bet SanbtverßTamnter yn Straßburg, Metz mtb Colmar mtf Mülbausen, drei Vertreter des Landnnrtschaftsrats und ein von der .Handwerkskammer zu Straßburg gewählter Vertreter, im ganzen 18 Personen, zu denen die gleiche Zahl vom Kaiser aus Vorschlag des Bundesrats ernannter hin^utritt. Tie Mifglied- schast der Gewählten und ernannten Mitglieder dauert fünf Jahre. Wählbar sind nur Neichsangehörige, die in Elsaß-Lothringen ihren Wohnsitz haben und mindestens 35 Jahre alt sind.
Die zweite Kammer
soll aus allgemeinen und direkten Wahlen mit gehe i m e r Abstimmung nach Maßgabe des gleichzeitig der Vorlage gelangten Wahlgesetzes hervorgehen. Der Wahlgesetz^nt- wurs erklärt in voller Uebereinstimmung mit dem bestehenden Gemeindewahlrecht für wahlberechtigt, die männlichen Einwohner Elsaß-Lothringens, fofern sie im Besitze der Reichsangehörigkeit sind, das 25. Jahr zurückgelegt haben, und in der Gemeinde oder in dem Wahlkreise, zu dem die Gemeinde gehört entweder drei Jahre wohnen oder bei einjährigem Wohnsitz ein Grundstück besitzen oder ein ständiges Gewerbe oder eine landwirtschaftliche Selbständigkeit betreiben oder ein öffentliches Amt bekleiden, oder als Rechtsanwälte, oder im Ausschuß oder Kirchendienst tätig sind. Wahlberechtigten im Alter von mindestens 35 Jalwen stehen zwei Stimmen — im Alter von mindestens 45 Jahren brci Stimmen zu. Die Zahl der Mitglieder des Landesausschusses, gegenwärtig 58, wird auf 66 festgesetzt. Die Wahlkreise sollen durchschnittlich 30 000 Einwohner umfassen, mit der Maßgabe, daß 25 000 die geringste und 35 000 die höchst zulässige Einwohnerzahl darstellt. Von dem Grundsatz. daß ein Abgeordneter in jedem Wahlkreise gewählt wird, soll eine Ausnahme statthaft sein bezüglich der vier großen Städte Straßburg, Metz, Colmar und Mülhauien. Falls sich bei der ersten Wahl keine absolute Mehrheit ergibt, findet am siebenten Tage nach der Hauptwahl eine Nachwahl statt, wobei gewählt ist, wer die meisten gültigen Stimmen erhalten hat. Die Wahl- Prüfungen sollen dem Obersten Verwaltungsgerichtshof übertragen werden.
Kinematograph: Neuer Spielplan,
Biograph: Neuer Spielplan.
Weihnachts-Ausstellung der Koch- und HauS- hallungsfchule Sonntag von 11—5 Uhr.
Anlageinufik am Sonntag mittag 12 ITf'" in der Süd- Anlage. Epielplan: 1. CuDeiiure zur Oper »Ton Juan* von W. Ä. Mozart; 2. Fantasie a. d. Over.Lohenqrin" von R. Wagner: 3. »Lieb' mich und die Welt tfl mein!" Lied für Trompete von E. Ball; 4. Armcemarfch Nr. 27 (Coburger Josias-Marsch).
— Landes Universität. Der Großherzog hat den ordentlichen Proseffor in der philosophischen Fakultät der Landesuniversität Geh. Hofrat Dr. Moritz Pasch in Gießen unter 9lncifennimq ferner langjährigen mit Treue und Eifer geleisteten sehr ersprießlichen Dienste auf sein Nachsuchen mit Wirkung vom 1. April 1911 ab in den Ruhestand versetzt.
•• Finanzasfessoren. Durch Entschließung des Ministeriums der Fmauzen wurden die Fmanzreferendare Fritz Kümmel aus Darmstadt und HanS Blaß aus Alzey zu Finanzasicssoren ernannt.
Techn. Hochschule. Der Großherzog hat den ordentlichen Professor für Maschinenbaukunde an der Technischen Hochschule Geh. Baurat Felix Li n cke in Darmstadt auf sein Nachsuchen unter Anerkennung seiner langjährigen mit Treue imö Eifer geleisteten ersprießlichen Dienste in den Ruhestand versetzt.
