Ausgabe 
24.12.1910 Zweites Blatt
 
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infefSaftung. Ein großer Teil des Armes und der Hand werben dabei steif gehalten; mit einer leichten Muskel- Zusammenziehung bewegen sich bann die eng Kusarnrnen- «gepreßten Finger mit säst rhythmischer Gleichmäßigkeit hin und her. Diese Flügelstudien werden mit großer Schnellig­keit ausgesührt, und gerade diese Geschwindigkeit, oie erst nach langer, mühsamer Arbeit errungen wird, ist das Haupt- clcment des Gelingens. Daher ist es auch unmöglich, ja­vanische Zeichnungen zukopieren"; sie können nur ge- schasjen werden nach dieser eigenartigen Arbeitsweise und sind ein Ergebnis dieser spezifisch japanischen Methode des Zeichenunterrichts.

Dermiicbrcs.

Tet Krnematograph im Dienste der Polizei. Die Prager Polczei ist auf die Idee gekommen, den Kinemato- graph zu polizeilichen Ermittelungszwecken zu verwenden und kinemawgraphische Steckbriefe zu erlassen. Es sollen fortan in den verschiedenen Theatern einer Stadt neben den sonstigen Vorführungen auch die Bilder von Verbrechern mit ge­nauer Beschreibung gezeigt werden, damit sie sich den breiten Massen im Gedächtnis einprägen, um dadurch einen Fortschritt im Ermittelnngsverfahren zu erreichen.

* Falschmünzerei und Unterschlagung. In Zürich hatte der Chef des Postrestantbureaus einen für eine Firma in Wien bestimmten, irrtümlich nach Zürich geschickten Brief zurückgehalten, in dem ein Scheck eines kanadischen Geschäftes im Betrage von 37 000 Franks, der auf eine Londoner Dank ausgestellt nxtr, enthalten war. Er nahm Urlaub und kassierte den Scheck in London ein, wo er die Unterschrift fälschte. Er teilte die Beute mit einem Kollegen. Als eine Anfrage einlief, kam der Diebstahl heraus, dabei wurde entdeckt, daß die beiden noch weitere Unterschlagungen begangen hatten. Es stellte sich ferner heraus, daß ein württembergischer Rentner, der lange in Brasilien gelebt und in der Nähe von Zürich eine Villa getauft hatte, brasilianische Noten nachmachte. Der Brasilianer, ebenso wie die beiben Post­beamten, sind verhaftet worden.

♦♦ Mehrere Explosionen, durch die eine große Anzahl Menschen getötet oder verwundet wurden, ereigneten sich im Laufe des gestrigen Freitags. In der Fabrik von Johannes Maag in Augsburg explodierte bei Aus­besserungsarbeiten ein Dieselmotor; ein Werkmeister wurde getötet; ein Maschinenmeister erlag seinen Verletzungen; vier Arbeiter sind verletzt worden. Nach einer Meldung aus Regensburg erfolgte in der Zelluloidsabrik in Kelheim nach Mitternacht aus unbe­kannter Ursache eine furchtbare Explosion Zwei Arbeiter wurden getötet, zwei sind ihren Verletzungen erlegen, während wieder zwei andere lebensge­fährlich verletzt wurden. Ein Arbeiter wird ver­mißt. In Dees (Ungarn) wurden durch eine Kessel­explosion in einer Spiritussabrik drei Arbeiter ge­tötet und zwei tödlich verletzt. In Buscolde ex­plodierte nach einer Meldung aus Mantua ein Acetylen­gasmotor; die Decke des Hauses stürzte ein, wodurch 15 Personen verschüttet wurden. In Strasch in brannte infolge Explosion eines Spiritusfasses ein Ver- grmgungshaus nieder. Ein Handlungsgehilfe, der durch eine brennende Lampe das Ungeschick verschuldete, wurde getötet. Aus Philippsville (Algerien) wird gemeldet, daß acht Kisten mit Feuerwerkskörpern beim Aus- laben auf dem Hafenguai explodierten. Zwei Per- f on en wurden getötet, 11 Personen, darunter neun Araber, schwer verletzt.

