ferner vermag ich an das Zustandekommen der gesetzgeberischen -Aktion nicht mehr zu glauben.
Professor 9 i l l e b r a n d t - Breslau: ' Der geheimen Wahl müssen wir von vornherein widerstehen, denn haben wir sie für den Landtag, so besteht die Gefahr, das; wir sie auch für die Kommunen bekommen. Nur wenn die öffentliche Wahl bleibt, kann die Vorlage für uns annehmbar werden. Der Gedanke der Kulturträger ist erwägenswert. (Beifall.)
Oberbürgermeister K ö r t e - Königsberg: Von einem anderen Standpunkte aus als der Vorredner komme ich zu einer ablehnenden Haltung gegenüber den bisherigen Beschlüssen. Jetzt werden durch die öffentliche Wahl viele direkt in das Lager der Sozialdemokratie hineingetricben, denn oft genug wird von der Sozialdemokratie die Parole ausgcgeben, daß niemand mehr bei jemanden arbeiten lassen oder kaufen darf, der nicht sozialdemokratisch stimmt. Die Regierung ist ja mit innerlichem Widerwillen an diese Reform herangegangen. Die Erklärungen vom Ministertisch sind nicht überall vollständig in sich schlüssig gewesen, und in weiten Kreisen im Volle sicht man darin eine gewisse innere Unsicherheit, ein Sichführenlassen, n i^ch t ein energisches und zielbewußtes Führen. (Sehr richtig.') Wäre von vornherein die Regierung mit einer zielbewußten bestimmten Meinung aufgetreten oder hätte sie unter ihrer gegenwärtigen Leitung von vornherein den Gedanken der Wahlrechtsreform nicht mit in ihr Programm ausgenommen, es wäre ein klarerer und für die Patrioten im Lande erfreulicherer Zustand cingetreten. (Zustimmung.) Ein Zustand wie der jetzige ist mit den Bismarckschen Traditionen nicht vereinbar, weil wir es feit Jahren in Preußen vermissen, daß ein fester, energischer und, wenn es sein muß, auch rücksichtsloser Kurs gesteuert wird. (Lebhaftes Bravo!) Heute werden Maßnahmen, die von noch so weiten Volkskreisen gefordert werden, nicht ausgeführt, weil ihnen heute die Liberalen, morgen das Zentrum und bann noch einmal die Konservativen widersprechen. Dann kann man sich nicht wundern, wenn schließlich eine solche Mißgeburt zustande kommt, wie sie hier vor uns liegt. Mit dieser Vorlage kann kein Mensch zufrieden sein, weder der, der voll Ja, noch der, der voll Nein lagt. Aus diesem Gesichtspunkt heraus muß man meiner Ansicht nach zur Ablehnung der Vorlage und auch zur Ablehnung aller Abänderungsanträge kommen. Ich werde zwar für die kleine Verbesserung des Antrages Schorlemer stimmen, aber gegen das ganze Gesetz, weil es nicht die direkte und geheime Wahl bringt.
Herr von Wedel-Piesdorf: Die Einer- und Zweier- Bezirke kann man freilich als Mangel betrachten. Zum großen Teil werden sie aber nach der jetzigen Vorlage verschwinden, namentlich wenn der Antrag Schorlemer angenommen wird. Daß die Einer-Bezirke aber vollständig beseitigt werden, kann ich nicht wünschen, denn es gibt vielfach Bezirke in unserem Vaterland, so zum Beispiel im Osten, wo der Großgrundbesitzer entsprechend der Lage der Verhältnisse allein in der ersten Klasse zu wählen hat. Meine politischen Freunde sind darin einig, daß sie dem öfsentlichen Wahlrecht vor dem geheimen entschieden den Vorzug geben. .Ein Teil meiner Freunde ist so pon der Schädlichkeit des geheimen Wahlrechts überzeugt, daß er unter keinen Umständen diesem zustimmen würde und daß er, wenn das geheime Wahlrecht beschlossen werden sollte, die ganze Vorlage ablehnen würde. Ein anderer Teil hält sich für verpflichtet, dem Anträge Hillebrand zuzustimmen. Dieser Teil ist aber der Ansicht, daß, wenn der Antrag abgelehnt werden sollte, wir die Vorlage sorgfältig durchberaten und eventuell annehmen würden, weil die vollständige Ablehnung ein Unglück wäre. (Beifall.) Ein dritter Teil meiner Freunde lehnt den Antrag Hillebrand