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1.4.1911 Erstes Blatt
 
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Erstes Blatt

Ar. 78

Samstag, i. Apni ton

161. Jahrgang

General-Anzeiger für Oberyeffen

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^rn<t?ct^ge5nmn!S! 8otafl0ttsbnitf Mtd Verlag der vrühl'fchen Univ.'Vuch- und Sfctnörutferei R. Lange. Redaltion, Expedition und Druckerei: Schulstratze 7. ^th: ,sür .Stadt und

3is normüiag» s Uhr. Büdingen: Fernsprecher Nr. 50 Seschäftsstelle Bahnhosstrahe J6a. A°z-!g'-nieU:

Die heutige Nummer umfaßt 24 Seiten.

Der Reichrkanzler und die Abrüstungssrage.

Gietzen, 1. April.

Der deutsche Reichstag bietet ein merkwürdiges Bild. Der Reichskanzler hält eine höchst bedeutsame Rede über die internationale Abrusttmgs- und Schiedsgerichtsfrage, und unsere Parteigrößen, statt ihre Ansichten und Eindrücke darüber mitzuteilen, rühren die alten Streitigkeiten wieder­an. Den Eindruck hat in der gestrigen Sitzung auch Herr Haußmann von der Fortschrittspartei gehabt, aber auch ex verfiel schließlich wieder in innerpolitische Reibereien. Der Kanzler, der vorgestern bei dem Hinweis des Abg. Wremer auf dieungünstigen Januarwahlen" gelächelt haben soll und selbst kurz urteilte,der eigentliche Kampf sei längst aus gefochten", hat vielleicht ein anderes Ver­halten oes Reichstags erloartet. So richtig, einleuchtend und kernhast seine Rede über die internationale Friedens­phantasie war, so überraschend und auffällig war doch der entschiedene Ton, der zeitweise sogar unverhüllte Spott, mit dem die amtliche deutsche Abneigung gegen Friedens- vereiirbarungen bekundet wurde. Wohl wäre es diplo­matisch klüger gewesen, nicht alle harten Worte in die Welt schallen zu lassen, die einer geraden, offenen und männlichen Natur ob des englischen Versteckspiels auf der Zunge schweben mochten, aber nur Deutsche haben uns vor allem an die un­verhüllte Auffassung unseres leitenden Staatsmannes zu halten^-und die müssen wir anerkennen und loben. Herr v. Bethmann-Hollweg hat inhaltlich nicht viel mehr gejagt, als sein Vorgänger, Fürst Bülow, bei. ähnlichen Gelegen­heiten. Aber er hat den deutschen Standpunkt schärfer, unumwundener ausgesprvchen, jo daß das Vergleichsbild des Abg. Haußmann vomkalten Wintersturm" der Rede nicht eben als unpassend bezeichnet werden darf. Die Rcumme- rierung der Völker in der Rangordnung, die allein eine Eini­gung über Rüstungsfragen ermöglichen könnte, ist aber auch jo unfaßbar und phantastisch, daß ein wenig Latyre wohl weniger erkältend als erfrischend wirkte. Sachliche Wider­legungen des Herrn v. Betymann-Hollweg sind denn auch bet der Erledigung des Voranschlags für das Auswärtige Amt völlig ausgeblieben. Höchst abstoßend wirkte wieder einmal Herr Ledebour, der seiner Partei wirklich nicht zum Ruhme gereicht.Der gegenwärtige Reichskanzler sei ab­solut unfähig, fein Amt zu führen", meinte er so nebenhin, lins dünkt, wenn derartige scharfe. Ausfälle gemacht wer­den, können sie allenfalls entschuldigt werden, wenn sie in einer großzügigen Rede sachlichen und kritischen Inhalts stehen, aber wie Herr Ledebour dieses Wort gelassen aus­sprach, war es nur eine Beschimpfung. Vom Auslande, und namentlich von Frankreich her, das ja aber, wie der Reichs­kanzler ganz richtig hervorhob, prartisch mit großem Eifer an der Ausgestaltung seiner Wehrkraft arbeitet, werden ja manche Verdrehungen und Verdächtigungen gegen die deutsche auswärtige Politik ins Werk gesetzt werden, aber bei allen offenen und nüchtern denkenden Menschen wird unser Reichskanzler recht behalten. Wenn mau auch in ! Deutschland wohi vielfach gern gesehen hätte, daß auch der Führer der Deutschen Politik an den Gefühlen und Bestre­bungen der Friedensfreunde mit dem Herzen gern teil­nimmt.

