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Meteorologische Beobachtungen -er Station Eiehen.
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Wetter
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1910
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Höchste Temperatur am 25. bis 26. Dezember -4- yliebriqnt , , 25. w 26. , ■■
Niederschlaq:
4,5 muu
26, 26. 27.
733,8
733.7
729,6
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Erlchrtw E-Nch mit Nuß^ahme bet 18— iffl.
®ie „IltjtneT §amillevdlLtter" werben dem ,8liuriflcr‘ viermal wöchentlich beigelegt, bot „Mrdiblüfi flr b« «teil Gießen" zweimal Wöchentlich. Die ..randwirtschafttichen Lett- fraßen" erscheinen monatlich zweimal.
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Dienstag, 27. Dezember MO
Rotationsdruck und Verlag der Vrüblichen UniversitätS - Bilch- und Steindruckerei.
R. Lange, Gießen.
5<Miültcn»2lacbrid)ten*
Verlobte: Fräulein Kätchen Görnert in Grünberg mit Herrn Heinrich SckellhaaS in Nieder-Obmen. — Fräulein Hedwig Zockler mit Herrn Ru-oli Kohlbach, beide in Grünberg. — Fräulem Bertha Reitz in Inheiden mit Herrn Karl Holl in Bingen a. Rh. — Fräulein Anna Spengler in Echzell mit Herrn Wilhelm Bäckel in Bauernheim. — Fräuleitl Lucretia Eleonore v. Kietzell in Kassel mit Herrn Dr. H. Frank in Schlitz. — Fräulein Elisabeth Marie Bourgignon in Hirzenhain mit Herrn Heinrich Balthasar Geist in Grünberg. — Fräulein Toni Fischer in Sögel i. H. mit Herrn Koiirad Reuß in Friedberg. — Fräulein Gretchen Holler in Friedberg mit Herrn Karl Holler in Fauerbach. — Fräulein Frieda Glilsch in Friedberg mit Herrn Otto Koch in Nieder-Weisel — Fräulein Anna Kissel mit Herrn Heinrich Dauernhetm, beide in Friedberg. — Fräiilein Emma Käß in Friedberg mit Herrn Wilhelm Fix in Frankfurt a. Ak. — Fräulein Luise Winter in Nieder- Weisel mit Herrn Georg MattheiZ in Gambach. — Fräulein Luise Nenner nut Herrn Max Hoffmann, beide in Butzbach. — Fräulein Charlotte Jakobi in Bad-Nauheim mit Herrn Theodor Wahlbrecht in Sannen. — Fräiilein Elisabeth Köhler in Breslau nut Herrn Ludwig Marguth in Bad-Nauheim. — Fräulein Marie Gatzerl in Bad-Nauheim mit Herrn Friedrich Saiier in Frankfurt a. M.- Bockelibeim. —- Fräulein Elisabeth Lack mit Herrn Richard Sprengel, beide in Bad-Nauheim. — Fräulein Emilie Rudelms mit Herrn Reinhard Andreas, beide in Bad-Nauheim. — Fräulein Hilde Spiegel in Wertheim a. M. mit Herrn Gustav Wolf in Bad-Nau- heiin. — Fräiilein Marie Opel in Alsfeld nut Herrn Wilhelm Wallermann in Röllhausen (Rheinland). — Fräulein Grelel Seitz m Rhodt bei Edenkoben i. d. Pfalz mit Herrn Konrad Fiihr in Altenburg. — Fräulein Johanna Seligmann in Wetzlar mit Herrn Benno Levi in Nürnberg. — Fräulein Elisabeth KapZ mit Herrn Otto Hoffmann, beide in Wetzlar. — Fräulem Johanna Fern in Oberlahuslein mit Herrn Peter Dietrich in Bonbaden. — Fräiilein Sophie Schäfer in Marburg mit Herrn Jakob Bender in Marchienne- au-Pont (Belgien). — Fräulein Emma Hosch in Biedenkopf mit Herrn Chrislian Bang in Marburg. — Fräulein Elisabeth Ewald nut Herm Konrad Herbener, beide in Kirchhain. — Fräulein Emma Blecher hi LaaSohe mit Herrn Emil Kramer in Biedeiikopf. — Fräulein Rosel Schmidt in Limburg mit Herrn Hermann Bogels in Wetzlar. — Fräulein Anna Seisried in Pforzheim mit Herrn Ludwig Gahert in Frankfurt a. TL
Redaktion, Expedition und Druckerei: Echul- straße 7. Expedition und Verlag: Redaktion:S-«^l 12. Tel.-Adr.: AnzeigerGießen.
