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2.1.1911 Erstes Blatt
 
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Wien, 31. Dez. Die ,91eue Freie Presse" meldet: DaS neue Ministerium wird ein definitives sein und ein Mittelding zwischen einem parlamentarischen Beamtenministerium bilden. DaS Kabinett wird zwischen dem 6. und 10. Januar gebildet. Von den alten Ministern bleiben der Justizminister Hochenburger, Graf Stuergkh dieser gibt sein Unterrichtsportefeuille ab und dürfte Minister deS Innern werden ferner der Landes­verteidigungsminister und der Handelsminister. Für das Finanzportefeuille wird genannt der Obcrlandmarschall Böhmens Urban, bezw. der Direktor der Postsparkasse Schuster; deutscher Landmannsminister soll der Abgeordnete Pacher werden.

Der Papst und die Anregungen der Prinzen Max.

Köln, 31. Dez. DieKölnische Volkszeitung" meldet ans Rom vom 30. Dezember: Dem Vernehmen nach rich­tete Papst Pius X. an die katholischen Patriarchen des Orientalischen Ritus, anknüpfend an den Ar­tikel des Prinzen Max von Sachsen, ein Schreiben, in dem er seine Ansicht über die Art und Weise einer Vereinigung beider Kirchen darlegt.

Heer und Flotte.

Neue Generalfeldmarschälle. Der Kaiser ernannte die Generalobersten Graf v. Schliessen, von Bock und Polach und Freiherrn v. d. Goltz zu Generalfeldmarschallen und verlieh den Generalobersten v. Lindequist und v. Plessen den Rang eines General­feldmarsch alls.

Anslnrrd.

In seinem Rückblick auf das vergangene Jahr hob das Wiener Fremdenblatt" hervor: Tas abglaufcne Jahr stand im Zeichen der Entspannung und Friedens Hoffnung, in denen Eu­ropa das Jahr begann und steigerte sich am Jahresende zur Friedenssicherheit. Tie auswärtigen Verhältnisse ge­stalteten sich durchaus erfreulich. Tas eindrucksvoll st e Er - ?ebnis des letzten Jahres aber ist die Bekundung der ebendrgen Kraft des Treibundes und seines Ein- lürens in das Bewußtsein der verbündeten Völker. Tie Zfele der Treibundpolitik sind klar, die allgemeine Friedlichkeit muß nicht erst wiederholt und beteuert werden. Durch Gedanken­austausch betreffend die Uebereinstimmung in der Auffassung be­züglich des Balkens trat Oesterreich-Ungarn zu Rußland in die gleichen vertrauensvollen Beziehungen wie zu den anderen Mäch­ten. Das Blatt erinnert an die Ergebnisse der Potsdamer Be­sprechungen, wobei festgssstellt wird, daß Rußlands Bal­kan Politik mit der deutschen, die ihre Uebereinstimmung mit der unserigen wickrerhott feierlich bekräftigte, in vollem Ein­verständnis ist.

Aus Paris wird gemeldet: Tie Todesstrafe Durands wurde in eine siebenjährige Gefängnisstrafe umgewandelt. In­folge der Umwandlung der Strafe Turands sagte der Syndikats- verband seine für morgen im Elysee-Palast geplante Kundgebung ab und fordert die Arbeiterorganisationen aus, den Hauptausstand vvrzubereiten, um die Revision des Prozesses durchzusetzen.

Ter spanische Ministerpräsident Canalejas bot dem König die Gesamtdemission des Kabinetts an. Ter König sprach Canalejas auss neue sein Vertrauen aus und gab ihm Vollmacht, in der Zusammensetzung des Kabinetts die von ihm für erforderlich erachtete Veränderung vorzunehmen. Ter König billigte die Richtlinien der von Canalejas eingeschlagenen Polttik. Die neu zu ernennenden Minister sind aller Wahr­scheinlichkeit nach: Gasset, Minister der öffentlichen Arbeiten, Alfonso Castrillo, Minister des Innern, Ames Salvador, Mi­nister für den öffentlichen Unterricht. Die Eidesleistung findet morgen statt.