ab. Zu dem gehöre auch ich. Wenn nämlich jetzt das Gesetz vollständig scheitert, so wird es im nächsten Jahre mit vermehrten Kräften wieder an uns herantreten, es wird schlechter sein als das gegenwärtige. In dieser Ansicht bestärkt mich vor allen Dingen der lebhafte Wunsch der Linksliberalen sowie der Sozialdemokraten, daß das Gesetz jetzt scheitern möge. Da ist es doch besser, daß wir etwas zustande bringen. Den Antrag Wallraf lehnen wir ab, weil dadurch die landwirtschaftlichen Interessen nicht genügend gewahrt wurden. Ein Wahlkreis aus tausend Fabrikarbeitern einer fluktuierenden Bevölkerung ist nicht gleichwertig mit einem ländlichen Wahlbezirk mit einer kleinen, fest angesessenen, an ihrer Scholle hängenden Bevölkerung. (Beifall.) In angemessener Weise werden wir ja eine Veränderung der Wahlbezirke vornehmen müssen. _ Aber jetzt können wir die Hand dazu nicht bieten. (Lebh. Beifalls)
Oberlandesgerichtspräsident a. D. Dr. Hamm: Ich habe den Wunsch, daß die Verständigung auf allerbreitester Basis, auch unter Mitwirkung des Zentrums zustande kommt. Meine Angriffe richten sich gegen die Art des Zusammengehens der Konservativen mit dem Zentrum iin Abgeordnetenhause, da das Zentrum in her Wahlreck tssrage auf dem radikalsten, auf dem sozialdemokratischen Standpunkt steht. Tas Zentrum ist in der Lage, heute nach links und morgen nach rechts zu marschieren. Es hat die Massen ebenso in der .Hand wie die Sozialdemokratie. Woher kommt das? Ich will es mit einer kleinen Anekdote beantworten. Als ich einmal als liberaler Kandidat aufgestellt war und in einer Versammlung sprach, da sagte mir am Schlüsse ein Angehöriger des Zentrums: das ist ja alles sehr nett, was Sie gesagt haben, aber wählen tun wir Sie doch nicht, denn man ist länger tot als lebendig! (Große Heiterkeit.) Solange das Zentrum diese Verquickung von Religion und Politik treibt, ist diese Partei ein Unheil. Wenn das Zentrum in der Frage der Dritte- lung nicht nachgibt, dann ist immer noch die Hoffnung 'vorhanden, daß die Konservativen mit den .Mittelparteien zusammengehen können. Tenn an der Drittelung sind ja gar nicht die Konser^ vativeu interessiert, sondern nur das Zentrum. Ich halte es für eine Ehrensache des Herrenhauses, eine solche vermittelnde Stellung einznnehmen, daß auch die Mittelparteien dem Entwürfe zustimmen können.
Graf Porck von Warten bürg: Mein Antrag verfolgt das dreifache Ziel, daß in so großen prinzipiellen Fragen in Zukunft keine Kompromisse mehr geschlossen werden können, daß die Ausschaltung großer staatserhaltender Parteien vermißen wird, und daß mir selber und einer erheblichen Zahl meiner Freunde die Zustimmung zu dem geheimen Wahlrecht erleidjtcrt wird. Es ilt uns sehr wohl bekannt, daß ein Wahlrecht nicht für die Ewigkeit gemacht^wird. Die Frage liegt so: Inwieweit ist eine Beteiligung der Sozietät verträglich mit den Interessen des preußischen Staates. Da lasse ich keine Exemplifizierung auf fremde Länder zu. Preußen hat seine besonderen Aufgaben, und seiner Genesis nach ist vorzugsweise Macht sein Charakter.
Damit schließt die Aussprache.
Es folgt die Spezialberatung. Die §8 1 bis 3 werden angenommen. 8 4 sieht die geheime und indirekte Wahl vor. Ein Antrag Reinke '.ordert die direkte und geheime Wahl, ein Antrag Hillebrandt die öffentliche Wahl auch der Wahlmänner.
Professor Dr. Reinke- Kiel begründet seinen Antrag, der den Wünschen der weitesten Kreise des preußischen Volkes entspreche.
In der A b st i m m u n g wird der Antrag Reinke ab- gelchnt, ebenso der Antrag Hillebrandt gegen eine erhebliche Minderheit. § 4 wird in der Fassung des Abgeordnetenhauses angenommen.
Hierauf vertagt das Haus die Weiterberatung auf Freitag 11 Uhr.
Schluß 5Vi Uhr.
Aus Stadt und Land.
