Montag 28. Februar 1910
Drittes Blatt
160. Jahrgang
Nr. 49
Erscheint tSglich mit Ausnahme beS Sonntags.
eines Einzelausstellers
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Regen warten, versäumten infolgedessen den um '0* U\. _ --*• ar abgehenden Zug mtb konnten erst mit bem.^rui
gesehen werden.
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)( Gießen, 26. Febr.
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Die „-iehener Lamtttenblätter" werden dem .Anzeiger^ viermal wöchentlich beigelegt, das „Kreisblatt für den Kreis Stehen" zweimal wöchentlich. Die .Landwirtschaftlichen Seit- fragen" erscheinen monatlich zweimal.
nach Wetzlar abgehenden Zug imb konnten erst mit bem^^rut 1" Uhr weiterfahren. Es ließe sich doch gewiß so ctyrichien, daß zu dem voraussichtlichen Theaterschluß — wenigstens am Mitt
woch — immer ein Wagen am Theater wartete, wie dies ja; auch auf dem Theaterzettel vermerkt ist.
Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts - Buch- und Steindruckerei. R. Lange, Gießen.
nur 3720 äetniacbeiter uoc. Tas eigeiitlutie Herr,cha?tsgebiet der Heimarbeit bleiben Bekleidungsgewerbe und Textilindustrie: sie vereinen Dreiviertel aller Heimarbeiter. In der nächsten Reihe marschieren dann Holzindustrie, Nahrungs- und Genuß- mittel und Metallverarbeitung. Bekleidungsgewerbe und Textilindustrie sind auch die eigentlichen großstädtischen Formen der Hausindustrie; die anderen Gruppen fallen in der Beziehung kaum ins Gewicht.
Im Reiche im ganzen sind in den größten Hausindustrien, dem Textil- und dem Bekleidungsgewerbe, die Frauen unverhältnismäßig stärker als die Männer vertreten. Aus 107 931 Viünner entfallen hier 194 226, also fast doppelt so viel Frauen. Bei den übrigen Gewerbegruppen ist der Frauenüberschuß in der Hausindustrie geringer, wie in der Nahrungs- imb in der Papierindustrie, oder er verwandelt sich in einem Männerüberschuß in allen übrigen Hausgewerben. Da die größten Hausindustrien aber einen so großen Frauenüberschuß haben, so überwiegt auch in der gesamten Hausindustrie die Zahl der Frauen mit 234 532 die der Männer mit nur 170 705 um ein Beträchtliches.
Eingesandt.
(Für Form und Inhalt aller unter dieser Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung.)
Redaktion, Expedition und Druckerei: Schulstraße 7. Expedition und Verlag51. Redaktion: 112. Tel.-Adr.: AnzeigerGießen.
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Türk. Tabak-» Clgaretten-Fabrik „Kios“ o E. Robert Böhme, Dresden.
--- Mainz, 27. Febr. Die 4. hessische Landes-Ge- fkügelausstellung findet vorn 12.—14. März hier in deil Stadthcüle statt. Allen Anzeichen nach wird sie die bedeutendste Geflügelschau werden, die bis jetzt in Hessen abgehalten wurde. Das Interesse für das Unternehmen ist in allen Interessentenkreisen des Landes äußerst lebhaft. Der Grvßherzog hat das Protektorat übenwmmeit und einen Ehrenpreis gestiftet und wird außerdemj nächsten Samstag eine Abordnung der Ausstellungsleitung und des Landesverbandes empfang en, um sich über Umfang und Ben deutung der Schau Vortrag halten zu lassen. Sein Ehrenpreis soll auf die beste Leistung eigener Zucht eines Einzelausstellers m Italiener- ober Wyanvottes-Hühnern Dergeben werden. Dieser Wunsch des Stifters wird damit begründet, daß diese Klassen nach den wieder hoL angestellten Ermittelung-en für unsere Verhältnisse als die besten zur Eier- und Fleischerzeugung anzusehen sind. Ast
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Letzten Mittwoch habe ich folgendes beobachtet: Um 9’4 Uhr abends fuhr ein leerer Wagen der elektrischen Bahn nach dem Bahnhof, an der Mirgermeisterei vorbei, ohtte am Theater zu halten; eine oder zwei Minuten später waren die ersten (auswärtigen) Theaterbesucher am Halteplatz beim Theater, um 9 Uhr kam ein Wagen in der Richtung nach der Kaiser-Allee, welcher am Ludwigsplatz einige Minuten auf den vom Schützenhaus kommenden Wagen warten mußte. Die Theaterbesucher (12 bis 15 Personen) mußten daher eine volle Viertelstunde auf einen Wagen un R '—r=—A*" 1-c-*--k-Tr— «■ —
pclMcbe Lagesscyan.
