Ausgabe 
3.9.1910 Drittes Blatt
 
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Nr. 206

Drittes Blatt

Jahrgang

Samstag 3. September 1910

Gießener Anzeiger

Erscheint täglich mit Ausnahme des Sonntags.

General-Anzeiger für Oberhessen

Die

R^ativnsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäls Buch- und Steindruckerei. R. Lange, Gießen.

Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul­straße 7. Expedition und Verlag: e^51. Redaktion.^^112. Tel.-Adr.:AnzeigerGießen«

Die ^Oiehener Zamilienblätter" werden dem »Anzeiger* viermal wöchentlich beigelegt, das lkreirblatt für den Kreis Gießen" zweimal wöchentlich. DieLandwirtschaftlichen Zeit- fragen'' erscheinen monatlich zweimal.

Automobile und Unfälle.

So ziemlich die gesamte hessische Presse hat anerkannt, daß dem bekannten Borgehen des Reichs- und Landtags­abgeordneten Köhler durchaus berechtigte Empfindungen, zu Grunde liegen, und Zuschriften aus dem Publikum reden gleichfalls eine deutliche Sprache. Bei der im Hessischen Landtag zu erwartenden Aussprache über das Automobil­wesen werden folgende statistische Feststellungen, ine derMünsterische AnZ." jüngst brachte, von allgemeinem Interesse sein:

Die am Anfang dieses Jahres veranstaltete Zählung von Kraftfahrzeugen ergab für Preußen insgesamt 24 757 Kraftfahr­zeuge zur Personenbeförderung. Davon waren 11 235 Kraft­räder, dec Rest Kraftwagen. Außerdem gab es noch 1782 Kraft­fahrzeuge zur Lastenbeförderung, wovon allein 965 auf Berlin und Brandenburg und 293 auf Rheinland entfielen. Für einige Provinzen ergab sich die folgende Ziffer von Kraftfahrzeugen:

Provinz Stadt Berlin

Personenbeförderung

2714

Lasteilbesörderung 723

nur in

tzer

ganz

von den Führern der Fahr-

1755 verletzt und 188 getütet

und

Berlin

242

24

74

59

32

95

293

3833

630

2141

1962

2284

2003

4532

Brandenburg Pommern.

Schlesien .

Sachsen .

Hannover.

Westfalen .

Rheinland

Personen wurden insgesamt zwar zählte man in:

Verletzte 843

Getötete 36

521

31

84

44

235 Besi

auf:

2644 Ereignisse

zeuge entzog sich eine Verhältnis mäßig geringe, aber immer noch zu hohe Zahl der behördlichen Feststellung durch die Flucht.

Berlin ....

Brandenburg . . . Pommern .... Sachsen Westfalen ....

Rheinland ....

Ermittelt wurden die wenig Fällen nicht und auch

Schädigende Ereignisse kamen in Preußen insge­samt 4049 vor. Auf 6 Fahrzeuge kam also immer ein Ereignis im ganzen Jahre. Davon entfielen

Brandenburg . . . 283

Sachsen .... 56

Westfalen .... 38

Rheinland .... 197

Pommern .... 24

17

8

3

19

2

Von den Verletzten waren 416 Führer oder Insassen und 1339 dritte Personen, von den Getöteten waren 31 Führer oder Insassen und 87 dritte Personen. Der außerdem ver­ursachte Sachschaden wurde auf rund 607 000 Mk. berechnet, der in der Hauptsache, nämlich mit 475 403 Mk., auf zertrümmerte

und beschädigte Kraftfahrzeuge entfiel. Dieser Sachschaden be­rechnete sich in:

Berlin auf 148 573 Mk.

Brandenburg.... , 217 201

Pommern 4 895

Sachsen 30 344 ,

Westtalen 3 324 ,

Rheinland 104 888

Von den 1755 Verletzungen kamen 1281 auf Großstädte, 149 auf Städte, 102 auf Torfstraßen und 223 auf Landstraßen oder Chausseen. Ferner wurden 59 Personen in Großstädten, 3 in anderen Städten getötet, 12 wurden auf Dorfstraßen und 44 auf Landstraßen und Chausseen getötet.

Mein-Deutschland in England

kann wohl, so wird uns aus London geschrieben, mit Recht die ausgedehnte Farm in Little Munden in Hert-, fortshire genannt werden. Etwas abseits von den Ver­kehrslinien leben dort Hunderte Deutsche in ihrer eigenen Welt und geben sich der friedlichen Beschäftigung der Obst­

kultur, der Geflügelzucht und dergleichen bekömmlichen Din­gen hin. Das deutsche Vaterland ist immer lebendig in den Gedanken der Kolonisten, und tn Pausen von einigen Wochen geht je eine Gruppe von Kolonisten nach Deutsch­land zurück, während ihre Plätze in der Kolonie von neu ankommenden Arbeitskräften wieder besetzt werden.

