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2.3.1910 Drittes Blatt
 
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Nr. 51

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General-Anzeiger für Cderhefjen

Müller-Meiningen, e» braucht ja nicht (Heiterkeit.) Das Versprechen des Vc

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Bauernbundes nicht kategorisch crklä

Hahn nicht mad den Ton des 91:

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Dtt ^Otetzener Samihenbläfter* werde» dem ,flngrtger* etermei wöchentlich betgelegt, da» ^Krebblatl kL» k> Krtii Liehen" zweimal wöchentlich Du ^Lmdwirtschaftlichev Lett- fragen* erlchemeo monaUutz zweimal.

vom Hansabund sein Geld ! gern gehört, weil wir sonst es für müßten. Bei uns Bauern .....

flefcafttoa Exvedttion an» Druckerei: Gchul» (trage ?. <5xpeötno» and Vertag: e=&a# 61, Stebattion:«--M-112. Tel.-Ud^ AnzeigerGleßew

bal? Da? hätten wir Korruption erklären aii> leine Geschäfte

Vereins-, des BörseirgesetzeS. der preußischen Wahlreform, was waren das anders als Wechsel?

Wir sollen auf dem Wege sein, und mit der Sozial­demokratie zu verbrüdern? (Sehe richtig! rechts und Zentr.) Sehr unrichtig, wir denken gar nicht daran. S o ° ,l Parteileitung als Reichstagsfraktion mißbilligen es, wenn hie und da im Lande eine

einer großen Organisation, der maßgebenden poli­tischen Einfluß zu bekommen sich bemüht, sollte wirklich die Pflicht empfinden, cfc er cm solches Wort wiedergibt, sich zu orientieren. (Sehr richtig! bei den Natl.) Bassermann hat lediglich das Branntweinsteuergesetz eine Art Beutezug der lantüvirtschaftlichen Großbrenner gegen bte mittleren und kleineren Brenner und gegen die Konsumenten genannt. (Hört! hört! bei den Natl.) Das ist eine Verdrehung des Wortes, oie ein so gebildeter Mann wie Dr. dürfte. Dr. Hahn hat sich auch aufgeregt über Wachhorst. Will Dr. Hahn die moralische Ver-

wollen die Gegensätze abs daß die andern Berufsstände wie,, wirtschaft, das ihnen durch die Tätigkeit des Bundes der Land, Wirte verloren gegangen ist.

antwortung für alles tragen, wa« auf Bundesversammlungen ge» schiebt? Nur eine kleine Probe: Der Hansabund wurde eine Schutztruppe für das Großkapital, für Warenhäuser, Konsumver­eine und Hausierer genannt. (Hört! hort! links.) Den Ministern gegenüber gebrauchte man das Wort: Sie können uns sonst was! (Hört! hört! links.) Vom Kaiser wurde einmal als vompoli­tischen Gegner" gesprochen. Denken denn die Herren nicht mehr daran? (Zuruf rechts: Fortgesetzt! Große Heiterkeit.) Bei der Erbschaftssteuer fand der Bund das schöne Wort von dem Staat, der hinter dem Leichenwagen herläuft. (Hört! hört! links.)

Eine sehr geschmackvolle Aeußerung tat jüngst ein Bundes­agitator, als er sagte, der Abg. Wachhorst erhalte täglich 100 Mk. vom Hansabund. Wiederholt hat Dr. Hahn Herrn v. Ben­nigsen gegen uns auSzufpielen versucht. Dabei hat er einmal von Herrn v. Bennigsen gesagt: eS ist ein Glück, daß solche Leut' nicht ewig leben! (Hört! Hört! links, gr. Unruhe b. d. Natl., Dr. Hahn erregt: Das ist ein starkes Stück! Habe ich nie ge­sagt!) DiePost" hat die Rede Dr. HahnS im Abgeordneten­hause eine Volksversammlungsrede genannt. Und dieKölnische Volksztg." schrieb: Dr. Hahn gehört zu den unbedeutendsten Per­sönlichkeiten! (Sehr richtig! links. Zuruf rechts: Es ist 20 Jahre her!) Dr. Hahn beruft sich immer auf den Fürsten Bis­marck. Aber entspricht seine Unterstützung der Welfen etwa Bismarck scheu Traditionen? (Sehr gut! b. d. Natl.) Dr. Hahn hat gesagt, die Welfen hätten bei der Finanzreform das Reichsschiff mit flott gemacht. Machen 8 Nein und 2 Ja der beiden Welfen bad Reichsfchiff flott? (Sehr gut! b. d. Natl.)