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Lwrller DIatt |60. Jahrgang
Gietzener Anzeiger
General-Anzeiger für Gberhessen
Märkte.
fc. Vom Frankfurter Fruchtm arkt. Kürzlich tmrrbd der Antrag gestellt, einen zweiten offiziellerr Fimchtmarktstag» wöck;entlich abzuhalten, da der eine, jeweils Montag, nicht aus- reiche. Vielen namhaften Mühlenbesitzern und Lärchlern ist es an dem Montage nicht möglich, den Frankfurter Markt zu besuchen, weil an diesem Tage auch in Mannheim Markt abge>* halten wird. Diesen sollte Gelegenheit gegeben werden, an einem) anderen Tage nach Frankfurt zu kommen und Markt zu halten^ Der Frankfurter Fruchtmarkt ist der bedeutendste in Deutschland. Die Mitgliederzahl der Vereinigung „Frankfurter Fruchtmarkt", die aus Mühlenbesitzern, Händlern usw. besteht, die offtziell den Markt besuchen, betragt 700, während an der Berliner Börse nur 500 Mitglieder verkehren. Wenn auch in Berlin, Hamburg und Mamrheim größere Quantitäten gehandelt werden, so fte&t Frankfurt mit dem Effektiv-Geschäft an erster Stelle. So besuchen aus Frankfurt a. M. offtziell den Markt 178 Mhlenbescher- Händler, Landleute und Vertreter von Genossenschaften, aus Alsfeld 4, Kassel 8, Darmstadt 26, Düsseldorf 3, Friedberg 17,. Gießen 16, Hanau 12, Höchst a. M. 6, Karlsruhe 1, Kreuznach 2, Limburg 4, Mainz 17, Mannheim 12, Marburg 8, Nürnberg 1, Offenbach 7, Worms 7, Würzburg 5, Wiesbaden 9 usto. Der letzt abgelehnts Antrag, der die erforderliche */, Majorität nicht erhielt, soll bald wieder eingebracht werden.
O Rebgeshain, 26. D^. Erne Weihnachtsfeier wurde am Samstag abend von unserem Lehrer Rau unter Mitwirkung der Schulkinder abgehalten. Die Feier nahm einen schönen Verlauf. Die Ansprache von Lehrer Rau und sämtliche Darbietungen fanden den Beb- fall der fast vollständig anwesenden Gemeinde.
1^ Friedberg, 25. Dez. Wohl veranlagt durch die gelinde Witterung, die den Arbeit suchenden auch Arbeit gibt, fanden sich gestern nicht so viele Herbergsgaste in der Herberge zur Heimat ein, wie in oen vorhergehenden Jahren. Immerhin umstanden 98 Wanderer den gedeckten Weihnachtstisch.
—g. Gleiberg, 26. Dez. Der Weihnachtsbaum inmitten der Vurgkirche war wieder der Sammelpunkt der ganzen Ge-» meinde geioorden. Schon 25 Jahre leitet Lehrer Lochau diese Veranstaltung. Die Kinder erhielten passende Geschenke.
△ Ki nzenba ch, 26. Dez. Trotz der überaus ungünstigen Witterung war die Kirche bei der Weihnachts - feier dickt besetzt. Wie in dem Hauptgottesdienst am ersten Weihnachtsmorgen wirkten der Gesangverein und ein gemischter Chor mit und trugen nach Kräften dazu bei, das Fest würdig zu gestalten. Die Kinder wurden mit Erzählungen und Lebkuchen beschenkt.
O Rodh eim a. d. Bieber, 24. Dez. In altgewohnter Weise wurde am heutigen Abend das Weihnachtsfest durch einen gut besuchten Gottesdienst eingeleitet. Bei günstiger Witterung pflegen zu ihm selbst viele Besucher aus den Vachbarorten Bieber, Haina und Vetzberg herbeizueilen.
