160. Jahrgang
Anzeiger für Gberhessen
Erstes Blatt
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für Die Tagesnummer 8staNo«rdruck ttn> Verlag der Srühl'schen Univ.-Vuch- und Stdnbruderei H. Lange. Htöaltion, Expedition und Druckerei- Schul strotze 7. bis vorniillags 8 Uhr. Expedition für vüdingen: vahnhofstrotze 16a. - Telephon Nr. 5«.
Nr. 507
Der Siehener InjHfet «rfcheinl täglich, außer Sonntags. - Beilagen: »if rin al woclientljch SiehenerZamilienblätter, givrmml iPÖcbenll.Kieis: blatt für öcn Kreis Liehen (Dienstag unbftretmq); zweimal moimll. Land- wirljchaftliche Seitfragen Fterniined) • Anilllluge: für die Redaktion 113, Verlag u. Expedition 51 Adiesfe für Depefchen:
Anzeiger Gießen.
Die heutige Nummer umsatzt 16 Seiten.
Sus neue Jahr!
(Strfern, 31. Dex. 1910.
Drim Einlauten eines neuen Jahres rückt uns ein Kaleidoskop buntester Gedanken vor die Seele; wenn die Cl)ampagnerpsropfen knallen und neue, heitere Lebenslust aus uns braust, so sehnen wir uns zugleich danach, daß das neue Jahr ein Freudenspender sei und unsere Kräste nicht verkümmern lassen möge. Jeder Tag bringe „ein kräftiges Beschließen, zum höchsten Dasein immerfort zu streben!" Wir wollen das Rad der Zeit gewiß nicht rückwärts wenden, wollen ihm aber seinen ruhigen Lauf lassen und den Stimmzettelmonat nicht mit Gewalt herbeizerren Sonst könnte uns ja vor 1911 ein gelindes Grauen erfassen. Der düstere November, in dem aus gewissen Gründen keine militärischen Kontrollversammlungen abgehalten werden sollen, streckt seine langen Fangarme drohend über die Schwelle des Jahres, ein Vampyr, der den wachsenden Organismen das Blut aussaugt und die Saat im Keime erstickt. Die politischen Ernteberichte sind fast schon abgeschlossen: wir sollen keinen Frühling und feinen Sommer haben, die Saemänner werden bis in den Herbst hinein das Land durchwühlen und mit Feuer und Schwert arbeiten. Der alte Reichstag wird mit dürren Blättern rascheln "nd nur taube Nüsse reifen lassen. Obstruktionslüsterne Genossen sind, vielleicht mit Helfern, dabei, sogar der neuen Reichs- Vers icherungsovdnung die Kleider vom Leibe zu reißen. Eine Sodom- und Gomorrha-Katastrophe naht, vor der man sich aber lieber umwenden sollte, um nicht zur Salzsäul» zu werden. Eitel Freud und Wonne wird aber werden, wenn die Rosenfinger der Eos aus die zersprengten Trupps der Reaktionäre weisen, wie sie angstvoll durchs Land schlottern und schließlich noch von der Flut des roten Meeres ganz ersäuft werden. Wenn Umsturz und Fortschritt Hütten bauen.
Wir wollen die Zukunft nicht in zu hohen Tönen preisen. Daß der Ast, auf dem die Liberalen fitzen, bei der angebeuteten künftigen Parteienkonstellanon sich hochgemut empor- recken kann, glauben viele in Frage stellen zu müssen. Jedenfalls leben wir, trotz aller Aufregung der Gemüter, politisch in keiner großen Zeit. Es liegt so nahe, beim Jahreswechsel im Buch der deutschen Vergangenheit wieder zu blättern. Wie war es denn etwa vor 109 Jahren. Auch damals bereitete sich ein Sturm, eine Erhebung, in deutschen Landen vor, aber da hatten wir Persönlichkeiten, die Merkzeichen großer Zeiten, trotzdem es nach den Napoleonischen Heimsuchungen auch damals Lästerer genug gab. Die Not war weit schwerer als heute: „Unzählige Vermögen waren zerstört, der ganze Reichtum des preußischen Adels daraus gegangen; die willkürliche neue Länderverteilung hatte den altgewohnten Verkehr ganzer Landesteile vernichtet; Tausende treuer Diener konnte der verstümmelte Staat nicht mehr beschästigen". So war's nicht nur in Preußen, dessen Zustände Treitschke so bewegt sch.l- derte. Damals konnte kein wirtschaftlicher Aufschwung sest-
geftefit werden, aber über die Nöte des Einzelnen dachte man hinaus und vorwärts an die Zukunft des Staates. Heute scheinen leider nur materielle Interessen die Volksströmungen zu beherrschen. Es ist wirklich keine große Zeit, in der wir lebyr.
