Montag 21. März 1910
160. Jahrgang
Zweites Blatt
Nr. 67
Gießener Anzeiger
Erscheint täglich mit Ausnahme deS Sonntags.
General-Anzeiger für Gberheffen
Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen UnwersilälS - Buch- und Steindruckerei. R. Lange. Gießen.
Die „Gießener Familienblätter" werden dem .Anzeiger" viermal wöchentlich beigelögt, das „Kreisblatt für den Kreis Siehrn" zweimal wöchentlich. Die „Landwirtschaftlichen Seit« fragen" erscheinen monatlich zweimal.
Redaktion. Expedition und Druckerei: Schul- flraße 7. Expedition und Verlag: ea©51. Redaktion: ^^112. TeL-AdruAnzeigerGießen.
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142.80
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Lombard. Eisenbahn • *r.j£
Berliner Börse, 19. März. Aufau^t its».
ALesnes Feuilleton
105.30
181.00
Elektriz. Lahmeyer Elektriz. Sehuckert
Laurahütte . .
Lombarden E. B.
Nordd. Lloyd ._
Türkcnlubc , >,Jt
92 00 99.90 98.70 95.20
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Berliner Handelsges. Darmstädter Bank . Deutsche bank . . Deutsch-Asiat. Bank Diskonto -Kommandit Dresdner Bank . . Kreditaktien . .
Baltimore- und Ohio-
Eisenbahn .^.
Gotthardbahn . • . * J
199.30
175.80
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Harpener Bergwerk . ,.
Laurahütte . • • . > -
Nordd. Lloyd .t-. . . . Oberschles. Eisen-Industrie
Tie Grundlage dieser neuen Bereckprung sind die Vermessungen, die seit vielen Jahren in 41 Staaten der Union vorgenommen worden sind. Außerdem sind zur Ergänzung dieser Ermittlungen über die Erdgestalt noch astronomische Beobachtungen zu Hilfe genommen worden.
-. 106.90
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Aus Staöt uud Lund.
Gießen, 21. März 1910.
*• Stadttbeater. Auf die morgige Wiederholung von Hermann Bahrs „Konzert" sei besonders aufmerksam ge- macht, da das reizende Lustspiel bei seiner Erstaufführung am Freitag einen außerordentlich starken Erfolg zu verzeichnen hatte. — Die Aufführung von »Narziß" am kommenden Mittwoch findet zti Gunsten der Woblsahrtskasse für deutsche Bühnenmitglieder statt. An den anderen drei Woehentagen bleibt das Theater geschloffen.
• • Musikabend des Beamtenvereins. Mit dem am Samstag abend in Steins Saalbau abgehaltenen Mufik- abend schloß der Beamtenverein feine Winterveranstaltungen ab. Tie Bezeichnung Musikabend ist viel zu bescheiden für das in so gediegener Weise Gebotene. Ein richtiges, echtes Konzert war es, mit feinsinnig aufgestelltem Programm — Mozart, Gade, Schubert, Mendelssohn, Wagner und Glinka waren die 93uifter, von denen Tonschöpfuugen oorgetragen wurden. Hervorragende Leistungen boten alle Mitwirkenden. Die von Franz Bauer vorzüglich einfhibiertcn gemilchten und Frauenchöre mit reiner Intonation, deutlicher Text- aussprache, die reizenden Solo-Gesänge, die künstlerische Wiedergabe von Mozarts herrlichem G-moll-dnartett und der Noveletten von Gade, wo sich besonders die Herren Fr. Bauer (Violine), Musikdirektor Krauße (Viola), B. Herr- mann (Cello), H. Fischer (Klavier) hervortaten, verschafften allen Zuhörern eine reine ungetrübte Freude.
* * Kolosseum. Am Samstag, dem 5. Tag, finb die Kämpfe wieder sehr frauncub verlaufen. Als erstes Paar rangen K a r z u r k h (Ungarn) gegen Jeß, |9t iels e n , Finnland). Der Ungar bezwang -einen Gegner nach 12 Minuten. AIS zweites kam Weltmeister Webe r gegen Sub a n off (Polen). ^DerPolc, dem an Kraft und Technik nichts fehlte, mußte sich dem 'Altmeister gegenüber nach 5 Minuten als besiegt erklären. -t,er Ent- scheidungstamof Gamm er (Bayern- gegen Eigema nn (Rhem- ’lanb) überraschte sehr, denn Grammer mußte sich fortroäljrenb verteidigen, um den heftigen Angriffen des Rheinländers standzuholten und wurde nach 34 Minuten besiegt.
