Ausgabe 
31.10.1910 Erstes Blatt
 
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Nr. 255

Die heutige Nummer umfatzt 10 Seiten.

A

n spräche:

Herr Präsident! Indem ich Ihnen das Schreiben überreiche, durch das der Kaiser, mein erhabener Sou­verän, mich bei Ihnen als Botschafter beglaubigt, möge es mir zunächst erlaubt sein, Jyuen zu sagen, wie sehr ich die Ehre der mir anoertrauten Mission empfinde. Entsprechend bestimmten Befehlen Se. Maje-

diePost Llk. 2.viertel- jährl. ausschl. Bestellg. Zeilenpreis: lokal 15Pft auswärts 20 Pfennig. Chefredakteur: 91. Goetz. Verantwortlich für den

Dazivffchen ftaiU) ü/cozaiiS ewig junge ^uoivOuDertüre, umiahutt von C. Pt. WebersFreifckpiv"Wie nahte mit der Schluuunei. . .?") und Schuberts beliebter und überaus lieb­licher Hirtenszeneder Hirt aus dem Felsen" mir Solo kl ar inet oe. Von jeher und immer wieder bis üi die neueste Zeit haben Kom- ponisten das grade durch seine Einfachheit und Schlichtheit |o wirkungsvolle Motiv der Hiitemnufik, der Sck-alinei und der Stimme, gesucht und verwendet; Sckuibert, dem die Lieder un­erschöpflich quollen, hat nrmachahnilich den wechselnden zarten Gesühlston getroffen, ohne auch nur in einer Üiote sentimental zu werden. Die Freischützarie gehört, auch aus dem Duft der Szene herausgerissen und m den Konzerti aal verpflanzt, zu den Perlen der romantischen Gesangsliteratur.

So war ein im besteii (Sinn wahrhaft klassisches Programm zusammeiigestellt, das sehr glücklich durchgeführt wurde. Das durch hiesige Kräfte verstärkte Orchester des Palvreng artens zu Frantfurl Ipielte unter der hingebenden, feinsinnigen Leitung Herrn Pros. Trauttnamts schwungvoll, sauber, mit guten Tongebung und unter verständnisvoller Hercmsarbeitung der Sa>önheiten derWerke. Ganz besonders sei der Soloklarinette des Herrn Diax Liitdl rül-mend gedacht, Frau Amra Mmpfert-Franlsurt a. M., die Solijiül des Abends, ist uns keine Fremde, nein, eine stets wieder mit Freude und Dankbarkeit begrüßie gute Freundin, zuletzt nod) vom Frühjahr vorigen Jahres her, wo fte das Jubelfest des Akademischen Gesangvereins mitfeierte und verschönte. So sei auch heute nur wiederholt bestätigt, baß die Wiedergabe der beiden Lieder alle Vorzüge ihrer schonen-Stinune und chrer vorzüglichen Schulung et tarnen ließ und stürmischen Beifall ausloste, dem die liebenswürdige Künstlerin durch eine ganz entzückend fein gesungene Zugabe, ein Wiegenlied, dankte. Das Orchester be­gleitete die Gesangsnummern diskret Md mit sorgfältiger An­pa ssung an Werk Md Künstlerin, m.

Grüne Haare. Daß es auch außer den Tragern ausgeblichener und schlecht aepflegter Perücken und denjenigen, die an ihren Haaren unglückliche Färbungsversuche machen, Menschen mitt grünen Haaren gibt, dürfte nur wenigen bekannt sein. Dem gegenüber verweist Dr. Antonio Barraras, leitenber Werks­arzt an der Zamoramie in Mexiko, aus die Tatsache, daß eine intensive Grünsärbung der Haare bei denjenigen Bergleuten und gewerblichen Arbeitern, die sich andauernd mit der Gewinnung unb Bearbeitung von Kupfererzen beschäftigen, keineswegs zu bcn Seltenheiten gehört. Glücklick)erweise ist die Gefahr, sich diese höchst unnatürlich und schreckhaft wirkende Haarfarbe zu erwerben, nicht .besonders groß; beim unter je 1000 Bergarbeitern tonnte Bar­raras, der sich mit diesen UMersuchungen 11 Jahre lang beschäf­tigte, nur 27 mit grünen Haaren ermitteln. Besonders stark zur Grünfärbung neigen diejenigen, die sich mit den Süikatvarbin- Dungen des Kupfers beschäftigen, aber auch bei ihnen muß eine persönliche Veranlagung dazu vorliegen, deren Gründe nicht aus- geklärt Unb., Zweifelsohne handelt es sich um Kupfer, das auf

