-Nr. 354
Viertes Blatt
Samstag ÄS. Oktober 1910
160. Jahrgang
Erscheint tLgllch mit Ausnahme des Sonntags.
Julius Obernzenner
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FRANKFURT A. M,
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Die ..-ietzener Kamilienblatter" werden dem .Anzeiger' viermal wöchentlich beigelegt, das „Kreisblatt für Öen Kreis »letzen" zweimal wöchentlich. Die „Landwirtschaftliche« Seit- fragen" erscheinen monatlich zweimal.
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Gießener Anzeiger
General-Anzeiger für Gberhessen
Prinzen Friedrich Karl, des neuernannten General-Feld- marschalls, i>em sich Prinz Ludwig von Hessen und der kommandierende General des 9. Armeekorps, von Man- stein, beigesellten. Sämtliche Offiziere hatten trotz des schlechten Wetters Galauniform angelegt, um den tapferen Feind zu ehren. Der Vorbeimarsch der Garden, der verspätet erst um halb drei Uhr begann, bildete für alle, dio ihm beiznwohnen Gelegenheit hatten/ein ergreifendes mili- lärisches Schauspiel: fast 25 000 Mann, lauter Elitetruppen, defilierten hier in guter Ordnung, aber ohne Sang und Klang, ernst und niedergeschlagen, unbewaffnet, teilweise mit geschulterten Stöcken oder Weinbergspfählen vorbei — welch ein Gegensatz zu den Siegern, die rechts und links Spalier bildeten! Diese zogen nunmehr weiter ins Herz Frankreichs hinein, um den sehnlichst herbeigewünschten Frieden erzwingen zu helfen; jene wurden als Kriegs-, gefangene nach Deutschland gebracht, über den Rhein, den sie als Sieger zu überschreiten gehofft hatten! —
*♦ Die Verkehrs-Einnahmen aus dem Personen- und Güterverkehr betragen nach vorläufiger Feststellung : für die Eisenbahndirektionsbezirke Frankfurt a. M. und Mainz: September 12 370 000 Mk. oder gegen das Vorjahr mehr 221 000 Mk. — 1,82 Proz., in der Zeit vom Beginn des Rechnungsjahres 71 780 000 Mk. oder gegen das Vorjahr mehr 3 553000 Mk. = 5,21 Proz.; für die Preußisch- Hessische Eisenbahngemeinschaft: im September 176 648 000 Mk. oder gegen das Vorjahr mehr 13 006 000 Mk. = 7,95 Proz., in der Zeit vom Beginn des Rechnungsfjahrvs 1 030 238 000 Mk. oder gegen das Vorjahr mehr 64 350 000 Mk. = 6,66 Prozent.
** Freimarkenheftchen. Die Reichspostverwaltung gibt vom 1. November ab Freimarkenheftchen aus, die 12 Freimarken zu 10 Pfg., sowie 16 Freimarken zu 5 Pfg. enthalten und zum Preise von je .2 Mk., dem Nennwerte des Markeninhalts, an den Postschaltern zum Verkauf bereitgestellt werden. Die Heftchen sind zum Teil mit roten, zum Teil mit grünen Umschlägen versehen.
** Stadttheater. Zum bevorstehenden Gastspiel der Schlaftänzerin Madeleine Trilby dürfte ein Auszug aus einer längeren Zuschrift in der „Zittauer Morgenzeitung" interessieren, die der Nervenarzt Dr. Brodtmann anläßlich eines Gastspiels der Künstlerin am dortigen Stadttheater vor kurzem veröffentlicht hat. Wir entnehmen der angegebenen Quelle: „So leicht es ist, einen Menschen in gewöhnliche Hypnose zu versetzen, so äußerst selten sind die Fälle, in denen es gelingt, katcrleptische Automatic und zwar in solcher Vollendung wie Madeleine Trilby sie namentlich aus den Gebieten der bildenden und darstellenden Kunst darbietet, herbeizuführen. Es ist immer ein beinahe ungeheuerlicher Zufall, wenn im Menschheits- aetriebe der weiten Welt zwei Personen wie sie und ihr Impresario und jetziger Gatte einander begegnen, deren beiderseitige Psyche gewissermaßen so auseinander einge
Aur Stabt unb Land.
Gieuen, 29. Oktober 1910.
Unser Regiment vor 40 Jahren.
