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SPAZIERSTÖCKE
SELTERSWEG 60
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sonst unter Kollegen in diesem Hause üblich sind.
Abg. v. Oldenburg (Kons.):
Aeußerungen des Herrn d. Oldenburg mißbilligt. Herr v. Olden- bürg selbst hat seine Aeußerung nicht zurückgenommen. Ich erachte eS als selbstverständlich, daß ihm gegenüber die 93 e r« kchrSformen nicht gewahrt werden
Auf einen groben Klotz gehört ein grober Keil.
Wenn Sie Ihre Aeußerungen zurückgenommen hätten, hätte ich
* Schlimme Selbstbezichtigungen. Ein Mann namens Christian Keppler, dar sich selbst der Mitschuld an einer säst grauenl>ast langen Reihe anarchistischer Verbrechen anklagt, befindet sich seit einigen Tagen im politischen Gewahrsam in Cincinnati. Unter anderem will er ein Mitschuldiger Lurchen iS, des Mörders der Kaiserin Elisabeth sein. Tie Polizei ist der Ansicht, der Mann gebrauche die Selbstbezichtigung mir als Vorwand, um billig nach Europa znrückzukommen, wenn es nicht überhaupt nur das Ergebnis einer krankhaften Phantaiie ist Keppler, der sein Alter auf 49 Jahre an gibt und aus Württemberg stammen will, gibt ein äußerst blutrünstiges Bild.seiner Vergangenheit. Er will Jahrelang der Redner einer anarchistischen Vande in Europa gewesen sein, mit der er schon als Student in Bezichimg hat. Auf seine Eigenschaft als begeisternder und die Ancirck isten zur Tat anfeuernder Redner beschränkt sich seine Mitschuld an der Reihe der von ihm angeführten Verbrechen. Tcm Schicksal, selbst zur Ausübung des blutigen Handwerkes
Präsident Graf Schwerk» Löwitz?
Ich erkläre zunächst, daß ich in den Ausführungen de? Abg.' von Oldenburg eine Herausforderung zum Duell nicht gesehen habe. (Lebhafter Widersprueh links.) Sonst würde ich diese Ausführungen gerügt haben. Sie dürfen aber dem Abg. von Oldenburg auch nicht vorwersen, daß er zur Verrohung bcS Toncß beiträgt. (Beifall rechts. Unruhe links.)
Abg. Haußmann (93p.):
Es ist auch noch niemals vorgekommen, daß ein Llbgeordncter anderen Abgeordneten erklärt hat, sie hätten in Ehrensachen lernen Standpunkt. (Lebhafte Zustimmung links.) Demgegenüber darf das gesagt werden, was ich gesagt habe. (Beifall links. Widersprach rechts.) Im Munde des Abg. v. Oldenburg konnte die Bemerkung, daß er uns jederzeit zur Verfügung stehe, gar keinen andern Sinn haben, als den der Herausforderung zum Duell. (Lebhafte Zustimmung links.) Darauf habe ich zu erklären, daß angesichts dieses würdelosen Verhaltens des Abg. v. Oldenburg (Lebh. Beifall links, große Unruhe rechts und Rufe: Zur Ordnung I) . . .
Präsident Graf Schwerin-Löwitz:
Sie dürfen auch diese Aeußerung nicht gebrauchen.^ Ich bitte Sie dringend, nicht zu einer Verschärfung der Diskussion beizu- tragen. Das läßt sich alles in Ruhe und innerhalb der parlamentarischen Formen abmachcn. (Lcbh. Beifall rechts.)
Abg. Haußmann (93p.) -
Dann sage ich, daß angesichts dieser Kinderei —- (Unruhe und Gelächter) —
Präsident Graf Schwerin-Löwitz:
Ich kann auch diesen Ausdruck nicht dulden; er widerspricht der Ordnung bc; Hauses.
Abg. Haußmann:
Der Eindruck, der sich Bei unö bilden muß, ist nicht nur der, den der Abg. Dr. Wiemer schon gekennzeichnet hat, daß wir bitt dem Abgeordneten v. Oldenburg den persönlichen Verkehr nicht aufrecht erhalten können, sondern auch der, daß wir mit diesem Don Quichote überhaupt nichts mch? zu tun haben wollen. (Große Unruhe, anhaltende Bewegung.),
Präsident Graf Schwerin-Löwitz:
Wegen dieser Aeußerung rufe ich Sie zurOrdnung. .(Seit fall rechts.)
