Ausdruck geben, daß der bisherige Aufenthalt auf Schloß Friedberg so günstig verlaufen ist. Die Zarin weilt oft in dem dreifenstrigen Eckzimmer, das sie als Prinzessin Alix bewohnte. Im regsten Verkehr mit der Großherzoglichen Familie ttrirb mit Vorliebe musiziert. Während des größten Teils des Tages weilt die Zarin auf der Terrasse und im Schloßpark. Der Zar verbringt einen großen Teil des Tages in seinem Arbeitszimmer. Die Badekur der Zarin wird mit der neuen Woche ihren Anfang nehmen: "alle Nachrichten von einer beabsichtigten Kur in .Homburg oder Kissingen sind aus der Luft gegriffen. Am Samstag nachmittag unternahmen die riisiischen Herrschaften mit dem Großherzogspaar und den Großsiirsttnnen, der Prinzessin Viktoria und der Prinzessin Ludwig von Battenberg einen Automobilausflug nach Nauheim und dem Johannisberg, am Abend wohnten Prinz und Prinzessin Andreas von Griechenland, Prinzessin Viktoria und Prinzessin Lui.se von Battenberg mit Begleitung dem Konzert im K'urhause bei.
Heute, Sonntag, vormittag um 10 Uhr begaben sich der Großherzog und die Großherzogin mit Gefolge zum'Gottesdienst nach der Friedberger Stadtkirche; die russischen Herrschaften fuhren um 10i/2 Uhr mit den Prinzessinnen-Töchtern in zwei Automobilen nach Bad-Nauheim zur Teilnahme am Gottesdienst in der dortigen russischen Kapelle. Am Mittag um 1 Uhr fand int Schlosse Familientafel statt, an der auf Einladung des Großherzogs auch der dem deutschen Kaiser attachierte Generalmajor von Tatischitschew teilnahm, der zuvor vom Zaren empfangen worden war. Der Besuch des Prinzen und der Prinzessin Heinrich von Preußen auf schloß Friedberg wird erst gegen Ende September statt- sindem
Ans Stadt rind Land.
Gießen, b. Sept. 1910.
Bom Manöver.
Bei den einzelnen Truppenteilen haben die Brigadeexerzieren begonnen. Die 49. Jnf.-Brig. (115er, 116er und 168er) hatten vorgestern Brigadebesichtigung zwischen Fulda, Maberzell, Sickels durch den Korpskommandeur v. Eichhorn und den Divisionskommandeur v. Strantz. Nach dem Gefecht, das sich bei Heimbach entwickelte, rückten die Truppen in ihre Quartiere, 115er nach Fulda, Sickels, Heimbach, Johannesberg, die Maschinengewehrabteilung der 115er nach Kohlhaus, die 116er nach Fulda (2. Bataillon Kaserne der Artillerie, Brigadestab), Horas und Umgegend (1. Bat.), Maberzell, Ober- und Unterlimbach (3. Bat.), die 168er nach Fulda Stadt und Neuenburg, die 25er Artillerie nach Angersbach und Landenhausen. Das hessische Divisionskommando liegt in Bad Salzschlirf, das Hauptquartier das Korpskommandeurs ist im Riedeselschen Schloß zu Lauterbach.