Parole für die Sozialdemokratie ausgegeben wird. (Zurufe rechts und im Zentr.: Baden!) Die Partei­leitung hat die Badener Vorfälle mißbilligt. (Sehr richtig! bei den Natl.) Dr. Hahn hat am wenigsten das Recht, uns Vor- würfe zu machen. In Neustadt-Landau sind in 3-1 Orten 764 bündlerische Stimmen in'der Stichwahl für den Sozialdemokraten abgegeben worden. (Hört! Hort! b. d. Natl.) In Verden ist mit bündlerischer Hilfe der Welse gewählt worden. (Hört! Hört! b. d. Natl.) Diese Debatte gehört ja eigentlich nicht hierher. (Lebh. Zustimmung rechts und im Zentr.) Nachdem aber Dr. Hahn im Abgeordnetenhause den Streit vom Zaune gebrochen hatte (Große Unruhe rechts.), war diese.Auseinandersetzung ein­mal notwenoig. Wenn überhaupt eine einzelne Person für d i e unheilvollen -politischen Folgen der Finanz- re form verantwortlich ist, so Dr. Diederich Hahn. (Lachen rechts und im Zentr., Zustimmung b. d. Natl.; Dr. Hahn ruft: Sie überschätzen mir! Heiterkeit.) Die Folge der Politik des Bundes der Landwirte könnte die sein, daß auch einmal eine landwirtschaftsfeindliche Mehrheit in dieses Haus kommt. Dr. Hahn hat die jetzige Blüte der Landwirt­schaft der Tätigkeit des Bundes der Landwirte zugeschrieben. Dabei hat noch Herr v. Kardorff kurz vor seinem Tode gesagt, daß es der Landwirtschaft nicht wegen, sondern trotz des Bundes der Landwirte jetzt so gut gehe. (Sehr richtig! b. d Natl.) Bei der Beratung des letzten Zolltarifs hat Frhr. von Wangenheim hier gesagt:Der Zolltarif wird eine schwere Schädigung für das Volk mit sich bringen und damit indirekt eine Förderung der Sozialdemokratie. Zu derartigen gesetzgebe­rischen Maßnahmen werden wir die Hand nicht bieten." (Leb­haftes Hört! Hört! b. d. Natl.) Wie können Sie da behaupten, daß Ihnen die Blüte der Landwirtschaft zu danken ist? (Sehr gut! b. d. Natl.)

Abg. Horu-Sachsen (Soz.) begründet die Resolution seiner Partei, in der die Regelung der Arbeitszeit m der Glasindustrie verlangt wird. Die Tauer der Arbeitsschicht muß auf 8 Stunden des Tages be­schränkt und die Nachtarbeit an den Glasöfen zur Verarbeitung der Glasmasie verboten werden; auch die SonntagSarbeit muß eingeschränkt toerben.

Abg. Dr. Heim (Zentr.):

Deutscher Reichstag.

15. Sitzung, Dienstag, den 1. März 1910.

Am Tische des Bundesrats: Delbrück.

Das Haus ist stark besetzt.

Vizepräsident Dr. Spahn eröffnet die Sitzung um 1 Uhr 15 Minuten.

Die Wahl des Präsidenten.

Abg. Frhr. v. Hertling (Zentr.):

Ich möchte mir den Vorschlag erlauben, den Grafen Schwerin-Löwitz zum Präsidenten des Reichstags zu wählen und diese Wahl durch Zuruf zu vollziehen. (Beifall.) Vizepräsident Dr. Spahn:

Die Wahl durch Zuruf ist nur zulässig, wenn niemand wider­spricht. Es widerspricht niemand. Der Kandidat ist der Graf v. Schwerin-Löwitz. Einspruch wird nicht erhoben. Ich stelle also fest, daß er gewählt ist. Ich frage ihn, ob er die Wahl annimmt und verbinde damit die Bitte, auch sofort das Amt zu übernehmen.

