Nr. L26
Erscheint tSgllch mit Ausnahme des Sonntags.
Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul- ftratze 7. Expedition und Verlag: e^5L Redaktion: 112. Teb-Adru AnzeigerGießen.
Ne ^Siehener FamlllcnblStter" werden dem .Anzeiger" viermal wöchentlich beigelegt, das „Kreisblatt für den Kreis Sietzen" zweimal wöchentlich. Die Landwirtschaftlichen Seit» fragen" erscheinen morraUich zweimal.
Toleranzantrag wurde in diesem Jahre wieder im Reichstage ein Vorstoß dahin gemacht und abgeschlagen. Auch für die Ordens- gesellschasten sollte der deutsche Reichskanzler die Freiheit schaffen, die die Spanier jetzt abschaffen wollen. Und als an Luthers Todestage dieser Zentrumsvorstoß in der Abstimmung von der alten Blockmehrheit abgelehnt wurde, da hatte unser Bund geholfen, eine Tat zu tun. Nicht Trier, nickst Köln, Rom heißt die Rick>tung. Tenn Rom fühlt sich nur dort frei, wo es herrscht. Wahrt nur dort Frieden, wo es den Sieg errungen hat. Daher. Hie gut Wittenberg alle Wege! (Stürmischer Beifall.) Deutsch und evangelisch, das ist Segen und Sieg! (Stürmischer anhaltender Beifall.)
Als zweiter Redner sprach Geh. Kirchcnrat D. Meyer (Zwickau) über
die evangelische Bewegung in Oesterreich.
Ter Redner erstattet den Bericht über die Evangelische Bewegung in Oesterreich, die stetig vorwärts schreite. Tie Zahl der Uetergetretenen bewege sich andauernd um 5000 herum. Die Bewegung ergreife jetzt auch die gebildeten Kreise. Der Redner fährt bann ort: Die österreichische Arbeit des Evangelischen Bunoes ist nur ausgenommen worden, weil ein Notruf aus Oesterreich zu uns deutschen Protestanten kam, und wir haben es stets abgelehnt, eine Propagandatätigkeit unter den Katholiken zu entfalten. Rom wirst dagegen seine Proselytennetze jetzt zürn Beispiel in Dänemark aus, wo auf 7800 Kathüikcn allein 26 Weltgeistliche, 174 männliche und 440 weibliche Ordens angehörige in insgesamt 49 Ordenshäusern kommen. Dazu komme noch die große.Anzahl der latho- lischeir Krankenhäuser.
Ilm Abend fand eine große
öffentliche Volksversammlung
latt, in der Gymnasialdirektor Dr. Erythropel (Hameln) lber „Mehr Ehrfurcht vor der Religion!" mid Universstätspro- essor D. Hunzinger (Erlangen) über „Mehr Vertrauen zu den Lebenskräften her Reformation" sprachen. Die Versammlung war aus allen Schichten der evangelischen Bevölkerung von Chemnitz außerordentlich zahlreich besucht. — Ätorgen werden die Beratungen fortgesetzt.
25. Hauptversammlung des evangelischen Sundes.
O Chemnitz, 26. Sept.
Jm^arbeitsreichen und gewcrbfleißigen Chemnitz, in des Königreichs Sachen dritter Metropole, begann gestern die 23. Hniept- versammlung des Evangelischen Bundes zur Wahrung der deutsch protestantischen Interessen. Die Stadt hat ein freundliches Fest- kl,nd angelegt. Mehr als sechshundert auswärtige Delegierte |inb schon am ersten Tage eingetroffen; die Festgottes- pienite, uni denen die Tagung eingeleitet wurde, sahen in allen dra Kirchen eine überaus zahlreiche, andächtige Menge.
Am Abend um acht Uhr fand in dem großen Saale des Kaufmännischen Vereinshauses
die Begrüßungsversammlung statt.
Die lanSDirischaftliche Lreisschau in Lauterbach.
