Heer rrnd Flotte.
Ein Wechsel aus beni P osten des öfter- reichifch-ungarifchenGeneralsstabschefs. Aus Wien kommt folgende Nachricht: Zum Nachfolger des zu- rückgetretenen Chefs des österreichisch-ungarluhenGeneral- stabs von Hötzendvrs ist Feldmarschall-Leutnant von .Schmus ernannt worden.
Die Gründe zu Hötzenborfs Rücktritt sind militärisch-politischer Natur. Hötzenbvrf agitiert für eine starke Vermehrung der Garnisonen in Tirol; Gras v. Aehrenthal bekämpfte diese antiitalienische Politik.
verlange der Freisinn, daß im Wahlkreise Bingen-Alzey die Nationalliberalen Wahlhilfe leisten sollen.
Im Landtagswahlkreis Offenbach-Land
soll dem Vernehmen nach von den Soziald emokraten der Offenbacher Rechtsanwalt Tr. Katz als Kandidat aufgestellt werden. Der bisherige Mandatsinhaber war der vor kurzem verstorbene Lanotagsabgeordnete Orb, der gleich dem Kandidaten der sozialdemokratischen Partei an- aehörte. Die offizielle Nominierung der Kandidatur Dr. Katz wird in einer demnächst abzuhallenden Wahlkonferenz der sozialdemokratischen Partei erfolgen. Der Termin der Ersatzwahl ist aus den 25. Januar 1912 festgesetzt.
Aus dem Reichstagswahlkreis Mainz-Oppenheim.
Wie die „Frkf. Ztg." aus Mainz mitteilt, hat der bisherige Reichstagskandidat der Zentrumspartei für den Wahlkreis Mainz-Oppenheim, Landtagsabg. Justizrat Dr. Zuckmayer, die Kandidatur endgültig abgelehnt.
Ausland.
Mehrere Pariser Blätter au Bern ihre lebhafte Befriedigung über den für den 6. ^Dezember angekündigten Pariser Besuch des russischen Ministers des AeußernSsasonow. Der „Gaulois" meint: Es ist überflüssig, die Bedeutung dieses Höflichkeitsaktes zu unterstreichen, da die Tatsache, daß er sich nach der Unterzeichnung des deutsch-französischen Abkommens und nach der Rede Greys, sowie in dem Augenblick vollzieht, wo im französischen Parlament die Aussprache über die äußere Politik eröffnet wird, genügt, um den Charakter und die Bedeutung dieses Besuches zu kennzeichnen.
Die Wahlen für die erste schwedische Kammer sind beendet. Die neue Kammer besteht aus 87 Mitgliedern der Rechten, 61 Liberalen und 12 Sozialdemokraten; die alte bestand aus 116 Mitgliedern der Rechten, 30 Liberalen und vier Sozialdemokraten.
Deutsches Reich.
Aus Moschen wird gemeldet: Der Kaiser ist am Donnerstag morgen 9 Uhr im Automobil nach Z yro wa gefahren, von den Kriegervereinen, Schulen und ,der Kuiauer Feuerwehr, die am Wege sich aufgestellt hallen, begeistert begrüßt, «jn Zyrowa traf der Kaiser mit Gefolge um 93/4 Uhr ein. Um 10 Uhr begann dieIagd im Gelände von Oleschka in neun Tretben. Das Wetter war ungünstig, es herrschte starker Nebel.
Die vom Pariser „Ternps" verbreitete Liste der vom Kaster vollzogenen Ernennungen für die elsaß-lothringische erste Kammer beruht, so teilt das Wölfische Bureau mck, zum Teil auf irrigen Kombinationen, wie die in euttgen Tagen zu erwartende amtliche Bekanntmachung ergeben wird.
Der Vorstand des Reichstages beschloß, das Geschenk des Fürsten v. Bülow, eine Kopie seines von Lenbach gemalten Bildes, anzunehmen. Die Kopie soll im Bundesratszimmer Platz finden, bis es durch das Origlnalbild ersetzt wird, das Bülow teitamentarisch dem Reichstage vermachte.