Gießen, 29. April 1910.
** Landesversicherung. Der Gr o ß herzo g hat den Provinzialdirektvr der Provinz Oberhessen Dr. K^rrl U sing er zu Gießen, den Geh. -Oberforstrat Lndw. Frey zu Tarmstadt und den Kreisrat des Kreises Alsfeld Dr. Otto Heinrichs auf ihr Nachsucheu von den ihnen seither üb-er- tragenen Stellen eines ständigen Mitgliedes und Vorsitzenden, eines ständigen Mitgliedes und eines stellv, ständigen Mitgliedes des Landesversicherungsamts enthoben und den Ministerialrat im Niinisterium des Innern Franz Höl- zingcr zu Darmstadt zum ständigen Mitglied und 'Vor
sitzenden des Landesversicherungsamts, den vortr. Rat im Ministerium der Finanzen, Abteilung für Forst- und Kame- ralverwaltung. Geh. Oberforstrat Friedr. Joseph zu Darmstadt zum ständigen Mitglied des Landesversicherungsamts und den ständigen Hilfsarbeiter im Ministerium des Innern, Regierungsrat Gust. Spam er zu Darmstadt zum stellv, ständigen Mitglied des Landesversicherungsamts jeweils im Nebenamt, ernannt.
**Die Verkehrs-Einnahmen aus dem Personen-und Güterverkehr betragen nach vorläufiger Feststellung: für die Eifenbahndirektionsbezirke Frankfurt a. M. und Mainz: im März 10 020 000 Mi. oder gegen das Vorjahr mehr 1620000 Mk. = 19,3 Proz.; in der Zeit vom Beginn des Rechnungsjahres 126 221 000 Mk. gegen das Vorjahr mehr 12903 000 Mk. = 11,4 Pn^.; für öic Preußisch-Hessische Eisenbahngemeinschaft: im Monat März 1910 159 678 000 Mk. oder gegen das Vorjahr mehr 15129 000 Mk. = 10,5 Proz.; in der Zeit vom Beginn des Rechnungsjahres 1896 450 000 Mk. oder gegen das Vorjahr mehr 116 805000 Mk. = 6,6 Proz.
** Tie Schwurgerichtssitzungen der Provinz Oberhefsen für das zweite Vierteljahr 1910. beginnen Montag, 6. Juni, vormittags 91/2 Uhr. Zum Vorsitzenden ist Landgerichtsrat Schmahl hier bestellt.
** Hilfe für das Büdingcr Land. Ter Zusammenbruch des Bankgeschäftes von Hofrat Rothschild in Büdingen und des damit zusammenhängenden Vorschuß- und Kreditvereins zu O b e r - M 0 ck st a d t haben eine derartige Notlage der Bevölkerung im Büdinger Land hervor- aerufen, daß die hessische Regierung, um den ehemaligen Mitgliedern der Genossenschaftskaffe Hilfe zu bringen, int Verein mit den Landständen einen Aufruf vorbereitet hat, der in den nächsten Tagen veröffentlicht werden soll. Ter Fehlbetrag der Genossenschaftskasse beziffert sich auf 702 000 Mark, und da eine unbeschränkte Haftpflicht besteht, beträgt der Kopsteil 2300 Mark für 423 Mitglieder, von denen etwa 118 völlig oder doch teilweise leistungsunfähig sind. Großenteils sind es stark verschuldete Kleinbauern, Torfhandwerker, Arbeiter und Tagelöhner, von denen durch einen zu gründenden Hilfsfonds und anderweite Unter» stützunaen die drohenden Konkurle und Zwangsvollstreckungen abgewendet werden sollen. Ein vom Kreisausschuß Büdingen bestellter Ausschuß wird die Verhältnisse aufs sorgfältigste prüfen und die Unterstützungen direkt an die Gläubiger abführen. Die gesammelten Gelder sind dem Zugriff der K'onkursverwaltung entzogen.
** Auch eine Wetteransage. „Treibt die Esche vor der Eiche, hält der Sommer große Bleiche, treibt die Eiche vor -der Esche, hält der Sommer große Wäsche." Hoffentlich bewahrheitet sich diese alte Wetterregel nicht, sonst hätten wir abermals einen nassen Sommer in Aussicht, denn die Eichen sind in diesem Jahre der Esche um etwa 8 Tage voraus. Im vergangenen Frühjahr war der Unterschied auffallend, die Eschen trieben beinahe 14 Tage nach den Eichen aus. Ter darauffolgende verregnete Sommer wird vielen noch lange in unangenehmer Erinnerung sein.