* * Brandausbruch. In der Nacht zum Sonntag gegen 3 Uhr wurden die Bewohner unserer Sticht durch Feuerlärm aus dein Schlafe geweckt. Es brannte in einem dem Kaufmann Kuder gehörigen alten H i n t e r b a u am Neuenweg, der als Lager benützt wird. Die F-euer- wehr griff tatkräftig ein und löschte den Brand ab. Das
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Gesten. Staatsbahn . 159.10
Princer Henri-Eisenbahn 133.75
als Direktor der Königlichen Lochschule für Musik in Berlin, gab die Meinung ab: „Selbst unter den außerordentlich sten Fällen! musikalischer Frühreife bleibt der Ihres Sohnes noch phänomenal. Was Modernität und Männlichkeit betrifft, weiß ich nur die Analogie des jungen Händel." Nach solchen Urteilen unseren ersten Fachmänner wird man sich den Namen Erich Wolfgang Korngold beizeiten merken müssen.
— Einer, der eine Million zurückweist. ßünj französischer Bankier, der mit der italienischen Regierung ein Millwnengefchäst machen wollte, wandte sich an den Abgeordneten mtb Schriftsteller Giovanni Bovio und bat ihn, den Einfluß ^seines lauteren Namens in die Wagschale zu. werfen, damit das Geschäft zustande tommr. Es handelte sich um eine Sache, die durchaus anständig ist, und gegen welche» nicht die geringsten! Bedenken Vorlagen. Bovio sollte für seine Vermittelung eine Million erhalten. Trotzdem zögerte er keinen Augenblick, die ihm gestellte Zumutung zurückzuweisen, und er tat das in solgew- dem Briefe, der jetzt in der „Patria degli Jfaliani" veröffentlich: wird: „Was Sie mir da vorgeschlagen haben," schrieb er, „ist, obwohl Sie es zu verschleiern und schönzufärben suchten, eine von den Sachen, die ich „Geschäftchen" nenne, und über die ein Abgeordneter weder mit Ministern, noch mit Behörden und von der Regierung abhängigen Gesellschaften umerhandeln soll. Es gibt kein Gesetz, das solches verböte, aber schlecht find nickst imMer nur die Tinge, die ausdrücklich durch das Gesetz verboten werden. Was mich betrifft, so kann es weder Ihnen, der Sie ja m Neapel gelebt haben, noch anderen ganz unbekannt fein, daß ich mit meiner Familie von der Hand in den Mund lebe, indem ich Philosophie lehre und schreibe und dazu noch ein wenig Mathematik, aber mit einer Arithmetik, die es nie zu einer Million gebracht hat ober bringen wird. Wenn hie Arbeit mir die Unabhängigkeit sichert, ist die Million doch für mich ganz überflüssig. Sie schreiben, daß alles in Rom ganz heimlich gemacht werden würde, so daß andere nichts davon erfahren würden. Würde ich es denn nicht wissen? Tie Herren Bankiers mögen ihr Gewissen am Fuße der Alpest zurücklassen und es bei der Heimkehr wieder mitnebmen formen, aber ich trage es überall Mit mir, weil ich da die letzten Ideals habe, die ick aus allen meinen Enttäuschungen habe retten können. Sie schreiben, daß selbst der beste und lauterste Bürger eine solche! Vermittelung übernehmen kann, und ich sage Ihnen, daß. ein alt* ständiger und ehrlicher Mensch niemals etwas tut, was man verii schweigen oder verdecken muß."
3'/,°/o Reichsanleihe
iNf i IX "Kurprinz O f?örsten ✓ Welt-Macht p?
OB Abu Sekkim O Bristol Fleur de Klos O Pffl.
Türk. Tabak- & Clgaretten-Fabrlk „Klos" o E Robert Böhme, Dresden, £ieferant der französischen Zabak-F(egie.
