SamStag 22. Oktober 1910
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Viertes Blatt
IGO. Jahrgang
Erscheint tögltch mit Ausnahme deS Sonntags.
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Die „Gießener FamiiiendlStter" werden dem »Anzeiger* viermal wöchentlich be,gelegt, das „Kreisblatt für den Kreis Gießen" zweimal wöchentlich. Die „Landwirtschaftlichen Zeit- fragen" erscheinen monatlich zweimal.
Rotationsdruck und Verlag der «rühllchen UnwersuätS-Buch- und Steindruckerei. R. Lange, Gießen.
Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul- straße 7. Expedition und Verlag: 5L
Redaktwrue^AllL Tel.-AdruAnzeigerGießen.
Eingesandt.
(Für Form und Inhalt aller unter dieser Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung.)
Gießen den 21. Oktober 1910.
An die Redaktion des Gießener Anzeigers.
In der heutigen Nummer Ihres geschätzten Blattes findet sich eine Entscheidung der hiesigen Strafkammer, die, wie die lieber- schrift sagt, zwar interessant, aber auch — unrichtig ist. Es mag zuzugeben teilt, daß der Inhalt der Reiseberichte unter allen Umständen Eigentum der Firma ober bester gesagt, der beiden Gesellschafter war, während der Kaufmann W. der irrtümlichen Meinung war, sie seien sem A l l e i n eigentum, weil er das Papier, auf welche er sie geschrieben, aus privaten Mitteln gekauft hat. Wären die Notizen sein Alleineigentum gewesen, so hatte W. selbstverständlich nicht wegen Unterschlagung bestraft werden können, denn man kann nur fremde, nicht eigene Sachen unterschlagen. Es kann aber nicht dem mindesten Zweifel unterliegen, daß es sich im vorliegenden Fall um einen zivil rechtlichen Irrtum des Kaufmanns W. haitdelt — er hielt die Notizen für sem Alleineigentum, was irrtümlich war —, welcher nach der konstanten Rechtsprechung des Reichsgerichts dem Talirrtum des § 59 Str.-G.-B. gleichgestellt, d. h. als em Schuldausschließungsgrund behandelt wird. W. durfte also nicht verurteilt, mußte vielmehr freigesprochen werden.
Die Angeklagten waren in der heutigen Verhandlung geständig. -— Staatsanwalt Berlin beantragte gegen Bohlen a n n , der von den beiden anderen weit abrückte, drei Wochen Gefängnis. Gegen die beiden anderen, die in 9 bezw. 6 Fällen jeä bandenmäßigen Diebstahls, ferner des vollendeten und ver- uchten .Straßenraubes und des versuchten Raubmordes schuldig seien, müßten dagegen sehr hohe Strafen Platz greifen.
Der Staatsanwalt beantragte gegen Kawitzke 10 Fahre .Gefängnis, gegen Loesche 8 Jahre Gefängnis. — Der Gerichtshof nahm bei Loesche an, daß er nicht nit der Möglichkeit einer Tötung des Noesner gerechnet habe, hielt dies aber bei Kawitzke für nachgewiesen. Kawitzke wurde $u 1 Jahren 6 Monaten, Loesche zu 4 Jahren 6 Monaten, Bohlmann zu 2 Monaten Gefängnis verurteilt.
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Gießener Anzeiger
General-Anzeiger für Gberhejsen
^NESTLE
~Itbewährte Nahrund fürKihder und Kranke ,
Vörsen-Wochenbericht.
= Frankfurt o. M., 21. Oft.
