Ausgabe 
4.3.1911 Erstes Blatt
 
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Bundesstaaten zur Safi. GebWren dürfen Hierfür von den nach § 1 Verpflichteten nicht erhoben werden."

Die an die türkische Regierung verkauften Da « p f er ,>O l d e n b u r ,/D a r m ft a b t" und9t o» land" des Norddeu tschen Lloyds sind kürzlich in .Konstantinopel eingetroffen. Der türkische Marineminister äußerte sich, so wird aus Bremen gemeldet, bei der Besichti­gung der Schiffe äußerst anerkennend über ihren Zustand und sprach den Wunsch aus, als Instrukteure für die tür­kische Besatzung einige Kapitäne und Offiziere des Nord­deutschen Lloyds engagieren zu dürfen. Dre Direktion des Norddeutschen Lloyds stimmte dementsprechend zu. Es traten ein Kapitän, ein erster Offizier und zwei Maschinisten zu­nächst für ein halbes Jahr in türkische Dienste. Die Schiffe sollen, wie verlautet, demnächst als Truppentransportschiffe nach dem fernen Verwendung finden.

Die Blätter melden aus Immen stabt: Am Freitag hielten die sozialdemokratischen Vertrauens­männer des Wahlkreises Kempten-Immen st adt mit Vertretern des Lanbesvorstanbes der Partei eine Kon­ferenz ab, in der beschlossen wurde, in der Stichwahl am 7. März für den nationalliberalen Kandi­daten zu stimmen. Dieser hat sich verpflichtet, gegen lebe Verschlechterung des Reichstagswahlrechts, gegen jeden Angriff auf das .Kvalitionsrecht, gegen jebes Ausnahme­gesetz und gegen jede Einschränkung der Selbstverwaltung bei der Sozialgesetzgebung sich zur Wehr zu setzen.

Aus Freising wivo gemehrt: Prälat Dr. v Dol­ler ist am Freitag mittag 1 - gestorben Der Frei­

finger Prälat und Lyzialrettor Jr Balthasar v Daller war ein bekannter Zentrumspolitiker Er gehörte seit 1871 ununterbrochen der bayerischen Abgeorbnetenkammer an. Bon 18991904 war er Vorsitzender des Finanzausschusses der Kammer, seit 1893 betraute ihn bie Abgeorbnetenkam­mer mit dem Amte ihres Kommissars zur Staatsschulden- ldnrmisfion, seit 1905 war er Vorsitzender des Wahlprü- sungsausfchusses. Ganz besonderen Einfluß aber übte er als Borsitzender der Zentrumsfraktion aus

Ausland.

ArtS Ofen pest kommt die bemerkenswerte Nachricht: Im Laufe der Delegationssession sind bis jetzt 50 Pro­zent der aus Wien eingetro ffenen Delegier­ten und Regierungsvertreter an Influenza erkrankt.

Der schweizerische Bundes rat beschloß, bei den Großmächten zu sondieren, ob sie bereit seien, auf einer internationalen Konferenz die Frage der Kalender-Re­form bezw. der Fesffetzung des Ostertermins auf einen bestimmten Tag zu diskutieren. Der Bundesrat ist durch wiederholte Dorstellungen der schweizerischen Handelskreise zu diesem Schritt veranlaßt worden.

Die infolge der Katastrophe des UnterseebootesPluviose" in Frankreich angeordneten Rettungsmaßnahmen für Unterseeboote sind, so wird aus Paris gemeldet, nunmehr übevall durchgeführt. Sämtliche Unterfeeboote sind mit Ringen zur Befestigung der Trossen versehen und die Häfen mit allen $irr Hebung der Unterseeboote erforderlichen Materialien aus­gerüstet worden. Ueberall wurden bereits diesbezügliche Hebungen vorgerwmmen, und die Taucher waren imstande, in 10 bis 15 Minuten die Trossen zu befestigen.

Aus Tanger wird gemeldet, daß der Hpai Aina und Mtir-Stamw sich dem angeblich durch unerträglichen Steuer­druck verursachten Aufstand der Scher arda an- geschlvssen haben. Man befürchtet, daß die Lage sich sehr ernst gestalten könne, als auch unter den 3aer5 und Zemmurs, unter denen bereits feit Mehreren Monaten eine große Gärung herrsche, eine Erhebung drohe. Die Streitkräfte des Sultans, bie am Freitag gegen die Aufständischen marschieren wollen, be­stehen aus fünf Infanterie- und drei Kavallerie-Tabors, fonrie zwei Batterien.

