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25.2.1910 Erstes Blatt
 
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trmt Reick ;u treffen fein', sondern vvm Land, so ba£, also der Lmbesausschuß als geser^ebender alter rnitzuwirten hätte.

Audi dieser Antrag wurde vom Landesausschuß einstimmig mtgeramrmcn.

Zur Elttlaffung öcs £anösmannmtnifters Schreiner.

'Jtod? immer sind die Vorgänge, btc zur Demission des oeutscken Laudsmanimimifters Schreiner geführt haben, verschleiert. Es heisst, Schreiner habe dem Thronfolger gegenüber durch taktloses Auftreten sich immöglich gemacht und der Kaiser habe seinen Weg­gang gewünscht. Die deutschen Parteien sind durch Schreiners Abschied natur list) sehr beunruhigt, da sie die grundsätzliche Be­seitigung des deutschen Ministerpostens besorgen:

3m österreichischen Abgeordnetenhaus erklärte am Donnerstag S t r a n S k y (deutsch-radikal), es unterliege keinem Zweifel, daß btc Verabschiedung des um die Deutschen Oesterreichs hochverdienten M i n i st e r S Schreiner von bent Ministerpräsidenten unter dem Drucke der släwischen Union und juni mindesten unter der Mitwissenschaft der christlich-sozialen Par­ier herbeigcsührt worden sei. Der Redner wanrte enlschieden vor einem Versuch, an der Institution des deutschen Landsmann- ministeriumS zu rütteln. Der Ministerpräsident habe sich mit diesem Schritte in entschiedenen Widerspruch zu der deutschen Be­völkerung von ^Oesterreich gesetzt. Die Deutsch-Radikalen würden daraus die Konsequenzen ziehen. Steiner (christlich-sozial) wies die Behauptung des Vorredners bezüglich der Christlich-Sozialen als durchaus unrichtig mit aller Entschiedenheit zurück und betonte, die Ehristlist>-Sozialen würden stets an der deutschen Gemeinbürg­schaft festhalten. Nachdeni die Rekrutenvorlage dem Wehraus- schusse überwiesen worden war, trat das HauS in die Verhandlung der eingebrachten Dringlichkeitsanttägc ein, unter denen sich ein Antrag Mastalka über die von Deutschland geplante Einführung von Elbe-Schifsahrtsabgaben befindet.

Wien, 24. Febr. In der heutigen Vollversammlung der deutsch-freiheitlichen Parteien beantragte Wolf mit Rücksicht auf die durch die Entlassung des deutschen Land s- mannministers dem deutschen Volke zugefügte Brüskierung dem Rbinisterpräsidenten mitzuteilen, daß er auf die Stimmen der deutsch-freiheitlichen. Parteien nicht mehr rechnen dürfe. Der Aittrag wurde mit 38 gegen 19 Stimmen ab­gelehnt. Groß und P r a o e stellten einen Antrag, in dem dem früheren Minister Schreiner für sein zielbewußtes Wirken ge­dankt, die Art unÄ Weise dec Entlassung schärfsteirs getadelt und betont wird, daß die Deutsch-Freiheitlichen unter keinen Um-- ständen auf die Mfrechterhalttcng des deutschen Landsmannmini­steriums verzichten und sich Vorbehalten, aus der Entlassung Schreiners die weiteren Folgerungen zu ziehen. Der Eintrag wurde nahezu einstimmig angenommen.

Wien, 24. Febr. Der dem Parlamente vorliegende Gesetz- entwurs, bettefsend die Dienstpr agmatif der Staats­beamten enthält die Regelung des Avancements der Beamten ncüch dem Dienstalter. Er schafft vier, ihrer Vorbildung nach ver­schiedene Kategorien, nämlich Beamte mit abgeschlossener Loch- )chulbildung, nut der Staatsprüfung, mit Mittelschulbildung, und Beamte geringerer Oualifikatton. Die erste Gruppe erreicht die siebente Rangklasse nach 23,. die zweite und die dritte erreichen die machte Rangklasse nach 28 bczw. 24, und die vierte Gruppe er­reicht die neunte Rangklasse nach 21 Dienstjahren.

