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Nr. 304
|60. Jahrgang
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bl« oognuiaab 9 Uhr. Expedition für Büdingen: Bahnhofstraße 16a. - Telephon Nr. 50. A>ii-ia'-nt.ii: H. B-ck.
Var Wirtschaftsjahr syfv.
TOgddlf van bei Mttteldeutschen Srebitbonf, Filiale Gießen.*) I.
Ein von bloßen Politischen Erschütterungen freies, aber in toirtschaftlrcher Beziehung um so interessanteres Jahr liegt hinter uns. Zwar haben zu Beginn des Jahres die alljährlich gegen bas Frühjahr auftauchenden Balkanwirren den Blick einige Zeit gefesselt. Es gelang aber den überwachenden Großmächten, sowohl den traurigen politischen Zuständen Griechenlands, als auch der Spannung zwischen diesem Land und der Türkei den bedrohlichen Charakter zu nehmen. Viel mehr übte die schwierige Lösung der Budget- srage in England, der Tod König Eduards VII. und der im Spätherbst wieder neu entbrennende Wahlkampf in England zeitweise einen lähmenden Eindruck nicht nur aus den englischen Markt, sondern auch auf das Ausland aus, dank der überragenden polittschen Machtstellung Eng- lands. Der unerwartete Wahlsieg der Demokratie tu den Vereinigten Staaten von Nord-Amerika im November d. I wirkte aus die Newyorker Börse, die sich immer mehr zu einer tonangebeirden Stellung im internationalen Wirtschaftsleben ausgeschwungen hat, enttäuschend. Man hätte glauben sollen, daß die Hoffirung aus eine Beseittgung des Schutzzollsystems und damit auf eine Besserung in den Lebensverhältnissen des amerikanischen Volkes durch diesen Wahlsieg eine belebende Wirkung ausüben würde. Das Gegenteil trat aber ein, man gab der Befürchtung Raum, daß durch die Aenderung im Regierungssystem bei gewaltige Kamps zwischen der Negierung unö den kapita listtschen Interessen der großen Unternehmungen allmäh lich noch schärfere Formen annehmen unb damit dem Wirt «schaftsleben der Union noch größere Schädigungen bringen würde, als dies bisher der Fall war. Die Revolution in Portugal, die wie ein Mitzsttahl niederfuhr und überall gewalttges Staunen erregte, wickelte sich so glatt und ohne Störung* des internationalen politischen Lebens ab, daß ihre Wirkung nur eine ganr vorübergehende war. Ebenso haben die anfangs übertriebenen Gerückte über eine Revo lutwn in Mexiko nur kurze Zett die allgemeine Aufrnerk- samkeit erregt. Die Regierung ist des Aufstandes nahezu Derr aeworden und das Zutrauen zu dem aufstrebenden Land hat hierdurch keine Einbuße erlitten. Ferner hat die Meuterei in der brasilianischen Marine keinen nachhattigen Eindruck zu machen vermocht.
Man kann also das Fahr 1910 in politischer Beziehung als ein Jahr des äußeren Friedens bezeichnen Nach außen hin hat Deutschland wohl im allgemeinen eine weitere Besserung in den Beziehungen zu oen einzelnen Staaten zu verzeichnen. Die Teilnahme des Kaisers an den Deisetzungsfeierlichketten in London hat zweifellos aus das Verhältnis zu England und Frankreich günstig gewirkt Der Besuch des Kaisers in Wien hat der Freundschaft zu der habsburgischen Monarchie eine noch herzlichere Gestaltung gegeben und die Zusammenkunft des Kaisers mit dem Zaren und jeinem Minister hat dazu beigetragen, daß das politische Verl>ältnis zwischen Rußland und Deutschland ein etwas besseres geworden ist. Durch die Rede des Reichskanzlern gelegentlich der Etatberatung ist diese Besserung in den Beziehungen zu dem östlichen Nachbar öffentlich anerkannt worden. Unsere Handelsbeziehungen zu den Ver einigten Staaten von Nordamerika, die zu Anfang des Jahres wegen der ablehnenden Haltung unserer Regierung gegenüber der Einfuhr amerikanischen Fleisches und Viehet Die Befürchtung eines Zollkrieges auskommen ließen, wurden durch das neue Abkommen wesentlich verbessert und wirkten sowohl auf die polittschen Beziehungen, als auch aus Unsere Industrie in günstigem Sinne ein.