Wie mehrere in Newyork eingegangene Meldungen be­sage», sind in Managua 45 Personen wegen Teil­nahme an einer Verschwörung gegen die Regierung zu-m Tode verurteilt worden, unter ihnen angeblich ein deutscher Arzt, Der Gesandte von Nicaragua be­zeichnet diese Meldung als unrichtig.

Aus Washington wird gemeldet: Der Senat hat die erste Rate des Flottenbauprogramms für das Jtchr 1912 in Höhe von 2i/2 Millionen Dollars an­genommen, ferner die Vorlage, durch bie 3 Millionen Dol­lars für die Befestigung des Panamakanals gefordert werde».

Aus Statt unb Land.

Gießen, 4. März 1911.

** Tageskalender. Stabttheater. Samstag abend 8 Uhr Faust, 1. Tl., 1. Abend; Sonntag abend 71/- Uhr Faust, 1. Tl., 2. Abend.

2' Konzertverein. Dritter Kammermusikabend. Sonntag, 51/« Uhr nachmittags, in der neue Aula.

Kinematog rapb: Täglich Vorstellung.

Biograph: Täglich Vorstellung.

Wahlversammlungen: Fortschrittliche Volks- varter: Samstag abend 81/» Uhr im Cafe Leib. Redner- Reichstagsabgeordneter K o p s ch - Berlin. Sozialdemolra- tische Partei: Sonntag nachmittag '/»2 Uhr im Cafe Leib- Reichstagsabg. Dr. David-Mamz. Kandidatur Dr Werner: Sonntag nachmittag 3V- Uhr in Steins Garten. Redner: bie Reichstagsabg. Liebermann von Sonnen­berg und Lattmann.

u l a g e n m u s i k am Sonntag, 5. März, vorm. IP/, Uhr, tn der Sud-Anlage. 1. Ouvertüre zur OverStradella"' von Fr. v. Flotow; 2. Paraphrase über ,Honn swet Hom" von W. Nehl; 3. Musikalische Täuschungen? Potpourri von A. Schrei­ner; 4. Per aspera ad astra, Marsch von W. Urbach.

** Deutscher Hochschultag Auf Einladung ver­schiedener interessierter Vereine und Verbände trat dieser Tage hier der 1. Deutsche Hochschultag zusammen, um zu der Frage einer Reg e lu n g d es A k ad em is cli en Ehrenschutzes Stellung zu nehmen. Die meisten deut­schen Hochschulen hatten offizielle Vertreter, entsandt. In Vertretung der Wiener unb Prager akabemischen Anti- buell-Liga war das Mitglied des Internationalen Antiduell- unb Ehrenschutzrates Dr. Emil v. Hofmannsthal aus Wien erschienen. Die Verhanblungen würben durch Prof Dr. Mittermaier eingeleitet, der sich in längeren Aus­führungen über bie Bestrebungen ber Tagung verbreitete. Nach eingehenber Besprechung würbe ein Antrag von Dr. v. Hofmannsthal angenommen, wonach die Gründung v 0 n Eh r e n f ch u tz a u s s ch ü s s e n an allen deutschen Hoch­schulen befchloffen wurde, die ihrerseits wieder die Organi­sierung von Ehrenräten in die Hand nehmen sollen. Es wurde betont, baß biese Ehrenräte unbedingt paritätisch smn und jeden Gewissenszwang gegen Duellgegner tvie -An- yarmer vermeiden müßten. Der Enquetebogen der Wiener akadennschen Antiduelliga über die Gründung eines all- aememen studentrschen Ehrenrates wurde mit großem In­teresse zur Kenntnis genommen, und befchloffen, einen ähn­lichen H-ragebogen für Deutschland auszuarbeiteu. Ter

nächste deutsche Hochschultag soll in Göttingen abgehalten werden.