Zum Besuch des Kammeransschuffes in Friedberg.
Eine neue Zuschrift aus Friedberg drückt wiederum die Zustimmung zu dem Artikel in Nr. 44 aus:
Sollte aber, so fährt der Einsender dann fort, wider Erwarten bet der Ansicht beharrt werden, daß die Blindenanstalt neu erbaut werden müsse, dann dürfte auch der Frage näher zu treten sein, ob diese Anstalt nicht billiger in einem anderen Gebäude der Stadt Friedberg, z. B. in der Schillerschule in der Burg, die vor einigen Jahren nur ea. 40 000 Mark gekostet hat, unter» zubringen wäre, da dieses Gebäude für die große Zahl der Schülerinnen viel zu klein geworden ist. Vorsorglich könnte man auch mit geringen Kosten, wenn ans einem Neubau bestanden werden muß, bte Anstalt von Friedberg in ein Dorf der Umgegend verlegen, berat Landlust ist für die Blinden viel gesünder a!S Stadtlust. Die Gemeinde Rockenberg z. B., welche voriges Jahr das große Domonialgut vom hessischen Fiskus gekauft und das Land unter ihre Bürger verteilt hat, würde das großartig angelegte Hofgebäude, für welches sie keine Verwendung hat, jedenfalls mit Freuden zu billigem Preise hergeben, wenn die Blindenanstalt nach Rockenberg verlegt würde.
Das Ämtsgerichtsgebäude kann ruhig an seinem jetzigen Platze belassen, und auch das Haftlokal könnte in dessen verwahrlostem Hofe untergebracht werden. Sollte für den Ban dieses Haftlokals wirklich der Hoftaum des Amtsgerichtsgebäudes nicht genügen, dann würde vom Nebenanlieger vielleicht ein Teil seines Hinterhofes erworben werden fönneir, damit der Hof des Amtsgerichts- gebäudes vergrößert werden kann.
Senatoren als Duellanten.
O Paris, 25. Febr.
Der WaffeNgang, her am Donnerstag morgen zwischen den Senatoren Lintilhac und MilliöS Lacroix auf der Radfahrerbahn tes Parc an Prince stattfand, währte kaum anderthalb Minuten und endete mit einer leichten Hautabschürfung Lintilhacs am rechten Vorderarm. Nach den langwierigen Vorbereitungen und der 36 stündigen Pause, die zwischen der Forderung und dem Degen- tuelle verlief, erscheint das Ergebnis Denn doch etwas gar bescheiden. Recht amüsant gestaltete sich die Hetziagd, die von den Reportern auf Herrn MiNiös-Lacvoix und dessen Zeugen in dem weiten Avis de Boülognc veranstaltet wurde, da der Duellant :mb dessen Sekundanten sich die größte Mühe gaben, mit ihrem Automobil den neugierigen Zeitungsschreibern zu entweichen, was ihnen nicht gelang. Desto strenger wurde die Aufsicht bei dem Eingänge "in den Kabinen dcr Rennfahrer im Pare an Prince geübt, wo dec bekannte Schriftsteller und Fecht-Champion I. I. Renaud die Leitung des Duells übernahm. Tie Neugier der Reporter war bald befriedigt und nun ließen sie die Herren, Senatoren mit ihren Aerztcn im Stiche, Um die Nachricht schleunigst nach Paris zu bringen, wo sic die erwartete heitere Wirkung hervorries.
