Ausgabe 
4.3.1911 Erstes Blatt
 
Einzelbild herunterladen

Die heutige Nummer umfahr 18 Seilen.

monatlich 75^ßL, medtf-

politische Wochenschau.

Gießen, 1. März.

Die Erblichkeit in der Schrift

(Merabe in dem Zeitpunkte, wo man sozusagen dem Verluste der .^anM'dTTtit, herbeigeführt durch die Sdneibmaschiue, entgegen - sehen kann, beschäftigt man sich um so intensiver nut Lbaraitcr und Temperament, die in der Schrift zum Ausdruck kommen. In der letzten Nummer der ^ranlfurtcrUmidjau" ift das Xlycnia ..Handschriften und Hanbschriftcn-Vcrerbung" von Geheimrat H. Bens belwnbelt. Der Verfasser steht da wohl aut dem etanö airntte, das; unsere Schriftzuge Beweisproben des Temper a; ment «3, nicht alter des Charakters seien, in zweck er Laue erst rönne man Schlüsse auf Charaktereigenschasten des edyreiberd rnadren, die aber oft nnth viel »u gewagt erscheinen. Jntcrepant smd nun die Beobachtungen, die der Verfasser über dte Verd­erb u u g s m ö g l ich k e i t der Handschriften gemacht hat. Cer sagt darüber n. a.:

,,Zch will cnvähitcn, daß nady meiner Eryahiwng zum Bet' spiel die Handsduift eines Vaters nicht allein auf Löhne, vonbern auch ans Töchter übergehen kann'. Dabei erklärt sich auch wohl das sogenannteMännliche" in der Handschrist manayer 5rau ^stas sich nicht vererben läßt, ist nur das Schreibut ,#ait Nch . ?sber Temperamente sind uns angeboren, folglich sind ne auch erblich Stehen Schüler der unteren Klassen unter einem strengen Schreiblehrer, und weist dieser lvährettd des Unterrrichtes tm Schönschreiben die Temperamente seiner SckÄler durch individuelle Behandlung so ziemlich aut ein ausgleichendes Niveau zu bringen, so erleben mir oft das überraschende Ergebnis, dast die Hand­schristen, glcidre Fingerfertigkeit der Schreiber vorausgesetzt, untcT sich Aehnlichkeiteii aufweisen. Die Handschriften entbehren eben noch des Charaftcristischcn: die Aehnlid^keitcu vermindertt sich icdodt mit bei- Zeit, ic mehr das angeborene Temperament beim einzelnen zunt Durchbruch und Ausleben gelangt. Da also Tem- peräm eitle crblid) sind, so ist auch der Einflust auf unser ganzes körperliches Gebaren, also auch auf die Tätigkeit unserer Hand- und Fingermuskeln erblich. Mit einem Worte: das Charakte- ristisdte, 'das sich in Handschriften vorfindet, must daher als Begteiterscheiming des Temperaments mit diesem erblich sein. 3um Schlüsse möchte ich nod) daraus aufmerksam machen, datz untere Handschrift auch noch davon abhängt, wie wir die Feder zu führen befähigt sind. Wir sprechen von flüssiger oder schwer-- fälliger Handschrift. Tenn zum Schreiben hat die Mutter Natur dem einen ein gelenkigeres Fmgcrmusfclwerk und unempfindlichere örtliche Nerven usw. als dem anderen gegeben: dem einen fällt es von Haus aus leichter als dem anderen, den Federhalter geschickt und bequem zu führen. Und alles dieses im Körper schlummernde Rüstzeug, dessen Intatigkeitfetzen gleichfalls auf den Charakter einer Handschrift ab färbt, ist nicht minder Erbgut von

Aus Ikficit.