"AuS dem Militär-Wochenblatt, v. Harnier, Hauptm. und Adjutant der 49. Inf.-Brigade (1. Großy. Hesi.), als Komp.-Chcf in das Kurheff. Jäger-Bat. Nr. 11 versetzt. Gras zu Lynar, Oberlt. im 1. Garbe-Regt. zu Fuß, zum Adjutanten der 49. Inf.-Brigade (1. Großherzogl. Hess.) ernannt

Lehrerpersonalien. Uebertragen wurde dem Lehrer an der Realschule i. E. zu Frankfurt a. M.-Rödelheim Arthur Wolff die Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Balkhausen; dem Schulamtsaspiranten Wllh. Schott aus Altheim die Lehrerstelle an der Gemcmdefchule zu AüertShosen- Hoxhohl, der Schulamtsaspirantin Wilhelmine Ludwig auS Mainz eine Lehrerinstelle an der Gememdeschule zu Neu- Iienburg. Dem israelitischen ReligionSlehrer Leopold Grün bäum zu Eberüadt sKr. Darmstadt) wurden die Rechte eines endgültig angestellten Bolksichullchrers verliehen

** Do st-Personalnachrichten Angenommen Vizeieldwebel Hob in Gießen zum Telegravhenanwärter unb Landivirt Kratz tn Wohnbach zum Postagenten. Versetzt Obertelegraphenassistent Günther von Mainz nach Gießen, Postasfistenl Penneraiß von Sonneberg nach Worms, bie Stete* gravhengehilfinuen Anna Müller von Offenbach nach Frankfurt a M. und Dorothea Fischer von Frankfurt a M. nach Offen­bach Inden Ruhe sl and tritt Ober-Boüalsi .ent Wei- mar in Gießen Gestorben Poßagent Klein in Wohnbach

"Die Versorgung Lberhe'sens mit elek­trischer Energie 'für Kraft- unb Lickitzwecke durch die Zentrale Wölfersheim, ist inzwischen roieoer einen Schritt ihrer Verwirklichung näher gerückt, indem der vom Pro- vinzialausschuß mit der Regierung vereinbarte Vertrag vom Rtinisterium genehmigt wurde. Die Angelegenheit wird nun bald der Zweiten Kammer vorgelegt werden und der Mitte März zusammentretende Prooiuzialtag wird eben­falls darüber beschließen.

Schwurgericht für ön§ 1 Viertcffayi 1911 Es kommen folgende Fälle zur Verhandlung: Montag. 6 Marz, vorm 10 Uhr: Christoph Harbach von Großen-Buiec wegen Körperverletzung mit tödlichem Erfolg. Du Anklage vertritt Großb Staatsanwalt Trümpert, die Verteidigung führt Rechtsanwalt Dr. Katz. 2. Dienstag, 7. März. vorm. 9 Uhr: Heinrich Rupp ent hak von Köddingen wegen Mein- eid. Die 9lnflagc vertritt Großh. GenchtSasiessoi Neurotb, d:e Verteidigung fuhrt Rechtsanwalt Arnold 3. Mittwoch 8 März, vorm. 9 Uhr: Veronika Bretz ig h einer von Großheubach wegen Mordversuchs Die Anklag« vertritt Großh. Staatsanwalt Dr. Brill die Verteidigung fuhren die Rechtsanwälte Iuflizrat Katz unb Kaufmann. 4 SamStag. 11 Marz, vorm. 9 Uhr' Anna Gottwold von UleRtngen wegen Nkeineid. Die Anklage vertritt Großh. Staatsanwalt Dr. Brill, die Verteidigung führt Rechtsanwalt Menbeliohn. Die letzte Verhandlung findet voraussichtlich statt.

** K 0 10 nialv 0 rtrag. Man schreibt uns:Der Untergang des Hererovolkes unb seine Be­be u tu n g", so lautet bas Thema, über bas in allernächster Zeit Oberleutnant Rausch, Jnf.-Leib-Regt 117, Mainz, auf Anregung bes Frauenbunbes ber beutscheti Kolonialgesell- schaft, Abt. Gießen, unb ber Graphischen Gesellschaft für Erb- unb Völkerkunde sprechen wirb. Herr Rausch, ein Sohn bes hiesigen Geh. Schulrats Rausch/hat selbst in ben schweren Feldzügen gegen bie Hereros unb Hottentotten mitgekämpft. Hieraus erklärt sich ohne weiteres, baß bei Vortrag überall außerordentliches Interesse wachgerusen hat. In Mainz hat Herr Rausch nicht weniger als sieben­mal gesprochen, stets vor vollem Hause. Auch in Frank­furt a. M. sprach ber Rebner vor mehr als 600 Zuhörern. Es ist deshalb mit großer Freude zu begrüßen, daß Herr Rausch auch für uns Gießener als Rebner gewonnen ist. Jedermann hat Zutritt zu bem Vortrag.