X. Hanau, 26. Dez. Eine hübsche Weihnachtsgabe hat die chemische Fabrik Leopold Cassel la u. Co., G. m. b. H, in Mainkur bei Hanau ihrem Arbeitspersonal zukommen lassen. Sie wird ihren Arbeitern, Arbeiterinnen, Oberarbeitern und Vorarbeitern vom 1. Januar 1911 ab in Krankheitsfällen zu dem Bezügen aus der Fabrikkrankenkasse soviel zuschießen, daß die Erkrankten ebensoviel beziehen, als der Wochenlohw bei normaler Arbeitsfähigkeit bis zu 30 Mark wöchentlich beträgt. Als weitere Zuwendung zahlt die Firma außerhalb der Fabrik-Krankenunterstützung beim Ableben der Ehefrau eines Arbeiters an den Ehemann ein Sterbegeld von 50 Mk., beim Tode eines schulpflichtigen. Kindes ein Sterbegeld von 30 Mk. und beim Tode eines noch nicht schulpflichtigen, aber mindestens 12 Monate alten Kindes ein Sterbegeld von 20 Mk. Auf das Sterbegeld für Kinder haben auch verwitwete Arbeiterinnen Anspruch.
Weihnachtsfeiern.
Gießen'- 27.; DH.
i In d'e«r Herbeckge zur Heimat.
Die Wanderirden hatten sich bei dem nassen Wetter am Weihnachtsabend schon frühzeitig in der Herberge zur Heim«! emgefunden, wo der Herbergsvater Loh zum erstenmal seit dessen Bestehen ihnen hn grasten Saale den Weihnachtsbaum hergerichtet hatte. An 3 langen weistgedeckten Tischen waren auf Tellern Aepfel, Nüsse und getrocknete Trauben, sowie Gebäck und für . jeden Wanderer 1 Paar wollene Strümpfe bereit gelegt. Um V2? Uhr flammte der Lichterbaum auf und die 70 Wanderer, die eingekehtt waren, betraten mit erstaunten Gesichtern den. Saal. „Vom Himmel hoch, da komm ich her", so Hang es mit Harmonium- begleitung durch den Raum, woran anknüpfend Pfarramtsassistent Schorlemmer das Evangelium der frohen Botschaft verlas, um dann eine Ansprackpe zu halten. Er erinnerte seine Hörer daran, nric das heutige Christfest für sie wohl dazu angetan sei, Erinnerungen an die Jugend wachzurufen, wo die Eltern für sie den Weihnachtstisch bereitet hätten. Um den Männern von der Landstraße auch eine Weihnachtsfreude zu machen, habe die Herberge, dank der Opferwilligkeit edler Menschen, ebenfalls eine Bescherung für sie eingerichtet. Der Redner ging dann kurz auf die Bedeutung des Weihnachtsfestes ein und wünschte den Gasten dann ftöhliche Weihnachten. Die beiden Schlustverse des Liedes, das die schlichte Feier eingeleitet hatte, bildete den Schluß. Jeder der Wanderer erhielt ein Dutzend Zigarren und ein Paket Tabak, die von mehrer ent imserer Industriellen für diesen Zweck gestiftet touren. Im Saale wurde dann zu Abend gegessen und zwar Rnrderbraten, Salat und Kartoffeln, und dann wurden die Zigarren angezündet. Am ersten Weihnachtstage gab es Kaffee uird Kuchen unt> dann ging es an die Ausstaffierung der Männer, deren Garderobe abgerissen und zerschlissen war. Gute Menschen hatten reichlich dafür gesorgt, daß die armen Brüder an den Feiertagen an- ftänbige Kleider und ganzes Schnhwerk anziehen konnten. Die dagegen eingetauschten Lumpen wurden verbrannt. Die Herbergs- eltern haben zwar viel Arbeit an beiden Feiettagen mit ihren Gästen gehabt, aber sie hatten damit ein gutes Werk vollbracht, und manchem armen Watrderer über die Trübsal des Daseins an den Festtagvi hinweg geholfen.
