Ausgabe 
28.7.1910 Erstes Blatt
 
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an­der der

frühere Hebertetiiftintmlrng brr Änschauungcn aitzuknühfen in der Laqe sind, sondern man wird, wenn auch keine aktuelle Frage Anlaß zu der Entretme in Marienbad gibt, doch deren Wert 'nicht unterschätzen. Besonders aber wird der Staatssekretär, seiner ganzen Laufbahn entjprechend, seine Auslassung in der Behand- Iirng der Orientfragen zur Geltung zu bringen vermögen, also derjenigen Fragen, an welchen unsere auswärtige Politik -zumeist interessiert ist. .Herr v. Kiderlen-Wacchtcr ist einer der besten Kenner des europäischen Ostens. Als ge­wiegter Oricntpolitiker tritt daher der neue Staatssekretär den Berliner Posten an, bringt aber als eine markante Per­sönlichkeit, die man längst in ihm erkannt hate, auch in den weiteren Gesichtskreis des neuen Amtes eigene Gesichts­punkte mit. Tie Konscrcnzen dieses hervorragenden Diplonraten mit dem Grafen Aehrenthal werden sicherlich wertvoll sein. Eine gewisse Wesensähnlichkeit wird auch von den beiden Männern behauptet, die ihnen ein Zusammenarbeiten leicht und erwünscht machen muss. Unmittelbar wichtige Entschlüsse sind aller- diirgs in Marienbad nicht zu fassen. Die allgemeine poli­tische Lage hat sich erfreulicherweise geklärt und beruhigt: namentlich Deutschlands Beziehungen zu den Weststaaten sind in der günstigsten Entwickelung, von der soeben erst die ge­haltene bedeutsame Rede des Ministerpräsidenten Asquith über die F l o t t c n r ü stu n g e n Zeugnis gegeben hat. Ein günstiges Prognostikon darf man auch fiir die Balkan-Situation stellen. Die gemeinsame Auffassung der deutschen und österreichisch-unga­rischen Politik, welche zu Ende des vorigen Sommers Lei. Bethmann- Hollwegs Antrittsbesuch in Wien fcstgcstellt wurde, hat keine Ver­änderung erfahren, weder bezüglich der Türkei noch .Kretas. Es liegt demnach für die verbündeten Kaisermächte kein Grund zu einer neuerlichen Stellungnahme vor. Die Lage der Türkei ist allerdings nicht frei von Schwierigkeiten. Das Werk der inneren Konsolidierung setzt sich aber, ungeachtet solcher Schivierig- kciten, die sich einerseits ^neuestens in Albanien und Mazedonien durch die Nationalitäten-Fragen, andererseits durch den bisweilen zu stark betonten türkischen Nationalismus ergaben, doch stetig durch. Oesterreich-Ungarn und das Deutsche Reich verfolgen diese Entwicklung mit vollen Sympathien für den türkischen Vcrsassungs- staat. Staatssekretär v. Kiderlen-Wächtcr wird sich mit dem Grafen Aehrenthal in solchen Anschauungen zweifellos begegnen. Die, heutige Zusammenkunft in Marienbad wird eine neue Bürg­schaft daiür bieten, daß die auswärtige Politik der beiden Reiche in voller Uebcreinstimmung und in frischem Zuge miteinander geht.

poliftfcbc Tagesschau.

Das Wirtschaftsprogramm der neuen Kolonialleitung.