Des Friedens, den wir haben, wollen wir uns herzlich freuen. Aber wir wollen auch den inneren Frieden uns nicht vergiften lassen. Das Volk, das seine Abgeordneten ja selbst gewählt hat, kann es nicht wünschen, daß dieser Reichstag nur taube Nüsse noch knacken soll. Die Reichsfinanzen liegen nicht mehr trostlos durcheinander, Und die allgemeine Wirtschaftslage hat sich gebessert. Schütten wir also das Kind nicht mit dem Bade aus ins rote Meer. Das Neue soll uns neu finden. Und lachen wir nicht, wenn der Reichskanzler die Hoffnung noch nicht aufgegeben hat und an Goethes Neujahrsgedicht sich aufrichten mag, in dem es erbaulich heißt: „Bessere Tage sammeln uns wieder, heitere Lieder stärken die Brust."
Auch in Hessen wird das Steuergefpenst vorläufig keine weiteren Vorstöße mehr machen. Das neue Jahr wird aber an die Darmstädter Abgeordneten hohe Anforderungen stellen: das Wahlresormgesetz, die Gesetze über di" Verwaltungsreform und das Gemeindesteuergesetz harren der Erledigung. Tie Beratung des Haushalts wird hoffentlich nicht zu weitschwci'ig werden. Die Regierung hat eine anerkennenswerte Arbeit geleistet, und wenn unsere Volksboten keine weiteren Ersparnisvorschläge haben ersinnen können, so fönten sie auch überflüssige Reden und Anfragen vermeiden. Daß die beantragten Paragraphen zur Verschärfung der Hausgesetze aufs Neue die Geister in Bewegung setzen sollen, kommt jedenfalls einer schnellen und sachlichen Erledigung der wichtigen Vorlagen wenig zu statten. Sollten, da nur (wenig) Sozialdemokraten die Kammer zieren, nicht gute Vorsätze einstweilen genügen?
Wir hoffen, daß die Neujahrsgrüße manche Mißstimmung im Reiche und im Hessenlande hinwegräumen werden! Mögen manche Klagen auch berechtigt sein, unberechtigt und töricht ist es jedenfalls, das neue Jahr geflissentlich in eine Zeit der Tränen und Not zu verwandeln. Erheben wir auch heute unsere Herzen empor über das Zeitliche, zu dem, was das Menschenleben froh und zufrieden macht. Alles Irdische verhallt, aber der metallne Mund der Glocken trägt auch viel tröstliche Kunde übers Land. Auch heute sei Friede ihr erst' Geläute!
. Die Volksschulen in Hessen.
Welch gewaltige Ausdehnung im Lause der Jahre das Bolksschulwesen in Hessen angenommen hat, zeigt ein Blick auf das Kap. 41 des neuen Voranschlags für 1911 und dessen Vergleich mit den früheren Verhältnissen. Nach diesen Angaben erfordert das hessische Volksschulwesen im Jahr 1911 eine Gesamtausgabe von 2 781510 Mark, das sino 68 400 Mk. mehr als im Vorjahr. Die Mehrausgabe wird bedingt durch 45 000 Mk. für höhere Gehälter an die Lehrer und Lehrerinnen, die im neuen Jahre als Dienstzulagen nach Maßgabe der Gesetze über die Gehalte der Volksschullehrer insgesamt 2 095 000 Mk. vom Staat beziehen. Für die vorhandenen 21 Kreisschulinspektoren äst einschließlich Wohnungsgeld, Tagegelder,
Samstag, 3s. Dezember MO
BeznqSvreiS: monatlich 75 vierteljährlich Mk. 2.20. durch Abhole- u. Zweigstellen monatlich 65 ‘BL; durch die Post Mk.2.—vienel- jährL ausjchl. Beslellq. Zeilenpreie: lokal 15 BL, auswärts 20 P'eumq. Chefredakteur: A Goetz. Verantwortlich für den politischen Teil: August Goetz; für .Feuilleton', .Vermischtes' und „Genchlssaal": R. Reurach; für .Stadt und Land": E.Hen; lür den Anzeigenteil: H. Beck.