Diese Kolonie ist eine Anstalt, die den Zweck verfolgt, ins Elend geratenen Deutschen Gelegenheit zur Rückkehr in ihre Heimat zu geben, aber nicht etwa in der Weise, daß Bittstellern die dazu nötige Summe in Bargeld einfach ausgefolgt wird, nein, die Anstalt verfolgt auch einen sehr lobenswerten erziehlichen Zweck. Will ein ins Elend ge­ratener Deutsche in die Heimat zurück, so wird ihm Gelegen­heit geboten, durch seiner Hände Arbeit sich die Rückkehr zu erarbeiten. Viele junge Leute kommen nach England und besitzen hauptsächlich nur den Enthusiasmus und guten Willen, möglichst rasch englisch zu lernen und in Stellung zu gelangen, vielmehr wollen sie die künftige Stellung erst dazu benutzen, um sich mit der Sprache vertraut zu machen. Ihre Mittel sind sehr bescheiden, in der Regel früher ausgegeben, bevor sie in den Besitz einer Stellung gelangten, und so befinden sie sich bald im Zustande des krassesten Elends, ohne Kenntnis der Landessprache und ohne hinreichende Mittet, um eine bittere Erfahrung reicher die alte Heimat auszusuchen. In diesen Fällen, die sehr häufig vorkommen, erweist sich die deutsche Arbeiterkolonie in Hertford als ein Rettungsanker, der schon manchen jungen Deutschen vor dem Schlimmsten bewahrt hat.

Ein Vertreter derDaily Mail" hatte unlängst die Kolonie besucht und berichtet über die erhaltenen Aus­künfte in eigentlich sür dieDaily Mail" sehr sympathischer Werse.

Er äußert sich folgendermaßen:

Einige Meilen von Little Munden entfernt und von der nächsten Bahnstation, also ganz abgelegen vom Verkehr und auch von jedem englischen Leben liegt inmitten einer landschaftlich anmittigen Gegend die deutsche Arbeiterkolonie. Wer aus dem geschäftigen Treiben Londons und seinem mehr als geräusch­vollem Verkehrs- und Straßenleben kommt, fühlt sich umfangen von einer landschaftlichen Idylle, wie sie die Stimmung eines Großstadtmüden nur sympathisch und anregend berühren kann. In der aus Obstgärten, Getreidefeldern und Wald- und Heide­land bestehenden Kolonie sind die einzelnen notwendigen Gebäude verstreut, darunter das Hauptgebäude mit dem großen Schlaf- und Speisesälen, den Werkstätten usw.

Die Obst- und Gemüsegärten befinden sich in unmittelbarer Nachbarschaft des Hauptgebäudes. Unter den verschiedenen Ar­beitsgruppen wurde uns auch eine vorgestellt, deren Mitglieder sich aus Kellnern, Handlungsgehilfen und Arbeitern zusammen­setzen. Die Kellner nahmen mit sichtlichem Vergnügen an den Gartenarbeiten teil.

Kein Deutscher hat es nötig, obdachlos und arbeitslos in England zu sein," sagte der uns führende Beamte.Nach zwei monatlicher Arbeit in unserer Kolonie kann er die heimat­lichen Gestade wieder betreten, wenn er will."

600 Deutsche nehmen die Kolonie alljährlich in Anspruch. Durch­schnittlich beschäftigt die Kolonie 90 Arbeitskräfte, die augen­blickliche Anzahl ist bedeutend größer."

Die nach- A p sind am Sonntag dem l. Sept. stehenden alvlZilü von 12 Uhr mittags bis 12 Uhr nachts nur für dringende Fälle sicher anzutreifen: [D/9

Dr. Mueller, Liebigstr. 47. Ur. Stuhl, Seltersweg 79 a.

Auszug a. ö. Standesamtsregistern der Stadt Siehe».

Aufgebote.

August. 26. Ludwig Hofmann VI., Metzger in Gießen, mit Maria Moos in Lollar. 26. Wilhelm Lttdwig Haustein, Psarr- assistent in Gießen, mit Helene Bangert in Butzbach. 27. Hugo Ernst Kaldeweier, Ingenieur in Gießen, mit Maria Elsa Troll in Aue. 29. Wilhelm Feuerbach, Maler in Gießen, mit Lina Möhn in Dauborn-Ensingen. 30. Albert Knorr, Kauimann in Darm-

Iladt, mit Lina Emilie Lüter in Gießen. 30. Anton Schoenecker, Kaufmann in Reichenschwand, mit Elisabeth Glimser in Gießen. 30. Dr. Philipp Schweickert, Veterinärarzt in Gießen, mit Helma Margarete Ottilie Brückmann in Dortelweil. 31. Ludwig Mohr, Buchdrucker in Gießen, mit Anna Maria Lorenz in Mainz. September. 2. Richard Hünig, Kaufmann, mit Emma Kreuder, beide in Gießen.