Im Inneren unseres Vaterlandes dagegen gärt es ge wattig und die Verhältnisse sind noch so ungeklärt, daß man der kommenden Zeit, namentlich dent großen Wahlkampf im Jahre 1912, nur mit einem Gefühl des Unbe «Hagens entgegenblicken kann. Unzufriedenheit in fast allen Schichten der Bevölkerung und der Mangel an großen Ge fichtspunkten, das sind die beiden Momente, die eigentlich bei keiner Partei eine Freude am innerpolitischen Leben aufkommen lassen wollen. Hier haben auch die Aus führungen des Reichskanzlers bei der Etatberatung keine wefentttche Besserung zu erzielen vermocht.
Im internationalen und im nationalen Wirtschaftsleben sah es dahingegen nicht so ruhig fau5, wie auf der polittschen Weltbühne. Hier spielten sich rgenxiltige Kämpfe ab und großartige Zentralisationsbestre- bungen traten in die Erscheinung, so daß das Jahr 1910 in ^dieser Beziehung einen ganz besonderen Platz in der Geschichte der Wirtsck-afisentwlcklung einnehmen wird.
Fast während des ganzen Jahres hielten die hie Und da krisenartig auftretenden Erschütterungen der Newyorker Börse die Gemüter in Spannung, wenn auch die Beobachtung gemacht werden konnte, daß die rüefläutige Bewegung in Den Kursen der amerikanischen Werte im allgemeinen «nicht so stark auf die euröpäische.n Börsen wirtte, wie dies in früheren Jahren, h. B. im Krisenjahr 1907, der Fall war. Der Grund zu dieser merkwürdigen Erscheinung ist wohl zum Tett darin zu suchen, daß in Deutschland die Hoffnung auf eine anhaltend steigende Entwicklung unserer Industrie festgewurzelt ist, und daß zum anoeren Teil der Rückgang in Amerika nicht der Ausdruck eines Umschwungs in den dortigen Verhältnissen ist, sondern mehr
*) Wir glauben, baß ein sachkundiger Ueberblick über das Wirtschaftsjahr 1910 Dan allgemeinem Interesse ist und sind darum mit der Mitteldeutschen Creditbank in Verbindung getreten, die uns &u einem solchen Aufsatz für unser Blatt behilflich sein wollte. Auch dce politischen Streiflichter in dem Aufsatz treffen im allgemeinen das Richtige.
eine Kundgebung des Kapitals gegen die trustfeindliche Polittk der Regierung darstellt.. r Ist doch das Wirtschaftsleben in Amerika mehr als irgendwo anders auf das Trustwesen im allgemeinen aufgebaut. In diesem Kampfe stehen sich zwei gewaltige Machtfaktoren gegenüber. Auf der einen Sette oie Regierung, die mit der Allgemeinheit ein Interesse an der Verbilligung des Verkehrs und der Lebensbedingungen hat und auf der anderen Sette die mächttgen Kapitalgruppen der Eisenbahnen und die Trustgesellschaften, die durch Lohnerhöhung und Steigerung der Materialpreise in ihrem Interesse zu Erhöhungen der Frachtraten und Rohprodukte hingedrängt werden. Die Unsicherheit darüber, wie dieser Kampf, der sich wohl noch lange hinziehen dürfte, enden wird, wird die Wirtschaftslage der Union vielleicht noch lange beeinflussen. Diese Erscheinung, verbunden mit der Tatsache, daß unser deutsches Publikum stark in amerikanischen Werten engagiert ist, fordert möglichste Zurückhaltung in der Eingehung weiterer Verbindlichkeiten.
