auf Wunsch der ausländischen Kreuzer eingestellt, da durch das Feuer der Revolutionäre aus den Forts die europäischen Siedlungen, besonders russische, gefährdet werden.

Peking, 13. Okt. Tie Aufständischen von H a n- fau eroberten die Eisenbahnstation. Auslän­dische Matrosen unter dem japanischen Admiral Havashima wurden gelandet, um die Niederlassungen der Fremden zu toü^,ing 13. Oft. Ter Kommandeur der in ,WuLschang liegenden Division wurde entlassen. Heute gehen nach Hupeh meh­rere Züge mit Truppen ab. In Peking wurden Polizei­maßregeln zur Aufrechterhaltung der Ordnung getroffen und der Schutz der Kaiserstadt verftärkt. Aus Wuhu in der Provmz Anhui werden Unruhen gemeldet. T s ch a n g - scha, Provinz Hunan, ist von den Aufständischen um­zingelt. An der Spitze der interimisttschen Regierung jn Wu­tschang steht der Revolutionäre und frühere Offizier Huangh- sing.

Tie Lage in der Hauptstadt.

London, 14. Oft. DerCentral News" wird aus Pe­king telegraphiert: Die Einwohner von Peking sind durch die Nachrichten von der großen revolutionären Bewegung in Schrecken gesetzt. Die Truppen wurden auf alle Fälle in Bereitschaft ge­setzt und teilweises Kriegsrecht wurde verkündet. Tie Rebellen- f ü h r e r erließen eine Proklamation, worin es heißt, die Volks- armeewerdedieMandschu-Tynaftie ftürzen. Es heißt, daß der wahre Führer der Bewegung der berüchtigte Revolutwnär Hunt sch ing sei, der früher Offizier war. Er ist noch mcht auf 'dem Schauplatz der Reooluiioir eingeiroffen.