In unseten Kasernen hat man die größte Zahl der großen blauen Kinder über Weihnachten zu Muttern geschickt. Die Kompagnien sind deshalb sehr gelichtet. Man hat gerade noch Mannschaften genug zurück- behalten, um den nötigsten Dienst, besmrders den Wachdienst aus- ftihren zu können. Am Heiliaenabend um 5 Uhr traten die Mannschaften, Evangelische und Katholiken gesondert, zum Kirchgang an, her für die ersteren in der Stadtkirche stattfand. Später gab es Abeiidbrot und dann flammten in den Mannschaftsstuben die Kerzen an den mäcfyttgcn Tannenbäumen auf. Hier und da hatte sich der Kompagniechef zur Feier eingefunden, meistens aber es die Mutter der Kompagnie, der au dem Abmd gar mild gestimmte Herr Feldwebel, der die Anspraä)« an die veffammelten Lents richtete. 'Dann gings an die Verteilung der Gaben, die die Kompagnie gestiftet hatte. Sie bestanden aus praktischen Gegenständen, wie sie,des Soldaten Herz erfreuen, Pfeifen, Tabak, Zigarren, Stammseidel, Hosenträger, Taschenmesser usw., Aepfel uni) Nüsse. Dann rückten die Beschenkten zusammen, um das für den Weihnachtsabend gespendete Faß Bier zu trinken. Es war ein recht militärisches Stimmungsbild, das sich darauf in den einzelnen Stuben entwickelte. Zigarren- und Tabaksqualm und die darin sitzenden trinkenden Mannsckmften, dazwischen die Vorgesetzten, die echt kameradschaftlich die Festfeier in gleicher Weise mitmachten. Jrn Provinzialarresthaus
war am Heiligen Abend ebenfalls der Weihnachtsmann eingekehrt. Die 25 Insassen waren in dem für gottesdienstliche Zwecke bestimmten Raum versammelt, der durch einen prächtigen Lichter- baum geschmückt war. Pfarrer Ausfeld hielt die Rede, in der er mit warmen Worten seine Hörer tröstend darauf hinwies, daß auch für sie wieder die Zeit kommen werde, wo sie erfahren werden, daß sich liebende Mcmschen ihrer annehmen, toenn sie mit dem festen Vorsatz wieder in die Welt hinaustreteu, andere, gute Menschen zu werden. Die Tochter des Verwalters Klingler trug ein der Bedeutung des Festes entsprechendes Gedicht vor, wobei man in manchem Auge der Gefangenen Tränen wahrnehmen konnte. Zu Ehren der Festtage hat man im Arresthause für die Gefangenen Kuchen gebacken, auch wurden ihnen über Weihnachten manche Vergünstigungen gewährt.
Weihnachtsfeier in der Provinzial-Siechenanstalt.
Am 23. Dezember konnte auch in diesem Jahre, Dank der von der Provinz bewilligten Mittel und der Gaben hochherziger Spender, eine Weihnachtsbescherung für die Insassen der Anstalt stattsinden. In vier Sälen waren getrennt von einander, neben dem brennenden Weihnachtsbaum, auf großen Tischen für jede einzelne Person die Gaben ausgebreitet, die meist praktischen Inhalts dem Wunsche des Betreffenden angepaßt waren. Von der Provinzialdirektion waren erschienen Provinzialdirektor Dr. U H n g e r nebst Familie, Beigeordneter Keller im Namen der Stadt, Kommerzienrat E m m e l i u s im Namen des Kuratotiums; außerdem waren noch einige geladene Gäste anwesend. Ein aus Wärtern, Wärterinnen, Schwestern und einigen Pfleglingen zu/ammeugesetzter Chor trug unter Leitung des Musikdirektors Krauße auf jeder Abteilung schöne, stimmungsvolle Weihnachtschöre vor, Sologesänge und Duetts, gesungen von Frau Lerch und Fmulein Krautze, Verlesung des Evangeliums, Deklamationen und eine Ansprache des Direktors Dr. Langer- mann folgten, und die Verteilung der Gaben bildete den Schluß der wohlgelungenen und alle sehr bcftiedigenden Christbescherung in der Siechenanstalt.
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'+ Ettingshausen, 24. Dez. Heute abend fand in unserer dicht besetzten Kircke eine Vorfeier zum Weihnachtsfeste statt. Um oen im Glanze feiner Lichter sttahlenden Weihnachtsbaum hatte sich Alt und Jung versammelt. Mit Spannung hörten die Eltern die Vorträge der Schulkinder, die durch Gesänge von Weihnachtsliederu der Schüler, des gemischten Chors und der Gemeinde unterbrochen wurden. Nach Schluß der sehr schön verlaufenen Feier wurden unter die Kinder Jugeudschriftchcn verteilt.