Während in Amerika der Kampf zwischen der von der össentlichen Meinung gedrängten Regierung und dem Kapital hin unb her wogte, hat in Europa eine Reihe von Kraftproben zwischen Kapital und Arbeit stattgefunden, die mehr oder weniger weite Kreise des erwerbstätigen Volkes in Mitleidenschaft zogen Grn ausgedehnter Aus- stand der Kohlenarbeiter in Northumberland trat zu Beginn des Jahres auf, die zwei Monate dauernde Aussperrung im deutschen Bauhandwerk hat ebenso, wie der Ausstand der Werftarbeiter und der Metallarbeiter in Pforzheim einer Reihe von Industriezweigen schwere Wunden geschlagen. Die Gefahr einer Gesamtaussperrung der Me- allarbeiter Deutschlands ist noch im letzten Augenblick beseitigt worden. Dagegen hatte aber der Aufstand der Eisenbahnangestellten in Frankreich Formen angenommen, wie mir solche bisher in dem Kampf zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer in Deutschland glücklicherweise noch nicht erlebt haben. Solche Jnteressenkämpse werden bei aufsteigen der Konjunktur immer wieder §u verzeichnen sein und sie werden bei der zunehmenden Konzentration innerhalb der beiden Machtfaktoren an Schärfe und Ausdehnung für die Folge wohl noch eine Steigerung erfahren.
Lrmordung von vier Deutschen durch aufständische Eingeborene auf Ponape.
Die Sttlle der Weihnachtsserienzett wird jäh unter- brocken durch eine Meldung des Gouverneurs von Deutsch- Neuguinea, wonach vor kurzer Zeit von aufständigen Ein- geborenen vier wackere deutsche Beamte und außerdem fünf .angeborene Bootsjungen getötet worden sind. Zwar hat ?s mit dem Aufstand der Dschokadschleute nicht viel auf sich, da ihre Zahl verhältnismäßig gering ist und unsere deutschen Landsleute fick rechtzeittg gerüstet haben, aber _'s bleibt doch eine Schreckensnachricht, die uns wieder einmal zeigt, daß in unseren deutschen Neuländern den Eingeborenen gegenüber stets die größte Vorsicht am Platze ist. Wir erhielten folgende Meldung:
Berlin, 27. Dez. Nach einem von dem stellvertretenden Gouverneur von Deutsch-Neuguinea, Siegle» cungsrat Dr. O ß wa l d, aus Jap (Karolinen) eingetrof- senen Telegramm sind am 18. Oktober der Bezirksamtmann, Regierungsrat Boeder, Sekretär Brauckmann, otationsbeamter Hollborn, Wegebautechniker Häfner und fünf eingeborene Bootsjungen auf Dscho - kadsch von Dschokadschleuten ermordet worden, die sich seitdem im Ausstand befinden. Der Beweggrund scheint Unzufriedenheit mit b en Wegebauten gewesen zu fein. Die Nachricht traf am 30. November mit dem Dampfer „Germania" in Rabaul ein; der stellvertretende Gouverneur ging sofort mit 90 Polizeisoldaten, seinem Sekretär und dem Polizeimeister nach Ponape und fand alle übrigen Europäer wohlbehalten. Wettere ernste Angriffe auf die Kolonie haben nicht ftattgefunben. Am 13. Dezember trafen Weitere siebzig Soldaten und am 19. Dezember das Schiff „Kormoran" ein. Die Zahl der Aufrührer beläuft sich auf 200 biS 250; sie haben angeblich etwa 90 Gewehre und andere Schußwaffen; wie viel Munitton sie haben, ist unbekannt. Bis^ her herrschte übrigens in Ponape völlige Ruhe. Die Ein wohnerschaft verhätt sich zum größten Teil loyal. Nack einem weiteren Telegramm ist inzwischen noch das K r i e g s schiff „Plane t" (Vermessungsschiff) von Neu-Guinea nach Ponape abgegangen.