Reisekosten usw. noch ein besonderer Betrag von 140 810 Mark ausgeworsen, während von dem Rest der Gesamt- st'mms 241000 Mk. für Zuschüsse an bedürftige Gemeinden für Aufbringung der Lehrergehalte, 50 000 Mk. *ur Unterstützung für Fortbildungsschulunterricht und 80 000 Mark zur Unterstützung von Gemeinden bei Schul- bausbauten vorgesehen srnd. Für Vergütungen der den Lehrern usw. bei vorübergehender Dienstunsähigkeit bei* gegebenen Vertreter und Gehilfen sowie zur Vertretung oer zu militärischen Hebungen eingezogenen Lehrer, Schul- verwalter und Schulgehilfen sind für 1911 110 000 Mk., d s. 15 000 Mk. mehr als im Vorjahr, angesetzt. Wie hoch sich im neuen Jahr die Zahl der Lehrer und Schüler in Hessen stellen wird, ist aus dem Voranschlag nicht zu ersehen, doch dürfte es auch nicht uninteressant sein, sich die Verhältnisse in den Vorjahren etwas näher anzusehen. Nach der Statistik des Jahres 1908 belief sich die Zahl der Volksschulen Hessens aus 982, wovon auf die Provinz Starkenburg 369, auf Rheinhessen 199 und auf Oberhejsen 414 Schulen entfallen; davon wurde in 950 Schulen kein Schulgeld entrichtet. Gemeinsame Schulen bestanden 1908 im ganzen 900, konfessionelle Schulen je 41 evangelische und katholische. Diese Volksschulen erforderten einen Aufwand von 3440 Lehrkräften, und zwar 29?3 Lehrer und 467 Lehrerinnen. Die Zahl der Schulkinder betrug im ganzen 195 392, davon 96 907 Knaben und 98 48a Mädchen; nach dem Bekenntnis waren 129 250 evangelische, 63 185 katholische, 1871 israelitische und 1086 sonstige Kinder vorhanden. Hierzu kommen noch die Kinder aus sechs erweiterten Volksschulen, von denen Darmstadt 3, Offenbach 2 und Gießen eine besitzt, mit zusammen 4819 Kindern und 126 Lehrern. Im Jahre 1900 betrug die Zahl der Lehrstellen in Hessen 3747, die Zahl der Schulkinder 165 707, im Jahre 1906 3328 Lehrstellen und 189 805 Kinder, der Zuwachs der Volksschulen beläuft sich also in den Jahren von 1900—1908 auf 693 Lehrer und 29 685 Schulkinder. Die Gesamtkosten der hessischen Volksschulen beliefen sich im Jahre 1900 auf 7 874.816 Mk., wovon der Staat 2 505 501 und die Gemeinden 5 369 315 Mk. zu tragen hatten, im Jahre 1906 dagegen insgesamt 10270496 Mk., wovon aus den Staat 2 888022 Mk. und auf die Gemeinden 7 282 474 Mk. entfielen. Im Durchschnitt entfielen 1900 auf jeden Lehrer 60,3, 1906 auf jeden Lehrer 57 Schulkinder, deren jedes 1900 47,52, 1906 dagegen 53,58 Mark Gesamtkosten verursachte.
Vor 30 Jahren, also im Jahre 1880, zählte Hessen genau 2000 Lehrkräfte bei 150 478 Schulkindern, im Jahre 1890 2419 Lehrkräfte bei 163 714 Kindern und im Jayre 1908 betrug die Gesamtzahl der Lehrkräfte einschl. der an den erweiterten Volksschulen 3566 und die Zahl der Kinder 200 211. Bezeichnend für das Wachstum der fünf größten Städte Mainz, Darmstadt, Offenbach, Worms unü Gießen ist, daß fick) die Zahl der Lehrer dieser Städte von 283 mit 19 045 Kindern im Jahre 1880 auf 405 Lehrer mit 25175 Kindern im Jahre 1890, auf 553 Lehrer und 30 136 Kinder im Jahre 1900 und auf: 848 Lehrer mit 41 678 Kindern im Jahre 1908 steigerte. Die Zahl der Kinder hat sich also in diesem Zeitraum etwas; mehr als verdoppelt, die Zahl der Lehrer gerade verdreifacht. In den fünf größten Städten kamen 1880 auf jeden Lehrer durchschnittlich 67,3 Schüler, im übrigen Großherzogtum 76,5. Im Jahre 1900 ging die Schülerzahl in den Städten auf 54,5, im übrigen Großherzogtum auf 61,8 zurück und 1908 betrug sie in den Städten nur noch 49,1, auf dem Lande 58,3. Im neuen Etatsjahre dürfte sich das Verhältnis zwischen der Lehrerund der Schülerzahl ohne Frage wiederum etwas günjiigec gestalten.