London, 31. März. Tie konservativeM o r n i n g p o ft" schreibt: Die Reichstagsdebatte verdient eine sorgfältige Be­trachtung seitens der Optimisten, die sich einbilden, daß eine allgemeine Friedens-Acra nahe bevorstehe. Bethmann-Holl- weg ist mit seiner männlichen Klarheit durch die un­bestimmten Phrasen, die man gebraucht hat, um den Mangel klaren Denkens zu verhüllen, auf den Kern des Problems durchgedrungen. Er wies vollkommen berechtigt im Reichstag darauf hin, daß England in einer Konferenz für die Beschrän­kung der Rüstungen von vornherein die Bedingung aufstellen würde, daß es in jeder möglichen Kombination von den Mächten [eine überlegene Flotte erhalten müsse. Es ist fdjtüierig, sich - vorzustellen, daß irgend eine Weltkonferenz dieser Forderung zu­stimmen sollte. Wenn nickst, und so lange nicht die Staaten bereit sind, ihre Souveränität aufzugeben und die Kontrolle einer stärkeren Macht zuzulassen, sind alle allgemeinen Abrüstungs- Verträge unmöglich. Tiefe Wahrheit wurde auch vom Präsidenten ,Taft anerkannt, der seine Absicht kundgab, von jedem allgemeinen 'Schiedsgerichtsvertrag gewisse Fragen, wie die die Monroe-Doktrin berührenden, auszuschließen.

TieWestminster Gazette" schreibt ähnlich: Der Reichskanzler hofft, daß durch den Austausch von Mitteilungen über die Flottenbauten die erwartete Beruhigung der öffentlichen Meinung in England eintrete. Ebenso mögen auch wir uns der Hoffnung hingeben, daß das deutsche Volk dahin gelangen wird, die Berechtigung der britischen Auffassung zu erkennen.

Wien, 31. März. Mehrere Blätter besprechen die Rede des Reichskanzlers. DasFremdenblatt" meint: Tie Rede war klar, fachlich und ohne Verbrämungen, der Reichskanzler bekannte sich dabei als Realpolitiker. DieNeue Freie Presse" schreibt: Tas also ist das Glaubensbekenntnis des deutschen Reichskanzlers, keine internationalen schiedsgerichtsver- träge, auch, keine unbeschränkten Schiedsverträge zwischen den ! einzelnen Staaten, aber Tetailverträge mit klaren, scharf abge­grenzten Bedingungen. Das Blatt hebt die Bereitwilligkeit Den tschlcmiDs hervor, sich mit England über die gegen- seitigen Schiffsbauten zu verftändigen und erklärt, es ist zweifellos, daß durch eine derartige Verständigung jenes Mißtrauen beseitigt werden^rnuß, das bisher so viel Anlaß zu . Reibungen gegeben hat. In dieser Verständigung liegt aber «mehr als die Beruhigung der öffentlichen Meinung; das ist cm Punkt, der nicht über'ehen werden darf, wenn man die Worte des deutschen Reichskanzlers bewertet.

i Paris, 31. März. DerGaulois" schreibt: Wir müssen der bedeutsamen Rede, die der Reichskanzler gestern über die Abruf!ung hielt, unsere vollste Aufmerlsamkeit zürnenden. Ter Reickzskanzler erklärte, daß die Verwirklichung der Abrüstung jeßt weniger den je möglich gewesen sei. Kraft sei die Bürgschaft des Friedens. Aus dieser Formel tönt das Echo jenes inrilel- !alterlichen Wortes Bismarcks: Kraft geht vor Recht. Es

ist feine Selbsttäuschung mehr möglich. Wir sind dem Reichs­kanzler für seine Erklärung sehr dankbar, denn unsere Pazifisten können es wäre denn, daß sie zu Verrätern würden, die Frankreich an Deutschland ausliefern wollten Nicht mehr Pazi­fisten sein. Sie können uns nicht mehr mit dem Haager Tribunal foppen; unser Tribunal, unser Bollwerk, unsere Sicherheit und unsere Existenz ist unsere Armee und Flotte.

DerTemps" schreibt: Tie. Rede ist die eines weisen, aufrichtigen und praktischen Staats- mannes. Sie drückt in der glücklichen Form un­bedingte Wahrheit aus. Ter Reichskanzler svrach als Teutscher und zu Deutschen. In Teickschland glaubt niemand an die Ab­rüstung, und im Grunde genommen verlangt sie auch niemand.

