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jgupoü) cm hettigen Abend mit dem van chnen geführten Christkind No. le von entern armen Mädchen aus einem
seltener aus dem eigenen Dorfe, übernommen wird. Als Honorar Nogel einen Taler und von jedem der beteiligten Minder einen Schwarzmehlknchen, „Platz" geheißen Das Cbrin-
L 11nT4n^5arJ^fr9cmt .Sein Ge^nd besteh?aus einet Unmenge, in Wochen langer Arbeit zusammen.«; enähter ! schmal er, seidener Bänder, wie sie zum Besatz der inbercKn^h !ublichen Trachtenstücke verwendet werden und wird, nachdem es ^semen Zweck erfüllt hat, ebenso sorgsam wieder in seine Einzelne standtnle zerlegt. /Den Kopf schmückt eine abenteuerlich aus- ff ons künsttichen Blumen, zwischen denen zahlreiche
SSSSm Das ®ete ist mit cimm SchlKr
Verhüllt, «on den fanden trägt das Cbriükind ^nrhA'^t ftum Anfbewahrrni der Geschenke und eine Rute zur Abwehr der (neugierigen Dorsbuben, die gar zu gern sein strena npmnhrtpä ^2- OONlw lüften wollen. Bänderverzierte Ruten schwingen ^auch '^CleLtCrinnat/-111^>. rochen, Wenns nötig ist, ausgiebigen gebrauch davon. So zieht die unternehmende Schar von HE Al-ell^elMile durch die dunklen Gassen, um ^en das Merkwürdige an diesem Christkindlein — .nuft Gaben auszuteckm, sondern zu empfangen. Und sie^fallen ^^er reichlich aus, so daß nach der Auslohnung der kleine ..Darstellerin immer noch em beträchtlicher Ueder schuß zur Be^ Iteiümg kommen kann. W ü ®uc
^lener Theaterbrief. Ein neues Mei-k hnn
'Schonherr. an schreibt uns aus Wien: In Karl Schön- cherrs neuester Dichtung „Glaube und Heimat" Se im '^e u t s ch e n V olkstheater ihre Uraufführung erlebte s nd ^zwei Urgefühle einer naiven Menschheit: Liebe zu Gott unb K'be zur Heimat, Himmel und Erde, Seele und Blut mit einer dichterischer ftraft gegeneinander gestellt, der in der ganzen Tia- a ^öttn Jahre nichts Größeres und nur wenig Gleich-
Antbtt??.» m a gereiht werden kann. Diese tragische Anthttese ist aus der besonderen Art eines Volkes geholt in fe_ ?les lL feinenJ andern naturgeboren vorhanden Gegenreformation werden Protestairtm von den Kat^liken geschieden und vpn Grund und Haus getrieben Bauern wurden zu Vagabunden gemacht. Sie werden an ibr^ verwundbarsten Stelle getroffen: in ihrem Stolz emHtück ErL BLT» 8U nCKnnCTL M ist die Tragödie der Entwurzelns *deT' katholische Weib von
dem lutherischen Mann gerissen, das unmündige Kind von seinen ff?rfbaf uebot des Landesherrn befiehlt, die Minder-
SnPM11 ^^ruhalten, um sie dem Marienglauben zurückzugewinnen. In organischer Steigerung bringt die Tragödie zwischen Glauben und Heimat m den engeren und tiefer schneidenden Kreis: ßHttube und Familie, Glaube und Elternschaft ein, denn auch
Linden, für deren Erleuchtung von neuem, auf beiden Seiten, gesorgt worden war, nachdem Brandenburger Tor; mehrere königliche Stallbediente mit Fackeln ritten nebenher. Der Zug tarn, bei Anbruch des Tages, in Charlottenburg an, wo die hohe Leiche beigesetzt wurde, und der Propst Herr Ribbeck, in Gegenwart Sr. Maj. des Königs, der mit den Prinzen, seinen et* lauchten Söhnen, von Potsdam herübergekommen war, zur Einweihung der Ihrer Maj. der verewigten Königin zum Begräbnisort dienenden Kapelle, eine passende Rede hielt. Das Schauspiel war an diesem Tage in Berlin geschlossen, und der ganze Hof, sowie mehrere andere, denen das Andenken an die beste Landesmutter noch im Herzen lebte, gingen schwarz. — Dem Publiko werden, wie es heißt. Tage bestimmt werden, an welchen ihm erlaubt sein wird, jene, die teuren Reste der königlichen Frau enthaltende Kapelle zu Charlottenburg zu besuchen."