Der Perrückenbäu m. Der Reifende, der an elnew schönen Spätherbsttage mit der Simplon-Bahn fährt, wunden sich nicht wenig, an manchen Stellen, besonders in der Nähe der Station Turtmann, die grauen Kalkselfen in den feurigsten Farben, von brennendem Orange bis zum tiefsten Purpur, erglühen zu sehen Der Urheber dieser herrlichen Farbenpracht ist der wenig bekannte Perrückenbaum, über den in derSchweizer Zenschriit iür Forst­wesen* einiges mitgeteilt wird. Ter Perrückenbanm, m der Wissen- schalt Rbus cotinus genannt, gehört zu den aus den Mittelmeer- ländern etngewanderteii Dflanzen imb tritt in der Schweiz nur strauchartig aut Als größerer Busch kommt,er oih Monte San Salvcuore bei Lugano, als niedriger Strauch im Wallis vor. Er trägt ruiidlich-nierenförmige, langgestielte Blätter und trauben- förmige Blütenstände von kleinen, mifcheinbarcn Blüten. Er ist forstlich von ganz geringer Bedeutung, da er kaum schwache Brenu- yolzdimensionen erreicht. Interessant ist er hauptsächlich wegen der außerordentlichen, intenstven Farbcntöne, die er im Herbst an­nimmt. Er erglüht dann im feurigsten Pllrpurrot uub verrät so fernen Standort auch dem gleichgültigsten Beobachter. Sein Haupt- verbreitungsze>rtrum im Wallis, nebst dem Gebiet von Martinach, liegt an der rechten Talseite der Rhone zwischen Leut und Nieder- aampel, bet beni Werler Getwing, eben bei der genannten Bahn­station. Sehr auffallend ist die Tatsache, daß der Perrückenbaum, der ein Strauch des Südens ist, dieses ivilde Gebiet das sonst von wärnrebedürstiger Flora nicht besiedelt ist, ausgesucht hat. Daß rhrn auf dieseü kahlen Felsen die einheimisck'en Laubhölzer keine Konkurrenz zu nrachen verrnochten, mag wohl die Haupturfache seiner relativ starken Verbreitung bilden.

Das Mindestmaß der täglichen Nahrung. Während bie berühmten Physiologen Voit imb Brücke als mindesten täglichen Bedarr iür einen krä'tigen 2chährigen Arbeiter von 70 kxr Gewicht bei mäßiger körperlicher Tätigkeit 137 g Eiweiß, 173 g xett unb 352 g Kohlehydrate herausrechneten, kommt der amerika­nische Professor Ebivard O'Lynch in neuen Untersuchungen zu wesentlich niedrigeren Zahlen, die er ohne Anwendung bestreitbarer Theorien aui rein experimentellem Wege geivonnen haben will. Er behauptet, daß alle bisherigen Angaben über die täglich er­forderliche Nahrungsmenge f alfch [mb, weil sie zu viel Rücksicht auf die Ernährungsgewohnhelten der weißen Rassen nehmen, die sich seit Jahrtailsenden an eine den Körper nur belästigende Viel­esserei gewöhitt hätten, die keineswegs zur Kräftigung führe, fondern auf die Dauer imstande fei, die Gesundheit zu schädigen und leben- verkürzend zu mitten. Besonders gelte dies von dem starken Ver­brauch von Fleisch und allen anderen, eiweißreichen 9labrung5- Mitteln, die nur der Entstehung von Nierenkrankhelten, Gicht und anderen Stofsivechfelkrankheiten Vorschub leisten, ohne das Wohl- besiuden, das Kraitgefühl und die Leistungsfähigkeit zu erhöhen. Aus Grund von zivei Versuchsreihen, bie O'Lynch mit Stubenteu und stark arbeitenden Jndivibueu vornahm, fonunt er zu dein Schlußergebnis, baß 60 Gramm Nahiungseiweitz für alle Falle genügen. Etwas anders liege der Fall aber hinsichtlich der fett­haltigen Nahrungsmittel unb derjenigen, bie Kohlehydrate ent­halten wie Brot, Gemüse, Kartoffeln unb Zucker. Von ihnen, die ast ausschließlich ihres Heizwertes wegen für die Ernährung in Betracht kommen, benötige der köiperlich schwer Arbeitende, be­sonders wenn er sich bei kalter Witterung im Freien betätige, selbstverständlich mehr als der Stubenhocker, aber auch hier finde eine durch nichts gerechtfertigte Materialverschwendung statt, die das physiologisch gerechtfertigte Maß bcbeutenb überschreite. Tie Theorie des amerikaiiischeii Gelehrten, die mit den Planen des englischen Lords übeteinfliinntt, der feiner Stute das Freffen ab­gewöhnen ivollte, führte zu dem Schluß, daß es selbst bei der heutigen Nahrungsmiktelteuerung einem Arbeiter in bet Großstabt möglich sei, seinen Nahrungsbedarf mit 50 Pfennig pro Tag zu bestreiten, leidet aber an zwei logischen Fehlern. Zunächst ist das Hungergefühl bei den meisten Menschen stärker als der Imperativ einer am Schreibtisch ausgeführten Rechnung, wie viel NahrungS- mitteleinheiten pro Kilogramm des lebenden Menschenkörpers er­forderlich sind. Zweitens aber beweisen zahlreiche Beispiele aus allen Zeiten, daß ganze Rassen und Völker dem unaufhallfamen Niedergang preiSgegeben sind, wenn sie sich nicht satt essen können, hieran kann aber auch die Tatsache nichts ändern, daß viele Menschen, wenn sie es nicht besser haben können, mit sehr wenig Nahrung zu bestehen vermögen. Satt sein ist eben etwas anderes als der Zustand des Nichtverhungerns.