•• Die Versteigerung deS Platzes, aus dem das Obst hau sch en Ecke der Bahnhofs« und Liebt g- straße steht, sand heute aus der hiesigen Bürgermeisterei statt. Die inzwischen verstorbene Frau Benner zahlte jährlich 90 Mk., während heute der Platz von ihrem Ehemann
vundesrarsdeschlirfse.
In der am 15. Dezember unter dem Vorsitz des Staatssekretärs des Innern abgehaltenen Vollsitzung des Bunde s r a t s wurde dem Entwurf der deutschen Arznei t a x e für 1911 sowie der Vorlage, betreffend eine ander- weite Festsetzung der Gesamtmenge des Absatzes von Kalisalzen für Die Zeit vom 1. Mar bis 31. Dezember 1910 Die Zustimmung erteilt Annahme fanden die Vorlage betr. die Aenderung der Zündwaren st euer-Ausfüh- rungsbestimmungen bezw. der Zündwaren-Kvntin- gentierungsordnung, die Vorlage betr. die Aenderung der Zuckersteuerausführungsbestimmungen, die Vorlage wegen Aenderung und Ergänzung der Branntweinsteuerbe,reiungs- ordnung, die Vorlage betr. die Herabsetzung der von der 23er- gättungspflicht befreiten Vranntweinmenge für das Ve- triebsjahr 1910/11, die Anträge des zuständigen Ausschusses wegen der Feststellung bestimmter Grundsätze über die Behandlung der Anträge auf die Einreihung von Orten in eine höhere Orlsllasie des Ortoklassenverz.ichnissrs sowie die Vorlage betr. die Verwaltung. Der Betriebsauslage von Brarrntwein stimmte die Versammlung zu, außerdem wurde über mehrere Eingaben Beschluß gefaßt
Die Wahlen in England.
London, 16. Dez. (6 Uhr 15 Min.) Gewählt sind 259 Liberale, 264 Unionisten, 42 Vertreter der Arbeiterpartei, 67 Red- monbiften, 9 lObrienisten. Die Liberalen gewinnen 22, die Unionu Üen 26, die Arbeiterpartei 4 Sitze. Die Obrienisten geroannai 6 Sitze in Southoork.
Studentenunruhen in Rußland.
Petersburg, 16. Dez. Heute nacht wurden fünfzehn Studenten wegen revolutionärer Um - triebeverhaftet. Es wurden viele Haussuchungen Dörgen o mm en. Die Polizei glaubt einer weitverzweigten Ver- ichwörerbande aus der Spur zu sein. Eine von Studierenden des hiesigen Polytechnikums abgehalteite Versammlung sollte von der Polizei aufgelöst werden. Da die Studierenden der Aufforderung der Schutzleute, auSeinanderzugchen, nicht Folge leisteten, wurden sie von den Polizisten einzeln aus dem Saale hinausgeführt In Moskau wurde eine Stu- dentenversammluna, in der reootihsnare Lieder gesungen wurden, von der Polizei zerstreut
Die Reich sd um a verhandelte über ben Dringlich- keitsantrag für die Anfragen über die Studentenunruhen und über das Verbot für die Zeitungen, Meldungen über diese Unruhen zu veröslentlichen. Der Dring.ichkeitsantrag wurde nach erregten Erörterungen abgelehnt.
Aus Hessen.
Darm stadt, 16. Dez. Eine allgemeine Wähler- veriammlung für den Reichstagswahlkreis Darmstadt-Groß- Gerau roirb am nächsten Montag, den 19. ds. Mts, abenbs Sy» Uhr, im Saal des SchützenhoseS ftattfmben. Der Vertreter dieses Wahlkreises im Reichstag, Herr Abg. Tr. Osann, nnrb in dreier Versammlung über die allgemeine politische Lage und die inngsten Rerchstagsverhandlungen einen Vorttag halten.
Zur La nb tags-Ersatzwahl in Worms. Ober- bürgermelster Köbler, der der nationallideralen Par- ter angehort, war schon ftüher Mitglied der hessischen Zweiten Kammer. Er wurde während des 32. Landtags anstelle des verstorbenen Abgeordneten Wolfskebl als Mgeordneter der Stadt Tarmitadt gewähft und war als solcher bis 1902 Mitglied der Kammer. Ta er inzivischen seine Beigeordnetenstelle in Darm- ftaDt mtt der des Oberbürgermeisters in Worms vertauscht hatte, bewarb er sich 1902 nicht mehr um das Mandat. Während feiner früheren Landtagstätigkeit war er Mtglied des Finanzausschusses und zuletzt Vorsitzender dieses wichtigen Ausschusses. Tie Kammer gewinnt an rhm eine tüchtige Arbeitskraft, die namentlich auf dem finanziellen und auf dem Verwaltungsgebiet wertvolle Dienste leisten wird.