Der Staatssekretär des Reichskolonialamts hat, wie wir bereits mitteilten, beschlossen, eine ständige Kommission zur Unterstützung der Kolonialverwaltung in wirtschaftlichen Fragen zu schaffen. Dieser Beschluß, mit dem v. Lindequist feilt neues Amt einleitet, ist mit großer Befriedigung $u begrüßen, da die in Aussicht genomürene Einrichtung die dauernde Fühlung^ zwischen Verwaltung und Praxis ge­währleistet. Das Schreiben, das der Staatssekretär in der Angelegenheit unterm 25. an die Berliner Handcls- l' a nt in c r gerichtet hat, lautet wie folgt:

Die große Anzahl wirtschaftlicher Fragen und Ausgaben, die von der Kolonialverwaltung auf dem Gebiete des Handels und der Industrie zu lösen sind, läßt es mir erwünscht erscheinen, in steter Fühlung mit Männern des praktischen wirtschaftlichen Lebens zu sein, die besonders Sachkenntnis in ihrem Fache mit weitem Blicke lur das Wohl des Ganzen vereinigen. Das Zusammenarbeiten mit solchen berufenen Vertretern der lvirtschaftlichen Praxis erscheint mir der beste Weg, um die Entwicklung unserer Kolonien zu förberu und ihre eigenen wirtschaftlichen Interessen mit den Bedürfnissen der heimischen Volkswirtschaft in Einklang zu bringen.

Gewiß fällt der Privatinitiative, dem Flciße, der Tüchtigkeit uird der Kopitalkraft dcc> einzelnen Siedlers, Kaufmanns und Pflanzers die Hauptaufgabe zu, und nichts liegt mir ferner, als

Für die geographische Erschließung wirkt in ähnlicher Weise bereits seit Jahren mit gutem Erfolg die landeskundliche Kom­mission, während fiir die rein landwirtschaftlichen Fragen mit dem Deutschen Landwirtschaftsrat und der Deutschen Landwirt­schaftsgesellschaft, insbesondere deren vor Jahresfrist gegründeten Kolonialabtcilnng, engere Fühlung genommen worden ist, die sich als sehr nützlich erwiesen hat.

Ter Handelskammer wäre ich zu Dank verpflichtet, wenn sie aus ihrer Mitt." oder ihrem Bezirke mir zwei für dieStändige Wirtschaftliche Kommission der Kolonialverwaltung" geeignete Herren wählen und mit der Erklärung, daß sie die Wahl genommen haben, gefälligst bald benennen würde. Die von Handelskammer Erwählten werden von mir zu Mitgliedern Kommission ernannt werden."

Litte AbschiedLfeier fiir Herrn v. 5choen.

Berlin, 27. Juli. Zur Abschiedsseier für den cheidenden Staatssekretär Freiherrn v. Schoen hatten sich heute abend die Beamten des Auswärtigen Amtes im großen Saale des Kaiserhofs zahlreich versammelt. Als Senior der Tafelrunde brachte der Direktor der Rechts­abteilung, Wirkl. Geheimerat v. FrantziuS, das Hoch auf den Kaiser auS. Er gedachte hierauf in längerer Rede der Verdienste des Freiherrn v. Schoen um die Entwickelung des seiner Leitung unterstellten Amtes. Freiherr v. Schoen dankte voll tiefer Bewegung und schloß mit einem Hoch auf die Zu­kunft des Auswärtigen Amtes.

eine Bevormundung der wirtschaftlichen Tätigkeit in unseren Ko­lonien. Aber dieser, letzteren sind seitens der Verwaltung in den der .Kultur wenig erschlossenen kolonialen Gebieten in viel höherem Maße als in alten Kulturstaaten noch die Wege zu ebnen. Die von der Verwaltung zu schassenden Grundlagen für die wirtschaft­liche Betätigung, wie beispielsweise Ausbau von Vertehrsstrasum aller Art, Ausdehnung der Geldwirtschaft, eine für die Schutz­gebiete geeignete Regelung und Organisation des Kreditwesens, Nutzbarmachung der Eingeborenen für die wirtschaftliche und kul­turelle Arbeit, Organisation des Arbeitsmarktes sind noch nicht vollendet, wenn auch bereits beachtenswerte Fortschritte erzielt wurden.

