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Nr. 260
Erstes Blatt
16^ Jahrgang
Samstag, 4- November 19U
General-Anzeiger für Gberheffen
Rotationsdruck und Verlag der vrühl'schen Univ.-Buch' und Zteindruckerei R. Lange. Redaktion. Lrpedltion und Druckerei: Zchuiftratze 7 Büdingen: Fernsprecher Nr. 269 GeschaftLftelle Bahnhofstraße fbs.
Ter Oletzener lff)d<et «1**1111 täflhd), aiiBtr €oimtaq«. - Beilagen: »f er mol roöd'emlid) OiehenerZomNlendläNer. ri 1:11ml irorbentLKtciSi dlaltfürdenUrettSietzen (Tieiidtofl unb tVreiinfl); ; : eüiml monotl. £onb« wirllchaftltcheSeiNrag«, f*mnvied) - ‘Jinidiliifie: liir die Redaktion 113, Bering u. Expedition bl Ädresie Nir Tepeschenr «uzetger Wichen.
Annahme von Anzeigen <ür die Tagesnummer bis vonnitlaq» 9 Uhr.
veingsvrets: monntlidiTb’ÖUoicrtcl« jäbrhdi Mk. 2.30: durck ridhole- u. Zweigstellen monatlich tto Pi.; durch diePoft Mk.2.—viertel- jährt. auSjchi. BeileUa. Zeilenpreis: lokal I5Pi, auswärts 20 Meumg. Chefredakteur: A (Soetz. Veramwoitlick für den politischen Teil: Augu'l Goetz; für .Feuilleton'. .Vennischles' und ,(Si’iid)t9|(iai**: R. 9leu- raih; für .Stadl und Land": E.Hefr; für den Anzeigenteil: H. Beck.
Die heutige Nummer umfahr 20 Seiten.
Das (Ergebnis der hessischcn Landtagswahren.
Gießen, 4. Nov.
Gestern wurden in unserem Großheiz.g^am zum ersten Male nach dem neuen buchen Wahlrecht 33 Abgeordnete in die Zweite Kammer gewählt. 25 M.tgtieder des Hauses hatten bekanntlich nach Ablauf ihrer sechsjährigen Wah.- Periode auSzuscheiden, und um die neu hinzugekommenen t Mandate entbrannte der hauplkampf. Es ro.ro den lieber- blick erleichtern und die Beränderunyen erk.ären, wenn roii das Parteioer.haltnis des bisherigen LandtaLs zuerit nock einmal und vergegenwärtigen. Tie nationttiibcrale Fraktion besäst 18 Abgeordnete, der Bauernbund 12, das Zentrum 8, die fortschrittliche Volkspartei 5 und die Soz.ai- dcmokralie eben,alls 5. Zwei Abgeordnete, die Herren B..hr und Iontz waren fraktionslos.
Tie Nationalliberacen hatten 8 Abgeordnetenmandate zu verteidigen. Ihre Hoffnungen sind ziem.ich enttäuscht worden. Nur in drei Wahlircisen haben sie im ersten Wahlgang glatt gesiegt. in W o r m s, wo Justizrat Stephan nur mit 8 Stimmen Mehrheit einer Slichroahr entg.ng, in Lsthosen, wo der bisherige Abgeordnete Best, und in A.zey, wo der Abgeordnete Diehl wttdcrgewähtt worden ist. In den neuen Stüdtemaiidaten Mainz, Tarinstadt und Lösenbach sind sie unterlegen. In Gießen kommt der national- liberale Kandidat, Fabrikant ft.inßipor, nut d.m sonschri t- lichen Professor Urftadt in die Stichwahl; und hier haben sie immerhin die Genugtuung, daß ihr Stimmenverhältnis sich gegen das bei der letzten Reichstagswahl start' gehoben hat. Es hat sich hier gezeigt, welch hohe Bedeutung die Auswahl der Kandidaten hat. Der auf dem linken §mgel der Partei stehende Herr K'ttngspor Hai von den drei Kandidaten die meisten Stimmen er^a.ten, und wenn der Sozialdemokrat Vetters nur wenige Stimmen mehr erhalten batte, wäre für die Nationalliberalen em Stichwahl,wg wohl sicher gewesen. Wie die Tinge jetzt liegen, werden die Sozial- demolraten am 17. November für den Fortschritt.er Urjiabl eintreten: da aber etwa 1700 Stimmen nicht abgegeben wurden, so werden bei der Stichwahl voraus,ichtlia, nodp mals alle Hebel angestrengt werden. Tie Wal/lbeteiligung in Gießen war für eine Landtagswahl immerhin groß. Wie nun auch das Stichwahlergebnis ausfallen möge, dringend ist zu wünschen, daß das bisher ziemlich gekannte Verhältnis der liberalen Parteien für die Zukunft in die alte Bahn des Einverständnisses einlenlen möchte.
