Ausgabe 
4.11.1911 Erstes Blatt
 
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Märkte.

0. Ortenberg, 1. Nov. Ter Ortenberger »Kalte Warft* wurde in diesen: Jahre nur mäßig besucht. Einesteils ift dies dein Ausfallen des Liehmackles, onbernieild dem schlechten Wetter znzuschrelben. Am Sonntag und Montag war das Wetter- gut. Am Montag, an dem sonst ein reger Bietihandel betrieben wurde, war tn diesem Jahre gar nichts los. Zufriedenstellend war der Besuch am Tienstag trotz deS schlechten Wetters; ebenso am Alittivoch. Ter Himmel Halle noch em Einsehen, Denn an diesem letzten Marktlage war das schönste Weller. Ter Kinemaiogravl), der ausgezetchnete Vorstellungen gab, wird wohl daS beste Ecschä'ü emaclit haben Wie verlautet, soll Der Pferdemarkt in 4 Wochen "bgehallen werden.

Universitäts-Nachrichten.

§ Marburg, 3. Nov. Als Privatdozent der meb. Fakultät der hiesigen Universität habilitiert sich am nächsten Lienslag Dr. Wilh. Grüter mit einer Antrittsvorlesung über Die Entstehung und Behandlung der Kurzsichtigkeit".

"TageSkalender. Stadttheater: Sonntag nach­mittag 3'/, Uhr: ,Es lebe das Leben*; abends 7'/, Uhr: Polnische W i r t s ch a i t*.

Kolosseum: Täglich Vorstellung.

K i n e m a t o g r a v h: Täglich Voritellung.

Biograph: Täglich Voritellung. .

An 1 agemusif am Sonntag, vormittag 11/, Uhr, m Der Liid-Änlage. Spielplan: 1. Stoben stehet Die Kapelle! von C. Kreutzer. 2. Große Fantasie aus Der OperVobcngiur, von N. - .aguer. 3. Winter stürme, Walzer von Jul. Fucik. 3. Am Wörther Lee! wlgrsch von K. Konjzäk. *

" Kunstverein. Da in den nächsten Tagen eine Sammlung farbiger Radierungen des bekannten RaDierers D. Motta- Genua auf kurze Zett zur Ausstellung gelangt, bleibt ein Teil Der jetzt ausgefieülcn Bilder nur noch einige Tage hier. Ter außergewöhnlich rege Besuch, den Der Kunst- verein bei seiner ersten Ausstellung nach den Ferien zu ver­zeichnen hat, dürfte wohl em Beweis fein, Daß Die Ausstellung Diel des Schönen aufznweisen hat. Tie Ausstellung ist täglich mit Ausnahme der CamStage, von 11 bis 1 Uhr, Mitt- lvochs auch nachmittags von 3 bis 5 Uhr, und Sonntags ununterbrochen von 11 bis 3 Uhr geöffnet.

Vom Konzertverein wird uns geschrieben: lieber Frau Saat weder-Sch lieper aus Barmen, Die in Mitteldeutschland noch nicht sehr bekannt gemarDen ist, liegen aus Berlin, Köln, Barmen und anderen Slädlen Nord- und Westdeutschlands Die aUergünfligficn Berichte vor, Denen mir auszugsweise folgendes entnehmen: Tie Künstlerin ist 1874 m Vevey geboren, studierte, von Jugend auf lebhaft für Musik interessiert, in Wien bei Theodor Leschetizky und später bei Professor Max Pauer in Stuttgart. Sie hat zunächst in Barmen eine erfolgreiche mufikpädagogische Tätigkeit auSgeübl und Tank ihres aiisgezeichueten Organisationstalentes und der ihr eigenen hervorragenden miisilalijchen Befähigung im Zusammenwirken mit oUereritcn Künstlern in Barmen und im Rhemlande eine Reihe von Konzerten und besonders von ihr arrangierter Kammerinrisikabende veranstaltet, die sich großer Beliebtheit erfreuen. Sie war es, Die 1904 Max Reger nach Bannen rief und gemeinschaftlich mit ihm und penn Martccm mit glänzendem Erfolge einen Reger-Abend veranstaltete. Weitere Konzerte mit Meschatztt, $fai)c,J8rmn, Eldering, mit dem böhmischen, Brüsseler und Wiener Streich­quartett, sodann ihre sehr berühmten Kunsitournecn mit Prof. Henri Martean haben ihren aitsgezeichneten künstlerischen Ruf begründet. Wurde in diesen Konzerten ihre große Kunst in der Begleitung, ihre Anschmiegungsfähigkeit und das fein­sinnige Sichanpassen gerühmt, so hatte sie öfters Gelegenheit, auch als Solistin ihre Künstlerschaft zu bewähren. In einem Düsseldorfer Blatte heißt es: /Wie RkartcauS Geigern fingen versteht, Das weiß jeDermann aber auch Frau Saatweber besitzt dies ausgeprägte Gefühl für edle Klangwirkungen. Unter ihrer Hand klingt und singt Der Flügel, verrät einen Reichtum an Klcmgschattierimgen, Der Das banale Wort von demleblosen Kiaviertone* Lügen straft.* In Berlin, wo man die Künstlerin in mehreren Konzerten hörte, wirdihr temperamentvolles Spiel, ihr gediegenes, jedem öirtuofen Firlefanz abholdes Musizieren* ganz besonders hervorgehoben. R!an Darf nach Den Durchaus nicht übertriebenen Berichten über Die offenbar große Pianistin, Die sich bisher mit Den genannten Künstlern stets in guter Gesellschaft befindet, au ihre pianistischen Leistuiigen gespannt fei».