Das Scharfschießen zu Maar, an dem auch acht schwere Haubitzen der Fußartillerie Nr. 3 aus Mainz teilnahmen, stand unter dem Befehl des Oberst Noeldechen und hatte ausgezeichnete Schießergebnisse. Die 25. Artillerie- Brigade bleibt bis Montag in Lauterbach und Umgegend und rückt dann nach Bronzell bei Fulda. Der Kommandeur der 50. Brigade liegt in dem Riedeselschen Schloß Altenburg. Morgen treffen Exzellenz v. Eichhorn und Generalleutnant v. Strantz zur Besichtigung ein. Darnach rückt das Regiment 117 weiter ostwärts nach Lauterbach, Maar, Blitzenrod. Der Stab der 25. Kavallerie-Brigade kommt nach Lauterbach. Die 118er bleiben bis Mittwoch in Alsfeld—Romrod. — Die 21. Artillerie-Brigade (27er und 63er) hielten am Samstag bei Grünberg eine größere Uebung gegen markierten Feind ab. Bei Lich—Birklar nahmen vorgestern die Brigadeübungen der 41. Brigade (Infanterie Nr. 87 und 88) unter Führung des Obersten Riedel (168) ihren Anfang. Der Brigadestab liegt in Arnsburg, der Stab der 21. Feldartilleriebrigade in Lich. Diese Brigade wird am Mittwoch weiter nach Gießen zu rücken, Gießen und die nächste Umgebung erhalten Einquartierung, nach Gießen kommen zwei Kompagnien Unteroffizierschüler aus Biebrich und zwei Kompagnien Pioniere Nr. 21, ferner kommen 6er Dragoner nach Garbenteich, 27er Artillerie nach Watzenborn—Oppenrod, 87er nach Steinbach—Annerod—Leihgestern ufw. — Das Manöver der 42. Infanterie-Brigade bei Mücke—Ober-Ohmen dauert vom 9. bis 12. September. Auch in der Wetterau werden weitere Vorbereitungen für die Manöver getroffen, bei Berstadt wird ein Manöver-Proviantamt zur.Verpflegung der Truppen errichtet.
** Kursb ericht. Durch das frühere Erscheinen des Gieß. Anz. ist es nicht mehr möglich, die neuesten Kurs-« berichte noch am gleichen Tage aufzunehmen. Dagegen werden wir von Dienstag an die von der Darmstädter Bank Gießen täglich mitgeteilten neuesten Kurse der Franko für ter, Berliner und Londoner Börse zum Aushang bringen. Interessenten können also die Kurse dieser Börsen am nämlichen Tage, bereits kurz nach 2 Uhr nachmittags, an der Geschäftsstelle einsehen.
*
•• Ordensauszeichnungen. Der König von Preußen hat die Erlaubnis zur Anlegung des ihnen verliehenen Ritterkreuzes erster Klasse des Großherzoglich Hessischen Verdienstordens Philipps des Groß- mutigen den Kaufleuten Edgar An d r e a e und Jak. L a t s ch a zu Frankfurt a. M. erteilt. — Der König von Preußen hat dem Obersteiger a. D. Ludw. Klein zu Auerbach in Hessen, bisher in Heinitz, Kreis Ottweiler, den Kronenorden 4. Klasse verliehen.
* * Landesversicherungsanstalt. Ein Vertreter des französischen Ministeriums der öffentlichen Arbeiten stattete am Freitag der Landesversicherungsanstall Großherzogtum Hessen einen längeren Besuch ab, um die inneren Einrichtungen dieser Behörde und deren Organisation kennen zu lernen. Bekanntlich ist die fcanzöstsche Negierung dermalen mit Einführung des am 10. April 1910 beschlossenen Gesetzes, die „Allgemeine Alters- und Invalidenversicherung in Frankreich" betr., befaßt.
* * Provinzialdirektor Dr. Uf in g er ist aus Urlaub zurückgekehrt und hat seine Dienstgeschäfte wieder anf- genommen.
* * Aus dem Militär - Wochenblatt. Zum Oberleutnant zur See befördert der Lt. zur See Ehristian Prinz von Hessen-PhilippSthal-Barchfeld von der 2. Torpedodivision.
* * Eine U eb e r l a n d z e n tr a l e Gießen? Die städtische Verwaltung hat jetzt bei 30 größeren Gemeinden im Umkreise von 10 Kilometern atmefragt, ob sie Interesse an der Lieferung von elektrischen Strom für Beleuchtungsund Kraftzwecke haben.
* * Der Milch verbrauch in unserer Stadt beläuft sich nach einer von privater Seite gemachten Zusammen-
stellung täglich auf 12 000—13 000 Liter, die durch 100 Verläufer in den Häusern verschleißt werden. Das verbrauchte Quantum wird sich um 1500—2000 Liter täglich erhöhen, wenn das Militär wieder aus dem Manöver zurück sein wird und die Familien aus der Sommerfrische und die Studenten wieder hier sind.