Damit endet diese Aussprache.
Präsident Graf Schwerin: ~
M. H., wir stehen am Schlüsse einer äußere gewöhnlich arbeitsreichen Zeit. Ich wünsche, bevor wir auseinandergehen, Ihnen allen nicht nur ein fröhliches Osterfest, sondern auch in dieser Oiterzeit volle Erholung und neue Kräfte für die neuen Arbeiten, denen wir nach den Osterferien entgegengehen. (Beifall.)
Nächste Sitzung: Dienstag, 12 April, 2 Uhr: Berner Literaturabkommcn. Gebührenordnung für Rechtsanwälte, Handelsabkommen mit Schweden. .
Schluß 6% Uhr.
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es meinerseits auch getan.
Abg. Dr. Müller-Meiningen (93p.):
Aus der Schluhbemcrkung des Abg. v. Oldenburg geht hervor, daß Herr v. Oldenburg den Reichstag als den Ort angesehen hat, in dem er einen persönlichcn Ehrenhandel zwischen sich und dem bayerischen Kriegs- Minister abzumachen habe. Ich glaube, daß ich als Mitglied dieses Hauses berechtigt war, nachdem Herr v. Oldenburg hier diese Sache vorgebracht und in unparlamentarische Formen gekleidet hatte, meinerseits Kritik daran zu üben. (Zuruf rechts: Aber nicht in dieser Weisel) Ich glaube, daß ich in keiner Weise eine Form gewählt habe, die Herrn Kollegen v. Oldenburg berechtigte, mehreren Mitgliedern dieses Hauses in einer solchen Weise bic Ehre abzuschneiben. (Beifall links.)
Abg. v. Oldenburg (Kons.):
Was zwischen bem bayerischen Kriegsminister und mir zur Erledigung gekommen ist, geht nur den bayerischen Kriegsminister und mich an. (Lachen und Widerspruch links.) Außerdem stelle ich fest, daß Dr. Müller-Meiningen gewußt hat, daß diese Sache die Beilegung eines Ehrenhandels mit dem bayerischen Kriegsminister war. (Lebh. hört, hört! links.) Tie Linke hat diese E-klärung mit Lachen auf- aenommen. Darauf haben die Herren, die mich angegriffen haben, eineAntwortbekomm-'n (mit erhobener Stimme): Im übrigen erkläre ich, daß ich selbstverständlich den Herren Dr. Müller-Meiningrn und Hausmann jederzeit zur Verfügung st ehe. (Beifall rechts. Großes Gelächter links. Abg. Kreth ruft: Da gibts nichts zu lachen. Andauernde Bewegung.)
Abg. Bebel (Soz.):
Unter denjenigen Abgeordneten, die durch Herrn von Olden- burg-Januschau heute nachmittag verletzt worden sind, befindet sich auch mein Parteifreund Noske. Wir haben daraus verzichtet, auf diese Aeußerungen irgendwie näher einzugehen. Wir sind schon so sehr an die Formen des Herrn von Oldenburg gewöhnt, daß er uns in keiner Weise mehr verletzen kann. (Beifall links.)
Abg. Haußmann (93p.): .
Herr von Oldenburg hat jetzt seinem Verhalten die Krone ausgesetzt, indem er in öffentlicher Parlamentssihung Forderungen zum Duell ergehen ließ. (Stürmische Zustimmung links. Widerspruch rechts.) Tas war bisher noch nie in diesem Hause üblich, und es zeigt sich'hier aufs neue, wie unsachlich und persönlich Herr von Oldenburg ist, wie er also den Ton in diesem Hause degradiert und wie er zur Verrohung des Tones beiträgt. (Große Unruhe rechts und Zuruf: Wo ist der Ord-
Vlzevrchtbent Erbprinz zu Hohenlohe-Langenburg erteilt dem Abg. Scheibemann ben zweiten Ordnungsruf. (Beifall.), '
Abg. Scheibemann lSoz.):
Ich pfeife barauf. (Große Unruhe.)^
Abg. Zubcil (Soz.):
Wir sind daran gewöhnt, daß man das, was wir Vorbringen, als unwahr hinstellt.