** Stadttheater. Tie Aufführung von Suder­mannsEs lebe das Leben" am morgigen Sonntag­nachmittag ist die letzte des Werkes, woraus ausdrücklich hingewiesen fei. Am Mittwoch,. November, nachmittags findet ein Gastspiel der hier ja bestens eingeführten französischen Gesellschaft A. Roubaud statt, bei dem Molreresles semmes savantcs" zur Ausführung gelangen.

schäft arbeiten die Deutschen ohne Unterschied der Kon­zession nebeneinander, im deutschen Heere st eher: Evan- aelische und Katholiken Schul-ter an Schulter, wenn fte aber beten, so sind sie getrennt. Es hat Zerten gegeben, wo es schien, als ob das anders werden sollte.In innen oeben erschienenenKriegserinnerungen" beachtet der be­kannte Erziehungsfchriststeller Geheimrat Adoft Matthras von einem Feldgottesdienst, den er als Soldat rin, 57. ^zn- anterieregiment im Februar 1871 in Tours nutgefeiert hat. Gesungen wurde das LiedNun danket alle Gott , >as der evangelische Pfarrer Martin Rinkart zur Bstbel- feier der Augsburgischen Konfession im Jahre 1630 gedichtet batte: die Predigt, der alle ohne Unterschied des Glaubens mit gleicher Andacht lauschten, hielt ein katholischer Pfarrer. Matthias sagt hierüber:Ein schönes Bild einheitlicher deutscher Frömmigkeit, wie wir es heute nicht mehr zu sehen bekommen." Gott gebe, daß die Zukunft unser Voll auch in seiner Frömmigkeit zusammensühre. H. B.

Letzte Nachrichten.

Zum Rücktritt Des Staatssekretärs v. Lindequist.

Berlin, 4. Nov. Ter Rücktritt des Staatssekretärs int Kolonialanck Frhrn. v. Lindequist wird von Den meisten Morgen­blättern sehr beoauert. xteBvststa-r Zeitung" meint, es )ei herzerfrischend, wenn ein Staatssekretär einmal zeigt, Daß er nicht bloß Handlanger oder Werkzeug sein will, sondern sich ver­antwortlich fühlt. Tas ./Berliner Tageblatt" sagt: Es kann nicht bestimmt genug ausgesprochen werden, daß Herr von Linde- quiit wie ein Mann gehandelt hat, als er lieber auf sein Amt verzichtete, als auf seinem Stühlchen ruhig sitzen zu bleiben und Herrn von Bethmann-Hollweg einen guten Ak an» zu nennen. TerBerliner Lokalanzeiger" widmet dem ausscheidenden Staats­sekretär einen objektiv würdigenden Artilel, worin es heißt: Wenn D<r Staatssekretär trotz der schwierigen Verhältnisse, in die das Kolonialamt durch seinen Rücktritt gerät, auf seinem Posten nicht verbleiben nüll, so müssen in der Tat Gründe ganz besonderer Natur für ihn ausschlaggebend sein, dann wird man in Frankreich jedenfalls erkennen, wie Die hiesigen Kolonialkreise Das Kongo- abkommen zu beurteilen geneigt sind. Dasselbe Blatt erfährt, es dürfte versucht werden, diejenigen Personen, welchen die Dein Reichsrolonialamt vorgeworfenen Indiskretionen zur Last fallen durch eine förmliche Disziplinaruntersuchung zu ermitteln.

