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1.5.1911 Erstes Blatt
 
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Montag, Mai WU

161. Jahrgang

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Die heutige Nummer umfaßt 10 Seiten.

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Tanger, 29. April. Wie amtlich gemeldet wird, sind die Truppen des Majors Brsmond am 26. April in Fez eingetroffen.

Aus Tanger wird vom 29. April gemeldete die deutsche Gesandtschaft erhielt durch einen Spezial boten, der Fez am 23. April verlassen hat, die Mitteilung, daß die Stadt ruhig sei. Die Sicherheit erscheine nicht bedroht. Eine Hungersnot sei das einzige, was be­fürchtet werde.

Die Besetzung von Larrasch durch Spanien?

Köln, 29. April. DieKöln. Ztg." meldet aus Dan - g er: Die BesetzungvonSarrafchdurchSpanien ist sicher zu erwarten. Es ist nicht anzunehmen, daß es dabei zu Blutvergießen kommen wird, da die Bevölkerung den Eindruck hat, daß Spanien lediglich einschrcrte, |im Frankreich nicht zu mächtig iw Marotko werden zu lassen.

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Nr. 101

Ter Siebener Anzeiger erscheint täglich, außer Sonntage. - Beilagen: r ter mal roöchentln: e-ietzenerZamilienblätter z-veunal roöcf)cntLKtei$: blatt für den Nrnr Sieben iTiensmg unb Freitag); zweimal monatL Land wirtschaftliche Seitfraaer Fernjprech - Anschlüsse fül die Redaktion 112, l<erlaa u. Expedition 51 Adresse für Depeschen:

Anzeiger «icßen.

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Richtung gibt, die reckt dr a u s g ä n g er i s ck veranlagt ist und schon mehr als einmal Proben ihres Einflusses auf, die ösfcntlicke Meinung gegeben hat. lieber die G c fahren für Fez kann man verschiedener Meinung sein; man wird der Regierung das Recht zu Hift'snntcrnchmungcn nicht absprechcn Tonnen. ES bedeutet leine Verlegung übernommener nationaler Verpflichrmigen. Deshalb wird auch weder von deut­scher Seile noch von einer anderen in Marokko interessierten Macht Einspruch gegen den Zug nachFez erhoben werden. Daß dieser aber die Sage kritisch gestaltet und allen möglichen Verwicklungen Tür und Tor öffnet, kann auch von den Franzosen nicht in Abrede gestellt werden. ES wird sesten Willens und großer Sotjalitär der französisck-en Regierung bedürfen, um bei dem marokkanischen Unternehm en nicht auf A b tveg e zu geraten, da sie sich mit der etgnen Erklärung in Widerspruch k^t. So lange dies aber nicht offen- sündig geschieht, wird man int Auslande den Rettungszug nach Fez in dein Sicht betrachten müssen, das die französisd-c Regierung ihm geben will. Stellt fick ein Fehler in^ dieser Bercchnmtg heraus, so wird man zu dreier neuen Sage Stellung zu nehmen haben.

Die Wiener Diplomatie hat gleichfalls ihre Be­denken gegen die französischen Versuche geäußert:

Ofen pest, 29. April. DerPc st er Slotjb" ver­öffentlicht einen aus Wiener diplomatischer Quelle stammenden Artikel über den gegenwärtigen Stand der Marokkofragc, und schreibt:

Die französischen Politiker dürfen es nicht als eine Femd- seligkeit betrachten, wenn ihre steten Berufungen auf force ma-- jeurs nicht allenthalben die erwünschte Ausnahme finden. Tie unzweideutigen Verwahrungen Eruppts gegen jede Eroberungsabficht, verdienen gennß Beachtung, im Augenblick wird aber ihre Wirkung durch verschiedene Ereignisse geschmälert die in einem scheinbaren Zusammenhang stehen. Man unterschätzt in Paris am wenigsten die Schwierigkeiten, die eventuell für Frankreich aus der internationalen Erörterung der langwierigen Okkupation crtvacksen dürften. Man wird deshalb darnach trachten, ihr vorzubcugen. Was speziell die Stellungnahme Qefterrucl)- Ungarns betrifft, jo bedingen unsere Interessen, obwohl zwar beträchtlich, fein Heraustrecen in die erste Sinie. Oesterreich- Ungarn i)t an feine Richtung gebunden und konnte un Vollbesitz der Hanblungssreiheit für seine Interessen und die Wahrung der auch durch ferne Unterschrift besiegelten Rechtsnormen ein- treten.

Der Einspruch Zaurßs.

