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28.5.1910 Drittes Blatt
 
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Samstag 28. Mai 1910

160. Jahrgang

Drittes Blatt

Nr. 122

erscheint ISgUch mtt Ausnahme der Sonntags.

demokraten würden in der Hauptwahl ca. 1000 Stimmen

aus dem wahltreise Zriedberg-vvdingen.

Hausbesitzern hohen Rabatti

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OM. r"»eb.

DieGießener Zamillendlätter" werden dem .Anzeiger' viermal wöchentlich beigelegt, das Kreisblatt für den Kreis Liehen" zwennal wöchentlich. DieLandwirtschaftlichen Seit» fragen" erscheinen monatlich zweimal.

abkommandieren zugunsten des Kandidaten des Bundes, um liefen in die Stichwahl zu bringen. Um so sicherer hofften ite Sozialdemokraten, in der Stichwahl zu siegen.

Am Donnerstag früh konnte man beobachten, wie ein

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Wir erhalten folgendes Stimmungsbild aus dem Wahlkampf:

Der Wahlkampf steigert sich. Wenn zu Anfang an der Oberfläche nur eine leichte Kräuselung entstand, gingen mut die Wellen immer höher, und jetzt braust der Dee und torll sein Opfer haben. Die erste Versammlung im Stadtbau- saale in Friedberg ließ sich ganz friedlich an, auch die nach­folgenden in Nauheim usw. gingen noch vorüber ohne zu scharfe Hiebe von rechts und links. Es macht den Eindruck, als ob die endliche Stellungnahme des Zentrums dre Lage

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Gießener Anzeiger

General-Anzeiger für Oberhesien

nur scklvcr zu behaupten. In letzter Zeit wurden zwar vielfach Verkäufe zur Sicherstellung des erzielten Gewinnes vorgcnoiu- men, die teilweise PreiSrüaschläge zur Folge batten,, uidesten ist der Markt für Judustriepapiere noch immer recht, feit.

timismus bestärkt, daß in Amerika wieder günihgere Anschau- ungen herrschen, nachdem dort die sinketrden Getrcrdcpreife dre Erporthoffnungen belebten. Dazu kommen die Meldungen über eine lebhaftere Kauftätigkeit am dortigen Eisenmarkt, woran,man die Hoffnung knüpft, daß eine günstige Rückwirtung cmf dm heimiichen Atärkle nicht ausbleiben werde. Einen Impuls jur das Erwerbsleben erwartet man namentlich von einem baldigen Frieden im Baugewerbe, woran ja fortwährend gearbeitet wird. Im Zu­sammenhang mit solchen Erwägungen schenkte man den weit­gehende Zurückhaltung und Unsicherheit pcrratenben Berichten aus der Mvutan-Jndustrie kaum größere Beachtung, Montan- papiere begegneten vielmehr erhöhtem Intereste, wenn auch ihre Kurse recht schwankend waren. Einiges Angebot veranlaßten, die von einer Berliner Großbank bekanntaegebenen ^tvidenden^ schätzungen, weil sie zum größten Teil den Erwartungen der Spekulation nicht ent)brachen. Auch die durch Untcroictungm l^rvorgerufene Schwächung der Stabeisenpreise blieb Nicht un­bemerkt Dagegen erweckten günstigere Berichte aus Oberschlefien Kauflust namentlich für Hütten-Aktien. Von Kohlenaktien roaren Gelsenkirchener begünstigt auf Gerüchte über eine fortschreitend« Verbilligung des Betriebs durch die neuen Anlagen. Kattwerkc Aschersleben gewannen 3 Prozent, während Westeregeln eben* soviel verloren. Das Hauptinteresse konzentrierte sich auf Kaff a- Jindustriepapiere, von denen Brauerei-Aktien, chemifchc Werte, Maschinenfabrik-Aktien und Elektrizitätswerte meist Fort­schritte erzielten. Gemische Goldenberg haben icdoch aus Gewürz realisationen 21 Prozent, Lederwerke Sprer 10 Prozent und Dürkopp auf den bei dem Unternehmen abgebrochenen (Streit 9 Prozent eingebüßt. Auf den übrigen Gebieten blieben die Umfaße begrenzt und die Kursveränderungen sind nur gering. Heumfche Fonds zogen wenig an. Privatdiskont 3V* Prozent.

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verschärft habe.

