Ausgabe 
22.10.1910 Zweites Blatt
 
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Regierung der Republik dre Ertlärung abgegeben, der dem Staate gehörende Besitz eingezogen worden

Dieteflencr LamNtendlÜtter" werden dem bAnzeiger^ otermal roöcbentücb beigelegt, das Kreisblatt für Öen Kreis Liehen" zweimal Wöchentlich. Dietanbrotrtfd?aftlid)en Seit- fragen*4 ehernen monatlich zweimal.

sie dem bei ihr in Pension wohnenden Studenten Rosenheim verkauft, so daß dieser allein als glücklicher Gewinner in Frage käme. Der Kaufmann Bieber setzte sich sofort mit der Krimminal- Polizei in Verbindung, da der Verdacht nahe lag, daß RosenstciN den Gewinn abheben und nach seiner russischen Heimat abdamp-- fett würde. Als Bieber so energisch gegen die Angeklagte vor- ging, bat diese, er solle sie nicht unglücklich machen, und versprach ihm, den auf ihn fallenden Teil und sogar noch mehr heraus^ zugeben, wenn er schweigen würde. Erst in Gegenwart des Kri­minal schutzmanns LNühlbach bequemte sie sich dazu, das Los, das sie selbst und nicht der angebliche Eigentümer Rasenstein im Besitze hatte, herauszugeben. Die Folge dieser mißglückten Schiebung war die jetzige Anklage. Das Schöffengericht erkannte gegen die Angeklagten aus je 1 Monat Gefängnis und je 300 Mk. Geldstrafe ev. noch 60 Tage Gefängnis. Die gegen dieses Urteil eingelegte Berufung wurde von der Strafkammer kosten- pftichtig -urückgewiesen und das erste Urteil bestätigt.

Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universiläts - Buch- und Steindruckerei.

R. Lange, Gießen.

Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul- straße 7. Expedition und Verlag: feOM. Redaktion: 112. Tell-Adru AnzeigerGießen.

Gerichtssaat.

' Die Jagd nach dem großen Los. Das Los Nr. 247 219 der Preußischen Klassenlotterie, auf das neben einem höheren Gewinn auch die Prämie von 300 000 Mark gefallen war, spielte gestern in einem Betrugsprozeß eine Rolle, der die fünfte Strafkammer des Landgerichts I beschäftigte. Wegen gemeiw- schaftlichen versuchten Betruges waren der Student der Philo^ sophie Jacob Rosenstein und die lebige Frede ricka Gericht er an­geklagt. Die Angeklagte Gerichter spielte seit etwa 2 Jahren das Achtellos der Nr. 247 219 der Preußischen Klassenlotterie, an dem noch drei Mitspieler namens Caspary, Cohn und Bieber beteiligt waren. Die Beiträge der Mitspieler wurden von der Schwester der Angeklagten, Rosalie Gerichter, eingezogen, die mit den Mitspielern bei derselben Firma anaestellt war. In der ersten Ziehung im Januar fiel auf das Achtellos ein Gewinn von 40 000 Mark. Das versetzte die Angeklagte in große Aufregung, und die Gier nach dem Gold-e verleitete sie zu einer ebenso rafft inerten, wie häßlichen Handlungsweise, um die drei Mitspieler um ihre Gewinnanteile zu bringen. Um den Plan zur Ausführung bringen zu können, bediente sie sich ihres erst 19 jährigen, aus Rußland gebürtigen Vetters, des jetzigen Angeklagten Rosen­stein. Nach Bekanntwerden des Gewinns erklärte die G. den Mitspielern, sie wären nicht an dem Gewinn beteiligt, da sie das Kos nrcht mehr gespielt hätten. Mit einer ziemlichen Por­tion Dreistigkeit behauptete sie plötzlich, ihre Mitspieler hätten sie beauftragt, ein anderes Los zu kaufen. Das alte Los habe