Eschweiier Bergwerk Gelsenkirchen Bergwerk . ^14 50 Hamburg-Amerik. Paketf. 'OA'
von Briefen besagen, auf WunichP o st la g e r tat t c n Ausstellern Tie Ausfertigung der Postlagerkarte ist am Schalter der te-Zte anffalt, wo Die Abholung der Briefe ftattfinuen wll, zu beantragen. Die Postlagerkarten weisen eine vorgedruckte Nummer auf Briese, die unter dieser Nummer mit dem Zusätze „Post- lagerkarte" und dem Namen der die Postlagerkarte ausstellendest Postanstalt eingehen, z. B. Postlagertarte Nr. 47 aernn W. b, worden nur dem verabfolgt, der die voM Postamte Berlin 8 ausgestellte Postlagerkarte Nr. 47 vorzeigt. Tie Postlagerkarte ?it Gültigkeit für Die Tauer eines ?Nonats, vom Tage ber 1 Ju5»- lüeliung ab bis ausschließlich demselben Tage des nächsten Monats.
afi'io z. B. vom 16. Februar bis einschließlich Ift ^Marz ; lyre Gültigkeit kann immer um je einen Monatszeitraum verlängert werden. Für die Ausfertigung einer Karte, ferner für ,eDc 23erlängcrung der GüUigkeitsvauer wird je eine Gebühr vun 25 Pfg. erhoben. Eine Berpflickstung zur Löiung von Post»- lager karten besteht nickst; es können also auch Chiffrebriese ist 'eilst'riger Weise ohne jeden Ausweis bei den Pvstanftalten ab- gcsordert werden. Ferner wird int mnem deutschen Berühr für die Versendung von Karten und Paketen mit Nachnahme die Benutzung von Nachnahmekarten und Paketadresten mit anhingender, vom Absender vorzuschreibender Postanweisung mgelassen. Derartige Formulare roerben zum Preise von o Psg. sür 10 Stück bei den Postaristalten vom 1. Juli ab zum Verkauf bercitgelyaften werden. Es ist gestattet, die Formulare durch die Privatindustrie Herstellen zu lassen und schon letzt zu verwenden Tie nicht von der Post bezogenen Nachnahmekartest und Nachnahmepaketadressen Müssen jedoch, worauf zur Vermeidung pon Zurückweisungen durch die Postanstalteii besonders hingewiesen wird, in Größe, Form und Vordruck, sowie in Stärke undiFarbe ees Papiers den amtlichen Formularen genau entsprechen. Muster- foimulare können in einigen Wochen bei den Postanstalten emgelegen und kostenlos bezogen werden. Tie Benutzung der neuen Formulare iss "VUrlälufig in das Belieben des Publikums Mellt. VoM. 1 Januar 1911 ab werden zur Versendung von Paketen und Karten mit sstachwahme aber nur noch die Formulare mit an» hängender, vom Absender vorgeschriebener Postanweisung' zuge- lassen. _____
Teleficmssche Kwrsbsrichie
des Giessener Anzeigers, mitgeteilt von der Bank für- Handel nnd 7ndn9tr>A-'*'fi‘o<'seii.
Frankfurter Börse, 19. März, 1.15 ühr.
— DasWacks d er Flo rabüste. In der letzten Shimmer her „Chemiker-Zeitung" veröffentlicht Tr. Georg Pinkus eine Arbeit, deren Gegenstand die genaue chemische Unter,uchung des zur Herstellung der Florabüste tierro-anbten Wachies bildet. Vtr meist nach, daß das Wachs aus Firnis, Walrat und Btenen- Macks besteht. Ta nun Walrat erst nach 1700 bekannt geworden ist, tairn auch die Büste nicht älter sein. Weiter stellt Tr. Pinkus fest, daß auch der eugli'che Bildhauer Lucas zu lernen Arbeiten dasselbe, Firnis und Walrat enthaltende Gemisch, verwendet hat, so daß dieser mit höchster Wahrscheinlichkeit als Verfertiger der Büst eJ an zu sehen ist.