Zwei Jahre später fand dann Rauchs ergreifend schöner Marmor) arkophaa im Mausoleum Aufstellung, der noch heute das tägliche Wallfahrtsziel vieler Besuchet ist.
, . — D e t u n m o r a l i s ch e B t i e f k a st e n. Der Postbrief- kaften, helfen Bedeutung man gerade um die Jahreswende recht eindringlich kennen zu lernen Gelegenheit hat, war noch vor einem halben Jahrbundert in verschiedenen Staaten Deutschlands nahezu unbekannt. An dem Hauptpostamt in Hannover war noch im Iahte kein Briefkasten vorhanden. Als ein vielgereister sachse den Mangel dieser Einrichtung im „Hannoverschen Volksblatt" beklagte, erfolgte sehr bald in dem gleichen Blatt eine geharnischte Entgegnung, durch die der Sachse über die moralische Verwerflich- kett der Briefkasten belehrt werden sollte: „Wer nur irgendeine Malice gegen jemand im Sinne hat, wer diesen verdächtigen, jenem einen Floh ins Ohr setzen, ein verlobtes Paar auseinander, bringen, Eltern und Kinder, Mann und Frau, Herren und Dienet usw. gegeneinander hetzen, überhaupt Zank und Argwohn säen will, von Schadenfreude und Tücke getrieben, der setzt sich hin, schreibt einen Brief voll Verleumdungen ohne Unterschrift und steckt ihn in den Briefkasten. Anderseits gibt solch ein Kasten auch eine vortreffliche Gelegenheit ab zu zärtlichen Mitteilungen, Liebesbriefen usw., die man sonst Mühe hat an den Mann zu bringen oder an die Frau oder Tochter. Daß damit der Anknüpfung von Liebeshändeln ein großer Vorschub geleistet werde, ist nicht zu verkennen.
— Kurze Nachrichten aus Kunst u. Wissenschaft, ^ur eine neue holländische Expedition in das L>chneegebirge Neuguineas zur Vervollständigung der Ergebnisse der beiden Lorentffetzen Unternehmungen von 1007 und 1909 sind für das Jahr 1911 20 OoO Fres. von der Kolonialregierung auSgewor eu. Tie Führung wird nach dem »Globus* walirfcheuilich I. W. v a n Nouhuyö, dem Topographen der zweiten Loieutzscheu Expedition übertragen werden.
die ist nur em Stück Mensch geworbene Erde; aus Erde kommen wir, zu Erde werden wir. Haus und Hof hat der Rott Christoph schon gelaßen, nun nehmen sie ihm auch den Buben, den Spatz Aber das lebendige Blut läßt schwerer von dem, von welchem es kam, als der dumpfe Boden von dem, der ihm die Frumt- barkett abrang Ter <-patz will mit seinem Vater, er ent- w'schk dem Soldatenhauptmann, der ihn zurückhält, er springt m denMu^bach, und der wirft ihn tot ans Land. Seine ganze Fruchtbarkeit laßt der Bauer hiitter sich, die im Boden und die im Sohn. Er ist heimatlos in der eigenen Heimat. Nun wird ihm seine Wanderschaft leichter In so primitiver Großzügigkeit ist das Drama Schonherrs gestaltet. In dieser primitiv heroischen fu tolIl es ^spielt sein. Allein von den ehrlich bemühten Darstellern des Volkstheaters langte nur Frau Hetsey an dieses Maß. Herrn Thallers Christoph war schlicht und gütig, aber nicht „fast über einen Menschen". Und so wurde es denn manchmal nicht ^chonherr oder Egger-Lienz, sondern Defregger. Aber vielleicht haben die Leute gerade darum so enthusiastisch geklatscht.