Gietzeuer Nonzertverein.

erster Orchepernveuo.

Gießen, 30. DtL

Vor mäßig besetztem Hause eröffnete der Äionzertverein seine Veranstaltungen mit einem Orchcsterabend; hatte mau doch in zweifellos bester Absicht eine Warnungstafel vor diesem Abend ausgerichtet, indem man ihn alsklajfischeu Abend" an­kündigte, als gutschmackhafte Hausmannskost, wie sie der lange nnnitenttvöhnte Sommer zunäa-st verlange, an den pikanten Lecker­bissenmoderner Musik" jick) den Magen zu verderben, biete bet Winter noch genug Gelegenheit. Also musikalische Diät; ist nicht ledermanns Sackfe. Gin Blick aufs Programm: 2 Sym­phonien, eine vom Großvater Haydn; gibts den immer noch? den hat doch ein Strauß-Mahler ver----wöhnter Geschmack

längst überwunden. Dann eine sozusagen unbekannte Symphonie von Beethoven, die 4- .? wird nichts rechtes sein. Also; schenken wir uns! , , ,

Ja, es war wirklich der Großvater Haydn, der echte alte liebe Vater Haydn mit Zopf unb Perücke, der den Anfang nrachte; und der Zopf hängt ihm auch richtig hinten, an den zwei letzten Sätzen ist er aufgeyängt. Man schließt die Augen, und gravllälisch drehen sich in zierlici-em Tanzschritt Paar auf Paar vor uns; biswellen muß der Tanzmeifter Ordnung schaffen, wenn sie vor lauter amour gar einen falschen Pas machen; kräftig klopft er dreimal mit dem Stabe auf und gesittet drehen sie sich aufs Reue, bis sies wieder einmal vergessen; gleich ist er wieder da. Darin ist der Tanz zu Ende unb nun beginnen im Presto die Dämlein ein gar eifrig Parlieren; es sck>eint der lieben Freundin zu gelten, denn sie überstürzen sich förmlich, jede wlll noch etwas von ihr wissen, und es ist ein Gewisper ohne Ende; hie unb da vernimmt man dazwischen ärgerliche Männerrede, aber die how wispernde Weiblichkeit siegt auf der ganzen Linie. Unter sich sind sie zwar bis zum Schlüsse nicht ganz einig; immer läßt sich wieder aus der und jener Ecke ein Sümmchen Höven: und grab, ich hab doch recht!

Die beiden ersten Sätze stehen damit nur in losem Zusammen­hang; sie sind musikalisch für sich betrachtet von großer Schön­heit, namentlich der zweite, in romantischer Färbung gehaltene

Das Gegenstück, Beethovens B-dur-Symphonie, die 4. ist tauni so ausgesprochen ein Beethoven, wie die Haydnschc ein Haydn; nach der Eroika eillstanden, ein Vorläufer der grandiosesten seiner Symphonien, der ö., der Schicksalssymphonie, mutet sie in ihrergriechischen Schlankheit", ihrer Anmut, fast fremd an. Sie soll aus Beethovens schönsten Tagen stammen; wie ganz mit)erd, wie viel großartiger hat er aber Freude und Jubel in Tönen verklärt in der 7. und der 9.! Da allerdings selbst schon der Held der über allmenschliches Freuen unb Leiden erhabenen Schinsalskragöbie, die ihm ein Antlitz geprägt hat, so wie es uns Klinger gibt. Es sind im wesentlichen Ueußerungen enter liebenswürdigen ruhigen Freude, die Stimmungeines, hellen imb Würm enden Sonnenscheins", wie Kretzschmar sagt.