Die Blicke der Börse sind gegenwärtig wieder einmal mit einer gewissen Besorgnis auf den Geldmarkt gerichtet. Durch den seit Wochen andauernden Goldabfluß vom Londoner Markte hat sich die internationale Geldmarktlage derart zu Ungunste« Englands versckivben, daß die englische Bank nicht länger mit einer Maßnahme zum Schutze des Metallschatzes zögern konnte. Hauptsächlich bestimmend für die in dieser Woche fror genommene Erhöhung des Banksatzes von 4 auf 5 °/o waren die fortgesetzt starken Ansprüche Aegyptens und da auch stärkere Goldbe^üge Fndieirs <zum Ausgleich für bedeutende Exporte an Bodenprodukten bevvrstehen, überdies Amerika sich durch große Baum- woll- und Kupfer-Exporte wie Begebung von Bonds umfangreiche Guthaben in London geschaffen hat, muß mit einer scharfen Schwächung des Bantstatus in London gerechnet werden. Der deutsche Geldmarkt wird durch die englische Diskonterhöhung nicht unmittelbar berührt. Zwar haben auch bei uns die Sätze am offenen Markte wieder etwas angezogen, aber die Reichsbank konnte .ihren Status in letzter Zeit doch erheblich kräftigen und erscheint sogar besser gerüstet als zur gleichen Zeit des Vorjahres. Das schließt aber nicht aus, daß auch die Reichsbank noch in die Lage kommt, eine Erhöhung ihrer Rate eintreten zu lassen. Diese für die Börse nicht gerade angenehme Aus>ick)t gab denn auch Veranlassung, sich frühzeitig auf den Monats- >chluß twrzubereiten. Es kam namentlich in den von der Spekulation bevorzugten Werten zu Abwicklungen, durch welche die Haltung des Marktes einige Tage stärker beeinflußt wurde. Die Geldmarktssorgen waren es aber nicht allein, welche diese Verkaufslust hervorriefen, angesichts der kräftigen Erholung der R e w y o r k e r Börse machte sich auch wie schon in der Vorwoche vielfach das Bestreben geltend, beutfebe Werte gegen amerikanische umzutauschen, um drüben den Anschluß nicht zu versäumen. Die zuversichtliche Stimmung, die hinsichtlich der Entwicklung der Börse in Wallstreet und der amerikanischen Industrie neuerdings herrscht, hat namentlich dadurch eine Stärkung erfahren, daß auf dem K u p f e r m a r k t endlich Anzeichen einer Besserung, sich bemerkbar gemacht haben. Im Hinblick darauf haben namentlich 'die internationalen SpekulationsPapiere des Kupfermarktes eine Befestigung erfahren, die wesentlich zu der allgemeinen Seife* rung in Rewyork beigetragen hat. Man neigt überdies jetzt auch der Ansicht zu, daß die Lage der großen Eisenbahnen auch trotz der noch herrschenden Unsicherheit über btt Regelung der Tariffrage doch nicht so ungünstig ist, wie man sie bisher ge* schildert hat. Die großen Gesellschaften treten wieder mehr an# ihrer Zurückhaltung heraus und fangen an, den Eisenwerken neue Bestellungen zu geben. Hier waren daraufhin namentlich Baltimore und Pennsylvania begünstigt, wenn auch die Kursbewegung etwas durch den Rückgang der Reineinnahmen ersterer Bahn beeinträchtigt wurde. Don den übrigen Gebiete« zeigten Bankaktien recht feste Haltung, da man auf gute Jahres* eraebnisse rechnet. Arn Bahnenmarkt lagen Schcrntung g<* drückt, während sich Westsizilianer befestigten, da verlautete, daß die Bahn zu einer Verständigung mit der Regierung wogen des umstrittenen Pensionsfonds gekommen sei. Auch wegen Ablösung der Annuität soll eine Einigung erzielt worden fein. Schl fs- sahrtsa ktien konnten dagegen ihre Kurse nickt ganz behaupten, ebenso lagen Montanpapiere und Elektrrzctäts- aktien etwas schwächer. Van anderen Jndustriepapieren waren nur Chemische Werte begünstigt. Die anfängluh feste Haltung für heimische Fonds wurd espäter durch die Geldver- hältnifse wieder mehr jurücfQebrängt; auch fremde Renton lagen zum Teil etwas matter. Prrvat-Diskvnt 4Vz °/o.
