Erstes Blatt 16V. Jahrgang Freitag Ab. August 1S1V
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für die Redaktion 112, iXJr WjF Verantwortlich für den
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HS =öermm9a^Tü^ Rofaflo«st>ni(f unb Verlag der vrShl'sche« Univ.-Such, und Steindruckerei R. Lange. Redaktion, Expedition UN- Druckerei: Schulstratze 7. H.° Beck.
Die heutige Nummer umfaßt 10 Seiten.
Zschopau-Marienberg.
Den sieben Siegen, die die Sozialdemokratie seit dem Rücktritt des Wrsten Bülow und der Verabschiedung der Reichsfinanzresorm des blau-schwarzen Blockes bei Nachwahlen zum Reichstage erfochten hat, reiht sich jetzt als achter der in dem sächsischen Wahlkreise Zschopaw-Mcrrien- berg an. Und wenn man in bürgerlichen Kreisen noch bis zum letzten Augenblick gehofft hatte, daß entweder der Antisemit Fritsche oder der Fortschrittler Brodaus mit dem sozialdemokratischen Kandidaten Paul Göhre wenigstens in die Stichwahl gelangen würde, so ist diese Hoffnung zu Nichte geworden. Die Sozialdemokratie gewann Zschopau- Marienberg auf Anhieb, da es der Kandidat der Antisemiten Fritsche nur auf 4544, der Kandidat der Fortschrittler und Nationalliberalen nur auf 4672 Stimmen brachte, während der Sozialdemokrat Göhre 14 443 Stimmen auf sich vereinigte, — ein Ergebnis, an dem die bis jetzt noch ausstehenden Ziffern einiger kleiner Wahlbezirke nichts mehr ändern können.
Freilich, wird man einwenden, der Wahlkreis Marienberg-Zschopau ist für alle Parteien stets ein sehr unsicherer Besitz gewesen. 1871—1877 war er nationalliberal vertreten, 1878 sozialdemokratisch, 1881 freisinnig, 1884 bis 1893 besaß die Reichspartei das Mandat, 1893 wurde ein Konservativer gewählt, 1898 und 1903 wieder Sozialdenw- kraten und 190/ bei den Blockwahlen Zimmermann, dessen Tod jetzt eine Nachwahl nötig machte. Aber den jetzigen sozialdemokratischen Erfolg mit dem Hinweis auf diese Unbeständigkeit der Wähler verkleinern zu wollen, nur weil den bürgerlichen Parteien das jetzige Wahlergebnis in Zschopau-Marienberg überaus unangenehm ist, wäre übel angebracht. Denn mache man es sich doch klar: bei einer Abgabe von 26 033 Stimmen bei den Blockwahlen von 1907 brachten es dort die vereinigten bürgerlichen Wähler auf 14 732 Stimmen, während der Sozialdemokrat Göhre damals nur 11281 erhielt. Diesmal erzielten bei einer Abgabe von 23 659 Stimmen die bürgerlichen Kandidaten zusammen nur 9216 Stimmen, während auf Göhre 14 443 fielen. Das bedeutet, daß erstens, da die Sozialdemokratie den letzten Mann heranzu^iehen weiß, rund 3000 bürgerliche Wähler zu Hause blieben, und daß .zweitens 3000 andere, die 1907 noch gegen den Sozialdemokraten gewählt Hattern, ihm jetzt ihre Stimme gaben. Somit beziffert sich der Verlust, den die bürgerlichen Parteien hier wieder zugunsten der Sozialdemokratie erlitten, auf rund 6000 Stimmen, — zweifellos eine Folge der Reichsfinanzreform und der damit verbundenen .Parteizersplitterung.
Die Sozialdemokratie triumphiert und wird nur bedauern, daß sie diesen ihren achten Wahlsieg nicht noch für ihren Parteibericht verwenden konnte, in dem sie sich ganz ausführlich mit den Nachwahlen zum Reichstage beschäftigt und nachgerechnet hat, daß die bürgerlichen Parteien dabei einen Verlust von 49 827 Stimmen hatten, dem ein Gewinn von 26 327 sozialdemokratischen (Stimmen gegenübersteht. Das bedeutet also für die Zeit nach der Reühs- finanzreform eine Verschiebung der Volksstimmung zu- aunsten der Sozialdemokratie um 76154 Stimmen oder mit Zschopau-Marienberg um 82154 Stimmen und stellt damit für die kommenden Reichstagsneuwahlen der Sozialdemokratie die günstigsten Aussichten.