Deutsches Reich.

In der Sitzung des Bundesrats am Donnerstag wurde der Vorlage betreffend die Regelung der Handels­beziehungen zwischen dem Deutschen Reiche und .'i' anada Z u st immung erteil t.

Das PräsiH ium des H a n s a - Bund es für Ge- /werbe, Handel und Industrie hat beschlossen, für die drei 'besten Arbeiten über die Frage:Durch welche praktisch durchführbaren Ataßregeln kann das für Errichtung und 'Betrieb kleingewerblicher Unternehmungen erforderliche /Anlage- und Betriebskapital beschafft werden'?", 3 Preise won 2000, 1000 und 800 Mk. auszusetzetl. Die Preisar- beiten wären bis zum 1. Oktober 1910'bei der .Geschäfts­stelle des Lansa-Bundes (Berlin NW. 7, Dorotheenstr.3 III) einMreichen, wo Mch die näheren Bedingungen jedem, zur Verfügung stehen.

In Berlin fand am Donnerstag unter zahlreicher Be­teiligung von Interessenten der Flußschiffahrt eine kon­stituierende Versammlung des ständigen Schiedsgerichts ifür SchifsSkollissionen statt.

Die Leiche des Reichstagspräsidenten Grafen zu Stolberg-Wernigerode wurde am Donnerstag, wie aus Königsberg berichtet wird, auf dem Familiengute in Dönhofstüdl belgesctzt. Als Vertreter des Kaisers er­schien der kommandierende General des 17. Armeekorps ö. Mackensen. Mit dem Vizepräsidenten des Reichstages Erbprinzen zu Hohenlohe-Langenburg waren etwa Mit­glieder aller Fraktionen gekommen, um dem Verblichenen die letzte Ehre zu erweisen.

Im Verlaufe der Sitzung der badischen Zweiten . K a m m e r am Donnerstag gab der Vertreter der Stadt Baden- .Baden, Abgeordneter Koelblin (Natl.), ein Schreiben des vreußi scheu Kriegsmini st eriums be tonnt, in welchem

Der Wandschmuck im Reichrtagssaal.

In einer bei letzten Sitzungen des Rc-^tages wurde Klage darüber geführt, bafc der Sitzungssaal noch immer nicht seinen 'vollständigen künstlerischen Schmuck erhalten habe. Tie West­seite weist statt der von Wnllot geplanten Bronzetüren solche von Holz aus, und an der Ostseite, wo der Präsident thront, die Herren vom Bureau sitzen und sich die 48 Plätze für Bundesrat und Kom- mrssare befinden, ist die Waudsläche oberhalb des Paneels statt mit Gemälden, wie beabsichtigt war, mit grauer Äinwand be­kleidet. Angelo Jauls Bilder, die hier den tünstterischen Schmuck -bilden sollten, haben bekanntlich bei der Mehrzahl der Reichs- lagsboten leinen Beifall gefunden und sind daher anderswo im Gebäude untergebracht worden. So wirkt die graue Leinwand in den gmv.cn Wandfeldern der Ostseite für btc .Harmonie des präch­tigen Raumes tm höchsten Grade störend. Ter lebhafte Wunsch, £at die graue Leinwand bald beseitigt werde,und wenn es mit Gobelins oder Traverien geschche", i>t sehr begreiflich. Allerdings Ed sofortiger Ersatz durch Gobelins nicht möglich, denn cs dürften-weder olle^itodi neue in solcher Gröhe und mit einigere Masten passenden Darstellungen auszutrcibcn fern; sie müßten erst gewebt werden, und hierzu wären Kartons erforderlich, die irgendein großer Vtoler zu liefern hätte. Gleidprvtzl ist die Idee -statt der Otemälbe Gobelins zu lvählen, nicht schlecht, zumal in der Kun st Handweberei Ausgezeichnetes geleistet wird und sich Gobelins mit ihren milden, warmen Farben vortrefflich einer Dekoration cmglictxmi lassen.