Außer in Gießen kommen na.ionalliverale Kandidaten noch in 4 Wahlkreisen in die Stichwahl: Nierstein, Beerfelden, Bensheim und Reichelsheim. Ihren bisherigen Sitz in Höchst verlieren sie.
Das Zentrum darf triumphieren. Während fünf ferner bisherigen Abgeordneten ausschieden, sind d.e.e Mandate vom Zentrum nicht nur wieder besetzt worden, sondern es gelang ihm auch, den neu geschaffenen Wahlkreis Dieburg diirch seinen bisherigen Vertreter des Heppenheimer Wahlkreises, liebel, zu erobern, während in Heppenheim der Zentrumsmann, Postmeister Wiegand, einzog. Wiederge- wählt wurden v. Brentano ^Bingen-Änö), Molthan (Gonsenheim-Niederolm), Zuckineyer (Kostheim). An Stelle des Abg. Horn wurde in Seengenstadt Bürgermeister Singer vom Zentrum gewählt. In Wöllstein kommt der Zen- trumska-ndidat Hammer mit dem seitherigen sor.schri.tlichen Mandatsinhaber Cibach in die Stichwahl.
Ter Bauernbund hat folgende oberhefsische Mandate im ersten Wahlgang besetzt: Großen-Linden-Hcuchcl- heim durch den bisherigen Abgeordneten Leun, Lich tvieder durch den Abgeordnelen Fenchel, Alsfeld-Land wieder durch Abg. üorell, Homberg wieder durch Abg Brauer, Echzell- Reichelsheim wieder durch den Abg. Breidenbach, Nidda durch Dorsch, der an die Stelle des Abg. Erck getreten ist. Im neu geschaffenen Wahlkreis Rooheim-Lder-Rosbach kommt v. Helmolt (B. d. L.) in aussichtsreich» Stichwahl mit dem Sozialdemokraten. Der seither fraktionslose Ab- geordnete Bähr, der vom Bund der Landwirte als Kandidat ausgestellt worden war, kommt in Büdingen mit dem Sozialdemokraten Schaub in ziemlich aussichtsvolle Stichivahl. In der Provinz Starkenburg kommen vom Band der Landwirte in die Stichwahl: Fleckenstein im Wahlkreis Höchst mit dem Sozialdemokraten, liefert im Wahlkreis Reichelsheim mit dem nationaUibcmlen Mergelt, Friedrich mit dem Sozialdemokraten. In Rhein Hess en ist es der Wahlkreis Nierstein, in dem bei einer Stichwahl der bisher,in Wörrstadt gewählte Abgeordnete Wolf mit dem Na. io na l* liberalen Schätzet um die Palme ringt. (Leun, Fenchel, Dorsch, Bähr, Fleckenstein sind Kandidaten der deutsch- sozialcn, bezw. (Fleckenstcin) der christlich-sozialen Partei. Breidenbach dagegen B. d. L. und deutsch-sozial, Siesert christlich.sozial und B. d. L.).