Der „Genosst Paul Göhre ist übrigens Revisionist. Schon als junger Student der Theologie in Leipzig schwärmte er für soziale Ideen und schloß sich als Pfarr-
Die kaiserliche Zamiiie in Königsberg.
Königsberg, 25. Aug. Der Kaiser hörte heute morgen den Vortrag des Hhefs des Marinekabinetts.
Um 11 Uhr vormittags oesuchten beide Majestäten, der Kronprinz, die Prinzen Eitel Friedrich, August Wilhelm, Adalbert und Oskar das Kneiphöfische Rathaus, wo sie am Portal vom Oberbürgermeister Körte, Äadt- verordnetenvorsteher Kröhne und den anderen Herren der Stadtverwaltung empfangen wurden. Die Kaiserin nahm ein Bukett aus den Händen des Stadtverordneten-Bor- stehers entgegen. Die Majestäten wurden durch das schöne alte Vestibül mit alten, eichengeschnitzten Ballustraden, hinaufgeleitet zum Magistvatssitzungssaal, wo unter einem Baldachin zwei Thronsessel ausgestellt waren. Zugegen waren u. a. der Oberpräsident v. Windheim, der Fürst zu Fürstenberg, Polizeipräsident von Wehrs und die städtischen Körper- schaften. Der Oberbürbermeister hielt eine Ansprache und bot dem Kaiser einen Ehrentrunk dar. Der Kaiser erwiderte mit einer Rede und trank aus dem Pokal. Die Majestäten nahmen dann die Vorstellung der Anwesenden entgegen und trugen sich in das neu angelegte goldene Buch im Zimmer des Oberbürgermeisters ein. Kurz vor 12 Uhr begaben sich die Majestäten nach dem Landeshaus.
Der Kaiser hat bei seiner Anwesenheit in der Proviitz Ostpreußen zu den Herbstmanövern eine große Anzahl von
gehilse an Stöcker an, um dann für 3 Monate den Talar auszuziehen, als Fabrikarbeiter in Chemnitz die Leiden und Freuden des vierten Standes an der Quelle zu studieren und darüber in einem Buche (1891) Rechenschaft abzulegen. Dann fungierte er, inzwischen Pfarrer rn Frankfurt a. O., als Sekretär des evangelisch-sozialen Kongresses, wo er einer der radikalsten war und, als die Scheidung zwischen Stöcker und Naumann erfolgen mußte, sich auf die Seite Naumanns schlug, mit dem und Maurenbrecher zusammen er die national-soziale Partei gründete. Ohne irgend welchen Einfluß auf das politische Leben zu gewinnen, siechte diese Partei, nachdem Göhre und Maurenbrecher zur Sozialdemokratie übergegangen waren, bald dahin, und ihre Reste fanden dann bei der nun in der Fortschrittlichen Bolksparter aufgegangenen Freisinnigen Vereinigung Unterstand. Von der Sozialdemokratie wurde der Pfarrer a. D. Paul Göhre 1903 unter beispielloser Begeisterung für Mitt- weida-Limbach in den Reichstag gewählt, aber die Mit-f arbeiterschaft Göhres an Hardens „Zuttrnft" führte schon auf dem Dresdener Parteitage zwischen ihm und Bebel au solch scharfen Auseinandersetzungen, daß Göhre, als die von der Parteileitung gegen ihn gehetzte Preßmeute sich fortgesetzt an seine Fersen heftete, einstweilen den Geschmack an der Politik verlor und sein Reichstagsmandat, noch »ehe er es überhaupt ausgeübt, niederlegte. In Zehlendorf bei Berlin weiter literarisch tätig, näherte er sich dann wieder der Sozialdemokratie, die ihn an Rose- nows Stelle bei den Blockwahlen von 1907 für Zschopau- Marienberg auf den Schild erhob, wo er aber gegen den Reformer Zimmermann, wie bereits erwähnt, unterlag.
Der Ausgang der Wahl in Zschopaw-Marienberg bedeutet für die bürgerlichen Parteien wieder eine Mahnung! Sie müssen sich fragen: wollen wir der sozialdemokratischen Partei auch ferner solche Förderung zuteil werden lassen? Wer diese Frage verneint, muß die bisherigen Schlagworte aus dem politischen Leben fortlassen und die Siedehitze, bei der alles verdorrte, auch die Hoffnungsblume des Liberalismus, zu einer erträglichen Temperatur herabmindern.