Tr. H. W.
tt *9 *5 e kotzte Fahrt. Die vielbeweinte Königin war nach ihrem Tode uznachst vorläufig im Berliner beigesetzt worden; aber von vornherein bestand der Wunsch ihr eine besondere Gedächtniskirche zu errichten, und Schinkel hatte den architektonischen Entwurf dazu bereits im Oktober 1810 ^r. Berliner Kunstausstellung, die auch eine Sammlung von Luisenbildern enthielt, ausgestellt. Der König aber hatte in der richtiger Erkenntnis, daß die Zeit und das Land für einen großen Kirchenbau zu arm sei, nach den Entwürfen des Hosbaurates Gentz das Grabmal im Charlottenburger Schlosse bauen Uffen Dorthin wurde der Sarg der Königin 1810 am •öabrestage ihres Einzuges in Berlin, am 23. Dezember in den En Morgenstunden übergeführt. Die von Kleist redigierten ;5?Erlmer Abendblätter" brachten über diese letzte Fahrt der Königin Luise den folgenden Bericht:
ft-*. tcru um. 4 Uhr wurde der Leichnam Ihrer Majestät der verewigten Königin, ganz in der Stille, aus dem hie- slgen Dom, wo derselbe bisher gestanden, in die, zu diesem Zwecke erbaute, Kapelle nach Charlottenburg gebracht. Ter Sarg, auf welchem sich, wie an dem Tage der feierlichen Beisetzung, die Krone besand, wurde von einigen königlichen HauSofsizanten, durch eine Reihe von Garde du Corps, die in dem Tom aufgestellt war, aus den, vor tfem Tomportal haltenden und mit acht gerben bespannten Leichenwagen gebracht. Se. Exzellenz, der Gouverneur, Graf von Kalkreuth, die Kammerhcrren Ihrer ^^^igten Königin, und einige andere Herren waren bei dieser Feierlichkeit gegenwärtig. Von hier aus ging hS»k»X.ctner J111 en unb geacn das Ende regnigten Nacht,
unter Bedeckung einer Kompagnie königlicher Fußgarde, tzurch feie
an den Wrri ersetzt. Der Wirt' als Zeuge bemerkt, daß er bii ganze Sache für einen Streichs aber sicher nicht als Diebstahl aufgefaßt hat. Lück sei am Montag, als er seinen Rausch ausgeschlafen gehabt, unaufgefordert zu ihm gekommen und habe die Zigarren bezahlt. Der Wirt verwahrt sich dagegen, daß er. den Fall Mir Anzeige gebracht, es sei durch einen Polizeidienep geschehen, der ihn über den Fall befragt habe. Das Kriegsgericht erkannte in Ueberemftimmung mit dem Anträge des Anklagevertreters auf Freisprechung.
Berlin, 23. Dez. In dem Mielt'schiener Prozeß wurden verurteilt: der Angeklagte Breithaupt zu 8 Monaten Gefängnis und 990 Mk. Geldstrafe, ober für je 15 Mk. einen Tag Gefängnis; Engel zu 3 Monaten Gefängnis und 460 Mk. Geldstrafe, oder 46 Tage Gefängnis; Wrobel zu einem Monat Gefängnis und 130 Mk. Geldstrafe, ober 13 Tage Gefängnis; Wendiand zu einem Mconat Gefängnis; Schüler und Langzu je 30 Mk. Geldsttafe oder 6 Tagen Gefängnis; R i e m - schneider zu 50 Mk, Geldstrafe oder 5 Tage Gefängnis. Tie Angeklagten Habedank und Brofinski wurden, freige- s p r o ch e n.
München, 22. Dez. Das Schöffengericht verurteilte den Hofopernsänger Max G i l l m a n n, der den Opernkritiker der „Mün. Neuest. Nachr." Rechtsamvalt Dr. D i l l m a n n auf offener Straße mit einer Ohrfeige bedroht hatte, tvegen Beleidigung zü 120 Mk. Geldstrafe. .......