Aus Anlaß des Duells erfährt mtat jetzt die nur wenig bekannte Tatsache, daß die Herren Senatoren im Luxembourg Palaste über einen vortrefflich eingerichteten Fe cht s aa l mit Hydrotherapie verfügen, der allerdings seit einiger Zeit nur sehr schwach bcfudjt wird Vor etwa acht Jahren regte der inzwischen verstorbene Senator de Verninnc, Vizepräsident deS Oberhauses un-A Obmann der damals maßgebenden Gruppe der Union Revu- blicaine, die Idee an, feilten Kollegen eine angenehme und gleich- zeitig nützliche Zerstreuung durch die Einrichtung eines Fecht- saales zu bieten. Sein Wunsch war nahezu ein Befehl und wenige Tage später erhielt er für seinen Zweck einen ziemlich großen hellen Raum neben dem einstigen SchLafzimInter der Maria von Medicis, wo berat auch bald fünfundzwanzig ältere Gesetzgeber sich als Schüler eines berühmten Fechtmeisters ernfanden. Herr de Berninoc überlebte aber nicht lange seine Schöpfung, er starb plötzlich während der Osterferien und nahm, wie es schentt, einen großen Teil des Feuereifers seiner Kollegen mit ins Grab. Heute zählt der Fechtklub des Luxembourg kaum noch ein Dutzend Mitglieder, deren Qualität aber ihre geringe Zahl reichlich auiwiegt. Der Stolz des Fechtmeisters des Senats ist General L a n g l o i s, der trotz seines hohen Alters in keiner der Fechtstunden fehlt, die wöchentlich viermal im Luxembourg statt finden. Sein gefährlichster Konkurrent ist Herr Felix Martin, Arzt von Beruf, der in her nächsten Zeit seinen 70. Geburtstag feiern wird und der an Körperfrische und Geschmeidigkeit vielen seiner jüngeren Kollegen weit voraus ist. Seinem persönlichen und beruf!ixfjen Einflüsse ist es zu verdanken, daß die meisten Aerzte, die im «Senate sitzen, auch der edlen Fechtkunst huldigen, sv die Herren Gacon, Pöbebidon und der heißblütige Marseiller Flaissiöres, der sich mit Rückftcht auf sein erregbares Temperament veranlaßt sieht, Fochtübungen zu machen, um. auf alle Eventualitäten vorbereitet zu sein. Der Ausgang des Duells Lintilhac-Milliös-Lacrvrx dürfte wahrscheinlich einen, regeren Besuch be@ Fechtsaales des Luxembourg Palastes noch sich ziehen.
sonstigen Ehrenpreisen sind noch zu nennen die der Stadt Mainz, der Damen und der Sektionen des Mainzer Vereins, der hessischen Landwirtschaftskanrmer, des Klubs deutscher und österreich-ungarischer Geflügelzüchter, des hessischen Landesverbandes raw der Provinzial-Verbände des Klubs süddeutscher Whandottes-Züchter, vieler hessischer Vereine und Privatversonen. Eine weitere Anzahl Preise steht in Aussicht. Die günstige Veickaufsgelegenheit wich vielen ein Ansporn fein, verkäufliche Tiere zur Schau zu bringen. Allein die Lotterie benötigt für 7—8000 Mark Geflügel, das auf der Ausstellung selbst angetan ft wird.
z. Wetzlar, 26. Febr. Das Heu hat seit langer Zeit noch keine 5—5,25 Pik. für den Zentner gekostet wie eben; Haferstroh zum Futtern auch noch keine 3 bis 3,20 Mk. Im übrigen kostet der Zentner Stroh 2,70 Mk. bis 3 Mk. Voraussichtlich steigt das Heu immer noch im Preise, da der großen Nachfrage von auswärts kein Angebot von Belang gegenübersteht. Das Vieh ist im Preise gesunken, nur Fettvieh nicht. Ochsen kosten setzt 70—75 Pik. der Beutner und Schweine 72—75 Pkg. das Pstmd Schlachtgewicht. — Bei Feldoersteigerungen, bezw. Läudereiverpachtungeu in diesem Winter wurden überall bei lebhafter Nachträge gute Preise erzielt.