— Die Erde wird größer. Nach der Vorstellung, die seit langem bei den Geographen und Geologen herrschend ist, wird die Erde allmählich kleiner. Diese Ansicht geht zunächst von der physikalischen Betrachtung aus, daß em m der 2Lb» lühluim begriffener Körper sich ziisammenzieht. ^Ferner hat man bie Bildung der Faltengebirge und anderer Unebenheiten der ErLvberfläckL auf Kräfte zurückgeführt, die wegen der Zusammen- ziehuna der Erve nady dem Erdkern hin wirken, und die Erdoberfläche ist in dieser Hinsicht mit der runzligen und zuiammen- geschrumpsteu Schale eines Apfels, der eine Zeitlang, gelagert hat, ocrgfid en worden. Jedenfalls deuten alle tiefe Ucber- legungen darauf hin, daß die Erde im Laufe der Zetten der Erdgeschichte an Umsang verloren haben Muffe. Wenn letzt von wissenschaftlicher Seite nachgewiesen, worden ist, daß die Erde grösser sei, als man bisher annahm, )o erstreckt sich dien Bel^iup- ti'ng nicht etwa auf ein Wachstum der Erdkugel, sondern nur aul genauere Messungen, die zu einem svlck>en Ergebnis geführt haben. Die geodätische Landesuntersuchung der Vereinigten Staaten bat derartige Messungen und Berechnungen in letzter Zeit angestellt und hat dabei ermittelt, daß die Ausmaße ein wenig grotzer find als die «fasst:r überall verzeill.neten Ziffern Ter Halbmesser, der vom Erdmittelpunkt nach einem Punkt des Aequators gelegt wird, hat danach eine Länge von 6 378 388 Metern, und das Verhältnis der Abplattung der Erdkugel an den Polen ist zu 1:297 bestimmt worden. Als der beste Wert für den Aeaua- torial-Halbmesser galt bisher der von Clarke nn Jahre 1880 gefundene von 6 378 249,17 Metern und für ine Abplattung derjenige desselben Gelehrten von 1:293,er -MC neuen . in sollen aber erheblich genauer sein, und eS wird der Ar uch erhoben, daß der Fehler bei der Berechnung des Aequawual- hÄbmessers nickst mehr größer sein könne als rund 2 JJtti.cc.
— Ein zwölfjähriger Ko mpv-ni st. Wer zufällig vor vier Sommern in Gossensaß seine Ferien verbracht hat, wird sich noch des Auffehens erinnern, das unter den zahlreichen Sommergästen ein hübscher achtjähriger Junge aus Wien durch seine Klaviervvrträge selbstkomponierter Walzer erregte. Tast aus tem spielftohen Kinde von damals inzwisck)en rach ein merkwürdig ernster Künstler geworden ist, lehren drei jetzt gleichzeitig als Privatdrucke erschienene Werke, die den folgenden Vermerk tragen: „Diese Stücke werden Mit der Bestimmung, nicht in die Oeffentlich'keit zu gelangen, ausschließlich zum Zwecke einer Feststellung in Truck gelegt. Sie sind von einem Knaben zum Teil mit elf, zum Teil mit zwölf Jahren komponiert worden. Erich Wolfgang Kvmgold ist am 29. Mai 1897 in Brünn geboren." Ter Vater des kindlichen Komponisten, Tr. Juliuv Korngold, bekannt als ständiger Musik-Kritiker der „Neuen Freien Presse", hat diese Kompositionen nur in einer kleinen Anzahl numerierter Exemplare Herstellen lassen und ausschließlich an musikalisch« Fachleute des In- und Auslaiides verschickt: eine Klaviersonate in ck-Moll, sechs Charakterstücke mit bent_ Titel Don Quixote" und einen K'lavierausmg mit Text „Ter Schneemann, Pantomime in zwei Bildern". Ter kleine Erich verriet schon im fünften Jahre eine ganz ungewöhnliche Begabung und ipielte noch ohne Kenntnis der Noten alles mögliche nach dem Gehör, sogar vierhändig mit seinem Vater, was den alten Eduard Häuslich dazu begeisterte, ihn den „kleinen Mozart" zu nennen. 3m übrigen ist es streng vermieden worden, dem Knaben irgendwelche Wrmderkiud-Tresfur zu geben oder ihn mit der Leffent- lid;feit in Berührung zu bringen. Gegenwärtig studiert er bei 'Jtobcrt Fuchs in Wien Kontrapunkt- und Kompositionslehre, bet 3emlinskt) Klavier. Von den Urteilen über seine Komposittonen sei das von Richard Strauß zitiert, der an den Vater schrieb: , Habe die Kompositioncii erhalten unö mit größtem Erstaunen mrrckgelesen. Zu gratulieren ist da farmt, das erste Gefühl, das einen überkommt, ist Schrecken und Furcht, daß ein fo frühreifes Genie auch die normale Entwicklung nehme möge, die lym so innig zu wünschen wäre. Diese Sicherheit im Stil, diese , Beherrschung der Form, diese Eigenart des Ausdruckes m der - Sonate, diese Harmonik, es ist wirklich erstaunenswert! Und
1 Professor Hermann Kret sch mar, der Nachfolger Joachims
Die Reid}$t)erfid)etungsorönung.