P a r t s, 29. April. Jaurös schreibt in derHumanits": trift jetzt sut'xjc, daß Frankreich von den Anstiftern der Marolloexpedition in der abscheulich st c n W e i f c m i ß- geführt worden ist, welche crllärten, daß Fez unterliegen müsse, und daß es sich nicht mehr verproviantieren kann. Jetzt erfährt inan, daß die Stadt sich immer noch hält, und das; nicht et n - mal die Lebensmittel im greife gcittcgen fntb, daß der Getreidepreis wie im Vorjahr 3 Francs pro aO StiLo beträgt uird daß das Kilo Fleisch 70 Eentunes tollet, und daß bk Verbindung zwischen Je, unb langer niemals unterbrochen war. Man hatie behauptest, daß 'Jlajor -ö r e - in o n b leine Munnion mehr habe, jetzt gibt man zu, daß er noch suKÜiial 150 000 Patronen und iwch für mehrere Wock^n Proviant besitze. Rian hatte ferner behauptet, -Vculai) vastd habe um eine franzöfische Expeditlon nachgesucht. Man möge doch nur ein einzige-. Schriftstück aunveikn, aus welchem di.s hervorgelst. Alle Anstalten find übertrieben worden, um die öffentliche Meinung einzuichüchtern und ihr einzureden, daß eine große militärische Operation in Marokko unabweisbar fet Eine anbcrc Politik war und iit nod) immer möglich.

Auch dasJournal des Tsbats" erhebt lebhaften Ein- fpruch gegen die von Kolanialpol'.tilern bchufs ^timmungs-- macherci aufgestellten Behauptungen, daß in Marokko die Ehre der französischen Fahne engagiert sei.

Tjic französische Fahne, schreibt das Blatt, let weder in Marokko noch sonstwo mit den französischen Instrukteuren enga­giert welche einem fremden Staate zur Verfügung gestellt worden seien' Wie könne man behaupten, daß die französische Ehre

Die internationale InSuftrie Ausftellung in Surin wurde am Samstag, vormitragG 10 Uhr, in Anwesenheit des Königs und der Königin, sowie einer glänzenden Versammlung, in der insbesondere auch die auswärtigen Nationen vertreten waren, feierlich eröffnet. Sobald das Königspaar im Festsaal der Llusstellung Platz genommen hatte, begannen di: Ansprachen. Die erste Ansprache hielt der Präsident des Hauptausschusses der Ausstellung, Senator F r o l a, Johann sprachen Senator V i l l a, ber Bürgermeister von Turin, Senator Rossi, Ackerbauininister Nitti und der Bürgermeister von Rom, Nathan. Der

Bürgermeister von Turm, Rossi, gedachte in seiner Rede des bedeutsamen Anlasses der Ausstellungen, die in dem Jubeljahre Italiens in den drei geschichtlichen Hauptstädten Rom, Florenz Turin veranstaltet werden.

Nach dem Schluß der Ansprachen, die mit lebhaftem Beifall ausgenommen wurden, verließ das Königspaar mit den übrigen Fürstlichkeiten, Ministern, dein divlomatifchen Korps und hervor­ragenden Persönlichkeiten den Festsaal und begab sich nach dem Wasserschloß, wo die Kommissare der einzelnen Länder dem Köings- paar vorgestellt wurden. Um 11 Uhr 30 Minuten fuhren die Majestäten zum königlichen Palast.

Am Sonntag nachmittag wurden die Vorstandsmitglieder des ständigen Ausstellungsrates, Geheimrat Busley, General- kommissar der deutschen Abteilung, sowie Geheimrat Ravcne und Konsul v Külmer vom König empfangen, der beit Bericht über die Abteilung mit großem Interesse entgegennahm Der Vorsitzende des ständigen Ausstellungsrates für die d.utfche In­dustrie, Geh. Kommerzieitrat Goldberger, war aus Gesund- heitsrü'cksichtcn von der Eröffnung der Ausstellung lern gehalten.

Die Munizipalität von Turin gab zu Ehren der zur Eröffnung der Ausstellung eingetroffenen Würdenträger, des diplo­matischen Korf>'' und den ausländischen Kommissaren am Sonntag ein F r ü h st ü ck. Der Bürgermeister von Turm brachte einen -trink spruch aus die sremden Vertreter aus, worauf der französnche Botschafter B a r r e r e als Doyen des diplomatifchen! Korps dankend erwiderte. , ...