Gerichtssaal.
r ®,le6 = i* l- 24. T-z. Kriegsgerichtder 21. Divi- ton. Am Dienstag verhandelte das Kriegsgericht in der alten Kaserne in zwei Fällen: Ter Gerichtshof war zusammengesetzt aus JJcaior v. Ro gues vom Bezirks ko mmando als Vorsitzender Kriegsgerichtsrat K r e h als Verhandlungsleiter, dem Hauptmann Z o l d a n und den Oberleutnant v. B o e l t z i g und W o l f s als Beisitzer. KriegsgerichtsratO b e n a u e r vertrat die Anklage. Leutnant Moeller war als Verteidiger anwesend. Angeklagt warendie Musketiere Winter und Jung von der 7. Kompagnie des 116. ^ns.-Regtin. wegen Achtungsverletzung. Jung, der sehr unsugsam ist und auch mit Kameraden Händel sucht, hat während ber Dienstzeit bereits 118 Tage im Arrest verbracht. Winter hat beim ölurreinigen in Unkenittnis des Dienstes übersehen, einem vorübergehenden Unteroffizier die Ehrenbezeugung zu machen ^>ung machte dem Winter darüber Vorhalt unb erklärte, daß er ibn anzeigen werde, wenn es der Unteroffizier nicht melde Es kam zu einem heftigen Wortwechsel; Winter hielt dabei dem Jung seine hausigen Bestrafungen vor und soll auch, wie Jung erklärte, geäußert haben, der Unteroffizier sei verrückt. Jung meldete seinen Kameraden wegen der angeblichen Bemerkung zur Bestrafung Gegen beide wurde nun die Anklage wegen Achtungsverletzung erhoben, die aber mit Freisprechung für beide endete. Tas Kriegs-
glaubte dem Winter, daß er die Bemerkung, er ist „verrückt , nicht auf den Unteroffizier, wozu auch keine Veranlassung vorlag, sondern auf^ Jung, mit dem er sich herumhankte, gemünzt £-at?e" -r. <f -aud) \>un9 niußte freigesprochen werden, weil in der Tatsache allem, daß er den Vorfall gemeldet hat, eine Achtungsverletzung nicht erblickt werden kann.
~ zweiten Verhandlung, die sich gegen den Zjährig-
Zreiwrlligen Lück vom 14. Tragoner-Regimertt Colamr wegen Diebstahl richtete, vertrat Kriegsgerichtsrat Heß die Llnklage. Knegsgerlchtsrat Obenauer funaierte als Verhandlungsleiter. Lück
.an, daß er in Wetzlar Ende Juli mit 8 Bekannten eines Abends Icr Liter) und nock) einige Runden getrunken hat, er sei betrunken gewesen und habe ohne recht zu wissen, was er getan, von emem Bord in der Wirtsstube einige Kisten Zigarren genommen und diese an seine Kameraden verteilt, später aber den Wert derZigarren
wie der Japaner zeichnen lernt.
Die japanische Zeichenkunst und Malerei, die in den letzten Jahrzehnten den Künstlern Europas so große und fruchtbare Anregungen geschenkt hat, birgt auch für den Fachmann noch heute ihre technischen Geheimnisse, die zu ergründen schon mancher Praktiker versucht hat. Im „Art Journal" erzählt nun Sir F. T. Piggott, der jahrelang in Japan gelebt und im Dienste der japanischen Regierung gestanden hat, allerlei intime Einzelheiten aus der Werkstatt der japanischen Künstler und gibt dabei eine sesselnde- minutiöse Schilderung der Lehrmethode, mit der Japan seine Zeichenkünstler heranbildet.