> nur der dem Staate gehörende Besitz eingezogen worden ei, daß aber Manuels Privateigentum, insbesondere die ;er Familie Braganza gehörigen Schlösser, respektiert werde. Es wird schätzungsweise angegeben, daß der entthronte König nach Bezahlung sämtlicher Schulden der königlichen Familie ein jährliches Einkommen von rund 20 000 Pfund Sterling beziehen wird. Die Minder au fwendungen im Budget, die sich aus der Aushebung der königlichen Zivilliste im Gesamtbeträge von 160 300 Pfund Sterling jährlich er- geben, sollen zu Steuererleichterungen für die ärmeren Volksklassen verwendet werden. Trotz des Wegfalls her Zivilliste wird die Königin-Großmutter Maria "Pia, die sich mit ihrem Sohne, dem Herzog von Oporto, nach Italien

Exkönig Manuel von Portugal in England.

£ London, 21. £ft.

König Manuel und seine Mutter, Königin Amelie, langten gestern an Bord der JachtViktoria und Albert" in Plymouth an, wo sie von einer distinguierten Gesell­schaft erwartet wurden, unter welcher sich oer Herzog von Orleans und der spanische Botschafter befanden. Im Sonder­zug begaben sich sodann die Herrschaften nach Wood Norton, VÄcher Ort um Mitternacht erreicht wurde.

Gestern morgen um V2IO Uhr wurde Sir Wilmot Faw- kes die Mitteilung gemacht, daß die drahtlose Telegraphie­station in Rame Head ein Radiogramm von derViktoria und Albers erhalten habe, und daß die königliche Jacht um diese Zeit nur sechs Meilen vom Eddystone-Leuchtturm entfernt war. Diese sonderbare Nachricht rief eine gewisse Beunruhigung hervor, denn mit Rücksicht auf 'das schlechte

hat das Hochbauamt sich derartig unklar geäußert, daß die Bau­deputation der Ansicht war und auch sein mußte, daß der Blitz­ableiter noch nicht hergesbeltt sei. Nach der Lage des Falles, den der Vorsitzende eingehend darlegt, ist die Forderung das Öoljmcier für die Arbeiten berechtigt, so daß beantragt wird, die Rechnung pvn 45 Mk. zu genehmigen, was Don der Versamm­lung auch geschieht.

Der Versammlung wird darauf ein Ortsftatut betreffend das Verbot zum Verkauf von Speiseeis auf öffentlichen Straßen

an Minder unter 14 Aahreu

und in der Nähe von Schulen vorgelegt, womft man sich ein­verstanden erklärt. Zur Begründung wurde darauf hingewiesen, daß dieser Verkauf an Kinder überhand genommen und im ge­sundheitlichen -Interesse erschwert werden müsse, wie dies in an­deren Städten auch gesck-ehen sei. Es lagen %

Wirtschaftsgesuche

vor X. von Wilh. Weber für das Haus Steinstraße 76, 2. vvn Anna Marie Strudel für Brandgasse 3, 3. von Joh. Peter Wämser, Brandgasse 7, 4. von H. Fr. Georg, Frankfurter Str. 165, 5. vvn Aug. Lamm, West-Anlage 7, 6. von Carl Wagner, Neuen­weg 31, 7. von Philipp Weininger, Neustadt 31. Die Bedürf- nisfrage würde bis auf das Gesuch für Brandgasse 3 bejaht, wäh­rend die Beschlußfassung wegen des Gesuchs der Anna Marie Stvodel ausgesetzt wurde.

Es folgt eine nicht öffentliche Sitzung, m welcher lediglich Personalfragen behandelt wurden.

In der Anwesenheitsliste war der Stadtverordnete Helm ver­sehentlich nicht aufgeführt, was wir hiermit nachholen.

Es folgt die

Genehmigung von Rechnungen,

welche nur eine formale Bedeutung hat und die Zustimmung der Versammlung zur freihändigen Vergebung von Lieferungen und Arbeiten es handelt sich um Spezialartikel rum Schlachthof-Neubau. Es kommt dann die

Blitzableiterafsäre Hohmeiee

zur Besprechung. Der Oberbürgermeister stellt aus der wegen dieser Angelegenheit mit dem Bauamt gepflogenen Korrespondenz fist, daß tatsächlich die Arbeit vvn Hohmeier bereits geleistet war, als dieser die Nachforderung bei der Stadt stellte. Bei der Feststellung, ob die Forderung des H. berechtigt sei oder nicht.