entwickelte zunächst den Plan, zu dem alten Herrn zu gehen
und ihm zu sagen, daß sie in den Jünglingsverein einzu*
treten gedächten. Bei Gelegenheit dieses Gesprächs sollte ilyn Mohr durch Chloroform betäuben und dann bestehlen. Dann
wurde aber der Plan geändert. Mohr schlug vor, daß er eine
kurze Eisenstange beschaffen und daß dann bei dem Gespräch mit dein Küster Kawitzke diesem einen Schlag auf den Kopf geben und ihn betäuben sollte. Als Kawitzke dann Molw vorhielt, daß Herr Roesener durch den Schlag doch vielleicht getötet werden tonnte, beschwichtigte dieser seine Bedenken, indem er meinte: Das würde dann auch nicht schlimm sein, denn dann könnte Roesner ja nichts verraten. Der Mohrsche Plan fand Zustimmung bei den beiden andern Angeklagten. Die Burschen hatten die Absicht, mit dem bei Roesner zu erbeutenden Gelbe nach Dresden zu fahren und dort in einem Kontor einen großen Einbruchsdiebstahl auszuführen. Der Mohrsche Plan wurde dann auch ausgeführt, doch hielt sich Mohr loie bei allen anderen Straftaten jm Hintergründe und schickte die anderen vor. Als die drei Verbrecher bei Herrn Roesner am 2. August erschienen und Über den Eintritt in den Jünglingsverein verhandelten, versetzte ihm Loesche plötzlich mit der Eisenstange einen Schlag aus den Kopf. Rur durch eine Wendung, die der alte Herr machte, ist der Schlag in seiner schlimmsten Wirkung abgeschwächt worden Roesner forte um Hilfe und sprang auf. Die Verbrecher liefen weg, Roesner lief ihnen trotz der blutenden Kopfwunde nach und aus der Straße wurden die Angeklagten festgenomuten. —-
Dk Anerkennung der neuen Regierung in Portugal.
Die neue Regierung in Portugal ist einstweilen voller Versprechung über die Aufräumung mit allerlei Mißständen Auch an Freigebigkeit läßt sie es nicht fehlen, und die Sol daten, die für dte Revolution eingetreten sind, erhalten als Belohnung vier Monate Urlaub mit Fortbezug des SoldeS. Hier scheint iuns jedoch eine neue Mißwirtsckwft bereits einzusetzen.
London, 21. Oft Der portugiesische Finanzminister Relvas telegraphierte an die „Finanzial News", daß die republikanische Regierung in der Lage sei, allen finanziellen Verpflichtungen nack- zukommen. Die portugiesische Finanzverwaltung wervc von Grund auf umgeändert und die Regierung plane ernst siche Verminderung der unproduktiven Ausgaben. Die Defizitwirtschast werde aufhören. Die Regierung werde sich bemühen, die Finanzen des Landes aus eine sichere Grundlage zu bringen.
Berlin, 21. Okt. Die englische Regierung schlug den Mächten bezüglich der Anerkenitung der neuen Regierung in Portugal vor, pari passu vorzugehen; diese englischie Demarche dürste allerseits eine günsttge Aufnahme finden. Wie das Wolffsche Bureau hört, erklärte die deutsche Re- gienrng bereits rhr prinzipielles Einverständnis.
Lissabon, 21. Okt. Das Amtsblatt veröffentlicht die Dekrete über die Abschaffung aller Ausname- gesetze, u, a. des Anarchistenaesetzes und des Gesetzes zur Unterdrückung der Preßfreiheit. Der Minister des Innern, Alm ei da, will, aus zahlreiche Republikaner gestützt einige Verordnungen erlassen, die gewissen Forde- derungen der sozialistischen Partei entsprechen. Die Soldaten, die für die Revolution eingetreten sind, erhalten als Belohnung unter anderem einen vier monatlichen Heimatsurlaub unter Fortbezug des Soldes bewilligt; Truppenkontingente aus - Provinzen werden die Urlauber ersetzen.
