Ausgabe 
23.4.1910 Erstes Blatt
 
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Montag, 25. April 1910

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Die Wetterlage.

Auf unsere Anfrage teilt uns der Leiter der hiesigen Wetter­dienststelle Albert Peppler mit:

Die Fahrt der Lenkluftschiffc nach Homburg ist unter der denkbar ungünstigsten Wetterlage angetreten worden. Das zu durchfahrende Gebiet lag völlig im Bereich einer mit ihrem Zentrum Über der Ostsee lagernden Zyklone, die mit zunehmender Hohe rasch sich verstärkende, böige Nordwcstwindc hervorrief. Bereits die Wetterlage am 21. April mahnte zu größter Vorsicht, da eine rasche Ansdehnung des Tiefdruckgebietes über Deutschland zu be­fürchten war. Tic Voraussagen der öffentlichen Wetterdienststellen stellten bereits für den gestrigen Tag starke bis stürmische Luft­bewegung mit Regenfällen in Aussicht. Wie gefährlich die gestrige Wetterlage tatsächlich war, geht daraus hervor, daß gestern nach­mittag in ganz Süddeutschland starke, anhaltende Niederschlage cinqetretcn sind, so in Karlsruhe die außerordentliche Regen­menge von 31 Millimeter nach den heutigen Wettertelegrammen. Das Gebiet der starken Niederschläge mit Böen und Gewitter­bildungen reichte bis nordwärts von Worms, wo gestern ebenfalls Gewitterregen eingetreten sind. Dabei erwies sich der Nordwcst für die Fahrt nach Homburg günstig, aber für-die Rückfahrt wegen seiner Stärke von mehr als 10 Meter in der Sekunde , ist er wenig geeignet. Heute früh herrscht vielfach in Westdeutschland böiges Wetter mit Schneeschauern, und die Windstärke nimmt mit der Höhe zu. Auf alle Fälle sind die Aussichten für die Rückfahrt wenig günstig. Eine neue Zyklone ist heutt morgen von Nord

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Kleine TageHchronik.

Auf einen auf dem vor Dessau stehenden Posten wurde am frühen Morgen gestern ein Schuß abgegeben. Die Kugel z e r r i st dem Soldaten zwei Finger. .

"Ui Beilin wurden drei Burschen verbastet, d,e vor sieben Jahren in der Warschauer Straße einen Raubansall ausgefuhrt l'U 2icr Dieb, der die Juwelen aus der U s P c n S k y - K a t h c- bralc gestohlen hat, ist heute in der Person eines I ungen -bauernd mit Namen Femin ermittelt worden. Die geraubten Kostbar­keiten hatte der Dieb vergraben.

In einer Kohlenmine bei Amsterdam (Ohw)^wurden durch eine Explosion 18 "Arbeiter getötet, «echs Lerchen sind bereits geborgen.___

Gießeucr Strafkammer.