Ikujafyrslofung.
Nun bist aut grauer Zeilen ew'gen Spuren 9lliinl)r, and) du enifloh’n gleich einem Traum, Verrauscht im Sturm ist deines Kleides Saum, Hin über dieser Eide starre Fluren Entschwebtest du im rätselvollen Raum.
Dem einen ist dein Antlitz hold erschienen. Dem andern ernst und finster dem Gesicht, Du brachtest viel der Wolken, ivciüq Licht, Doch kamst auch du der Eivigkeit zu bienen, Drum über dich zu richten zienit uns nicht.
Noch steht die Welt, ob auch der Erde Weifen Be, kündet das Verderben oh ihr schon, Noch trägt der König in der pog' die Kron', Des Macht uni) Weisheit Millionen preisen, Ter gnädig waltet auf urew'gem Thron.
Und w,e wir auch die Sinne uns zermalmen Ob dieses Erdendaseins Ziel und Los. Ob wir uns bunten noch \o geinesgroß — Wir ernten feine ew'gen Siegespalinen Well unser Wissen eitel Stückwerk bloß.
Laß dir die Seele nur recht heiß durchgkühen Dom reinen Feuer wahrer Tleiiicbhcbfeil, Zn treuer Pflichterfüllung stets bereit. Und Iah' der Liebe heil'ge Flamme sprühen In Werfen edler Attbarmherzigfell.
Mit allen Menschen halte Treu und Frieden
Umfasse fest der Freundschah starfe Hand 1 Arbeit' und bete! Meide Trug und Tandl Und das Erhabenste sei dir hinieden Tein Gott, detn Haus, dem t'ateilaiib!
„Mehr Bruderliebe und mehr CRottöertrauenl* Tas sei tue Losung für die neue Zeit.
Sie mache uns die Herzen warm nnb weit, Sie lehre uns. öen Täron des Glückes bauen, Sie mache uns zu Stampf und Sieg bereit I
Roemheld - Nidda.
-— A n der Jahreswende. Durch langjährige Gewöhnung an garstige Fremdwörter kommt es manchem Deutschen gar nicht zum Bewußtsein, daß er sich gerade um die Jahreswende öfters an seiner lieben Muttersprache versündigt. Ja, versündigt; denn wir halten es mit dem besten Kenner des Deutschen, mit Jakob Grimm, der schon 1846 sagte: „Sünde ist es, fremde! Wörter anzuwenden da, wo deutsche gleich gute und sogar bessere vorhanden sind, aus mrverantwortlicher Unkenntnis des gültigsten einheimischen Sprachgebrauchs." Wie viele Leser dieser Sprachecke Haden nicht in den vergangenen Jahren Karten zu Neujahr versandt mit dem Aufdruck „Unsere herzlichste Gratulation", obgleich dieses Wort gar nicht in den Fluß deutscher Red? hinein- paßt, obgleich unser Glückwunsch 'herzlicher klingt. Wenn jetzt sogar Universitäten verdienten Gelehrten „die aufrichtigsten Glückwünsche" in deutscher Sprache darbringen, dürfen wohl auch wir anderen Sterblichen unsere Freunde mit unfern herzlichen Glückwünschen erfreuen. Immer noch werden zu Neujahr Namenskarten mit der Aufschrift p. t (= pour feliciter) verschickt, also mit einer Abkürzung, die den denkenden Leser daran erinnert, daß vor noch nicht zu langer Zeit vornelMe Kreise Deutschlands im geselligen Verkehr das Französische ihrer Muttersprache vor- -ogen. Wer sich durchaus — um Zeit oder Geld zu sparen — solcher Abkürzungen bedienen will, gebrauche doch lieber die Buchstaben „u G. z. w."; er wird durch diese Bevorzugung des heimischen Sprachgutes sicher manchem seiner Freunde und Bekannten eine Freude madjeii, dem frembe Sprachbrocken wie pour feliciter in beutscher Rede ein Greuel sind. Neujahr ist auch für viele die Zeit des Umzuges oder der Versetzung. Mit wehmütigem Gefühl