0* Berlin, 20. März.
Die erste Lesung der Reichsversicherungsordnung wird im Reichstage in der ersten Woche nach der Beendigung der Osterferien beginnen, nachdem die Fraktionen vorher Bespreckmngen abgehalteu haben. Es wird beabsichtigt, den Ausschuß seine -Arbeiten noch vor der Vertagung beginnen zu lassen. Vom Ausschuß allein wird es abhängeu, ob er während der Vertagung arbeiten will, lieber diese Frage soll mit der Regierung verhandelt werden, da der Ausschuß ohne Sonder- diäten sicherlich nicht arbeiten wird. Der Regierung soll vorgeschlagen werden, jedem der 2 8 Abgeordneten pro Tag 15 Mark Diäten zu zahlen, dies macht pro Tag die Summe von 420 Mark. Unter diesen Umständen wären Abgeordnete bereit, einige Wochen nach Pfingsten und einige Woch.n vor dem Wiederzusammeiitritt des Reichstags an dem großen Werke zu arbeiten. Diese Arbeit bedarf aber auch der Beschränkung, da es bei vielen Fragen nativenbig sein wird, für die Beschlüne die Meinung der Frakttonen zu hören. Man, kann _bcn Abgeordneten nicht zumuten, schwerwiegende Beschlüsse auf eigene Verantwortung zu fassen. Den Abgeorbneten würde auch bei einer Geldentschädigung ein großes Opfer damit zugemutet werden. Ein anderes Mfttel, das Werk spätestens bis April 1911 unter Dach zu bringen, existiert aber nicht. Dem Reiche würde diese Ausschußtagung rund 25 000 Mark Sonderdiäten kosten.
Der Ausschuß zur Vorberatung der Strafprozeßord- nung unb der Str afgesetznovelle wird während der Vertagung reine Sitzungen abhalteu.
Lager, das aus Betten, Bettfedern und Kleidern bestand, : brannte int Innern von unten bis iinrt Dach aus, ohne daß am Gebäude selbst nennenswerter Schaden entstand. Anch Die angrenzenden Gebäude wurden nur wenig durch die ' Löscharbeiten beschädigt. Gebäude und Laaer waren versichert. Bemerkenswert ist, daß vor zwei I ihren in dem- ■ selben Lager ein Brand entstand, der aber auch, ohne sich ausdehnen zu tonnen, gelöscht wurde. Da in dem Gebäude leinerlct Feuerungs- oder Lichtanlagen sich beenden, so liegt Brandstiftung vor, jedoch haben die alsbald eingeleiteten Polizei.ichen Erhebungen bis jetzt Anhaltspunkte für bie Täterschaft nicht ergeben.
*v M i n ö e § l c t cl) e gefunden. In einem Waßer- qraben in der Schwarzlach fanden am Lainstag Kindei die Leiche eines neugeborenen Kindes. Nach den Fesl- slellimgen war das Kind bei der Geburt noch nicht lebensfähig. Da keinerlei Verpackung oder sonstige Gegenstände bei der Leiche sich vorfanden, dürfte es schwer sein, die Kindesmutter zu ermitteln.