Tie „Norddeutsche Allgemeine Zeitung" erläutert die Nachricht von der Ermordung der vier Regierungsbeamten und der fünf Eingeborenen, durch Darlegung der bisherigen Zu stände auf Po na pe, und der vorgelagerten kleinen Insel Dscho kadsch oder Jokvz. Es gelang danach dem ®oubcrneur Dr. Hahl, naclidem die Kavolineninseln im Jahre 1899 von Deutschland erworben waren, durch Verhandlungen mit den Eingeborenen friedliche Zustände aus der Insel Ponape he rbeizu führen, die siä) unter spanischer Herrschaft in fast immerwährendem Kriegszustände befand. Ta späterhin nicht selten immer iwch Zwistigkeiten vorkamen, wurde zur Beruhigung der Eingeborenen mit den Wegebauten vorgegangen Tiefen gegenüber verhielt sich jedoch ein Teü der Eingeborenen ablehnend w daß wiederholt Unruhen drohten, die 1908 durch Entsendung von einem Kriegsschiff mit Polizeisotdaten, und wiederholt auch durch persönliche Verhandlungen des Bezirksamtmanne« Boder mit den Häuptlingen verhindert wurden. Namentlich schien das Anlaufen des Ostasiattschen Geschwaders im Juni einen oachhattigen Eindruck auf die Eingeborenen hervorgerufcn zu
haben. Nach der vorliegenden telegraphischen Meldung kann eS sich nur um einen friedlichen Besuch des Bezirksamt- mannes in Dscheskodsch gehandelt haben, der jedemalte ohne Mitnahme von Soldaten erfolgte. Es scheint ein heimtückischer Ueberfall durch die Eingeborenen erfolgt zu sein, die mit der Fortführung des Wegebaues unzufrieden waren Die „Norddeutsche Allgemeine Zeitung" fügt hinzu, daß die Kotonial- verwaltung in dem Regierungsrat Böder einen ihrer ältesten in langjähriger Wirksamkeit bewährten, ruhigen, in Behandlung der Eingeborenen besonders erfahrenen Beamten verliert, und daß auch der ermordete Sekretär Brauckmann bei der Stellvertretung Bäders gleichfalls Ruhe und Besonnenhett an den Tag gelegt habe.
politische Lagcsscha«.
Die sächsische Regierung und die Angelegenheit des Prinien Max.
In die von uns mitgeteilte Veröffentlichung des amtlichen „Dresdener Journals" fällt jetzt nachträglich ein Lichtstrahl. Unsere Vermutung, daß das Königshaus in der Erinnerung an den Hirtenbrief-Protest des Königs Friedrich August diesmal Rom eine Verbeuguna machen wolle, wird durch folgende roeitere Veröffentlichung des „Dresdener Journals" beftätigt:
Die Erklärung im amtlia>en Teil unseres Blattes vom 24. Dezember betreffend den vielbesprochenen Artikel des Pttnzen Max ging uns nicht von der Staatsregierung zu, auch nicht von dem in evangelicis beauftragten Staatsminister, s o n - dernvomMinisterium des königlichen Hauses. Wie luir feststellen können, waren weder die Staatsregierung, noch die in evangelicis beauftragten Minister mit der Angelegenheit befaßt -nw hatten v^n dem Attikel vor dem Erscheinen keine Kenntnis.
Daß der öffentliche Rüffel des Prinzen. Max durch das Ministerium des königlichen Hauses in einer Prchat- fache, die das Königshaus doch gar nicht berührt, einen besonders schönen (Andruck mache, kann man nicht gerade sagen.