In der Sitzung der badfichttt Zweiteil Kammer am Donnerstag legte Finanzmmister Rheinboldt den Voranschlag für 1912/13 vor. «Danach schließt der ordentliche Haushalt in den Ausgaben mit jährlich 104 355 428 Mk., in den Einnahmen mit jährlich 107 291009 Mk. ab, so daß sich für die beiden Jahre ein Einnahmeüberschuß von 5 871 162 Mk. ergibt ooer gegen 1910/11 weniger 1925 474 Mk. Im außerordentlichen Haushall werden angesordert: 10 816 600 Mk., nach Abzug der außerordentlichen Einnahmen mit 1161640 Mk. verbleibt ein Rest von 9 654 960 Akk. Der Voranschlag der Eisenbahnbetriebs- Verwaltung für 1912/13 schließt in Einnahmen mit jährlich 113 225 800 Mk., in Ausgaben mit jährlich 82 891000 Mk. ab, somll mit einem Einnahmeüberschuß von jährlich 30 333 900 Mark (gegenüber einem solchen von 20 095 465 Mk. im Jahre 1910/11. Hierzu tritt der Anteil an den Reineinnahmen der Rhein-Neckarbahn mit jährlich 857 900 Mk. Unter Berücksichtigung des Fehlbetrages der Bodensee-Dampfschiffahrl mit 8 310 Mk. ergibt sich ein Neinerträgnis bei der Eisenbahnbetriebsverwaltung von 31183 490 Mk., bas bedeutet in dem Jahre 1911 gegenüber ein Mehr von 10 600 985 Mk.
Aus Statt unt Land.
Gießen, 1. Dezember 1911.
Dezember.
Wiederum neigt sich ein Jahr seinem Ende zu. Der Christmonat steht vor der Tür und was seine Gaben an» belangt, so ist er nicht, wie im Kalender, als der letzte Monat anzusehen, sondern als der Erste seiner elf Brüder. Die Hochsaison der Feste beginnt mit dem Dezember und da man bei uns zu Lande kein Fest ohne viel Speis' und Trank begeht, so können wir die Gaben dieses Monats voll ausnützen. Blickt man in die Telikateßlüden mit allen ihren auf gebauten Schätzen, so glaubt man allerdings nicht mitten im kalten Winter zu stehen. Frisches Gemüse, fremdes und einheimisches Obst, Früchte wärmerer Zonen, daneben Wild, Geflügel, Fische, alles erfreut Auge und Gaumen. Eine Kunst ist es wahrlich nicht, bei diesem Reichtum an guten Gaben ein Gastmahl zu rüsten, vorausgesetzt, daß die Hausfrau das nötige Wirtschaftsgeld hat. Aber auch für bescheidene Ansprüche bietet der Dezember so unendlich viel Abwechselung, daß es selbst der weniger bemittelten Familienmutter nicht schwer wird, ein delilates Mahl herzurichten. Das Wechnachtssest wirft bereits feine Strahlen voraus und die beliebten Weihnachtstiere erscheinen in Massen. Da ist zunächst der edle Karpfen (als beste Speisekarpfen gelten die fünfjährigen), neben dem sich auf der seinen Weihnachtstafel nach französischer und englischer Sitte auch bei uns der Truthahn sehen lassen darf. Mitte des Monats müssen wir an die Weihnachtsbäüerei denken. Stollen, Striezel, Pfefferkuchen und Pfeffernüsse gehören in dieser Zeit zum Nachtisch. Marzipan, Quittenbrot und Quittenwürstchen erfreuen die älteren Leckermäulchen. Auch Bananen, Weintrauben, Feigen, Datteln, Ananas, Trau- benrosinen, Nüsse und Knaamandeln dürfen nicht fehlen. Kleineren Kindern gebe man nur Biskuits und allenfalls sehr gute Schokolade.
Wie traulich ist die Zeit vor Weihnachten mit all ihrer Heimlichkeit der lieben Kleinen, dem fröhlichen Rennen und Hasten zur Stadt und dem fortwährenden Läuten an der Vorsaaltür. Ob das Christkino wohl die gewünschten Schlittschuhe, den Rodelschlitten, Muss und Hartdschuhe abgegeben hat? — Und nun kommt der heilige Abend mit seinem Tannenduft, seinem erwartungsvollen Hangen und Bangen. Tie Kinder blicken hinaus in den wirbelnden Schnee, die Näschen platt an die gefrorenen Scheiden gedrückt. Die Aelteste, das kleine Hauvmütterchen, lost schnell eine Handvoll Salz odxr Algun in einem. Alden Lller warmem
Wasser und bestreicht damit bte gefrorene Scherbe. er Erfolg ist großartig! Die Mutter spielt unb fragt „Strlle Nacht, heilige Nacht" unb ber Vater läutet. Nun hat der Jubel keine Grenzen. Wohl bem Hause, in bem alles in Siebe unb Frieden und ohne Hetzerei abgeht. Wenn bie Festtage verrauscht sind, kommt eine neue Arbeit für die rührige Hausfrau. Silvester naht unb~ bei Punsch unb Marzrpan wirb der Baum abgeleert. Hniein gehts nun mit frischem Mut unb fröhlichem Sinn ins neue Jahr!