** Preußische Klaffen-Lotterie. Tie Erneuerung der Lose zur 5. Klaffe der 222. Lotterie muß spätestens bis zum 3. M ai geschehen sein. Auch müssen die Freilose zur 5. Klasse gegen Rückgabe der Gewinnlose 4. Klasse bis dahin eingesordert sein.
— Schotten, 28. April. In den 54 Gemeinden des Kreises Schotten werden int Rechnungsjahr 1910 im ganzen 339 690 Mk. Gemeindeumlagen erhoben, oder durchschnittlich 129,777 Proz. Zuschlag der doppelten Grundzahlen und des ganzen Einkonnnen- slcuerbetrages. Den höchsten Steuersatz, aber den kleinsten Sleucr- betrag erhebt die kleine Gemeinde Schmitten, näinlich 290 Pik. — 234,248 Proz. Es folgen der Höhe des Ausschlags nach Höckers- dors mit 196,729 Proz. (3500 Mk.), Kölzenhain 196,672 Proz. (2600 Mk.) Glashütten 191,031 Proz. (6100 Alk.), Köddingen 189,671 Proz. (7000 Mk.), Brenngeshain 189 Proz. (4000 Mk.), Kaulstos 178,038 Proz. (250-J Mk.), Sichenhausen 177,154 Proz. (2500 Mk.), Altenharn 175,966 Proz. (3400 Mk.), Ober-Lais 174.924 Proz. (7400 Pik.), Helpershain 172,765 Proz. (5000 Mk), Steinberg 167,920 Proz. >4800 Pik.), Stumpertenrod 162,908 Proz. (9000 Pik.), Ober-Seibertenrod 157,288 Proz. (4000 Mk.), Solms- Ilsdorf 155,119 Proz. (1800 Mk.), Storniels 149,i99 Proz. (5300 Pik.), Rainrod 146,979 Proz. (9000 Pik.), Götzen 14^,697 Proz. (2800 Mk.), Betzenrod 143,266 Proz. (4400 Mk), Wohnield 143 Proz. (4000 Pik.), Rudnigshani 141,77Proz. (6000 Mk.), Ulfa 141,745Proz. (14 200 Mk.), Unter - Seibertenrod 140,855 Proz. (4200 Pik.), Eichelsachsen 140,338 Proz. (10 300 Mk.>, Wingershatlsen 140,148 Proz. (3100 Pik.), Nieder-Seemen 137,169 Proz. (3500 Mk.), Rebgeshain 135,358 Proz. (2200 Mk.), Busenborn 135,174 Proz. (3300 Pik.), Eschenrod 128,674 Proz. (h300 Mk.), Sellnrod 124,484 Proz. (4700 Pik.), Burkhards 123,121 Proz. (6600 Pik.), Ober-Schnritten 121,672 Proz. (9500 Mk), Eichelsdori 120,243 Proz. (12--00 Mk.), Groß-Eichen 118,909 Proz. (8700 Mk.), Ober-Seemen 115,385 Proz., (10 000 Mk.), Bobenhausen 115,234 Proz. i550d Mk.), Meiches 111,83 Proz. (4700 Mk.), Gedern 111,482 Proz. (26 000 Mk.), Lerchenhain 103,988 Proz. (2000 Mk.), Schotten 102,183 Proz. (39 000 Mk.), Einartshausen 97,42 Proz. (2500 Mk.), Feldkrncken 95,274 Proz. 12000 Mk.), Hartmannshain 94 278 Proz. -1600 Mk.), Ulrichstein 92,277 Proz. (9005 Mk.), Mittel-Seemen 89,834 Proz. -3100 Mk.), Gonterskirchen 83 Proz. (4000 Pik.), Volkartshain 81,499 Proz. (150(1 Mk.), Wetterield 77,705 Proz. (5000 Mk.>, Laubach 76,223 Proz. (28 000 Mk.), Piichelbach 75,432 Proz. (2000 Mk.), Klein-Eichen 71,065 Proz. (1200 Mk.), Nnppertsburg 44,>88 Proz. 6000 Pik.), Lardeiibach 41,425 Proz. (1800 Pik.) und Freienseen 30,504 Proz. (2500 Mk.)
