der Mandschu-D hna stie unverhültt aufforberte. Die Dynastie, so schrieb inan schon damals, sei unfähig, die Ehre des himmlischen Reiches zu wahren.
In der Zwischenzeit wurde die Lage verwickelter. Oert- liche Ursachen führten zu einer Verschärfung in der Spaltung der aufrührerischen Elemente. Der neue Gouverneur, den die Provinz K'wantung jüngst erhielt, war von dem Verlangen beseelt, gute Verwaltungsmaßregeln durchzuführen. Die leeren Kassen wollte er durch die Einführung einer Anzahl unpopulärer Steuern füllen. Er verbot alle Glücke-spiele mit einem Federstrich. Ob NUN die Reformer sich der unzufriedenen Steuerzahler und der Genossenschaft der Spielhöllenbesitzer bedienten, oder ob diese Clique sich mit den Reformern ins Einvernehmen setzte, ist noch unbekannt. Jedenfalls aber war in diesen Elementen genügend Zündstoff angesammelt, um die Gewalttätigkeiten, die die Telegramme aus Kanton melden, erklärlich erscheinen zu lassen.
Der Kaiser in Karlsruhe.
Karlsruhe, 4. Mai. Heute vormittag 10i/2 Uhr ist das deutsche Kaiservaar mit der Prinzessin Viktoria Luise im Sonderzug hier eingettoffen. Zum Empfange auf dem Bahnhof hatten sich eingefunden der Großherzog und die Großherzogin sowie Prinzessin Wilhelm von Baden, der preußische Gesandte v. Eisen- oecher mit Gemahlin, die Minister, die Generalität und die Spitzen der Behörden. Nach herzlicher Begrüßung fuhren die Fürstlichkeiten im offenen Wagen durch die festlich geschmückten Straßen zum Schloß. Die Bevölkerung, welche die Einzugsstraßen dicht'besetzt hielt, begrüßte die Majestäten mit Zurufen. Auf dem ganzen Wege zum Schloß bildete die Schuljugend Spalier. Am Schloßportal wurden die Majestäten von der Großherzogin Luise, dem schwedischen Königspaare, den Gefolgen und den Hofstaaten begrüßt.
Um 1 Uhr fand im Residenzschlosse Familien - und Marschalltafel statt.
Die Majestäten nahmen heute nachmittag den Tee beim ^Gesandten von Eisendtther. Der Kommandant des kaiserlichen Hauptquartiers, Generaladjutant von Plessen, und der Flügeladjutant v. Dommes sind hier eingetroffen.
Dom internationalen preffekongreh in Rom.
Rom, 4. Mai. Bei der Eröffnung des internationalen Pressekongresses begrüßte der frühere Ministerpräsident Luzzatti die „Fürsten der öffentlichen Meinung", und bezeichnete es als Pflicht der Presse, sich zum Apostel der Zivilisation und zu einem Werkzeug moralischer Vervollkommnung zu Machen. Je mehr sie sich dieser Pflicht widme, umso besser werde sie ihrer umfassenden Aufgabe gerecht, als ein Regulativ auch des staatlichen Lebens zu wirken. „Durchdrungen von der Größe unseres Erzieherberufs wollen wir uns die Hand reichen, meine Herren Kollegen von der Presse; schließen wir uns immer enger zusammen in einem Bund des Lichtes und der Liebe, hier auf dem Kapitol, von dessen idealer Höhe man die Wünsche der Völker und ihr ungetröstetes Leid besser erkennt, von wo man mit größerer Autorität jeden Mißbrauch verurteilt, der gleich verdammenswert ist, ob er von oben oder von unten kommen mag. Bei allem berechtigten Stolz auf das eigene Vaterland, dessen eifersüchtiger Sohn jeder von uns ist, fühlen wir uns hier als die Bürger eines anderen, größeren Vaterlandes." Luzzatti schloß mit den Worten: Das italienische Volk, das die Schmerzen ungerechter Unterdrückung zu stark gefühlt habe, um nicht die Unabhängigkeit doppelt süß zu empfinden, entbiete der Presse unter den Auspizien seines Königs freudig seinen herz- lichsten Gruß im Ausblick auf eine glückliche Uebereinstim- nrung der zivilisierten Staaten in dem allgemeinen und grenzenlosen Fortschritt des Wissens und der Güte, dieser beiden höchsten Kräfte, aus denen die blühende Jugend der Welt ewig sich erneuere.