Darmstadt, 3. März. Zu der Streitsache des Geh. Rq.ts Prof. Dr. W a g n c r - Darmstadt und Pros, v- Sox- 1 c 11) - München ist zu beridsten, dast die Angelegenheit einen recht erheblichen Umfang annimmt. Der Untersnchungs-- lichter, Landgerichtsrat Reust, in dessen Händen die Vor nntersuchnng gegen Prof v. Soxleth wegen Beleidigung des Geh. Rats Wagner liegt, hat s ich, für einige Zeit nach München begeben, um dort nähere Ermittelungen anzu stellen und Zeugenvernehniungen abznhalten. Das srag-- liche Verfahren ist bekanntlich durch einen vom Geh. Rat Wagner gestellten Strafantrag gegen Prof. v. Soxleth per anlaßt worden: es wird von Amtswegen durch die hiesige Staatsanwaltschaft gefiihrt.

den Eltern und Vorfahren her, als das Temperament. Man kann also verstehen, wie es komnck, daß Handschriften. sich ver­erben."

TerR o senka v al ie r" in Mailand. Bei ber italienischen Uraufführung desRosenlavalier" in der Skala wurde der erste Akt mit großem Beifall aufgenommen, bodi wurde and) vereinzeltes Zisd»en hörbar. Nach dem Mecken Auszug überwog aber das Mißfallen, und von den Galerien wurdeii Tauiende von Zetteln mit einem Erlaß der Futuristen ins Parterre geworfen, die auf diese Weise gegen Strauß als Kom­ponisten protestierten. Tie erste Hälfte des dritten Aktes wurde bur d) Gebrüll stellenweife direkt unterbrochen, aber das Terzett fand einstimmigen Beifall, und so besserte sid) das Schicksal des Werks schließlich noch. Nach dem Fallen des Vorhanges wurde Strauß fast ohne Widerspruch wiederholt gerufen. Die Morgcnblätter veröffentlichen vorwiegend unfreunb- ltche Rezenftoneti.

Eifenbahnen in M o nt-B l a nc-H v h e. aac hodutc Eisenbahnlinie in der Welt besitzt nad) einer Znsammenstelluna, bic sid) in ber Zeitung deS Vereins deutscher Eisenbahnverwaft tintgen findet, die Antofagasta- und Bolivifche Eifenbahngesellfdiack. Von Antofagasta steigt die Hauptlinie dieser Bahn stetig auf eine Länge von 300 Kilometer und erreicht dadurch bei Aseotin eine Höhe von 3905 Meter. Auf viele Meilen läuft die Bahn in einer Seehöhe 3660 Meter hin. Tic ganze Strecke von Anto­fagasta an der Küste von Chile bis Oruro in Bolivien ist 924 Kilometer lang: obgleich sie eine Spurweite von nur 76 Zenti­meter bat, verkehren doch auf ihr fogar Schlafwagen. Tiefe Hauptlinie ist aber noch nicht die höchste Strecke des Netzes. Von ihr zweigt bei Ollague (Oyaguc) eine Bahn nach Collahuaft ab, beren Gleise eine Höhe von 4820 Meter über dem Meeresspiegel erreichen. Durch eine untere Zweigbahn von Rio Mulato nad: Potosi, eine Meterspurbahn, die im Bau begriffen ift, wird aud) bic letztgenannte Bahn voraussichtlich noch übertroffen werden. Man erwartet, daß hier die Höhe von 4880 Meter erreicht oder gar nod) überschritten werden wird. Tie nächsthöchste Bahn zu sein, darf wohl bic Oropa-Eisenbakm in Peru für sich in Anspruch nehmen Sic erhebt sich bis zu einer Höhe von 4750 Metern. Tonn folgt die Peruanische Südbahn, die bei Porte; dcl Crnzera eine Höhe von 4473 Meter erreicht. Auf der Argentinisch- Chilenischen Transandenbabn beträgt die größte erreicht^ Höhe 3200 Meter, immerhin noch eine recht außcrgewöhnlichc Höhen- läge für eine Eisenbahn. __

