Nr. 274
t-cr «Itfiener Ii)dm trldxint täglich, au der 6omuagl. - Beilagen: viermal wöckienttich -ietzenerFamlliendlStler; zweimal wöchentl.Xreir, blaNfürdentlreir Stehen (Dienstag und Freitag); zweimal monatl. Land' wirtschaftliche Settfraaea Ferntprech- Anschlüße r für die Redaktion 118, Verlag u. Expebition 61 Adresse iür Depeschen:
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Erster Blatt
160. Jahrgang
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Dienstag, 22. November X9X0
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eneral-Anzeiger für Oberhessen ZMW
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Die heutige Nummer umfaßt 12 Seiten.
Aaiserworte bei der Einweihung der Marineschule in Muerwick.
Wenn Kaiser Wilhelm bei der Einweihung der Marineschule in Muerwick sich gegen den Mißbrauch geistiger Ge- tränfe ausgesprochen hat, so ist dagegen, vorausgesetzt, daß der Konsum von Alkohol in unserer Marine wirklich diese Mahnung recl)kfertigte, kaum etwas zu sagen. Aber sind denn unsere Marinekadetten heute so viel weniger gesund als früher, daß man ihnen die Abstinenz empfehlen muß? Dann wäre es wirklich traurig um den Nachwuchs unserer Marine bestellt. Uebertreibungen schaden auf der einen wie auf der anderen Seite. Erinnert sich der Kaiser nicht der Episode aus dem Leben des großen Friedrich, wo dieser, als sich zu ihm ein wenig tüchtiger Oberst über die Trunksucht eines Offiziers beklagte, der aber ganz vorzügliches leistete, einfach sagte: „Weiß er was? Sause er auch!" Es ist aber anzunehmen, daß der Kaiser nur gelegentlich und nebenbei auch einmal über den Moholmiß- brauch hat reden wollen, wie er es flüchtig hier und da früher schon getan hat. In seiner Muerwicker Rede liegt übrigens auch wieder der wohlbekannte religiöse Zug. Wir geben hier die eingegangenen Meldungen wieder:
M u e r w i ck,21. Nov. Gegen 10 Uhr ging die „Deutschland "mit den sie begleitenden Schiffen auf der Flensburger Föhrde vor Anter. Der Kaiser begab sich an Bord des „Sleipner" nach Muerwick, wo er gegen 11 Uhr eintraf. Die „Württemberg" feuerte einen Salut von 33 Schuß; die Mannschaften paradierten. Der Kaiser besichtigte das in sehr schönen Verhältnissen erbaute Gebäude der Marineschule, das weit über die Föhrde hin eine Zierde der Gegend bildet. Der Kaiser betrat sodann die Turnhalle, wo die Einweihungsfeier vor sich ging. Hier hatten sich die Offiziere, Lehrer und Fähnriche der Schule aufgestellt. Ferner waren anwesend: die Kommandanten der Schisse „Württemberg" und „König Wilhelm", der Kommandant des Füsilierregiments „Königin" in Flensburg, Ober- Bürgermeister Todfen-Flensburg, Vertreter des Magistrates und der Stadtverordneten dieser Stadt u. a. m.