Abg. Graf Schwerin-Löwitz (Kons.) nimmt den Platz des Präsidenten ein:

Ich bin Ihnen für das durch die soeben vollzogene Wahl, die mit so v el Einheitlichkeit erfolgt ist, mir entgegen­gebrachte Vertrauen aufrichtig dankbar. Ich weih die hohe Würde und Ehre des mir von Ihnen übertragenen Amtes, deS höchsten, welches das deutsche Volk durch seine Vertreter zu vergeben hat, und daS vor mir von einer Reihe so ausgezeichneter Manner bekleidet worden ist, in vollstem Maße zu würdigen. Ich bin mir aber auch der großen und schweren Aufgaben, die mit diesem Amte verbunden sind, in vollstem Maße bewußt. Ich verspreche, für die Erfüllung dieser Aufgaben meine ganze und volle Straft einzusetzen. (Beifall.) Ich ver- spreche namentlich, was ich eigentlich für selbstverständlich ansehe, gegenüber allen Parteien dieses Hauses, allen Mitgliedern des Reichstags die unbedingteste, strengste Unparteilichkeit zu wahren. (Beifall.) Ich bitte Sie aber andererseits ohne Ausnahme, mir in der Erfüllung meiner Aufgaben, in der Förderung unserer Geschäfte, in der Wahrung der Ordnung des Hauses und in einer würdigen Führung unserer Verhandlungen nach Kräften zu unterstützen (Beifall); denn ich meine, wir haben alle ohne jeden Unterschied der Parteistellung das gemeinsame Interesse daran, unsere Verhandlungen würdig geführt und damit das Ansehen deS Reichstages im Jnlande und im Auslande gewahrt und gestärkt zu sehen. (Beifall.) In dieser Voraus- setzung nehme ich die auf mich gefallene Wahl nochmals mit herz- lichem Dank an. (Lebh. Beifall auf allen Bänken.) Auch möchte ich unseren Vizepräsidenten, die mehr als zwei Monate lang die Geschäfte dsS Hauses mit Hingebung, Umsicht und Sach­kenntnis geführt haben, den Dank des Hauses aussprechen. (Beifall rechts und im Zentrum.)

Der Etat für das Reichsamt des Innern« (Siebenter Tag.)

Die allgemeine Aussprache wird fortgese^t.

Abg. Dr. B5hmc (b. t Fr.):

tiefe gestimmt haben. Dem Zentrum matfit Dr. Hahn feinen Vorwurf. Leute, die sich lieb haben, übersehen die gegenseitigen Schwächen (Heiterkeit links.) Ich erinnere weiter an das Verhalten des Herrn Dr. Diederich Hahn bei dec Beratung der E r b s ch a f t s ft c a e r. Damals ging er zu einzelnen Abgeord- neten und suchte sie zur Ablehnung der Erbschaftssteuer zu ver­anlassen, anderenfalls sie die Folgen zu tragen hätten. (Hört, hört! links.) Dabei hat noch 1904 Tr. Oertel sich für die Erb- schaftssteuer ausgesprochen. Dr. Diederich Hahn rühmt sich, daß er in jener großen Zeit einer nationalen Bewegung die Parole für den Nationalliberalen gegeben hat. War das nicht seine ver­dammte Pflicht und Schuldigkeit? (Sehr gut! b. d. Natl.) Sind nicht auch wir, wenn auch schweren Herzens, im Wahlkreise Tr. Hahns dieser Pflicht nachgekommen? (Sehr richtig! bei den Natl.) Auch Dr. Roesicke gegenüber haben wir diese Pflicht erfüllt. (Dr. Hahn ruft: Bassermann.) Wir empfinden es als unwürdig, wenn Sie mit unserem verehrten Führer eine derartig unwürdige Hetze treiben. (Lebh. Zuft. bei den Natl.) Dr. Diederich Hahn

Präsident Graf Schwerin-Löwitz:

Es ist nicht üblich, die Abgeordneten mit ihrem Vornamen zu nennen. (Heiterkeit.)

Abg. Fuhrmann:

Dr. Hahn Hai in seiner großen Gewissenhaftigkeit, sowohl hier als im Zirkus Busch, das Wort wiederholt, das Bassermann über die Reichsfinanzrcform gebraucht haben soll: ein Raubzug auf die Taschen des arbeitenden Volks. Der leitende Direktor

Abg. Gothein (Fr. 93g.):

Ich will mich nicht in den Streit alter Freunde mischen. Wenn zwei auseinandergehen, dann waschen sie sich die Pelze, und wer zuschaut, hat Amüsement dabei.

