Erstes Blatt
Samstag 23. Juli 1910
160. Jahrgang
Bassermiamrs Schweigen steht in einer gewissen ^leberein- stimmung die vielfache Behauptung, die auf dem rechten Flügel der Partei stehenden einflußreichen Persönlichkeiten widerstrebten der bisherigen Führung, die sie zu weit links geführt habe und jetzt vor der Frage, wie man der roten Flut rechtzeitig das Wasser abgraben könne, ratlos nicht aus und ein wisse. In der Tat hatten die parteioffiziösen Kundgebungen, wie sie bisher öfter aus der „Nationalliberalen Korrespondenz" und der „Nationalzeitung" ertönten, eine matte Färbung und einen sehr unsicheren Klang. Gegenwärtig scheint der Zug nach rechts sich wieder etwas stärker geltend zu machen, denn der Kölner nationalliberale Führer Prof. Moldenhauer hat in der „Nationalliberalen Korrespondenz" in einem vielbesprochenen Artikel die Ansichten unterstützt, daß das rote Warnungssignal am Eingang zu den nächsten Reichstagswahlen eine entschiedene Marschrichtung verlange, die sich von der berühmten Groß- blockpolitik entfernen müsse. Gerade aber ist diese Groß- btockpolitik durch das Verhalten der sozialdemokratischen badischen Hofgänger, die das Budget angenommen und dem Landesherrn Referenz bewiesen haben, wieder höchst aktuell geworden. In vielen Variationen wird das Thema erörtert, ob die radikalen, sozialdemokratischen Berliner Sturmhelden, die jetzt noch im „Vorwärts" das lauteste Wort haben und nicht schroff und höhnend genug das Verhalten ihrer badü schen Parteibrüder verurteilen können, nicht schon in naher Zukunft das Zinder an den Revisionismus würden abgeben müssen. Aus den vielen sozialdemokratischen Pressestimmen, die der „Vorwärts" jetzt über die allgemeine Stimmung der Partei zu den badischen Geschehnissen veröffentlicht, werden^die norddeutschen Herren Scharfmacher und orthodoxen Siegelbewahrer unter den „Genossen" doch bald ersehen, daß sie nicht mehr lange das Weihrauchfaß schwingen werden. Den Herren Stadthagen, Ledebour, Mehring in ihren Ballonmützen treten die kultivierteren süddeutschen badischen und württembergischen Zukunftsapostel in Frack und Zylinder gegenüber, und die robustesten Drohungen können sie nicht wankend machen. Bei diesem Schauspiel haben die bürgerlichen Politiker allen Grund zu neuem
Die heutige Nummer umfaßt 14 Seiten.
politische Wochenschau.
Gichen, 23. Juli.
,Däs Dagesinteresse ist wieder einmal der Person des nationalliberalen Parteiführers Bassermann zugewendet. Schon im vorigen Jahr wa» mehrfach das Gerücht auf- getaucht, er werde nicht mehr für den Reichstag kandidieren und überhaupt aus denk politischen Leben ausscheiden, alber dies Gerücht wurde von verschiedenen Stellen, denen Man Glauben schenken mußte, alsbald mit mehr oder weniger Entschiteenheit widerrufen. Heute erklingt der Rus: „Hinter die Front zurück!" ernster und nachhaltiger, so daß dieser Tage auch ein angesehenes nationalliberales Parteiblatt, die „Köln. Ztg.", erklärte, das Gerücht könne doch wohl nicht unbegründet sein. Und gleichzeitig erleben wir es, daß einzelne lokale Parteiorganisationen bereits Entschließungen fassen und Depeschen abschicken, um den Rücktritt Bassermanns zu hintertreiben. Bis zur Stunde hört man von diesem selbst über seine Rücktrittsgedanken nichts, denn was der „Mannheimer General-Anzeiger" darüber schreibt, klingt nicht wie eine authentische Mitteilung. Das Blatt hat vielleicht frühere Angaben des Parteiführers aufs neue verwertet. Mit
ve-«gspretS: monatlich 7öPs., vierteljährlich Mk. 2.20; durch Abhole- u. Zweigstellen monatlich 65 Pf.; durch diePostM.2.—viertel- jährl. ausschl. Bestetlg. Zeilenpreis: lokal 15Pf., auswärts 20 Pfennig. Chefredakteur: A. Goetz. Verantwortlich für den politischen Teil: August Goetz; für ^Feuilleton^ und.Vermischtes" K. Neurath; für.Stadt u.Land" und „Gerichts-
Nachdenken, das denn auch schon in Ströme von Tinte und Druckerschwärze umgesetzt worden ist Ueberall stird erwogen, ob man die revisionistische Taktik der Genossen in der Zukunft nicht als eine Etappe des Fortschritts würde zu begrüßen haben, ob der badische Minister von Bodmann, der jüngst äußerte, man müsse sich bemühen, die Sozialdemokraten immer mehr zu positiver Mitarbeit heranzuziehen, statt sie in die äußerste Opposition zu treiben, damit nicht vielleicht einen brauchbaren und zeitgemäßen Wink gegeben habe. So ist auch der badische Großblockstein wieder ins Rollen gekommen, und das parteiamtliche nationalliberale Organ Badens erklärt die Meinung der „Nationalliberalen Korrespondenz" für irrig, die ungefähr so getaut et hatte, das Schachbrett des Großblocks sei für die nationalliberale Parteipolitik eine schiefe Ebene, die zu nichts Gutem führen könne.