MSrtte.

Ctteßen, 21. Dez. Marktsericht. Auf heutigem ®oc6ett* markte kostete: Butter pr. Pib. 1,201.30 Mk^ Hühnereier 1 St. 1011 Pfg^ Enteneier 1 Stück 0 Pfg., Käse pr. St. 68 Pf., Käfematte pr. St. 66 Pfg., Tauben pr. Pr. 0,801,00 Mt., Hühner pr. St. 1,001,60 Mk^ Bahnen pr. Stück 0,801,80 Dck., Enten pr. St. lM-2,20 Mk., Gänse das Pfd. 75-85 Pfg^ Ochsen­fleisch pr. Pfd. 8492 Pfg., Rindfleisch pr. Pfund 8488 Ptg^ Kuhfleisch 70 Pfg., Schweinefleisch pr. Pfund 8096 Psg., Kalb­fleisch pr. Pfd. 7680 Pfg., Hammelfleisch pr. Pfd. 6084 Pfg., Kartoffeln pr. 100 Kg. 7.50 bis 8.00 Alk., Weißkraut baS Stück 20 bis 30 Psg., Zwiebeln per Ztr. 5,006,00 Alk., Milch bas Liter 20 Pfg^ Birnen per Ztr. 12-15 Alk., Aepfel per Ztr. 8 bis 12 Mk., Nüsse 100 Stück 50-00 Pfg., per Ztr. 000 Mk., Bohnen per Pfd. 0000 Psg Marktzeit von 82 Uhr.

Die nach- A p r 7 t A sind ron 12 ühr mittag* bi* 12 Uhr stehenden Avl L l v nachts nur (ttr dringende Fälle sicher anzntreffen Du/W

Sonntag; den 25. Dezember (1. Feiertag):

Dr. Kipper, Wilhelmstr. 2. Dr. Mueller, Liebigstr. 47.

Montag den 26. Dezember (2. Feiertag) I

Dr. Meyerhoff, Süd-Anlage 7.

Dr. Steinreich, Neuen Däne 22.

wöchentl. Uederficht öergoöesfälle L 0. Stadt Sieben.

51. Woche. Vom 11. bis 17. Dezember 1910.

Einwohnerzahl: angenommen zu 31,800 linkt. 1600 Mann Militär)« Sterblichkeitszisjer; 18,0 °lw nach Abzug von 5 Crtäfreinöeu: 9,81

Kinder

ES starben an: Zusammen:

Erwachsene:

im vom

Tuberkulose 1 (1)

Influenza 1

Lungenkatarrh 1 (1)

Herzkrankheiten 2 (1)

Scdlagflutz 1

Blinddarmentzündung 2 (1)

Krebs 2

totl. Körperverletzung 1 (1)

L Lebensjahr: 2.15. ?iahr.

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Sumina 11 (o) 11 (ö)-

An m.: Dte ui itiuuiuiern geitviua Ziffern geben an, nne viel der Todesfälle in der betrerrenben Krankheit auf von auswärts nach

Meteorologische Beobachtungen der Station Giehen.

Dez.

1910

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Gegründet 1825 hr*/n

Der GeschäftSsiand der Gesellschaft am 31. Dezember 1909 ergibt sich auS dem nachstehenden Auszug anS dem Rechnungsabschluß für daS Jahr 1909.

Grundkapital .< 9,000,000.*

Prämien-Einnahme für 1909 28,076,913.13

Ztnfen-Einnahme für 1909 . , 904,260.44

Prämien-Ueberträqe 10,443,933.93

Uebertrag zur Deckung außergewöhnlicher Dedürfniffe . . , 4,000,000.

Kapital-Reservefonds ...... , 900,000.

DtPibenben-ErgänzungsfondS ........ , 1,800,000.

Spar-ReservefondS 1,500,000.

JC 56,625,107.50

Versicherungen in Kraft am Schluffe des IahreS 1909 . . . . 15,849,316,037.

An Entschädigungen wurden von der Gesellschaft im Jahre 1909

gezahlt , 14,520,424.78

Seit ihrem Bestehen wurden von der Gesellschaft für Schäden über­

haupt bezahlt 336,620,301.60

Die Summe der dem Fonds für gemeinützige Zwecke seit dem Bestehen

der Gesellschaft zuqefloffenen Beträge beläuft sich auf . . . , 36,014,186.96

Die Gesellschaft übernimmt Versicherungen gegen Braud-, ExplosionS- und Blitz, schaden sowie WasserleitungHschäden, gegen die durch solche Schäden verursachten Miet' Verluste, ferner gegen Eiubruch-Diedstahl.

Darmstadt, den 1. Oktober 1910.

Die General-Agentur.

H. Klein.

Die Agenten der Gesellschaft.