Der Redner erörtert wirtschaftspolitische Fragen und wendet sich dann gegen Dr. Hahn, der sich mit dem vornehmen Ton der ihm nahe stehenden Presse gebrüstet habe. Dr. Hahn solle nur einmal dieDeutsche Tageszeitung" sich daraufhin ansehen. Merkwürdig ist, daß Dr. Hahn immer die Juden in diese Debatten hineinzieht, die mit der Sache nicht das Geringste zu tun haben. Interessant sind seine vielen Verbeugungen vor dem Zentrum. Wir hilteu cs für keine besondere Ehre, mit den verbündeten Regierungen zu­sammen zu arbeiten. Der Reichstag steht dem Bundesrat gleich.

Abg. Prinz zu Schocnaich-Carolath (Natl.):

Ich bedauere, daß die von mir schon in früheren Jahren gege­bene Anregung in höherem Maße weibliche Gewerbe« inspektor-Assistenten emzusühren, noch keine Berück«, tiflung gefunden bat. Wobl ist in Breslau ein weiblicher ö-yl* angcsiellt, in Berlin aber ist dem Bedürfnis nicht ent''pro^».^Tcr Redner legt dem Staatssekretär diese Frage dringen-^:

Staatssekretär Delbrück:

Die Angelegenheit ist eigentlich Sache des preußischen Han­delsministers. Ich 6m aber so glücklich, endlich auch einmal eine Rede gehört zu haben, die doch immerhin eine sachliche Beziehung zu meinem Etat hat (Heiterkeit, sehr gut!), daß ich ihm doch ant­worten möchte. Aus meiner Kenntnis der preußischen Verhältnisse kann ich erklären, daß die Schwierigkeiten einer generellen Rego lung der Verhältnisse der Gewerbeassistentinnen darin liegen, daß man sich über die von den Assistentinnen zu fordernde Ausbildung im Unklaren ist. Ehe darüber ein abschließendes Urteil nicht mög­lich ist, wird sich kein Bundesstaat entschließen, gesetzliche Bestimm mungen über die Anstellung von Assistentinnen zu erlassen.

Damit schließt die Aussprache. Das Gehalt des Staats­sekretärs wird gegen die Sozialdemokraten bewilligt

Heber die Resolutionen wird morgen abgesiimmt.

Mittwoch, 1 Uhr: Weiterberatung.

Schluß gegen 7 Uhr.

Die Anerkennung der Berechtigung der Gründiing des Bauernbundes durch Mitglieder der Linken kamr uns nicht ab­halten, unverrückbar au unserem Programm der Schutzzoll­politik festzuhalten, und zwar an dem Zolltarif von 1902. Der Redner führt in längeren Ausführungen, zum Teil in einer Po­lemik gegen Gothein aus, daß der Vergleich mit Dänemark und England zum Teil nicht zulässig sei bei den ganz anders gearteten Verhältnissen, zum Teil >ras England anlangt abschrecken müsse. Seinen Bedarf an Fleisch und Getreide luirb Deutschland in absehbarer Zeit decken för.nen. Dr. Hahn hat dem Bauernbund tiorgclöorfen- daß er eine Steuerhetze betreibe. Wir handeln nur in der Notwehr, indem wir die Bevölkerung aufklären, die durch die Danderredner des Bundes irregeführt worden ist. Das kon­servative Parteiregiment geht auch gegen uns. Wie können Lmidräte es wagen, Erhebungen anzustellen über die Zahl dcc Mitglieder unseres Bauernbundes, ^pie wollen die Leute ab- sckrecken und auö unserer Organisation treiben. Die Posener Landwirtschaftskammer hat sogar eine parteitendenziöse Broschüre verbreitet, die sich gegen den jetzigen Reichskanzler richtet und ihn bedroht, falls er eine wirkliche Wahlrefcrm in Preußen versuchen würde. Und der Generalsekretär der westpreußischen Landwirt­schaftskammer hat sogar den Graudenzer Geselligen boykottiert, nur weil er sich des Bauernbundes angenommen hat. Der Red­ner erörtert in längeren Ausführungen die Frage der von den Führern des Bundes der Landwirte geforderten R e st g ü t c r , tne wirtschaftlich und national ein Schaden seien. Alle Politiker der inneren Kolonisation, an der Spitze der Präsident der An- siedlunaskommission und der allseitig hochverehrte Oberpräsident von Schlesien, Graf Zedlitz-Trützschler, seien darin einig. Wir halten den Großgrundbesitz in vernünftigen Grenzen nicht für schädlich oder überflüssig, wir bekämpfen ober feine künstliche Erhaltung da, wo er nicht an­gebracht ist. Wir halten fest an der Schutzzollpolitik, aber wir ' ~ ' schwachen und dafür sorgen,