Tie fortschrittliche Volkspartei wird ihr bisheriges Mandat in Wöllstein bei einer Stichwahl gegen das Zentrum zu verteidigen haben. Sie hat neu gewonnen durch den Stadtv. Heerdt das neugeschaffene dritte Mainzer Mandat und durch Pfarrer Korell das Mandat in Wörrstadt. Fortschrittler kommen in Stichwahl in Darmstadt und Gießen.
Tie Sozialdemokratie hatte drei Mandate zu verteidigen: Langen wurde von ihnen im ersten Wahlgang durch den Abgeordneten Tr. Fulda wieder gewonnen, ebenso Bischofsheim durch den Abgeordneten Berthold. 4.'fungstadt-Gernsheim, das bisher durch den Abg. Raab vertreten war, sieht eine Stichwahl zwischen Raab und Friedrich (B. d. L.), während der gänzlich umgestaltete Wahlkreis Eberstadt-Griesgeim, der seither nationalliberal vertreten war, an den Lozialdemoeraien Raab gefallen lll- Wenn Raab am 17. November auch in Pfungstadt
gewählt wird, hat er sich zu eiuiajciocn, in welchem von ociden Bezirken er die Wahl annehmen will. Tazu kommt noch das gestern vom Genossen Eißnert eroberte zweite Mandat in Lssenbach.
In acht Fällen kommen Sozialdemokraten in Stichwahl. In den oberhesstschen Ärcquit Büdingen, SSilbci und .ltodheim-Lber-Rosbach, ferner in den starkenburgischen Wahlkreisen Geriisheim-Psung,:ad., Tarmstadt, Bensheim, Höchst i. C. und Beerfeloero-Hirschhorn.
Tie Zweite Kammer wird ai,o teure großen Veränderungen sehen. Tie Linke wird etwas geitäut, Die National- liberalen büßen etwas ein, das Zentrum hat einen Sitz dazu gewonnen, und der Bauernouiio roiro wohl seinen Besitzstand behaupten.
Cs b leib en im Landtag
Nationalliberale: Tr. Osann (Darmstadt), Münch (Tarmstadt), Bach (Mainz), Reinhart (Worms), Lang Michetstaot), Schönberger (R.rnheim-^roß-Umstadt, Tr. Heü-enrcich (Wald M-cheibackj-^ürU)), Stc-p.er (rauter- oach-^chiitz), eii.gcr (pieooersheim^, Tr. Win.ler tLppen- heim).
Fortschrittliche Volkspartei: Grünewa.d (Gießen), Reh (Alsfeld), Tamm (Friedberg), Tr. Wal, (N.- Olm-Ingelheim).
Soziuluemokraten: Ulrich (Offenbach), Orb (Ofsetibach-Land).
Zentrum: Tr. Sck;midt (Mainz), Boxhermer (Lampertheim), der seitherige Zcntrumsvertre.ec der Stadt Bingen Pennrich ist geworben.
Burrd der Landwirte: Haack (Groß-Umstadt, Sensielder (Tarmstadt-Lano), £uk. Grünberg), Meisit (Heröstein-Ulrichslcin), Tr. Weber (SdfOitcn).
Bei keiner Fraktiou: Iontz (Butzbach).
Der Marotto- unö Kon^overtrag,
Tas Marokko- und Kongoabkommcii i.l nun indisch zu- ftanbe geioinmenv und Prüfstücke werden davon in amtlichen und balbamt.ichen Llultern mitgeleilt Tie größte Ueberraschung cabei ist, daß der Staalsie.r.tar des Kolonialamts, v. Linoequift, aus Antaß dieses Aokommens feinen Abschied genommen hat. Ter Kai «er hatte ein früheres Abschiedsgesuch schon einmal abgcicljnt, aber der Staatssekretär beharrte bei seinem Entschluß Ta bei der voreiligen Veröffentlichung dieser prinucheu Sache ofreiuar Zudiskrelionen eines Beamten vorgetommen f.no, wird der Fall wohl noch lebhaft erörtert werden und ein Nachspiel haben. Tie Berliner Presse lobt übrigens den mannhaften Eharakter des Staatssekretärs., und im Reiche wird dieses Urteil allgemein geteilt werden.