Aus Lissabon wird dem „Matin" gemeldet, daß zahlreiche Personen freiwillig dem Finan-minister mehr oder minder bedeutende Geldsummen an bi et en, die dazu dienen sollen, die äußere schwebende Schuld zu tilgen. Staatsbeamte und Militärpersonen hätten den Finanzminister schristlich gebeten, einen Teil ihrer Bezüge für diese Schuldentilgung zu verwenden.
in eine gemeinst ft licke Räuber kasse, aus welcher die Mittel flössen, die die Angeklagten brauchten, um Theater zu befndjen und sich sonstige Vergnügungen zu verschaffen. Bohlmann hat nut an drei Tiebeszügen dieser Art teügeiwmmen. Als Mohr den Beseht gab, daß die Bande nun dazu übergehen sollte, nächtlicherweile Frauen auf der Straße zu berauben, fehlte? Bohlmann der Mut dazu, und er wurde aus der Bande ausgeschlossen. An seine Stelle trat dann Loesche, der sich durch die Erzählungen Karl Mohrs über dessen früher von ihm begangenen verbreck>erischen Taten bereden ließ. Mohr uni) seine beiden Genossen raubten eines Abends einer unbekannt gebliebenen Dame, der ein Schlag ins Gesicht versetzt wurde, gewaltsam eine Hand- taschemit Inhalt. In Steglitz versuchten sie einem Dienstmädchen die Handtasche zu rauben, das Mädchen war aber kräftig genug, sich der Straßenräuber ru erwehren.
Das schwerste Verbrechen, das den beiden ersten Angelagten zur Last gelegt wurde, ist der Ueberfall aus den Küster Roesner in Friedenau. Bei diesem hatten sie eines Tages bei Gelegenheit einer Jnstallationsarbeit dem betreffenden Installateur geholfen und gesehen, daß in dem Tienstzimmer des alten Herrn ein Geldschrank stand. Als Mohr dies hörte, überredete er die beiden anderen, gemeinschaftlich den Küster zu berauben. Mohr
Hcer unö Flotte.
Berlin, 21. Okt. Durch die heutige KabinettSordre wurde Admiral v Prittwitz und Gasfron, Chef der Marine- stalion der Ostsee, in Genehmigung seines Abschiedsgesuches mit der gesetzlichen Pension zur Disposition gestellt; tn Anerkennung der geleisteten Dienste ist er ä la suite des Seeoffizierkorps in den Listen der Manne weiter zu führen. Vizeadmiral Schröder wurde zum Chef der Atarinestation der Ostsee ernannt.
Ans Statt nnS Land.
Gießen, 22. Okt. 1910.
99 Aus dem Militär - Wochenblatt. Befördert: Zu LIS. der Nef. die Vtzewachtmeifter Sondermann (Deutz), de« Großh. Art.-Korps, 1. Großh. Hess. Feld-Art.- RegtS. Nr. 25, Weinmann (Kreuznach), des 2. Nasi. Feld- Art.-RegtS. Nr. 63 Frankfurt. Zu LtS. der Res. die Vizefeldwebel bezw. Vizewachtmeister: Haff ne r (Wiesbaden), des 1. Nassau. Inf.-RegtS. Nr. 87, Monsheimer (Wiesbaden), deS 2. Nassau. Inf.-RegtS. Nr. 88, Seeger (Gießen), deS Inf.-RegtS. Prinz Karl (4. Großh. Hess.) Nr. 118, Gisset (Wiesbaden), deS 4. Lothring. Inf.-RegtS. Nr. 136, Henkelt (Wiesbaden), deß Garde-Drag.-RegtS. (1. Großh. Hesi.) Nr. 23. Foersier (Mainz), des 2. Nassau. Feld-Art.