Deutsches Ncicb.
Ter preußische Landtag ist auf den 10. Januar 1911 ttnberufen worden.
3n Sch werin ist es -wischen Regierung und Landtag zu einem Streit gekommen, der vielleicht zur- Auf- loiung des Landtags führt. Tie Regierung hatte zu den Stollen des Landesregiments einen Zuschuß von 1 803 000 Mk ge, ordert, die Bürgerlichen lehnten jedoch die Bewilligung dieser ^umme ab, weil ihnen das Haushaftsrecht nicht gewährt werde. Tie RiUenchaft bewilligte alsdann einen Zuschuß von 1 200000 Mark; damit ist die Regierungsvorlage gefallen.
2hidlanö.
Aus Fez wird gemeldet, Einbrecher seien in das dortige veutfche Postamt eingebrochen und Hüften alle vorge.un- baien Gelder geraubt
Das französische „Amtsblatt" veröfsentlicht den Erlaß des franzomchen Ministers des Innern, durch den die nächste Äolks- zählung auf den 5. März 1911 festgesetzt wird.
Aus StaOt uns Luns.
Gießen, 17. Dezember 1910.
- Tageskalender: ©tabttbeater: Samstag nach- ftuttag 8*|, Uhr: Ziinder BorstclUlng: »Die Mäilselönigin/ Sonntag nachmiltogs Uhr: »Tie Mäujetötugm*, abends 71/. Unr: »Ter fidele Bauer.-
ft o l o H e u m: Täglich Vorstellung.
für 256 Mk. gesteigert wurde.
— Margarine. Eine polizeiliche Revision der hiesigen Geschäfte ergab, daß Margarine unter der Bezeichnung „Backa, r2ouifa* und .Frischer Mohr^ von der Firma 9lÜonacc Margarine Werke Mohr u Co., G. m. b. H. z l Altona-Ottensen, auf deren Genuß Erkrankungen in verschiedenen Städten des Reiches zuruckzufuhren sind, hier nicht feilgehalten wird.
•• Ein wertvoller Fund. Im letzen Amtsblatt des NeichSposlamtS wird barauf aufmerksam geniacht, daß beim Postamt in Limburg ein Einpfennigstück gefunden worden sei. Nachfragen sind an die Oberpostdirektion Frankfurt a. Main zu richten.
•* Die Maul- und Klauenseuche ist festgestellt in A r h e i l g e n, KreiS Darmstadt; Bischofsheim, KreiS Groß- Gerau; Klein-Winternheim, Kreis Mainz. Feri,er sind neue AuSbrüche der Seuche gemeldet aus 1. Markow, Großherzogtum Mecklenburg-Schwerin; 2. Furstenried, Re- gietungsbezirk Oberbayern.
Landkreis Gießen.
= Großen-Bujeck, 17. Dez. Auf Ersuchen des Finanzanitsgehilsen Friedrich Merz von hier sei mit- gcteilt, baß er nicht der Verfasser des E. F. M. unterzeichneten Eingesandt in Nr. 294 des Gieß. Anzeiger ist.
Kreis Büdingen.
Nidda, 16. Dez. Als Mitglied der Handelskammer Friedberg wurde am Donnerstags für den Bezirk Nidda Kom. nierzienrat H. W. Cloos, Vftdda, wiedergewählt.
™ Bernsburg, 16. Dez. Dieser Tage wurde ein Handelsmann von Homberg a. d. Ohm, der mit seiner Frau auf feinem Fuhrwerk von Wahlen hierher fuhr, abends zwischen 4 und 5 Uhr am Waldrand von einem U n betau n t e n überfallen. Später belästigte derselbe Mann das Ehepaar in einer hiesigen Wirtschaft, wurde aber von dem Wirt gewaltsam entfernt Der Mann, der ein Korbflechter sein jo 11, hat auch anderwärts Frauen belästigt.
Kreis Wetzlar.
--- Kinzenbach, 16. Dez. Auf der Treibjagd des Jagdreviers Atz dach - Ktnzeitbach wurden 165 Hafen gefchossen.