-r. Lauterbach, 26. Sept. Die anläßlich der Kreisschau veranstaltete Ausstellung nstes heute, als am letzten Tage, ebenfalls guten Besuch auf. Vormittags war, Konzert auf dem Festplatz. Hierauf erfolgte die Verteilung der Anerkannten Preise. Landtagsabgeordneter Korell hielt eine Ansprache, worin er den Ausstellern, sowie allen denen, die sich um das Gelingen der Kreisschau und um die Veranstaltung der verschiedenen Festtichleiten verdient gemacht haben, den Dank namens der Ausstellungsleitung aussprach. Er betonte nochmals, daß man allseitig mit dem Geschauten Kufriedeu sei, ja die Erwartungen von den Leistungen des Kreises seien znm Teil noch übertroffen worden. Um 12 Uhr war Schllch der Ausstellung. Den Festplatz blieb dem Publikum^iis heute abend geöffnet' ein Kotiert nebst Feuerwerk bildete dann den Schluß der festlichen Veranstaltungen. — Nachstehend bringen wir das Ergebnis der Mrämiierung:
Ackerbau. Klasse 1: Beste Gesamtleistung. Ehrenpreis- Gutsverw. Sickendorf. 1. Preis Gutsverw. Stockhausen. Klasse 2 - Wintermcizen. 1. Preis Gutsverwaltung Stockhausen. Klasse 3- WiMerroggen. 1. Gutsverwaltung Sickeirdorf. Klasse 4. Gerste. 1- .2. 2. Preis Guts Verwaltung Stockhausen. Klasse 5: Hafer. 1. Preis Konrad Mrcher-Angersbach. Klasse 6: Hülsenfrückue. 1. Preis Guts Verwaltung Sickendorf. Klasse 7: Frühe Speisekartoffeln. 1. Preis Ioh. Stock-Klitzenrod. Klasse 8: Kartoffel mit mittlerer Reifezeit 1. Preis Gg. Schäfer I.-Hutzdorf Klasse 9- Spatkattoffeln. Ehrenpreis Aug. Ltöschcr-Rudlos. Klasse 10: lNltterrüben. 1. Preis Gutsverw. Sickendorf. Klasse 11 • Slnderr Rüben. 3. Preis Ioh. Stock-Blitzenrvd. Masse 13: i. Preis Konr. Kircher-Angersbach Klasse 14: 'Andere Erzeugnisse 1. Preis Zal. Schnmps-Schleckstenwegen. Klasse 16: Ehrenpreis: A Broscher-Rudlos. 1. Preis Gutsverw. Lauterbach. — Rinder Konkurrenzklasse A. Klasse 1: Bullen. Ehrenpreis Heinrich Zinn XI.-Maar. Klasse 2: Ehrenpreis Gemeinde Angersbach Klaffe 3: Kalbinnen. Ehrenpreis Aug. Prösck-er-Rudlos Klasse 4- Kühe. 2. Preis Gutsverw. Sickendorf (2). Klasse 5: 1 Preis I- E. Herber-Angersbach. Klasse 6: Familien. Ehrenpreis I. Ritter II.-Maar. Klasse j: Kleine Sammlung. Ehrenpreis Johs. Rttter II.-Maar. Klasse 8: Große Sammlung. 1. Bezirk Anger s- bach-Lauterbach. Konkurrenzllasse B. Klasse 1: Ehrenpreis Gemeinde Nösterts. Klasse 3: 1. Preis Ioh. SchmidtII.-Pfordt Klasse 5: 1. Preis Gutsverw. Schlitz. Masse 6: Ehrenpreis Paul Schmalbach-Kimmerod. Schafe Klasse 1: Böcke. Ehrenpreis Gutsverw. Stockhausen. Klasse 2: 1. Preis dieselbe Masse 3 Ehrenpreis dieselbe. 1. Preis Karl Götz-Bermutshain. Pferde: .Klaffe 1: Ehrenpreis Gutsverw. Stockhausen. 1. Preis Peter Pfannuiüller-Maar. Klasse 2: 1. Preis Ioh. Rahn II.-Engelrod. Klasse 3: 1. Preis Pröscher-Rudlos. Klasse 6: 1. Preis Ioh. Mischer VII.