irgend eine Wei>e ins Koipeiinneie gelangt, in ein schwer lös­liches, grünes Kupfersalz verwandell, duock) den ^-äftestrom in; die Haarzwiebeln verschleppt nnd in den Haarschäften abgelagert; wird. Ist es erst einmal dorthin gelangt, so ist es durch Wajck)en ober chemisck-e Behandlung nur schwer oder gar nicht mehr zu au* fernen. In den meisten Fällen verändern sich zuerst die Bart* haare, bann die Behaarung des Kopfes und seltener bie ic^rell* wachsenbeu, aber auch schnell wieder ausfallenden Haare der Augen* brauen und der Wimpern. Blonde Individuen lassert die Ver* färbung besser erkennen als brünette. Zuweilen verschwindet nach vielmonattichem Aussetzen der Arbeft mit Kupfer die Farbe> währeiid sie bei anbei en Arbeitern erst beginnt, nachdem sie sich schon längst einer anbeiat Beschäftigung zugewendet haben. Die Faibe oaiüeit im Ton von dem Hellen Lichtgiün bei keimenden Fiühlingsblättei bis zum '2)uiitagruii bei Nabel Hölzer. Auch Siete unterliegen bei Verfärbung. So berichtet Professor Lewin von einem Hammel, der in einem Messingwerke mehrere Jahre ben Kupserbämpsen ausgesetzt war unb, ohne eine Gesunbheüsschädigung zu erleiben, em sattgrünes Fell erhalten hatte.

Ein römisches Ulk-Museum. Man schreibt unss ans Nom: In vielen deutschen Städten gibt es Kneipen, die allerlei Plunder zu einemMuseum" oder Naritätenkabinett zu­sammengebracht haben unb das Zeug zur Ergötzung ihrer Gäste durch irgend ein Individuummit wenig Witz und viel Behagen" erklären lassen. Auf viel höherer Stufe steht dashiswriickie Akuscum", das die ftühliche Laune deutscher und italienischer Künsller und Gelehrten in Rom geschaffen hat. Ein Wirt hatte un entlegenen Süden der ewigen Stadt ein Restaurant mit hallen* artigen Gewölben geschaffen und es Castello bi Eonstantino gc* nannt, obgleich bart nie ein Schloß Konstantins gestanden ljaL Trotzdem strömt viel Fremdenpublikum hfti und hat ie nach seiner Art unb Bildung Vergnügen an dem Museum oder Respekt davor^ Da verkündet ein altes Pergament, daß Constantin 1061 ab urbe condita (308 n. Ehr.) diesen Prachtbau gegründet habe, um vou [einer Terrasse ausim beständigen Anblick der Stadt unb der chn umgebenden Jungffauen zu schwelgen". Eine Hauptsehens- toflrbigfeit ist Konstantins arg verrostetes Riesenschwerl. Ein von ihm selbst ausgestelltes Zeugnis bekundet die Echtheit der Waffe, unb daß er damit u. a. den Kaiser Maxentius getötet l>abe. Das Zeugnis ist so glaubwürdig wie bie Bescheinigmig, daß ein Lord ber Museumsverwaltung angeblich 2 MMionen Pfund füv die Waffe geboten habe. Nicht minder kostbar ist des Kaisers Hans* schlüssel, bei getabe einen Meter lang ist unb von ihm, wie eine In^, schrift betagt, stetsin bei Tasche" getragen würbe. Als, wie eins anbere Inschrift künbet, ,Deutsche Archäologen" in bas ^lufnini einbrangen, um Konstantins Helm, ber sfiäter vom Banda'en* könige Geiserich bemitzt würbe, zu rauben, schlug ber Kasteilan ne mit diesem Schlüssel in bie Flucht. Das beste ist, biß viele Besucher, besonders Amerikaner, den IM! für bare Mün;< nci'uAt und dieÄterttimei" höchlichst bewundere Wxnm

Der Amtsantritt des Zrhrn. v. Schoen.