(ßcridusfaaL
Mülhausen (Elsaß), 16. Dez. In dem heutigen Prozeß wegen Beleidigung der deutschen Veteranen wurde der Herausgeber der satirischen Zeitschrift ..Durchs Elsaß", Zis- l i n, zu zwei Atonalen Gefängnis, der Verfasser des Artilels, Buchhalter Weber in Straßburg, zu 200 Mark Geldstrafe bezw. 20 Tagen Gefängnis verurteilt. Tie vom Staatsanwalt beantragte sofortige Verhaftung Zislins wurde abgelehnt. Tie Tragung der Kosten wurde beiden Angeklagten auf erlegt Den Beleidigten wurde des Recht zugesprochcn, das Urteil in sämtlichen Mülhausener Blättern zu verössentließen.
Das modrrne Capri.
Rs. Capri, Anfang T-ezemb.
Das kleine Dampfschiff, das uns von Sorrent stach der Insel bringt, hat weder bei Viro Eauense, noch bei Meto und Massa anlegen können, roeil die hochgehende See die steile Tufs-Felstüste peiticht und die Naclst hereinzud rechen droht Es wirft al io früher als sonst vor der Marina Grande Anker; dennoch ist es schon inster, als das tanzende Boot uns an dem winzigen Molo ans Land setzt, auf dem sich lärmend die Fischerweiber und Kinder drängen und ein marinato mit einem Holzkästchen die Bootsgebühr eüikassiert Gleich darauf besinden wir uns in einer Gasse von dunkeln, gestikuliereiiden Gestalten, uni) wir glauben auf einem Seeräuberlande ausgesetzt zu sein. Zwanzig, dreißig Stimmen brüllen uns von rechts und links etwas in die Ohren; es sind einzelne Worte, die immer wiederholt werden, und wir unterscheiden endlich deutsche, englische, französische, ftalienijche Hotelnamen!
Heftiger Gregorovins! Wo ist der einsame Fischerftrand geblieben, an dem ein paar nacktbeinige braune Gestalten das Boot, das die wenigen Fremdlinge brachte, mit krästigen Armen auf das Ufergeröll zogen, bei starkem Wellenschlag die Ankömmlinge auf der Sckiulter ans Land trugen? Wo sind die hocl>- geichürzten, barfüßigen Dirnen mit dem tief im Nacken ge- liwtelen Haarschopf, den vielgeflickten bunten Nöcken und dem flammenden Kopftuch, dem mucadvre, die Kisten und Koffer am den Kopf hoben und mit elastischen Schriften die steinigen Saumwege und Treppen nach dem hocksthroiienben Städtchen hinauf- eiften, so daß wir ihnen kaum folgen konnten? Wo sind die paar bescheidenen Gaststätten, die vor zwanzig, dreißig Jahren ben Nordläiider wie einen von der ganzen Familie erwartest Freund und Gast^ausnahmen und ftm bald die örtlichen Sitten und Gebräuche, Speisen und Tradiiionen lieben lehrten? Heute zählt die Insel an zwanzig Hotels vom Allerweltstypus. Bon der Marina führt eine Seilbahn zum Städtchen hinauf, in denen dläftes, graues, engstraßiges Häusergewirr sich überall Gesä)äfle und Läden mit allem modernen Krimskrams der Fremden- unb Kurorte eingedrängt haben. Alles geht auf den Fang uni) die Ausbeutung der Fremden aus und ist mit Erfolg bemüht, den originellen Charakter Capris von 3alyr zu Jain: mehr zu oer* äicdern. Die Bauernhäuschen und -Gütchen in weitem Umfrcik verschwinden unter den Villenbauten und -Gärten der Neapolitaner und Fremden, die sich hier niedergelassen haben. An der Piazzetta liegen Cafös, Teestuben, Friseur- und Bijonterie- laden mit fremdsprachigen JniHriften, in denen minderwertiger
und Arrdenlentram zu höheren Preisen als in Neapel und
Rom fellgeboten wird. Nur die Bauermnädcyen, die aber otäS die alten selbstgewebten Stoffe durch Kattunsähnchen ersetzt hab»! gehen noch barfuß; die Städterinnen ahmen die fremden Modi» nach und werden zu raffinierten licnerinnen der Frcmdenindustrft Man sieht ihnen auf hundert Schritte Entfernung die Wirkung Huldigungen an, mit denen ein großer Teft des männliche» Fremdenpublikums die „Capreseoin mit dem griechischen Biiu und Profil" auszeichnen zu müssen glaubt. Eine jede, die über eme schlanke Figur und schwarze Haarfülle verfügt, bildet sich ein auf ben Verlobungsring eines deutschen Malers oder englischen Rentiers Anspruch zu haben; die Ladenmamsell lächelt dich, wenn du noch keine grauen Haare haft, kokett an und bedient dich mit der Würde einer Prinzessin.