TasJournal des Töbats" sagt: Alle diejenigen, welche von Hirngespinsten frei sind, müssen die am Schlußsätze der Rede des Reichskanzlers ausgedrückte Wahrheit anerfinnen. Gegen diese dauernde Wahrheit tonime keine Sentimalikät und leine Träumerei auf.

Zn einer Sitzung des französischen Senats hat Del- cafie die Rede des Reichskanzlers schon wacker ausgenu^i:

Paris, 31. März. Der Senat beriet nach der Erklärung der Tringlichteit den Gesetzentwurf betreffend die Stapellegung zweier Panzer für 1911. Deleassö erwiderte einem Abrüstungs­freund, bis man die Morgenröte der allgemeinen Abrüstung anbrechen sehe, die die Rede des deutschen Reichskanz­lers nick'i von lenke auf morgen zu erwarten gestatte, sei cs die Pfiieyt Frankreichs an die dringende Notwendigkeit der nationalen Verteidigung zu denken. -Vielseitige Zustimmung.) Die beiden Panzer, um deren Bewilligung er bitte, würden in drei Jahren erbaut sein. Frankreich müsse vermeiden, sich von an­deren Nationen überflügeln zu lassen, die den Schisssbau mit be­wunderungswürdiger Zähigkeit und Energie verfolgten. Der So nat nahm das Gesetz an.

Begebungen zur Erschwerung der Linsuhr nach England.

Tie in ganz England bemerkbare Bewegung zur Ein­führung einer all-britischen Handelsmarke für die int britischen Weltreich hergestellten Waren, um die Ein­fuhr fremder Länder zu verdrängen, kam vor einigen Tagen in einer Versammlung der Fabrikanten und Kckufleute in der LonodnerGuildhall" zum Ausdruck. Sämtliche in England erzeugten Waren der angeschlossenen Kreise sollen fortan eine besondere Schutzmarke und die WorteBritish Made" oderBritish Grown" tragen. Zur Kontrolle ist ein Ausschuß ernannt tporben, der den Namen British Empire Trade Mark Association führt.

Diese Bestrebungen, für die unter den führenden eng­lischen Blättern vor allem der ,^Tailh Telegraph" eintritt, bedeuten nichts anderes als einen weiteren Schritt auf dem bereits in den achtziger Zähren cingeschlagcneu Weg, der Konkurrenz der fremden Staaten mit den verschiedensten Mitteln der staats- und Selbsthilfe zu begegnen, deren Notwendigkeit umsomehr erkannt wurde, als sich die eng­lische Handelspolitik dem kontinentalen Schutzzollsystem gegenüber in voller Hilflosigkeit befindet. Allerlei' Palllativ- maßnahmen mußten deshalb aushelfen. Man versuchte, fremdes Vieh durch die Veterinärsperre abzuhalten, die Ticrschutzgesetze 1878, 1884 und 1892 zu verbessern und die unbequeme deutsche Jndustriekoniurrenz durch das Handelsmartengesetz von 1887 zurüüzudrängen, das jede deutsche Ware zu dem StempelMade m Germany" nötigte. Tie verwegensten Agitatoren griffen sogar zu Alarm- büchern, um ihren Landsleuten klar zu mgdjen, daß die deutsche Konkurrenz der einheimischen Industrie weit über­legen sei.

Doch alle diese Versuche sind vergeblich gewesen. Denn sie hoben weder den fremdländischen Wettbewerb zurück- drängen, noch die eigene Aussu.hr nennenswert steigern rönnen. Deshalb wollen wir hoffen, daß auch die ietzt ins Werk gesetzten Bestrebungen feinen Durchschlagenoen Er­folg für die britische Handelsbilanz haben. Das bemerkens­werteste an der ganzen Aktion ist wohl sür uns, daß Eng­lands Handelskreise aus den Mißerfolgen der oben mit­geteilten Bestrebungen nicht die einzig notwendige Lehre gezogen haben, nämlich die, endlich einmal mit derartigen Mirtelchen auszuhören.

Die Reform der hessischen verwaltungzgesetze.

R.B. Darmstadt, 31. März. Ter Sonderaus­schuß für die Revision der V er w al r u n gS g e s e tz e trat heute unter Vorsitz des Herrn Oberbürgermeisters Dr. Gl äs sing zur Beratung der von der Ersten Kammer gc- trofsenen Abänderungen an den Gesetzentwürfen über die Städteordnnng, die Landgemeindeordnung und die B e r w a l I u n g s r e ch t s p f l e g c zusammen unö erledigte sämtliche Dissense. Bei der Städleordnung sind dieselben meist nur redaktioneller Natur. Bei der Lcuid- gemeindeorduung hatte die Erste Kämmer an dem Recht des höchstbesteuerten Grundbesitzes auf Sitz und Stimme im Gemeulderat festgehalten. Ter Ausschuß hat beschlossen, hier die Wiederhersiellung des Beschlusses auf Streichung dieser Bestimmung zu beantragen. Bezüglich des weiteren Beschlusses der Ersten Kammer auf Streichung des passiven Wahlreo)ts der Volksschullehrer usm. (Art. 47) beantragt die Meyrheic des Ausschusses, diesem Beschluse beizutreten.