-Lernshausen. — Ziegen: Klasse 1: 1. Preis Gemeinde Angersbach. Klasse 2: 1. Preis Gemeinde Lauterbach. Klasse 3: Ehrenpreis Hch. Beier III.-Stockhausen (2). 1. Preis Ioh Bcier-Niedermoos. Klasse 4: Ehrenpreis Hch. Jöckel-Nieder> moos. K. Dahmer-Reichlos. 1. Preis Ioh. Becker VII.-Stock- hausen. Klasse 5: Ehrenpreis Hch. Jöckel-Niedermoos. Klasse 6: Ehrenpreis Hch Vollnwller II.-Lautcrbach K. Fischr-Angersbach 1. Preis Heinrich Adolf-Hutzdorf. Klasse 7: Ehrenpreis Bezirk Nledernioos-Freiensteiner. Tauben Ehrenpreise: Lehrer Haller-, Lauterbach (3); Fr. Jockel II.-Lauterbach; Gg. Nlliller-Lauter- bach. 1. Preise: Lehrer Haller-Lauterbach; W. Henkel-Lauterbach; Karl Römer-Lauterbach 2. .Preise: Lehrer Haller (2); Heinrich Raabe-Schlitz (2); Hch Zinn-Lauterbach (4); K. Hammel-Blitzen* rod: Gg. Müller-Lauterbach. Schweine Masse 1: Eber über 12 Ntonate alt 1. Fr^:. Riedeselsche Gutsverw. Sickendorf. 2. Gc> meinde Landenhausen 3. Gemeinde Reuters. Klasse 2: Eber unter 12 Monate alt 2. Gutsverw. Stockhausen. 3. Gemeinde Steinfurth. Klasse 3: Sauen über 12 Monate. Gutsverw. Sicken-
(Lcbhastcr Beifall.) GotH?Deutschtum unü Pro' testantu-mus mlammenflefugt; er wird sie bciciuandcr bulten und itö?c tanb voller evangelncher Zukunft, wenn auch mein Fuß ktnxl*t^etEctm wrrd. Der Abcudwiuü weht um meft^ Schläfe ™ der alles stille roirb; mein heTzlicl^ ft: Gott )et immer mit dir du lieber Evangelish Blliid: ^^urmncher, immer neu sich wiederholender Beifall)
'Nach gemeinsamem Gesang ging die große Versammlung auseinander.
Die geschäftlichen .Verhandlungen leitete am heutigen Montag vormittag eine 9
Sitzung des Zentralvorstandes und des Gesamtvorstandes
AN, in welcher der Vundesdirektör Reichstagsabgeordneter Lic. 1 Vng (^lle) den Jahresbericht vorlegte. Er sagte u. a.- diesmal alle nationalen Parteien in Presse und Parlament Stellung gegen die päpstlichen Schmähungen nahmen, und wenn selbst das Zentrum im preußischen Abgeordnetenhause nicht ^°gte, das pcKstllche Treiben zu verteidigen, so verdankt das protestantische Volk diese Haltung nicht zum geringsten Teil den wirkungsvollen Maßnahmen unseres Bundes. Wir hoffen, daß dieser Dank, der von den verschiedensten Seiten zum Ausdruck gekommen ist, sich durch einen immer größeren Beitritt zu unserem Bunde betätigt.. Die B o r r o m ä u s - E n z y kl i k a habe dem Bunde tn wenigen Wochen über 30000 neue Mitglieder zu g eführt. Die Gesamtzahl der Haupt- um Zweig Vergne stieg um 222 auf 2822, die der Mitglieder von 38153Ö auf etwa 435 000 seit April vorigen Jahres. Zur Förderung der evangelischen Kirche in Oesterreich ist ein Zentralausschuß unter dem Vorsitze des Geheimen Kirchenrats Dr. Meyer (Zittau) gebildet; ebenso besteht für die in den deutschen Ostmarken ärbeitenbcn Vereinigungen ein besonderer Ostmarkeir- ausichuß.