Tie Franzosen sind in dieser Beziehung mit gutem Beispiel vorangegangen, demi sie hängten ipt Sitzungssaal der Tepnticrten- kammer oberhalb des Präsidentensitzes und des Bureaus einen riesigen Gobelin auf, der in meisterlicher Kopie RaffaelsSchul' von Athen" barstellt. Ebenso besaß, der alte Sitzungssaal des Ober­faules in London einen Wandschmuck von zehn großen Teppichen, «auf denen die 1588 erfolgte Vernichtung der spanisckxn Armada durch die englische Flotte dargestellt war. Sie waren int Auftrage des Admirals Lord Howarb von Francois Spierinck nach den Kar­tons _bee. holländischen Aialers Vroom gewebt worden, wobei nicht nur Schußfäden von Wolle und Seide, sondern auch solche von Gold und Silber Verwendung gefunden hatten. Leider sind die teilbaren Gew-ebe, die damals alsTapisttv aceounted the finest in Euro"-" gerühmt wurden, bei bent Brande des Ptorlameittsgeoäubes int Bahre 1831 elend zugrunde gegangen. An ihre Existenz e<n»ern bild lick nur noch die Slicl-e des John Pine. Dcögen nun für unseren Reichstagssaal Gebt!ins oder Gemälde gewählt werden, jedenfalls empiiehU ks sich jni Inte pes sc des guten GMmacks,'

dasselbe die Errichtung einer Lustschiffhallebeim Bahn- Hofe Oos im Interesse der Landesverteidigung begrüßt und eine Jahressubvention in Aussicht stellt.

In der Sitzung der sächsischen Zweiten Kammer kam es zu «einem Zu s am men ft o ß der National- liberalen mit der Negierung wegen der angeblich ten­denziösen Landtagsberichterstattung des amtlichenDresdener Journals". Graf Vitzthum v. Eckstaedt nahm die mit der Bericht­erstattung beauftragten Beamten in Schutz, bemerkte aber, er sei wegen der entstehenden Schwierigkeiten bereit, die Landtags- berichterstottung einzustellen. Im weiteren Verlaufe der Sitzung fragte der Abgeordnete Langhammer die Regierung, ob Ver- hauolungen über eine Verständigung in der Frage der Schiff- fahrtsabgaben, wie sie neuerdings zlvischen Preußen und Baden gepflogen werden, auch mit Sachsen eingeleitet worden seien und mit welchem Erfolg. Darauf erwiderte der Staats­gierung habe bei der sächsischen Regierung den Weg freuirdschaft- gierung habe auch der sächsischen Regierung den Weg freundschaft­licher Verständigung gesucht, lieber den gegenwärtigen Stand der Verhandlungen könne er nichts sagen. Er gebe sich jedoch der Hoffnung hin, daß bei dem bei allen Beteiligten vorhandenen guten Willen die Frage einer befriedigenden Lösung entgegen­geführt werden könne, ohne daß das Verhältnis der .Hoheitsrechte und der wirtschaftlichen Interessen des Landes beeinträchtigt und daß auch die Wünsche und Interessen anderer Länder zurückgesetzt werden.

Ausland.

Aus Paris wird gemeldet: Im Anschluß an den Zwischenfall in der letzten Sitzung des Wahlrechtsausschusses des Senats sand zwischen dem früheren Minister M i l l i e s - Lacroiz und dem Mitgliede des Ausschusses Lentilhae ein Zweikampf statt, wobei Lentilhae durch einen Stich in den rechten Unterarm kampfunfähig gemacht wurde.