** Kunstve r ein. Die Kollektion Prof. Kuehl, die seit 14 Tagen ausgestellt ist, hat während dieser Zeit eine große Anziehungskraft auf unsere Kunstfreunde ausgeübt. Auch Künstler aus der weiteren Umgegend haben die Ge­legenheit benutzt, die Kuehl-Ausstellung zu besichtigen. Wie schon erwähnt wurde, hat es große Schwierigkeiten be­reitet, eine solche umfangreiche Kollektion dieses Künstlers in ber Hauptsaison bet Ausstellungen hierher zu bekom­men unb es wäre bem Kunstverein für seine Bemühungen zu gönnen, baß er bei Schluß biefer Ausstellung auch einen Verkauf von Kuehl-Werken $u verzeichnen Hut. Auch bie Kollektion F. Block- Antwerpen finbet allgemeine Be­achtung, unb auch von ihr dürfte manches Bilb in hiesigen Privatoesttz übergehen. Ta bie jetzige Ausstellung nur noch einige Tage bleibt, so sei nochmals barauf hingewiefen. Einige Bilder ber Kollektion Krehsig werben schon am Mon­tag ber Ausstellung entnommen.

**Guyot-StiftungfürbieZweckeberevan- gelischenGem ei nbepflegeim Großherzogtum » c f f c 11. Wie wir schon berichteten, ist eine Guyot-Stif- tung zum Anbeuten an ben für bic hessische evangelische Lanbeskirche hochverbienten Pfarrer D. Guyvt ins Le­ben gerufen unb bie Werbearbeit bafür im Dekanat Gießen bereits ausgenommen worben. Auch im Dekanat Hungen sollen Aütglieber gesammelt werben. Vertrauensmann für das Dekanat Hungen ist Pfarrer Hofmann in Winne­rod, Kr. Gießen, der auch Beitrittserklärungen und Ein­zahlungen entgegennimmt.

" Vom Arbeitsausschuß für die Erhaltung des Gießener Liebrg - Laboratoriums ist on die Zweite Kammer der Landstände eine Vorstellung gerichtet worden, in der um Bewilligung eines entsprechenden Betrages der Kosten des Unternehmens gebeten wirb.

Gala-Saalsportfest beS Rabklu bsGer­mania" Gießen. Man schreibt un§: Fürst Karl zu SolmS-HohensolmS-Lich, der das Protektorat zu dem am 12. März in der Turnhalle stattftndenden Gala-Saal­sportfest deS RadklubsGermania" Gießen übernommen hat, hat zu dieser Veranstaltung seinen Besuch in Aussicht gestellt und für bie daselbst zum AuStrag kommenden Wettbewerbe einen echt silbernen Pokal gestiftet.

" Konzert verein. Man schreibt unS: In Ergänzung zu dem Bericht über den Kammermusikabend am Sonntag, 5. Atärz, und die 'Mitwirkung des Frankfurter Redner- Quartetts sei den .Leioziger Neuesten Nachrichten" vom 1. Dezember, Nr. 331, u. a. folgendes entnommen:Reiwer Quartettsegen strömte aui uns in diesem Zahre nieder. Wohl uns! Gilt es doch auch unendlich viel Schätze zu heben. Fede Qilarlettkorporatiou von typischer Eigenart und ausgeprägter Charakternote, bic uns utroergängltch Wertvolles bringt, ist dri unS gern gastlich ausgenommen. Die hier­von früher her in bester Erinnerung stehendenFrankfurter^ kamen uns diesmal durchweg brahmßfch, das heißt auf deutsch: sie brachten das Wundersamste, das Tiesinnerlichste, bai Beste vom Besten ber nachbeethoven'schen Quartettliteratur. Eine Großtat, ein edles Wagnis, sämtliche Quartette bes großen, romantischen Nachklajßkerä an einem Aber.b zu bringen. Sie binften cs!

Denn fte stehen unter ihresgleichen obenan! Vergleiche haben keinen Wert: ihre typische Note ist unvergleichbar, beim sic heißt Eigenart. Aber weit mehr als nur das: Größe, kerndeutsclie Be­seelung und Tiefe, bildhauerische Prägnanz und in bie Augen springende Plastik." Auch aus anderen Städten, vor allem Berlin, wo die Redner Debussy's Quartett mit grobem Er olge {Dielten, liegen cbenjo günstige Berichte über' ihr treffliches Zusammensviel vor, nicht zum mindesten auch die Frankfurter Be^ nchte, gerade über die Interpretation der Beethoven'scheu Quar­tette. welche ße in geschmackvoller Auswahl an 6 Abenden in Form eines Beethoven-Zyklus barboten. Da wir leider so selten Gelegenheit haben, Streichquartett-Vereinigungen in unseren Kon­zerten zu hören. Io fei hiermit noch einmal aui dieses Konzert hin- qetöiefen Tie genannten Künstler, welche sich im Tvorak'lchen Quintett mit Herrn Professor Trautinann vereinigen, werden zweüeUos jebem Besucher einen großen Kunstgenuß vermitteln.