Ufona". Was bedeutet dieses rätselhafte Wort? Es ist eine "neu: Erfindung der Amerikaner. Sie haben die Ent­deckung gemacht, daß die Bürger der Bereinigten Staaten keine

gcsetzcs und des Gesetzes gegen die Lelyrtuttgfeit berOrdens Mitglieder mehr Duldung walten lassen, als den Radikalen, bereit Führer wieder eine größere Rolle spielen wollten, lieb war Die Erneuerung des Kabinetts an Haupt und Gliedern steht denn nun auch ganz im Zeichen des radikalen Drängens Wir haben Monis', des neuen Ministerpräsi­denten, Programm wie die andern Zeitungen kurz mit geteilt. Die staatlichen Eisenbahnarbeiter erhalten das ' Recht" auf Ausstand, und die Privatgesellschaften sollen dementsprechend gleichfalls zur Unterordnung unter den Willen der sozialdemokratisch geschaukelten Ma,sen genötigt werden. Natürlich haben die vatikanischen Wünsche unter Monis und seinen Kollegen, die zum größten Teil aus dem äußersten Links geholt morden sind, nichtsgerade Gutes zu erwarten. Was aber das Treiben der franzchismen Genossen" von unseren deutschen Internationalen so völlig unterscheidet, ist, daß in der auswärtigen Politik unter den neuen Ministern keineswegs die Friedensuebel aufsteigcn werden. Eher könnte man das Gegenteil denken kommt doch TelcassS wieder ans Iftuber, der Kriegstreiber von 1905, her später geständig war, auf die völlige Isolierung Teutjchlands lftngearbeitet zu haben und der unter den krieg-'Wetterwolken des 17. Juni 1905 von seinen ängst kicheren Kollegen im Ministerium Rouvier vor der Ent scheiditng doch int Stich gelassen worden war. Er llftomnif heute nur" das Marineministerium, in dessen Betrieb er­lich seit seinem Abschied mit besonderer Liebe eiligen r bei t ei haben soll, und das zeigt, das; die Franzosen, trotz ber kühnen Sprache ihrer Zeitungen bei den letzten Auseinander jetzungen über bic Frcmdenlegionäre, die Achtung vor dem an Menschenzahl so weit überlegenen deutschen Nachbar noch nicht verlernt haben. Aber trotz des innerpoliinchcii Durcheinanders, das fetzt wieder eintritt, bewahrt man in der auswärtigen Politik Konsequenz. Der neue Mi­nister das AuSivärtigen, Cruppi, ein guter Jurist nut Volks wirtschaftlichen Kenntnissen, hat verkünden lassen, es werde bet dem fetzigen Kurs und den alten Freundschaften bleiben Die ganze Art aber schon, wie der Ministerpräsident Monis, ein 65sübriger Senator, Weinbergbesitzer und Advokat, der unter Waldeck-Rousseau 1899 schon einmal Justizmmister gewesen ist, über die Besetzung des Postens über dem Aus markigen verhandelt hat, zeigt, daß Delcasse den enftcheiben- den Einfluß haben wird. Daß nicht gerade cm »rried-enskurs gesteuert wird, geht au chdaraus hervor, daß Telca'se planen fall für Frankreich 22 Dreadnoughts mit den notigen andern Schlachtfchissen bis zum Jahre 1920 fertigzustellen. Es tragt sich, ob Deutschland den kommenden Dingen ängstlich entgegenfehen soll. Wir glauben nicht. England und Ruß­land sinddringend" beschäftigt, Deutschland, das den österreichischen Bundcsgcnosscn fester an sich gekettet Hai

denii je und auch mit Rußland wieder ins Reine gekommen zu sein scheint, braucht ferne Umklammerung zu furchten. >?err v. kiderlen-Wächter wird zudem aus der Erfahruiig der letzteti Jahre seine Schlüsse gezogen haben. Umichmcichc lung tuts bei den eitlen Galliern nicht, erzeugt nur, wie 1905, den Glauben an deutsche Unsicherheit. Wir haben augenblicklich fernen Anlaß, das Vcrsölmungssct ,o sehn süchtig herbeizuwünschen. Fcstigfcit und ruhige -Stetigkeit müsseii Frankreich au chseruer gezeigt werden, Unb -bor sicht, Umsicht, auch ein wenig Mißtrauen, denn Telcaffi- ist erfahren, kühn und verschlagen, und seine Wege mnnen gleich von Anbeginn überwacht werden.