Der Kaiser lreß sich den Lehrkörper, solvie die übrigen anwesenden und soeben genannten Herren vorstellen und verlas hierauf folgende Kabinettsordre:
Ich will bei meinem ersten Besuche in der neuen Marineschule an die jetzigen SäMer, aber auch an alle nachfolgenden, einige Worte richten über den Seeoffiziersberi^f und über bie Aufgaben beider Erziehung des Seeoffiziers-Nachwuchses. Ich brauche nicht zu betonen, wie sehr mir das Seeoffizierskorps, dessen Uniform ich trage, ans Herz gewachsen ist. Ich kenne eS von meiner frühesten Jugend ab. Ich habe es schätzen gelernt in seinen vortrefflichen Leistungen, in der Führung meiner Schiffe im Jn- tuti) Auslaiide und bei der ganzen Entwickelung der Marine. Jch liebe den Berus, den Sie, meine jungen Kameraden, sich gewählt haben, und ich habe volles Empfinden für alles das Schöne und Stolze, was Ihnen dieser Beruf namentlich in den frühzeitig erreichten selbständigen Stellungen bietet. Aber ich keisj auch, wie viel Entsagung er von dem Einzelnen fordert mw daß ein ganzer Mann dazu gehört, immer mit Freudigkeit den schiveren und verantwortungsvollen Dienst zu tun, der Ihnen zufallen wird. Der Seeoffizier muß sehr viel lerne i; er soll ein gebildeter Mann im allgemeinen Sinne sein und er soll sich ein weitgehendes Wissen aneignen. Das erfordert viele ernste Arbeit über den Büchern und bie ist doppelt schwer nach einem Jahre an Bord, welches Sie in vorzugsweise praktischer Ausbildung und unter den erfrischenden Eindrücken der Auslandsreise zugebracht haben. Denken Sie bei der Arbeit daran, oaß sie nicht nur em Ansammeln von Wissen bedeutet, sondern daß sie auch ein Ausdruck von Pflichtgefühl und Energie ist uitd bamit für die Bewertung der ganzen Persönlichkeit ins Gewicht fallt. UnsereZeitbraucht gan^e, sogar eisenharte Man ner; daher kommt es auf bie Persönlichkeit und den
Charakter ht erster Linie an. Diese Charakterbildung zu fordern, ist die wichtigste Aufgabe Ihrer Vorgesetzten, aber es ist vor allen Dingen auch die Ausgabe jedes Einzelnen von Ihnen. Arbeiten Sie sich durch zu einer streng sittlichen, auf religiöser Grundlage ruhenden Lebensanschauung, zu einer der gegenseitigen Verantwortung sich bewußten Kameradschaft, zu ritterlichem Denken und Handeln und umschiffen Sie so die Klippen, anwelchenleiderimmernoch so vielejunge Offiziere scheitern. Begeistern Sie sich an den großen Vorbildern der Geschichte, die Ihnen lehren, daß es geistige Kräfte sind, welche den Sieg erfochten und nicht zuletzt bie Seelenft ä r k e, welche dem G o 11 e s g l a u b e n entspringt. Tann werden Sie, mit hohen Zielen vor Augen, alle Härten und Sck)wierigleiten des Berufes leicht Überwinden und so Offiziere werben, wie ich sie mir wünsche und wie bas Vaterland sie braucht, stolze und wetterfeste Männer im Sturm des Lebens.
Im Anschluß an die Verlesung dankte der Direttor der Marineschule namens der versammelten Fähnriche. Hierauf wandte fick der Kaiser nochmals mit einer Ansprache an die Fähnriche, in welcher er sich gegen die Trinkunsitten wandte, welche die Nerven untergrabe. Der Chef des Marinekabinetts gab hierauf eine Reihe von Auszeichnungen bekannt, welche der Kaiser hierauf den betreffenden Herren selbst aushändigte, unter Anderen auch an die anwesenden Vertteter der Stadt Flensburg und an den Erbauer der Schule, Baurat Kelm. Es folgte ein Rundgang durch die Hörsäle, die Lehrmittelsäle, die Wohn- und Schlafräume und die Messe.
Ungefähr um 121/4 Uhr verließ der Kaiser die Schule, um später die Rückfahrt nach Kiel anzutreten. Von dort ist der Kaiser um 11 Uhr abends im Sonderzug nach Wildpark abgereist.
Der versassunürlamps im englischen Oberhaus.
London, 21. Nov. (Oberhaus.) Das Oberhaus ist dicht besetzt. Earl of Crewe sagte bei Beantragung der zweiten Lesung der Bill, die augenblicklichen Beziehungen zwischen beiden Häusern kämen einem dauernden Konflikt gleich. Die Regierung sei gezwungen gewesen, die Veto-Bill einzubringen, da das Oberhaus die Gesetzesvorlagen der Regierung aus Parteirücksichten abgelehnt habe. Das sei ein Spiel, das nicht sür immer so weiter geben könne. Die Reformvorschlägc würden gegen die bestehende Lage keine Abhilfe bringen. Die Regierung appelliere an das Land, daß es die Annahme der Veto-Bill unterstützen möge, um den erwählten Vertretern einer freien Nation- ein vernünftiges Maß von Freiheit wieder zu verschaffen (Beifall bei den Ministeriellen).
Lord Lansdowne erwiderte, wenn die Opposition Gelegenheit gehabt habe, Amendements zur Bitt einzubringen, so hätte er dem Hause geraten, die zweite Lesung anzunehmen. Denn die Amendements wären dann vom Unterhause erwogen worden und so würde der Versuch gemacht worden sein, um zu einer Verständigung zu gelangen. Die Bestimmungen der Bill bezüglich der finanziellen Vorlagen seien unvollständig und mangelhaft entworfen. Wenn in der Bill Vorsorge getroffen wäre, daß in der Finanzbill finanzielle Angelegenheiten nicht enthalten sein dürften, so würde er den Lords vorgeschlagen haben, auf ihr gegenwärtiges konstitutionelles Recht zu verzichten, Finanzvorlagen zu behandeln.