n. Büdingen, 28. April. Auf ein Bittgesuch des Pfarrers KaLbhenn von Ober-Mockstadt hat der Kaiser während seines letzten Aufenthaltes in .Homburg für die Notleidenden im Bezirke der zufammengebrochenen V 0r s ch u ß t as f e einen entsprechenden Betrag an die Leitung der Hilfsaktion zuweisen lassen. Hoffentlich werden weitere Kreise dadurch auf tue große Hilfsbedürftig- Eeit der hart Betroffenen au.srnerk.sarn gemacht, damit es gelingt, die vorhandene Not zu lindern.
v. S chlitz, 28. April. Unter großer.Beteiligung wurde gestern der älteste Einwohner unseres Städtchens, der Lehrer t. P. K. Stein, im 89. Lebensjahr zuGrabegetragen. Bis in die letzten Tage er (reute sich der alte Lehrcrveteran einer staunenswerten geistigen und körperlichen Frische, öö Jahre lang hat ec in vorbildlicher Treue und Gewissen- hastigleit seine Kräfte in den Dienst der Schule gestellt, und dankbar wurde seiner Verdienste auch am Grabe gedacht. Unter herzlichen Worten des Dankes und der Anerkennung wurden Kränze niedergelegt vom Vorsitzenden des Schlitz er l ander Lehrervereins, von Pfarrer V 0 g t-Ober-Breidenbach im Namen der dortigen Gemeinde, wo der Verstorbene lange Jähre tätig war, von Lehrer De g g au-Breidenbach im Auftrage "des Bezirkslehrer- verems Alsfeld u. a. m. Mit einem Grabkied des hiesigen Gesangvereins „Harmonisches Kränzchen" fand die erhebende Feier ihren Abschluß.
)( Marburg, 28. April. Auf dem Transport zur Landesheilanstalt entsprang heute ein S t r ä f l in g und entkam in das Lahngebirge. Der Flüchtling ist klein, untersetzt und spricht sächsischen Dialekt.
Provinzial-AuSschutz der Provinz Oberüessen.
L. Gießen, 27. April.
Nachdem der frühere Bürgermeister Gondolf von Ober-Wöllstadt sein Amt niedergelegt hatte, sand N e u- wahl statt, bei der PH. Wilh. Feuerbach 87 Stimmen und der 80jährige Vater des früheren Bürgermeisters 82 Stimmen erhielt. Feuerbach war somit gewählt. Gegen seine Wahl wurde von einer großen Anzahl Wähler mit der Begründung Einspruch erhoben, es hätten unzulässige Wahlbeeinslussungen stattgefunden. In der Verhandlung vor dem Kreisausschuß des Kreises Friedberg wurde fest- gestellt, daß nach einer Wahlversammlung 4 sogenannte Bembel Apfelwein von 3 Anhängern des Feuerbach gespendet worden sind, von denen auch Nickst an häng er des Feuerbach vorgesetzt bekämen. Tie Spender bestritten aber, den Apfelwein mit Bezug auf die Wahl zum besten gegeben zu haben. Am fraglichen Abend fei die Sprache auf den Kaiserpreis der 116er gekommen, es seien militärische Erinnerungen ausgekanschk und im Anschluß daran der ?lpfel- wein gespendet worden. Ties sei aber erst nach geschlossener Wahlversammlung geschehen. Ter Kreisausfchnß maß diesen Behauptungen Glauben bei, und wies den Einspruch als unbegründet zurück. Auch der Provinzial-Ausschuß vermochte sich nicht zu überzeugen, daß hier eine Wahlbeein- skusfung vorliege und verwarf den gegen das Kreisausschuß- Urteil erhobenen Rekurs kostenfällig.
In der Sache Enteignung in Gemarkung Schwalheim zur Erweiterung des Bahnhofs Bad-Nauheim wurden die Parteien eingehend gehört. Das Urteil wird in einer der nächsten Sitzungen verkündet werden.
Die Sitzung dauerte mit IstZstündiger Unterbrechung von 10 Uhr Dornt, bis 7i/2 Uhr abends.
Eingesandt.
(Für Form und Inhalt aller unter dieser Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung.)
Gießen, den 23. April 1910. Sehr geehrte Redaktion!