" TurnkurfuS. Auch in biesem Jahre findet wieder 00m 3. 22. April an der TurnlehrerbildunqSanstalt in Darmstadt unter Leitung des Schulrats Schinuck ein TurnkursuS statt, der dazu bestimmt ist, besonders Hand­arbeitslehrerinnen und Leiterinnen von Frauenriegen für den Mädchentnrnunterricht anzuleiten Damit ist wieder eine günstige Gelegenheit zur QlnSbreihmg des Frauenturnens gegeben, da? heute immer mehr an Bedeutung gewinnt.

** Oberhessischer Verein für bie Baseler Mif. Hon. Gestern nachmittag- fand die erste Jahresversamm­lung des Oberhessischen Vereins für bte Baseler Mission in d-m Gemeindehaus, Kirchstraße 9, statt. Der Verein ist, wie ber Vorsitzenbe, Kirchcnrat D. Schlosser, in dem Jahresbericht ousführte, nicht zu dem Zweck gegründet worden, um Missions- betträge zu sammeln, sondern um das Interesse für die Basclcr Mission unter den Missionsfreunden zu beleben. Dem Verein gehören bis jetzt 47 Kirchengemeinben unb zwei Einzelpersonen an; ber Beitritt weiterer Kirchenqemeinben fteht in Aussicht. Nach Erlebigung bes geschäftlichen Teiles durch den Vorsitzenden sprach ber Heimatinspektor ber Baseler Mission, Pfarrer Dipper- Basel, über bie Lage unb Aufgabe ber Baseler Mission in der Gegenwart. Die Baseler Mission arbeitet in Indien, China. Goldküste und Kamerun. Aus allen vier Gebieten geht bie Arbeit aut voran, wenn auch überall besondere Schwierigkeiten auftreten. Reben der Hndenpredigt nritb großes Gewicht auf bie Errich­tung von Schulen gelegt, nicht nur für Christen-, sondern auch für Heidenkinder Außerdem handelt es sich nicht nur um bic Bekehrung bet Heiden, sondern auch um bie Pflege ber Ijcibctv christlichen Gemeinden. Besonders hinderlich für bic Mission und verderblich für bie Kameruner ist die Einfuhr von Branntwein, bie aber infolge Eingriffs ber deutschen Regierung im letzten Jahre um die Hälfte, auf 1 Million gesunken ist. Die Missionsarbeiz ist eine Geduldsarbeit mit dem Ziel, die werdende Missionskirän selbständig und von europäischer Führung ftei zu machen. Die Aufgabe der Heimatkircke besteht zunächh einmal darin, mehr Aufklärung über bic Mission zu verbreiten, sodann ihre Glieder zur Arbeit für bic Mission zu erziehen, damit der Baum der Mnswn kräftig wachsen kann. Mit Dankesworten des Bor- sitzenden an bie zahlreich erschienenen Anwesendem wurde die Jahresversammlung mit Gebet geschlossen.

** Fu ß b a ll s p or t Man schreibt uns: Dem Gießener Sport-Verein von 1900 ist es nach längerem Bemühen gelungen, eine reine MNitä r-Fuß b al lmannschaft und zwar bie des Infanterie-Regiments Nr. 81 zu Frank­furt a. M zu einem Wettspiel für kommenden Sonn­tag hierher zu verpflichten. Der Fußballsport, ber in ber deutschen Armee offiziell eingefüfyrt ist, hat nunmehr auch bei ben einzelnen Regimentern festen Boben gefaßt unb einen guten Aufschwung genommen. Das Frankfurter :)ix> giment Nr 81 war mit bas erste, bas eine reine Militär- mannschaft stellte. Diesem Beispiel folgten halb nnbere Regimenter nach, so baß es zurzeit bereits mehrere Militär- Fußballmannschaften gibt, bie sich auch an ben Spielen der Zivil-Mannschaften beteiligen unb zwar nicht ohne Er­folg. Desonbers erwähnenswert finb hier bie Marinemanu- schaften, bie bereits eine gute sportliche Höhe erreich! haben. Das am Sonntag hier ftattfinbenbe Spiel auf bem Sport­platz an ber R ob heim er Straße bürfte bah er nicht nur für unsere hiesigen Sportliebhaber von Interesse sein, Hubern auch für unser Regiment ein nachzuahmendes Beispiel werben.