* Tageskalender für Freitag, den 1. Dezember: Stadt- the'ater: „Tie Haubenlerche" Anfang 8 Uhr. — Sanrslag, 2. Dez., nachmittag 3l/t Uhr: „Hansel und Gretel,"
** &of balle. Nach Mitteilung des hessischen Hoftnarschall- amts findet, wie bie Darm st. Ztg. meldet, am 6. und 10. Januar 1912 tu den Räumen des Alten Palais je ein Hofball statt.
** Zulassung zur Rechts an waltschaft. Am 9. November wurde der Gerichtsassessor Joseph Hirsch zu Biebrich zur Rechtsanwaltschaft bei bem Landgericht der Provinz Rheinhessen zugelassen. „
** Der Gesell schcrftsverern veranstaltet am Montag, 4. Dez., für feine Mitglieder einen Rezitativ nsaverrb, für den er den Hofrezitator Hermann Kn isp e l aus Darmstadt gewonnen hat, der einen vorzüglichen Ruf als Rezitator genießt. Herr Knispel wird den ersten Teil des Abends dem vor CO Jahren in Darmstadt geborenen Dichter Gottfried Schwab widmen, dem 1906 n feiner Geburtsstadt ein Denkmal gesetzt wurde. Anfang des Winters hielt Herr Knispel in Darmstadt im Vortrags- Verband und in Worms Gedächtnisabende für den Dichter, über dessen ersteren die Darmstädter Zeitung u. a. chrieb: „Wie zeitgemäß, als wären sie für diesen Sommer geschrieben, muteten bie kraftvollen Worte ber „Deutschen Wehr" unb bes „Schädigen Michels" an, bie in den Hörern patriotische Saiten zum Erkllngen brachten unb sofort lauten Beifall erweckten. Welch echte Perlen ebter Lyrik enthielten einige Gebichte! Die feine „Märchen"-Satire auf bie moderne Mildtallgkeit fand besonders verständnisvolle Hörer. Den tiefsten Eindruck aber machte wieder der wundervolle Lieberzyklus „Der kranke Jägersmanu", in bem Schwab seinem verstorbenen Freunbe Forstmeister Muhl ein so herrliches Denkmal gesetzt unb ben man wirklich bei iebem Anhören lieber gewinnt. Auch bie humoristischen Gebuchte „Ein Wunsch", „Ter Wettstreit", „Hausprebigt" unb „Ein guter Rat" gefielen sämtlich außerordentlich." Diese, in der Darmstädter Besprechung aufgezählten Gedichte wird Herr Knispel auch hier zum Vortrag bringen. In ber zweiten Abteilung bes Abenbs kommen Dick)tungen von Cour. Ferb. Meyer, Gottfrieb Keller, Erich Sello, Otto Ernst, Arno Holz unb Friebrich Nietzsche zum Vortrag, und ben Schluß des Abends bitben brei Gebichte in Psätzer Mundart, zu deren Wiedergabe Herr Knispel ein besonderes Talent hat. An diesen literarischen Teil des Abends wird sich ein gemeinsames Abendessen mit nachfolgendem Tanz anfchließen.