Tie Revolution in China.

Schanghai, 3. Nov. Die Chinesen st aDt Schanghai unD das Arsenal fielen gegen 6 Uhr abends ohne Wioer- stand, mit Ausnahme eines leichten Feuergefechtes vom Arsenal aus, in die Hände der Aufständischen. Ein Teil Der Arsenalwache nahm schnell die Armbinde Der Aufständischen an, Der Liest leistete augenscheinlich keinen Widerstand. Die chinesischen Einwohner und die Soldaten schlossen sich alle den Aufstän­dischen an.

Juanschikai sandte eine Denkschrift an den Thron, in der er es ab leh n t, den Vorsitz im Ka b i n e 11 za übernehmen. Es ist nicht möglich, zu sagen, ob hierin eine wirkliche Ablehnung oder nur eine Aeußerung Der Bescheidenheit liegt. Die Stadt ist ruhig. Nach Koniular- nach richten hast ein Gefecht bei Dschangscha statigestm' Den. Die Ausländer Haden sich auf eine Insel geflucht" und treffen Vorbereitungen zur Verteidigung.

Gerlchtssaal.

F. C. D a r mst a o l, 3. Nov. Ter Gras zu Solms- Laubach hatte im Januar und Februar d. I. als Ober­primaner in Darmstadt in dem Garten seines Pension- Vaters Katzen erlegt, die Felle gerben lasten und fte als Jagdtrophäen ausbewabrt. Die Nachbarschaft erhielt von dieser Katzenjagd Kunde und erstattete Anzeige. Heute hatte sich Der Graf vor der Strafkammer wegen Sach­beschädigung zu verantworten. Zwanzig Zeugen wurden vernommen und ein DuHend Katzenfelle lagen auf dem Ge­richtstisch. Die Zeugen waren nicht imstande,, zu erklären, daß irgend eines dieser Felle von ihren Katzen stammte. Der Vertreter der Anklage ließ während der Verhandlung die Anklage auf Sachbeschädigung fallen und beantragte wegen Unterschlagung eine Geldstrafe von 300 Mark. Der Verteidiger wies in seinem.Plaidoyers besonders darauf httl, daß der Angeklagte, der ein großer Tierfreund sei, weder aus Eigennutz noch aus Roheit den Katzen das Lebens- i licht aus geb lasen habe und beantragte die Freisprech-1 u n g. Der Gerichtshof erkannte nach kurzer Beratung dem-^ gemäß. ______________

des Sreites und beseitigt die Gründe zur Spannung; her euro­päische Friede erscheint besser gestchert. Emer der ,chwarzen Punkte, der regelmäßig und systematnch am Horizont austauchte, verschwindet hoffentlich für immer. Die Volker, welche arbeiten und zur Entwickelung ihrer Tätigkeit und ihres Wohlstcmdcs der Eintracht bedürfen, werden die Unterzeichnung des deutich-wanzo- sischen Vertrages von 1911 mit Freude begrüßen. Em solches Ergebnis zeigt, daß die Völker friedlich sein können, wenn sie es mit Entschiedenheit sein wollen und wenn sie im Stande sind, die Sorge um ihre Würde mit den Pflichten der Zwili- sation ht Einklang zu bringen.

DerFigaro" sagt: ..

Wir behalten uns unser Urteil bis zur Verösserttlichung des Uebereinkommens vor. Inzwischen aber beglückwünschen wir uns dazu, daß die beiden Regierungen nach so viel Schwierig­keiten und Verzögerungen endlich zu einem Einvernehmen ge-

Der^,T emp s" bespricht das französisch-deutsche Ma­rokko-Abkommen und bemerkt u. a.: 1Qnn .