Wir glauben, auch wenn wir zugeben, daß in Baden besondere Verhältnisse mitunter besondere Wege heischen, daß die Sozialdemokratie, ob im revisionistischen Frack oder im orthodox-marristischen Talar, uns keine willkommene Priesterin der Erleuchtung und Erlösung werden kann, daß wir vielmehr alle Ursache haben, den Versucher in so verschiedenen Gewänden von uns zu weisen. Auch wenn wir keine Revolution mit Schießprügeln und Heugabeln von ihnen zu erwarten haben: sie sind Feinde der bestehenden staatlichen Ordnung und Gesellschaft, die sie von Grund aus umjsiürzen wollen, ohne etwas Besseres in positiven und bestimmten Umrissen auch nur Vorschlägen zu können. Im Ablehnen und Negieren sind die Sozialdemokraten groß: das ist ihre einzige Stärke. Diese Märke ist aber für den, der am Staate noch etwas Freude hat, für die gegenwärtige und künftige Gestaltung der Dinge, für die ruhige Fortentwickelung noch etwas gesunden Optimismus und Toleranz mitbringt, eine offene Gefahr. Aus diesem Grunde halten wir die Warnung vor dem Großblock der Linken für sehr berechtigt und das Liebäugeln mit den sozialdemokratischen Zwangsjacken für eine verfehlte und unüberlegte Politik.
Altertums und Geliebten des Praxiteles, sowie mehreren! Bronzebüsten, Prof. Klaukens hat einige hübsche Zeichnungen für Vogeltypen und Buchtitel, Initiale und Ein« bände ausgestellt. Prof. Ernst Riegel bietet mehrere nach seinen Entwürfen angefertigte Goldschmiedearbeiten, darunter den von der Zweiten KamMer dem Präsidenten Geheimrat Haas zum 70. Geburtstag gestifteten silbernen Pokal, und endlich ist noch Prof. Albin Müller mit einigen Entwürfen vertreten, die jedoch durch die von uns» schon näher beschriebenen künstlerischen Arbeiten des Meisters in seiner Sonder-.Ausstellun g an Interesse verloren haben. Fx. H.