* Der Kons um verein Gießen und Umgegend hielt am Samstag abend im Saale des Gewerkschastshamüs üine Hauptversammlung ab, die außerordentlich stark besucht war. Der Geschäftsführer Keßler machte zu dem gedruckt 'vorliegenden Geschäftsbericht noch einige erläuternde Bemerkungen. Er ermähnte die Errichtung dec beiden neuen Ver- taufsstellen Neuen Bäue und Heuchelheim, die sich außerordentlich gut eingeführt hätten. Aus Ortschaften, wo bereits Kon- sumvereine bestehen, sind Anregungen gekommen, daß der Gießener Verein Vertcilungsstcllen errichten möge. Die Verwaltung will zu gegebener Zeit dieser Frage nähertreten. Keßler geht dann auf die vom Vorstand und Aufsichtsrat beantragte Sterbegeld-Unterstützung ein, für deren Einführung er verschiedene Gründe ins Feld führt. An den Geschäftsbericht schloß sich eine längere Besprechung, in der mehrfach Anregungen und Wünsche vorgebracht wurden. Ein Antrag, den Mitgliedern Kredit bis zur Hälfte des Geschäftsanteils zu gewähren, wurde abgelehnt, die Jahrcsrechnung genehmigt und der Verteilung der Erübrigung nach dein Vor- ichlag der Verwaltung zugestimmt. Die Mitglieder erhalten ivie im Vorjahre ö Prozent Rückvergütung. Die vier aus dem Aufsichtsrat turnusgemäß ausscheidenden Herren Baum, Männche, Vetters und Wagenbach wurden wieder- und als Ersatzleute die Herren Groh, Laudenbach und G. Schmidt ueugewählt. Der Vorstand besteht wie seither aus den Herren Keßler, Niewisch und Lentz. Die Beratung über die Stcrbegeld- llnterttützung mußte ausgesetzt werden, weil die Zeit zu weit vorgeschritten war. Es wird eine weitere Versaminlung stattfinden, die sich mit dieser Angelegenheit beschäftigen soll.
** Krieg im Frieden. In der Zeughauskaserne liegt jetzt eine Kompagnie Reservisten, die bis Donnerstag Marschübungen vornimmt, um dann zu den 116 ern ins Manövergelände nach Fulda abzurücken.
*!’•* Heuchelheim, 3. Sept. Heute fand die hiesige G em eind erat s w a h l in dec Ratsstube des alten Schulhauses statt. Um 7 Uhr war der Wahlkampf beendigt und die bürgerliche Partei war mit weniger Stimmenminderheit unterlegen. Aufgestellt waren von ihr Heinrich Gilbert II., Ludwig Steidel II. und Schuhmachermeister Heinrich Bepler. Die höchste Stimmenzahl von ihnen erhielt Heinrich Gilbert II. mit 183 Stimmen. Die sozialdemokratische Partei hatte aufgestellt: Jakob Schleenbecker, Spengler, Wilhelm Mandler und Ludwig Schmidt III. Davon erhielten Jakob Schleenbecker 242, Wilhelm Mandler und Ludwig Schmidt je 186 Stimmen. In diesem Jahre findet hier noch Beigeordneten- und Bürgermeisterwahl statt.
Herbstein, 4. Sept. Goldene Hochzeit feierte gestern in Ilbeshausen Bürgermeister Löffler und seine Ehefrau, geb. Binsel. — Vom Scheuergerüst stürzte in Kirch - bracht ein Landwirt, der sich schwer verletzte. — In Krainfeld wurden H. Flach, S. Fritz, I. Räuber und Hch. Fritz zu Gemeinderatsmitgliedern gewählt.
R. Babenhausen II, 4. Sept. Heute wurde vom Kriegerverein eine 4 0jährige Gedenkfeier der gefallenen hiesigen Veteranen von 1870 gefeiert. Eingeleitet wurde die Feier durch einen Festgottesdienst in der Kirche. Um halb 4 Uhr bewegte sich ein stattlicher Zug nach dem Friedhof hin. Voran die Ehvendauien des Kriegervereins mit Kränzen, dann der Kriegerverein, sowie zahlreiche Eimvohner des Dorfes. Hier schilderte der Präsident deL Kriegervereins Karl Kraft den Zweck der Feier. Hierauf hielt Pfarrer Bühler eine von patriotischem Geist erfüllte Ansprache. Leider etzte der Regen stark ein, so daß die Feier bald ihr Ende nehmen mußte.