Auszeichnungen verliehen. Bei dem Empfang am Rathause führte der Oberbürgermeister aus: Er danke für den Besuch der Majestäten und der Prinzen, er danke für die Fülle der Gnadenbeweise an die Mitglieder der städtischen Verwaltung, besonders an solche, die im Ehrendienst tätig sind. Gute erste Tradition'en seien es, die die Stadt mit dem Herrscherhaus verbänden und die Vertretung der Stadt auch bei ihrem täglichen Arbeiten mit Liebe und Dankbarkeit zu diesem Hause erfüllten. Als erster preußischer König, als erster deutscher Kaiser und als erste preußische Königin betraten die Majestäten das alte schlichte Haus von 1695. Der Redner erinnerte an die Vereinigung der drei Städte zur Stadt Königsberg unter König Friedrich I., an das erste Auslaufen der kurbrandenburgischen Flotte ans Pillau, an Steins Werk und an die schwere Zeit vor 100 Jahren und wies auf die unendliche Liebe des Volkes zu den Hohen- zollern hin, die in Königsberg immer lebendig gewesen sei.
Der Kaiser über Königsberg und seine Entfestigung.
Der Kaiser erwiderte auf die Ansprache des Oberbürgermeisters int Rathause:
„Im Namen Ihrer Majestät der Kaiserin und Königin und in meinem Namen danke ich Ihnen von Herzen für die erhebende Ansprache, in der Sie uns in beredten Worten euren kurzen Abriß der Geschichte der Stadt Königsberg und ihrer Bürgerschaft gegeben haben. Ich sehe mit Befriedigung daraus, dcrß in den Reihen der Königsberger Bürgerschaft die Pflege der Tradition und der Geschiclste lebendig ist. Die Traditionen und die Geschichte der Stadt sind alt und ehrwürdig und vor allen) Dingen innig mit urrserem Hause verknüpft. Es ist mir eine besondere Freude, Ihnen allen, meine Herren, unseren gemeinsamen Dank aussprechen zu können für die h ervorr agende Hal- t u n g und den begeistetten Empfang, den wir allerotten hier in der Stadt bei Jung und Alt gesunden haben. Es zeigt sich eben dabei, daß das Band zwischen den Königsbergern und ihrem Königs hause doch ein ganz besonderes, i st, das sie vor anderen Städten der Monarchie auszeichnet, und daß günstige und innige Beziehungen zwischen meinem Hause und der Stadt bestehen, die sich nicht erläutern!, nur fühlen lassen. Wie der Herr Oberbürgermeister schon erwähnt hat, ist seitens! meiner Vorfahren wiederholt für das Wohl der Stadt eingcgriffen worden und sind der Stadt Vorteile daraus erwachsen. Es ist mir eine besondere Freude, daß es auch mir möglich gewesen) ist, den langgehegten Wunsch der Stadt auf Vergrößerung durch die Entfestigung entsprechen zu können. Es ist gewiß, das werden Sie begreifen, vom militärischen Standpunkte immer ein gewisser Entschluß, wenn eine Grenzfeste ihrer Wälle teilweise entkleidet werden soll. Ich habe aber doch die feste Zuversicht, dan mit Gottes Hilfe und der Vottrefflichkeit meines Heeres, von der Sie eine Probe gestern gesehen haben, es auch fernerhin ge- Ung:, den Frieden aufrecht zu erhalten und falls es uns doch einmal beschieden ist, uns für unsere Existenz schlagen zu müssen, daß dieostpreußi sch en Regimenter genüg en werden, um Wall und Graben zu ersetzen. (Bravo!) Es wird durch die Entfestigung Ihnen allen viel lohnende Arbeit erstehen, und Sie werden interessante Ausgaben zu bewältigen haben. Möge die Bürgerschaft opferbereit und op,erfreudig sein und dem bewährten Führer ihrer, städttscheu Arbeiten, dem Oberbürgermeister, folgen und mögen die Hoffnungen, die Sie an die Erweiterung knüpfen, in vollstem Maße in Erfüllung gehen, so daß um die alte Stadt der reiche blühende Kranz der Neustadt sich legen und Königsberg zu einer der schönsten Städte der Monarchie machen möge. In dieser Hoffnung trinke ich auf das Wohl der Stadt."