Ein interessantes Zwiegefpräa) zwischen dem neuen Bot­schafter in Paris und dem französischen Präsidenten über­mittelt der amtliche Draht. Es sind höflich gespreizte Worte, beim Präsidenten vielleicht noch um eine leichte Schattierung zurückhaltender als beim Botschafter, der nach bestimmten Befehlen^' des Kaisers Wilhelm sprach. Man erinnert sich, daß Herr v. Schoen vor wenigen Tagen an der Frühstücks täfel des Kaisers saß:

Paris, 29. Okt. Bei der lleberreichung seines Be­glaubigungsschreibens richtete der deutsche Botschafter Frhr. v. .Schoen an den Präsidenten Falliöres folgende

gemacht, für besonders befähigte Leutnants und Oberleut­nants einen dritten Jahrgang einzurichten Man hat diesen Plan aber fallen lassen und will statt dessen aus der Kriegs­akademie einen neuen einjährigenLehrkursus ein­richten, der für bereits absoivierte Kriegsakademiker, die sich im Besitz des GeneralstaLspatents befinden, also für bie sogenannten brevetierten Offiziere in der Stellung von Bataillonskommandeuren, Eskadronschefs und Oberstleut­nants, zugänglich (ein nnd ihnen eine besondere Vorberei­tung für ihre spätere Verwendung in den höchsten Chargen getoäljrleiften soll. Man hält dem entgegen, daß sich auch unter den nicht brevetierten Offizieren sehr brauchbare Ele­mente befinden, und hat daher, ebenfalls aus Abgeordneten­kreisen, den Gegenantrag ge[teilt, bie Korpskommandeure sollten alljährlich dem KriegSmiuister gmiz allgemein bie* Wenigen Stabsoffiziere namhaft machen, bie für die General­stabsstreifen in Betracht kämen. Der Kriegsminister solle unter ihnen eine Auswahl treffen, [ie durch Mitglieder des obersten Krie^srats neun Monate lang auf der Kriegsaka­demie und im Generalstab durch Vorträge über Strategie und Taktik aus ihre späteren Aufgaben vorbereiten und sie an einer Generalstabsreise, sowie cm derr Manövern in besonderer Stellung teilnehmen lassen.

Aber alle diese Vorschläge scheinen General Brun nicht genügt zu haben Er, der dasFliegerkorps" zur vierten Waffe auszugestalten gebend, schmeichelt sich jetzt mit dem Ehrgeiz, den fianzösifchen Generalstab nach dem Muster des deutschen zu. reformieren, und hat einen ent­sprechenden Gesetzentwurf bereits dem Parlament unter­breitet. Es wird darin insbesondere bestimmt, daß der Generalstabsdienst sowohl durch Offiziere aller Waffen­gattungen mit Generalstabspateni, als auch durch solche ohne Generalstabspatent versehen werben soll. Die ersten finb etatmäßig, die letzten gelten nur als kommandiert, sollen aber, wenn ihnen auch im Generalstab bie Kanzleiarbeit zusallen würde, keineswegs von den hohen unb höchsten Kommalidostellen ausgeschlossen werden dürfen.