-Regtß. Nr. 63 Frankfurt. — Versetzt die Oberzahlmeister und Zahlmeister: Bulle vom 1. Bat. Füs.-NegtS. v. GerSdorff (Kurhesi.) Nr. 80 zur 2. Abt. 1. Nasiau. Feld-Art.-NegtS. Nr. 27 Oranien, Grill vom 3. Bat. 1. Nasiau. Inf.-RegtS. Nr. 87 zum 2. Bat. Fuß-Art.-NegtS. General-Feldzeugmeisier (Brandenburg) Nr. 3, Andrö vom 1. Bat. Fuß-Art.-NegtS. General- Feldzeugmeister (Brandenburg) Nr. 3 zlun 3. Bat. 1. Nasiau. Inf.-RegtS. Nr. 87, Bott vom 1. Nasiau. Pion.-Bat. Nr. 21 zum 1. Bat. Füs.-Neqts. v. GerSdorsi (Kurhesi.) Nr. 80, Block von der 2. Abteil. 2. Großh. Hess. Feld-Art.-Regts. Nr. 61 zum 2. Bat. Inf.-RegtS. Prinz Karl (4. Großh. Hesi.) Nr. 118, Welz vom 2. Bat. Inf.-RegtS. Prinz Kart (4. Großh. Hesi.) Nr. 118 zum 1. Nasiau. Pion.-Bat. Nr. 21, Behrend von der 2. zur 1. Abteil. Großh. Art.-KorpS, 1. Großh. Hess. Feld-Art.-Negts. Nr. 25, Neuling der 2. Abteil. Großh. Art.-Korps, 1. Großh. Hesi. Feld-Art.- RegtS. Nr. 25.
** Uebertragen wurde dem Schularntsaspirauteu Maximilian Heil aus Ober-Mörlen eine Lehrerstelle zu Eppershausen, Kreis Dieburg.
" Stadttheater. Zur morgiaen Aufführung der Jarnoschen Operette „Die Först e r ch ristl" fei noch bemerkt, daß der „Feldössy" von Karl Albert M ah lau aus Frankfurt, der ja vom „Fidelen Bauer" her dem Publikum bestens bekannt ist, gesungen werden wird. Für Ausstattung wurden wieder besondere Aufwendungen gemacht und auch für den Chor Hilfskräfte herangezogen.
** Der Evang. Arbeiterverein feiert Sonntag den 23. Oktober fein 18. Stiftungsfest. Ein Festgottesdien't findet diesmal wegen der am Sonntag stattfindenden Kirchenvisitation nicht statt. Der Familienabend wird in üblicher Weise in der Turnhalle an Oswaldsgarten gefeiert.
(!) Mäd ch en-Turn en. Die Mädchen, die das Realgymnasium und die Ober-Realschule besuchen und dort keinen Turnunterricht erhalten können, haben sich vereinigt, um in der Turnhalle der Töchterschule zu turnen, wozu die Stadtverordnetenversammtung ihre Genehmigung erteilt hat.
= Steinbach, 19. Okt. Bei der heute statt- gefunbenen GemeinderatSwahl siegte die Gegenpartei des Bürgermeisters. Es wurden getvähtt: 1. Karl Reuschlmg IV. mit 99 Stimmen, 2. Jakob Horn II. mit 96 Stimmen, 3. Heinrich Keßler VI. mit 95 Stimmen.
sc. Hungen, 21. Okt. Der seitherige Beigeordnete^ Heinrich Heyer III. in Wölfersheim wurde in der Stichwahl wiedergewählt.
L. Bad-Nauheim, 21. Okt. In unferm Post amte ist feit kurzer Zeit wieder Ruhe eingezoaen. Eine größere Zahl von Postbeamten, die nur während der eigen! eichen Saison hier beschäftigt waren, sind wieder versetzt morden. Der Postverkehr war in diesem Sommer fehl 'tark. lieber 100 Beamte, darunter 12 Beamtinnen für den Telephondienst, wurden verwendet. In dem neuen Haupt oahnhossgepäude wird auch ein Postamt untergebracht, ein. Neuerung, die schon lange erwünscht war.