Eheschließungen.

August. 27. Wilhelm Schwarz, Lehramtsassessor, mit Auguste Frech, beide in Gießen. 27. Friedrich Schmalz, Gerichtsschreiber- Aspirant, mit Elisabeths Dorothea Katharine Gibb, beide in Gießen. 27. Heinrich Lenz, Prokurist in Oelde, mit Elise Jung in Gießen. 27. Karl Schäler, Bahnarbeiter, mit Anna Stückrath, beide in Gießen. 31. Gustav Sepp, Krankenpfleger, mit Berta Wölber, beide in Gießen. September. 1. Anton Küchler, Kaufmann, mit Anna Hagen, beide in Gießen.

Geborene.

August. 26. Dem Sergeanten Heinrich Schäfer eine Tochter. 27. Dem Fabrikarbeiter Peter Wagner ein Sohn, Hermann Wilhelm. 27. Dem Steinmetzmeister Louis Schmidt eine Tochter, Emma Klara Helene Henriette. 28. Dem Hausburschen Karl Bornträger eine Tochter, Elisabethe. 29. Dem Zimmermann Andreas Döring eine ^Tochter, Ottilie. 31. Dem Elektromonteur Franz Ellermeier eine Tochter, Karoline Elisabeth. Sept. 1. Dem Schneider Karl Horeyseck ein Sohn, Kurt Friedrich Wilhelm.

Gestorbene.

August. 27. Anton Zirbus, Former, 42 Jahre alt, Kaiser- Allee 40. 30. Johanna Schäler, 85 Jabre alt, Wilhelmstraße 13. 31. Christian Best, Wiegemeister, 68 Jahre alt, Sonnenstratze 5. September. 1. Peter Ludwig Schupp, 3 Jahre alt, Walltor- straße 63.

Kinder, die rasch wachsen,

sehen oft blaß und müde aus und es scheint ihnen die rechte Lebenslust zu fehlen. Ebenso wie zarte Pflanzen bedürfen auch oft die Kinder während des schnellen Wachsens einer Stütze in Form eines Kräftigungsmittels. Nichts ist hier mehr am Platze, als die langbewährte Scotts Emulsion, worüber die nachstehenden Zeilen Aufschluß geben:

Magdeburg-Sudenburg, Rottersdorker Str. 1, 21. Juli 1909.

Mein 9-jähriges Töchterchen Helene ist auffallend schnell in die Höhe gegangen und während dieser Zeit wurde sein durch das rasche Wachstum sehr in Anspruch genommener Körper durch, den regelmäßigen Gebrauch von Scotts Emulsion vorttefflich gekräftigt. Es zeigte sich dies am besten in der Gewichtszunahme, welche nach noch nicht 2 Flaschen bereits 4 Pfund betrug. Auch das Aussehen des Mädchens ist immer ein gutes und kräftiges. Verschiedene Beschwerden, die während des schnellen Wachs­tums eingetreten waren, sind durch den Gebrauch von Scotts Emulsion verschwunden."

(gez.) Frau Helene Pöpel.

Die äußere Verpackung von Scotts Emulsion wird vielfach täuschend ähnlich nachgeahmt. Ihre Wirkung kann aber nicht nachgeahmt werden, und darum vergesse man nicht, nur die echte Scotts Emulsion zu gebrauchen, deren Erkennungszeichen unsere weltbekannte nebenstehende Schutzmarke ist.

Scotts Emulsion wird von uns ausschließlich im großen verkauft, und zwar nie lose nach Gewicht oder Maß, sondern nur in versiegelten Origrnalflafchen in Karton mit unserer Schutzmarke (Fischer mit dem Dorsch). Scott & Bowne, G. m.> b. H., Frankfurt a. M.

Bestandteile: Fernster Medizinal-Lebertran 150,0, prima Glyzerin 50/), unterphosphorigsaurer Kalk 4^}, unterphosphorigsaureS Natron 2,0, puiv. Tragant 3,0, feinster arab. Gummi pulv. 2,0, Wasser 129,0, Alkohol 11,0. Hierzu aromatische Emulsion mit Zimt-, Mandel- und Gaultheriaöl je 2 Tropfen.

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