Frankreich habe anläßlich Marokios schon rm Jahre 1900 eut Verhandlungssystem eingeführt, das in der Geschichte fast bei­spiellos dastehe. Es habe Den Italienern den Grundsatz der Un­versehrtheit Der Türkei geopfert, indem es. ihnen freie Hand in Tripolis ließ, es habe den Engländern seine Rechte in Neu­fundland abgetreten und den Spaniern Die Zukunft seiner Marokko- Vestrebungen durch einen seinen öffentlichen Verpflichtungen zu- widerlaufenden 'Einzelvertrag geopfert. Es könnte denn auch kein grundsätzlicher Einwand Dagegen erhoben werden. Daß auch DeutMand seine Entschädigung erhalte. Es wäre loguch ge­wesen, diese Entschädigung schon im Jahre 1904 zu geben, aber wie dem auch fei, der nordafrikanische Bentz Frankreichs ist nunmehr Europa gegenüber vollendet. Das unter Karl X. begonnene Werk wird unter der Dritten Republik gekrönt. Durch Das Ergebnis der bevorstehenden Verhandlungen mit Spanien wird der sranzonich- Deutsche Vertrag entweder in gutem ober schlimmem Sume abge- anbert werden, aber auch in dieser Angelegenheit hatte Die heutige Regierung die Hand nicht mehr frei. Tie Deutschland un Kongo zugeftandenen Gebietsabtretungen sind, wie jeder Gebietsverlust, für das französische Nationalgesuhl pein­lich. Der Anschluß Deutschlands anzweiPunktevon B e l - gisch-Kongo hat viel Beunruhigung hervorgerufen. Wir kennen nicht Die geheimen Pläne Der W ilh elmstr aste, ab er m an muß merken, daß zwischen Belgisch-Kongo und Deutsch-West-Alrlka eine weit längere Berührungslinie besteht. Was den sranzr-chchen Kongo anlangt, so hat die französische Regierung diese Kolonie niemals zu sästitzen und zu verteidigen verstanden. Solche Feyter rack-en sich früher oder später. Die öffentliche Meinung nnbet in dem gegenwärtigen Abkommen wenigstens Befriedigung m dem Marokwergebnis.

Es gibt in der neueren Geschichte feine geistige Be­wegung, bei der die treibende Kratt so sehr von einer ein­zigen Persönlichkeit ausgeht wie bei Der Deutschen Refor­mation. Hier ist Luther, den man neben Goethe und Bis­marck für den größten aller Deutschen ansieht, alles in allem. Im letzten Grunde ist die Persönlichkeit etwas Ver­borgenes, etwas Geheimnisvolles. Tas gilt auch von Luther, aber es ist doch deutlich zu feßcu, wo die Wurzeln seiner Kraft lagen. Seine Kraft war fein Glaube. Luther war von Anfang bis zu Ende von der Ueberzeugung ge­tragen: Meine Sache ist Gottessache; was fein großer Lehr­meister Paulus gesagt hatte, galt auch von ihm: Gott sei ge­dankt, der uns allezeit Sieg gibt in Christus. Die Un­erschrockenheit, die Luther stets bewies, ging aus seinem Glauben hervor. In seinen Schriften spielt Der Teufel eine große Rolle, aber scharf tritt hervor, Daß er sich vor ihm nicht gefürchtet hat.

Luthers BeDeutung reicht eben weit hinaus über den Bereich, den Die Kirchenmauern umschließen, er ist viel mehr als ein Regenerator Der christlichen Dogmatik. Selt­samer Weise haben dies die Theologen von dem Hallenser Mor Köstlin, der Luthers Leben ausführlich beschrieben s zu dem neuesten Lutherbiographen, dem Jesuiten Geisar, nicht recht gewürdigt Viel kongenialer haben die deutschen Historiker das Wesen des seltenen Mannes er­faßt. Leopold von Ranker hat in unvergleichkicher Weise Luther als religiösen Charakter geschildert, und Gustav Freytag beschreibt in Der ihm eigenen ammit.gen Form Die tiefe Einwirkung des Reformators auf Das ganze Leben Der deutschen Nation. Jym ist Luther nicht nur der Ge­lehrte, Der den Bruch mit der mittelalterlichen Scholastik vollzogen hat, sondern derErneuerer Der deutschen Votts- feele, der unserer tapferen, frommen, ehrlichen Innerlich­keit so gewaltigen Ausdruck gegeben hat, Daß in Lehre und Sprache, in bürgerlicher Crbnung, in den gemütlichen Nei­gungen des Volkes, in Wissenschaft unD Dichtkunst sehr viel von seinem Wesen übrig geblieben ist, woran wir alle jetzt Teil haben. Er war ein Bildner feiner Nation. Haus­andacht, Ehe und Anderzucht, Gemeindeleben und Schul­wesen, Sitte Vergnügen, alle herzlichen Empfindungen, alle gesellschaftliche Freude weihte er durch feine Lehre und Schrift, überall war er bemüht, neue Marksteine zu setzen, tieferen Grund zu graben. Die Herrschaft der Deutschen im Reiche des Geistes ruht auf ihm."