Wolsfs Telegraphisches Bureau veröffentlicht folgende Mitteilungen über das Marokko-Abkommen mit Frankreich:
Tie franzmischc Ncgicrilng Hal sich anss bündigste verpflichtet, die wirtschaslliche Gleichberechtigung der Nationen in Marotro aufrecht zu erhalten und dafür zu sorgen, daß das vertraglich sestgclegie Prinzip der „offenen Tür" durch keinerlei Maßnahinen beeinträchtigt werde. Recpte und Wirkungskreis der marotkanischen Staatsbank werden erneut garantiert, andererseits präzisiert Teutschland das schon 19u9 ausge- rocodiene politische Tesinteressement und iidjert Frankreich volle Bewegungsfreiheit für Herstellung unö Ausreaiterhaltimg der Ordnung zu, auch für eine cDenhieUe im Einvernehinen mit der rnarokkaniichen Regierung ccfolgenoe militärische Besetzung, sowie eine Polizeiaktion zu Wasser und zu Land. F-erner wird Teutschland keinerlei Einspruch erheben, wenn der Sultan ine diplomatischen und konsularischen Agenten Frankreichs mit der Vertretung der marokkanischen Interc»sen betrauen uno den Vertreter Frankreichs bei der marokkannchcn Regierung zum Vermittln gegenüber den anderen Vertretern beuellen sollie. Tie sranzösischeRegierung vnpsiichtet sich, keinerlei Ungleichheiten -wiichen den in Marokko L> andel treibenden Nationen zuzulassen inbezug auf Zölle, Steuern, andere Abgaben, Eiienbahuen-, Schiffs- oder i'oniiige Verleprstarise. Tas- iclbe soll gelten rür den Transitverkehr. Ferner darf die Koniurrellzfähigkeit der Waren durch keinerlei Verordnungen beeinträchtigt roercen. Auf das aus Marokko zu exportierende Eisen darf fein Ausfuhrzoll gelegt werden. Desgleichen darf inbezug auf die Bergwerlsabga<-en zwilchen den Angehörigen der ccria.'icCencn Nalionalitütcn lcinerlci Umnschied gcmamt wndcn. Bezüglich der öffcnliichen Ausichreibungen übernimmt Die franzö- stlche Regierung die ausdrückliche Vnp'lichtung^dasür zu sorgen, daß die Konkurrenztähigkcil der '5taai5ingeböng?n fämtlicherMächte in Wahrheit die gleiche ist. Der Beiried cer großen Unternchnumgen bleibt dem marokkanischen Staate reserviert oder kann von ihm freihändig an Tritte vergeben werden, die die für dm Betrieb nöligen Geldmittel zur Beringung ftcllcn. — Tie Reglements nrü'ien inbenen eine unbedingt gleicymätzige Behandlung samtächer Staalsangehöriger sichern. Allen Eigentümern von Bergwerken, sowie von inimnneiicn unö landwirt- Ichastiichen Unternehmungen üt der Bau von Anschlußbahnen an ine öffentlichen Eisenbahnen oder an Die nächsten Häfen gestattet. Für Besdiweröefälle ist em ra'wes Schiedsverfahren Dor» g eichen. Tie von fremden Staatsangehörigen erworben en Fischereirecht c-bleiben unangetastet, diene Häfen follen nach Bedürfnis eröffnet wnden. Schließlich sichnn sich beilk Mächte ihre UniersrüMng zu, um die übrigen Signatarmächte zum Beitritt zu dem gegenwärtigen ubfommen zu bestimmen.