Aber auch über diese gruirdlegenden Ausgaben hinaus hat die Kolonialverwaltung noch weitere für die .Kolonialwirtschaft zu erfüllen. Die Produktion selbst, die in entwickelteren Ländern in der Regel ihre eigenen Wege geht, ist zunächst noch mit Rat und Tat zu unterstützen durch Einrichtungen, welche die Kräfte des Einzelnen übersteigen. Die Verwaltung wird hier zunächst richtung­gebend sein müssen, und dies umsomehr, wenn sic die bezeichnete Aufgabe, die Kolonien in Ucbercinstimmung mit den Bedürfnissen der deutschen Volkswirtschaft zu entwickeln, erfüllen >vill. Es sei hier nur an die Produktion der Kolonialwaren und der für die deutsche Industrie notwendigen Rohstoffe, wie Wolle, Baum­wolle usw., erinnert, bezüglich deren auch weiter auf die parallel laufende Tätigkeit des verdienstvollen Kolonialwirtschaftlichen Komitees gerechnet wird. Dazu kommen ferner Fragen des Finanz- und Zollwesens.

Bei der Lösung dieser Aufgaben können sachverständige Fach- leute aus dem praktischen wirtschaftlichen Leben mit reichen Kennt­nissen und Erfahrungen in ihrem Geschäftsbereiche die Kolonial- verwaltung in hohem Maße unterstützen.

Aus vorstehenden Erwägungen beabsichtige ich, eine ständige Kommission zur Unterstützung der Kolonialverwaltung in wirt­schaftlichen Fragen der gekennzeichneten Art zn sckiafsen. Es ist beabsichtigt, die Konrmission von Zeit zu Zeit zn gemeinsamen Sitzungen unter dem Vorsitze des Staatssekretärs einzuberufen, auch in einzelnen Fällen Gutachten von den Mitgliedern zu er- bitten.

Lin neuerKönig von Montenegro".

Der römische Korrespondent derMoruing Post" sagt, daß nunmehr and), nicht der geringste Zweifel darüber mehr 'bestehen könne, daß der,F ü r st v o n Montenegro dem Drängen nachgeben und den Königstitel annehmen werde, und -zwar im Laufe des nächsten Monats. Der »Korrespondent erfährt aber, daß der Fürst die Krone mehr als Qtncn Tribut an seine eigene Person und als eine Anerkennung seiner besonderen Stellung als Doyen unter den Vatkanfürsten ansieht, und nicht als eine Bestätigung der Theorie, daß Montenegro der erste serbische Staat sei. Daher sei auch keine Rede davon, daß der Titel König von Senta von ihm gewählt werden würde.

Derselbe Korrespondent hört, daß das Ministerium Tomanovitch gleich nach den Festlichkeiten im nächsten Mo­nat zurücktreten werde, und zwar aus drei Gründen: Erstens weil der Premierminister gegen die Annahme des Königstitels ist, zweitens weil die politischen Gegner, die gegenwärtig wegen der angeblichen Beteiligung an der Verschwörung gegen den Prinzen Nicholas im Gefängnis sitzen, mit in die Amnestie einbegriffen werden sollen und drittens weil man in einem kleinen Lande wie Montenegro der Ansicht sei, daß ein Ministerium, das drei Jahre nm Ruder war, einem anderen Platz machen müsse.

Das neue persische Kabinett.

Zu der Neubildung des persischen Kabinetts tele- araphiert der Vertreter derTimes" in Teheran, daß mit Ausnahme des Premiers Mustaif el Mamalik und des Mi­nisters des Innern Firman Firma keiner der neuen .Herren bisher einem persischen Ministerium angehürte. Huessein Kuli Khan Nawab war eine Zeitlang Sekretär der persischen Gesandtschaft in London. Er spielte eine hervorragende Rolle in der nationalistischen Bewegung und war einer der ührenden Geister der revolutionären Regierung des vorigen Jahres. Dabir El Mulk ist Justizminister geworden, und Kavam es Sultaneh Kriegsminister. Der erstere war bisher Unterstaatsselretär im Ministerium des Innern und der andere Unterstaatsselretär im Kriegsministerium. Hakim et -Vtutf, der Finanzminister, ist ein Mitglied des Parlaments ebenso wie Assad Ulla Mirza, der Minister für Posten und Telegraphen. Der letztere richtete kürzlich einen sehr charfcn Angriff auf die Regierung, der er vorwarf, die Vorschläge der ausländischen Berater der Regierung nicht genügend berücksichtigt zu haben. Der Korrespondent'meint, es sei unter den Umständen schwer zu jagen, ob dieses neue Kabinett sich als besser als das vorige erweisen werde. Der Erfolg des neuen Kabinetts werde zweifellos davon ab­hängen, wie es demselben gelinge, die finanzielle Frage z.u lösen.