Leider feiert nur Die eine Hälfte Des Deutschen Volkes . das Reformationsfest, Die andere steht grollend daneben. In Der Industrie, im Handel, int Ackerbau, in Der Wissen-

Gießener Stadttheater. Meyers. Der, tolle Schwank von FrieDmann-FreDerich, Der augenblicklich säst auf allen Deutschen Bühnen ausgeführt wird, hatte gestern abend auch hier einen lebhaften Erfolg. Tie Zuschauer vergnügten sich bei Der lustigen Geschichte und kargten nicht mit heftigen Beifalls­bezeugungen. Lustig wird uns geschildert, wie ein junger Maim namens Meyer sich von einem Chevalier an Kindesstatt annehnien läßt, um zu einem wohlklingenden Namen zu kommen. Er gerät dadurch in eine recht abenteuerliche Verwandttchaft und nimmt schließlich Den Namen Meyer wieder voller Dankbarkeit an. Die Aufführung hatte unter Herrn Nordens flotter Lei­tung ein famoses Tempo angeschlagen und auch sonst alles ge­tan, um den Erfolg zu sichern. Herr Norden als Moritz Meier war tion köstlicher Komik und entschied die glänzende Aufnahme des Stückes mit seiner sieghaften Heiterkeit. Sehr lustig war der Chevalier des Herrn Gühne, Herr Goll als Jacques war seiner Rolle nicht sicher, aber sehr geschmeidig in feinem Spiel. Herr Bakof in einer äußerst komiicheu Maske wirkte als Nugeleit überwältigend, ebenso Fräulein Scholz als seine Gattin. Temperamentvoll und schneidige waren Die Herren Rappeport als Rechtsanwalt und Herr Großer als Emeste. Auch Herr Vo 1 ck (Kreiemann) und Fräulein de Bruyn (Edith) taten sich rühmlichst hervor.

** V o rn Frauenstimin rechts verein wird un5 ge­schrieben: 91 m 7. November findet die Hauptversammlung des Frauenstimmrechtsvereins statt, in der nach der üblichen Tagesordnung die Teilnehmer über die tvichtigen, in Ham- burg beschlossenen Veränderungen innerhalb des deutschen Verbandes unterrichtet werden. Daran anschließend hält Der Strafrechtslehrer an der Universität Professor Tr. Mitter- m aier einen öffentlichen Vortrag über das ThemaStell- ung und Aufgabe des Richters*. Diese im Vorder- gründ des öffentlichen Interesses stehende Frage wird nicht verfehlen, die größte Aufmerksainkeit derer auf sich zu lenken, Die ernstlich gewillt sind, die wichtigsten Angelegenheiten des | Staatsbürgerlebens kennen zu lernen.

Spielplan der Gießener Stadtthcaters.

Direktion: Hermann Stelngoetter.

Tienstag, den 7. Rovenwer, abends 8 Uhr (6. Dienstags- Abonnement - Vorstellung): ,A.eyers." Ende gegen 10'/, Uhr. Aiutivow, den b. November, abends 8 Uhr, bei auigehobeuem Abonnement (Abonnenten genießen Ermäßigung): e inmaliges Ec- samt-Gastspiel von Rosa Poppe, Kömgl. preuß. Hostcbauspielerm, und Eeorg Ai ölen ar, Königl. Hoischanspieler, mit Enjemble von Mitgliedern Berliner Theater:Judith." Erne Tragödie in fünf Aufzügen von Friedrich Hebbel. Ende gegen 11 Uhr. Freitag, ben 10. November, abends 8 Uhr (6. Freitags-Abonnement-Vor- Heilung): Zu Schillers Geburtstag:Tre Jungwan von Cileons. Ünöe 10% Uhr. Sonntag, den 12. November, nachmittags 314 Uhr, bei Volkspreisen: VoUsvoruellung:sJtora oder Ein Puppenheim." Ende gegen 6 Uhr. AbendS 1% Uhr, bei ge­wöhnlichen Preisen:Tie polnifche Wirlschait." Ende 10'/, Uhr.