In Helsingfors begann am 1. Januar der Ausstand derSetzerallerDruckereiendes Verbanhes der Druckerei- besitzer, Dennoch erscheinen alle großen Zeitungen, bei denen Frauen und Männer von Intelligenz als freiwillige Setzer fungieren.

Wie in türkischen Regierungskreisen verlautet, beantwortete die russische Regierung das von der türkischen Botschaft in Petersburg gestellte Verlangen nach Aufklärungen über die Truppen Zusammenziehungen in der Gegend von Kars in Kaukasien dahin, bau eS sich um neu angeordnete .Truppenverschiebungen handle, welche keine Bedeutung hätten.

Aus Saloniki wird gemeldet: Vier Bulgaren schlichen sich an das Wachthaus von O s m a n i r heran uno erschossen den Wachtposten. Als die übrigen Soldaten herbeieilten, ergriffen die Bulgaren die Flucht, wobei zwei von ihnen ge­tötet wurden. Die Bürgermeister, Ulemas und Notaüeln der türkischen Bevölkerung von Kotschana und Tkwisch richteten an die Kammer ein Telegramm, worin sie angesichts der Zu­nahme des bulgarischen Bandenwesens, um die Wiederherstellung des Bandengesetzes und die Einführung der Kriegsgerichte bitten.

Aus Tarent wird gemeldek: Infolge der feindseligen Ballung der Bevölkerung gegenüber den behördlichen orbeugungsmaßregeln gegen die Cholera kam eS zu Ruhestörungen. Tie Menge suchte in die Kaserne der Karabiniere einzudringen und bewarf die Polizei, die sie zurückdrängen wollte, mit Steinen. Die Beamten gaben mehrere Revolverschüsse ab. Tie Menge zerstreute sich unter Zurücklassung von drei Toten.

Ein kaiserliches chinesisches Edikt lehnt entschieden daS Gesuch des Reichsausschusses um Beseitigung des Zop­fes und Abänderung des Kleiderschnittes ab.

Deutsche Kolonien*

Hamburg, 31. Tez. Heute mittag ist der Dampfer Eleonore Wörmann" mit der Leiche Dominiks eingetroffen. Am 3. Januar findet hier eine Trauerfeier statt und als­dann wird die Leiche in die Heimat des Verstorbenen gebracht.

An- Stadt und Caud.

Gießen, 2. Januar 1911.

** Ordensangelegenheit. Ter Großherzog Hat dem Maler und Lithograph Peter Geh zu Berlin die Erlaubnis zur Annahme und zum Tragen der ihm von dem Herzog Friedrich von Anhalt am 22. Mai 1896 ver­liehenen Silbernen Jubiläums-Medaille und der ihm von dem König Karl von Rumänien am 1. Januar 1906 ver­liehenen Goldenen Jubiläums-Medaille erteilt.

♦♦ Das Museum jüt Volkskunde ist in den zwei Monaten seines Bestehens von insgesamt 1170 Per­sonen besucht worden. Die provisorische Aufstellung im Mai 1910 hatte 730 Besucher aufzmveisen. Zur Neuauf­stellung gelangen z. Z. die Sammlungen des Geh. Kom­merzienrats W. Gail und Dr. G. Gail, enthaltend Ge­genstände aus Nord- und Mittel-Amerika.

* Reichsgründungsfeier. Tie Mitglieder der bei der Feier beteiligten Gesangvereine ijaben am Mittwoch abend im Lass Ebel ihre erste gemeinsame Probe (sielie Inserat).

** Gießener Omnibus-Gesellschaft in Li- quidation. Vor Weihnachten tuurben den Gesellschaf­tern unseres ehemaligen Omnibus-Unternehmens 37.1 u Mk als Masseanteil ausbezahlt. ES ist zwar nicht viel, was

übrig blick», aber man hat sich gefreut, weil man ,mit noch weniger gerechnet hatte.