Da; Kaiseipaar m liorfu."

Korfu, 31. März. Ter Kaiser, die-Kaiserin und die Prinzessin Viktoria 'Luise begaben sich heute nachmittag vom Achilleion in uen Hafen an Bord derHohenzollern". Ter DampferPrinzregent Luitpold" lief um 3.15 Uhr- Lin. Ter Kr o n p r i nz und die Kronprinzessin standen auf der Brücke des Dampfers, Der Kaiser auf der Kommandobrücke, die Kaiserin und die Prinzessin auf dem Promenadendeck derHohenzollern". Während der Tampfer an der Käiserjacht vorbeifuyr, waren Die Mannschaften Der Hohenzollern" aus Teck angetreten unD brachten ein Drei» faches x'umi für Den Kronprinzen und Die Kronprinzessin ans. Tie Majestäten empfingen Dann mit Der Prinzessin

Das fronprinznche Paar am Fallreep mit Auf; und Um­armung. Ter Kronprinz int Bordjakett und weißer.ze, die Kronprinzessin ganz in Weiß, sahen vorzüglich aus Bald nach 4 Uhr begab sich die kaiserliche Familie an SaitD, wo sie vom Publikum überaus herzlich begrüßt wurde. Sie fuhr dann im Automobil zum Achilleion, wo der Tee ci'i genommen wurde und Abendtasel stattsand.

Lin Begnadigungsgesuch der Witwe der Oberst leutnauts von Zchlichting.

Berlin, 1. April. Tie W i t w e des in Konstantinopel ermordeten Oberstleutnants von 2 ch l i ch t i n g wandte sich an den türkischen Bolschaster mit der Bitte, den Sultan zu ersuchen, daß er den Mörder ihren Gatten begnadigen möge. Tie heutige vorläufige Beisc nna von Schlichllugs am dem Friedhof in Konstantinopel luirD zu einer großen AunDgcbung der türkischen Armee werd.'n, deren Führer derVoss. Ztg." zufolge es nicht unterlassen wollen, Dem Verstorbenen Die höchsten militärischen Ehren zu erweisen.

Neue Kämpfe an der tiirkisch-inontenegrinischen Grenze.

CetLinie, 31. März. Gestern um 7 Uhr früh ent­spann sich ein Kampf zwischen Den Truppen, die von d r inoslemitischen Bevölkerung und den Malkssoren unterstütz wurde. Die Garnison von Tuzi konnte das Blockhaus Schizeenik, in welchem sie wahrend der letzten Tage ein» geschlossen waren, verlassen. Gegen 12*/, Uhr mittags sahen sie sich jedoch genötigt, sich wieder in das Blockhaus zurück' zuziehen, nachdem etwa 20 Soldaten gefallen waren. Ter Kaimakam von Tuzi gestattete den Einwohnern nicht, in dein Blockhaus Zufliicht zu suchen, weshalb 30 von ihnen be­waffnet über die Grenze gingen.

Kus dem zmanzausschuh der hessischen Zweiten Kammer.