Tie Agence Havas veröffentlicht aus London uver den Inhalt der deutsch-französischen Abmachungen eine Mitteilung, die infolge von Auslassungen und Un- genauigkeiten geeignet ist, falsche Eindrücke heroor- zurusen. Tie authentische Veroffenckichung aus amtlicher deutscher Quelle steht unmittelbar bevor.
Ter Rücktritt des Staatsfekretärs v. Lindequist.
Berlin, 3. Nov. Tas Wolifsa;e Bureau bringt folgende Mitteilung: In der letzten Zeit sind über die mit Frankreich schwebenden Verhandlungen und über die Stellung des Reichs ko lo niala mts zu den in Aussicht genommenen Kompensationen Mitteilungen
in die CcifcniliOftcu gelangt, die geeignet waren, den Ab schluß der Verhandlungen zu stören und nur aus einen Bruch der Amtsverschwiegenheit Nachgeordneter Stellen beruhen konnten. Wir sind zu ber Erklärung ermächtigt: Der Staatssekretär des Reichs- kolonialamtes, Tr. v. Lindequist, hatte während des Sommers sein Abschiedsgesuch eingcreicht, weil er mit den in Frage kommenden Kompensationen nicht ein verstanden war. Von dem Kaiser war das Abschieds gesuch während der lausenden Verhandlungen abgelehnt worden, v. Lindequist erneuerte heute sein Abschiedsgesuch, nachdem er sich noch am Samstag mit der Dementierung seines Rücktritts einverstanden erklärt hatte. Ter Reichs- tanzlcr begibt sich heute zum Kaiser, um ihm Vortrag zu halten.
Berlin, 3. Nov. Der Kaiser hat auf den Vortrag des Reichskanzlers das Entlafsungsgesuch des Staatöfckre tärs v. Lindequist genehmigt und sich damit einverstanden erklärt, daß der Gouverneur von Samoa Dr. Solf mit der einstweiligen Leitung des Kolontalamts betraut wird.
Die „Kölnische Zeitung" meldet aus Berlin:
Durch das Rücktrittsgesuch des Geheimen 9ti gierungSrals von Danckelmann im Reichskolo - ntalamt unö gleichzeitig erfolgte Indiskretionen in der Presse sind ganz unhaltbare Zu stände bekannt geworden. In diesen Indiskretionen wird behauptet, daß das Kolonialamt das Mongoabtcmmen mißbilligt unö Die Verantwortung dafür nicht übernehmen wolle. Es hat umsomehr den Anschein, als ob dies richtig sei, da schon früher mehrfach Notizen in der Presse verbreitet wurden, die auf eine solche Stellung des Kolonialamts l'imviesen. Ter auf diese Weise unternommene Versuch, die Politik des Reichskanzlers durch eine na ch - geordnete Behörde zu erschweren, ist, wer auch immer Recht habe, im Interesse einer geordneten Führung der Reiche- geschäfie völlig unzulässig, und man braucht nicht daran zu zweifeln, daß sich der Reichskanzler dieser Aussassnng nichl verschliehen und die nötigen Folgerungen ziehen werde.
Unsere liovgoentfchädigung.
B e r l i n, 3. Nov. In dein bezüglich öeS Kon^o zwischen Teutschland und Frankreich abgefchlossenen Abkommen erhält Teutschland bcdeutcnoe und wertvolle Ländereien längs der ganzen Grenze feiner Kamerunkolonie, außerdem zwei Landstriche, die sich biS an die Ufer des Kongo und des Ubangi erstrecken Wenn diese Strecken auch an sich weniger wertvoll sind, so geben sie Teutschland Zugang zu den Ufern dieser Ströme. Deutschland erhält an biejen Ufern Landstreifen zwischen 12 und 6 Kilometern, die ihm gestatten, alle zur Schiffahrt erforderlichen Einrichtungen anzulegen. Dagegen tritt Deutschland das kleine Dreieck zwischen So- gone und Ehari b is zu deren Zusammenfluß südlich des Tschadsees ab. Togo wird in dem Abkommen überhaupt nicht erwähnt. Im übrigen enthält der Vertraa auf Gegenseitigkeit beruhende Bestimmungen über Hanoelsfreiheit, gegenseitiges Turchzugsrecht, Befugnisse über Wetterführung von Eisenbahnen und am Schluß den Vorbehalt gegenseitiger Verständigung für den Fall, daß im Internationalen Kongobecken, nne es im Berliner Vertrag sestgelegt ist, Veränderungen eintreten sollten.