— Aus der Freien Studentenschaft. Die Freiem Studentenschaft Darmstadt hielt, wie uns von dort berichtet am Donnerstag abend im Kaisersaal ihre diesjährige letzte nur schwach besuchte Hauptversammlung ab, die von Stud Graverth geleitet wurde. Nach Erledigung einiger geschäftlicher Angelegenheiten irrtb Entgegennahme wurde der Geschäftsbericht entgegengenommen und dem seitherigen Vorstand Entlastung erteilt. An der sich anschließenden Vorstandswahl ergab sich die bedauernswerte Tatsache, daß die nach den Satzungen vorgeschriebene Wahl eines Reichsdeutschen zum Amt des ersten Vor sitzenden unmöglich war, da sich kein Reichsdeutscher hierfür fand, so daß nwt den Stud. Halbertsma, entert Holländer, mit der Führung der Geschäfte betrauen mußte. Zum Kassenwart wurde Stud. Neussel gewählt, in ten Ausschuß kamen die drei Stud. Heverth, Steiger uitty Graverth. Zwei weitere Herren konnte man für diese Aemter nicht finden, da die Beteiligung an der Versammlung zu gering war. — Der Kassenbericht ergab in Einnahme Mk. 337,41, denen Mk. 254,95 an Ausgaben gegenüberstehen. Im ganzen Semester wurde ein Gewinn von Mk. 35 erzielt. Der Barbestand beträgt Mk. 164,17. lieber die Neuwahl der Abgeordneten entsvinnt sich eine lebhafte Aussprache, an deren Schluß nurn die Wahl auf den neuen Semesteranfang verschiebt. An der am 25. ds. Mts beginnenden Exkursion nach Brüssel beteiligen sich 32 Studenten aus Darmstadt, 18 aus Freiburg, München, Gießen usw Nach wetteren geschäftlichen Verhandlimgen wurden die Vertreter der Presse ausgeschlossen mit der Begründung, daß man übaxhanpt nicht gewußt habe, daß Pressevertreter anwesend seien Dabei war dte Versammlung öffentlich und die einzelnen Redaktionen waren besonders benachrichtigt worden. — In Göttingen haben dre Freren Studenten eine Allgemeine Versantmlung abgehalten, tn ter die Anstellung eines bezahlten Generalsekretärs für die Deutsche; Fxcie SjUideK^xg-
Abgesehen von diesen innerpolitischen Auseincrnder- etzungen ist der politische Markt gegenwärtig schwach befahren. Da war denn dem Teil der Presse, der sich'vorzugsweise von Sensationen nährt, der neue Prozeß Pfeil ein gefundenes Fressen. Spaltenlange Berichte erschienen darüber in den meisten Berliner Blättern. Es ist doch auch gar zu betrüblich, daß nach den fetten Wochen des Schönebeck-Handels so magere Zeiten kommen sollten! Leider ist die neue Geschichte nur ein Eintags-Prozeß geworden, aus dem sich nicht allzuviel herausholen ließ. Aus der Flut von Klatsch und Geschwätz schält sich nur der Tatbestand heraus, daß der Hauptmann Pfeil in Graudenz auch bei seiner zweiten Ehe mit einer russischen Baronin „Pech" hatte, daß einige häusliche Szenen vorgekommen sind, die der Frau Anlaß zur Flucht gaben. Gar zu schön wäre es nun gewesen, wenn man die Psyche der Frau ähnlich hätte durchwühlen tarnten wie die der Frau Schönebeck, allein der Prozeß wurde von dem Berliner Kriegsgericht anscheinend nicht als eine „große Sache" behandelt. Unseres Erachtens mit vollem Rechte. Ebenso wurde mit Recht die mit hohen Summen bezahlte Tätigkeit eines Privatdetektivs getadelt, der im Auftrag der feindseligen Verwandten des Grafen diesen bei seinem dienstlichen Tun beschnüffelte, ob er nicht etwa Mißhandlungen Untergebener sich zu Schulden kommen ließe. Daß der Angeklagte einen Burschen, der sich mit dem Detektiv trotz Verbotes eingelassen hatte, etwas schüttelte, war nach der Ansicht des Gerichtes
Ausstellung des Deutschen Uünstlerbundes.
O Darmstadt, 22. Juli, Die hessischen Künstler.
Die Landesausstellung für freie und angewandte .Kunst im Jahre 1908 hatte uns in zusammengefaßter Weise ein reiches und hochinteressantes Bild von dem Kunstleben unseres engeren Heimatlandes und dem durchgreifenden Einfluß, der Darmstädter Künsllerkolonie auf das moderne künstlerische Schaffen gegeben. Die jetzige Ausstellung an derselben Stätte, dem Olbrichbau auf der Mathlldenhöhe, ist eine Ausstellung des Deutschen Künstlerbundes, in der dem jungen Stürmen und Drängen in der Kunst aus allen Teilen des Reiches und darüber hinaus Eingang gewährt worden isst; daß dabei das kleine .Häuflein der Modernen in .Hessen ziemlich stark bei Seite stehen muß, ist natürlich. Es ist aber immerhin recht beklagenswert, daß sich die außerhalb der rot-weißen Grenzpfähle lebenden und erfolgreich schaffenden Künstler Hessens nicht stärker an der Ausstellung beteiligt haben und daß auch die heimischen .Künstler selber nur mit wenig und durchaus nicht immer sehr glücklich gewählten Werken vertreten sind. Wir nennen nur Namen wie Karl Küstner, Otto Schäfer, Otto Ubbelohde, Otto Heinrich Engel, Eugen Bracht und dann Bader, Hölscher, Joh. Lippmann u. a.