wer Vertrauen haben zur Land-

Abg. Fuhrmann (Natl.):

Dr. Hahn ist ein Musterbeispiel von Bescheidenheit, er weiß alles, er kann alles. Er ist ein Herrenmensch, der in unsere nüchterne Zeit der Arbeit nicht hineinpaßt. (Heiterkeit links.) Bald nachdem er in den Reichstag eingetreren war, hat der wandelbare Herr einen Beweis gegeben, wie schnell man die Meinung ändern kann. Er sprach in einer Versammlung über die Börsengesetznovelle, und einige Tage später sprach er im Reichstag darüber, aber im gerade entgegengesetzten Sinne. Er bat erklärt, er wolle nicht eher ruhen, als bis der letzte National- liberale aus Hannover verschwunden sei. (Hört, hört! links.) Aus welchen Motiven führt er diesen Kamps? Mangelndes Ver­ständnis für die Landwirtschaft kann er uns nicht vorwerfen. Unsere Kandidaten m Hannover sind Hofbesitzer und Guts- bescher Der Bund der Landwirte aber, der den Grafen Capnvr als Mann ohne Aar und Halm heftig bekämpft hat, bat z. B. fol­gende Kandidaten aufgeftefit: den früheren Bankbeamten Dr. vhil. Hahn (Heiterkeit), den Zeitungsverleger Bruhn (Hort, hört!), ferner einen Maurermeister, Amtsrichter, Ainlsgerichts- rat, einen antisemitischen Kaufmann, Rechtsanwalt, Oberlehrer, Professor usw (Hört, hört! links.) Jetzt wird gegen uns cm Flugblatt verbreitet, wie eS gemeiner, verlogener und unehr- ''cher kaum gedacht werden kann. (Hort, hort! links.) Man wirft 'ns die Zustimmung zum russischen Handelsvertrag vor, für den rber auch Konservative, Freikonservative und Zentrumsabgeord-

fretertage in Berlin gefallen. Der offizielle Bericht enthielt es dann nicht. Ich weiß nicht, ob eS herauskorrigiert ist.

Seinen Sturz verdankt Fürst Bülow seiner eigenen Politik oder, wenn Sie so wollen, seinen Freunden auf der Linken. (Lebh. Beifall rechts und im Zentr. Gelächter links.) Nachdem er erklärt hatte, daß er die Finanzreform nicht ohne die Linke machen werde, war er in den Händen der Linken, hatte er ihnen Wechsel gegeben lachen Sie nicht so, Herr Müller-Meiningen, e» braucht ja nicht gerade ein Jude zu sein.

Und wer weiß, was cs sonst noch für Wechsel waren, von denen man nichts erfahren hat. (Gelächter links.) Sie, meine Herr« Nationalliberalen, haben nicht gewußt, welche Pflichten eine Partei hat, wenn sie der Ehre teilhaftig sein will, mit der 9tc' gicrung zusammen große Wecke der nationalen Politik zu treiben, (Schallendes Gelächter links.) Danlals haben Sie sich jedenfalls nicht als reif erwiesen, (^stürmische Heiterkeit links, i Und weil Ihnen nun die Felle weggeschwommen sind, weil die Finanzreform gemacht ist ohne Sie, mit Zentrum, Polen und Welsen, Sie die Konkurrenz mit Ihnen jederzeit aushalten können, darum Ihre ungeheure Entrüstung.