Gießen, 22. April

Ter hautediebnadl

im Gießener Schlachrhos besckstistigte die Strafkammer. Angeklagl waren die Metzgergesellen K. P. I. aus^ Ober-Ursel, Cbr. Fr. Rob. B. aus iÄerdrngen (Württemb.) und S. E. aus Kranz berg im Taunus, sowie der jjt Homburg v d. H. wohnhafte Metzger I. G. V. aus Lbersttidten. X ist geständig, in der "Nacht zum 31. Dezember v. I. mit B. und E. einen Diebstahl in der Weise aus geführt zu haben, daß er mit Hilfe der andern in das Gebäude der Häuteverivertungsgesellfchafl cingesstegen ist und 16 Kalbs felle herausgeworfen hat, die in den Keller eines hiesigen Wirts verbracht wurde. Am andern Tag fuhr B. damit nach Hornburg v. d. H., um sie zu verkaufen. Da er keinen Absatz sand, begab er sich zu einem Verwandten des I. nach Oberstädten, wo sie ihm der Mitangeklagte V. für 60 Mark abnahm. Aus gleickre Weise entwendeten I. und B. Anfang Januar drei Rindshäute, die I. ebenfalls zu V. brachte und dafür 30 Mark erhielt. Ferner stahl I. seinem Meister zweimal Därme und Speck und in Gemeinschaft mit B. etwa 80 Pfund Salzfleisch, was von V. ebenfalls abgenouunen wurde. Tie Untersuchung ergab, daß I. seinem früheren Meister auch 5060 Mark Kundengelder unter sckstagen hat und B. ist geständig, den Bruder des V. um 30 Mark betrogen zu haben, indem er angab, er sei von V. beauftragt, für ihn 30 Mark zu erbitten. Im allgemeinen haben die jungen Leute mehr Geld verbraucht als sie verdienten: besonders I. war dem Trunk ergeben. Er saß halbe Nächte hindurch in Wirtschaften und wurde schließlich von seinem Meister wegen Trunkenheit entlasten. I stammt aus guter Familie, scheint aber erblich belastet zu fein. Er ist weder in der Schule noch in der Lehre borroart«- gefommen, wurde häufig bestraft, was seinen Angehörigen Anlaß gab, ihn nach Amerika verbringen zu lassen. Er konnte auch dort feinen festen Fuß fassen und kam als Kohlenzieher wieder zirrück: er machte später wieder in derselben Eigemchaft die Reise nach Baltimore und kam abermals zurück. Zwischendurch wurde er mehrfach wegen Unredlichkeiten bestraft. Ter Sach­verständige hielt ihn zwar für geistig minderwertig, doch ist er für fein Tun und Treiben verantwortlich zu machen. B. und E. waren geständig, nur wollen sie von I. verführt worden lein. V. bestritt, von dem unredlichen Erwerb Kenntnis gehabt zu haben, da feine Bedenken durch die Angaben des I., der die machen aus einer Konkursmasse erworben haben wollte, zerstreut worden leien. Der Antrag des Staatsanwalts lautet gegen I. auf 6' 2, Jahre Gefängnis, B. sollte 4 Jahre und E. 6 Monate Gemngms bekommen, während er gegen V. wegen gewerbsmäßiger Hehlerei auf 31/2 Jahr.' Zuchthaus plädierte. 'Das Gericht hielt I. des schweren Diebstahls in vier Fällen für überführt: es erkannte aber unter Berücksichtigung seiner geistigen Minderwertigkeit und der ihm fehlenden sittlichen Widerstandskraft nur auf 2 Jahre 2 Monate Gefängnis. B. wurde unter Freisprechung in einem Fall, für drei Diebstähle zu 1 Jahr 7 Monaten Gefangms verurteilt E. Tain nur in einem Fall in Betracht, der mit einer durch die Unten'nchungslfaft für verbüßt erklärte Gefängnisstrafe von 4 -Wochen geahndet wurde, während V. in drei Fallen mangels Beweises freigesprochen und für einen Fall der Hehlerei mit 0 Monaten Gemngnis belegt wurde, woron-r 1 Monat Unteriuchungs- haft angerechnet wird. I. und B. wurden die bürgerlichen Ehren­rechte auf 5 Jahre abgesprochen und jedem 2 Monate Unter­suchungshaft in Anrechnung gebracht. Bezüglich des E und V. erfolgte die Aushebung des Haftbefehls und ihre Freilaflung.

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R B Darmstadt, 22. April. Vor deniP r ovi nz ial- a u s s ch u ß wurde heute der Rekurs verband 11, ien bei nuui B e i <1 e 0 r d n e t e n von M uhlheim gewählte Peter Eckrcttl) lll. gcgc.i bic 'Di i di t b e ft d t i g u n g durch.den KreiSaiiö|chuß veisvlgt hat. Der KreisauSschuß hatte die Bestätigung ^oriagt, weil der Gewählte als überzeugter Anhänger der loztaldemokratiichen Par­tei. einer Partei, die ihrer Richtung nach fid) außerhalb der bestehenden Staatsordnung gestellt habe, als Ungeordneter nicht die staatlichen Funktionen wahren könne. Die Entscheidung ging dahin, daß die Beschwerde, unter Zahlung eines Averslonalbetrag? 0011 gi c 'm-D) 22° Dlprü U 2Ubert Wolter, der Mörder der Ruth Wheeler, wurde z u in Tode v c r it r l c 1 I I.