Für den europäischen Kunstfreund hat seit jeher die verblüffende Fähigkeit der Japaner, rasche Bewegungen in Linie und Form fest^uhalten, etwas Bewundernswertes gehabt; die fast spielerische Sicherheit, mit der die japanischen Künstler beispielsweise den Vogelslug auszudrücken wissen, schien immer aus eine ausgesprochen impressionistische Schaffensweise hinzudeuten, auf ein augenblickliches Festhalten des Gesehenen. In Wirklichkeit wird die überraschende Unmittelbarkeit, das gleichsam im Fluge erhaschte Leben dieser Darstellungen durch eine mühsam erworbene Routine im Detail erreicht, durch eine komplizierte Lehrmethode, die für europäische Kunstbegrisfe auf den ersten Blick sogar etwas Pedantisches und Schematisches haben mag. Ja, diese Kunstpädagogik gemahnt nicht wenig an die Art, wie bei uns den Kleinen das Schreiben gelehrt wird, wie sie in ihren Heften Seite um Seite zuerst mit Grund- und Haarstrichen anfüllen, um die Hand allmählich xwc Bildung von Buchstaben zu erziehen. Eng nebeneinander gepreßt kauern beim Zeichnen in Japan Lehrer und Schüler zusammen, man begreift kaum, daß der Schüler in dieser beengten und unbeguemen Stellung arbeiten kann. Der Lehrer bringt keine Modelle, keine Vorlagen mit, er trägt eine Modelle im Kops. Das Erste, was erlernt wird, ist die Darstellung eines fliegenden Sperlings. Der Schüler be- ;innt mit Uebungen in der Handhabung des großen Pinsels, )er am unteren Ende haarscharf zugespitzt ist. Blatt um Blatt wird dann gefüllt, nicht etwa mit einem Umriß des ganzen Vogels: nein, einzelne Teile werden unzählig oft wiederholt. Zuerst der offene Schnabel mit der zarten, einen Linie, oie die Zunge andeutet; dann ebenso oft das iluge, dann das Augenlio. Und nun, wenn diese Einzelheiten unendlich oft wiederholt sind, dann erst dürfen z. B. Schnabel und Auge zusammen geübt werden. Der Pinsel wird dabei mit .Wasser getränkt, die schwarze chinesische Tusche nur mit der feuchten Spitze von der Palette abgenommen. Der leichteste Druck läßt den Pinsel sich krümmen, und das Wichtigste ist auch die Gewandtheit und Er- ahrung in der leichten Haltung des Pinsels. Das ist nur möglich, wenn man den Pinsel auf japanische Weise hält, und ebenso wichtig für das Ganze ist dabei die kauernde Stellung, die der Japaner bei der Arbeit einnimmt. Für Kops und Körper des Vogels wird bann ein anderer Pinsel verwandt, der etwas dünner ist und dessen Spitze eine etwas geringere Biegsamkeit hat. Mit diesem Pinsel wird im Gegensatz zu dem andern die Farbe direkt übertragen, die Umrißlinien sind bereits dünn angegeben, unb nun folgen bie breiteren Striche, bie zunächst bte Febern wiedergeben
— Mrche tutfc Schule.
Ein Ausruf wegen des ModerniPeneides. Die Krausgesellschaft, die ihren Sitz in München hat, verbreitet zu Weihnachten 1910 folgenden »Ausruf an alle deutschen Volksgenoffen":
Ter deutsche katholische Klerus sieht heute mitten m einer Katastrophe a l l e r s chw e r st e r A r t. Man nötigt ihn zu einem Eid, der gegen das Gewissen jedes vorurteilsfrei denkenden und an eine Fortentwicklung menschlicher Kutter glaubenden Katholiken gerichtet ist. Wohl haben viele Geistliche den Schwur schon geleistet. Vielen barg er auch keinerlei Schwierigkeiten. Auf eine kleine Schar indes darf man rechnen, die fest entschlossen ist, eher alle Drangsale zu erdulden, als sich mit einem Schwur zu belasten, gegen den ihr Gewissen sich sträubt. Weitere können noch im letzten Augenblick vor dumpfer Resignation bewahrt bleiben, wenn sie erfahren, daß sie nicht allein stehen, wndern daß ihnen httfreiche Hand geboten wird. Und manchem, der bereits den Eid geleistet hat, wird noch die Stunde der Erkenntnis kommen, daß dieser Schritt nicht die richtige Lösung des schweren Gewissenskonfliktes war. Auch ihnen soll nachträglich noch ein Ausweg eröffnet werden. Auch Kandidaten der Theologie unb Priefterseminarisien werden in Zukunft an der. Schwelle der Weihen ob des Eides sich vor die gleiche Ge- wiisensfrage gestellt sehen. Sie werden dann den Schritt zu geistiger und sittlicher Freiheit eher wagen können, wenn ihnen neue Lebensbahnen erschlossen werden.