Als das Kaiserpaar und die fünf Prinzen Beim Lande sh aus e vorfuhren, wurden sie von dem Vorsitzenden des Provinziallandtages, Wrsten zu Dohna-Schlo- bitten, dem Vorsitzenden des Provinzialausschusses, Rittergutsbesitzer von Röben-Laargarben, und dem Landeshauptmann von Berg empfangen und nach dem großen Sitzungssaal geleitet, wo die Vertreter der Provinz sich auf gestellt hatten. Wrst Dohna-Schlobitten begrüßte den Kaiser und
Das alte piastenschioh in Posen.
Die Tatsache, daß das neue Posener Kaiserschloß in rein romanischen Formen erbaut ist, mag daran erinnern, daß die Stadt Posen ein Schloß besitzt, das noch aus dem wirklichen romanischen Zeitalter stammt: es ist das alte Residenzschloß, das sich auf dem Schloßberg erhebt, und an das sich von allen Gebäuden Posens die reichsten historischen Erinnerungen knüpfen. Die historische Ueberlieferung verlegt, wie A. Warschauer in der Zeitschrift „Aus dem Posener Sanbe" mitteilt, seine Entstehung in die Mitte des 13. Jahrhunderts, in eine Zett, da die deutsche Kolonialstadt auf dem Westufer der Warthe angelegt wurde und das Zentrum des städtischen Lebens dahin überging. Die Burg schloß die neugegründete Stadt im Westen ab, und bildete gewissermaßen ihre Zitadelle. Solange das Land eigene Wrsten hatte, also bis zum Ende des 13. Jahrhunderts, blieb es ihre Residenz. In den unterirdischen Verließen des mächtigen Baues soll der letzte dieser Piastenfürsten, Przemisl II., feine Gemahlin Ludgardis, eine mecklenburgische Prinzessin, haben erdrosseln lassen. Als mit der Entstehung des Königreichs Polen (zu Anfang des 14. Jahrhunderts) die Residenz nach Krakau verlegt wurde, nahm der General- starost von Großpolen als Stellvertreter des Königs seinen Sitz in dem Posener Schloß, das damit zugleich Sch des höchsten Gerichts wurde. Zum ersten Mal wurde das Schloß am Ende des 14. Jahrhunderts zerstört in den Kämpfen der Grzymala und Naleez. Ein vollständgier Neubau wurde am Anfang des 16. Jahrhunderts errichtet, aber schon 1536 fiel er dem großen Brande der Stadt zum Opfer. Ein abermaliger Neubau umfaßte vier große Gebäudegruppen mit gotischen Giebeln.
In den wechselnden Geschicken der Schwedenkriege tauschte das Schloß ebenso ost wie Stadt und Land seine Herren. Kurfürst Friedrich Wilhelm von Brandenburg nahm es 1656 ein, der alte Derfflinger lagerte darin und später auch der Schwedenlönig Karl XII. Auch unter der Herrschaft der sächsisch-polnischen Könige war der Burg keine friedliche Zeit beschieden August III. legte eine Besatzung hinein, die aber mit ihrem Kommandanten, dem
Grafen Seydlitz, von den Truppen des konföderierten Polen vertrieben wurde. Als die Kriegszeiten zu Ende gingen, war das alte Piastenschloß eine Ruine. Zu einer Wiederherstellung kam es erst gegen "Ende des 18. Jahrhunderts, als Kasimir Baezynski, der Generälstarost von Großpolen, das Schloß aus eigenen Mitteln wieder aufbaute, wovon noch heute eine lateinische Inschrift Kunde gibt. Diese Erneuerung gab dem Gebäude im allgemeinen die Gestalt und Ausdehnung, die es heutzutage besitzt. Die preußische Regierung brach im Jahre 1794 den Gefängnisturm ab, restaurierte den in Trümmern liegenden linken Flügel und bestimmte das alte Schloß zum Sitz der höchsten Gerichtsbehörde. Erst als 1883 das neue Oberlandesgerichtsgebäude auf der Friedrichsstraße erbaut wurde, verlegte man das Staatsarchiv für die Provinz Posen in das ehrwürdige Gebäude, das wie fein anderes die steingewordene Geschichte seiner Stadt und seines Landes darstellt.