Gießener Strafkammer.
)( Gießen, 25. Februar.
Wegen Unterschlagung.
Ein Bad Nauheimer Geschäilsiuaim hatte Anlaß, den Handlungsgehilfen K. N. aus München auf feine Ehrlichkeit zu prüfen Ter Prinzipal ließ ihn die Kasse bedienen und ordnete an, daß die Kontrollzettel mit dem (Selbe in die Kasse gelegt werden sollen. Nach Abzug des Wechselgeldes mußte daun die Kasse mit den auf den Zetteln notierten Beträgen stimmen. Bald wurde fest- gestestt, daß ein Zettel über einen verkauften Gegenstand im Betrage von einer Mark nicht in der Kasse war und das Geld fehlte. Ebenso ging es mit Zetteln über 2 und 4 Mark. Andere Ladeii- bediensle sahen, wie N. Zettel zerknitterte und einsteckte oder zerriß. Der Prmzival entließ ihn ohne Kündigung und N. verlangie die weitere Auszahlung des Gehaltes wegen grundloser Entlassung. Im Verlaufe des Pwzesses und in der anschließenden Untersuckning, wurde auf Grund der Aussagen des Labenpersonals festgestellt, haft sich N. die genannten Beträge angeeignet hat, wofür ihn das SckBft'engericht wegen Unter sckstagung mit 15 Ädark Geldstrafe belegte. Er focht das Urteil an und behauptete, er habe die eine Mark für Lluslagen zurückbehalten; int anderen Falle will er vergessen haben, die zwei Mark in die Kasse zu legen, während, er wegen 4 Mark die Richtigkeit der Zeugenaussagen bestritt. Die Zeugeitaussageii waren so glaubwürdig, daß an ihrer Richtigkeit nickst: zu zweifeln war. Das Urteil wurde bestätigt.
' Wegen Urkundenfälschung
stand der Schuhmacher gesel le V. H aus Bürgel unter Anklage. Er verbüßt in der Zellenstrafan statt Butzbach eine zweijährige! Gefängnisstrafe und ist mit dem Anfertigen von Körben beschäftigt. Die Gefangenen haben eine bestimmte Tagesleistung zu liefern, auf Grund deren ihr ein Arbeitsverdienst berechnet wird. Leistet der Gefangene das Tagespensum nicht, sv wird er mit Kostschmä- fenmg und Lagerentziehung bestraft; dagegen bekommt er für Mehrleistungen den dreifachen Verdienst gutgeschrieben. Jeder« Gefangene hat ein Kontwllbuch im Besitz, in das der Werkmeister die Arbeit einträgt. H. hat in diesem Buch die Zahl 4 ift 14 umgeändert, um die Leistung für eine bestimmte Zeit in eine solche Höhe zu bringen, daß er nicht diszipliniert zu werden brauchte. Das ist ihm in einem Falle gelungen; als er es das zweitemal machte, wurde er ertappt und es erfolgte Anklage. Der Ansbalts- torfteber schilderte den Angeklagten als geistig niinberroertigen Menschen, der sich manchmal widerspenstig zeigt und erklärt, überhaupt nicht mehr zu arbeiten; er arbeitet nicht gern und hat sich schon selbst verletzt, um sich arbeitsunfähig zu machen. Er hat sich zweimal gestellt, als habe er eine Nadel verichluckt und halte große Schmerzen aus, so daß man jedesmal einen Spezialarzt von hier dorthin beordern mußte, der aber nichts feststellen konnte^ Er War früher in Zwangserziehung und ist entlaufen, um eine strafbare Handlung zu begehen, da er das Gefängnis der Zwänge^ erziehuUg Vvrzvg. Unter Berücksichtigung seiner Geistesverfassung wurden ihnt mildernde Umstände zugebilligt und toegen des ersten Falles auf eine Woche Gefängnis er farmt. Jin anderen Falle blieb es beim Versuch, der strafbar ist, weshalb Freispruch erging.