Tie hessische Zweite Kammer ist bei der Beratung des Voranschlages für 1911, und ungünstige Finanzgemalde machen die Runde. ES ist sogar der Vcrzweiflung.'vlan ausgetaucht, zwei Ministerstcllcn fortan zu stretchen: laute und ungestüme Ruse, dcucn in der Regel dann doch teilte Taten folgen. Wir werden wohl auch sonst (eine immer wiegenden Verwaltungsnmu alzungcn bekommen. Eine Sorge hat sich den hessischen Parlamentariern fest ms Her-, genistet: bic Sorge um unsere EiscnlmhngcmeimMaft nm Preußen. Sind wir damals über den Löffel barbier, worden? Das ist nud) in diesen Tagen wieder die 6rage gewesen. Tic alte Klage wird immer lauter, das; bic heilt scheu Bahnstrecken seit dem hessisch-preußischen Zusammen arbeiten mit bem Güterverkehr zwar immer starker belastet worden seien, daß wir aber am Reinertrag noch mit den alten Teilziffern beteiligt werben. Zweifellos jyint du augenblickliche Geldklemme, in ber der hessische ^taat sich befindet, nachdrücklicher auf io trübsimuge Anwandl,mgen (jx gibt in dieser Frage ein Für und Wider, und irn yrcugt- fchen Abgeordiictcnhaus hoben die hessischen Klagen bereits das erwartete Echo gefimbcu. Ter lonscrvative Herr .Hon Papvenheim hat bi' hessische Begehrlich!eil getadelt und die Vorzüge gepriesen, die aus ben hessischen Bahnen gegenüber ben früheren Zuitäudeu ins Auge sielen. Auch ber Esten bakinminister v. Brettenbach, der betanutlid) als Tircltions Präsident in Mainz den Anschluß an Preußen ins '4berf geleitet hat, machte crmunlernte Zurusc. Es hilft aber uiditd; die Tarmftädter werden ihre Skrupel und Zweifel nicht los: Zentrum, Fortschritt und ialbeniotcattc

drangen fetzt auf chic Revision des Gemeiuschafksvcrtrogs, und "als ber Wormser imtionallibcrnlc Abgeorbncte Kahler autoritative Vorlagen für eine Prüfung ber ganze,t Frage verlangte, änberte ber Zentrumsabge.ordnete Riolthou >,tm ter eise einer gemeinschaftlich wirksamen Aktion" feinen Eintrag in biefeni Sinuc um. Staatsminister Ewald will bei: Kammer erst später, bei ber Beratung dieser Anträge, aussührlich Rede stehen. So erscheint also in verschleierten Umrissen bas ziemlich unvermeidliche Znlunftsbilb, baß ber hessiflhe Löwe wieber einmal einen Bittgang zum preus;ft scheu Adler macht und aller Voraussicht nach absdstägig beichic.ben wirb, wenn ihii nicht allenfalls bic Tröstugg erquidt, baß manche Wünschetunlichst berücksichtigt" wer den sollem Tas steht allerdings schon im Gcmeinlchafts vertrag. Verbriefte Rechte bringen wir leider nicht, sondern, bei dem in Aussicht stehenden Bittgang, nur ;Hrd)tc,die mit uns geboren sind". Von denen ist aber bchmntiid, leider nie btc Frage . Es ist aber zweifellos cm allgemeines Bedürfnis geworden, daß unsere hessische Re gierung eine ausführliche Denkschrift über bic Streitfrage yerausgibt.