weiß, wo cs sich befindet, ist irr der schwierigsten Lage. Es kann auf die See, über die Grenze, in Gebirge uird Sümpfe verschlagen werden, wenn es nicht halb gelingt, die Orientierung wieder zu gewinnen. Wie schwer bas ist, weiß jeder praktische Luftschifscr. lieber dem flachen Lande, wo nicht Flüsse und Eisen­bahnen Anhaltspunkte geben, wo aber bewohnte Dörfer und Gehöfte in Menge vorhanden sind, mit denen man sich jedoch durch Zuruf wegen des Motorgcräusches nicht verständigen kann, oder über großen Wäldern, wo man ein einsames Forsthaus antrifjt, dessen Lage aus den gleichen Gründen nicht scstzustellcn ist, ut der Luftschiffer hilflos, sobald die Orientierung wegen Fahrt in Wolken einmal auf längere Zeit verloren gegangen ist. Hier setzt nun das Orienti-'rungsfvstcm des Direktors des Kaiser­lichen Aero-Klubs Rittmeisters von Frankenbcrg ein, das nun­mehr praktisch ausgeführt ist und an dessen Ausbreitung jeder mitarbcUeii kann. Jede Provinz hat ein Zeichen, eine Zahl und ebenso jeder Ort einen Buchstaben, so daß mit Hilfe des Siynalbuches sofort, wenn beispielsweise eilt einsames ForsthauS neficbtet wird, festgestellt werden kann, wo der Luftschifscr sich befindet Z. B. findet sich auf dem Dache der Schütte-Lanzschen Luftschiffahrt in Rheinau bei Mannheim das Zeichen: 49 a i Mit der Anbringung solcher Zeichen in der Weise, daß sic gut von oben gelesen werden können unb in der Nacht beleuchtet sind, kann sich jeder das größte Verdienst um das neue Verkehrsmittel erwerben. Z. B. kann jeder Hausbesitzer bei Neubauten ober Dachreparaturen auf dem Dache ohne jede Kosten andersfarbige Ziegel, wie dies ja jetzt auch schon bidfad) geschieht, einleg en lasten, jn dem Pflaster von besonders ausfallenben Plätzen können Gemeinden das Zeichen einpflastern lassen usw. Es bietet sich eine unendliche Möglichkeit, ohne jede besondere Aufwendung von Mitteln lwlfend einzugreifen. Welches Zeichen für jeden Ort auf gestellt ist, ist aus dem Signalbuch, erschienen unter dem Titel: Orreiiüerungs-Tafeln fih Luftschiffahrt, System von Franken berg, Vereinigte Verlagsanstalten Gustav Braunbcck & Gutenberg- Druckern Aktien^sesellschaft, Berlin W. 35, zu ersehen. Nähere Auskunft erteilt gern Rittmeister von Frankenberg, Berlin W, Nolleitdorsplatz. Kaiserlicher Aero-Klub.