Der deutsche Botschafter v. ^agoto und her bayeruche Ge­sandte Frhr. von der Tann be|id)tigtcn die von der nändigen Aussteb.ungskommifsion sür deutsche Industrie orgaiu,terte dcutichc Abteilung unter Führung der Geheimräte Busley und Ravens unb sprachen ihre große Befriedigung über den architektoniichen Ausbau und die Qualität der Ausftellung aus. (wir haben

in Nr. 64 der Gieß. Familienblätter schon über die Ausstellung berichtet. Die Red.) *

Münchener Gemälde - Ausstellung in Main ; Ein neuartiges und im großen Stil geplantes Ausftellungsunter- nehmen wird im Einvernehmen mit der Surgermeutcm vom 12 bis 26 Mai d. I. derR i n g M ü n ch e n e r Kunst! c r in Mainz vorführen. Vertreten werden hervorragende Maler fein, meistens durch ganze Sanmilungen von Bildern hauvti.ichna) Inhaber von goldenen Medaillen internationaler Ausitellungeu, bie in Staatsgalerien, städtifchen und privaten Mufeen vertreten find. Die Ausstellungsräume werden im alten Iustizgebaude sein , .

TieCrcftie" im Zirkus ©arraiani. xircttor Sarrafani"wird im nächsten Jahre wieder in Berlin Vor­stellungen geben und zu diesem Zwecke im Weiten Berlins einen stabilen Zirkus errichten, bet sechstausend Perwnen lauen {oii Er verhandelt, wie wir hören, gegenwärtig mit der Tire tion des' Deutschen Theaters darüber, bau sie in der kom­menden Saison in diesem Hause Aufsührungen Deranitalte. Öerr Direktor Sarrasani hat sich verpflichte^ falls em derartiges Ab- tommtn mit M°k R°,nh°rdl sultanhc kommt b« BM- mit allen Einrichtungen moderner -techmt aus zu statten Eine Einiaung vorausgesetzt, wird bie Direktion des ^cutichen-tHeaters dem Berl T " zufolge, im L k t o b e r A e s ch y l o sL- r e it i e sur Ausführung bringen. Die szeni sche Aussta11u ng der OrtfHe" ilt bemti $TOiciiot 'Sollet in Wien, der mich die s'^nischen Bilder für den zweiten Teil destyault' entworfen hat, übertragen worden.

Die Antipeftkonferen; in China. Aus Mul­den wird gemeldet: Auf der Antipestkonferenz, deren letzte Sitzun­gen auf Antrag des ckinefuchen Kommiffars -ckr unter Aus- ickluß der Leffemlichkeu staUfanden, fanden die relegierten den Widerstand der chinesisch en Aerzte, fobald sie eine ernite Fragestellung versuchten. Die Delegierten waren m drei « ' gespalten. Zu dem ersten geporten Rutzland, ^apan, Hol­land Frankreich, Italien und Mexiko; zu dem anderen irng- a£h' Amerika und China: in der Mitte standen Deut'ch- lan'd unb Ceiterreid). China erklärte, nur Praktyche ILn» träge bezüglich der Bekämpfung der Sungenpest annehmen zu können Hierin wurde es von England und Amerila unter­stützt ^ie anderen Vertreter waren bemüht, das ^Programm zu erweitern. Tie Vertteter der meist interqiicrten Staaten ^apan

GiehenerAnzeiger

General-Anzeiger sür Oberhessen

Fürst Georg zu Schaumburg-Lippe f

Bückeburg, 30. April. Ter Fürst zu Sdurumburg Lippe ist gestern abend an Herzschwäche gestorben. Er wurde gestern mittag non einer plötzlichen Herzschwäche be­fallen. Tie Unfälle wiederholten sich trotz der angewen- detcn Gegenmittel. Gegen abend trat Bewußtlosigkeit ein;, ohne schweren Todcskampf starb der Fürst um 9y2 Uhr abends.

Ter Tod erfolgte in Anwesenheit der Fürstin, des Staatsministers Freiherrn von Feilitzsch, und des Hof­staates, mährend die Prinzen erst nach dem Mleben de:- Fürsten eintreqen. Kurz vor dem Tode sprach der Hof- vrediger ein Gebet. Tic Beisetzung findet wal)rscheinliw am Samstag statt, vorläufig in der lutherischen Mtrdic zu Bückeburg, später in dem neu zu erbauenden Mausoleum.

Fürst Georg zu Scnaumburg-Sippe stand im 2lltcr von 65 Jahren; er starb nach einer 18jahrigen Regierung.

unb Rußland vertraten ihre Anträge mit besonderer Energie., Dw Konferenz lehnte jedod, ihre kategorischen Forderungen ab., Die ausländischen Delegierten stimmten darin überein, daß bi? Konferenz ohne praktische Bedeutung sei und reiseti nach Peking zur Audienz bei dem Regenten ab.