Am nächsten Freitag finbet int Reichstagswahlkreis Gießen Grünbcrg-Nidba die Ersatzwahl für beu verstorbenen

Der französische Ministerpräsident Briand, her die von bett radikalen Umstürzlern drohenden Gefahren beim letzten Eisendabnausstanb siegreich abgewehrt und auf der nut nor unverantwortlichen Streichen seiner früheren. Partei- .genossen einen leichten Rückhalt frei >en rechts stehenden 'Parteien gesucht hatte, ist nun doch gestürzt worden. Das .Mißtrauen ter äußersten Linken hat ihn verfolgt und bei ber Wicberauftollung der kulturkampffraste ilym bic Fallgrube 'bereitet. Brianb hatte bei ber Durchführung des Vereins

Gesetzes gegen die Lelyrtätigkeit derOrdens Duldung walten lassen, als ben Radikalen,

Abgeordneten sshl-r statt. 2ie (Erregung wächst; alle vier beteiligten Parteien machen die äußersten .inftringungen. Als ber kanbidat ter wirtschaftlichen Vereinigung, Tu Werner, am Tonnerstag aud) in ber <stadt GiCtzen )idi vorstellte, wollte er wohl bamit bartun, baß er keuiesivegv al'- bloßer Vertreter des Landvolkes betrachtet werben will. VQA er ber erregten Versammlung oorgetragen hat, fmb wüt großen Teil Ziele, bic auch außerhalb der bcutfrtr sorialen SB artet ancrlaunt werden können. Tie eorgy und Liebe für Heer, Flotte unb Kolonien müssen allen national bcnlcnbcu Deutschen gemeinsam fern. Auch die w'rtschafts- politischeii Um unb Ausblicke, bic toerr Werner bot, hatten Wert unb Berechtigung. Wenn er gegen den Liberalismus scharf ins Felb zog unb bic Gegensätze-bei der Reichs- sinanzresorm schilderte, so war damit das Bild noch nicht vollständig, und wenn Herr Krumm gerufen hatte:Wir sind allzumal Sünder", so hatte er recht qchabft Der Fehler her Konservativen läßt sich nicht verdecken und wird sich rächen Aber Herr Krumm verurteilte bic Taten ber bürgerlichen Parteien unb verschwieg, wo die Taten der Sozialdemokratie geblieben seien, ^o wurden bic in itn|crm Blatte veröfsenttichteu Auseinanbersctzungen in ber mund lidicn Aussprache fortgesetzt, Dr. Werner beleuchtete das Interesse, das die Genossen am Freihandel hatten, und die Versammlung nahm einen ruhigen Verlauf, bis leibet zuletzt ein Redner sich zu schroffen Belcidiaungen hrnreißen ließ Man mag sich zu Tr Werner politisch stellen ioie man will, mag dem liberalen Gedanken freudiger als er cvichi igicii widerfahren lassen unb mandyc seiner Ansichten ablehnen persönliche Schmühungen verdient er gewiß niav "iran muß das Sachliche vom Persönlichen zu trennen wissen rote das in ben bisherigen Auseinandersetzungen erfreulicherweise sonst immer gesckyeheit ift. Die letzten Tage uor ber Wahl werden natürlich die Leidenschaften steigern. Möchte man sich in allen Lagern darauf b cf innen, baß Unsachlich leiten oder gar Gehässigfeiten später doch meist da-.- Interesse schädigen, das man int unbesonnenen Augen­blick damit etwa gefördert zu habe« glaubt.

Nr 54 Erster Blatt M Jahrgang Samstag, 4- Marz M

Ü Gießener Änreiaer -sSS Vlv|JVHV»*11 jy * MM

Seneral-Anzeiger für Mberhefsen UtSS

Ä'w «Ä HofationsOrud undBttlog »er»rühllchen Univ.-vuch- und Steinöruderei R. langt. Redallion, Lkpedilion und vrudere!; §«lllftr-»e 7. (»r dm

K Ä »Sdingen: Sernfpredjer Nr. 5« «eschäft-ftelle vahnhosstratze ,6a. * -

Deutscher Reich.