Wie man aus Petersburg meldet, statteten der König und die Königin der Bulgaren am Donners­tag der Kaiserin Witwe im Anitschkowpalais einen Besuch ab und kehrten danach nach Zarskoje Sselo zurück.

Aus Statt und Land.

Gießen, 25. Februar 1909.

** Folgende Grundbücher sind seit 1907 in Oberhessen legalisiert worden: Für Gemarkungen, für die Grundbücher auf Grund der Ilurvermessungen vorhanden mären, nunmehr aber Grundbücher nach den Ergebnissen einer Parzellenvermessung legalisiert worden waren: Eu­dorf, Reibertenrod, Rödgen b. Bad Nauheim, Schwalheim, Ruttershausen, Staufenberg, Saasen, Rüddingshausen, Angersbach und Berstädter Markwald; für Gemarkungen, für die schon Grundbücher nach den Ergebnissen einer Par­zellenvermessung angelegt waren, nunmehr aber Grund­bücher nach den Ergebnissen einer wiederholten Parzellen- Vermessung legalisiert worden find: Münch-Leusel, Schwa- beitrob, Vadenrod, Ostheim, Friedberg (Gemarkungsteil Fauerbach), laichen, Ober-Florstadt, Ockstadt, Weckers­heim, Wölfersheim, Kirtorf (Flur I), Wohnbach, Ringels- Hausen, .Groß-Karben, Klein-Karben, Rodheim v. d. H. und Vilbel.

** Hess. Erziehungsv ereine. .Am Freitag, 4. März, nachm., wird der Landesverband der hessi­schen Erziehungsvereine hier int Gemeindehaus, Kirchstr. 9, seine Hauptversammlung halten. Dabei wird Professor Dr. Mit ter maier dahier einen Vortrag halten überDie Entwickelung des Gedankens der Für­sorge statt der Strafe int Rechte Deutschlands und des .AuL- lattdes". Gäste sind willkommen.

Stadttheater. Damit Theaterfreunden nicht etwa durch Eingehung von anderweitigen Verpflichtungen oder Ver­anstaltungen dec Genuß des theatralischen Hauptereignisses im März entgeht, sei heute nochmals an das Gastspiel von Frau Irene Triesch am Samstag, 12. März, in Brieux' wirk­samem Schauspiel .Die rote tRobe" erinnert.

** Religio ns wissenschaftlicher Vortrag. Am 'Samstag, 12. März, nachmittags, hält der Direktor des Friedberger Predigerseminars, Prof. D. Eger, im Hotel Großherzog von Hessen auf Veranlassung des Gießener Lehrervereins einen Vortrag überD i e biblischen Wunderberichte und der Religionsunter­richt."

*" Bodenreform. Der für heute angekündigte Vor­trag über die Grundwertsteuer kann, wie man uns mitteilt, wegen der Verhinderung des Redners Herrn Pohlmann nicht stattsinden. Dafür sindet eine Monatsversammlung der hiesigen Ortsgruppe der Bodenreformer in dem für den Vortrag in Aussicht genommenen Lokal statt.

** Die Holzv ersteiger un gen der Stadt Gießen sollen in diesem Jahre gegen den Erlös des Vorjahres eine Mindereinnahme von 45000 Mk. erbracht haben.

die häßlichen grauen Leinwandflächen wenigstens mit farbig passen­den Draperien zu verdecken. An einer horizontalen 2Lange mittels Ringen befestigt, tonnen die Draperien in schlichten senkrechten Falten Nach unten fallen. Mtt geringen Mitteln läßt sich aus diese Weise ein Zustand schäften, der zur Schönheit und vornehmen Bestimmung des Raumes nicht in schreiendem Gegensätze steht. Wie bedeutend übrigens die Dimensionen der Wandfläche sind, laßt sich daraus ermessen, daß der 21,56 Meter tiefe Saal 29 Meter breit und vom Fußboden bis zur Glasdecke 13,15 Meter hoch ist. Gehen auch von der zu schmückenden Ostwand die hohen Paneele und die Friesarchitektur, sowie die breiten senkrechten Teilungen ab, so bleibt immer noch eine gewaltige Fläche übrig, die künstlerisch zu bewältigen ist. O. K.