** Vorn Konzert-Verein wirb uns geschrieben: Das reichhaltige Programm bes 2. Solistenabends am 3. Dezember bedarf für den Uneingeweihten einiger Erläuterungen. Die W al bste in-Sonate op. 53 ist dem wahrhaft großen Gönner Beethovens gewidmet, Grafen Ferdinand Wald st ein, der den jungen Beethovsn mit Unterstützung des Kurfürsten abermals nach Wien sandte, damit er alles in ber Tonkunst nur Mögliche noch bei Josef Haydn erlerne. Die Sonate stammt aus der Wiener Zeit, in der Anlage bereits 1803 skizziert, in welcher Beethoven an ber Eroica, an der C-moll-Sinsonie und an seinem Fidelio arbeitete. Zeigt die Waldstein-Sonate, wie alle Klavier- sonaten des großen Meisters den großen Aufbau in ber Durchführung, so tritt uns in der Chopinschen B-moll-Sonate weniger die Form der Sonate, als die Phantasie, richtiger gesagt, Kaprize entgegen. Zweifellos gehört diese wie die H-moll-Sonate zu den reifsten Werken Chopins. Gerade dieses leidenschaftlichste Werk der Klavierliteratur, ausgezeichnet durch die Knappheit der Form, enthält im ersten Satze eine Fülle harmonischer Kühnheiten, die heutzutage noch frappieren, und ist im Scherzo von wilder Energie durchzogen; chromatische Sextakkordgänge stürmen dahin, während im Trio in scharfem Kontrast zu dieser Zügellosigkeit eine weiche Melodie folgt. Der 3. Satz ist der bekannte Trauermarsch, ber mit den ostinaten Baß- und Mittelstimmen, dem Glockengeläute vergleichbar, beginnt. Das Finale ist ein Unikum in ber Literatur ohne jeden Versuch harmonischer oder dynamischer Wirkung; Rubinstein verglich es mit bem Sausen des Nachtwindes über den Gräbern und Chopin selbst sagt in einem Briese an Fontane, „sie schwatzen miteinander nach dem Marsch", alles in allein ein gewaltiges Werk in seiner Gesamtwirkung. — Von den Violinkompositionen dürfte C o r e l l i s Sonate nicht oder wenig bekannt sein. Corelli (1653—1703) galt zu feiner Zeit als der „Fürst aller Tonkünstler" und ist auch in der Tat bahnbrechend auf dem Gebiet der Instrumentalmusik und als Schöpfer der Konzerte groß geworden. Er schrieb vier Bände Violinsonaten, jede zu 12 Sonaten, und Trios und Duos für Violine mit Cello unb Baßbegleitung. Zweifellos haben einige feiner Sonaten, die sich übrigens jetzt noch im Konzertsaale größter Beliebtheit erfreuen, ihren Einfluß sogar auf Seb. Bach ausgeübt. Corelli lebte in Rom unb ist heule noch in der Geigenliteratur hochgeschätzt. — Lalos Violinkonzerte zeichnen sich durch weiche Melodik nud graziöse Art aus, ganz entsprechend dem Naturell des früher in Paris lebenden Komponisten (geb. 1823 in Lille, geft. 1892 in Paris). Lalo schrieb zwei Violinkonzerte, die sich allenthalben im Konzertsaal sehr gut eingeführt haben; das erste ist Pablo Sarasate gewidmet und ist von diesem großen Geiger aespielt worden. Henri Wieniawski (geb. 1835, geft. 1880 in Moskau) ist wohl einer ber fruchtbarsten Violin- komponisten, der auch m seiner Eigenart anerkannt ist. Er war ein vortrefflicher Violinvirtuose, so daß seine Kompositionen auch echt „violinmcißig" geschrieben sind, lieber Pag anini (geb. 1782, geft. 1840), bekanntlich der größte Geiger seiner Zeit, braucht wohl nichts weiter gesagt zu werden; in seinen Kompositionen kommt in der Hauptsache das schwierigste Passagenwerk zu Wort, das nur wenige Auserlesene bewältigen können. So bewegt sich das Programm auf klassischem unb modernem Boden in reichster Mannigfaltigkeit unb wird sicherlich jedem etwas zu Gefallen bringen.
** Eine gefährdete Wohltätigkeitsveranstaltung. Der hiesiae Automobilklub Gießen und Umgebung (A. D. A C.) hat, wie er uns schreibt, am 21. November an ben Aufsichtsrat bes Theaterbauvereins z. H. bes Herrn Oberbürgermeisters Mecum solgenbes Gesuch gerichtet:
„Zur Abhaltung einer Wohltätigkeitsveranstaltung zugunfteiides hiesigenSäuglingsheirns bitten wir verehrl. Aufsichtsrat um Ueberlafsung des Stadttheaters an einem theaterfreien Abend in der ersten Hälfte des Januar. Wenn ber verehrt. Aufsichtsrat im Interesse der Wohltätigkeit für den ausersehenen Zweck bie Uederlassungskosten auf bas Minimum zu reduzieren die Freundlichkeit besäße, wären wir auch hierzu zu grouem Danke verpflichtet.