sieht da 'ber Freunb seiner Muttersprache, wie sich der oder jener aus seinem Bekanntenkreise mit den französischen Worten pour prendre cong6 (= p. p. c.) von ihm verabschiedet, anstatt gut deutsch zu schreiben: u. A. z. n. — Und nun zu guter (!) Letzt das nichtssagende Prost, für das wir doch so reichlichen Ersatz haben: Dem Vetter, den das letzte Jahr schwere Krankheit heimgesucht hat, rufen wir in der Neujahrsnacht zu: „Aus ein gesundes Neues Jahr"; mit dem Neffen, der nächstens eine für seine Lebensstellung entscheidende Prüfung ablegen toill, stoßen wir an „auf eine gute Prüfung"; und gibt es für Braut und Bräutigam einen willkommeneren Glückwunsch als den Ruf „Seil Eurer Liebe"? Ist das alles nicht herzlicher als dieses stumpfe, ja rohe „Prost"? Im Alltagsleben wirb erfreulicherweise beim Zutrinken das öde „Prosts" immer mehr ersetzt durch „Zum
'Wohle" oder „Wohl bekomrn's". Um die Jahreswende wird so mancher treffliche Entschluß gefaßt. Wie wäre es, wenn recht viele Leser sich beim Scheiden des alten Jahres sagten: „Von nun an will ich meine Muttersprache mehr in Ehren halten, als ich es leider bis heule getan habe; von nun an w*l ich auch durch riteinc Sprache zeigen — den Grundsätzen des Allgemeinen D<-uti schen Sprachvereins gemäß —, daß ich ein regster deutscher Mann, eine rechte deutsche Frau bin!" Dazu ein frohes Glückauf! und' Seil Nernähr!
— Seit wann ist der 1. Januar Neujahrstag? In fänan Festkalender fragt Ovid:
„O Janus!
Sage, warum das erneute Jahr mit Frösten sich anhebt?
Wär' es nicht besser, der Lenz machte des Jahres Beginn?"
Janus, antwortet die bnuna, die Sonmmwcnde sei eigentlich der letzte Tag des alten und dec erste des neuen Jahres. Diese Antwort ist teils unttar, teils falsch, denn man hat die bruma, beit kürzesten Tag nie auf den L Januar verlegt. Vielmehr ist der Grund in folgendem zu suchen. Von 153 v. Ehr. an pflegten die Konsuln, nach denen ja die Jahre genannt wurden, ihr Amt lieber am 1. Januar, als am 15. März anzutreten. So wurde dieser Tag Der erste des neuen Jahres, obgleich dies ofsiziell erst 46 v. Chr^ vom Caesar bestimmt wird.
— Die Erstaufführung von Humperdincks „K ö n i g s k i n d er n" in N ew y o r k, die von den Musiksreundeni der amerikanischen Metropole mit lebhafter Spannung erroarteti wurde, hat am Sonntag in der Metropolitan Opera statt gesunden.» eine Aufführung vor einem geladenen Publikum von Tl^eater^ freunden und Musikern, bte das Haus bis auf den letzten Platz füllten. Das Werk fand enthusiastische Ausnahme, und immer mieder wurde Humperdinck hervorgerufen; er erschien, den Arm! bi einer Binde, denn beim AuShruch eines Feuers in seinem Zimmer im Hotel Astor hatte der Komponist |td> eine schmerz^ haste, wenn auch ungefährliche Brandwunde zugezogen. Die Aus-! führung wurde von Alfted Hertz geleitet, bas Gänsernädck>en sangj bte Farrar, den Königssohn Jadlomker, und der Fiedler wurdS von Otto Gvritz bargestellt. ( Das Libretto des Werkes gebt bekanntlich auf die Märchendichtung von Ernst Rosrner zurück. Die Kritik prophezeit den „Königskindern" einstimmig einen der größten und populärsten Opernen'olge, die Rewnork erlcbl hat. Am Mittwoch wüd das Werk vor Dem bretteren Publikum autN geführt.