Zwei zänkiiche Nachbarn
hatten Langenbergheim im Armenhaus Streit. Einer beschuldigte den andern und die Folge davon war, daß der Tag- löhner I. B. K., der seinen Gegner mit einer Schippe zusammen- geschlaaen haben sollte, vom Schöffengericht wegen Körperverletzung zu drei Wochen Gefängnis verurteilt wurde. Er legte Berufung ein urj> bezeichnete die Angaben seines Gegners als unwahr. Das Gericht hatte Gelegenheit, beide Teile zu hören; auch der Bürgermeister gab sein Gutachten über seine Schmerzenskinder, für die die Gemeinde zu sorgen hat, ab. Dieses fiel für den Angeklagten besser als für den Zeugen aus; letzterer erschien sehr unglaubwürdig, auch steht er auf der Trinkerliste. Seine Angaben boten dem Gericht keine genügende Garantie zur Verurteilung. Wenn auch tatsächlich eine körperliche Verletzung eingetreten sein sollte, so war sie nicht schwer und für eine leichte fehlte der erforderliche Strafantrag. Das Gericht hob das Urteil auf und stellte das Verfahren ein.
Unter Ausschluß her Oeffentlichkeit
wurde gegen den Schuhmacher H. K. von Nieder-Seemen verhandelt, der beschuldigt war, zweimal unzüchtige Handlungen an einem Rind vorgenommen zu haben. Nach den Ausführungen des Urteils reichten die Aussagen zweier Schneider, die mit dem Angeklagten verfeindet sind, nicht aus, um eine Verurteilung eintreten zu lassen, weshalb Freispruch erfolgte. Die Angelegenheit kam infolge Feindschaft ins Rollen. Einer der Zeugen hatte dem Angeklagten einen diesbezüglichen Vorwurf gemacht, und als er Snage wegen Beleidigung erhob, behauptete der Bruder und deren Vater, sie hätten die Vorgänge im Stall beobachtet. Schon die ganze Darstellung durch die Zeugen erschien unglaubwürdig und da sie sich auch noch mit andern Zeugenaussagen in Widerspruch setzten, tonnte der Beweis nicht für erbracht an»
Unter dem Verdachte des gewerbsmäßigen Glücksspiels erfolgte im letzten Sommer zu Bad Nauheim die Verhaftung des an geblickten. Technikers E. Z. aus Hultschin (Kreis Ratibvn und des Kaufmanns K. P. ans Guben; der ebenfalls beschuldigte Kaufmann P. W. aus Breslau ging flüchtig, als er von der Verhaftung der anderen hörte. Tie Verhaftung erfolgte auf eine Anzeige, die ein Mechaniker, der mit den Angeklagten gespielt und an einem Abend etwa 400 Nkark verloren hat, nrachte, irre bei er behauptete, cs sei beim Spielen betrogen wurden. Es juurbe haupt- säMich Pockem, Mauscheln und rouge A noire gespielt, alles Spiele, deren Gewinn ober Verlust vom Zufall abhängt. Daß tatsäckilich falsch gespielt worden ist, galt nicht für erwiesen, dock) glaubte man es mit Leuten zu tun zu haben, die ganz oder teilweise vom Spiel leben. W. blieb auf freiem Fuß, P. wurde gegen Kaution entlassen und der am meisten belastete Z. wurde in Hast gehakten. Der Zuletztgenannte mußte zugeben, vom gewonnenen GÄd gelebt zu haben, selbst Schulden hat er damit bezahlt, doch wM et nicht zu diesem Zweck nach Bad Nauheim getomlnen sein. Er tonnte nicht nachweisen, beruflich tätig gewesen zu sein und bet» weigerte die Auskunft über seine Anwesenheit in Bad Nauheim.