R. B. ,D a r m st a d t, 31. März. Der Finanzausschuß der 2. Kam mer hielt heute nachmittag unter Vorsitz des Abg. Dr. Osann eine gemeinsame Beratung mit Der Regierung ab, die durch die Geheimräte Best und Milbrand, Ober finanzrat Balser und Baurat Schöbert vertreten war. Ter einzige Gegenstand der Beratung war die Regierungsvorlage, betr. die Errichtung einer Brikettfabrik mit clefti' scher Zentrale zur Abgabe elektrischer Energie an die Pro­vinz Oberhessen auf dem staatlichen BraunkohlenbergwerkLua- wigshosfnung" in Wölfersheim. Die Regierung beantragt beionm- lich, in Wölfersheim eine Brikettfabrik mit zunächst vier Preisen zu erbauen, Damit eine elektrische Zentrale zu verbinden van i)cr Größe, wie sie der Strombedarf Der Provinz erfordert und die vorhandene Naßpreßsteinsabrik vorerst noch nebenher in dem 11 fang weiter zu betreiben, wie es durch die Nachfrage veranlaßt erscheint. Die elektrische Zentrale soll in Verbindung mit der neuen Britettsabrik im Anschluß an Die bestehende Seilbahnanlage am Bahnhof Wölfersheim erbaut werden. Für die gesamten An lagen werden 1905 000 Mark angefordert, wozu noch 200 000 Mark aus Dem Bestand des Erneuerungsfonds tommen sollen. Zn der 9lusschußsitzung berichtete zuerst Oberfinanzrat Balser eingehend über die finanzielle Seite des ganzen Pro; jektes an der Hand einer vertraulichen Tenkschrift, in der eine genaue Rentabilitätsberechnung aufgestellt wird. Tie Errichtung einer Brikettfabrik in Verbindung mit Der vorgeschlagenen elektrischen Zentrale sei das einzige Mittel, die ganze staatliche Anlage rentabel zn gestalten. Schon die An läge einer Brikettfabrik allein würde eine gute Ver­zinsung nicht nur des jetzt investierten Kapitals sichern. Die Sicherhett und Rentabilität nriiroe aber auch die Verbindung mit der elektrischen Zentrale noch erhöht werden und die Ver­einigung des ganzen Unternehmens in der Hand des Qhrubencigem tümers den größten wirtschaftlichen Vorteil gewähren. Tie von mancher Seite geltend gemachten Bedenken, daß ein Staats­betrieb nicht so billig arbeite, wie ein Privatbetrieb, tonne hier nicht zutreffen, iebenfalls nicht ausschlaggebend sein. Tie Berg Werksdirektion könne ebenfalls eine geschästtiche Rührigkeit und Umsicht entfalten und besonders durch den einheitlichen üohlen- bezug für die staatlichen Behörden enge Beziehungen mit dem Kohlenhandel sichern. Tie Ausführung Der ganzen Anlage durch deir Staat müsse, abgesehen von Den wirtschaftlichen Vorteilen, auch schon deshalb molgcn, weil Die elektrische Zentrale von der Provinz nur in Verbindung mit dem Staat vereinbart werden würde, lieber die Anlage Der Brikettfabrik, das elektrische Wert und Die Ueberlandzentraie erstattete Baurat Sch-ö b er l ein sehr eingehendes Referat, worin er betonte, Daß eine so günstige Ge­legenheit, wie sie sick jetzt Darbietet, nie wiederkehren dürste. Eine Ablehnung des darüber mit der Provinz vorbehaltlich bei Genehmigung durch die Landstände abgeschlossenen Vertrages würde eilten endgültigen Verzicht ans die ganze Weitersührnng des Grubenunternehmens im Staatsbetriebe bedeuten. Räch' dem all gemeinen Urteil Der Sachverständigen würde jeder Privatmann Die Errichtung der Brikettfabrik mit dem Elektrizitätswerk zur Ausführung bringen, die auch Durchaus im Interesse der Finanzen Des Großherzogtums zu empfehlen sei.

Zm Laute der Ausschußberatung, die heute natürlich noch nicht zum Abschluß kam, gab auch der mit zur Sitzung hinzugezogene Direktor Schulz von der Grube Lndwigshoffnung nähere Er läuterungen über die beabsichtigte Einrichtung der Brikettfabril. Tic Ausschnßsitzung dauerte bis 1/28 Uhr abend».__________________

Aus den Reidjstagsausfdjüjfcn.

:: Berlin, 31. März.

Tas elsaß-lothringische Wahlgesetz.

Der elsaß-lothringische Verfassungs^uSschuß erledigte heute die erste Lesung beS Wahlgesetzes sür bie Zweite Kammer, wobei sich, ba bic gruiiblegcnbeii Bestimmungen beS § 1 gestern in allen Fassungen abgelehnt würben, ein Torso ergibt. Mit Rücksicht hier auf erklärten bie Vertreter mehrerer Parteien, baß bic Abstim­mungen für sie nur provisorisch sein könnten. Nach bc» heu­tigen Beschlüssen haben baS aktive Wahlrecht nur bie Männer; ein sozialdemokratischer Antrag auf Einführung auch Des ; Frauenstimmrechts fand nur noch die Unterstützung der Voltsparrei. Tas Wahl al ter ist baS 25. Lebensjahr. Be- dingnng ist öieichsangchörigkeit und dreijähriger. Dagegen für Hausbesitzer, selbständige .Gewerbetreibende und .Landwirte, un-