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R. B. Darmst ad t, 25. Aug. Das Großherzogliche Hoftheater wird am Sonntag, den 4. September, seine neue Spielsaison eröffnen und zwar mit Salevhs Oper „Die Jüdin". In dieser Eröffnungsvorstellung toer- den zwei neue erste Kräfte auftreten, in der Partie der „Recha" die anstelle der Frau Morny engagierte neue Primadonna Frl. v. Sugh und als „Ele<Mr" der vom Mainzer Stadttheater engagierte Heldentenor Herr Georg Becker, der als Ersatzmann des Herrn Spemamn einttttt. Am 5. September kommt Shakespeares „Richard II." zur Ausführung, worin zum ersten Mal Wl. Pr e v o ft'(fi-üher am Stadttheater zu Riga) auftritt. Dem ersten dieser Königsdramen soll später noch eine Reihe weiterer Shake- spearescher Dramen folgen. Die dritte Vorstellung wird „Figaros Hochzeit" sein, dann folgen Eugen d'Alberts Oper „Tiefland", dann „Götz von Berlichingen" mit Irl. Prevost als „Georg", Richard Wagners „Tannhäuser" mit Herrn Semper aus Weimar als Wolfram von Eschenbach und am 19. September in vollständig neuer Einstudierung Webers „Weischütz". Als Festvorstellung zum Geburtstag der Großherzogin (17. September) sind zwei Neuhetten und zwar „Brüderlein fein" von Leo Fall und „Robins Ende"
von Mnecke in Aussicht genommen. Einige Täter später folgt die Schauspielnovität „Gawän", ein Mysterium vou Ed. Stucken, das kürzlich in München und Berlin erfolg-' reich aufgeführt wurde.
— Von Shakespeares Grab. In englischen Blättern werden lebhafte Klagen über das laute und rücksichtslose Verhalten der amerikanischen Touristen geführt, die in der Pfarrkirche zu Sttatford das im Chor befindliche Grab Shakespeares besichttgen und dabei die Kirchenbesucher in ihrer Andacht stören. Mit besonderer Vorliebe benutzen diese pietätvollen Globetrotters die Zeit des Gottesdienstes, um in der Kirche ihre Ansichtspostkarten zu schreiben, die sie vorher stoßweise eingekauft haben. Seit voriger Woche ist nun in der Kirche ein Anschlag des Kttchen- Vorstehers angebracht, der besagt, daß Shakespeares Grab an den Sonntagen überhaupt nicht mehr gezeigt und daß an den übrigen Tagen für die Besichttgung eine kleine Gebühr erhoben werde, deren Ertrag zn den Unterhaltskosten des Kirchhofs verwendet werden soll.
— Ein Pftzrde-Museum. Da man schon ernsthaft die Zeit vorausberechnet, wann das siegreiche Automobil das Merd ganz aus dem Wlde geschlagen haben wird, kann es kaum verwundern, wenn man jetzt bereits daran geht, ein eigenes Museum für das edle Roß zu errieten. In der französischen Provinzstadt Saumur an der Loire, die feit 1768 der Sitz einer Kavallette- Reitschule ist, hat die Stadtverwaltung das auf einer Anhöhe liegende Kastell, ein wettvolles Bauwnck aus dem 13. Jahr- hundett, daftir zur Verfügung gestellt, daß darin em ganz dem! Pferde und seiner Geschickste gewidmetes Museum eingeric^ct werde. Alles was an Darstellungen des Pferdes in Wott und Bild, an Mettwürdigkeiten und Ausrüstungen, an Darstellungen berühmter Pferde usw. aufzutreiben ist — so z. B. auch eine genaue Darstellung der Reitkostüme aller Länder von der Antike bis zur Neuzeit —. soll nach Möglichkeit gesammelt und hier vereinigt werden. Ein Ausschuß von hohen Offizieren, Senatoren unh Abgeordneten hat es übernommen, den Plan zu fördern und vorzubereiten. So wird wenigstens dafür gesorgt, daß die Kenntnis des Pferdes späteren Geschlechtern nid)t ganz abhanden kommt. Es kann die Spur von seinen Erdentagen nicht in Aeonen unter* gehn ....
Kurze Nachrichten aus Kunst u. Wissenschaft. Ter Schrutneller Ainand Freiherr von Schweiger-Lerchen- f e l d ist gestern im Spital der Barmherzige^ Brüder gestqrhen^