Lord Lansdowne fuhr fort: Die Bestrebungen über die gewöhnliche Gesetzgebung entsprächen bei weitem nicht den Rechten einer sich selbst achtenden zweiten Kammer. Eine Bill, auch von der größten Wichtigkeit, könne nach den vorgeschlagenen Bestimmungen durch den alleinigen Willen den Unterhauses in zwei oder drei Jahren zu einem Gesetz werden. Ein solcher Plan sei voll von Gefahr. Es sei lächerlich, zu behaupten, daß die Lords gegen die Gesetzes- Vorlage der Regierung Obstruktion übten. Es bleibt uns nichts anderes übrig, fuhr Lord Lansdowne fort, als die
wenigen, noch übrigen Tage der Session zu benützen, um zu versuchen, Vorschläge in möglichst einfacher und Rarer Form niederzulegen, die wir geneigt wären, dem Lande zur Regelung der Beziehungen der beiden Häuser vorzulegen.
Die hierauf von Lansdowne beantragte Vertagung erregte lebhafte Erregung und führt zu einer scharfen Aussprache Mischen der Regierung und der Opposition, in welcher die Regierung Lansdownes Vorgehen als ein in der Geschichte des Hauses beispielloses bezeichnet.
Lord Salisbury erklärte: Lansdownes Vorgehen sei ein Protest gegen die Weigerung der Regierung, zu gestatten, ^daß Amendements von dem Unterhaus in Erwägung gezogen würden. Lord Beanchamp verspottet die unionistischen Peers. Sie hätten zuerst eine Erörterung der Vetobill gefordert und blieben jetzt von ihr davon. Das Verhalten von Lansdowne sei die Reue auf dem Totenbette.
Rosebery erklärte: Die Regierung scheine die Lords als schuldig anzusehen, die ohne Beichte und Buße gehenkt werden sollen. Lord Peatland sagte: Die Regierung müsse das Vorgehen Lansdownes als gleichbedeutend mit einer Verwerfung der Bill ansehen.
Lord Selborne bestritt diese Auffassung. Die Lords seien bereit, die Bill zu diskutieren, nachdem ihr Gegenvorschlag dem Hause und dem Lande vorgelegt worden sei.
Das Oberhaus nahm darauf den Antrag von Lansdowne an und vertagte die Besprechung der Bill auf Mittwoch. Lord Lansdowne kündigte an, daß er am Mittwoch folgende Entschließung beantragen werde:
1. Es sei wünschenswett, Vorkehrungen zu treffen zur Beilegung der Meinungsversckncdttibeiten zwisckien dem Unterbaufe unb dem Oberhause, das nach den Reformvorschlägen von Lord Rosebery um^ubitoen sei. 2. Wenn man uoer Geietzesvottagen, die keine finanziellen seien, sich nicht einigen könne, so soll eine gemeinsame Sitzung beider Häuser zur Entscheidung der Frage stattfinden mit Ausnahme des Falles, wenn es sich um Uneinigkeiten über eine Frage von großer Wichtigkeit handelt, die dem Urteil der Bevölkerung nicht unterbreitet worden sei. In einem solchen Falle sollte bie Angelegenheit der Waylerfthaft zur Eniichcidmig unterbreitet werden und nicht einer gemeinsamen Sitzung beider Häuser. Tie Peers seien damit einverstanden, bei Gewährung gemeinsamer Sicherheiten auf ihre verfassungsmäßigen Rechte der Rückweisung von Finanzvorlagen zu verzichten.
London, 21. Nov. Man glaubt in politischen Kreisen nicht, daß die Vorschläge Lord Lansdownes im Oberhause die Sagt? verändert oder die Auflösung des Parlaments abgewendet haben. Die Ministeriellen erttärten, die Vorlage sei ganz befriedigend und zeige nur, wie groß die Meinungsverschiedenheit zwischen den beiden Parteien sei. Sie sehen in den von Lord Lansdowne angekündigten Entschließungen eher ein bloßes Manifest der Peers als einen Schritt zur Herbeiführung eines Kompromisses und geben der Meinung Ausdruck, daß die einzige Wirkung der Vorlage die sein werde, den Peers eine Erklärung über die Vetobill zu ersparen. Die Unionisten dagegen meinen, daß die auf Seiten der Peeres bekundete Mäßigung im Lande eine gute Wirkung tun werde.