= Lich, 25. Dez. Ein alter schöner Brauch, an dem die Bevölkerung noch in gleicher Weise wie früher festhält, ist die Weihnachtsfeier, die immer am Abend des ersten Feiertages in der Marienstiftskirche veranstaltet wird und im Bolksmund „Christmitt^ (von „Mette" oder „Messe") heißt. Die Kirche erlebt an dem Tage immer ihren stärksten Besuch; auch heute waren die weiten Räume wieder bis auf den letzten Platz gefüllt. Den Schulkindern wurden kleine Weihnachtsgabeu überreicht. Der schönen Feier, die unter brennenden Christbäumen stattfindet, liegt eine besondere Liturgie zu Grunde, in der Gesänge der Gemeiuoe und der Kinder mit Ansprachen des Geistlichen und Textworten, die von älteren Schiftern Lelpwchen werden, wechj eln, b ■ 1
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Graf vallestrem f.
SreSIau, 24. Dez. Wie die „Schles. voMztg/' mel- bet, ist am 23. Dezember auf Schloß Plawniowitz der frühere Reichstagspräsideut Exzellenz Gras Franz Ballestrem «gestorben.
^.5ran^.®ra? von Ballestrem wurde am 5. September 1834 zu Plawniowitz in Oberschlesien geboren. Seine Er- ziehung genoß er auf geistlichen Anstalten. Die Universität Lüttich besuchte er von 1853—1835, unb wurde darauf Ka- vallerw^Osftzier. Ms solcher machte er die Kriege 1866 und 1870/71 mit. Infolge eines Sturzes inva.lide geworden, schted er aus der Armee aus und ließ sich in den Reichstag wählen, wo er sich der Zentrumspartei anschloß. Sehr lebhast beteiligte sich Gras Ballestrem an den Kulturkamps- Verhandlungen und gehörte nach deren Beendigung zum konservattven Teil des Zentrums. 1890 wurde er zum ersten Vizepräsidenten des Reichstages und 1891 zum Mitglied des preußischen Abgeordnetenhmlses gewählt. Bei der Abstimmung über die Militärvorlage stimmte er, im Gegensatz zur Zentrumspartei, für diese und ließ sich deshalb nach Auflösung des Reichstages nicht wieder als Kandtdaten wr f stell en, ,blieb aber Mitglied des Abgeordnetenhauses. 1898 erfolgte seine Wiederwahl in den Reichstag, zu dessen Präsident er am 7. Dezember desselben Jahres berufen wurde. Am 18. Juli 1900 wurde ihm wegen seiner Verdienste um das Zustandebringen der Flottenvorlage der Charakter «ls preußischer Wirklicher Geheimer Rat verliehen.
Die Sicherheit, Unparteilichkeit und Jovialität, mit welcher er die Geschäfte des Reichstagspräsidenten führte, brachten ihm die Hochachtung und Sympathie aller Reichs- ttagsmitglieder ein. Von ungewöhnlicher Sachkenntnis, großer Erfahrung und begabt mit der Fähigkeit, oft durch einen treffenden Witz über bedenkliche Lagen hinweqzu- helsen und Gegensätze zu versöhnen, hat er sich ein bleibendes Verdienst um das parlamentarische Leben und die Gesetzgebung des Deutschen Meiches erworben.
Graf Ballesttem hatte auch einen erblichen Sitz im preußischen Herrenhause. Als der Reichstag 1906 ausgelöst toutbe, verzichtete Graf Ballestrem auf eine Kandidatur und lebte von da an nur noch seinen Privatangelegenheiten.
Schloß Plawniowitz, 24. Dez. Der Tod des Grafen Ballestrem trat gestern 10i/2 Uhr ein. Die Todesursache ist Alters- und Herzschwäche, sowie die Folgen eines kvor zwei Jahren erlittenen Schlaganfalles.