., . o dins Landschaft. August Rodin ist seine Land­schaft gestol'len worden. Glicht etwa ein Kunstwerk, das der be­rühmte Bildhauer in feinen Mußestunden gemalt hätte, sondern biß wundervolle Aussicht, die die Hand der Natur rund um seine

Villa in Mcudon-Elamart geschaffen hat. Der Fleck Erde, den sich der Meister für seinen Wohnsitz und sein Atelier ausgewählt hatte, ist eine der malerischsten in der ganzen llmgegoird von Paris. Von seinem Garten aus hatte er den herrlichsten Blick aus ein Tal, durch das die Seine ihren grünnmbuschten Pfad schlingt und hinter dem der Mont Valerien im Nebelduft aufragt. Die re lüfte Freude, die beste Erholung, die schönste Anregung zu neuevi Schaffen bot ihm dies wundervolle Natnrbild, von dem er sich nicht träumen ließ, daß es ihm eines Tages gestohlen werden könne. Aber eines Morgens sah er eine Anzahl Arbeiter auf dem Grundstück graben, das gerade vor dem seinen liegt. Dann kam eine Menge Maurer, und es dauerte nicht lange, da erhob sich eine solide Mauer, die sich als ein gewaltiger Zaun bon einigen 100 Fuß Länge und etwa 70 Fuß Höhe darstellte. Was bedeutete dies wunderliche, furchtbare Bauwerk, das ihm auf emmal den Blick in Gottes freie Natur abschnitt und ihn wie hinter Kerkermauern schmachten ließ? Nun, es war einfach ein riesiges Reklameschild, ^aus dem einige findige Fabrikanten ihre neuesten, weltbeglückenden Erzeugnisse in möglichst großer Schrift möglichst weithin über das Land allen Augen sichtbar machen wollten. Rodin war außer sich. Er wandte sich an den Gemeinderat von Meudon und bat, diese unerhörte Verschimpfierung der Landschaft zu verbieten. Der Gemeinderat hielt eine Sitzung: die Bewohner von Meudon veranstalteten eine Versammlung, in der sie Protest gegen diese Reklamemauer einlegten. Ob aber alle diese Beschlüsse von Erfolg begleitet sein werden, ist noch fraglich. Rodin hat ledenfalls noch einen anderen Schritt getan; er ist Mitglied des Vereins zum Schutze der Schönheit der Landschaft geworden und hofft nun auf Erlösung seiner Pein durch diese mächtige und ein­flußreiche Gesellschaft.

Kurze Nachrichten au- Kunst ».Wissenschaft. > e r I) a r t H a u p t m a n n teilte dem Gemcindevorftand von Agnetendorf mit, baß er die bestimmte Absicht habe, seinen bis­herigen Wohnsitz Agnetenbon zum 1. Oktober b. I. vollstänbig aufzugeben Der Dichter gebenkt, entweber sich im Grunewalb oder an der Riviera dauernd nieberzulassen. Der Weggang Hauptmanns von Agneteiiborf wird von der Gemeinde auf das herzlichste bebauert. Nach Gerhart Hauptmann wurde übrigens kömgäberg eine neue Straße in der Villenkolonie Oberteich-Maraunenhof benannt.

Aus dem englischen Unterhause.

London, 27. Juli. Im Unterhaus erklärte Premier­minister Asquith bei der zweiten Lesung der Gesetzesvorlage, betreffend die Erklärung bei der Thronbesteigung, die Vorlage sei nicht zu Parteizwecken cingcbracht, sondern nur zu dem Zwecke, den König von der Notwendigkeit zu entlasten, beim Beginn seiner Regierung in der Oeffeiltlichkeit eine Erklärung abzugebcn, welche für Millionen seiner lopalen Untertanen kränkend sein würde. Die Regierung habe sich gesagt, daß jeder Vorschlag zu einer Acnderung der Erklärung unvermeidlich Anlaß zu er­heblichen Mißverständnissen und zur Opposition geben würde. As­quith besprach alsdann die Einwürfe, die davon ausgchen, daß die voracschlagene Erklärung die protestantische Thronfolge nicht aus­reichend zu sichern vermöge und ebenso die gegen den von bet Regierung vorgeschlagenen Wortlaut erhobenen Bedenken:

Die protestantische Thronfolge sei durch die Gesetzgebung von 1689 vollkommen sichergestellt. Die ErNärung bei der Thron­besteigung bedeute an sich tatsächlich teilte Sicherung, und der Vorschlag, sie abzuschaffen, würde jedoch einen ernsten Wider­stand Hervorrufen. Er gebe zu, daß die in dem vorgescblagenen Wortlaut erhobenen Einwände nicht ohne Gewicht seien und beantrage daher folgende Abänderung des Wortlauts an Stelle desjenigen der Gesetzesvorlage: Der Souverän solle sich feier­lich selbst als getreuen Protestanten bekennen und versprechen, nach seinen besten Kräften die Gesetze zu halten und aufrecht zu erhalten, welche die protestantische Thronfolge als einzig mög­liche sichcrftellen.

Asquith kündigte sodann an, daß er am Freitag eine Er­klärung über die Vetokonferenz abgeben werde.

R o b e r t e s (liberal) beantragte die Ablehnung des Gesetz­entwurfes bctreffeitb die Erklärung bei der Thronbesteigung. Bal­lon r erklärte, er könne nicht einsehen, wie die protestantische Thronfolge dadurch gefährdet werben könne, daß der König sich als getreuen Protestanten erkläre, während er sich die Freiheit der Aktion Vorbehalte; er würde dem Vorschlag nicht entgegen-, treten, den Asquith heute gemacht habe. Der Chefsekretär für Irland gab seiner Genugtuung darüber Ausdruck, daß eine Form für die Erklärung gefunden sei, welche die protestantische Thron­folge vollauf sichere und dabei keine religiöse Gemeinschaft verletze.

Der Antrag auf Z u r ü ck w e i s u n g des Gesetzentwurfs wurde sodann mit 410 gegen 84 Stimmen abgelehnt und die Bill zum zweiten Male gelesen.

Deutsches Reich.

Ein neuer Militär-Flugapparat der bekann­ten Automobil-Firma Dion-Bouton wird in den nächsten Tagen den Abgeordneten des französischen Kriegs- Ministeriums vorgefüyrt werden. Der Apparat erhält eine Tragfläche von 90 Metern und ist mit zwei Holz­schrauben ausgerüstet, die die Maximal-Geschwind-igkeit von 300 bis 400 Umdrehungen erreichen. Der Motor wird aus z-wei Gruppen von vier Zylindern bestehen und eine Kraft von 90 HP entfalten, daher ziemlich schwer sein. Ein besonderes System soll bei Unfällen einen langsamen Gleitfluc; ermöglichen, der Zeit ließe, einen Landungspunkt im Umkreise von zwanzig Kilometern zu wählen. Zwei Passagiere sollen mit ihm 600 bis 700 Kilometer in den Lüften bleiben können. Er ist auch dazu bestimmt, außer Explosivstoffen ein Maschinengewehr an Bord zu nehmen. Man erklärt bereits, daß beim Gelingen der Proben dieses Flugapparats die Lenlballons für Kriegszwecke ein über­wundener Standpunkt sein werden.

Das Wolff'sche Bureau schreibt: Durch einen Teil der Presse geht die Nachricht: Vor einigen Tagen fand auf der Kieler Föhrde an Bord des großen KreuzersBlücher" eine M e u t e r e i statt. Die Nachricht ist erfunden. Das Schiff verließ am 12. Juli Kiel und befindet sich zurzeit im Ver­bände der Hochseeflotte in -en norwegischen Gewässern.

Aus Braunschweig wird gemeldet: Der Herzog­regent und die Herzogin sind Mittwoch mittag nach sieben­monatiger Abwesenheit hier eingetroffen und von den Spitzen der Behörden feierlich empfangen worden. Das Publikum bereitete den Heimgetehrten einen herzlichen Empfang.