Ick) hatte die Absicht, die Zentrumsversammlung zu besuchen, obwohl nur Freunde geladen waren und der Ein­tritt nur gestattet sein sollte gegen Vorzeigung einer Karte in den päpstlichen Farben: goldgelb. Eine solche Gin« ladungskarte hatte ich in der Hand, gab sie aber nneder zurück, da ich keine Zeit hatte, die Versammlung zu be­suchen. Nach Berichten märe aber der Eintritt in den Saal derDrei Schwerter" ganz unnötig gewesen: die Fenster standen bei der Hitze weit offen, und Herr Erzberger hat so laut und deutlich gesprochen, daß man die ganze Rede behaglich in einem Nachbarhause am Fenster sitzend hätte stenographieren können.

Nachdem ich am Morgen die Wetterkarte angesehen habe, pflege ich in das bekannte Hotel Trapp zu gehen, um dort eine Wetterkarte anderer Art anzusehen, aus der sich erkennen läßt, wie das Wahlwetter verlaufen wird in den nächsten Tagen die schwarze Tafel, auf der die Hotelgäste verzeichnet stehen. Da findet man dann wechselnd bei'anute und auch unbekannte Namen der liberalen und anderen Parteien, Parteimünner, die friedlich unter einem Dache Stärkung suchen für die Schlachten draußen im Wahlkreise. . ,, , .. r

Der Kandidat der Nationalliberalen taucht auf dieser Fremdentafel auf und verschwindet wieder. Professor van Calker wechselt zu seiner Erholung das Auditorium. Ist er's hier satt, dann fährt er trotz der Hitze nach Straßburg zu seinen Studenten. Da wird ihm wieder wohl und er kehrt erfrischt an Seih' und Seele zu seinen nicht immer artigen Hörern hierher zurück. .

Beruhigt sieht der NationaNibevale Namen tote Dr. Breithaupt, Fuhrmann usw. auf dieser Tafel. Heiß überläuft es den, welcher im Redetournier nicht fest tm Sattel sitzend auf der anderen Seite kämpft. Auch die Fremdenlafel kündigt stilles Wetter oder Sturm an, auch das Wahlwetter wird durch herangekommene Zyklone be­einflußt. ,. ...

Wechselndes Wetter kündigt neuerdings diese Wetter­tafel an. Warthorst de Wente ist angekommen,Reichs- laasabgeordneter und Führer des deutschen Bauernbundes. Aue Mann an Deck, alle Segel gesetzt, höre ich den Bund der Landwirte rufen. Es wird scharfe Hiebe fetzen, hinüber und herüber. . . _ r ,

Für den Nicht engagiert en sind die Wahlversammlungen auf den Dörfern oft recht unterhaltend. Der nationall-berale Kandidat spricht, er hat leider niemals Gelegenheit, mit seinem Gegner in diesem Kampf die Ktingen zu kreuzen. Der Bundeskandidat muß ein Mittel haben, sich unsichtbar zu machen. Seine Freunde sind da, er fehlt und jagt auf ängstlich verschwiegenen Jagdgründen.

Der Kandidat der stLattonalliberalen spricht vornehm, sachlich. Da, ein Zwischenruf: Börse, noch einer: Erbcmfall­steuer, immer noch einer: Großkapital. Professor van Calker reibt sich die Hände, lächelt verbindlich, verbeugt sich mit den Worten: ich komme zu dem Gegenstand, ich vergesse nichts, aber eins hübsch nach dem andern! So gehts aus einer Wahlschlacht in die andere, bis sich die Wahlschtotelen im Gehörgange einstellen, die tuen not!

Neue Gerüchte durchschwirren die stickige Wahlluft. In den äerirfiiebenen Varteilagern behauptet man, die Sozial-

ICircbe und Schule.

Die 2 1. Landesversammlung des Hessischen Hauptvereins des Evang. Bundes wird Sonntag, 10. und Montag, 11. Juli in Mainz stattfinden. In mehreren Sitzungen haben die Vertreter des Haupwereins, des Zweigvereins Mainz, der dem Bund angeschlossen, und der übrigen coang. Vereine, sowie der Kirchenvorftande der Stadt und der Vororte die nötigen Vorarbeiten erledigt. In der Sitzung vom 17. d. M., der auch der Hauptvereinsvorsitzende, Pfarrer O. W a t tz aus Darmstadt, anwohnte, wurde die Festordnung festgesetzt. Em großer Festausschuß wird soeben gebildet. Die Kirchengefang- dcreme der Stadt und der Vororte haben sich zu einem Gesamt- chor vereinigt. Namhafte hessische und auswärtige Redner sind gebeten und zum Teil schon gewonnen.