Dcrmifcbtes»

* Gefährliche Revolverszene bei einer Drogerie- Revision in Köpenick. Ein Drogeriebesitzer in Kövenick hat sieb, wie von uns mitgeteilt, der Revision seines Geschäftes welche alljäbrlich durch einen Kreisarzt im Interesse des arzneimitul- bebürftigen Publikums erfolgt durch Aufhetzung eines Hundes, bezw. mit dem Revolver widersetzt. Hierzu bittet uns der Deutsche Drogiften-Verband mitzuteilen, daß der betr. Händler nicht im Besitze der Giftkonzefsion und auch nicht Mitglied des Deutschen Drogisten-Verbandes von 1873, e. V., der bedeutendsten Fach- korvoration des Drogistenstandes, ist, zu dem er sich vor kurzem angemeldet hatte, ohne jedoch Ausnahme zu finden.

* Amerikas grDßter Bahnhof. Der Pennsyl- vania-Bahnhof von Newyork, der soebenfür eröffnet er­klärt wurde, ist nicht nur die größte Bahnstation der neuen Welt, sondern überhaupt das größte Gebäude, an dem je ununterbrochen gearbeitet worden ist. Der Vati­kan, die Dnilerien und der Petersburger Winterpalast sind allerdings ausgedehnter, aber man hat an ihrer Errichtung nicht ohne Unterbrechung gearbeitet, sondern Jahrhunderte hindurch daran gebaut. Nach dem offiziellen Bericht der Gesellschaft bedeckt die Station ein größeres Gebiet als irgend ein anderes lückenlos bebautes Gelände, nämlich 35 000 Quadratmeter. Die äußeren Mauern sind eine halbe englische Meile lang und in nicht ganz sechs Jahren auf­geführt worden.

lüchtet hat, auf Lebensdauer jährlich 12000 Pfund Sterl. aalten.

Sitzung der Stadtverordneten.

th. Gießen, 21. Ott.

(Schluß.)

Wetter konnte schwerlich angenommen werden, daß sich die Jacht in dieser Zeit schon in solcher Nähe befand.

In Erwiderung einer englischen Anfrage, die sich püf bas Eigentum König Manuels bezog, hat die provv- orische Regierung der Republik die Erklärung abgegeben,

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Nr. 248 SKwteS Blatt 160. Jahrgang Samstag 22. Oktober 1010

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Gießen, den 21. Oktober 1910. B/w

Großh. Lberförsterei Schiffenberg.

T r a u t w e i n.

Lieferungs-Vergebung.

Für die chirurgische Universitäts-Klinik in Gießen soll auf dem Wege öffentlicher Ausschreibung die Lieferung von

10 Ztr. Tafeläpfeln, 5 Ztr. Kochäpfeln, ca. 500 Ztr. Kartoffeln, 10 Ztr. Zwiebeln, 10 Ztr. Roterüben, 12 Ztr. Gelberüben, 3 Ztr. unterirdischen Kohlraben, 3 Ztr. Meerrettich, 200 Stück Rotkraut, 300 Stück Sellerie und 300 Stück Lauch vergeben werden.

Die Lieferungsbedingungen liegen an den Wochentagen von 3 bis 5 Uhr nachmittags auf dem Verwaltungsbureau offen.

Angebote, verschlossen und mit entsprechender Lluf- schrift versehen, sind mit den Mustern bis zum 26. l. Mts. mittags 12 Uhr abzugeben.

Die Zuschlagssrist beträgt 8 Tage.

Gießen, den 10. Oktober 1910. B15/io'

Großh. Direktion der chirurg. Univ.-Klinik.

Bekanntmachung.

Der Voranschlag dec Gemeinde Obbornhofen pro 1911 Rj. liegt vorn 26. d. Mts. ab 8 Tage lang auf dem Bürgermeistereibureau zur Einsicht offen.

Obbornhofen, den 22. Oktober 1910.

Gr. Bürgermeisterei Obbornhofen.

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