Neuentdeckte Briefe Voltaires. Aus S o n b o ?. wird uns geschrieben: Professor Stevenson in Glasgow vt in den Besitz verschiedener interessanter Briefe Voltair:., bie bisher noch nicht verösfentlidt waren, gelangt. Vor ungefähr achtze^-. Monaten starb ein Verwandter des Professors, Der Rever: nd Stevenson von Ruthcrglen, und unter seinen Papieren sand mau ein Palet, das dem Profesior Stevenson zur Tiirchsicht tibergibui wurde. Es stellte sich heraus, daß dieses tm Jahre 185.S im Bis in von G. F. von Tempskv, der in Glasgow wohnte, war. Wi diese Paptere nun in den Besitz des Verstorbenen kamen, ,st nicht zu ermitteln. Aus der Außenseite des Valets stand von Tempsuis yanb dec Vermerk, oaß ferne Großmutter eine Tochter b?s 1 - rühmten deutschen Juristen Eocceji war unb bau t-.e Papiere in der Coccejischcn Fmuniie aufbewahn wurdni, da i auf deren Verbürdung mit Vol aire Bezug nahmen, ^un J 1751 war Voltaire in Berlin und hatte zu der Zen einen Rechtsstreit mit einem Iuoen namens 5?ir'u?ll. Eocc.ii war cvur bet Richter bei diesen Verhandlungen uno verwahrte bie br bezüglid)en Papiere, die eigenhändig. Briefe VoN.nres c^nhi.: .?. Der Prozeß zwischen Voltaire und fciriaicil erregt ;u feiner großes Aufsehen, das auch ausführlich in Earlples BuchFricornu der Große" erwähnt wird, obgleich erst nad) Carlyles Zeü er­gänzendes Material zu diesem Prozep frei wurde, -eie u mente über den Prozeß befinden fich im Archiv z u E h a r l o 11 e n b u r g und sind hu ad) Deu icm ;d)tjvor .

von Professor Stevenson branden sich neun ^diri atüde von b.r löanb Voltaires, von denen acht unmittelbar am bin Iro.c ? ag haben. Zwei von den Briefen waren an Eocceji im Saus d . Verhandlimgen geschrieben unb zwei andere sind Memo rcn über diesen Fall.

Kurze Nachrichten aus K u n st uno W i f sc n - schäft. Von Hermann Sudermann erscheint demnächst im Verlage der I. G. Gottaichcn Buckhandluna Rochf. ein n c r Novellen band unter dem Tst : -T i c indische H i c" Tie Große Berliner .... tausstelluug wurde im Landes-Ausstellungsgebände in Gegenwart des Kultiisninnsiers von Trott zu Solz eröffnet.

mit ber des Macksen iolibariid) sei Soll vielleicht die sran zösische Falme bie Raubgier der' Kaids decken, nnldK überliefe rungsgemäß die marokkanischen Stämme aussaugten? Mann die Tatsacke, daß fraitzösiscke Ossiziere damit betraut sind, musel manische Banden zu triUcn, ihrem Unternehmen ein französisck' nationales Gepräge verleihen, wenn eine Schlappe dieser Truppen als eine französische Schlappe angesehen loerbc ? Diese Frage verlangt eine Antwort und die französische Regierung muß bie erste beste Gelegenheit benutzen, um zu erklären, daß die fran zösisckic Fahne weder jetzt noch in Zukunft mit den französischen Instrukteuren engagiert ist, gleichviel welcher Armee diese and) zugeteilt sein mögen.

Die französischen Truppenbewegungen.

Paris, 29. April. Wie aus Alhucemas vom 26. April aemcldct wird, wurde die Ankunft der für die Garnison bestimmten Rckrutcn von den Gebirgsstämmcn als die Ankündigung einer weiteren dcmnädlstigen Trup penlandung aujgcfaßt. Die E i n gc b o r c n c n hielten' an den Marktplätzen Beratungen ab, in welchen die jenigen, die keine Waffen und Munition haben, aus gefordert wurden, sich solche trotz der scharfen Ucbcrwachung zu verschaffen. Es wird versichert, daß an einigen Punkten der Küste Waffen und M u n i t i o n an Sand geschmug gelt wurden.

Ra bat, 30. April. Tic Staffeln der K o l o nn e B r u- lard vereinigten sich mit der Spitze der bei Et Kuistra stehenden Kolonne uno werden hier die Konzentration unb Verproviantierung abwarten, während die Oftims bei Sal laits vorrücken. Tie Beni Hassen verhalten sich ruhig, da sie fürchten, zwischen die Gums und die bei El Tisae lagern

IHorotto und die deutsche Regierung.