Der Präsident der Internationalen Union der Pressevereine, Chefredakteur des „Neuen Wiener Tagblatts", Wilhelm Singer, erinnerte an die erste Tagung des Kongresses in der ruhmvollen Hauptstadt des glücklichen Italiens, an die Teilnahme des Königs Humbert und der Königin Margherita sowie des jetzigen Königspaares. Er gedachte ferner der Verdienste des Italieners Torelli- Viollier um das Statut der Union, um dann die hohen Aufgaben der Presse, die zum Teil fast widerspruchsvoll seien, und die vielseittgen Anforderungen der menschlichen Gesellschaft an die Charakter- und Geistesgaben der Journalisten zu skizzieren. Der Redner schloß mit einer begeisterten Huldigung für das Königspaar und das von nationalem Jubel erfüllte Italien.
«Erneutes Vorgehen der Aufständischen in Mexiko.
Mexiko, 4. Mai. Das .Kriegsministerium ist davon benachrichtigt worden, daß die Aufständischen den Hafenort Mazatlan, wo sich viele Amerikaner befinden, eingenommen haben.
Newy ork, 4. Mai. Aus Presidio in Texas wird gemeldet: Die Aufständischen, nachdem sie die Belagerung von Ojinaga hatten aufgeben müssen, wurden gestern bei El Gato nach sechsstündigem Kampfe geschlagen. Die Regierungstruppen verloren 50 Tote. Die Verluste der Aufständischen sind unbekannt.
Deutsches Reich.
In der Sitzung des preußischen Abgeordneten-, Hauses am Donnerstag wurde über den Antrag der Sozialdemokraten auf Einstellung des bei dem Ehrengericht der Anwalts- kammer Berlin gegen den Abgeordneten Liebknecht schwebenden Verfahrens beraten. Der Gcschäftsordnungs- ausschuß hatte Ablehnung des Antrags beantragt. In namentlicher Abstimmung wurde der Ausschußantrag mit 123 gegen 116 Stimmen abgelehnt und damit der sozialdemokratische Antrag angenommen.
Zwischen den geschästsführenden Ausschüssen derNational- liberalen Partei und der Fortschrittlichen Volks- Partei ist unter Zustimmung der beiderseitigen Lokalorganisationen der Provinz Sachsen folgendes Wahlabkommen abgeschlossen:
.Den Nationalliberalen fallen zu die Wahlkreise: 1. Salzwedel-Gardel eg en, 2. Osterburg-Stendal, 3. Neuhaldens- leben-Wolmirstedt, 4. Wanzleben, 5, Kalbe-Aschersleben, 6. Halberstadt, 7. Torgau-Liebenwerda, 8. Sangerhausen-Eckardtsberga, 9. Erfurt.
Der Fortschrittlichen Volkspartei fallen zu die Wahlkreise: 1. Jerichow, 2. Wittenberg-Schweinitz, 3. Halle, 4. Mansfeld, 5. Merscburg-Querfurt, 6. Naumburg-Zeitz, 7. Nordhausen, 8. Mühlhausen-Langensalza.
Im Wahlkreise Stadt Magdeburg unterstützen beide Parteien die wildliberale Kandidatur K o b e l t.
Die Blätter melden aus Berlin: Die bevorstehende Jahr- Hrrndertteier des Jahnturnplatzes in der Hasenheide gab am Donnerstag den Sozialdemokraten in der Rixdorfer Stadtverordnetenversammlung Veranlassung, eine stürmische Erörterung Hervorzurusen. Der Vertreter der l sorlltldeüwLraUichcn Pattn erklärte, bei aller Verehrung für Jahn
sei seine Fraktion gegen diese Feier, weil sie nur einen Teil der turnerischen Jugend umfasse. Alle anderen Parteien stimmten geschlossen gegen die Sozialdemokraten.
In Hamburg haben am 1. Mai 10000 Mitglieder des Metallarbeiterverbandes gefeiert. Davon nahm.n 2300 am 2. Mai die Arbeit wieder auf, 2000 Arbeiter sind einen Tag ausgesperrt worden und nahmen am 3. Mar die Arbeit wieder auf, 3000 sind 2 Tage ausgespertt worden und nahmen die Arbeit am 4. Mai wieder auf, die übrigen 2700 sind 10 Tage, also bis zum 11. Mai, ausgesperrt.
Ausland.
Im russischen Ministerrat ist am Donnerstag der Entwurf einer Polizeireform eingebracht worden.
Aus Stadt und Land.
(Sieben, 5. Mai 1911.
Aus der Sitzung der Stadtverordneten.