In der angenehmen Hoffnung, da» Sie unserer ergebenen. Bitte willfahren, zeichnen wir mit vorzüglicher Hochachtung —" Herr Oberbürgermeister zeigte sichtliche Freude über bas Vorhaben bes Automobilklubs und stellte die Genehmigung bes Gesuches von sich aus in sichere Aussicht. Die Sitzung bes Theaterbauvereins genehmigte am 29. Nov. obiges Gesuch mit vier gegen eine Stimme nicht aus „betriebstechnischen Grün de n", stellte bas Theater aber in gleicher Sitzung bem Kronbauerschen Quartettoerein ebenfalls zur Avi,allung eines Wohltällgieitsionzertes zur Verfügung. In der sicheren Annayme^ baß dem. Automobil-
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•• Der Artillerie verein und der Verein ehemaliger 116er veranstalten am nächsten Montag abend int Hotel „Einhorn* gemeinsam eine Monatsoersammlung mit Familien, bei der Lehrer Jakob von Gonterskirchen als Redner deS Haffia-Kriegeroerbandes einen Vortrag mit Lichtbildern über Kamerun, Land und Leute halten wird. Da dem Redner ein guter Ruf vorauSgeht, verspricht der Vortrag recht interessant zu werden.
•* Der Verein für vereinfachte Stenographie (System Stolze-Schrey) veranstaltet am 2. Dezember d. IS. un Restaurant „Schipkapaß" ein größeres PreiS-Wett- schre iben, an dem sich auch Stenographen aus Frankfurt, 'Marburg, Wetzlar, Friedberg ufw. beteiligen werden.
** I m Kinern atograph erfreut stch ber neue Spielplan eines fortgesetzt gutem Besuches. Bor allem ist es ber zweite Teil des großen Films: Die Ballhaus-Anna, ber bas Interesse ber Besucher erregt. In fast einftünbiger Dauer wandelt die reichbewegte Handlung in wechselnden Bckdern vorüber und zeigt uns bas Schicksal eines Mädchens, das, an ber Liebe zur Sünderin geworden, sein Leben von sich wirst, als es ber geliebte Mann von sich weist. Große Heiterkeit erregt wieder Tomolini der sich einen luftigen Streich mit zwei alten Jungfern leistet, und der Rekrut, bem das Pferd durchgeht. Auch die kinemato- graphische Berichterstattung findet naturgemäß großes Jitteresse^
** Schweinezucht und Fleischpreife. Die geringe Kartoffelernte und die äJlaul* und Klauenseuche wirken auf die Schweinezucht und die Schweinepreise in unserer Gegend recht ungünstig ein. Die Preise für Schlachtschweine sind seit einiger Zeit im Sinken begriffen. Es kostet bei Lebendgewicht das Pfund je nach der Gegend und der Nachfrage 45 bis 49 Pfg., bei Schlachtgewicht 59 bis 62 Pfg. Die Jungtierzucht liegt ganz darnieder. Viele Züchter haben die jungen Ferkel als Spanferkel zum Schlachten verkauft. In der Wetterau wurden für die Tierchen von sechs bis zwölf Wochen 4 bis 8 Mk. bezahlt. Es ist vorgekounnen, daß Züchter mit Rücksicht auf die Seuchengefahr und wegen der hohen Futterpreise die kaum zur Welt gekommenen Tiere töteten. Im Frühjahre dürste ein Mangel an Jungtieren und eine Steigerung der Schwemefleischpreise die Folge sein.
'* Gaunertrick. In einer größeren Stadt erließ im verflossenen Monat ein Unbekannter in der TageSpreffe Inserate, nach denen er insolventen Herren gegen Teilzahlung hochelegante Herrengarderobe nach Maß anzufertigen versprach. Er bewohnte zwei möblierte Zimmer, zeigte Stoff» Musterkollektionen vor und hatte guten Zuspruch. Von den Bestellern ließ er sich eine Anzahlung geben und bestellte sie dann zu einem späteren Termin zur Anprobe. Als die Besteller zu dem Termin erschienen, war der Vogel mit den Anzahllingen ausgeflogcn, um in anderen Städten dasselbe 'Manöver aiiSzuführen.
** Warnung. In letzter Zeit ist wiederholt die Wahr- nehniung geuiacht worden, bag A utom ob Ufa hrer bei Eintritt der Dunkelheit daS Hintere Kennzeichen am Automobil gar nicht oder nicht genügend beleuchtet hatten. Die Schutzmannschaft hat Weisung erhalten, auf diese Verfehlungen streng zu achten und gegebenenfalls mit Strafanzeigen oorzugehen.
Landkreis Gießen.
= Reiskirchen, 29. 9lov. Die Abnahme der im Lause des Sommers erbauten neuen Masserlejtnng uni) Sasali*
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Verwandten, Ar Mitteilung, .