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München und Oberammergau 1910. Das bayerische Hochland wird in diesem Sommer die Ausmvrksamkeü des reisenden Publikums in hervorragendem Maße auf sich lenken, da dem Besucher ganz erlesene Genüsse geboten roerden. Die P a s s i o n s s p i e l e in Oberammergau haben im Laufe der Zeit einen Weltruf erlangt, und es erübrigt, über diese Aufführungen hier näheres zu sagen. Ac ü n ch e n bietet an hervorragenden Ber> anstaltungen die Ausstellung von Ateisterwerken m o h a m e d a n i» j ch e r St u n ft, vornehme Musikieste (Schumann Gedenkfeier Richard-Stranß-Woche Beethoven-Brahms-Bruckner-Zyklus Mahler 8. Symphonie mit 10u0 Mitwirkenden), die Festspiele im Alünchener Üünulerthealer, die Richard^Wagner-Feslspiele im Prinzregenten-Thealer, die Mozart-Festspiele im Residenz-Theater, btc Münchener Jahresausstellung tut Glaspalast und dann die Luftschiiiahrten ms Gebirge, so daß diesmal ein starker Andrang im bayerischen Hochland und in München zu erwarten ist.

Diamanten in Meteorsteinen. In her jetzigen! Zeit, da durch das Erscheinen des öaUcbidai Kometen die all­gemeine Aufmertsamkeit auf die fernen Himmelskörper hin gelenkt worden i|t, ist auch viel die Rede von Meteorsteinen, die zuweilen ans anderen Wellen auf unsere Erde herabsauseu. Biele Menschen envarten von der Nähe des Kometen mindestens eüi Riesenfeiier- ivcrk von Aleteoriten, das einige Mainächte am Himmel zu sehen fern soll, weil wir dem üopf des ftiometen doch gar zu nahe kommen. Diese Erwartung wird zlvar nicht in Erfüllung gehen, aber trotz­dem beschäftigen sich die Gedanken vieler Blenschen jetzt mit diesen hei neu Körpern, die ja durch .de Sternschnuppe uns wieder in Erirmeiung gebracht wert.:::. Wie wollen nun auf eine Tatsache auimcriiam mad.en, die ma/t allgemein bekannt sein dürste, nänv- lich das gcleßeiitiidje Vorkommen von Diamanten in den Mete­oriten. Im Jahre 1887. wurde ppn xussychen MsneratogUi ein

Bisher wurde nur Brennholz ausgeboten. Die 9Bitzhol> Versteigerungen finden erst in der tommenden Woche'stat.

" In Amerika verstorbene Hessen. Rosa Qdenhcimer, geb. Strauß, 37 Jahre alt, in Ncwyorl: Heinrich Maywald, Mechaniker aus Eberstadt, m Brooklyn' Richard Strube in Brooklyn; F. I. Horn, 60 Jahre alh in Rochester; H. L. Kir au§ Altenhato, 60 Jahre alt, in Cincinnati.

R. Babenhausen b. Mücke, 24. Febr. Dem Ver­nehmen nach soll unsere seitherige Fahrpost Verbindung eine ganz eigenartige Umgestaltung erhalten. Sie ging seif, her nach Mücke und soll jetzt über Groß-Eichen, Sellnrod und Larüeubach nach Station Weikartshain gehen. Diesem Plane steht man hier recht fremd gegenüber. Da bet meiste Verkehr von hier nach Gießen geht, so könnte man keinen Anschluß nut der Post erreichen und man müßte, wenn mar mit ihr fahren will, erst eine Reise um die Welt machen. Auch alle Postsachen würden eine bedeutende Verspätung er» halten; der Gießener Anzeiger, den wir jetzt abends um 9 Uhr erhalten, würde z. B. erst am anderen Mittag um 12 Uhr hier eintreffen. Seit dem 1. Januar hat man uns schon dadurch recht stiefmütterlich behandelt, daß die Fahr­post un Sonntagen eingestellt ist. Es wäre rechi wünschenswert, wenn die seitherige Fahrt, insbesondere auch -die Fahrt an Sonntagen beibehalten würde.