— Butzbach, 3. Sept. Bei der Gemeinderatswahl wurden Zimmermeister Arnold O e h l s ch l ä g e l (sreis.), Kaufmann Fricdr. Jak., Heydt (frei)'.), Fabrikant Jos. Oppenheimer (soz-dem.), Kaufmann Hader mann (lib.) und Lohnkutschereibesitzer Friedr. Will). Müller (freis.) geioählt.
R. Friedberg, 4. Sept. Zur Feier des Sedantages machte das Lehrerseminar einen Ausflug nach dem Waldschlößchen bei Ober-Rosbach. .Im großen Saale des Gasthauses ivechselten Chöre der Gesangsabteilung mit Musikvorträgen eines aus Seminaristen gebildeten Quartetts ab. Der mit dem 1. Oktober als Kreisschulinspektor nach Gießen cheidende Professor Dr. Alles hielt die Festrede.
B. Friedberg, 4. Sept. Die gestern eröffnete Rosen- ausftellung kann auf einen schönen Erfolg zurückblicken, wenn ihr auch nicht das Entgegenkommen sowohl seitens der< Stadt Friedberg als auch der Landwirtschaftskammer gezeigt wurde, was ihr mit Fug und Recht zukommt. Insbesondere der Land- wirtschastskammer-Ausschuß für Oberhessen hatte dfrten Beitrag ür einen Preis abgelehnt, weil der Bezirksverein zum gewerblichen Gartenbau zähle. Landtagsabgeordneter Brerdenbach- Dorheim stiftete einen Preis. Gruppe. Den 1. Preis erhielt Paul Vieweg - Steinfurth, den 2. Friedr. Schreyer-Steinfurth (Ehrenpreis in silberner Medaille), den 3. Wilh. Volp II.-Steinfurth (Ehrenpreis in silberner Medaille). Sortiment-Ausstellung: 1. Preis Heinr.-Steinhauer-Steinfurth, 2. Eberhard Jung-Stein- ürth, Jean Volp-Steinfurth, Konrad Falk-Steinfurth lRosen- und Herbstblumen Kunterbunt). Herbstblumen: 1. Preis Karl Henze-Friedberg und Karl Schmidt-Butzbach. Hervorzuheben ist noch die Dekorationsgruppe der Firma Karl Henze-Friedberg, bestehend aus Lorbeergewächsen, Palmen, sowie eine Gruppe Gladiolen. Mehrere Rosen-Neuheiten wurden nach auswärts teuer verkauft.
l. Fauerbach v. d. H., 4. Sept. Heute veranstaltete der R a d f a h r er v e r e i n „Pfeil" unter Mitwirkung des Turnvereins ein Fest. Morgens früh 7 Uhr war Wettfahren' von Ziegenberg bis Usingen, wobei Wilh. Raab den 1. Preis errang. Bei einem Einzel-Korsofahren aus 100 Meter Entfernung erhielt Wilh. Jung einen Ehrenpreis, Heinrich Deutler den 1. Preis. Hierauf führte der Turnverein^ einige Geräteübungen vor. Dann begann ein Preis schieß en in der sogenanntem, „Allee". — Die Zwetschenernte ist in diesem Jahre sehr gering: bei der Versteigerung des Gemeindeobstes wurden sehr hohe Preise erzielt.
R.B. Darmstadt, 4. Sept. Unser Hoftheater hat heute abend nach der großen Sommerpause die neue Spielzeit mit Halevys großer Oper „Die Jüdin" eingeleitet und bot den beiden neuen Opernkräften, die als Ersatz ür Heinrich Speemann und Frau Morny ausersehen sind, Gelegenheit, sich beim Publikum in bc^er Weife einzu- ühren. Der neue Heldentenor, Herr Georg Becker, bisher am Mainzer Stadttheater, sang den „Elcazar" trotz einer Jugend mit großem Erfolg und auch Frl. v. Sugh, eine junge, anmutige Kroatin mit prächtigen Stimmitteln, errang sich schnell viel Sympathie beim Publikum. Die bekannten bewährten Kräfte, Frl. Such an eck (Prinzessin),
Herr Hacker (Prinz Leopold) und Herr S t e p h a n y (Kardinal), boten schön abgerundete Leistungen. Die Inszenierung durch Oberregisseur Bald eck und die musikalische Leitung des Hofrats de Haan verdienen alle Anerkennung.