* Der Beginn be§ neuen Jahre« war hier recht ruhig und friedlich. DaS Schießen und Abbrennen von Feuerwerk läßt ständig nach und die NeujahrSfeier wird immer mehr von der Straße weg in die Familien verlegt, wohin sie ja auch eigentlich gehört. Bloß in der Innenstadt war eS um die erste Stunde deS neuen JahreS etwas leb- Hafter. Unglücksfälle beim Neujahrsschießen sind bis jetzt nicht j u unserer Kenntnis gekommen.

Kunst verein. Bei der am Freitag in Darmsia1>t Dorgenommenen Verlosung sind folgende Gewinne an Mit­glieder deS KunstvereinS gezogen worden: a) Anrechtscheine Alt. Nr. 1439 Mk. 500.-, 1048 Mk. 400., 367 Mk. 300., 829, 1189 Mk. 200., 132, 1053 Mk. 150., 765, 965, 1244 Mk, 100., 768, 780, 1041, 1077 Mk. 60. ; b) Kunstgegenstände: Akt. Nr. 52, 86, 141, 272, 302, 492, 588, 795, 863, 993, 1044, 1151, 1320, 1348, 1471, 1543 und 1619. Den Gewinnern von Anteilscheinen steht daS Recht zu, bis zum Ende des JahreS hier bei den je­weiligen Ausstellungen ein ausgestelltes Kunstwerk . aus­zuwählen, dessen Preis der Anrechtsumme entspricht. Auch ein teuereres Kunstwerk kann der betreffende Gewinner er­werben, wenn der fehlende Betrog draufaezahlt wird.

** Verunglückter Bri efträg er. Am Samstag morgen beim ersten Bestellgang verunglückte infolge des Glatteises an der Süd-Anlage zwischen Bleich- und Frank- urter Straße Briefträger Hermann Mickel. Er fiel so chwer, daß er nicht mehr gehen konnte. Die Anwohner orgten jür den Beamten und benachrichtigten das Post­amt, so daß die Bestellung ihren Fortgang nehmlm konnte. Der Verunglückte scheint sich einen Knöchelbruch zugezogen zu haben und wird wochenlang seinen Dienst nicht ver­richten können.

** Warnung. Die Reinigung der Bürgersteige vor den Hofreiten durch die Anlieger hat in den letzten Tagen viel zu wünschen übrig gelasien. Tas Reinigen der Bürgersteige von Schnee, sowie das Streuen bei Glatteis hat pünktlich zu erfolgen. Wie wir hören, hat die Schutz- mannschast, die seither die Hausbesitzer aufforderte und Verwarnungen eintreten ließ, nunmehr Weisung erhalten., energischer vorzugehen und gegebenenfalls Strafanzeigen zu erheben.

** Roheit. In der Neujahrsnacht wurde mit einem 9mm-Nevolver in ein Fenster eines Hauses im Riegel- ifad geschossen. Die Kugel drang durch die Bett­telle in einer Schlafstube. Zum Glück war das Bett noch nicht belegt.

Gasvergiftung. In einem Hause der Stein - straße fand in der Neujahrsnacht eine Gasvergiftung da­durch statt, daß au5 einem in der Straße geplatzten Gasrohr GaS in daS Haus eingedrungen mar. Die im zweiten Stock des Hauses wohnende Familie Belz mußte in die Klinik ge- bracht worden, wo sich der Ehemann jetzt noch schwer krank befindet, lvährend Frau und Kinder außer Gefahr sind. Eine zweite Familie hat weniger gelitten und die Bewohner deS ersten Stockes sind gar nicht in Mitleidenschaft gezogen worden.