Inzwischen hat der Vatikan in seiner bekannten energischen Art zugepackt. Der Prinz soll in Rom anscheinend leine Irrtümer" abschwören; er soll aber dabei ein „sestes Auftreten" gezeigt haben. Ein ungefähres Bild der Lage gibt folgende Meldung des Wolsffchen Bureaus:
Rom, 27. Dez. 'Die Zeitungen beschäftigen sich fott- gesetzt mit dem Prinzen Max. Tie Tribun a" behauptet, der Prinz habe gestern ohne weitere (Erörterung die vom Heiligen, Dienst aufgefebteErklärung unterzeichnet, in der er völlig die dogmatischen, geschichtlichm und philosophischen Irrtümer anerkenne. Das Blatt fügt hinzu, der Heilige Dienst habe das Verfahren gegen die Mönche des Klosters Grottaferrataeingeleitet, welche den Artikel des Prinzen in der „Roma e l'Orients veröffentlichten und es scheine, daß diese Zeitschrift ihr Erscheinen für einige Zeit einstellen toerbe, „Giornale d'Jtali a" schreibt: Der Prinz ist nach Rom gekommen, um sich zu verantworten, aber die Verhandlungen sind ärtneriger, als er sich gedacht hat. Der Prinz habe zwei Audienzen beim Papst gehabt. Er habe immer seine Bereitwilligkett zur Unterwersung erklärt, aber inAusdrücken, iv eiche den Kirchenbehörden ungenügend seienZ Sie würden indessen infolge des festen Auftretens bt 3 Prinzen dessen lakonisck)e Erllärung annehmen. Der Heilige Stuhl bel-alte sich nach Umständen vor, den Wortlaut der Erklärung zu veröffentlichen oder nicht.
Ein Redakteur des katholischen „(Sortiere d'Jtalia" versuchte den Prinzen zu interviewen, aber dieser hat es abgelehnt, ihn zu empfangen, da er mit geistlichen Exerzitien beschäftigt sei und Daher nicht über Sachen sprechen könne, die den Gedanken, in Denen sich der Geist gesammelt, ziemlich fremd feien»
Der Arbeitsplan des Retchstags im neuen 3ahre.
Es besteht im Reichstage die Absicht, vor dem Beginne der zweiten Haushaltslesung noch eine Reihe der "vorliegenden Gesetze teils in zweiter, teils in dritter Lesung zu verabschieden. In Frage kommt zunächst das Hausarbetts- gesetz, das Zuwachssteuergesetz, das Reichsbesteuerungsgesetz, das Arbeitskammergesetz, das Gesetz über die Errichtung eines obersten Kolonialgerichtshofes und eine Reihe lleinerer Gesetze. Mit der zwetten Haushaltsberattmg wird erst begonnen werden, wenn der Budgetausschuß einige Haushalte erledigt Ija&en wird. Die erste Lesung des elsaß- lothringischen Verfassungsgesetzes wird ebenfalls noch im Januar ftattfinben. Was die Reichsversicherungsordnung betrifft, so ist vorläufig beabsichtigt, die zweite Lesung im Plenum erst vorzunehmen, wenn der Haushalt zum größten Teile erledigt sein wird, zumal der Reichsveisicherungs- ausschuß seine Beratungen vor Ende Februar endgüttig nicht abschließen wird.
England nnd perfien.
Der persische Minister des Aeußern ist zurückgetreten, wahrscheinlich wegen der drohenden Haltung Englands Aus einer Meldung des Reuter-Bureaus ist zu ersehen, daß Persien auf die bekannte Drohnote hin mehrfach Maßnahmen getroffen hat, um England zufriedenzustellen. Es scheint aber die Mslcht der „maßgebenden Kreise" in London zu sein, die Vorwände zu einem Eingreifen in persische Angelegenheiten nicht aus der Hand "zu geben, obgleich aus derselben Quelle ganz ruhig versichert wird, im Süden des Landes sei es bisher ruhlg gewesen. Wir erhielten folgende Meldungen-
Teheran, 27. Dez. Der M in i st e r d e s A e u ß er n Ku li-C h ari ist zu r ü ck g e tr e t e n.
London, 27. Dez. Dem Reuterschen Bureau wird aus Teheran gemeldet: In maßgebenden Kreisen betrachte man den Rücktritt des Ministers des Aeußern 'Mi- Gbarf aß eine Folge der englischen Note über bie Zustande im Süden und führe ihn auf die bal-
Wahrscheinlichkeit zurück, datz bie in ber enn« (ifdjen Note ausgesprochene Drohung zur Slii.ifiib- rung kommen werbe. Der Zeitpunkt, an dem die von