Aus Lissabon wirb amtlich gemclbet: Die Portugiesen nahmen bisher 14 Piraten gefangen und befreiten fünf Frauen uitb drei Kinbcr, die auf der Jnfel Koloman gefangen gehalten worben waren.

Ans 5taöt nn- Land.

Gießen, 28. Juli 1910.

Titelverleihung. Der Groß Herzog hat dem Rechner der Spar- und Leihkasfe zn Alsfeld Gg. Karl Weber den Charakter alsRendant" erteilt.

** Hessische Dreimarkstücke. Die neugepräg­ten hessischen Dreimarkstücke mit dem Bildnisse des Groß- Her z o g s Ernst Ludwig sind nunmehr zur Ausgabe gelangt.

** Aus dem M ili t är w o ch en b la tt. Jlse^ Oberst und Chef des Generalstabes >des 18. Armeekorvs, zum Kommandeur des Niedersächs. Fußart.-Regts. Nr. 10, von Hofacker, Württemberg. Oberst, kommandiert nach Preußen, bisher Kommandeur des lllanen-Regts. König Wilhelm I. (2. Württ.) Nr. 20, dem Generalstab der Armee überwiesen und zum Chef desiGeneralstabes des 18. Armee­korps ernannt. Zur Dienstleistung kommandiert Frhr. von Hammer st ein--Equord, Oberstleutnant im 1. Garde­regiment zu Fuß und Militärattache bei der Botschaft in Rom, vom 2. bis 22. September 1910 zur Hess. (25.) Div., v. Struensee im Gren.-Regt. König Friedrich Wil­helm IV. (1. Ponnn.) dir. 2, mit Patent vom 19. August 1900 in das Jns.-Regt. Kaiser Wilhelm (2. Hess.) Nr. 116, Balthasar im Jnf.-Leibregt. Großherzogin (3. Hess.) Nr. 117, mit Patent vom 17. Mai 1901 in das Jnf.-Regt. Prinz Moritz von Anhalt-Dessau (5. Pomm.) Nr. 42, Hauvti inann Trupp im Jnf.-Leibregt. Großherzogin (3. Hess.) Nr. 117, Lichtschlag, Hauptmann und Berwaltungs- mitglied bei der Art.-Werkftatt in Lippstadt, zur Pulver­fabrik bei .Hanau, Heinrichs, Hauptnr und Verwalt.- Mitglied bei der Pulverfabrik bei Hanau, zur Jnsp. der technischen Institute der Art. verseht. Der Abschied mit der gesetzlichen Pension bewilligt: Oberleutnant Anger im Jnf.^Regt. Prinz Carl (4. Hess.) Nr. 118 mit der Er­laubnis zum Tragen der Regts.-Uniform. Zu Oberärzten befördert die Assistenzärzte b. Res. Dr. Weckerling (II Darmstadt), Dr. K e 11 n e r, Dr. W a l l e n st e i n uno Klein (Mainz), zic Assistenzärzten befördert die Unter­ärzte der Reserve Dr. Klein (Gießen) und Dr. Ebner (Mainz). Zum Oberveterinär befördert Veterinär Dr. Kr a - nich beim Garde-Drag.-Megt. (1. Hess.) Nr. 23. Ober­veterinär Karsted t. beim Großh. Artilleriekorps, 1. Hess. Feldart.-Regt. Nr. 25, zum Ulau.-Regt. Großherzog Fried­rich von Baden (Rhein.) Nr. 7 versetzt. Befördert Gr. v. Hardenberg (Torgau), Lt. der Res. des Leib.-Drag.- Regts. (2. Hess.) Nr. 24, zum Oberleutnant, Bizefeldwebel Dörbecker (Marburg) zum Leutnant der Landwehr-In­fanterie 1. Aufgebots, die Leutnants Hein (Wiesbaden), Moench (I Darmstadt) der Res. des Hess. Traiu-Bats. Nr. 18, Schönberger (Mainz) der Landw.-Jnf. 1. Auf-