** Ringkamps-Konkurrenz im Kolosseum. Bei den Kämpfen am Samstag siegte zuerst der Rheinländer Debie nach schönem Kampfe liber Heß nach 13 Min. Dann rang der neueingetretene Ringer Eberle gegen Bilk an. Obgleich Ic^tjrer ein durchaus erstklassiger Rin­ger ist, gelang es dem deutschen Meister schon nach 6 Min. durch Untergriff zu siegen. Im dritten Kampf rang der Finnländer Eggeberg gegen den mit Riesenkräften be­gabten Jackson, America. Während dieser unaufhörlich angrisf, beschränkte Eggeberg sich auf die Verteidigung und zwar so gut, daß der Kampf nach 20 Min. ohne Ergebnis abgebrochen werden mußte. Zum Schluß siegte dann der Indianer Bill nach stürmischem Kampf über Le mertz in 8 Min. In der Sonntagnachmittag-Vorstellung siegte zuerst Christensen über Heß nach 17 Min. und dann Hitzler über Wingharts in 6 Min. Bei sehr gut be­setztem Hause wurden an Sonntag abend die Kämpfe fort­gesetzt. Von dem Ringkämpfen vorangehenden neuen Vartetenummern sind hauptsächlich, der vorzügliche Humo­rist Emil Buschmann und der Mimiler Armand zu erwähnen. Während ersterer das Publikum durch seine aktuellen Vorträge und zündenden Witze erheitert, führt uns Armand eine ganze Reihe bekannter Personen in größter Naturtreue vor den Augen. Die Ringkämpfe des Sonntags nahmen folgenden Verlauf. Zuerst gab es einen spannenden Kamps zwischen dem hünenhaften Türken Nurlah und dem Rheinländer Debie. Obgleich letz­terer sich mit allen ihm zu Gebote stehenden Kräften ver­teidigte, siegte der Türke schon nach 8 Min. Auch der nächste Kampf Christensen gegen den Indianer Bill nahm einen ziemlich schnellen Verlauf. Ter Indianer rang in seiner wilden Manier und mußte einigemale verwarnt wer­den, siegte dann aber nach 6y2 Min. in einwandfreier Weise. Das Hauptinteresse des Abends erregte der Kampf zwischen Eberle und Eggeberg. Der deutsche Meister hatte es dabei mit einem äußerst kräftigen und gewanoten Geg­ner zu tun, dessenungeachtet siegte Eberle nach 16 Minuten durch seinen bekannten Untergriff. Das Pub.ikum spendete dem Sieger reichlichen Beifall. Zum Schluß siegte dann noch Jak^on über Lemmertz in 6 Minuten. Von den heutigen Kämpfen dürfte besonoers der von Eberle gegen den Indianer Bill interessieren.

**WassagtderLandwirtvomJanuar. Der Januar muß mit Schnee und Kälte einsetzen, wenn er dem Landmann gesallen soll, wie mancherlei Bauernregeln be­faßen. So heißt es:Reichlich Schnee im Januar machet Dung sür's ganze Jahr!" oderJanuar muß vor Kälte knacken, wenn die Ernte gut soll sacken". DagegenIm Januar viel Regen, wenig Schnee tut Saaten, Wiesen und Bäumen weh", undJanuar warm, daß Gott erbarm!" Klarer Frost und Schnee im Januar soll einen schönen Sommer im Gejolge haben:Ist der Januar hell und weiß, wird der Sommer sicher heiß."

** Maul- und Klauenseuche. Neue Aus - brüche der Seuche sind gemeldet aus Düdelsheim, Kreis Büdingen, bei Händlervieh.

Kreis Büdingen.

-1-. Büdingen, 31. Dez. Sitzung deS Ge­meinderats. Anwesend: Bürgermeister Fendt, Beige­ordneter Dotter, die Gemeinderäte Andrae, Dcemer, Hinkel, Methsessel, Rullmann, Schäfer, Schön, Schulz, Trejer, Witte­kind, der Vertreter des Fürsten, Äammerbirektor Muller, Kreisstraßenmeister Strauv. Registrateur Friedlich Kranz beabsichtigt auf seinem Grundstück an der Sch^achlhausslraßc ein Wohnhaus zu errichten. Das Gesuch, bedarf nach § 29 deS OrtSbaustaUlls, der für den in Betracht kommenden