Zur zweiten Lesung des Haushalts des ReichsaMts des Innern beantragt das Zentrum im Reickystage, die verbündeten Regiernngen zu ersuchen, dem Reichstag einen Gesetzentwurf zur Abänderung des Gesetzes betreffend bic Schlachtvieh- und Fleischbeschau vom 3 Juni 1900 cinznbringen, durch welchen § 23 des Gesetzes ab- geändert wirb, wie folgt.

Tie Kosten ber amtlichen Untersuchung fallen den Nationalitätennamen haben. Äc Bemohiicr aller Länder haben ihren Volksnamen, den sie von ihrem Vaterland cmpsangen, bic Deutschen sind Deutsche, die Franw''en Franzosen, die ^Dg- (änber Engländer. Aber was sind bic Burger der Bereinigten Staaten von Nordamerika? Wie soll man sie nennen? Bankers? Tie Bezeichnung hat für bas amerikan. Ohr einen beleidigenden. Bei­geschmack. Ter Begriff Amerikaner aber ift zu vag, tenn Amerikaner imb auch bic Bürger des Revolutionsstaates Nicaragua, Amerikaner sind aud) die Kauabier und die Bcwohucr Südamcrifas, ja sogar bic Eskimos von der Beringstraßc haben Anspruch auf Diefcit Titel. Was sollte nun geschehen? Tie großen ammtänndyen Zeitungen haben wirklid; Preisausschreiben erlassen, unb von allen Seiten liefen bic Antworten ein. Bis jetzt haben sich ater die meisten Stimmen auf einen Namen vereinigt, aufUfona". Das klingt beim ersten Lesen ein wenig geheimnisvoll, aber das Rätsel ist leicht gelöst, wenn man das Wort zeklegt: cs ist cinfad) aus den Ausangsbuchstaben vonUnited States of Notth America" gebildet. (Stenn es dabei bleibt, wird inan also künftig die Amerikaner alsUfonier" begrüßen dürfen.

Die Verlagsbuchhandlung B. G. Teubner in Leip­zig, die, wie wir meldeten, heute die Feier ihres hunbert- äbriaen Bestehens beging, hat aus diesem Anlaß der bereits besteyenben Arbciteruuterstützungsfassc 15000 Mf. über­wiesen und eine beiträussrere Pensionskasse für Angcstclltc gegrünbct.

Hygienisch erSchutzinden Eisenbahnwagen. Ter yrbgeorbnete Kivsch-Msseldorf hatte, wie erinnerlich, im Abgeorbnctenhause ausgeführt, daß sich ein Mitglied des Hauses auf einer Eisenbahnfahrt nachweislid) durch Ueberttagung von ben Polstern eine schwere Hautkrankheit zugezogcn habe. Dcr Abgeordnete ersuchte deshalb die Eisoibahnvenvallung, einen Zug probeweise mit Apparaten zum Kops und Nackenschutz auszuftatten. Er wies auf eine hpg,enifche Erfindung hin, auf die ein Bankier aus Düsseldorf verfallen ist. Es handelt sich um Apparate, bic oberhalb der Polster in den Eisenbahnwagen angebracht wer­den: In einer Vorrichtung befindet nw ein abrollbarer, etwa 50 Zentimeter breiter Schutzsneii.n aus lapanisckcm Crcppapopier, ber so angeordnet ist, daß der Fahrgast stets einen neuen Streifen Hcrauszuziehcn vermag, der als Unterlage für Kopf und Nacken dient.

Kurze Nachrichten aus Kunst u.Wissenschaft. Auf eine 25 jährige Tätigkeit als Univerfitätsvrofesfor kann am 5. März der Hojrat Dr. rned. Friedrich Hel fr eich, Ser tretet der Augenheilkunde, sowie ter Geschichte ber Mebizin in Würz­burg, zurückblicken. Prof. Helsreick) steht im 69. Lebensjahre.