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gesunden würbe, zumal in den letzten Jahren wiederholt Fälle vorgekommen sind, in denen bei plötzlichen Herz­schlägen ober Schwächeanfällen von Kurgästen auf offener Straße nicht rasck) genug HUse geleistet werben konnte. Vielleicht kann bie Verschmelzung der bereits bestehenden Kolonne des T?. Hahn mit der, bic die freiwillige Feuer­wehr bemnächft, wenn auch vorerst nur für eigne Zwecke ins Leben rufen wird, zu einem zufriedenstellenden Ziele führen. Da sich auf der Rodelbahn am Johannisberg verschiedentlich Unglücksfälle ereignet haben, ist vom Mini­sterium eine Polizeiverordnung erlassen worden, die u. a. verlangt, daß auf einem Schlitten nie mehr als zwei Personen fahren dürfen. Tie Versammlung stimmte der neuen Verordnung zu. Für bic Durchführung unserer musterhaften, seit dem 1. April bestehenden Marktordnung soll die Stelle eines Marktmeisters ausgeschrieben werden. Außerbem standen noch verschiedene Baugesuche und Beratungen über den Ortsbauplan, woran auch der Vertreter jdes Fiskus interessiert war, sowie eine große Anzahl Wirtschaftskonzessionsgcsuche auf der Tagesordnung: bei nicht Iweuiger als sechs Gesuchen um Erteilung der Wirtschaftskonzession wurde bie Bedürfnisfrage bejaht. Unser Turnverein zählt mit seinen über 500 Mit- glicbern zu den stärksten und eifrigsten Vereinen des Gaues Hessen. Wie auf viele Vereine der näheren Umgebung hat auch auf ihn das deutsche Turnfest in Frankfurt a. M. einen günstigen Einfluß ausgeübt. Eine Damenriege und eine Fechterabteilung sind ins Leben gerufen worden. Neuerdings hat der Verein auch noch bie häufigere Ver­anstaltung von Turnfahrten unb die Einrichtung von Turn- spielnachknittagen ins Programm aufgenommen. Für morgen hat der hiesige Turnverein eine größere Anzahl von Nachbarvereinen zu einem gemeinsamen Spielnacy- mittag eingeladen.

Dar m ft a b t, 22. April. Zu Ehren der Jury desdeut- i ch e n Künstlerbundes, die zur Vorbereitung der Aus­stellung hier tagt, gab der Großherzog heute abend im Resi­denzschloß einen Herrenabend, der bis 11 Uhr dauerte. Morgen findet eine Sitzung des Gesamtvorstandes des deutschen Künstlerbundes statt.

rm. Darmstadt, 22. Aprll. Die Gründung einer Garten stabt-Baugenossenschaft wurde gestern beschlossen unb nach Beratung der Satzungen Rechtsanwalt Kalbhenn zum Vorsitzenden gewählt. Laudeswohnungs- Inspektor Gretzschel übernahm den Vorsitz des aus zwölf Mitgliedern bestehenden Aufsichtsrats. Nach den Satzungen ist bic Spekulation mit .Häusern und Gruirdstücken aus­geschlossen. Vorerst sollen nur kleine Einzelhäuser unb Villen für die Bevölkerungskreise errichtet werden, die weder über hohes Einkommen itod) großes Vermögen ver­fügen Zur Ausführung der Bauten sollen nur erstklassige Kräfte herangezogen werden.

Mainflingen, 21. April. 60 Jahre lang un­unterbrochen bettlägerig erkrankt war die Laitd- Wirtstochter Gertrude Denk aus dem Gebirgsdürfchen R e i ch e n b a ch. Seit ihrer frühesten Jugend war die Dulderin so leidend, daß sie das Bett nicht zu Verlässen vermochte. Jetzt wurde bie Aermste von ihrem freudlosen Erbendasein durch einen sanften Tod erlöst.

Mainz, 22. April. Ein Demonstrationszug der a u s g c f p e r r t e n Ba u q r b c i t c r zog heule vormittag durch die Straßen der Stadt. Tie Manifestanten bewahrten durchaus Ruhe und Ordnung. Gegen 12 Uhr zogen sic am Stadthaus vorüber.

x Kirchhain, 22. April. Der Kreistag ernannte Konsistorialprch ident Frhr. Schenk zu S ch w e i n s b e r g aus Kassel und Gutsbesitzer Karl Bopp aus Kleinseelheim zu Mitgliedern des kurhesjischen Kommunallandtags. Der Kreishaushalt für 1910 wurde in Einnahme unb Aus­gabe auf 108 000 Mark festgesetzt. An Kveissteueru ge­langen 50 Proz. zur Erhebung.