An erster Stelle verdient von Darmstädter Künstlern Adolf Beyer genannt zu werden, der zwar 1908 ebenfalls viel vorteilhafter vertreten war, aber doch auch diesmal wieder mehrere Beweise für sein ernstes, durchdachtes künstlerisches Schaffen erbringt. Sein Bild „Dragoner" ist ein köstliches humoristisches Genrestück, das lebenssrisch und anziehend auf den Beschauer wirkt und ihn unwillkürlich zu heiterer Stimmung zwingt. Das kleinere Werk „In der Ausstellung" ist eine sehr fleißige, liebevolle und von sicherem Empfinden und selbständiger Gestaltungskraft zeugende Arbeit, die volle künstlerische Befriedigung gc* währen muß; auch in der frischen Behandlung des mit- ausgestellten Blumenstücks „Anemonen" zeigt der Künstler eine vollendete Meisterschaft in der farbentechnischen Behandlung.
Georg Altheim war früher mit einer Anzahl farbenfroher Stimmungsbilder vertreten; diesmal bringt er nur eine Arbeit „Frühlingsäcker", die gleich matt und eintönig
in Sttmmung und Farbe ist — Auch Emil B e i t h a n - Buchschlag, der auf der Ausstellung 1908 mit mehreren prächtigen Szenen aus dem Schwälmer Ländchen vertreten war, bringt hier nur das Bild eines Mädchens in oberhessischer Tracht, das allerdings eine gute Charakteristik und eine Vervollkommnung des Künstlers in der Maltechnik und der ganzen Farbenbehandlung zeigt. — Ein ernstes, dramatisches Motiv aus Oberhessen hat Wilst Thie lm ann-Willing- hausen zu seinem großen Bilde „Trauernde" gewählt. Der Künstler ist ohne Zweifel einer der besten Schüler Karl Dantzer, dessen geniale Schwälmer Volkstypen aus der Willinghäuser Künstlerkolonie seit einer Reihe von Jahren die allgemeine Aufmerksamkeit erweckt haben. Thielmann, der sonst nur mit sonnigen, farbenfrohen Szenen aus der dorttgen Gegend hervortrat, hat es verstanden, den tiefen Ernst der jetzigen Darstellung durch weichtönige Farben und ruhige Komposition zu mildern. — Mit einem gleichfalls dramattschen Motiv ist Eduard Selz am vertteten. Das „Die Verstoßene" betitelte Bild führt uns in eine lleine nüchterne Dorfkirche, in der allein und von den anderen Kirchenbesuchern verachtet ein junges Mädchen in tiefem Schmerz zu Boden gesunken ist. Die peinliche Szene ist mit guter Realistik aufgefaßt und festgehalten worden; die Figuren sind meist gut charakterisiert, .während die Zeichnung der Jnnenräume zu wünschen übrig läßt..
Unter den sonstigen hessischen Künstlern tritt noch August Wondra mit einem in gut gelungener Dämmer- stimmung gehaltenen Landschaftsbild mit der Veste Otzberg hervor, deren eigenartige Beleuchtung geschickt erfaßt ist. Weiter ist Heinz Hohmann mit einer sehr fleißigen Pastellarbeit „Im Luxemburggarten zu Paris" vertreten, die ein schönes und zu besten Hoffnungen berechtigendes Talent des jungen Künstlers verrät; Anna Beyers „Im Türchen" (der Katalog hat „Kirschen" daraus gemacht!) und „Weiße Rosen" sind zwei hübsche bemerkenswerte Blumenstöcke der begabten Gattin Adolf Beyers; auch Georg Wüsts Aquarell „Roter Hof" und Heinrich Zernins „Weidende Schafe" verdienen hier genannt zu wenden.
Die Darmstädter Kü n st l er k o lo n i e ist auf der Ausstellung nur sehr nebensächlich vertreten, in der Haupt- abteilung, der Gemäldesammlung, gar nicht. In der Ab- terlung für Plastik erfreut Prof. Jobst das Auge mit einer . schönen Statue der „Phryne", der berühmtesten Hetäre des
; die einzige strafbare Handlung des Grafen Pfeil, der zu । fünf Tagen Stubenarrest verurteilt wurde. Derselbe Offizien : hatte früher einen ähnlichen Prozeß durchzumachen, der zur; : Scheidung von seiner ersten Frau führte. Der vielgenannte Name Pfeil bedeutet für einen großen Teil der Zeitungen , eine ernste Anklage. Es ist unwürdig und unverantwort- = lich, wie solche privaten Angelegenheiten auf den großen, Markt der Öffentlichkeit geschleppt werden konnten. ..