Der neue russische Minister des Auswärtigen.
Petersburg, 21. Nov. Der bisherige Verweser des Ministeriums des Aeußern, Sasonow, wurde xum Minister des Aeußern ernannt.
Sasonow entstammt einer sehr reichen Familie des Gouvernements Rjasan, wo er am 29. Juli 1860 geboren ist. Nach Beendigung feiner Studien trat er 1883 in die Kanzlei des Auswärtigen Amtes ein und ward 1887 erster Sekretär; damals hat er sich vorwiegend mit zentral asiatischen Fragen beschäftigt.' Im Jahre 1890 wurde er Botschaftssekretär in London und chloß sich durchaus den politischen Anschauungen des damaligen russischen Botschafters in London v. Staal an, der damals
3um Ableben Tolstois.
Daß der Tod Tolstois in Rußland allerlei Kundgebungen beranlaffen würde, war leicht oorauSzufehen. Rußland ist arm on führenden Literaten unb wenn Tolstoi auch weit mehr durch feine sensationellen Morallehren und allerlei fDlarotten alS durch die Unioerfalität seines Geistes von sich reden machte, so ist er doch einer der bcbeutenbften Geister Rußlands gewesen. Allerdings wurde seine Bedeiitung nicht nur in seiner Heimat außerordentlich überschätzt, sondern namentlich auch bet uns in Deutschland, obwohl wir unter unseren lebenden Dichtern weit mehr bedeutende und fe'ne Köpfe haben, als es Tolstoi gewesen ist. Wir
ha'ö§7. j^hon gestern darauf hingewiesen, daß der Graf
auch als alter Mann derselbe Aristokrat geblieben i|t, der er alS leichtlebiger Kavallerieoffizier gewesen ist, und auch bie Komödie seiner .Flucht in die Einsamkeit', die er in Begleitung seiüeS Arztes auf den Samtpolstern eineß Abteils 2. Klasse guSsührte, wurde eingehend gewürdigt. Wir geben in folgendem noch bie Nachrichten über einzelne .Kundgebungen und Ehrungen roieber, nut benen der Ber» ftoibene M seiner Heimat bedacht wurde.
Die russischen Blätter der Provinz beschäftigen sich cmsschließ- uch mit dem Hinscheiben Tolstois; aus ganz Rußland lausen bei om Hinterbliebenen Beileidstelegramme ein. Vereine und Lehrer- anfwlten werben zu ber Beisetzung Aborbnungen nach Jaßnaja Pohaua entjenben.
Die L.ei ch e T 0 lft 0 is wurde heute mittag eingesargt, darauf nahmen bie aus ber Station Anwesenden von dem Ver- ichleoenen Abschied, iiibem sie an ber Bahre vorbeizogen. Um 1 Uhr wurde ber offene Sarg von ben Söhnen Tolstois hinaus- ß^tuacn. Sobald bie Prozemon im Hofe sichtoar würbe, stimmte das Publikum bas Xoteuli^ „Ewiges Angebenken" an. Dem folgte bie Gräfin, goüütt von bem Direttor ber Njagan- Uioiuayn. Um 1 Uhr 4U Min. setzte sich der Trauerzug in Bewegung. Die Geiichtszüge Tolüois zeigen gar keine 23er- anduimg.
Der Zar über Tolstoi.
Petersburg, 21. Novbr. Auf den Bericht des Ministers des Innern über bas Ableben Tolstois machte ber Kaiser eigen- hänbig ben Vermerk: Ich bebauen? aufrichtig ben Tod des großen Schriftstellers, ber in der Blütezeit seines Talents in seinen Schöpfungen vaterländischer Typen der ruhmvollsten Jahre bcs russischen Lebens verkörpert hat. Gott der Herr sei ihm ein gnädiger Richter.
Oeffentliche Ehrungen.
Unter bem Vorsitz des Großfürsten Konstantin Konstantinowitsch hat bie Abteilung ber Kaiserlichen Akabemie her Wissenschaften für russische Geschichte unb Literatur in einer Sonbersitzung beschlossen, ber Witwe Tolstois ein Beileibstelegramm zu übetfenben, unb am 1. Januar 1911 eine dem Anbeuten Tolstois gewibmete feierliche Sitzung abzuhalten.