Es gibt immer und überall Personen und Personenkreise, deren Interesse dahin geht, in tendenziöser Weise die Verhältnisse,, wie sie wirklich liegen, zu verfälschen. Zwei Berichte, die Sie kürzlich erachten, geben davon Zeugnis! Der eine berichtete aus Hungen, daß ein langwieriger Nachbarrechtsprozeß, ein angebl. „fetter Prozeß", nach langem Streite endlich verglichen worden sei und es Ivar davon die Rede, der Pro-teß habe bereite einige Tausend Mark gekostet, es hätten im Lause der Jahre 16 Termine stattgefunden. Letzteres kann ziemlich stimmen. Mer da cs zur Tendenz geworden ist, die Gebühren der Anwälte, wie überhaupt die Gerichte kosten, bezw. Prozcßkosten als unerschwinglich hoch hinzustellen, sei hier zur Steuer der Wahrheit mitgeteilt, datz die Gerichtegebühren dieses Prozesses in zwei Instanzen knapp 6 Mark betragen, die Anwaltsgebühren jeder Partei sage und schreibe je 13 M a r f. Hierzu kommen einige Reisekosten und allerdings wohl ziemlich erhebliche Zeugenauslagen.
Der zweite Fall betrifft den Bericht über einen ganz üblen Schwindler und Kurpfuscher schlimmster Sorte, der, »veil das den Herren so paßt, der Natur Heilkunde an die Rockschöße, gehängt wird, um diese zu diskreditieren — gegen solche Ge- schichtsvcrfälschung muß energisch protestiert werden. Der Stiert hat mit der Naturheilkunde gar nichts gemein, sehr viel aber, mit der Medizin, die bekanntlich noch heute den Jmpfunsug für Wissenschaft ausgibt!
2ürd?lid?e Üad?rid?ten<
Lvangeillche (oeinemoe.
Sonntag Rogate, den 1. Mai: Gottesdienst.
In der Stadtkirche.
Vormittags 8 Uhr: Pfarrer S ch w a b e.
Zugleich Christenlehre für die Neukonfirmierken der Markus- gemeinbe.
Vormittags 9'/, Uhr: Proi. D. E ck.
Vormittags 11'Uhr: Kinderkirche st'ir die Matthäusgemeinde.
Pfarrer D. Schlosser.
Montag den 2. Mai, abends 8 Uhr: Versammlung des Frauenvereins der Markusgemeinbe.
In der Iohannerkirche.
Vormittags 8 Uhr • Pfarrer Aus selb.
Zugleich Christenlehre für bic Neukonfirmierten aus der Johannesgemeinde.
Vormittags 9'/? Uhr: Pfarrer B e ch t 0 l s h c i m e r.
Vormittags 11 Uhr: Kinderkirche für die Lukasgemelnbe.
Pfarrer B e ch 101 s h e i m e r.
Donnerstag den 5. Mai, H i m m e l s a h r t f e st: In der Stadlkirche.
Vormittags 9‘/„ Uhr: Pfarrer D. Schlosser.
In der Zohanneslirche.
Vormittags 90, Uhr: Pfarrer A u s f e l b.
In der alten Zriedhosskapellc.
Nachmittags 2 Uhr: Pfarrer B e ch t 0 l s h e i m e r.
katholische Gemeinde. Gottesdienst.
Samstag bcii 30. April:
Nachmittags um 6 Uhr unb abends um 8 Uhr: Gelegenheit zur heil. Beicht.
Sonntag ben 1. Mai, 5. Sonntag nach Ostern: Vormittags von 61/. Uhr an: Gelegenheit ziir heil. Beicht.
Vormiltags um 7 Uhr: Die erste heil. Piesse.
„ um 8 Uhr: Austeilung der hl. Kommunion.
, um 9 Uhr: Hochamt mit Predigt.
„ um 11 Uhr: Heil. Messe mit Predigt.
Nachmittags um 2 Uhr: Christenlehre; darauf Muttergottes-Anbacht.
Dienstag unb Freitag abenb um 67. Uhr ist Mai-Anbacht.
Freitag um 7 Uhr ist Hl. Plesse mit'Segen.
Israelitische Rdigionsgemcinöc. Gottesdienst in der Si)naqoac (Sud-Anlage).
Samstag den 30. April unb Sonntag bett 1. Mai 1910: Passahfest.
7. Tag: Vorabend 7.15 Uhr.
Morgens: 8.30 Uhr. Nachmittags: 4.00 Uhr.
8. Tag: Vorabend: 8.35 Uhr.
Morgens: 8.30 Uhr. Predigt.
Nachmittags: 4.00 Uhr.
Festesausgang: 8.35 Uhr.
Meteorologische Beobachtungen der Station Eischen.
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Höchste Temperatur am 27. bis 28.
Niedrigste . , 27. , 28.
Niederschlag: — 0,1 mm.
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Sonnens, Sein . Klarer Hi mmel । Bcd. Hir unel
April --- 4- 14,0 0 0.
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