Ein Schaden für die Insel würde es wahrscheinlich nicht sein wenn einige der vornehmen Hotels wieder eingingcn und ein Teil Der auf dem Wege nach Aegypten befindlichen Snobs, die für wenige Stunden auf die Insel kommen, sortblieben. Es würde dafür das Rul)e und Erholung suchende, ein einfaches ländliches Tasein vorziehkTide, durch die Naturschönheiten und geschichtlichen Erinnerungen des Eilandes angelockte Publikum wieder zunehmen, das am Ende doch bei längerem Aufenll-aft mehr Geld aus der Insel läßt, als die zur Tadle d'hote-Stunde einfallendeu Euuaas. fliegen.
Es soll nicht verschwiegen werden, daß unsere Landsleute mij besonderem Erfolg dafür tätig sind, aus Capri ein deutsch-itrlie» nisches Zwitterding zu machen, ohne zu bedenken, daß der Reiz des Eilandes doch in seiner nationalen, geschichtlichen, volkstüm. lieben Eigenart besieht und daß der Fremde hier nicht Deutschland, sondern eben Capri finden will. Viktor Scheffel hat ikber nicht beabsichtigt, daß daS alte gute Albergo Pagano zu einem Ableger von München und Berlin werden, daß deutsches Bierphilistcrtunr den Diddigeigei zu seinem Wahrzeichen machen und einige Cun- köpfe die Wege und Mauern mit geradezu blödsinnigen deuischen ..Sinniprüchen" bepflastern sollten. Ter Verein „Pro Capri" sollte rücksichtslos dieser Versckxindelung entart] en freien.
L>CX'Ui
• Der gesü rchtefte Mann von Newhork. Jq zweiten Stockwerk des Newyorker Zollpalastes residiert drr nützlichste, aber auch der meiftgesürchtete von den 300 000 amcritan nischen Staatsbeamten: William Loeb, einst Roosevelts Privatsekretär, heute höchster Zollbeamter dcS größten Hafens Amerikas, Aus seinen Händen empfängt die amerikanische Staatskasse wöchentlich rund 25 Millionen; von 5 Dollars, die dem Staatsichug zusließen, stammen fast zwei von William Loeb, der im Jahre einem Ansturm von 300 000 Reisenden trotzt; eine Million Einwanderer von seinen Beamten visitieren läßt und viele Tausenden Tonnen von Gütern der wll am Hieben Revision unterzieht, William Loeb ist in wenigen Monaten berühmt und berüchtigt geworden, sowohl durch die vielen Millionen, die der Staat durch ihn verdiente, als durch die Strenge, mit der der neue Zollkönig von Newyork gegen die reichen Schmuggler vorging. Was hat er in seiner kurzen Amtszeit nicht schon alles entdecken müssen! Ii, dem Zylinderhute eines würdigen alten Gentlemen, so wird bnn Mnnsey Magazine erzählt, fand man Dutzende von silbern« Löffeln; in den Aermeln eines Volksvertreters kostbare Pelze, William Loeb hat es erleben müssen, daß man bei ihm 20 lebende Löwen als „persönliche Reiseeffekten" deklarierte und unter bat rauschenden Toiletten einer reichen Dame entdeckte man ganze Berge von kostbaren Spitzen, die eingeschmuggelt werden sollte^ Was geschah m solchen Fällen nicht alles im Augenblick der Ent- deckung. „Es ist Schuld meines Dieners," erklärte ein reicher Bürger ans Cincinatti, dessen Koffer mit Edelsteinen gepolstert war, „ich werde ihn entlassen". „Ich habe es ganz vergesse^ ich wär so seekrank", seufzte die Millionärin, die in ihrem Kosfer ein Tutzend Pariser Toiletten zu deklarieren vergessen hafte. Aber William LoebS Strenge hat bereits gewirkt und eine ängstliche Ehrlichkeit in Zolldingen ist hereingebrochen: kürzlich dcllacierte ein Reisender sogar aus Vorsicht, daß er drei falfthe Zähne mit Goldplomben habe.