Der Stand der Heimarbeit.
Tas Hausgewerbe hat bei der letzten gewerblichen Betriebs^ zählung vom 12. Juni 1907 eine sorgfältige Beachtung erfahren. Aus ihr publiziert das neueste Heft des „Reichsarbeitsblatts" eine saubere und übersichtliche Darstellung, die in diesem Moment, da man daran geht, ein gewisses Maß von Arbeiterschutz auch in dic in der Hauptsache ungeschützte Heimarbeit hineinzw- tragen, überaus dankenswert ist. Wir erfahren zunächst — und das wäre gewiß an sich nicht unerfreulich —, daß die Zahl der hausgetverblick)en Personen und Betriebe seit 1895 — dem Jahre der letzten Zählung — abgenommen hat. Leider hat sich dabei die Zahl der weiblichen Heimarbeiter um 16,2 Proz. vermehrt. Wir können ferner erkennen, daß im Rahmen des deutschen Gcsamt- gewerbes die Heimarbeit nur eine bescheidene Stellung einnimmt, die sich zudem von Zählung zu Zählung stark vermindert. Immerhin hat die Hausindustrie, absolut betrachtet, mit ihren mehr als 400 000 Erwerbstätigen und über 315 000 Betrieben einen keineswegs geringen Umfang. Bon allen hausgewerblichen Hauptbetrieben sind 74,02 Proz. Älleinbetriebe. Von allen hausgeiverblichen Personen dagegen arbeiten 206 928 allein, während 198 335, etwas weniger, in Gehilsenbetrieben beschäftigt sind. Der Personenzahl nach ist also Allein- und Gehilfenbetrieb ungefähr gleich stark. Der Alleinbetrieb ist aber im Weichen begriffen, während die Gehilfenbetriebe eine kleine Zunahme aus- weisen.
Ganz besonders stark ist die Heimarbeit im Königreiche Sachsen vertreten, auch Berlin, Rheinland, Schlesien und Nordbayern zeigen große Ziffern. Im Verhältnisse zur Bevölkerung smd die Heimarbeiterziffern beträchtlich in den thürrngischen Staaten, namentlich in Meiningen und Koburg-Gotha. — Ein wesentlicher Teil des Hausgewerbes ist in den Großstädten vertreten. In sämtlichen 42 Großstädten (mit mehr als 100000 Einwohnern) wurden gezählt 78 110 hausgewerbliche Haupt- unb 3928 Nebenbetriebe mit 40 505 männlichen und 76 665 weiblichen, insgesamt 117170 hausgewerblich tätigen Personen.
Größere Bedeutung hat die Heimarbeit in folgenden Ge- werbegruppen gewonnen: Steine und Erden, Metallverarbeitung, Maschinenindustrie, Textilindustrie, Papierindustrie, Lederindustrie, volzindustrie, Nahrungs- und Genußmittelfabrikation, Bekleidungsgewerbe. In den übrigen Gruppen finden sich insgesamt
Lamilien-Nachrichten.
Geburten: Herrn Dr. C. Waldschmidt in Wetzlar ein Sohrn
Verlobte: Fräulein Marie Bornmann mit Herrn Otto Koch in Alsseld. — Fräulein Emmy Luy in Wetzlar mit Herrn Otto Boru in Gräsenwiesbach.
Geftorbene: Frau Jefsie Rennie in Bad Nauheim. — Herr Friedrich Wilbelm Steten in Reichelsheim L d. Wetterau. — ^•rnu Anna Christine Hammel, geb. Fasst, in Rodenbach. — Herr Theodor diikolaus Dienz in Eifa. — Herr Valentin Scholl, Frau Maria Dieitz Witwe, geb. Steupp, beide in Höingen. — Herr Otto Oiann in Darmstadt. — Herr Jakob Stehl in Wetzlar. — Herr Karl Hoffmann in Burgsolins. — Herr Albert Frey in Altenkirchen. Frau Emilie Schneider, geb. Dietrich, in Edingen. — Frau Johanna Eilenträger in Bufteben b. Gotha.