fc. Mainz, 24. Febr. Die von verschiedenen Zeitungen gebrachte Ateldimg, dec Gouverneur der Festung Ltoinz, General der Infanterie v. Goßler, habe den erbetenen Abschied bewilligt erhalten, ist unrichtig. Der Gouverneur hat ein Abschiedsgisuch überhaupt nicht eingereicht.

Frankfurt a. M., 24. Febr. Eine sehr unangenehrnc Geschichte passierte einem hiesigen Schneidermeister. Ei hatte eines Abends eine Wein- und Bierreise gemacht und war in einer Bar gelandet, wo er eine reizende junge Dame kennen lernte. Als der Schneider mit Alkohol vollständig ge­füllt war, äußerte die junge Dame den Wunsch, auf feine Kosten eine Reise nach Pans zu machen. Der Schneider­meister war an dem Abend sehr freigiebig und füllte eine Visitenkarte des Inhalts aus, daß ec dem Fräulein 1000 Mk. zahle, wenn es innerhalb acht Tagen die Reise nach Paris an« trete. Dann fuhr er vergnügt nach Hause. Rach einigen Tagen erschien ein Kriminalbeamter und verhaftete ihn unter dem Verdacht dc§ Mädchenhandels. Das Fräulein hatte die Visitentärte nicht sorgfältig genug verivahrt, und so war deren Inhalt schließlich der Polizei bekannt geworden. Aber der Schneider konnte nachweisen, daß er nur mit Anzügen, nicht aber mit Mädchen handelt, und so wurde er, nachdem er sein Abenteuer erzählt, nach lurzer Haft wieder freigelassene Der Schriftsteller Müller- Her f u r t h wurde dieser Tage des Abends beim Jiachhausegehen von zwei Leuten angefallen, deren er sich nur mit mehreren Revolverschüssen et« wehren konnte. Er erstattete auf der Polizei Anzeige und diese stellte, n. d. ^F. G.-A.", fest, daß es sich um zwei Leute, namens Bohnert und Tullius, handelte, die iu bei Kuppeleiaffäre von der Böhmerstraße eine Rolle aespiell hatten. Offenbar wollten sie sich wegen der Behandlung dieser Sache in der von dem Slngegriffenen herausgegebenen ^Fackel" rachen.

** Kleine Mitteilungen ans Hessen und den Nachbarstaaten. Der jeit einigen Jahren m S ch l i tz lebende Oberlehrer i. P. W e i s e n b a ch feierte am Donnerstag feinen 80. Geburtstag.

Universitäts-Nachrichten.

Frankfurt a. Al., 24. Febr. Die Akademie hat int Wintersemester mit 1693 Personen die Gesamtfrequenz aller bis- beugen Semester bedeutend überschritten. Die Zahl der eigent­lichen Besucher beträgt 348, die der .Hospitanten 560 und die bet Hörer 785. Von den ordentlichen Studierenden brachten 119 34 Proz. und von den Hospitanten 170 = 34 Proz. eine ab­geschlossene akademische Vorbildung nut, sodaß von beiden gu- sammen fast % eine akademische Vorbildung besaßen. Dem Bernik nach gliedern sich die Zuhörer: 371 Kaufleute, 44 Ingenieure, Chemiker, Bauineister usw., 89 Juristen und höhere Verwaltung^ beamte, 16 mittlere Verwaliungsbeanile. 278 Mehrer und Lehre­rinnen, hiervon 56 akad. Gebildete, 35 Studierende der neueren epraaicn, 26 Studierende der Mathematik und Naturivissen- schaften, 33 sonstige gelehrte Berufe (Aerzte ec.), 309 sonstige Be­rufen und 492 ohne Beruf. Die Gesamtzahl der Frauen beträgt 4,60 die Zahl der Ausländer 47.