Eine Beratung über die Uönigl. Zivilliste in England.
London, 22. Juli. In der heuttgen ^Sitzung des Unterhauses wurde über die Entschließung betreffend die Königliche Zivilliste verhandelt, welche in Ueber- einstimmung mit den Beschlüssen des Ausschusses die Königlichen Bezüge auf 470 000 Pfund Sterling für den König und den Mniglichen Haushall festsetzt; ferner auf 10000 Pfund Sterling für jeden Sohn, der das 21. Lebensjahr erreich? hat, mit Ausnahme des Prinzen von Wales, auf 15000 Pfund Sterling im Falle der Verheiratung und auf 6000 Pfund Sterling jährliches Einkommen für jede Tochter^ Für den Prinzen von Wales ist keine Apanage ausgeworsen^ weil er die Einkünfte der Herzogtümer Cornwales und Lancaster erhält.
.Schatzmeister Lloyd George, der die Vorlage einbrachte, erllärte, daß, sobald der Souverän und sein Haushalt in Betracht komme, die Entschließung gegenüber der früheren Zivilliste eine Veränderung der Belastung bedeute, und wies darauf hin, daß der König seither ffeiwillig die Einkommensteuer bezahlt habe, während die Ausgaben für die Staatsbesuche vom Staatsschatz getragen wurden. Jetzt sei es so arrangiert worden, daß die Zivilliste künftig die Kosten der Staatsbesuche zu tragen habe, während die Einkommensteuer an ihr nicht mehr erhoben werden soll.
Barnes (Arbeiterpartei) sprach sich gegen die Entschließung aus, weil die Eirrkünfte der Herzogtümer von Cornwales und Lancaster Staatseigentum sein sollen und weil der Bettag der Zivilliste unverhältnismäßig hoch sei. Ein Antrag Barnes, die Königliche Ziviltiste von 470000 Pfund Sterling auf 385 000 Pfund Sterling herabzu- setzen, wurde mit 207 gegen 20 Stimmen verworfen. Iw weiteren Verlaufe der Verhandlungen erhob Kein Har dis heftigen Widerspruch gegen die Apanagen für die Kinder des Königs, mit Ausnahme des Prinzen von Wales. Er begründete dies damit, daß,diese großen Summen zu müßigem und luxuriösem Leben verleiteten, ohne bafr von den Prinzen Gegenleistungen verlangt würden. —, Lloyd George betonte hierauf nachdrücklich, daß die Königliche Familie sich bereitwillig dem öffentlichen Dienst zur Verfügung stelle. (Beifall.)
Schließlich wurde die Entschließung über die Zivilliste mit 197 gegen 19 Stimmen angenommen.
Der drohende Eisenbahn-Ausstand in Zrankresch.
Paris, 22. Juli. Ministerpräsident B r i a n d hatte gestern abend bezüglich der Stteikdrohung der Eisenbahn - Angestellten längere Unterredungen mit dem Justizmünster Barthou, benr interimistischen Minister der öffentlichen Arbeiten Doumcrgue- dem Polizeipräfekten Lepine und den Verttetern ter Nord- und der Paris-Lyon-Mittelmeerbahn. In einer halbamtlichen Note wird mitgeteilt, daß in diesen Besprechungen die Eventualität eines Gesamtausstandes der Eiseribahner ins Auge geatzt wurde und alle erforderlichen Vorsichtsmaßregeln; beschlossen worden seien. Der Direktor der Paris-Lyon-Mtttel- meerbahn, Mauris, erllärte einem Berichterstatter, daß der Ministerpräsident ihn über seinen Eindruck betreffs ter Bewegung
Nr. 170
Der Gtttzeaer Anzeiger erscheint täglich, außer Sonntags. - Beilagen: viermal wöchentlich SiehenerZamilienblätter; zivemial lvöchentl.Areir- blatt sürden Ureis Stehen (Dienstag und Freitag); ziveimal monatl. Landwirtschaftliche Zeitfragen Fernsprech-Anschlüsie: für die Redaktion 112, MM General-Anzeiger für Oberhessen bis vormütoflTTüt" Hotatfonsömtf itttb Verlag der vrühl'schen Univ.-Buch- und Steindruckerei R. Lange. Redaktion, Expedition und Druckerei: Schusttraf,« 7.