. Um Vs'4 Uhr nachmittags trat im großen Festsaale des Kauf mamlischen .Vereinshauses die
erste Abgeordnetenversammlung zusammen, an der wieder über 1000 Personen teilnahmen. — Zum nächstjährigen Tagungsort wurde Erfurt in Aussicht ge- iwmmen, wo vor 25 Jahren der Evangelische Bund gegründet wurde. Die nächste Tagung soll sich daher zu einer Jubiläums-- tagung gestalten. — Zur Zeitlage und Jahresarbeit sprach dann der Direktor des Bundes Lie. Everling (Halle)- Nach zwei Richtungen war der Kamps zu führen. Da war ber deutsche Gelehrte, der in Wort und Schrift rief: „Jesus hat nie gelebt!" Und da war der römische Priester, der in der Borrom äus - Enzy klika mit unversöhiUichem Haß bekundete: Die Helden und Fürsten der Reformation sind Bauchanbeter und Kreuzesfeinde. Beide haben wider Willen den Protestantismus einig gemacht. Dem phantasierenden Professor traten Führer aller protestantischen Richtungeii entgegen, und wider die empörende Herabwürdiaung des Papstes erhob sich in heiligem Zorn das protestantische Volk zum Schutze seiner Helden. Man spricht von Enzyllika-Hetze und von Protesttummel. Der Präsident des diesjährigen deutschen Katholikentages hatte die Stirn, die Beschimpfungen der Enzyklika „Werturteile" zu nennen, „Werturteile über die damaligen Verhältnisse mtb Zu- 'tünde, die eine Anwendung .auf die Gegenwart ausschließen". Herr Marx wagte es nicht, den immer wieder für den Katholikentag in Anspruch genommenen „Ruhmestitel", daß er die Ailsckjauungen Andersgläubiger nicht verletzte, für den Papst in Anspruch zu nehmen. Er drehte also den Spieß um und verllagte, bedrohte und kränkte seine evangelischeii Mitbürger. Ueberttoffen wurde diese Leistung jüngst noch vom österreichischen Katholikentage, j>er sogar ein Danktelegramm an den Papst sandte. Wir Protestanten müssen demgegenüber aus der nntoürbigen Behandlung unseres würdigen Anspruchs dauernde Lehren ziehen. Wir inb aufrichtige Freunde bes konfessionellen Friedens, aber nicht auf Kosten ber protestantischen Ehre, evangelischer Wahrheit mtb nationaler Freiheit. Wir gönnen von Herzen dem katholischen Volksteil eine staatsbürgerliche Gleichberechtigung, aber wir er- tragen nicht seine ultramontane Vorherrschaft. Mit dem kleinen
gehörigen Aktiengesellschaft. Kommanditgesellschaft auf Aktien oder r < 7/ fünf Jahre lang Unternehmer ober
beDnllinadjtigtc Betriebsleiter eines ber Genossenschaft zugehörigen Betriebes aewesen sind.
werben die Betriebe für die Tarifzeit zu den Oefahrenklaffen veranlag. Nach ber Veranlagung kann die Be- ^ifvgenoffensck>aft einen Betrieb neu veranlagen, wenn sich heraus- stellt, baß die Angaben des Unternehmer» unrichtig waren. Auf Antrag der Nationalliberalen wird hinzugefügt: ober wenn eine Aenderung un betriebe eingetreten ist.
. Zür die Vermögensverwaltung bestimmt S 719, daß mindestens em Viertel des Vermögens der Berufsgenossenschaft in Konsols, unb minbcflenß die Halste des Vermögens mündelsicher ober in Darlehen an Gemeinben u. Gemeinbeverbände angelegt sein müssen. Für jebe andere Verwendung überhaupt bedarf sie der Genehmigung des Reichsversichernngsantts, unb wenn es sich dabei um wehr als ein Viertel des Vermögens handcll, noch außerdem der Genehmigung des Bundesrats. Zentrum unb Sozial-
okraten stimmten gegen diesen Paragraphen, bliel:en aber m ber Minderheit.