Gießener Anzeiger
General-Anzeiger für vberheffen
Nam- feinen Angaben hat er nicht gewonnen, vielmehr in jeuwl uck'tiährigen Spielzeit 50 000 Mark verloren; an dem emeit £ag habe er 500 dNark gewonnen, dafür aber anderen Tags 1000 Mark verspielt. Er gibt aber zu, eine große Geschicklichkeit imj Spielen besitzen und hat eine staunenswerte Gewandtheit ort
Mischen der Karten, um sich ein günstiges Spiel zu sichern. DaS letztere machte er dem Gericht vor, er will diese Kunst aber nie zu seinen Gunsten verwertet haben. Ten Schleier über seine Ver-? gcrngenheft mag er nrcht lüften, wenn er auch in einer Eingabe an bas Gericht Betrachtungen darüber anstellte, wie er dem Spiele ceusel anheimgesallen sei. Er bemerkte darin, die Spieler müßten! nnnack-fichtlich verftlgt und schwerer als für rede andere Straftat ueftrait werden. Der Frankfurter Kriminalpolizei ist er schon längere Jahre bekannt. Er hat sich viel in zweifelhaften Lokalen! umher getrieben und war eine Zeitlang Kellner in einer Verbrechev- tneitx. Längere Zeit soll er eine sehr luxuriöse Wohnung gehabt imb sich Reitpferde gehalten haben. Tie Mittel hierzu Hatto ihm ein Wohltäter in Höhe von 1500 Mark monatlich bewilligt. Nach dem Tode desselben sei er dem Spielteufel an* heimgefallen. Er hat sich vielfach mit seiner Spielkunst gebrüstet- >>Zkcriiptete, er verstehe das Zinton der Sirrten und habe auch schon davon Gebrauch gemacht, wenn ihm das Messer am Halse ftanb. Auch im Laufe bet Untersuchung gab er zu, von seiner Kunst Gebrauch gemacht zu haben, wenn sein Gelb infolge bei Verluste zur Neige gegangen sei. Die andern Angeklagten sirid> angeblich aus Heringsdorf kommend, im Sprudelhotel zu Bah Nauhstm abgesttegen. Während der eine angibt, aus GesundheitS-« rücksichten das Bad ausgesucht zu haben, will der andere 5t* rufli-ch tätig gewesen sein. Eines Abends sei ihnen Z. als Iw, gemeur aus Darmstadt vorgestellt worden. Verschiedene Kurgästebarunter ein amerikanischer Arzt, hätten zum Spiel gedrängt, worauf sie zugesagt hätten. Ein fetzt hiex wohnhafter Kellner!- ber 72 Mark verlor unb seine Kleider versetzen mußte, behaichtete, es sei falsch gespielt worden. Auch ein Hotelier und dessen Mchen- chef haben namhafte Beträge verloren; drei weitere Personen sind auch in Mitleidenschaft gezogen worden. Es hatte den Aw« schein, als wäre das Spielen in weit größerem Umfang ge* trieben worden, als dies in der Verhandlung zutage getreten ist. Wenn auch die Angeklagten P. und W. verdächttg waren- nicht bloß dttatheim, sondern auch andere Badeorte zur Befrist digung ihrer Spielsucht bereist zu haben, so konnte ihnen nicht nach- gewiesen werden, daß sie das Spielen gewerbsmäßig betrieben! haben, um sich den Unterhalt zu verschaffen. Bezüglich des Z. mußte auf Grund seines Verhaltens für erwiesen gelten, daß er sich seinen Unterhalt ganz oder doch teilweise aus dem Spiel ver-> schaffte. Er wurde zu 6 Monaten Gefängnis, abzüglich 5 Monat« und 3 Wochen Untersuchungshaft, verurteilt; die andern Ange-, klagten aber mangels Beweises freigesprochen.
Landwirtschaft.
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