Stadtteil zweistöckige Häuser vorschreibt, Gesuchsteller aber nur anderthalbstöcttg bauen will, des Dispenses. Dieser soll befürwortet werden unter der Bedingung, daß die Zu­leitung von Gas und Wasser nur von der Schlachthausstraße aus erfolgt. Der Gemeinderat spricht sich weiter für die Anlage von Vorgärten und ungleichmäßige Bebauung des neuen Sttaßenzugs aus. Der Gemeinderat genehmigt den Voranschlag über die Herstellung von Kanal- anschlußleitungen bei bem Junkernhos, und zwar den Anschluß, der die Tagwässer aus dem Eckart und Hem- mingscheii Anwesen und das Bergwasser, das aus dem Eckart und Clemmbachschen Garten drängt, abführt, im Bettag von 341.50 Mk., ferner den Anschluß, der die Taa- wässer aus der Hofreite des Landwirts Heinr. Geiß ab- jüljrt, im Betrage von 189 Mk. mtt ber Maßgabe, r> dieser Betrag zu je einem Drittel von der Gewerbeschule, Heinr. Geiß und der Stadt aufgebracht wird. In «der Sitzung vom 19. Dezember hatte der Gemeinderat zu dem Anträge der fürstlichen Rentkammer auf Ablösung des aus der Kammer-Almosenkasfe zur z w e i t e n Volksschul­lehrerstelle in Büdingen zu zahlenden Beitrages von jährlich 27.43 Mk. mit dem 25fachen Betrage = 685.75 Mk., beschlossen, auf Erhöhung der Ablösungssumme auf den Betrag von 800 Mk. vorstellig zu werden. Der Gemcinde- rat war der Ansicht, daß die der Ablösung zugrunde ge­legte vierprozenlige Verzinsung der Ablösungssumme nicht erreicht werde, in welchem Falle dann der jährliche Bei­trag von 27.43 Mk. sich vermindern würde. Nach Der der heuttgen Gemeinderatssitzuna vorgelegten Erllärung der fürstlichen Rentkammer ist diese nicht in der Lage, die Absrndungssumme zu erhöhen, da der 25fache Detraa allgemein üblich sei. Der Gemeinderat erklärte sich nach den vom Vertreter der Fürsten gegebenen Erklärungen mit dem Angebot der Rentkammer einverstanden. Da die vorige Versammlung wegen Fehlens einiger Mitglieder nicht beschlußfähig war, werden die in ihr gefaßten Beschlüsse nachttäglich genehmigt.

-1- Büdingen, 31. Dez. In ber am Freitag abend im Hotel ,©tern* abgehaltenen Hauptversammlung ber hiesigen S ch u tz e n gese ll s ch a ft wurde nach Adbör der Rechnung über daS Herbsischießen beschloßen, den diesjährigen Schützenball am 22. Januar im Hotel .Fürslenhos" ab­zuhallen. Weiter wurde beschlossen, das in das Jahr 1914 fallende 400jährige Jubiläum in einfacher Form abzuhallen und benachbarte Vereine zur Feier einzulaben. Durch frei­willige Spenben ist bereits ein Fonds gebildet, dem hoffent­lich bis zum Feste noch ansehnliche Beiträge zufließen werden.

-1- Büdingen, 31. Dez. Die Eisbahn auf der riruchwiese, die zu Anfang ber Woche prächtige Aussicht für Schlittschuhläufer bot, ist infolge eingetretenen TauwetterS wiederzu Waffer geroorben'. Dagegen bot ber in ge­nügende Menge gefallene Schnee in vergangener Woche Gelegenheit zum Robeln, welchem Sport auch fleißig gehuldigt wurde. Auch für die Schlittenfahrt waren strich­weise die Verhältnisse günstig.

)( Bleichen bach, 1. Jan. Gegen 8 Nhr morgens bemerkte eine Frau zwei Fasanen auf einem Dach. Bei genauerem Hinsehen gewahrte man einen dicken Qualm aus dem Dach aufsteigen. Im Hause schlief alles fest. Nachbarsleute schlugen Lärm und weckten die Schlafenden. Aus dem Bodenraum war ein Kleiderschrank in Brand geraten, der ganze Inhalt wcrr verkohlt. Ein Glück war es, daß kein Luftzug die brennenden Kleider zum offenen Brand werden ließ, da sonst bei der engen Bauart und z'.'sammenhcingenden Scheunen ein großes Brandunglück am ersten Tage des neuen Jahres zu verzeichnen gewesen wäre.

Starkenburg unD Rheinhessen.