_ Nach § 721 regelt das Reichsvm'ichenmgsamt die Art und ()-orin ber Rechnungsst'ihmng ber Bernfsgenossenschastm. Auf Munich der . Berufs gern) ssewcha ft en wird diese Bestimmuna |tnd)ert Die §§ 723—725 fallen fort infolge ber durch die Kommiffion erfolgten Streichung ber Landesversicherungsämter.. . Zu 8 737 wird auf Anttag ber Nationalliberalen oeu Vorschriften über die Satzung hinzugefügt: Die Satzung farm mich bestimmen, daß ber Vorstand der Berufsaenossensck-ast berechtigt fein soll, von einzelnen Mügliebern Vorschüsse emzu- Torbern, falls ein solckMs mit ber Zahlung der Beiträge wiederholt im Verzüge gewesen ist.
Die Beratmig ber Vorschristen über die Riicklagen der Berufs-. genosienschaften (§§ 741—747) wird ausgesetzt. Die BeratuuN geht Dienstag vormittag weiter.
Die Ueichsverstcherungsordnung.
: Berlin, 26. Sept.
Der Reichsversicherungsausschuß setzte heute die Beratung des Buches über die Uiifallversicherung fort bei dem Abschnitt über die Genossenschaftsorgane. Die Sozialdemokraten beantragen die Einführung einer paritätischen Verwaltung: Die Berufsgenossenschast soll ans einer gleichen Anzahl von Vertretern der Arbeitgeber unb der Arbeiter bestehen. Für ben Anttag tritt außer ben Sozialdemokraten aber nur die polnische Stimme ein.
Auf Anttag der Nationalliberalen wird mit großer Mehrheit § 700 dahin geändert, daß als Mitglieder des Vorlandes ober als Vertrauensmänner ber Berufsgenossenschast ober als Vertreter in ber Genosseiischaftsversammlung auch bie bevollmächtigten Betriebsleiter unb die gesetzlichen Vertreter ber Arbeitgeber wählbar sind. Ferner zu Mitgliedern des Vorstandes auch solche Mitglieder M AMWsrats einer .der Genossenschaft w
g« werte JRainn.ifl von feiner festlichen Menge, mehr als zwei LMsnch, bis aut den letzten Platz gefüllt. Die Spitzen ber staatlichen, Kirchen- und Gemeindebehörden sind anwesend Zum er Il m M ale hat auch der D e u t s ch e K i r ch e n a u s s ch u ß in d em Meralsuperinteiidenten von Schleswig-Holstein v. K a f t a n einen Vertreter entsandt. Von bekannten Persönlichkeiten sahen wir Generalsuperuttendent D. Lohoff-Alteirburg, Hosprediger D. Rogge- Potsdam, vom Präsidium des Bundes Superinteirdent D. Wächt- ler-Halle, Reichstagsabgeordneten Lic. Everling-Halle, vom 8eri- Rat 0. Meyer, Geh. Rat D. Mirbt, Professor ?- ^^oura, Justizrat Elze, Justizrat Gensel,
Vf Prodstrng und andere. Der erste Vorsitzende des Evangelischen Bmides, Exz. von Leßel, ist durch einen schweren ^rauerfaU verhindert, der Haupiversanmilling beizuwohnen.
Nach einem Orgelvorttag und einem Chorgesang des Mäimer- gesangvereins ^Orpheus" hielt ber Versanmilungslefter Dr Költzsch die Eröffnungsrede.. Dann begann die Reihe der Begrützungsreden.
Generalsuperintendcut Kaftan bringt den Gruß des Deutsch- eoangelffchQi Kttchenausschusses. „Der Kirchenausschuß weiß bie Arbeiten des Evangelischen Bundes zu würdigen; wir alle wiur- schen,^baß wtt mit unseren katholischen Volksgenossen im frieden leben, aber nicht um den Preis, daß wir priesterlichen Herrschaftsansprüchen uns beugen. (Lebhaftes Bravo.)