Das klingt, da dann bie eigentlichen, etatsmäßigen Generalstäbler Zeit gewinnen würben, [ich mit den Vor­bereitungen auf ben Ernstfall zu beschäftigen, und diese theoretischen Studien auch zeitweise im Frontdienst prak­tisch zu verwerten, zunächst ganz einleuchtend. Viur wird man sich dabei dar machen müssen, daß das Patent zum Generalstab in Frankreich nur zu oft nicht durch persönliche Tüchtigkeit^ sondern auf allerlei Hintertreppen erlangt wird. Wer in Frankreich einen Deputierten, Seimtor ober Mi­nister zum Vetter oder gar eine tonangebende Dame zur Freundin oder Gönnerin hat, gelangt leichter zum Schmuck der weißen Straußenfeder auf dem Dreimaster und als Etatsmäßiger in die Bureaus der Rue .Saint Dominique als ein noch so tüchtiger Frvntoffizier, dem alle Konnexionen fehlen.

Lassen schon diese Verhältnisse die Reform des franzö­sischen Großen Generalstabs nach deutjchem Piuster als einigermaßen fragwürdig erscheinen, so wird sie überhaupt in der Hauptsache so lange versagen müssen, wie Franrreich an der Unterftellung des Generaisiabschefs unter ben Kriegs- Minister festhält. Denn Kabinette fallen in Frankreich un Herbst wre bie Fliegen, unb der Wechsel im Kriegsmini- fterium würde auch stets einen Wechsel in der Leitung des Generalstabs mit srck) bringen müssen, was jede einheitliche

jährlich Mk, 2.20; durch Abhole- tu Zweigstellen monatlich 6o Ps.; durch

Arbeit von vornherein gefährdet. Macht man dagegen 'den Chef des Generalstabs vom Kriegsminister unabhängig, so wurden diese beiden Männer, wie das in Frankreich so üblich ist, sofort zu Rivalen werden unb sich ständig aneinander reiben. Ein Generalstab, wie ihn Deutschland besitzt,^ ist deshalb nur in einer Monarchie, unter einem obersten Kriegsherrn möglich. Frankreich mag Deutschland noch so [ehr in der Güte seines Kriegsmaterials gleichkommen, den deutschen Großen .Generalstab kann es uns ebenso wenig nachmachen, wie unser Osfizierkorps, llnteroffizier- kori>s unb die gemaltige Zahl wohlausgebildeter, wirklich kriegstauglicher Mannschaften.

Zur «esorw des stanzöflscheu Seneralftabr.

Die Erfolge, die der preußische Große Generalsdaib im Kriege 1870/71 hinsichtlich der Ntobilisierung der deutschen Truppen und chrer Verwendung im Feldzüge selbst aufzu­weisen hatte, legten es Frankreich nahe, diese Einrichtung ftrrz nach Beendigung des Feldzuges nachzuahmen. Aber fieilich war es eine recht schlechte üärchahmung: der fran- zöfisä)e Generalstob ist bis heute rüchts weiter als eine Ab­teilung des Kriegsrnrnisteriums geblieben, in der die dem Generalsbab angehörigen oder zu chm abkommandierten Offi­ziere allerlei geisttötende subalterne Bureauarbeit verrich­ten und so alles das verlernen, was sie auf der Kriegs- alabemie und im Frontdienst sich an theoretischer und Prak* tischer KriegswijjMschast angeeignet hatten. Es sehlt eben ber rege Wechsel zwischen Bureau und Front, wie er in Deutschland üblich ist und auf Generali tob und Truppe in gleicher Weise befruchtend wirkt.