9 Langd, 20. März. Mit der Ausführung unterer Wasserleitung, die ixm Unternehmer Lwgert-Wctzlar übertragen ist und bei der ca. 30 Arbeiter beschäftigt sind, wurde vergangene Woche begonnen. Die Oluelle liefert ca. 100 Kubikmeter gutes Wasser täglich. Ter Hochbehälter wird bei der Quelle auf einer Anhöhe am OrtsaUsgang nach Billmgen errichtet werden von wo aus das Wasser durck eigenen Truck nut 16 Meter Gefall ius Tors geführt wird. Tie Wafferkeituug war für un|em Ort ein großes Bedürfnis. , _ , =
O Laubach, 19. März. Ter soeben ausgegebene Jahresbericht des Gymnasiums weist eine kleine Erhöhung der Schüler zahl auf, indem die Gesamtsrequenz von 107 auf 111 gestiegen ist, davon waren nur 28 von hier, 67 au3 u<m= gebenden, 7 aus anderen hessischen unb 1 aus nichtdeutichem Staate, 1 Schülerin in II b. Die Lehrerschaft besteht außer dem Direktor aus 9 ordentlichen Lehrern, 2 Hilfslehrern unb einem Reallehrer: von den Schülern ist die Mehrzahl evangelisch, nur je 1 gehören der röm.-kath., der israelit. und einer sonstigen Religion an. In der besonders eingerichteten Schülerwerkstatte wurde eifrig von 21 Schülern unter Aufsicht von 4 Lehrern her Anstalt gearbeitet. Durch das in 14 Tagen zu eröffnende Gymnasial-Abonnement, zu dem 7 Anmeldungen vorliegen, scheiM die Schule einen wesentlichen Zuwachs zu erhalten
Aus der nördlichen Wett er au, 20. März. Turch die warmen Tage der letzten Zeit hat sich der Pflanzenwuchs bereits üppig entwickelt, lieberate, an Baum und Strauch, treiben die Knospen heraus und in den Gärten, wft die Stachest- und Johannisbeersträucher schon ganz grün stehen, ist man eifrig mit der Aussaat beschäftigt. Aber es ist noch zu früh, die Nächte sind noch falt und die heutige Nacht hatte so starken Frost im Gefolge, daß Tümpel unb Wassergräben zugefroren waren, ^.urch den Frost müffen bi - zu früh geweckten jungen zarten Triebe und die Saat empfindlichen Schaden erleiden.
X K inzenbach, 20. März. Seit gestern morgen wird die ledige 31 fahrige Elisabetho -Schäfer vermißt. Die besorgten Eltern > iürchten Selbstmord, zumal sie schvn seit etwa 14 Tagen ein gestfates Wesen zeigte. Auf Wunsch traf abends fa8 Uhr Pvlizeisergeant Jalob aus Wetzlar mit seinem Spürhund hier ein. Das Tier verfolgte bald einen Feldweg, der über den Bahnkörper führt, auer durch die Miefen bis zu der 1/2 Stunde entfernten Mn. Oberhalb der Tutenhofener Drücke kennzeichnete der Hund ziemlich deutlich eine Stelle, aber leider blieben infolge der Dunkelheit die weiteren Forschungen o-hne Erfolg. Man nimmt an, daß die Lebensmüde in der Lahn ihren Tod gefunden hat.
Hessen
3'/,°|n Oberhessen
4Oesterr. Goldrente .- 4'/s70 Oesterr. Silberrente 4";ü Ungar. Goldrente
4® 0 Italien. Rente . • -
3°/0 Portugiesen Serie I v —•— 3®/, Portugiesen n III • 66.30 4 */,% russ. Staatsanl. 1905 100.25 d'/fa/o Japan. Staatsanleihe 98.30 4°/, Conv.Türken von 1903 94.70 Türkenlose . . . . - r. 181.00 4°/0 Griech. Monopol-Aul. . 49.00 4°/0 äussere Argentinier 91.20 3°/0 Mexikaner . •• ... 69.50
4'/*% Chinesen . . -t.^< 99.85 Aktien:
Bochum Guss . -------=
Buderus E. W. ■. - . ^.xwlll*0«
Tendenz: still.
37,% Konsols do. .
Harpener Bergwerk vc..; . 199.50
...... . .4.175.70
22.50
Canada E. B......—•—
Darmstädter Bank. . 136.20
Deutsche Bank . . - 258.90
Dortmunder-Union C. '94.90
Dresdner Bank . 165.40
T endenz: geteilt.
LustschUahrt.
Leipzig, 20. März. Heute nachmittag führte der Flieger Hans Grade auf dem Leipziger Sportplätze zwei wohlgelungene Flüge von etwa 4 Minuten Dauer aus; bald darauf stieg Grade von neuem auf. Nach 45 Sekunden senkte sich der Apparat plötzlich und blieb in den Baumkronen eines Gehölzes hängen. Grade blieb unverletzt. Ter Apparat der erheblich beschädigt würde, ist nach kurzer Zeit geborgen worden.
hirndei und verkehr, Vo!fsu>irt$cb<ift.
** Po stlagernde Briefe. Um die ohne persönliche Adresse zur Versendung kommenden Brieffendungen, die sogenannten Ehifftebriese, vor der Abholung durch Unbefugte zu schützen, werben vom 1. April ab die Postanstalten, die sich mit der Ausgabe