Sodann ergriff das Wort Konsistorialpräsident Dr. Böhme- ^Lenn Sie Ihre Ausgaben zweifach gliedern, in den Kampf gegen den außer en Gegner und gegen den inneren, gegen Jnbisferentis- Mus und Materialismus, so heißt das, das eine tun unb das andere nicht ^lassmu Sachsen ist seit ber Reformation ein fast xeui lutherisches Land; wtt stehen unter dem Schutze eines oe- hebten und auch in konfessionellen Dingen voller Vertrauen verehrten Königs. (Stürmischer Beifall.) Der Wunsch, mit den Katholiken in Frieden zu leben, wird allgemein geteilt Auf ber letzten Landessynode haben wtt in ber Regelung ber Friedhofsfrage einen Beweis vollster Toleranz gegeben. (Sehr richtig!) Möge Segen auf Ihrer Arbeit ruhen auch fernerhin." (Lebhaftes Bravo!)
Es folgte Oberbürgermeister Dr. Sturm: ,Lch freue mich, baß ber Evangelische Bund Chemnitz als Feststadr gewählt hat Konfessioneller Stteit ist uns fremb, aber wie wir es keinem Anbersgläubigen verargen, für seinen Glauben einzu- trtien, so werben auch wtt uns bas Recht nicht nehmen lassen, Zeugnis abzulegen für unsere helligsten Güter, für bie Kraft des Evangeliums. (Stürmischer Beifalt) Möge auch diese Tagung des Bundes beweisen, baß die evangelische Wahrhett, wie sie ans btt Reformatwn gebracht hat, über alle Anfeindungen unb Angriffe siegen." Allgemeine Zustimniung löste auch diese Siebe aus. Aus sie folgten bann weitere Aiffprachen; im Namen ber Geistlichkeit von Chemnitz, ber Evangelischen Arbeitervereine, des Evangelisch» sozial en Kongresses, des Evangelischen Hauptvereins für Auswanderer in Witzenhausen, des .Evangelifcheu Bundes für Oesterreich.
Wieder wechselten Gesangsvorttüge damit, dann nahm das Wort Superintendent v. Wacht l er im Namen des Zentral- vor stand es. Er teilte zunächst den Wortlaut der Telegramme mit, bie an den Deutschen Kaiser und an den König von Sachsen abgesandt wurden, verlas Begrüßungsschreiben der Siebenbürger Evangelischen, von der evangelischen Maatschappy, ber Brüder- Unitat. Ein Begrüßungsschreiben war auch von ber theologischen Fakultät ber Universität Leidig unb vom sächsischenKultus- ministerium eingelaufen, dieses war auch persönlich durck) Ministerialbttektor Dr. Äretzschmar vertteten. D. Wachtler schloß unter großem Beifall feine Rede: „Der heutige Tag, ber 25, September, ist
ber Jahrestag bes Augsburger Religionsfriedens 1555.
Auf ihm wurde den Protestanten rechtliche Parität garan- tiert. Für unsere Brüder in Oesterreich, die recht viel Verlangen nach dieser Parität haben, steht sie noch immer auf dem Papier. Wtt wollen uns barüber jetzt nicht gramen, aber wir wollen uns auf dem Bob en behaupten unb wir meinen, daß die rechtliche Parität auch eine moralische Parität ist, bei ber wtt unseren Mann stehen."