— Bad-Nauheim, 21. Okl. In der abgeloufenev Woche sind 112 flurgälte angekommen. Tie Gesamt- srequenz beträgt bis zum 20. Oktober — 32 960 Personen, wovon an genanntem Tage noch 940 anwesend waren Bäder wurden bis zum 20. Oktober — 435486 abgegeben
IMainz, 21. Okt. Oberb-ürgerrncister Dr. Göttelrnann hatte im Namen der Stadt das Großherzogspaar und die russischen Herrschaften zur Eröfftiung des hiesigen Stadt- theaters am übernächsten Sonntag ein geladen. Wie nun eine Depesche meldet, ist es den Fürstlichkeiten unmöglich, der Eröffnung beizuwohnen. — Gestern wurde hier eine Schwindlerin verhaftet, die in mehreren Städten unter wechselndem Namen auftrat und Schwindeleim beging. Hier nannte sie sich Frau Jahn, während sie in Wirklichkeit Sack heißt. — St. Stephan wird nun doch seinen Türmer, den letzten Türmer am Rhein, noch einige Zeit behalten. Der ursprünglich aus 1. Dezember festgesetzte Auszug ftndet erst am 1. April statt. — In nächster Zeit sollen die Ballons „K o b l e n z", geführt durch Leutnant v. Holtbuch (Fuß-Art.- Regt. Nr 3) und „M a i n z - W i e s b a d e n", unter Leitung Hauptmanns Eberhard, Flüge untermehmen, toebei eine kriegsmäßige Verfolgung durch zehn bis fünfzehn Automobile statlsinden soll. — Gestern b>efichtig,te der Finanz- m i n i st e r B r a u n in Begleitung des Kreisrats Dr. Wallau sie Anlagen der Firma Opel in Rüsselsheim unh^ folgte odann einer Einladung der Frau Adam Opel. — In der- elben Fabrik stürzte ein Schlosser während der Arbeit einen halben Meter tief herab und brach sich den Unter- chenkel.
d. Mainz, 22. Okt. Das von der Stadtverwaltung geschaffene Institut der Polizei-Assistentin erfreut ich, infolge von Ueberariffen durch die Polizeiassistentin Frau Schapiro, bei Publikum und Presse der stärksten Mißbilligung. Die Assistentin schnüsselt in allen möglichen Verhältnisfen herum, bringt anständige Mädchen mit der Sittenpolizei in Berührung, kurzum, erlaubt sich so grober Uebergriffe, daß in weiten Kreisen ein Sturm der Entrüstung gegen die Dame herrscht. In der nächsten Stadtverordnetensitzung wird wegen der Uebergriffe interpelliert werden.
b. Biedenkopf, 21. Okt. Unter großer Beteiligung wurde heute nachmittag Lehrer Theodor Steinmetz zur letzten Ruhe getragen. Der Entschlafene stand im 61. Lebenswahre und war über 25 Jahre an unserer Stadtschule tätig.
Die Taten der Uarl Mohrschen Räubcrdande, die eine Zeitlang die Umgegend Berlins unfirfter gemacht hat, beschäftigte am Freitag die 4. Strafkammer des Landgeftchts Berlin II unter Vorsitz des Landgericktsdircktors Dr. S e l i g m a n n. Auf der Anklagebank saßen die 16 jährigen Arbeitsburscl-en Paul Kawitzke, Willi Loesche und Erich B o h l m a n n, die sich wegen bandenmäßigen Diebstahls, Pompadourraubes und versuchten Raubmordes an dem Küster Roesner tn Friedenau' zu verantworten hatten.
Ter Anführer der Räuberbande Karl Mohr, der erwachsen ist, wird erst später wegen seiner Taten vor das Schwurgericht gestellt werden. Kawitzke kannte den Bohlmann schon längere Zeit und machte ihn mit Karl Mohr bekannt. Mohr überredete die beiden anderen zu fortgesetzten Diebstählen, und die drei bildeten eine förmlich Räuberbande, die in Schöneberg, Steglitz und Friedenau zahlreiche Türklinkendiebstähle ausführten. Die Türklinken wurden verkauft, und das erlöste Geld stoß