Eine Aussprache über das Hinterlandbahn- und da§ Kleebachtalbahn-Projekt leitete die gestrige Sitzung der Stadtverordneten - Versammlung ein. Wenn auch ein greifbarer Beschluß über beide geplante Bahnlinien ebensowenig zu fassen war wie über die ebenfalls in den Bereich der Beratung gezogene Frankfurter Unwersitätssrage, so ließ doch der Gang der Aussprache über beide Angelegenheiten erkennen, daß die Interessen der Stadt und Bürgerschast in beiden Fragen von der Stadtvertretung tatkräftig gewahrt wurden. Gelegentlich der Verlängerung des Vertrages über die Benutzung des linken Nebengebäudes der alten Klinik für die Zwecke der Ohrenklinik erfuhr man, daß die neue Ohren- und Hautklinik bis zum Jahre 1914 fertiggestellt sein wird. Die Lösung, die die Frage der Bebauung der LelterSweggärten nach der Süd-Anlage zu gefunden hat. befriedigt wohl die Allgemeinheit wie die Stadt im gleichen Maße, da bei der vereinbarten Regelung die sofottige Bebauung möglich ist und die Süd-Anlage unverändert erhalten bleibt. Aus dem übrigen Inhalt der Verhandlungen ist noch zu erwähnen, daß die Stadt der Veranstaltung von Ballonfahrten in unserer Stadt durch Gewährung billiger Gas- preise usw. entgegenkommt.
Blumentag.
Zn dem in heutigem Inseratenteil enthaltenen offiziellen Programm für den Blumentag sei noch folgendes mitgeteilt:
Für die Zwecke des Blumenvertaufs sind brei Bezirksstellen errichtet, und war für den ersten Bezirk Asterweg 9, für den zweiten Bezirk das Torhäuschen am Stadttheater, für den dritten Bezirk das Bahnhofsgebäude. An diesen Stellen können die Verkäuferinnen ihre Bestände an Blumen usw. ergänzen, sowie Wechselgeld erhalten.
Die Verkäuferinnen, die die eingehenden Bettäge in geschlossenen Büchsen sammeln, sind an einer rotweißen Armbinde mit der Aufschrift „Hessischer Blumentag" kenntlich. Nur die, die das offizielle Abzeichen tragen, sind zum Verkauf berechtigt.
Um den Verkäuferinnen das Geldwechseln zu ersparen, wird gebeten, sich im voraus mit Nickelmünzen zu versehen. Die Bank für Handel und Industrie, sowie die Mitteldeutsche Crcdit- bank halten einen reichlichen Vorrat von Nickelgeld zum Wechseln bereit. Ebenso haben die genannten Banken das Zählgeschäft freundlichst übernommen. Es ist dabei die Einrichtung getroffen, daß jederzeit festgestellt werden kann, wieviel jede einzelne Dame vereinnahmt hat.
Für die Konzerte und Tanzvetgnügen in Steins Garten und auf der Liebigshöhe wird ein Eintrittsgeld von 30 Pfennigen für die Person erhoben. Selbstverständlich fließt der Reinertrag den Zwecken des'Blumentags zu.
Aus Darmstadt wird uns noch berichtet: Für den Blumentag sind durch die Zentrale iy2 Millionen Blumen an die einzelnen Bezirke zur Verteilung gekommen, die durch über 9000 Mädchen zum Verkauf kommen sollen. 80 Prozent aller hessischen Gemeinden haben sich an dem Wohltätigkeitswerke beteiligt. Außerdem werden etwa 60 000 verschiedene Ansichtsposttarten, zum teil nach Aufnahmen der Großherzogin, teils von den Künsttern Hengeler-München und Kleukens-Darmstadt entworfen, zum Verkauf kommen. Ferner 20000 Exemplare der.Blumentagszeitung, 2000 Stück Wohlsahrtsporzellan usw. . Der Schwerpunkt der Veranstaltung liegt in den Städten am Blumenverkauf, verbunden mit Straßenkonzerten, Verkaufsbuden usw., während in den kleineren Orten auf dem Lande gesellige Veranstaltungen, sog. Bunte Abend, ünd außerdem an ca. 120 Orten belehrende populäre Vor- träge über Säuglings- und Mutterschutzpflege durch Lehrer, Aerzte und Geistliche abgehalten werden.
*
’* Lehramtspersonalien. Der Großherzog hat den Oberlehrer Professor Dr. Friedr. Kraft zu Gießen auf sein Nachsuchen aus dem Staatsdienst entlassen.
* ’ Lehrer Personalien. Uebertragen wurde dem Lehrer Wilh. Göbel in Schlitz eine Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Bischofsheim: dem Schulamtsaspiranten Friedr. Uhrig aus Frankfurt u. M. eine Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Dietzenbach. — Erle digt ist eine mit einem evang. Lehrer zu besetzende Schulstelle zu Staufenberg. Mit der Stelle ist Organistendienst verbunden.