Der 29. Oktober bildet in der Regimentsgeschichte >er 116er einen Gedenktag von besonderer Art: an ihm oar es einem Teile des damaligen 2. Regiments (Groß- ,erzog) vergönnt, die Früchte, die das deutsche Heer vor Netz durch eine 70tägige Einschließung zur Reife gebracht jatte, und den Triumph der deutschen Waffen mitfeiern zu ielfen. Gemäß dem 2. Artikel des Kapitulationsvertrages ollten die Forts St. Quentin, Plappeville, St. Julien, Hueuleu und St. Privat, sowie das Mazellentor der eigent- ichen Festung am Samstag den 29. Oktober mittags den «eutschen Truppen überaeben, d. h. von diesen besetzt werden, lachoem vorher durch deutsche Artillerie- und Ingenieur- »ffiziere die Minen untersucht und unschädlich gemacht, owie die Pulvermagazine in-Obhut genommen wären. Von »en hessischen Truppen wurde eine aus dem 2. Bataillon »es 1. und des 2. Regiments, einem Zug Artillerie und ,er Pionierkompagnie zusammengesetzte Abteilung bestimmt, >as südsüdwestlich von Metz gelegene Fort St. Privat (jetzt feste Prinz August von Württemberg) und ein kleines Zorwerk bei Montigny zu übernehmen; das 2. Regiment stellte außerdem auch die Regimentsmusik; das Kom- nando über die Abteilung führte Oberst Kraus desselben iegiments. Unter strömendem Regen begann an genanntem "age zwischen 12 und 1 Uhr der Ausmarsch der französischen Gruppen auf sechs verschiedenen Sttaßen. Die Besetzung -er Forts durch dievDeutschen erfolgte derart, daß sie sofort lach Abzug der letzten französischen Besatzungstruppen in ■ .eren Stellen einrückten. So geschah es auch in St. Privat: n der Spitze die Pionierkompagnie, dann die Musik, der Divisionskommandeur Prinz Ludwig mit seinem Stabe, ie Brigade- und Regimentskommandeure, schließlich die eiden Znfanteriebatarllone und die Artillerie, zogen die )essen mit fliegenden Fahnen und unter den Klängen ines Siegesmarsches in das Fort ein, während aus der ndern Seite der besiegte Feind entwaffnet abmarschierte — l n die Kriegsgefangenschaft. Unter dem Hurra der Truppen wurden zum Zeichen der Besitzergreifung die Fahnen auf •en Wällen aufgepflanzt, ein Vorgang, welcher an jenem enkwürdigen Tage sich auf sämtlichen Werken der Festung reignete und den Franzosen laut und deutlich verkündete: Netz ist jetzt wieder deutsch und wird, soviel an uns liegt, I uch deutsch bleiben! — Wer noch einer anderen Denk- Würdigkeit wohnte die Vertretung »des Regimentes bei: dem lusmarsch der französischen Garde auf der Sttaße nach :oTnt). In dem Fort ließ Die Abteilung nur eine Kompagnie es 1. Regiments zurück, der Rest marschierte gegen 3 Uhr | achmittags nach jener Straße bis Tournebride und nahm , ort Aufstellung, gerade gegenüber dem Standorte des
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stellt ist, daß sie derartige Höchstleistungen auslöst: das wird stets nur wenigen Auserwählten Vorbehalten Weib en, und deshalb sind solche Erscheinungen von jeher mit einem gewissen Recht als wissenschaftliche Wunder angestaunt worden."
Starkenburg und Rheinhessen«
! Mainz, 28. Okt. Mannschaften des hiesigen Fuß- artillerie-Regiments Nr. 3 und des Hanauer Eisenbahn- Regiments find seit einiger Zeit mit der Anlaae einer militärischen Feldbahn von dem Artilleriedepot in Mainz nach dem Außenfortgürtel beschäftigt. Der Schienenstrang führt von der Rhein-Allee nacy der Gastell- scheu Wagenfabrik und von dort über den kleinen und großen Sand nach Finthen. In kurzer Zeit wurden unter Leitung des Oberleutnants Oestteich vom Fußartillerieregiment Nr. 3 die Schienen, die etwa 2 Meter lang sind, bis zur Unterführung an der Wiesbadener Bahnlinie gelegt Auf dieser bereits sertiggestellten Strecke werden dann auf kleinen Wagen die zum Bau nöligen Schienenteile, wie auch im Ernstfälle ein größerer Mannschaftswagen befördert. Die Fertigstellung Der etwa 7 Kilometer langen Strecke soll bald erfolgen. Im Kriegsfälle hat eine solche Förderbahn die Verbindung mit den Außenforts aufrechtz,uerhalten und für die Zufuhr von Munition und anderen Dingen zu sorgen. — Dem Gefreiten Karl Anstatt von der 4. Komp, des Pionier-Bataillons Nr. 21 wurde vom Kaiser für die Rettung eines Arbeiters vom Tode des Ertrinkens die Rettungsmedaille verliehen.