Das führte zu einer bureaukratischen Verknöcherung der fianzöfijchen Generalstäbler, die, da chnen auch in Frankreich die höheren Führerstellen fast ausnahmslos Vor­behalten sind, auf das Heer nicht ohne Einfluß bleiben tonnte. Hatten sie doch während chrer Generalftabszeit alle Vertrautheit mit der Führung eines größeren Truppen- lörpers eiugebüßt, well sie nicht, wie in Deutschland, durch Unterbrechung chrer Tätigkeit beim Generalstab von der Führung deiner Formationen zu der immer größerer auf* 1 liegen, oder wenigstens inzwischen dem Kommando eines Armeekorps als Generalfiabsofjiziere ungeteilt wurden. Stand es so in Frankreich mit der Generalität im all­gemeinen schlecht, so war es womöglich noch schlimmer bei lenen Generalen, die als Mitglieder des obersten Kriegsrats berufen sein sollten, im Falle eines Krieges als Höchstkommandierende zu fungieren, al|u größere Armee- abteUungen gegen den Feind zu führen Auch sie werben In Frankreich viel zu sehr mit Verwaltungsarbeiten beschäf­tigt, als daß sie trotz einiger Besichrigungsreisen und Hebungen in den Armeebezirken sich mit der Führung der Truppen vertrant machen konnten, und das umsoweniger, als infolge von Ueberaltecung ihr Amt als Alltglied Oes obersten Lvriegsrats nur immer von kurzer Dauer i|L So sind z. B. allein in diesem Jahre innerhalo weniger Monate mehr als die Hälfte des augenblicrlfih 11 Mitglieder zählen­den Kriegsrats ausgeschieben, unb in den nächsten Monaten scheiden noch die Generäle Mathis, Dalstein, Michal unb Barnez aus, da sie die Aliersgreuze von Jahren erreichen.

Hm diese Unzuträglich reiten innerhalb des obersten Kriegsrats zu be)eiligen, juib von dem Abgeordneten Ger­vais und anderen mehrere Vorschläge gemacht worden, die alle darauf hinauslaufen, die Generalität zu verjüngen, um ein Verbleiben von mindestens 3 Jahren im oberpen Kriegsrat zu ermögllchen. Kriegsminiiier General Brun meint aber mit Recht, baß es damit allein nicht getan sei, man müsse die Axt an die eigentliche Wurzel des Hebels, nämlich an die unzulängliche Ausvirdung deS dtachwuchses der Generalität in Kriegsakademie und General stab legen. Bezüglich der Reform ber Kriegsakademie halle der fran- zöfiscye Kriegsminister belonnlliiy schon gelegentlich ber Be­ratung des diesjährigen Mlluär-HausHalls den Vorschlag

ftät hat diese Mission die Aufgabe, die guten Be­zieh u n g en, die in so glücklicher Weise zwischen Frank­reich und Deutschland bestehen, zu erhallen und zu befestigen und die schon so zahlreichen gemeinsamen Interessen beider Länder zu fördern. Ebenjv wie meine Vorgänger, deren Mitarbeiter ich gewesen bin, werde ich nicht aufhören, alle meine Bestre­bungen auf die Erreichung dieser so wünschens­werten Resultate zu richten. Ich werde mich glücklich schätzen, wenn ich in ber Erfüllung meiner Aufgabe dahin gelange, Ihr Vertraue?, Herr Präsident, sowie Die Unter­stützung der Regierung und der Republik zu gewinnen. Der Kaiser beauftragte mich, bei Ihnen der Dolmetsch der Gefühle der Achtung und Sympathie zu sein, die Se. SDlajeität in so hohem Grade für Ihre Person empfindet, und ^Zhuen bie Wünsche zu übermitteln, die er für die Wohlfahrt Frankreichs hegt. Ich habe die Ehre, Herr Präsident, meine ehrerbietige Huldigung für den ersten Beamten der Republik hinzuzufügen.

Präsident F a 11 i ö r e s erwiderte mit folgenden Worten:

Herr Botschafter! Ich habe das große Vergnüge das Schreiben, das Sie als außeroroenllichen Botschafter und bevollmächllgten Minister des deutschen Kaisers be­glaubigt, entgegenzunehmen und Sie willkommen zu, heißen Die Wunsche für die Auftechterhaltung und Be- Jefhgung der guten Beziehungen, die zwischen unseren beiden Ländern bestehen, unb für die Entwickelung chrer gemeinsamen Jnteresjen, denen Sie soeben Ausdruck ge*

Erft-S Matt 160. Jahrgang Montag SI. Oktober 1910

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für die Redaktion 112, ISgjF-r.(,

ZL General-Anzeiger für Sberheffen SS

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