* Die Südwestdeutsche Konferenz für Innere Mission wird ihre 45. Jahresversammlung vom 5. bis 7. Juni in Frankfurt a. M. ab halten Es wurde dafür folgendes Programm ausgestellt: Sonntag, 5. Juni: Eröfmungs- gottesdienst in der Matthäuskirche. Festpredigt: Superintendent Schöttler (Berlin-Schöneberg). Familienabend im Gemeindesaal mit Ansprachen von Pfr. Leydhecker:Aus dem Leben und Wirken Pastor von Bodelfchwinghs" und Inspektor Schlitter-Karlshohe: ,Die männliche Diakonie in Südwestdeutschland. Montag, 6 Juni: Sitzung der vereinigten Ausschüsse. Spczialkomerenz. Gasthausreform: Pfarrer Bender-Karlsruhe. Jungmännerheim: Sladtpfarrer Wüterich-Stuttgart. Gemeinsames Mittagefsen. 1 Hauptversammlung. Der Kampf gegen die Entttrchlichung m Stadt und Land: 1. Referat mit Bezug auf tue Stadt: Pfr. Wurm-Stuttgart. 2. Referat mit Bezug auf das Land: Pfr. Kopfermann-Eaub. Spezialkonferenz der Brüderhausleiter. Oef- feMliche Versammlung des Vereins zur Hebung der Sittlich­keit im großen Saal des Kaufmännischen Vereins am Eschen­heimer Tor, zu der die Konferenzmitglieder einaeladen sind. Redner: Dr. jur. Lennartz-Köln, prafL Arzt Dr. Löffler-Frankfurt a M. und Liz. Wielandt-Baden. Dienstag: 7. Junu. Morgenandacht, Bereinsgeistlicher Pfarrer Jäger-Frankfurt Die Fürsorge für die unehelichen Kinder, a) Das soziale Problem: Vrof. Dr. Klumker-Frankfurt. b) Tie Behandlung durch die Innere Mission: Pastor Pfeiffer-Berlin. Gemeinsames Mittagessen. Abfahtt vom Hauptbahnhof über Darmstadt nach Nieder-Ramstadt. Dort Be­sichtigung der Anstalt für Epileptische unter Führung des In­spektors Weimar. Gmig nach derTrinkerheilstatte Burgwaw.

Ine. beeid. Sachverständiger (in gewerblichen Schutzrechtange­legenheiten) für das kgl. Landge­richt Hagen i/W. prüft Erfin­dungen kostenfrei, reell u. sachgemäss. la. Empfehlun­gen bezüglich Anmeldungu. Ver- wertung. 12 eigene Geschäfte (u. a. Berlin). Frankfurt a. M., Neue Zeil 92. Tel. 9936.

Dörsen-Wochcnbcricht.

-- F rankf urt a. M., 27. Mai.

Die Börse zeigte auch in den letzten acht Tagen schwankende Haltung, was zum Teil auf die U lttmo regul i eru ng zuruck- zuführen war. Im Ganzen konnte sich aber der feste Grundton behaupten. Anfangs der Woche gaben Besorgnisse wegen der weiteren Gestaltung der G e l d v e r h ä l t n i f s e der Unter­nehmungslust einen 'Kämpfer, namentlich war die Auf- und Abwärtsbewegung des Londoner Scheckkurses hier und ui Paris mitbestimmend für die Fluktuationen der Börientendenz, indem man die Möglichkeit größerer Geldexporte aus Deutschland Be­fürchtungen müpste. Als später die Bank von Frankreich zur B-friediaung der englischen Goldansprüche sich bereit erklärte und hier der Kurs für Scheck London wieder rückläuäge Bewegung Per- wlate begegnete die Lage wieder zuverstchtlicherer Beurteilung um so mehr, als auch der letzte Reichsbank-Ausweis einen günsti­gen Eindruck machte. Ultimogeld war mit 4*/8 Prozent redlich offeriert Die Hauptstütze für die feste Grundsttrnmuiig der Börse bildeten die günstigen © a atcnftanbdb erichte, die eine gute Ernte und eine Befruchtung des ganzen Wirttchaft^lebens er­hoffen lassen. Ohne daß sich solche Aussichten erfchloiien, wäre der Stand der Kurse mancher Papiere schwer zu rechtfertigen und

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Agitator des Bundes auf offener Straße sich mit dem Führer der Sozialdemokraten angelegentlich unterhielt sie werben von der kommenden ^wetschenernte gesprochen haben.

Es herrscht schwüle Luft, Gewitterschwüle. Nun, es wird doch einmal zur Entladung kommen, auch in Fried­berg. ______________

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