Amtlich werden von Berlin aus noch folgende Erläuterungen gegeben:
Tie bekannten Ereignisse in Marokko haben erkennen lassen, daß die Ordnung in Marokko nicht ohne Eingreifen einer euroväischen Macht ausrecht erhalten werden kann, (rin Sultan, der tatsächlich über das Reich Herr wäre und der die Macht hätte, Die in ber Algecirasakte vorge Iehenen Reform Öurchzuführen, existiert nicht mehr. Nach öcr Algecirasakte hatte aber keine einzelne Macht das Recht, die Wiederherstellung der Mach! allein durchzuführen. Als Franl reich sich trotzdem dazu anfchickte, erinnerte Die deutsche R c gierung an die Bestimmungen dec Algecirasakte: sic gab ihrer Ansicht, daß sie -ur selbständigen Wahrung bedrohter oeutlcber Reckte ebenso berufen sei, wie Frankreich zur Wahrung sranzosiicher Interessen, durch Entsendung eines Kreu iers nach Agadir zum Schutze dortiger deutscher 3nter essen Ausdruck. Tics alles hat öaiui dazu geführt, daß bic deutfche unö franzöi'isä^e Negierung sich entschlosscn haben, die Angelcgenhett unter sich neu z u regeln. Als Grunölagc oer Berhairdlungen diente das deutsch-französische Abkommen vom 9. Februar 19U9. Tie beiden Regierungen haben sich nun über einen Vertrag geeinigt, der morgen in Berlin unterzeichnet werden soll und, nachdem der unterschriebene Vertragstext auch der jtan- jönschen Regierung zugegangen ist, voraussichtlich Montag früh gemeinschaftlich der Oeiientlichkeil übergeben werden soll.
Sollte die französische Regierung im Einvernehmen mit der marokkanischen Regierung zur Aufrechterhaltung der Lrdnung und zur Sicherung wirtfchaitllcher Transaktionen marokkanisch..-. Gebier militärisch besetzen^ so wird auch demgegenüber Die kaiserliche Regierung keine Schwierigkeiten machen Tas Gleiche gilt von envaigcn Polizeiaktionen zu Lande uno zu Wasser. Endlich hat die deutlcheJlegierung erklärt, keinen Emwruch erbeben zu wollen, falls der Sultan von Marokko die biolomc- tischen unö ßoniularagenten Frankreichs mit der Vertretung or. marokkanischen Interencn unö Dem Schutz der maroftonif: . Untertanen im Auslände betrauen sollte Tas Gleiche gili juL Den Fall, daß der Sultan den Vertreter Frankreichs bei Df marotkanischen Regierung zum Vermittler gegenüber Den übrigen iremben .Vertretern zu bestellen wünscht.
Ftaazoftfche Prefsestimmra.
Paris, 3. Nov. Aus Anlaß der gestrigen Paraphierung des Kongovertrages schreibt der „P c- .D t P a r i s i e n".
Wenn wir das deutsch-französische Abkommen von ein^m höheren Gesichtspunkte aus betrachten, so dürfen wir sagen, das; cs zur Verbesserung der Beziehung zwischen Frankreich und Teutschland beitragen wird. .Es unterdrückt die Ursache