W. Worms, 1. Jan. In dec Silvesternacht wollte der 19jährige Schreinergeselle Michael Kopp von hier in einer Wirtschaft der Speyererstraße einen Revolver abfeuern. Die Waffe versagte jedoch und als er nach der Ursache sehen wollte, ging der Schuß los. Die Kugel traf den Bedauernswerten ins Gehirn. Er war sofort tot.

Kreis Wetzlar.

Garbe nheim, 30. Dez. Dieser Tage trat unter dem Vorsitz deS Bürgermeisters Braun-Krofdorf der hiesige Schulvorstand zusammen, um die Wahl bcS dritten Lehrers vorzunehmen. Einstimmig wurde Lehrer Krauß, bisher in Ahrdt (Bürgermeisterei Hohensolms), gewählt. Garbenheim hat jetzt 171 Schulkinder.

Landwirtschaft.

** Nebenauslese in Hessen. Die hessische Landwitt- ichaftskammer führt die gegenwärtige Notlage im Weinbau haupt­sächlich darauf zurück, daß im Laufe der Jahre die Rebstöcke un Kamps mit beit Krankheiten und Schädlingen wider st andS- unfähiger geworden feien. Der Vorsitzende erläßt daher eine Bekanntmachung, in der er neben anderen Maßnahmen zur Besserung der Lage in erster Linie empfiehlt, daß die krän­kelnden, schlecht blühenden, stets durchfallenden, wüdwachsenden Reben ausgesucht und nicht weiter vermehrt, sondern ausgerottet werden. In gleich gewissenhafter Weise sollen die besten Stöcke ermittelt werden, die reich tragen, sortenecht sind und gut blühen, um allein zur Weiterzucht verwendet zu werden. Die Land- wirtschajtskammer erachtet das Selektionsverfahren, das in einer besonderen Abhandlung beschrieben wird, für eine sehr zeitgemäße und außerordentlich notwendige Maßnahme zur Wiedergefundung des Weinbaues.

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fc. Darmstadt, 1. Jan. In der Festftellungsklaae der Agnaten des Gräflichen Hauses zu Erbach-Erbach, der Grafen Konrad, Eberhardt und Alexander, sämtlich Grasen zu Erbach- Erbach, gegen den Chef des Hauses, den Grasen Georg Albrecht, die dahingeht, festzustellen, ob der Erbgraf Erasmus zu Erbach- Erbach, der L-ohn des Grafen Georg Albrecht, bei Eingebung jein er > pater vom Landgericht Frankfurt a. M. für ungültig er Härt en Ehe mit Tora Fischer geistesgestört war oder nicht, hatten die Agnaten anfangs im Armenrecht geklagt. Dasselbe wurde ihnen vor kurzem vom Landgerick)t Darmstadt wieder entzogen. Nunmehr haben die Signalen Beschwerde dagegen bei dem Oberlandesgericht Darmstadt eingelegt. Der Wert des Strettgegenstandes in der Festuettungs- tlagc ist mittlerweile auf 12Vj Millionen Mark sestgesetzt, so OaB jeher Termin in der Sache auf rund 50 000 Mark zu stehen kommt. Eine umfangreiche Zeugenvernehmung, die in biefec Klage vorn Landgericht Darmstadt angeordnet war, hat an den Amtsgerichten Frankfurt a. M., Königstein t T., Brinkenau, Tros den, Berlin, Darmstadt, Michelstadt i. O. und Bern statt- aefunben. Nachdem das Oberlandesaerichk auf die eingelegte Beschau erde befunden, wird weiterer Verl-andlungstermin in der Feststellungsklage an der 1. Zivilkammer des Landgerichts Darm­stadt angeordnet werden.

Lustschifiahrt.

New-OrleanS, 31. Tez. Ter silteger M o i s a n t ist bet einem Laudunqsverbich mit (einer ßlugmaictjine aus einer Höhe von 100 öuö abgenützt. Er wurde getötet, seine Aiaschine ist zertrümmert.

Lo« AngetoS, 1. Jan. Der Flieger Hoxkey, ber kürzlich den Höhenrekord von 11 474 Fuß ausgestellt hatte, versuchte den