* * Ernannt wurde der Militäranwätter Vize- eldwcbel Theodor Frey mann aus Eichelsdorf zum Steueraufseher.
* * Frühlingsbilder zeigt die neue Ausstellungsserie in der Lesehalle. — Aus der Gruppe sind hervorzuheben: Schoyerer „Vorfrühling am Ammersee", Will „Frühling im Wiener Wald", Modersohn „Frühling in der Heide", Dahl „Norwegische Landschaft", Schill „Maienzeit", ParsonS „Lachende Flur", Overbeck „Blühende Kastanien", Thoma „Frühlingsreigen", Winter „Liebesfrühling", Cederström „Ein Sonnenstrahl", Spitzweg „Morgenlektüre", Klinger „Frühlingsabend".
** Vom Frauenstimmrechtsverein wird uns geschrieben: Die Bewegung vor der letzten Reichstagswahl hat gezeigt, daß das Interesse, welches die Gießener Frauen den politischen Ereignissen entgegenbringen, in ständigem Wachseck begriffen ist. Dieses Interesse zu pflegen und zu schulen, darin erblickt der Gießener Stimmrechtsverein seine nächste und wichtigste Aufgabe. Er hat daher für das beginnende Sömmersemester einen etwa ^wölfstündigen politischen Bildungskurs eingerichtet, zu dem Frauen aller Parteien willkommen sind. Es werden darin Vorträge über die wichtigsten Gesetze, Verfassungsfragen und andere Gegenstände oer Bürger künde gehalten, und mit Hebungen und Vorträgen der Hörer verbunden werden. Anmeldungen werden erbeten an Frau Professor Hüter, Bergstraße 17.
<ßcrtcbt»faal.
Berlin, 4. Mai. Gegen den Entmündigungsbeschluß des Amtsgerichts Charlottenburg hat Frau v. Schönebeck-Weber Klage bei dem Landgericht III erheben lassen. Ihr Vertreter, Rechtsanwalt Bahn, stützt sich in dieser Klage formell darauf, daß weder sie noch er selbst zu den Beweisterminen zugezogen worden wären. Materiell bestreitet sic entschieden, geisteskrank zu ein. In der Klage ist beantragt worden, den Leiter der Irrenanstalt Kortau, Dr. Stolbenhoff, ferner Dr. und Geheimrat
Eulenburg und andere Sachverständige zu laden, und soben» auch Perionen, die früher und jetzt mit ihr in Verkehr gestanden hätten, zu hören. Tas Gericht behielt sich die Beschlußsastung vor
Berlin, 4. Mai. (Ablehnung eines Gerichts-, Hofs.) Zwei Anklagen gegen den verantwortlichen Redakteur des „Vorwärts", Richard Barth, der zurzeit eine ihm wegen Preß- vergchens aufgelegte Gefängnisstrafe verbüßt, kamen gestern vor der ersten Sttatkammer des Landgerichts I zur Verhandlung In bem ersten Anklagefall richtete sich die Anklage auch gegen den Bureauangestellten O. Schenk, der früher Schriftleiter der inzwischen eingegangenen Fachzcitung „Eisenbahn" war. Jnkrt- miniert war ein in beiden Zeitungen erschienener kurzer Artikel unter der Ueberschrift „Korruption in» der preußischen Eisenbahn- Verwaltung". Ter Artikel war die Wiedergabe eines vom sozialdemokratischen Pressebureau versandten Gerichtsberichts über eine Gerichtsverhandlung in Görlitz. Tanach war behauptet, daß die Firma Unwerth seit Jahren Eisenbahnbeamte beswchen habe. Wegen dieses Gerichtsberichts sind schon 8—10 Zeitungen ujiter Anklage gestellt worden, in jedem dieser Fälle sind Verurteilungen zu Geldstrafe erfolgt. — Der Swatsanwalt beantragte gegen Barth 1 Monat Gefängnis, oder aber, wenn sich der Gerichtshof nicht für eine Gefängnisstrafe entscheiden sollte, 500 Mark Geldstrafe: gegen Schenk 100 Mark Geldstrafe. Mit Rücksicht aus die Vor- Itraten des Angeklagten Barth wegen Beleidigung verurteilte der Gerichtshof diesen zu 1 Monat Gefängnis, den Angeklagten Schenk zu 100 Mark Geldstrafe. In dem zweiten An- klagesall gegen den Angekl. Batth handelte es sich gleichfalls um einen Beacht über eine Verhandlung vor dem Jnnuugsschiedsgericht. In diesem Falle war der Beleidigte der Schneidermeister August Wedler. Vor (Eintritt in die Verhandlung lehnte der Verteidiger Rechtsanwalt Dr. Rosenfeld den gesamten Gerichtshof als befangen ab. Er begründete den Antrag mit dem in der vorigen Sache gesprochenen Urteil und dessen Begründung durch den Vorsitzenden. Während etwa, 20 deutsche Gerichtshöfe wegen desselben Artikels nur auf Geldstrafe erkannt hätten, während der Staatsanwalt i'dbft mit der Möglichkeit einer Geldstrafe gerechnet habe, habe der Gerichtshof zu einer Gefängnisstrafe gegriffen. Dieses harte Utteil sei nur durch die in so verletzender Form erfolgte Begründung erklärlich, die zeige, daß das Gericht nicht geneigt sei, objektiv die Ausführungen des Angeklagten zu würdigen. — Da über den Ab- lehirungsantrag erst entschieden werden muß, mußte die Verhandlung vertagt werden.