Staatssekretär Kractke:
Nur ein Wort! Tie Herren betonen so i h r e W ah rh e i ts- lieb e. Der Abg. Zubeil beschwerte sich darüber, daß ein armer Landbriefträger um Unterstützung bat, daß ein Beamter zur Untersuchung hingeschickt wurde, was 35 Mk. kostete und daß dann der Briefträger nur 25 Mk. erhielt. Di e ganze Geschichte ist nicht wahr. (Hört! Hört!) Tic Zeitung, die das brachte, hat es selbst widerrufen müssen, weil die angestellten Ermittelungen c5 als unwahr hinstellten. Ter Abg. Zubeil hätte diesen Widerruf der Zeitung hier auch mitteilen sollen. (Hört! Hört! und Beifall.)
Der Postetat wird genehmigt, ebenso die Etatsreste und dann der Etat in seiner Gesamtheit. Bei der Gesamtabstimmung stimmen bic Sozialbemokraten wie immer gegen ben Etat.
Abg. Dr. Wremer (93p.) zur Geschäftsordnung:
Ich bin genötigt, auf einen Vorgang zurückzukommen, der sich zu Beginn der Sitzung in persönlichen Bemerkungen zwischen dem Abg. v. Oldenburg und drei Mitgliedern dieses Hauses, von denen zwei der Fortschrittlichen Volkspartci angehören, abgespielt hat. Nach bem stenographischen Bericht hat bie schwerverletzende Aeußerung des Abg. v. Oldenburg Beifall auf der rechten Seite gefunden. (Hört! hört! links.) Im Interesse der parlamentarischen Arbeit halte ich es für geboten, an die konservative Fraktion die Frage zu richten, ob sie die Aeußerungen ihres Mitgliedes billigt.
Abg. v. Normann (Kons.):
Ich stehe nicht an, bic Frage des Abg. Dr. Wiemer zu beant- worten. Ich stelle zunächst fest, daß wir in den Ausführungen der Abgg. Dr. Müller. Meiningen und Haußmann schwere Beleidigungen gegen den Abg. v. Oldenburg gefunden haben und daß wir es infolgedeffen verstehen, daß Herr v. Oldenburg schwer gereizt war. (Sehr richtig! rechts.) Wir erklären aber außerdem, daß wir ben OrbnungSruf bes Herrn Präsidenten an ben Abg. v. Oldenburg für voll berechtigt halten. Ich erkläre weiter, daß wir den Ausdruck deS Abg. v. Oldenburg, den Dr. Wiemer erwähnt hat, mißbilligen. Aber ebenso mißbilligen wir die Ausdrücke, die die Abgg. Dr. Müller-Meiningen und Hauß- mann gegen Herrn v. Oldenburg gebraucht haben. (Beifall rechts.)
Abg. Dr. Wiemer (93p.):
Ich stelle zunächst fest, daß die, von Herrn v. Normann er- wähnten Aeußerungen meiner Fraktionskollcgen Haußmann und Müller-Meiningen vom Präsidenten nicht gerügt worden sind, also gegen die parlamentarisck»c Ordnung nicht verstoßen haben können. .(Sehr richtig! links.) Wir nehmen mit Genugtuung \zrhnrt fimnfniS. haft die konservative Traktion die die
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entgangen. In einer Versammlung, m der die Ermordung der Kaiserin beschlossen worden sei, will er gleichfalls die Hauptredo gehalten haben. Tie letzte Tat, mit der er, soweit bic rebnerische Anfeuerung in Betracht kommt, in Verbindung gestanden habe, sei der Mordanschlag auf den König von Spanien am Tage seiner Vermählung gewesen. Als Mauleseltreiber verkleidet, habe er sich nach Barcelona geflüchtet und sei bann nach Hamburg gegangen. Er zeigte eine bic Polizei mit Grauen erfüllende Vertrauthe'.t mit den näheren Nmstänben bekannter Morbtaten und Anichlagen. Keppler wollte, wie er erklärt, seine Vergangenheit vergessen und sich von seinen .anarchistischen Verbindungen loslösen. Er behauptet aber, daß. ein polnischer Anarchist und betannter Terrorist ihn ständig verfolgte und baß alle Mittel angewandt wurden, um ihn zur Rückkehr in bas anarchistische Lager zu bewegen. Um beit Verfolgung eit zu entgehen, habe er sich ber Polizei gestellt. Keppler gibt an, sein Vater sei Schulmeister in Württemberg ge- Er habe eine gute Erziehung gen-ossen und sei zur Uni- schlechte Gesellschaft geraten.
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