Nunmehr ergriff, aufs lebhafteste begrüßt, der Vorsitzende des Lanbesvereins Sachsen, Geh. Rat D. Meyer, das Wort zur Lchlußaiisprache:
Erbitterte Feindschaft rast gegen ben Evangelischen Bund durch bie. römische Presse. Aber es berührt uns nicht mehr als bas Summen einer schwarzen Brummfliege.. (Stürm. HetterLit.) Wenn andere Widerspruch erheben, so ist das, weil ihnen, die ideale Forderung, obenan deutsch-protestantische Interessen zu wahreii, unbequem geworden ober weil ihnen jede Betoiiung religiösen Lebens als konsessttneller Stteit erscheint. Wie war es 1870? Der Kaiser ber Franzosen, bas politische Haupt der Romanen, Nagte einen schnöben Angriff auf die Deutschen. 40 Jahre später, 1910, schickte das kirchliche Oberhaupt des Romanismus,
der Papst, dem deutschen Protestantismus eine Kriegserklärung voller Beleidigung und Verleumdung. Man glaubt dort an die Legende Don ber Auflösung bes Protestantismus, sieht ihn als den alt- gewordenen Erbonkel an, in dessen Besitztum man bald zu treten hofft. (Heiterkeit.) Wie zeigte sich in diesem Jahre dagegen die Wttllichkeit des evangelischen Christentums? Ein herrliches Erlebnis war bie Protestbewegung von 1910! Sie war nickst bloß nne Absage an Rom; aus ihr müssen alle Gegner bes Christen- ckuus das Nein der deutschen Volksseele für ihre Bestrebungen hören. (Bravo.) Weg, erklärte unser Volk, von mir, du halb- vüchsiger Biirsche des Unglaubens, ber Jesus unb fein Werk ms ber Geschichte lösen will. Unb wir verstehen nicht, bekundet )er Protest, ihr Politiker unb Machthaber, wenn ihr nur Tages- : stier essen obenan auf euer Programm stellt, bereit, um wegen )iejer manches Gut aus dem schwer errungenen Sckiatz des evauge- . lischen Geistes daran zu geben. Dem Evangelischen Bund steht . ne Polemik gegen Ziom nicht oben an (Sehr wahr!), wich- , tiger ist, unser Volk im Protestantismus zu festigen. Dazu gehört, )a.ß wtt
ihm wieder die evangelische Kirche lieb unb < wert machen.
Sie ist das Kind unserer größten Zeit; ohne sie wäre das Werk । Luthers in lauter Subjektivisnius und Schwärmerei verflüchtigt. : Unb ferner ist notwendig, daß unser Volk zur Wahrung deutsch- । vrotestcuilMer S.nte.r.ejjeii such in, feiger, polftilchen Betätigung !
borf, 1., 2. unb 3. Preis. 2. Preis Ioh. Oestreich Vll-StoL« Hausen. 3. Preis Hch Kneußel II.-Maar. Klasse IV. Scmeq unter 12 ÜUTonate. 1. u. 2. Preis Konrad Schul VI.-Angersbach Klasse 6: Große Sammlung. 2. Preis Gutsverw. Sickendorf. Klasse 7: Veredelte Landschweine. Eder über 12 Momtte. Gutsverwaltung Stockhausen. Klasse 9: Sauen über 12 Rio nute., 2. Hch v. Alt-Wallenrod. 3. Preis Ioh Becker-Stockhausen. Gutsverw. Stockhausen. Klasse 12: Große Sammlung. 3. Preis Gutsverw Swckhausen. Geflügel: Wassergeflügel. Kammer E. Pr. Hch Euler-Nlaar, Ioh. Rodemer-Lauterbach Ehrenpreis L Stöpler- Lauterbach. 1. Preise Ioh. Rodemer U.-Lauterbach, Hch. Lkind- Hutzdorf, Ioh. Niodemer-Lauterbach. Fr. Jockel II. Lauterbach 2. Preise Hch. Euler I.-Maar, Hck). Daum-Frisckchorn, Ioh. Ro- demer-Lauterbach, Hch Kraftjr.-Wollemer. Hühner. Kammer E. Pr. Louis Stöpler-Lauterbach, Ioh. ötobemer-Lauterbach Hch Bluen II.-Lauterbach, Ioh Manl-Hortershausen, Karl Kerribach- Schlitz. Ehrenpreise Lehrer Haller-Lauterbach (2), Louis StöplO> Lauterbach (2), Hch. Kraft jr.-Wallenrod, A. Krömmelbein-Laittev- bach. 1. Preise A. Krömmelbein-Lanterbach (3), Hch Bluen III^ Lauterbach (2), Hch. Reinharbt-Sckstitz, Wernei-Ltthm-Lauterbach Johannes Rodemer-Lauterbach, Konrad, Wahl II.-Ängersback). 2. Preise Ioh. btodeMer^Lauterbach (5), Louis Stöpler-Lautcrbach (2L Lehrer Haller-Lauterbach (2H Hch, Kluen-Lccktterbach (2), Hch
Zweites Bwtt 160. Jahrgang ' - * Dienstag 87. September 191«
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General-Anzeiger für Vberhessen