In ber Reich sduma hielt der Präsident eine Ansprache, auf den schweren Kummer hinweisend, ber Rußlanb durch bas Hinscheiben Tolstois, bes großen Denkers, Künstlers unb Genies, bes Stolzes Rußlanbs unb bes Ruhmes ber Menschheit, betroffen habe; er schlage vor, das Andenken an den Toten durch Erheben von den Plätzen zu ehren und bie Arbeiten für heute zu unterbrechen. Die Abgeorbneten erhoben sich außer einigen Mitgliebern ber extremen Rechten. Samyslowsky, Mitglied der extremen Rechten, erklärte: Der Tob eines Dcnlers unb Künstlers burje bie s,öc|ü,änguiig der Reichsouma nicht unterbrechen; bie Duma müsse dem Lande bienen, bas sie bezahle. (Zustimmung rechts.) Außerbem habe Tolstoi in ber letzten Zeit Kirche, Staat, Familie und Eigentum negiert und sei im Bruche mit ber Kirche gestorben. Eine Ehrung burch die Duma sei eine Herausforberung ber Kirche. (Beifall rechts.) Wiberspruch im Zentrum.) Tolstoi habe bie Staatseinrichtungcn, insbesondere die Duma bekämpit. — Der Antrag des Präsidenten wurde bann mit großer Mehrheit gegen einen Teil ber Mitglieder ber extremen Rechten unb einiger Nationalisten angenommen und bie Sitzung geschlossen.
Danach hielten sämtliche Fraktionen bem Hüischeiden Tolstois gewibmete Versammlungen ab. Die Sozialbernokraten unb bie Gruppe ber Muselmanen scmtten an bie Witwe Tolhois Be.lewsd.p scheu. Pro^cssisten unb Stab t en beidj s en zur kJlXtwluU.u — ul ul1 «x.. , unU flU Utl-
fenben. Die Kadetten beschlossen außerdem, am 25. November einen GeietzenUvuri eutzuprittgen, daßTolstojs Beerdigung
aus Staatskosten geschehe unb daß der Todestag als Na*.( tionaltrauertag anerkannt werde. Die Mitglieder der äußersten Rechten reichten beim Tumapräsidenlen einen Protest ein, weil er die Ehrung Tolstois, und die Unterbrqchvm.g ber Dumasitzung zugelassen habe.
Petersburg, 21. Novbr. Nach einer Gedächtnis^ feier für Tolstoi in ber Universität zogen 3000 Studenten vor bas Gebäube bes Heiligen Synod, um eine Demonstration zu veranstalten, würben aber von ber Polizei baran gehinbett. In Moskau würben im Gegensatz zu den Katholiken von den Lutheranern, Juden und Muhamedaneni GebächtnisgoUesbienfte für Tolstoi abgehalten.
— Ein Achtzigjähriger. Der bekannte Bildhauer Professor Kaspar Ritter von Zumbusch in Wien feiert am 23. ds. Mts. seinen 80. Geburtstage Sein Geburtsort ist Herzebrock in Westfalen. 1848 kam er nach München und arbeitete dort im Atelier von Halbig. 1849 unter-. nahm er unter Halbigs Leitung eine Studienreise nach Italien und arbeitete feit 1853 selbständig. 1857—58 hielt er sich zum zweiten Male in Rom auf und wurde 1873 als Professor an die Kunstakademie in Wien berufen. Von seinen zahlreichen, meist der öffentlichen Denkmalskunst an* gehörenden, Werken seien genannt: Rumforddenkinal in München, Denkmal König Maximilians II. in München, Beethovenden.mal in Wien, Maria-Thcresia-Denkmal da selbst, Radetztydettkmal daselbst, Erzherzog Albrecht-Denkmal daselbst, Sieges- und Friedens-Denlmat in Augsburg, Kolosfalstatue Kaiser Wilhelms I. an der Porta Westfalica, Denlmal des Herzogs Bernhard von Meiningen, Denllnat Billroths in Wien, Porträtbüsten von R. Wagner, Liszt, Moltke, Minister Stremayr, Erzherzog Stephan, Kaiser Franz Joseph, v. Zmnbusch ist Mitglied des öftere. Herrenhauses, Ehrenmitglied der Aiademien in Wien, Berlin, Müncheii, Dresden, Mudrid und des Institute de France ufw.