** K0che mit Gas. Das Gaswerk veranstaltet vom 14 bis 16 März in Steins Garten ein Schaukochen, um bie vielen Vorzüge ber mobernen Gasherbe praktisch vorzuführen unb zu beweisen, baß auf ihnen billiger, besser unb müheloser gebraten, gebacken unb gekocht werben kann, als auf bem Kohlenherb. Fisch, Geflügel, Wilb unb sämt­liche Fl ei scharten werben auf bem Grillrost auf bas beli- fatefte gebraten unb als Kostproben serviert. (NäliereL aus ben Inseraten.''

* Messerheld. In einer Wirtschaft der Marburger Straße geriet gestern abend ein Krankenpfleger mit einem Lahn- bediensteten in einen Wortwechsel. Nachdem der Bahnbedienücw das Lokal verlassen, entfernte sich auch ber .Krankenpfleger. Letz­terer wurde nun auf "ber Straße angeblich von bem Bähnbedien- fteten überfallen unb erhielt vier Messerstiche in Kopf, Hals und Schultern. Er würbe in bic Klinik gebracht, woselbst scstgcstcllt würbe, daß bie Verletzungen nicht leöensgesälwlich sind.

" Warnung. Obgleich in letzter Zeit vielfach Anzeigen gegen Huirbebefitzer erhoben wurden, bie ihre Hunde frei in den Anlagen laufen unb bic Beete betreten ließen, ficht man, bei anders morgens früh unb abenbs, häufig Hunde sich auf den Beeten ber Anlage tummeln. Die Schutzmannschaft m am gerate,cn, unnachfichtlich mit Anzeigen gegen die Hundcvesiner vorzugehen, auch ,ollen künftig bie Strafen bebeutend erhöht werben.

Betrüger. Jtr ben letzten Tagen treibt hier ein Unbekannter, ber sich als Beamter ber Alters- Versicherungsanstalt ausgibt, fein betrügerisches Hanbwerk, inbem er Arbeiter-Witwen aufsucht unb sick> von diesen unter ber Vorspiegelung, bie .Fnvalibenrentencm- spräche bes verstorbenen Mannes balbigst zu regeln, Geld- betrage (56 Mk.) geben läßt. Einige Witwen finb auf ben Schwmbel her eingefallen. Der Betrüger ist untersetzter Sta­tur unb trägt eine Mappe bei sich. Es fei hiermit vor ihm gewarnt. Bemerkt wirb, baß derselbe Betrüger im Fe- bruar auch in Aschaffenburg unb Lubwigshafen mit Erfolg feine Betrügereien auf gleiche Weise ausführte.

** Preußische Klaffen-Lotterie Die Er­neuerung ber Lose zur 3. Klaffe ber 224. Lotterie muß mit Vorlegung ber Lose 2. Klaffe spätestens bis zum 6. März b. I., abenbs 6 Uhr, geschehen fein. Auch muffen bie Freilose zur 3. Klaffe gegen Rückgabe ber Gewinn- lofe 2. Klaffe bi$ zum vorerwähnten Termine etngefor» bert fein.

Ma ul- unb Klauenseuche. Neue Ausbrüche der Seuche sind gemeldet aus Hövel, Regierungsbezirk Münster, und Ellerhoop, Regierungsbezirk Schleswig.

Landkreis Gießen.

-- Langgöns, 3. März. In ber ©entetube fotine in sämtlichen Vereinen unseres Ortes herrscht eine rege Tätigkeit zur Vorbereitung bes am 10., 11. unb 12. Juni rief es Jahres ftattfinbenben Gefanaswettstreite. des Gesangverein Germania. Bürger ber Gemeinde owie bie Mitglieder unb auswärtige Gönner des Vereins yttben wertvolle Kunstgegenstäube unb hohe Geldbeträge )em Verein unterzeichnet, so baß biefer über einen fraf- llgcu giottbS zu verfügen hat. Der Delegiertentag ftndet