Kleine Tageschronik.
Nach Unterschlagung von 67 000 Mark ist der Direktor des Lichtenberger Sparvereins, Kirchenältester Hor mann, geflüchtet.
In Berlin wurde in der Kleinen Markussttaße eine regelrechte Diebes schule aufgehoben. Ein vielfach vorbestrafter Händler Serig gewährte entflohenen Fürsorgezöglingen Unterkunft und bildete sie zu Dieben aus.
Der kürzlich verstorbene Kohlengroßhändler Har los in Kassel vermachte der Stadt testamentarisch eine Million zur Errichtung eines Heims für kranke Kauf*, l eu t e.
In Hamburg ist der Chef der Wörmann-Linie, Reederei-, firma C. Wörmann, Adolf Wörmann, geswrben.
Die Ortschaft O e k o r i t o (Komitat Szilagy) steht in Flammen. Die Kirche, das Schulhaus, sowie sechzig Häuser mit Nebengebäuden sind bisher abgebrannt.
Verlaui der Witterung seit gestern früh: Ein Randwirbel der nordwestlichen Zyklone ist in der Nacht über Deutschland gezogen und hat geringe Regenialle gebracht. Bei westlichem Winde trat Abkühlung ein. Ta jetzt von Westeuropa her hoher Druck vordringt, muß mit zeitweise heiterer und trockener Witterung gerechnet werden.
Wetterausstchten in Hessen am Samstag dem 6. Mai 1911; Zeitweise heiter, trocken, etwas warmer.
Letzte Nachrichten.
Em Elsenbahnzusammrnstoß.
Wien, ö. Mai. Bei Medyka auf der Strecke Lemberg—Krakau ereignete sich ein Eisenbahn-Zusammen- stoß, wobei 12 Wagen zertrümmert wurden. Ein Schaffner wurde getötet, einer verletzt.
Aus Mexiko.
Madrid, 5. Mai Die mexikanischen Friedensunterhändler haben eine Erklärung unterbreitet, in der sie verlangen, daß Diaz auf die Präsidentschaft verzichte
New York, 4. Mai. Ein Telegramm aus Mexiko meldet: Die Hauptstadt sei nicht in Gefahr, angegriffen zu werden. 'Sie verfügt über eine mit Schnellfeuergeschützen ausgerüstete Besatzung von 2000 Mann und 1200 Gendarmen. In der Umgebung machen ich Banden von Aufständischen bemerkbar, die aber untereinander nicht in Verbindung zu stehen scheinen.
Washington, 4. Mai. Im Repräsentantenhause, irophezeite der republikanische Vertreter für Pennsylvanien, Focht, den Einmarsch der amerikanischen Truppen in Mexiko für die nächste Zukunft. Er er- lärte, die Union ft aaten brauchten dieses Reich und feien im Begriff, den Lockungen des Goldes und dem Reiz des Abenteuers zu folgen. Er glaube, Präsident Daft werde sich nicht widersetzen. Seit Jahren nähmen die Unionstaaten alles, was Europa nicht wolle. Focht spielte, auf die Philippinen an, die den Weißen eine Last seien. Er fragte, warum Amerika sticht etwas in Besitz nehmen ’önne, ba$ der Mühe wert sei. Focht sagte die schließe liche Einverleibung Kanadas durch die Unionstaaten voraus und erklärte, die Mehrheit des kanadischen Volkes sei de^ Einverleibung geneigt.
Lissabon, 4. Mai. Bei einer Explosionskata^ trophe in Caparica wurden zehn Personen chwer verletzt; getötet wurde niemand.
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