(] Marburg, 4. Sept. Auch in unserer Stadt wurde das 40jährigeGedenkenderSchlachtbeiSedan in größerem dNaßstabe gefeiert. An die Festfeiern in den Schulen und Lehranstalten schloß sich am Freitag in ber. Universität für die während der Ferien hier weilenden. Universitätsangehörigen an der Gedenktafel für die int Kriege gefallenen Marburger Studenten Kurt Fürstige aus Brilon, Clemens Böse aus Altenruhrfeld, Max Hast en pflüg, aus Wildungen und W. Jessen aus Kiel eine Gedenkfeier, bei der der Rektor der Universität, Professor Maas, dies Ansprache hielt. Gestern abend veranstalteten sämtliche hiesigen Vereine einen Fackelzug und einen Kommers in den Stadtsälen, bei dem der Kommandeur des Jäger-, Bataillons, Prinz zur Lippe, Oberbürgermeister T r o j e, Oberrealschuldirektor Dr. Knabe, Generalleut-, nant Beß und Privatier R. Becker Ansprachen hielten. Heute früh fand Festzug der Schüler, der Chargierten der. studentischen Korporationen und Vereme nach dem Kämpf" rasen statt, wo sich inzwischen schon die Kriegsveteranen eingesunden hatten. Hier wurde ein Festgottesdienft ab4 gehalten, wobei der Professor der Theologie D. B o rni Häuser die Ansprache hielt. Nachher gab die Stadt den. Veteranen im großen Stadtsaal ein Frühstück. Nachmittags schloß sich ein Volksfest auf Spiegelslust an und abends> wurde mit Lampions in die Stadt zurückmarschiert.
Oberursel, 4. Sept. Zu dem Landwirtschaftlichen Feste, das vom 4. bis 6. September hier stattfindet, hatten sich beutel zahlreiche Landwirte aus Franffurt, Nassau und dem Großherzogtum Hessen eingefunden. Um 11 Uhr wurde eine Ausstellung für Garten-, Obst- und, Weinbau eröffnet. Um 2 Uhr setzte sich ^cin Festzug unter strömendem Regen durch die Sttaßen) der Stadt in Bewegung. Von einer Tribüne, die im Schulhofe errichtet war, sahen sich die Prinzessin Karl von Hessen) mit ihren drei Söhnen und die Kronprinzessin von Griechenland den Zug an.
fc. Wiesbaden, 4. Sept. Die Schlachthof-, deputation hat sich mit der Fleischteuerung befaßt und folgenden Antrag an den Magistrat gerichtet: „Durch den Mangel an Schlachtvieh, besonders an Rindern und Kälbern, sind die Zufuhren und Schlachtungen in der hiesigen Vieh«, und Schlachtanlage sehr erheblich' zurückgegangen. Dieser Riickgang verursacht eine erhebliche Verminderung und Mindereinnahme der Gebühren und eine Steigerung der Vieh- und Fleischpreise. Die Schlachthofdeputatton ist einstimmig der Ansicht, daß weder der Zwischenhandel noch das Fleischergewerbe für diese Steigerung verantwortlich gemacht werden kann, sondern daß sie hervorgerufen wird durch den Mangel an Schlachtvieh in Deutschland überhaupt, wodurch es der Produktion nicht möglich ist, den mit der Zahl der Bevölkerung in Einklang stehenden Konsum zu decken. Die Deputation beantragt daher, der Magistrat möge sich den Bestrebungen anderer Städte, eine Milden rung in den Bestimmungen der Vieh- und Fleischeinfuhr herbeizuführen, anschließen und der Stadtverordnetenversammlung davon Kenntnis geben." Ter Magistrat hat einstimmig beschlossen, an den Vorstand des P r e u ß i s ch e n Städte tag es in Berlin das Gesuch zu richten, bei der Regierung schritte zu tun, um eine Milderung und Er«, leichterung der bestehenden Bestimmungen über die Einfuhr, von Schlacht- und Zuchtvieh herbeizuführen.