* Ei n Massenaufgebot „gekrönter Häup^ ter" wird bei den kommenden KrönungSfeftlichketten in London die Augen der Bürger mit ihrem Glanze blenden^ denn die Lords, deren parlamentarische Vorreckte durch die liberale Negierung gefährdet sind, haben trotz oer Hitze deS Wahlkampfes nicht versäumt, bei den Londoner Juwelieren, die Kronen zu bestellen, die sie als Peers von England bei; der Krönung tragen werden. Denn alle Standesherren des Britischen Reick)es werden in ihren farbenprächtigen mittelalterlichen Trachten an der großen Krönungsseier in Westminster teilnehmen und auf Den Häuptern ihre Kronen tragen. Als Eduard VII. vor 10 Jahren gekrönt wurde, ließ sich der Graf von Rosebery ein Prachtstück von einer Krone machen: sie war mit Perlen, Rubinen und Smaragden besetzt und kostete nicht weniger als 520 000 Mark. Allein es war ihm doch nie vergönnt, sein Haupt damit zu zieren, denn der Zeremonienmeifter, so weiß die Evening Times zu erzählen, verbot dem Grasen das Tragen einer Krone, die kostbarer fei als die Krone der Königsfamilie. Aber trotz dieser Bestimmung hat der Luxus doch noch Gelegenheit zur Entfaltung; je nach Laune und Vermögen legen die Peers von England heule für ihre Kronen 2000—80UU0 Mk. an. Die meilten werden freilich in Silber gearbeitet, dann vergoldet uno mit reichem Schmuck von bunten Steinen versehen, doch dabei kommen in der Regel nur dlachbil- bungen zur Verwendung. Eme bequeme Kopfbedeckung sind diese Meisterwerke der Goldschmiedekunst freilich nicht, sie haben ein recht ansehnliches Gewicht. Ein greifet Lord hat bas Vorrecht seines Slanoes sogar schon einmal mit feinem Leben bezahlen müssen. Er hatte die schwere Krone zioei Stunben lang ohne llnlerbrechung auf bem Haupte getragen, würbe plötzftch schwinblig, sank bann nieder und die schnell herbeigeholten Aerzte konnten nur noch den Tod feststellen; ein Schlaganfall hatte ihn dahingerafft.
* Auch ein Grund. Von Den Wahlen zum Unter* hause, die Großbritannien unD Irland in Atem halten, werden natürlich die verschiedensten Anekdoten erzählt; insbesondere sucht man nicht nur für ben Ausgang der Wahlen selbst, sondern auch für die bisher ermittelte, durchgehends schwache Beteiligung der Wählerschaft allerlei Gründe anzuführen. So lefen wir im „Daich Chronicle" von einem Grunde zur Wahlenthaltung, der gewiß eigenartig seini dürfte. Der Kandidat und Landrichter des betr. KreiseS besucht auf feiner Propagandareife auch einen Einwohner- dem er vor längerer Zeit wegen Diebstahls freie Wohnung auf Gemeindekosien gegeben hatte, und ersucht chn um seine Stimme — vergeblich. „Sie tragen mir die kleine Geschichte von damals nach — lassen wir das doch vergessen sein!"' sagt er begütigend. Der Wähler schüttelt den Kvvf. „Um der paar Tage Haft willen — das ist es nicht: daS hielte mich nicht ab, für Sie zu stimmen." „Nun also", meint dec Richter hof.nungsfroh, „was für ein Grund liegt sonst gegen mich vor'?" „Wissen Sie — weil damals — Sie haben gesagt, ich hatte em Kaninchen gestohlen", sagt endlich bet gefragte, „und es ist doch ein — Hase gewesen! Sehen Sie, wer nicht einmal bas unterscheiden kann, der ist nach meiner Ansicht nicht geeignet, ins Unterhaus gewählt -u, id erb en!"
Kleine Tageschrouik.
Einer Meldung Londoner Blätter zufolge unter* zieht sich General Dooth, das jetzt saft gänzlich erblindete Oberhaupt der Heilsarmee, trotz feiner 82 Jahre noch einer neuen Staroperation.
Im Weinorte Niederemmel an der Mosel hat ein Erdrutsch 250J Qucdcatm.ter Weinberge veruich* ter. Menschen sind nicht zu Schaden getommen.