In Hannover liegt eS Gott sei Dank in allen Kreisen so.- im ersten Wahlgang ehrliche Konkurrenz, und wer denn bas Glück hat, in die Stichwahl mit einem Sozialdemokraten zu kommen, der ist gewählt. Darüber können Sie unbesorgt sein. AVer bei den Rationalliberalen ist es so: Hcyl, Oriola und Lehmann mußten ihren Abschied nehmen, und fq und so viele Männer, die mit den Sozialdemokraten sich verbinden, die bleiben ruhig drin, jjgört, hört! rechts und im Zentrum.) Im-übrigen, wenn Herr Fuhrmann solche Flüsse des Hasses gegen mich losläßt, so ver­bessert es nicht seine Sache und die der Nationalliberalcn, son­dern unsere Sache und meine. Wer schimpft, h a t Un­recht. (Stürmischer Beifall rechts, laute und heitere Zustim­mung links.)

machen. Was ist denn der politische Hintergrund der Gründung des Bauernbundes? Sie brauchen eine Vereinigung, die Ihnen (zu den Natl.) die Mandate in Hannover häU. Das Problem der Landarbeiters rage ist nur dadurch zu losen, daß n an die Bai etn zu freien, selbständigen Bauern macht Freie Bauern braucht man nickt zu fürchten. Tarin timmc ich mit dem Kollegen Dr. Böhme überein und bebaute nur, daß er keine Leute hinter sich hat. Der Bauernbund ver­weist immer auf die lommcnben Handelsverträge. Die Leute, bte den Bauerbunb zum frühen Aufstehen veranlaßt haben, die haben es nicht getan, um die Interessen der Bauernschaft wirklich zu fördern, sondern die haben es getan von dem Grundsatz aus. gehend:Säe Zwietracht, und Du wirst ernten/ (Lebhafter Beifall rechts und im Zentrum.)

Abg. Dr. Hahn (Kons.):

Herr Fuhrmann hat in seiner Rede, die er gegen mich bet» brachen hat, ....

Vizepräsident Erbprinz zu Hohenlohe:

Sie dürsen von einem Abgeordneten nicht lagen, daß er Reden verbricht. (Sehr richtig! links.)

Abg. Dr. Hahn (Kons.):

Es liegt mir fern, das Wort ernsthaft gebraucht zu haben. Herr Fuhrmann hat allen möglichen Klatsch aus Hannover zusammengetragcn. (Unruhe links.) Ich bestreite z. B. baü zitierte Wort über Herrn v. Bennigsen gebraucht zu haben. Die Bundespresse polemisiert gegen die politischen Gegner immer nur in der vornehmsten Weise. (Lachen links.) Wenn Herr von Bennigsen mir damals geschrieben hat, ick möchte mein Hospi­tantenverhältnis zur nationalliberalen Fraktion lösen, so kann ich das nur bedauern, nicht in meinem Interesse, sondern im Inter­esse der nationalli6erakn Partei. (Gr. Heiterkeit.) Wir Han­noveraner sind ein altes freies Volk. Wir sind liberal, aber im Sinne der Verfassungstreue. Den Zug nach links machen wir nicht mit. Es ist mir gar nicht eingefallen, die Nationalltberalev etwa auf der ganzen Linie zu bekämpfen. Ich bin für viele eingetreten. In der Blütezeit b e 3 Blocks spielten die Nationalliberalen natürlich eine große Rolle. Die Herren batten sich aber eine falsche Auffassung über die Sachlage gebildet. Ihr Weizen blühte, sie hielten sich für den Angelpunkt der Welt. Besonders Herr Bassermann spielte eine ausschlag­gebende Rolle. Der Block galt ja aber nur für den Reichstag und für bestimmte praktische Fragen; nicht aber für unsere Wirt­schaftspolitik. Das Wort Bassermanns von dem Raubzuge ist nach derNational-Zeitung" auf dem nationalliberalen Ver-

Man konnte auf den Gedanken kommen, daß Diederich Hahn Staatssekretär des Innern se n muß, so viel haben sich die Red­ner bei dieser Debatte mit ihm beschäftigt. Die Zahl der Mit- glieder des Bauernbundes hat man noch nicht gehört. _ (Sehr gut! rechts.) Auch sonst hat man vieles nicht gehört, besonders z. B. woher das Geld stammt. Nun behauptet man, daß hinter dem Bauernbund ein anderer großer Bund steht, für den die Großbanken sammeln. Warum bat Cc Generalsekretär des " ,rl, daß der Bauernbund

160. Jahrgang Mittwoch, 2, März 1910

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