Sport.
Frankfurt a. M., 4. Sept. Bei strömendem Regen wurde heute das zehnte Paris-Frankfurter Achterrennen ausgefahren. Tie Pariser Mannschaft, die die ganze Strecke führte, siegte überlegen mit vier Längen.
Lustschiffahrl.
Deauville, 3. Sept. Der Flieger Merane hat heute den von ihm vor einigen Tagen aufgestellten Welt^ Höhenrekord Überboten, indem er bis zu 2582 Metern empört stieg. Beim Abstieg setzte der Motor in 2500 Meter Höhe aus, worauf Merane im Gleitfluge niederging und ohne Schaden zu nehmen landete.
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Kleine Tageschronik.
Von den am 23. März im Jahre 1908 auf der Grube „Glück- a v f" bei Voelpke verunglückten acht Bergleuten sind, nachdem vier Wochen nach dem Unglück die Leick>e eines Aufsehers gefunden waren, am Freitag vier weitere Leichen gefundenl worden, und zwar die des Bergpraktikers Herbst und der Bergleute Falk, Rohloff und Winter. Tie Leichen der übrigen drei Verunglückten sind noch nicht gefunden.
Gegen einige Prokuristen der Niederdeutschen Bank in Dortmund wurde das Strafverfahren eingeleitet.
In Zara (Dalmatien) wurde der Pfarrer TomaezewicS und seine Geliebte verhaftet und wegen Raubmordes und Mordes unter Anklage gestellt. Ein vor zwei Jahren wegen Raubmordes zu langjähriger Zuchthausstrafe verurteilter Bauer belastete den Pfarrer und dessen Geliebte durch neuerdings gemachte Aussagen schwer. Er gab an, der Pfarrer und seine Geliebte hätten auch zwei Kinder ermordet.
In der Provinz Buenos Aires und im Süden der Provinz Santa Fe sind sehr ergiebige Regenfälle niedergegangen, die auf den Stand der Saaten von gün-, stigem Einfluß sind.
Handel.
§ Jutespinnerei und Weberei Kassel. Ter Reingewinn dieser Gesellschaft beträgt für das abgelauiene Geschäftsjahr 228 607 Mk. gegen 250 699 Mk., woraus wieder 16 Proz. Dividende verteilt werden sollen. Nach Mitteilungen der Verwaltung sind die Verhältnisse zwischen Rohjute- und Fabriks- Preisen sehr ungünstig geworden. Die Abmachungen des Verbandes deutscher Juteindustrieller laufen am Jahresende ab; wegen der Erneuerung sind zwar Verhandlungen im Gange, über deren Ergebnis ist bestimmtes jedoch noch nicht zu sagen.
Wetteraussichten in Hessen am Dienstag dem 6. Sept. 1910: Vorübergehend Aufheiterung, nach kalter Nacht am Tage etwas wärmer als heute, später wieder Trübung und Eintritt von Regen.
Griglnal-Drahtnielönngen.
Filchners Rückkehr.
C h r i st i a n i a, 3. Sept. Oberleutnant F i l ch n e r ist heute hier ^angekommen. Er erklärte, daß die in deutschen uud norwegischen Zeitungen aufgetauchten Gerüchte über eine ungenügende Vorbereitung der Expedia tion unwahr seien. Er habe Schlitten nach Nansens! Modell mit den neuesten Verbesserungen und die besten Karten gehabt. Die Expedition habe keine Hunde miti genommen, lieber die Ergebnisse der Expeditton wünschte Oberleutnant Filchner keine Auskunft zu geben. Er reist morgen nach Sandefjord, um Walfifchfänqer zum Zwecke eines möglichen Ankaufs zu befichttgen. Dr. Seelheim ist nach Bergen abgereift, um Schlitten, Schi und andere Aus-^ rüstungsgegenstände auf der bärtigen Ausstellung zu )bci