Schwiege Kchuw lln 68. Lebensjahr
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llub sein Gesuch g^nes'.nigt würbe, l)'t derselbe für fünert Abend bereits sein Programm festgelegt rmb hat unter bereitwilliger Mitwirkung bes hiesigen Orchestervereins die Herren Kammersänger Weber, Hofcapellmeist^r Kitrcl, Hos- unb Kammermusiker Kümmel <ms Darmstabt, sowie Herrn Max Bayrhammer vom Frankfurter Schauspielhaus für seinen Zweck gewonnen. Obiges Künstlerviergestirn allein, bas ohne Honorar zu verlangen sich in ben Dienst ber guten Sache stellte, hätte bie als bunten Abend gedachte Beranstallung zu einem Gießen selten gebotenen künstlerischen Ereignis gestaltet. Außerdem stellten sich auf verschiedenen Gebieten befähigte, über dem Niveau des Dilettanten stehende hiesige Kräfte ebenfalls zur Versügung. Es wäre bedauerlich, lvenn Gießener Bürgern in unent Haufe, dessen Erstehung boa.) auch zum gröpecn Teile ihrer Opferfreudigkeit zu banken ist, das Gastrecht für einen eminent sozialen Zweck nicht gewährt werben sollte. Es ist eine Tatsache, daß unser Gießener Säuglingsheim, eillstanben als man anderwärts im Großherzog mm noch nicht an Säuglingsfürsorge dachte, einer sinanziellen Beihilfe dringend bedarf. Umsomehr erwarten die Veranstalter jicher noch die Zusage der zuständigen Stellen, will sagen die Ueberiassung unseres „Denkmals bürgerlichen Gernein-
sinns".
^*JubiläumsgauturnfestGießenl912. Der Vorbereitungsausschuß für das im nächsten Jahre hier stattsinbende Gauturniesl bes Turngaues Hessen, mit bem die Jubelfeier bes 50jährigen Bestehens des jetzt weit über 100 Vereine zählenden Gaues verbunden werden wird, hatte für gestern vormittag eine größere Anzahl hiesiger Herren — Vertreter der Behörden und der Bürgerschaft, Förderer der Turnsache ufw. — zu einer Sitzung in den Stadtver- ordneten-SitzungSsaal emgeladen, in der bie Bildung bes Festausschusses vorgenommen würbe. Sowell die eiiigelabcnen Herren nicht erschienen waren, hatten sie zumeist schriftlich ihre Bereitwilligkeit zum Eintritt n den Festausschuß und zur Mitarbeit erkläre. Der Vorsitzende, Gauvertreter und Stabtv. Helm, gab nach Begrüßung ber Erschienenen die nötigen Erläuterungen über den Umfang des Festes unb bie bis jetzt getroffenen Festvorbereitungen. Alle Vorschläge bes Vorbereitungsausschusses fanben bie Zustimmung bes Festausschusses, der sobann Oberbürgermeister Mecum zu seinem Borsitzenben unb Beig. Keller zu bessen Stellvertreter wählte. Das Fest, bas iebelisalls auf dem Trieb stattsinben wird, wirb voraussichtlich aus einer Vorfeier am 30. Juni unb dem eigentlichen Fest am 6., 7. unb 8. Juli bestehen. Bei ber Vorfeier ist ein allgemeines Schulerturnen geplant, während beim 5oauptfeft außer ben üblichen festlichen Veranstaltungen, bie durch ben Festakt ber Gaujubelfeier besonbers glanzvoll gestaltet werben sollen, namentlich umfassende turnerische Darbietungen gezeigt werben sollen. Es sind in bieser Beziehung u. a. vorgesehen: Wetturnen an Geräten unb in volkstümlichen Hebungen (Sechskamps), turnen in volkstümlichen Hebungen (Fünfkampf), fechten, allgemeine Freiübungen, ALusterriegenturnen, Turnen ber geübteren Turner bes Gaues, Turnen ber älteren Turner, ber Frauenturnabteilungen, Welt- unb Muster- fpiele usw. Tie Bilbung ber Arbeitsausfchüffe für bas groß angelegte Fest wirb demnächst erfolgen; bet ihnen soll durch Heranziehung geeigneter Männer aus der gefamten Bürgerschaft bem Feste die erforderliche umsassende Grundlage gegeben werben, um es als ein allgemeines Gießener Volksfest unb würdiges volkstümliches Turnfest feiern zu
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