Die bisherige Zurückhaltung des deutschen auswärtigen Amtes bet der Marokkofrage ist durchaus zu billigen. Die Franzosett hätten es vielleitht garnicht so ungern gesehen, wenn Berlin schon jetzt, bei der unklaren Sage, sich mit einem Einspruch gemeldet hätte, denn dann hätte man die Stimmung des übrigen Auslandes gegen uns aufwiegcln lönncn So ?ber müssen die vielen Sügenmeldungen aus Marokko doch einmal aufhören, und dann wird sichs zeigen, waS Frankreichs wahre Absichten sind. Schon weist man ui amtlick>en deutschen Veröffentlichungen darauf hin, daß für die deutsche Kolonie in Fez keine Gefahr sei, und damit wird deutlich gesagt, daß man des französischen Schutzes vorläufig niajt bedürfe. Von großer Bedeutung ist, daß dieNorddeutsche Allg. Ztg." verkündet, bei einer vcsctzung von Fez durch die Franzosen und Uebcrschreiten der Algecirasbcichlüssc hätten die anderen Regierungen wie­der die Hände frei. £b bann die Fehler des früheren deutschen Kurses wieder gut gemacht werden sollen? Jeden­falls find die Franzosen gewarnt Auch dieKöln. Ztg." bringt ähnliche Ausführungen wie das amtlidjc Blatt, und sie dürften gleichfalls auf Herrn v. Kiderlen-Wüchter zu­rückzuführen sein.

TieNordd. Allgem. Ztg." schreibt in ihrer Wochen­rund schau :

In ber vergangenen Woche stellte fick) mehr unb mehr heraus, rote sehr die französische Regierung sick) besorgt zeigt, für die als Instrukteure in und bei Fez weilenden französischen Lsfizicre Schutzmaßnahmen zu ergreifen. Eine Gefährdung bei europäischen Kolonien ist nad) ben in Berlin einge­laufenen Nachrichten glücklicherweise vorläufig nicht zu be­fürchten. Frankreick) ist es nicht zu verdenken, daß es auf alle Mittel sinnt, die geeignet erscheinen, das Sehen seiner Offi ziere zu sichern. Es bleibt natürlich dem Ermessen Frankreichs uberlassen, meldje Mittel ihm geeignet erscheinen, da cs auch die Verantwortung für die Folgen der angewandten Mittel trägt. Nad) den bündigen Versicherungen der französischen Regierung hat lie lediglich bie Msicht, bie zur Sicherung ihrer Staatsangehörigen , nötigen Maßregeln zu ergreifen; insbesondere beabsichtigt sic uid)t, .die Integrität Marokkos und die Souveränität des Sultans am zutastcn, auch liegt eine Besetzung von Fez nicht in ihren Absichten. Es ist zu hoffen, bas, bie Ereignisse "ber iranzösischen Regierung bie Innehaltung ihres Programms ge­statten werben. Ein Siinausgcben über dasselbe würde deshalb mit der Algeciras-Alte nickt im Einklang stehen, weil rin wesentlicher Bestandteil der Akte ein unabhängiger marolkanischer vcrrscher ist. Ein Durchbrechen wesentlicher Bestimmungen der Algcciras-Akte, selbst wenn cs durchzwingende äußere Umstände unb gegen den Willen ber handeln den Macht herbeigeführt würbe, würbe sämtlichen Mächten die volle Aktionsfreiheit roiebergcbcn und es könnte damit zu Konscguenzen führen, die fick) zurzeit nicht übersehen lassen. Wir können aber nur wiederholen, daß vorläufig kein Anlaß vorliegt, bei ber bisherigen vorsichtigen Ballung der französischen Rcolicrung eine so weitgehende Entwicklung ber derzeitigen Verhältiiijsc vor- auszusehen. Im allgemeinen bewegt sich bie Auffassung auch führender Organe der nicktdentscheii Presse in ähnlichen Gedanken gangen. Als Beispiel führen wir dieWestininfter Gazette" und denPcjjer Slohd" an. Befremdlich crfd)eint dagegen, daß in der französischen Schweiz einige Zeitungen einen Ton anid)Iagcn, der mit der Haltung aufgeregter Pariser Boulevardblätter wett­eifert unb schwer mit der Neutralität der Schweiz vereinbar ist.

DieWin. Ztg." schreibt weiter zur Marotkofrage: Man wirb die loyale Erklärung unb die Versicherung der französischen Regierung bezüglich Marokkos glauben müssen, aber nicht übersehen dürfen, baß bie Regierung nicht alle Strömungen Frankreichs in ber Hanb hat unb daß es dort eine kolonial?

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^Dr.L°W 9(tt: Gewe hiifte.

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