So fragen, wir denn unsere beutschen Volksgenossen ohne Unter)ebteb des Bekenntnisses, ob sie nichts übrig haben für biejen echt christlichen, nationalen und kulturellen Zweck, ob sie nichts tun wollen zur Unterstützung von Geistlichen unb Theologie- Ltudierenden, welche der Modernisteneid und die übrigen neueren, auch die etwa noch zu erwartenden vatikanischen Kundgebungen zum Verlassen ihrer geilttichen Stellung oder Laufbahn zwingen. Helft uns einen Fonds schaffen, der für Gegenwart und Zu- •utift uns in den Stand setzt, solchen Geistlichen oder Kandidaten mrch Stipendien und Darlehen neue Berufe und Existenzen zu erschließen und Einrichtungen für Vermittlung von Unterkommen zu schaffen.
Nom, 23. Dez. Der katholische „Corriöre d'Jtalia^ veröffentlicht einen Artikel, der in der nächsten Nummer der „Revue Roma Oriente" erscheinen wirb. Im Artikel, der von der Direktion der bRevue" gezeichnet fein wirb, sollen bie Behauptungen des Artikels beS Prinzen Max v on Sachsen als irrig wiberlegt werben. „Corriöre b'Jtalia" sagt, man hoffe, baß infolge der Veröffentlichung dieses Artikels ber schmerzliche Zwischenfall, ben der Artikel des Prinzen veranlaßt hat, zur allgemeinen Zufriedenheit beigelegt sein werbe.
Kreis Wetzlar.
i ---- LaunSbach, 23. Dez. Unser Kirchlein war cheute abend bis auf ben letzten Platz besetzt. Um ben stattlich geschmückten Tcwnenbaum war Alt und Jung versammelt, um daS Weihnachtsfest würdig einzuleiten. Die won ber Schuljugenb vorgetragenen bekannten Weihnachts- llieber fanben auch in manchem alten Herzen frohen Widerhall. Die unter die Kinder verteilten Jugenbschriften bieten 'für bie Fest- unb Ferientage reichen Lesestoff.
Hessen-Naflau.
^Marburg, 23. Dez. Nach dem jetzt vorliegenden .amtlichen Ergebnis der letzten Volkszählung hat /Marburg 21869 Einwohner gegen 20136 im Jahre 1905. /Die Zahl der Haushaltungen hat sich von 3547 auf 3911 junb die der bewohnten Gebäude von 1539 auf 1724 vermehrt. Von ben 21869 Einwohnern finb 10916 männlichen unb 10953 weiblichen Geschlechts.