Berlin, 24. Dez. Aus Anlaß des Hinscheidens des Grafen Ballesttem telegraphierte der Präsident des Reichstages an die Gräfin:
„Tief erschüttert vom Heimgang Ihres von mir hoch verehrten Gemahls sende ich Euerer Exzellenz, und zugleich im Namen des Reichstages den Ausdruck aller herzlichster Anteilnahme Mü dem gesamten deutschen Volke wird der Reichstag dem langjährigen allverehtten und hochverdienten Präsidenten in unvergänglicher Dankbarkeit ein treues und ehrendes Andenken bewahren. Präsident des Reichstages."
Vie Moabiter 5trahenkrawalle vor Gericht.
& Berlin, 24. Dez.
Am heuttgen Weihnachts-Hreiligenabend wurde die Be-- Weisaufnahme im Moabiter Krawallprozeß fortgesetzt, damit die folgenden drei Tage sitzungsftei bleiben können. Wenn heute die Sitzung ausgefallen wäre, hätte am dritten Feiertage verhandelt oder der ganze Prozeß von neuem aufgerollt werden müssen. Es hat sich der Prozeßbetei- tigten jedoch eine gewisse Weihnachtssttmmtmg bemächtigt, so daß die Verhandlung nach kaum zweistündiger Dauer vertagt wurde.
Der Zeuge Gustav Salb ach bekundet, daß er sick lediglich deshalb als Zeuge gemeldet habe, weil er aus Zeitttngs bericht en ersehen habe, daß seitens der Polizei dte Vorgänge in dem Lanzerathschen Lokal falsch oargestellt worden seien. Andere Gründe l)abe er nicht gehabt, denn es sei wahrlich kein Vergnügen, hier als Zeuge aufzutreten. Ter Zeuge hat geseheii, wie am Bahnhofe Beußelftraße ein junger Mann ohne Grund einen Hieb über den Kopf erhielt. Er selbst, der Zeuge, sei ohne Grund über den Rücken geschlagen worden.
Der Zeuge Steuern war in dem Lanzerathschen Lokal anwesend. Er ha.t nicht gehört, daß aus dem Lokal der Ruf „Btttthunde ertönte oder gesehen, oaß die Schutzleute mit Steinen beworfen wurden. Er hatte die Toilette aufgesucht und als er wieder das Lokal betrat, sah er, wie die Gäste durch die Schutzleute von vorn nach hinten getrieben wurden. Als er nach vorn kam, habe er zunächst einen Hieb über den Kopf und dann einen über den Rücken erhalten, so daß er den Hut vom Kopse verlor. Eine Aus- sorderuntz, sich zu entfernen, fei, so sagt er, an den Zeugen vorher nicht ergangen.
Zeuge Rauch hat in der Beußelftraße gesehen, daß em Mann, der auf der einen Seite der Straße ging, während auf der anderen die Menge von Schutzleuten verfolgt wurde, von Beamten gestoßen wurde. Als er ftolverte, wurde sofort auf ihn eingeschlagen, so daß er hinfiel und mit dem Gesicht auf den Sternfließen wie tot liegen blieb. Es wurden darauf aus der Menge Ausrufe der Entrüstung wie „Pfui!" und „unerhört!" Laut. Schließlich wurde der Verletzte mit einem Auto forttzejchafst. Ferner bekundet der Zeuge einen Vorfall, der sich an einer Sttaßenbahn- haltestelle abspielte. Hier stand ein Manu, der auf seine Elektrische wartete. Der Mann wurde ohne Grund von einem Polizisten geschlagen, obwohl er diesem seine Llbonne- mentskarte zeigte und erklärte, daß er ilach Hause fahren wolle. Dem Mann fiel durch das Schlagen der Hut vom Kopfe und als er sicy danach bückte, erhielt er noch Stöße mit dem Knie und Fußtritte.
Der folgende Zeuge ist ein Schutzmann, der über einen der geschilderten Vorgänge, an dem er beteiligt gewesen fein soll, Aufklärung geben soll. Er vermag nur anzugeben, daß er und seine Kollegen durchaus korrekt vorgegangen seien.
Darauf wurden die Verl)a.ndLungen auf Mttwoch vormittag IQ ützr vertagt,
5,0
5,6
86
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2
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Hagel
2,6
5,1
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WNW
3
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Bed.
0,9
4,6
94
8
3
10
Schneefall