Umuicher Weuemridit.

£)eff entließe Wetterdienst st eile Gießen.

Weiteranssichten m Heyen am Sonntag, den 5. November 1911: Wechselnd bewölkt, ohne erhebliche Niederschläge, kühl, westliche Winde.

** Wer ist Die Eigentümerin? Am 20. v. Mts. wurde hier ein blaues Damen-Handtäschchen mit wertvoller goldener Damenuhr mit Monogramm H. C. und goldener Halskette, einem goldenen Zwicker in Futteral und ein Taschentuch mit Dem NamenHeDwig" gefunDen. Da sich Die Eigentümerin aber bis jetzt nicht gemeldet hat, wird ie vielleicht auf diesem Wege auf den Verlust aufmerksam.

Hessen-Nassau.

)( Marburg, 3. Nov. Zu der am nächsten Montag unter dem Vorsitze des Landaerichtsrats Gesing beginnen. den Schwurgerichtssession liegen folgende Fälle vor: Arbeiter Konrad Rau, Rodheim, Sittlichkeitsverbrechen, Gerichtsdiener a. T. Breuning, Neustadt, Verbrechen im Amt, Landwirt Cbr. Stark, Allendorf a. d. Eder^ Körper­verletzung mit tödlichem Erfolg, Witwe Schmidt, Elnhausen, dasselbe, Arbeiter Joh. Peter, Marburg, Meineid.

w. Frankfurt a. M, 3. Nov. Bei Den Abbruch­arbeiten Des über Den Main führenDen Eisernen St'eges, Der schon feit Jahren ein großes HinDernrs für Die zu Berg fahrenDen Schisse bilDet unD an Dessen Stelle ein zwei Meter höher gelegener Steg, aufgefuhrt, wird, kürzte heute nachmittag ein Gerüst, auf Dem sich ein ab- montierter Teil Der Brücke befand, infolge aftzu starker Belastung zusammen. Drei Arbeiter fielen rns, Wasser, konnten jedoch gerettet werden; einer von ihnen ist schwer v erletz t. _________________________________________

Vie Revolution in China.

London, 3. Nov. Ans Peking wird gemeldet: Die A u s st ä n d i s ch e n besetzten am 30. Oktober Tschinsin- fion. Sie wurden am 31. Oktober aus Niangtsekuan zurück- geworsen und halten jetzt den Dortigen uneinnehmbar schei- nenDen Gebirgspaß mit einem Regiment Infanterie unD starker Artillerie besetzt. Sie haben ihn auf eine Lange von einer halben Meile zerstört unD Die Tunnels unpassrer-- Dar g, 2. Nov. Eingetrosfene amtliche Depeschen besagen: Ein Regiment, Das Den Kaiserlichen in Schensi zur Hilfe geschickt worDen ist, meuterte, tötete einen BrigaDegeneral, ermorDete über 1000 ManDschus, Darunter Den Gouverneur unD feine Familie unD zerstörte Den Yamen des Gouverneurs.

Schanghai, 3. Nov. Nach telegraphischen Meldun­gen aus Hang kau bombardierten die Kaiserlichen am 1. November die Chines enstadt, die zur Hälfte ein Raub der Flammen wurde. Der Versuch der Frem­den, die Verwundeten nach dem Hospital Der christlichen Mission in Sicherheit zu bringen, wurde durch das Feuer . der Aufständischen aus Wutschang behindert; Die Kaiser­lichen hörten jeDoch währenD Der Rettungsarbeiten Des Roten Kreuzes zu schießen auf.

Schanghai, 3. Nov. Tie Revolutionäre nah­men gestern abend das Ar s en al ein. Die Polizeitruppen schlossen sich ihnen an. Im benachbarten Bezirk Tjchapc meuterte das Polizeikorps. Die Offiziere sollen geflohen fein. Es ist ungewiß, ob die Bewegung auf revo­lutionäre Ursachen zurückzuführen ift oder ein gewöhn­licher Fall von Unbotmäßigkeit vorliegt.__________________

Aus Stabt und Land.

Kleyen, 4. November 1911.

Zum Reformationsfeste.