4- Seelbach b. Lohra, 23. Dez. Bei einem Nach- treiben unseres JagLpächters Hartmann aus Heuchelheim, an dem sich acht Jäger beteiligten, würben 8 Stück Rehwild erlegt, darunter eine Geis, bie aufgebrochen 45Pfb. wog. Unsere Jagd wirb im Februar k. I. wieber leihfähiq. ,. Frankfurt, 23. .Dez. In der vorletzten Nacht wurde jin Klingenberg ent Einbruch verübt und ein größerer Betrag an Staatspapieren und Bargeld gestohlen. Der Einbruck)s- | bub ft am wurde der Frankfurter Kriminalpolizei mitgeteilt, die alsbald eine Sperre unb Ueberwachung der hiesigen Banken anordnete. Kaum daß diese Aiwrdnungen getroffen waren, fand sich auch schon der 30jährige Phil. Freyeisen von hier bei einer Bank ein unb bot dort einen Teil der gestohlenen Wertpapiere zum Verkauf an; er wurde sofort feftgebalten Ein weiterer Komplize, der 24 Jahre alte Peter Wetzel von hier bat sich etwa 1000 Meter von der Bank an einer Ecke auf- gestellt unb erwartete dort das Ergebnis. Ein Kriminalbeamter, dem ber Bursche bekannt war, nahm auch ihn fest. Die Hälfte der Wertpapiere, sowie auch von dem Bargeld fand sich in dessen Besitz. Der dritte, der 24 Jahre alte August Kilian von hier, wurde t der letzten Nacht gegen ein .Uhr in einer Wirtschaft der Altstadt unter fideler Gefellschaft heraus verhaftet.' Er trug ebenfalls noch einen Teil ber Beute bei sich. Sämtliche brei Verhaftete sind tnegm Einbruchs-Diebstahl, Zuhälterei und son- Jliiger Delikte mit Zuchthaus vorbestraft. — Aus Eisenach gelangte gestern abend die Nachricht nach Frankfurt, daß dort em Kroate verhaftet worden sei, der verdächtig ist, den Mord auf dem Griesheimer Exerzierplatz begangen zu haben, wett er eme Uhr trug, bie der von Biener ähnlich sei unb Kratz- wunden im Gesicht hatte. Er konnte aber, wie uns heute morgen em Privattelegramm meldet, sein Alibi für ben Tag des Mordes nachweuen. Die Uhr hat er, wie er eingestand, ge- Kohleen, aber nufa in Frankfurt. Auch gegen den Taglöhner «Knapp ift tat Verjähren eingestellt worden. J
‘torfgatte von 30t 107^58 Mk. okWoA fonitSe Nicht's zu erinnern gefunden. Tas Gesuch des Heinrich Heiser von 2ornl>olzl>ausen, Ankauf seines in ber Petersttiengasse hier gelegenen Wohnhauses 'für bie Stadt oder ben Armenfonds betreffend wurde abgelehnt. Tie Hebamme Frau Leyerzapf hat um ihre Pmisionierung unb Entlassung nachgesucht. Um die freigeworbene Stelle bat sich !bie Hebamme Frau Müller von Schwalheim beworben. Ta das Gesuch ber Frau Müller von dem Kreisgesundheitsamt Friedberg :zur Berücksichtigung empfohlen worben ist, wurde beschlossen,, sie , als Hebamme für Butzbach anzunehmen, unter der Bedingung, baß Frau Leyci^apf bei Diensteintritt ber Frau Müller ihre Berufs- tätigfeü vom Tage ihrer Pensionierung an einstellt.
— Bad-Nauheim, 23. Dez. Die Verwalterskelle bes ^Genesungsheims für Angehörige ber Reichs -Post- unb Lelegraphenverwaltung in Bab-Nauheim ist zum fL April 1911 neu zu besetzen. Bewerber haben sich an bas 'Postamt in Bab-Nauheim zu wenden. Beamte mt Ruhestände ober -Witwen von solchen Beamten werben bevorzugt^
\ Starkenburg und Rheinhessen.
d. Mainz, 23. Dez. Der 35jährige Goldschmied Emil /Loch aus Obersiein, der sich hier vorübergehend einlogiert chatte, wurde bin chdie Aufmerksamkeit eines Postbeamten '.von der Polizei verhaftet, als er einen bedeutenden jGeldbetrag, der postlagernd auf eine gefälschte Postanweisung angewiesen war, erheben wollte. Loch, der ♦an auswärtigen Postanstalten mehrere Tcrusend Mark auf gefälschte Postanweisungen, die ordnunasgemäß eingetragen .waren, erhoben hatte, verweigerte dem Untersuchungs- jrichter jede Angabe über seinen Mitschuldigen, ben er unbedingt bei ber Post an den Aufgabestellen gehabt haben muß. Die Reichspost ist durch die Betrügereien um mehrere Tausend Mark geschädigt. Eine eingeh.end.e Untersuchung äst ein geleitet, j