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vermischtes.

* Internationale Bernfsfta'tiftik. In Deutiö- land entfallen nach der letzten Zahlung von 100 Erwerbstärig, i Atetcorsrein, der ans nickelhaltigem Eisen bestand, in Säure au - gelöst, und unter der zurückbleibenden amorphen Kohle fand nw.i and) einen farblosen Diamanten von fast 2 Millimeter Lurchrnessei. Drei Jahre spater wurde ans einem Berge in dem amnikanisch-i Staate Arizona eine große Menge von meteorischen Lriunmci' massen gefunden, unter denen die schwersten Meteoriten ungefähr 100 Kilogramm wogen. Als jtim eines der aufgcfnndenen Eifeii- meteoritcn mit Sck mirgckl migefchliffen werden sollte, gelang do; nicht, die sLchmirgelscheiben wurden vielmehr in ganz kurzer Zeit abgenutzt. Eine .genaue Untersuchung ergab chls Grund dich: auffallenden Erscheinung, daß sich in der Eisenmasse ein Anzahl jdMarzer, sehr harter ^lörperchen fand, die bei d r d-cnti schen und ^physikalischen Analyse sicher als Diamanten feftgestel» i tourben. Damit wurde der Fund der russischen Mineralogen to Itätigt, daß Meteorsteine zuweilen Timnaitten führen können, >-: haben also einen ähnlichen Enttvickelungsprozetz durchgemacht nn: manche Gesteine unserer Erde.

Ein verschwindendes Stück Alt-London Wieder fällt ein historisch interessantes Stück des alten Loiidoc augenblicklich der Spitzhacke zuni Opfer. Zwischen Flcet Stteel uni iDoUrorn stand bisher noch der Häuserkomplex vonNevilles Court' , einem einstigen Besitze des uralten Adelsgeschlechttes der Neville-:, aus dem zahlreiche für Englands Geschichte wichtige Persönlick : feilen hcrvorgegmigen sind. 2er Zufall hatte diesen Winkel vor fchont, als 1666 die große Feuersbrunst mehr als 13 000 Häufet J her inneren Stadt in Asche legte, und so sind die Häuser iwn Nevilles Court mit bat einander überragenden Stockwerken, fc.'-i vvrsprmgeiiden altertümlichen 2ad}t raufen, bleigefaßten Fen sic i fd-ellren utid schmalen eichenen Eingangstüren einer der letzten | Ueberrcste jenes Stadtviertels aus der Zeit Shakespeares un1 Cromwells. Hier war im 18. Jahrhundert das <)ai4>tqinirh? ter Mährischen Brüdergemeinde, als diese ihre erste Niederlasstmt üi England begründete. Graf Ziuzendorf selbst weilte 1731 hie 511 Beindr Einer der Prediger dieser Gemeinde, die seil 174.s hier eine eigene Kapelle besaß, umr Heinrid) LV. Prinz von Reni' dessen Pwrträt noch bis ht die jüngste Zeit in dem einstigen Brüder hau,e zu sehai war. (Sein hatte lebender Rcachtommc Prin Hernrid) von Rcuß wäre Hollands Thronfolger, wenn mdu in roriga1 Jahre die Prinzessin Juliane geboren worden wäre.- 2i Besitzer dos Hauses, die es schon feit mehreren Genevationcn sind gehören aud- jetzt uock der Brüderganeint^' an. Als Kurioi'um !' angcTüIjrt, das eines der jetzt virsd^viiidendeu Häuser von NcviU.--' Court bis vor kurzem von K.'ir Hardie, dem betomitt-n eng.li|d-i- ^ozialisteiijührcr, bcwphut wurde.

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