Gönnern, 22. April. Auf Veranlassung hiesiger Interessenten hatten vor einiger Zeit etwa 80 Gemeinden ein Gesuch um Errichtung einer Apotheke in unserem Dorfe cingebracht. 'Nunmehr ist den Bittstellern von zu­ständiger Behörde ein ablehnender Bescheid ziigegangen. In der Eingabe war mit Recht auf die weite Entfernung einzelner Orte von Biedenkopf, Dillenburg und Straßebers- bad) hingewicsen worden, indessen wird dieser Grund nach Fertigstellung der Bahnstrecke OberscheldBiedenkopf bei einem erneuten Vorgehen nicht mehr in die Wagschale fallen.

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Dierbach, 22. April.' n9 des Kreisausjchuj^ nSausschußmitglied 9iiitme;v.

durch den Vorsitze tct. Ueber einen Antrag fc Eschborn auf Erteilung £lr. ,ec Beschluß aus einen fpän «jt Sodann kam der ÜiEl 1 KirchenvorstandeS do- nichlag der bockigentzi. >r Verhandlung. Diejer sfa' prucht, beschäftigte den lhep schon zu einem üorlüu^g

9). Während die ©enietnb iholiichen Stadt Herbstein ein jt ist, will der evang.llirL: : verfolgen. Der Sachveö: ig von Herbstein beanftanx chlag, weiche Ausgaben füra- reffcnCNeparieren unbSti mr > pfiionenunbfrfttöiitcn, S, bauliche Unterhaltung^ tu?), Ausgaben für Die:!. :et§, Vesolbun- des siirchi tietjtnb. Sie stützt sich b:j s von 1872, das nach Aq ides die Bestreitung kirchiih: n Kirchengemeinden, bta ,6111 Vertreter der evangelish r )C an Hand von Urfunbcn,: uveisen versucht, daß die tslichtungen für dauernde& men habe, die entsprech^- >n als freiwillige und doiuc Die strittigen regemäbigen -»

für kirchliche Zwecke |eun b deshalb könne selbst m.c

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Die Proben zu

1. dem üniversitätsstiftuugsfest am 1. Juli 1910

2. dem 91. Vereinsstiftungsfest im Juli 1910 mit Choranfführungen haben begonnen.

Nächste Probe in der neuen Aula der Universität:

Amtlicher Wetterbericht.

Oeffentliche Wetterdienststelle Gießen.

Allgemeine Wetterlage seit gestern früh: Die nordöstliche Zyklone ist langsam osttvärts im Abzug nach Rußland begri|>en und ruft in ganz Deutschland lebhafte kalte Nordweftwinde hervor, die heute morgen strichweile Schnee bringen. Heftern sind un Süden veffens Gewitter nicdergegangen (Worms 7 Mm. Regen), während in Oberhessen nur strichweise Regen eintrat. In eut>iue)t- und Siiddeiuschtaiid sind uugeroöbulid) starke Regen geiallcu. Eine neue Zyklone rückt von England heran und bringt neue Regeickälle. _ v nr .,

Wetteraussichten in Hessen am Sonntag dem 24. llpnl 1910. Starker bis stürmischer Südwest, Regen- ober Schneesalle, etwas milder.

Vriginttl-Vrahtmeldungen.

R B. D a r in )t n b t, 23. April. In den Möbelschreinercien von Glückert, Ehrhardt und Ziegler haben heute 130 Möbel- schreiner bic Arbeit eingestellt. .

Berlin, 22. April. Der Minister des königlichen Hauses und der Finanzminister richteten an die Stadt Berlin die Frage, ob sie das Opernhaus erwerben wolle, das der bisherigen Bestimmung dauernd nicht mehr geividmet werden könne. Der Magistrat hat beschlossen, über den Kauf des geschichtlichen und künstlerischen Baudenkmals in Beij- Handlungen mit der Krone und dem Fiskus zu treten.

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